Acta Pacis Westphalicae II A 2 : Die kaiserlichen Korrespondenzen, Band 2: 1644 - 1645 / Wilhelm Engels mit einem Nachtrag von Karsten Ruppert
304. Lamberg und Krane an Ferdinand III Osnabrück 1645 November 27
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Osnabrück 1645 November 27
Ausfertigung: RK , FrA Fasz. 48a, Konv. c ( September – Dezember 1645 ) fol. 166–169,
praes. 1645 Dezember 11 = Druckvorlage – Kopie: Den Haag A IV 1628 nr. 18; Giessen
206 nr. 161 S. 1010–1019 – Druck: Gärtner VI nr. 181 S. 828–834.
Gespräch Kranes mit den kurbrandenburgischen Bevollmächtigten über die schwedischen Forderun-
gen auf Pommern.
Haben Rezepisse vom 10. November
ster und scheint, daß er seine zuruckhombst darumb waß verweilet, dhamit
zeit gewunnen werde, und immitls die instruction auß Schweeden einlan-
gen möege. Diese wochen hab ich, Crane, die Churbrandeburgische gesan-
ten , den von Löwen und Dr. Weßenbeck, heimbgesucht, bey welcher gele-
genheit mir dieselbe erzehlet, waßgestalt die Frantzosische abgesandten zu
Münster zu dienst der cron Schweeden, dhamit deroselben Pommern uber-
laßen werden möege, den graffen von Wittgenstein angeredet; selbiger graff
aber denselben deütlich zu verstehen geben hette, daß man nit darauf
zulegen solte, daß sein gnädigster herr, der churfürst von Brandeburg,
einen fueßbraidt von seinen landen, und waß demselben durch unvermüth-
lichen zufall der Pommerischen succession von Gott seie beschert, zuruck-
laßen würde; man sölte denselben nit zu ergreiffung anderer mitl tringen,
dan seie noch mächtig gnug, sich dhabey zu manuteniren, und sollen die
Frantzosen mit selbigen graven von Wittgenstein dieses wercks halben
waß hart ahneinander khommen sein. Bemelte gesanten haben mich gleich-
samb gewarnet, massen sie auch hiebevorn gegen mich, den graven von
Lamberg, gethaen, daß man sich an Kaiserlicher seithen bey diesem werck
in nichts herauslaßen wolte. Die churfürstliche durchlauchtt verließen sich
einmahl auf Ewer Mayestätt Kaißerliche wordt und zusage, die khönten
noch wol zu dero diensten mit ins harnisch gebracht werden, würden auch
etwoh schon darin sein, wan man sie daran nit verhindert hette; den gienge
dies werck, alß warahn dero haußes wolfahrt hafftete, billig tieff zu hertzen,
wehren auch deswegen gemeindt, sich zu diesem convent waß näher herzu-
zumachen und ihre residentz eine zeitlang zu Saltzwedl in der newen Marck
zu nhemmen, dhamit sie dem werck selbst zusehen und desto embsiger
abwarten möegen.
Ich hab geantwortet, daß sich wol dhazu zu verlaßen hetten, daß die Keiser-
liche die erste nit sein würden, so bei diesem passu waß nachgeben würden.
Man hette auß Ewer Mayestätt allergnädigsten erclehrung ad propositionem
Suecicam gnugsamb zu verspühren, daß dieselbe nit dahin inclinirten, daß
man der cron Schweeden ahn landt und leuthen waß einraumen solte; man
werde dießeits hirin der Churfürstlichen Durchlauchtt und anderer stendte
meinung und gutbefinden nachgehen und folgen. Wir hetten gleichwol
von Münster die nachrichtung, gestalt die Frantzosen aldha die uberlaßung
selbigs fürstenthumbs Pommern ahn die cron Schweden alß eine sache, so
schon bei denen protestirenden stendten richtig sein solle, außgeben thäten;
würde gleichwol nötig sein, hirin alle divisiones under den ständten zu
verhüeten. Darauf die gesandten erinnert, daß solches nur ein ploß vor-
geben der Frantzosen seie und khein fundament habe, wüsten die protesti-
renden anders gesinnet und khönten mich wol versichern, daß bey denselben
circa punctum satisfactionis sogar die quaestio an noch nit richtig seie. Sie
heten bißhero denen consultationibus der protestirenden mit beygewohnet
und eben darumb dhabei daß votum wegen Pommern geführt, dhamit sich
soviel desto mehr bei der possession halten möegen, obzwar sönsten solche
einseithige beykhombsten der protestirenden von keiner legalitet achteten,
dan wehren lauthere nullitates, so alhie und zu Münster seithero bei der-
gleichen separatconsultationen der catholischen und protestirenden stenden
fürgangen; wüsten wol, wohin die protestirende bei diesem werck incli-
nirten , trügen kheine sorge dhafür, daß dieselbe der churfürstlichen durch-
lauchtt waß vergeben würdten, sorgten nur vor die catholische, dhamit
sich dieselbe von den Frantzosen nit möegen einnehmmen und verleithen
laßen; ersuchten unß, daß solches mit wollen underbawen und abwehren
helffen. Man solte dergleichen discursen, so von den Frantzosen herkhom-
men , kheinen glauben beymeßen, die hetten iüngsthin alhie bey denen pro-
testirenden eben dergleichen von denen catholischen stendten zu Münster,
gleichsamb bey denenselben die uberlaßung schon richtig seie, außgeben,
seie aber auch nit wahr gewesen. Die Schweeden selbst heten sich noch
niemahl gegen sie, die Churbrandeburgische, dieser praetension halben,
wiewol man offtmals bey denselben anlaaß dhazu geben, umb dero gedan-
cken zu vernehmen, warauf sie endtlich ir intent bey dem puncto satisfac-
tionis gerichtet, ploß geben wöllen; wölten es ihnen auch nit rathen, dan
sopaldt sie dhamit herfürbrechen oder nur vermercken laßen würden,
würde es nur etwoh umb zwölfftaußent man und eine gute correspondentz
mit denen einwöhnern in Pommern – dern gemüther und devotion die
churfürstliche durchlaucht gnugsamb versichert und khein khindt darein zu
finden, so denen Schwedischen nit spinnfeindt seie – zu thuen sein, so würde
man baldt denen Schweden den weeg, woher sie khommen, wieder zeigen
können. Seie zu bedauren, daß das mißtrawen zwischen den stendten des
reichs so sehr eingerißen; man müße dahin trachten, wie selbigs wieder
außm weeg geraumbt werde und daß ein ieder seins gewißens freyheit
versichert sein möege, so würde man paldt mit den reichsfeinden außkhom-
men und sich deren entledigen khönen. Under andern müße auch dahin
gedacht werden, wie im Römischen reich ein durchgehender calender möege
eingeführt werden, dan solchs würdte viel bey dem gemeinen zur einigkeit
helffen.
Ich habe geantwortet, daß sie auß bemelter Ewer Mayestätt erclehrung ad
propositionem Suecicam auch wol abnhemmen könten, wie hoch Ewer
Mayestätt dharnach verlangten, dhamit einigkeit zwischen denen stenden
möege gestifftet und daß alte Teutsche vertrawen wieder erhoben werden;
dieselbe auch zu dem endt mildigst dhazu eingewilligt, daß die religions-
gravamina alhie bey gegenwertigem convent sollen vorgenhommen und
zur richtigkeit gebracht werden; ligge ahn Ewer Mayestätt nitt, sondern
stünde bei den stendten, daß werck selbst zu beforderen. Wir unserstheils
wölten treülich mitwürcken und dhazu helffen, dhamit gute einigkeit zwi-
schen den stendten möege gestifftet und das liebe vatterlandt für undergang
errettet werden. Wöllen auch nit underlaßen, bei unsern collegis zu Mün-
ster zu erinnern, dhamit denen catholischen stenden möege zugesprochen
und sowol wegen des particulars mit Pommern alß auch beforderung der
reichsgravaminum erledigung gebührendermaßen erinnert werden. Seie
mir immitls lieb von der Churbrandeburgischen gesandten gedancken in
ein und andern zu vernhemmen gewest; wünsche, daß man eins werden
und mit rechtschaffener zusamensetzung der stendte mit dem haubt zu erret-
tung des lieben vatterlandts allerseits mit beytragen und concurriren möege.
Wohmit ich von den gesandten abgeschieden.