Acta Pacis Westphalicae III C 2,2 : Diarium Volmar, 2. Teil: 1647-1649 / Joachim Foerster und Roswitha Philippe
Sonntag

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18 Sontags] am Rande: Status movirn den praetextum, daß ob restitutionem ex capite am-
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nestiae et grauaminum non factam die commutatio ratificationum gestelt werden möcht,
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petunt consilium.
Sontags, den 27. huius, seind der reichsräthen extra-
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ordinarii deputati vor sambtlichen herrn Kayserlichen gsandten in herrn
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grafens von Nassau quartir erschienen, fürbringend: Nachdem nunmehr der
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cronen plenipotentiarii mit ihren ratificationibus gefaßt, hetten sie nit wollen
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underlassen, bei unß anzemahnen, daß wir uff mittl und weeg bedacht sein
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wolten, wie man fürderlichst zu der würklichen außwexlung gelangen und
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also denn ständen der schwere kriegslast desto ehender ab dem halß kom-
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men möchte.

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25 Sonderlich] am Rande: NB: Praetextus de restitutione ex capite amnestiae et graua-
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minum nondum facta.
Sonderlich aber, weil zu besorgen, die cronen möchten etwan
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zum fürwortt anziehen, daß die restitutiones ex capite amnestiae et gravami-
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num noch nit volnzogen, so wolten die stände gern von unß vernemmen,
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durch waß mittl etwan solche restitutiones beschleünigt und den cronen
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diser vorwandt benommen werden möcht.

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29 Drittens] am Rande: Servient will vordrist die Spanische cession haben.
Drittens hette sich conte Ser-
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vient lassen vernemmen, daß er auch die Spanische cession vordrist wurde
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haben müessen, were der ständen begehren, wir wolten diselb, wa die vor-
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handen, nit auffhalten oder doch alle mittl und weeg anwenden, daß die ehist
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zue hendt gebracht und die stände derentwegen anderwerts mit schweren
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assecurationibus nit angefochten würden. Sodann und zum 4. müeßte man
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vernemmen, das wider denn gemachten fridenschluss hin und wider libelli
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famosi, pasquilli und dergleichen unverantworttliche schrifften außgesprengt

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und wol gar allhie offentlich verkaufft würden, allermaassen diser tagen
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under dem namen ’Deß hauß Burgundt beschwerung‘ geschehen. Wann nun
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hierdurch die allgemeine ruhe und wolstandt nit wenig betrüebt werden
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möchte, also wer der ständen ebenmässig begehren, wir wolten solches
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bestermaassen fürkommen helffen.

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6 Respondimus] am Rande: Extraditio ratificationum.
Respondimus: Sovil die extraditionem ratificationum anlangte, were denn
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ständen bewußt, daß es an unß nit ermanglete, sondern wir alle stundt darzu
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berait weren. Mit denn Schweden were vergangnen mitwochs die collatio-
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nierung ihrer und unserer ratificationum vorgangen und alles der abredt
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gmäß verferttigt befunden worden. Die Französischen hetten ihr ratification
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zwar auch gestrigen tags mit der unserigen scontirn lassen, die wer aber
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erstlich nit in gleicher formb wie die unsere außgeferttigt, daß proemium in-
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strumenti außgelassen, der paragraphus finalis ’In quorum omnium‘ zwar ein-
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gesetzt, aber zugleich die plenipotentiae angehenkht; und wölches daß aller
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nachdenklichste, so wer in ipso instrumento der ordo titulorum invertirt und
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dem Kayserlichen titul jeweils der Französische vorgesetzt, also daß wirs in
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tali forma ohne verschimpffung der Kayserlichen auctoritet nit annemmen
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köndten. Der Servient hette sich zwar erbotten, sein parola in scriptis ze ge-
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ben, daß innerhalb bestimmender zeitt ein ander diploma, dem unserigen
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gleich, solte eingebracht werden, wie er nit zweifelte, uff sein letstern, unserm
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an ihne beschenen begehren nach an Königlichen hof gethanden bericht
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nechster tagen ohnedaß einkommen würde. Wir hetten unß aber noch derzeit
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nichts darauff erclären könden, sondern müeßten zusehen, waß weiter erfol-
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gen würde. Es solten iedoch die stände beeden, den Franzosen und Schwe-
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den, diser extradition halber auch ferner zusprechen und die nothurfft zu
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erkennen geben. Bei dem 2. puncten hetten wir wol auch von denn Schwe-
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den sonderlich vernommen, daß sie dergleichen fürwandt suechten. Unsers
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erachtens aber wer es gar ein unerhebliche außflucht, dan es ja im instru-
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mento den verstandt nit hab, wan dergleichen restitutiones nit so puntual-
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mente vorgangen, als es ein oder ander theil wol verlangte, daß darumb die
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extraditiones ratificationum verzögert werden solten, sondern vilmehr wer
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eben darumb selbige zu befürdern nöthig, damit iedermeniglich der un-
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gleiche wahn benommen wurde, als solten die cronen disen friden nit halten
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wöllen, unter wölcher besorgnus wol mancher der restitution sich zu ver-
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waigern anlaß nemmen thet. Und bei disem pass möchten wir inen nit ver-
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halten, daß Ihr Kayserliche Maiestät mit jüngster post unß gnedigst com-
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municirt, waß an diselb von denn ständen vor ein congratulationschreiben
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einkommen und dabei für begehren angehenkht worden, demnach bevoh-
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len, inen anzezeigen, daß solche congratulation Ihrer Maiestät zu gnedig-
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stem dankhnemigem gefallen geraichte und, gleichwie sie nichts mehrers
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wünschten etc. (ist alles ad longum nach laut Ihrer Maiestät bevelchs de 4.
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huius außgefüret worden). Demnach so wüßten wir nit, waß dessentwegen

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weiter für particularexpedientia zu ergreiffen, sondern halten darfür, im fahl
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in bedeütten beeden punctis einige execution noch ermanglete, daß Ihre
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Kayserliche Maiestät uff erfolgend ansuechen deß beschwehrten theils sowol
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nach innhalt gemeiner reichsconstitutionum als der auffgerichten fridens-
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articul die ferner gebür schleünigst vorzenemmen nit underlassen würden,
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daß also gar nit vonnöthen sein wurde, derentwegen der cronen armaden
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lenger uff denn ständen ligenzelassen. Doch wafern die stände etwan
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andere mittl vorzuschlagen wüßten, so weren wir erbiettig, mit inen darüber
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in ferner conferentz einzetretten oder nach gestalten sachen an Ihr Maiestät
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die nothurfft gehorsambst ze referirn. Waß zum 3. die Spanische cession
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betreffen thet, da hetten Ihre Maiestät diser und anderer, die fridensexecution
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betreffender sachen halb ein aignen currier in Spanien abgeschikht, der wer
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noch nit zurukhkommen. So hette auch der Spanische plenipotentiarius, herr
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Bruin, noch kein antwortt auff seine nach geschlossnem friden an Spanischen
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hof gethande relationes, wer aber deren stündtlich gewärttig. Waß wir in-
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mittelst zu mehrer befürderung wurden thuen könden, wolten wir unsers
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ortts nit underlassen. Ad quartum vernemmen wir nit gern, daß dergleichen
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fürgehen soll, wüßten vor dißmal der sachen anderst nit ze helffen, als daß
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wir ein schrifftliche warnung anschlagen liessen, das iedermeniglich sich der-
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gleichen außzesprengen und zu verkauffen bei willkurlicher straaf enthalten
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solte. Und hiemit haben wir dem Churmaintzischen cantzler auch daß
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Kayserliche antworttschreiben in originali zugestellt. Illi nemmen dise ant-
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wortt zu dankh an, erbietten sich bei der cronen plenipotentiariis zugleich
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allen fleiß anzewenden, damit die extradition ihren fortgang gewunne,
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hören daß mancament der Französischen ratification nit gern, verhoffen, es
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werde hiernechst verbessert werden.

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27 Waß] am Rande: Opinio protestantium circa restitutiones ex capite amnestiae et graua-
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minum.
Waß aber die restitutiones ex capite amnestiae et gravaminum anlangte, da
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vermeinten theils der ständen ein mittl ze sein, daß man eine gewisse specifi-
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cation der restituendorum et restituentium auffsetzen und durch ein auß-
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schreiben dennselben einen gwissen termin bestimmen solt cum annexa
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conditione, wölcher nit parirte, daß alsdann wider ine ex capite fractae pacis
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procedirt werden solle. Da unß nun solch mittel beliebte, wolten sie es
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alsbaldt in die reichsräthe proponirn.

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33 Nos] am Rande: Quae a Caesareanis refutata.
Nos, unserstheils köndten wir wol
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geschehen lassen, daß ein designation der restituendorum et restituentium
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von allen interessirten verfaßt wurde, waß aber daß andere anlangte, da geben
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die reichsconstitutiones und der fridenschluss seinen gewaißten weeg, waß
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ze thuen, und were diß nunmehr an Ihr Kayserliche Maiestät als das ober-
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haupt ze lassen, und würde unsers erachtens sich nit gebüren, daß derglei-
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chen executionsmandata under der ständt namen außgehen solten. Ita
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dimissi.

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1 Eodem] am Rande: Conuiuium Saluii.
Eodem sontags seind wir beim Saluio zu gast gewesen. Die tafel stüende der
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zwerchlange nach under einem kleinen baldachino, an dessen rukhwandt der
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königin auß Schweden bildtnus angehefftet war, in mitte der tafel sasse herr
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graf von Nassau, zu dessen rechter seitten herr graf von Lamberg, an disem
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ich, Volmar, und an mir herr Crane, an der linckhen deß herrn grafen von
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Nassau sasse der Französische gsandt, conte Servient, anime graf Oxenstirn
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und an disem her Salvius. Gegenüber und ausser dem baldachino sasse in
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medio tabulae der Churmaintzische gsandt Dr. Raigensperg, an ime Dr.
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Krebs, Churbayerischer, an disem Wesembeckh, Churbrandenburgischer
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abgesandten, correspondendo lateri dextro Caesareanorum. Auff der rechten
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seitten deß Reigensperg sasse herr thumbpropst von Paderborn, herr von
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Rekh Churcölnischer, Dr. Scherer Churtrierischer und Dr. Leüber Chur-
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saxischer abgesandte correspondendo lateri sinistrae Caesareanorum, in
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extremitatibus tabulae ad latus dextrum der Französische resident La Cour,
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ad sinistrum der Schwedische resident Berenclou.

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