Acta Pacis Westphalicae III A 3,3 : Die Beratungen des Fürstenrates in Osnabrück, 3. Teil: 1646 / Maria-Elisabeth Brunert

30
Österreichisches Direktorium. Praemissis praemittendis, weil zu
31
Münster wegen der worth in der Schwedischen replic, articulo 5, „iuxta
32
morem ab antiquo in Imperio receptum“

41
Siehe schwed. Replik, Klasse I,2 ( Meiern II, 186 ). Das Zitat stammt aus der ksl. Respon-
42
sion an Schweden, zu Art. 5 ( Meiern I, 620 ).
auch fürkommen

43
Bezug auf die Aufzeichnung der „Meinung“ des FRM von 1646 II 14 zu Klasse I,2 der
44
schwed. Replik (s. Anm. 2).
, wie diesel-
33
ben zu expliciren, imgleichen, waß circa foedera zu antworten

45
Siehe schwed. Replik, Klasse I,2 ( Meiern II, 186 ). Dies bezieht sich auf die ksl. Responsion
46
an Schweden, zu Art. 6 ( Meiern I, 620 f.).
, hetten sie

[p. 155] [scan. 287]


1
im 1. diese mainung gesetzet, daß ihrer Kayserlichen mayestät herrn ple-
2
nipotentiariis einzurahten, es weren sölche wort uf den modernum Impe-
3
rii statum eiusque legibus fundamentalibus et constitutionibus confor-
4
mem zu verstehen unnd außzulegen, dabeneben ihrer mayestät für die
5
super iuribus statuum beschehene declaration

38
Gemeint ist die ksl. Responsion an Schweden, zu Art. 5 und 6, bzw. die ksl. Responsion an
39
Frk. von 1645 IX 25, zu Art. 7 und 8 ( Meiern I, 620 f. und 631).
danck zu sagen unnd die-
6
selbe dem künfftigen friedenßschluß specifice zu inseriren.

7
Ad 2.: Weil ihr Kayserliche mayestät unndt daß Reich pillich von allen
8
foederibus excipiret würden, so hette es dabey sein bewenden unndt plie-
9
ben also die wort „modo ne sint contra imperatorem et Imperium“

40
Siehe ksl. Responsion an Schweden, zu Art. 6 (das Zitat lautet vollständig: modo tamen ea
41
Fœdera non sint […], Meiern I,621 );schwed.Replik, Klasse I,2 ( Meiern II, 186 ).
stehen.
10
Nun erinnere man sich, waß diß ohrts am 9. Februarii (stili novi) geschlo-
11
ßen worden

42
Siehe Nr. 99, mainungen zu Punkt 1 (oben S. 91 Z. 15–18).
, daß nemblich die wort „ab antiquo“ nach dem Österreichi-
12
schen voto zu verstehen undt außzulegen, doch dabey mit dem anhang,
13
das, wan die worth einige weitleufftigkeit oder aufenthalt der friedenstrac-
14
taten machen solten, dieselbe lieber gar außen zu laßen. Finde sich daher
15
diese kleine differenz, weil man hier vermeinet, daß sie außgelaßen werden
16
kunten, davon die Münsterischen nichts gesetzet hetten.

17
Daß sonst die iura statuum specifice einzurücken, were zwar dieses ohrts
18
nicht expresse vermeldet. Weil aber ihr mayestät zuvorhin dieselben spe-
19
cifice sezen laßen

43
Siehe Anm. 7.
, werde es wol dabey, wie die Münsterischen concludi-
20
ret, verpleiben können.

21
So were auch dieses ohrts auf die dancksagung gegen ihr Kayserliche
22
mayestät geschloßen, wie imgleichen, daß ihr mayestät und das Reich
23
von allen foederibus zu excipiren.

24
Pliebe also diese einige differenz übrig wegen außlaßung der wort „ab
25
antiquo“, und stünde dahin, was darauff zu schließen, damit die re- und
26
correlation befördert werde.

27
Österreich. Weil diese differenz in die substanz nicht hinneinlauffe,
28
auch an der Kayserlichen herrn plenipotentiarien dexteritet nicht zu zweif-
29
feln, so were es am besten, denselben es anheimbzugeben, ob sie es setzen
30
wollen oder nicht, die dan schon ein expediens würden zu finden wißen.

31
Bayern. Befinde soviel, daß man haubtsachlich wegen der relation ad
32
constitutiones Imperii einig, dabey es pillich pleiben zu laßen unnd sölche
33
declaration zu geben. Daß sonst die wort in omnem eventum außzulaßen,
34
weren zwart die maiora darauf gangen, dahin es auch noch wol kommen
35
und etwan also dem

37
35 concluso] Österreich A II (XXXII): reichsbedenkhen.
concluso annectiret werden könte: daß etliche dersel-
36
ben mainung gewesen weren.

[p. 156] [scan. 288]


1
Würzburg. Man finde die differenz nicht groß, dan die clausul were
2
ohnedes nur conditionaliter gesetzet etc., welches dan die herrn Kayserli-
3
chen am besten sehen werden. Halte auch dafür, die herrn Münsterischen
4
werden eben der mainung sein. So, weil auch in der Kayserlichen resolu-
5
tion

36
Gemeint sind die ksl. Responsionen.
die iura schon specificiret, werde sich die specification desto ehen-
6
der practiciren laßen.

7
Magdeburg. Agebat gratias pro relatione unnd hette es dahin eingenom-
8
men, daß die fürstlichen herrn abgesanten zu Münster 1. die wort „ab an-
9
tiquo“ dahin ausgeleget, daß dieselbe secundum modernum Imperii statum
10
eiusque legibus fundamentalibus et constitutionibus conformem zu verste-
11
hen, 2. darbeneben geschloßen, daß in dem künfftigen aufsatz des frieden-
12
schlußes die iura statuum specifice eingerücket werden müchten.

13
Ad 1. sey newligst

37
Am 9. Februar 1646 (s. Nr. 99).
ein conclusum gemachet: Weil dieselben wort nur
14
weitleufftigkeiten veruhrsachen würden, könten sie wol außgelaßen wer-
15
den, darbey er es nochmals bewenden laße.

16
Ad 2. conformire er sich mit den herrn Münsterischen.

17
Basel. Wie Würzburg.

18
Sachsen-Altenburg. Befinde gleichsfals, wie Magdeburg angeführet,
19
daß die differenz zweyerley:

20
1. Gedencken sie nicht, ob die wort „ab antiquo“ uf allen fall außzulaßen.
21
Dieweil sie aber die mainung nicht austrücklich verworffen, halte er da-
22
für, das sie es tacite approbiren etc. Repetire derowegen daß Bayerische
23
votum, und könte also gesetzet werden: daß etsliche es erinnert hetten.

24
Ad 2., waß die specification der iurium imperatoris, electorum et statuum
25
anlange, wan es ohne behinderung der tractaten geschehen könte, wolte
26
er sich zwar gerne mit Magdeburg conformiren, befürchte aber sehr, es
27
möchte moras causiren.

28
Österreichisches Direktorium. Es weren nur von denen iuribus zu
29
verstehen, die schon in der Kayserlichen resolution specificiret weren,
30
verbi gratia pacis et belli, legum ferendarum, contributionum etc. unnd
31
dergleichen

38
Siehe die Anm. 7 angegebenen Stellen. Im folgenden wird irrtümlich Art. 4 statt Art. 5
39
und 6 der ksl. Responsion an Schweden genannt (s. S. 157 Z. 8, 17, 20; S. 160 Z. 13).
.

32
Sachsen-Altenburg. Wan es den verstand hette, conformire er sich
33
mit Magdeburg und Österreich.

34
Sachsen-Coburg. Wie Altenburgk.

35
Sachsen-Weimar, -Gotha und -Eisenach. Idem pro voto triplici.

[p. 157] [scan. 289]


1
Braunschweig-Lüneburg-Celle. Beyde interpretationes hier unnd
2
zu Münster weren gut. Weil aber weitleufftigkeit zu besorgen gewesen, so
3
were cathegorice geschloßen worden, dieselben außzulaßen. Solte man
4
aber belieben, das es conditionaliter gesetzet werde, könne er wol indiffe-
5
rent sein, sonderlich uf die maße wie Bayern: daß etliche der mainung
6
gewesen etc.

7
Die specification der iurium etc. verstehe er dahin und von denen, die im
8
[5. und 6.] articulo der Kayserlichen resolution zuvorhin gesetzet weren.
9
Conformire sich dahero mit den herrn Münsterischen.

10
Idem auch wegen Braunschweig-Lüneburg-Grubenhagen und
11
-Calenberg.

12
Pommern-Stettin. Conformire sich ad 1. darmit, daß die wort hypo-
13
thetice könten gesetzet werden.

14
Wegen der specification, 2., verstehe er nicht, waß unnd wie es gemeinet.
15
Möchte differentien geben sowol mit ihr mayestät alß den ständen selbst
16
etc. Wolte aber des aufsatzes erwarten.

17
Ad interlocuta, daß es von denen articulo [5 und 6] exprimirten zu ver-
18
stehen, respondebat: Der aufsatz würde es geben.

19
Österreichisches Direktorium. Könte pro meliori declaratione hin-
20
zugesetzet werden, wie sie articulo [5 und 6] gesezet.

21
Pommern-Wolgast. Wie Pommern Stetin.

22
Mecklenburg-Schwerin. 1. Ratione explicationis der wort „ab anti-
23
quo“ conformire er sich mit Österreich, doch mit der Bayerischen decla-
24
ration, ad 2. ratione specificationis aber mit Magdeburg, Sachsen Alten-
25
burg unndt gleichstimmenden.

26
Mecklenburg-Güstrow. Idem.

27
Württemberg. Praemissa gratiarum actione befinde er, das man super
28
primo ganz einig. Conformire sich demnach mit den maioribus.

29
Ad 2. könne er sich gleichergestalt conformiren, daß dieiennigen iura statu-
30
um, so in der Kayserlichen resolution zu befinden, specificiret werden
31
müchten, unnd zwar cum clausula: „unndt andere status competirende“ etc.
32
Undt weil er

37
Varnhüler. Die Vollmacht datiert von 1646 I 2[/12] (Ausf.: HHStA MEA FrA Fasz. 6
38
[32] unfol.).
auch von ihr fürstlichen gnaden herrn pfalzgraf Leopoldt
33
Ludwigen

39
Pgf. Leopold Ludwig zu Veldenz (1625–1694), s. Stammtafeln I T. 29; Warmbrunn,
40
191f.
wegen Pfalz-Veldenz etc. befehl unnd commission be-
34
kommen, wegen ihr fürstlicher gnaden diesen tractaten beyzuwohnen,
35
so wolle er 1. zuvorders die beim antrit dieser deliberationum von fürsten
36
unnd ständen abgelegte pia vota repetiret haben.

[p. 158] [scan. 290]


1
Sodan 2. hetten ihr fürstliche gnaden (welche dißmahls soviel mittel nicht
2
gehabt, iemandt abzuschicken) ihme befohlen, daß er zwar iederzeit mit
3
und nach Würtenberg dero votum ablegen, welches aber citra praeiudi-
4
cium praecedentiae sein, sondern suo loco undt stracks negst Pfalz Zwey-
5
brücken gemeinet und gelten solte. Deswegen er dan feyerlich protesti-
6
rete mit bitte, sölches ad protocollum zu nehmen.

7
Weil auch 3. veranlaßet, das ein jeder, der nachkehme, die tractaten in dem
8
stande, wie er sie finde, antreten solte

34
Siehe das Conclusum des FRO und SRO zum Verhandlungsmodus vom 3. August 1645
35
( Meiern I, 521ff. , hier 521).
, ließen ihr fürstliche gnaden ihr
9
sölches auch gefallen, daß sie von ihme in der gestalt angetreten würden.

10
Ad rem ipsam et thema propositum: Weil dieser puncten halber res noch
11
integra undt ihr fürstlichen gnaden instruction mit der Würtenbergischen
12
ainig were, so wolte er es uf das Würtenbergische votum gestellet haben.

13
Sachsen-Altenburg. (Cum reliquis Saxonicis.) Hette vernommen,
14
waß von dem herrn Würtenbergischen wegen des Pfaltz Veldenzschen
15
voti vermeldet, daß nemblich daßelbe nach dem Würtenbergischen zwar
16
geführet, gleichwol aber der vermeinten praecedenz ohne abbruch, son-
17
dern stracks bey dem hause Pfalz zu verstehen sein solte. Wan nun söl-
18
ches wieder das chur- und fürstliche hauß Sachsen gemeinet were, müsten
19
sie dawieder protestiren unnd contradiciren etc., dan es were bekand, daß
20
das hauß Sachsen dem hause Pfalz nichts gestendig were

36
Die hgl. sächsischen Ges. hatten schon am 5. Februar 1646 wegen des Vorsitzes von Pfalz-
37
Lautern protestiert (s. deren Voten in Nr. 96).
. Bethe derowe-
21
gen, die protestation ad prothocollum zu registriren.

22
Pfalz-Veldenz. Laße die Sachsen Altenburgische protestation dahin-
23
gestellet sein. Könne in praeiudicium des hauses Pfalz nichts einreumen,
24
sondern wolle reprotestiret haben.

25
Braunschweig-Lüneburg. Obzwar das fürstliche hauß Braun-
26
schweig Lüneburg mit dem chur- und fürstlichen hause Pfalz keine com-
27
petenz habe, dieweil er aber vernehme, daß diß votum wegen Veldenz
28
geführet werden solte, welches dan anders nicht alß suo loco et ordine
29
gelten könte, halte er nicht dafür, daß das hauß Pfalz intuitu der graf-
30
schafft Veldenz

38
Die Gft. Veldenz war 1444 auf dem Erbwege an Pfalz-Zweibrücken gekommen, das 1543
39
geteilt wurde, so daß Pgf. Ruprecht (1506–1544) Begründer der bis 1694 bestehenden Li-
40
nie
Pfalz-Veldenz wurde ( Zink, 22f.; Stammtafeln I T. 27, 29; Heyen, 385f.; Warm-
41
brunn
, 172).
die praecedenz vor dem fürstlichen hause Braunschweig
31
habe, ia so weinig daß hauß Sachsen wegen der graffschafft Hennenberg
32
etc.

42
Die gefürstete Gft. Henneberg war 1583 aufgrund eines Erbverbrüderungsvertrags und
43
ksl. Exspektanzbriefe anteilig an die ernestinische und die albertinische Linie des Hauses
44
Wettin gefallen. Da ein Vergleich über die Teilung noch nicht zustande gekommen war,
28
regierten beide Linien die Gft. bis 1660 gemeinsam. Das FR-Votum wurde namens des
29
Gesamthauses geführt und nach dem Votum Anhalts abgelegt ( Meiern V, 253 ; Zickgraf,
30
120ff., 127f.; Klein, Sachsen, 11, 30f.).
Solte es aber eine andere bewandtnüß haben, wolte er sich gerne
33
informiren und weisen laßen.

[p. 159] [scan. 291]


1
Pfalz-Veldenz. Habe in instructione, daß das Veldensche votum
2
stracks nach Pfalz Zweybrück zu verstehen sein solte. Befinde auch auß
3
den reichsconstitutionibus und abschieden, daß es eo ordine gesetzet
4
worden

31
In den RA von 1582, 1598 und 1603 lautete die Reihenfolge Pfalz-Zweibrücken – Pfalz-
32
Veldenz – Hg.e von Sachsen ( Sammlung III, 413f., 467, 516). Im RA von 1613, den nur
33
wenige Protestanten unterzeichnet haben ( Ritter II, 386f.), fehlt Pfalz-Veldenz; zum RT
34
1640–1641 s. Anm. 22. Sachsen hatte diese Ordnung angefochten (Protest des Hg.s von
35
Sachsen auf dem RT von 1570, Text: RTA Speyer 1570/2 Nr. 524).
. Hoffe derowegen, weil die Veldentsche linie immediate von
5
Pfalz Zweybrügk entsproßen

36
Siehe Anm. 18.
, man werde es dabey bewenden laßen;
6
müste uf allen fall iura principis reserviren unnd reprotestiren.

7
Baden-Durlach. Ad 1. mit Österreich und Bayern, ad 2. mit den
8
maioribus.

9
Hessen-Kassel. Wan das Pfalz Veldentsche votum allein wegen Vel-
10
denz gemeinet, wolle er gleichsfals protestiret haben.

11
Pfalz-Veldenz. Reprotestirte gleichergestalt unnd bedingete, daß
12
sölch votum convenienti loco et ordine gelten solte.

13
Hessen-Kassel. Die sache selbst belangend, conformire er sich ad 1.
14
mit Braunschweig Lüneburg, ad 2. demselben und anderen vorsizenden
15
dergestalt, das die iura statuum specifice zu sezen.

16
Hessen-Darmstadt. Ad 1. mit Bayern unndt Österreich, ad 2. mit den
17
herrn Münsterischen, Magdeburg undt folgenden etc.

18
Wegen Veldenz stehe er gleichsfalß an unnd wiße nicht, ob es ein für-
19
stenthumb sey unnd immediate zum chur- unndt fürstlichen hause gehö-
20
re. Daß aber die grafschafft dem hause Pfalz solle incorporiret unnd da-
21
durch ein fürstenthumb worden sein, davon wiße er nicht undt müste uf
22
allen fall auch protestiren.

23
Mecklenburg, Pommern, Baden. Protestirten gleichergestalt.

24
Pfalz-Veldenz. Thete wiederumb reprotestiren.

25
Österreichisches Direktorium. In dem reichsabschiedt anno 1641
26
were zu befinden, daß stracks nach Pfalz Zweybrück Pfalz Veldenz gese-
27
zet worden

37
Pfalz-Zweibrücken, das nicht in die Amnestie des PF aufgenommen worden war und sich
38
noch nicht mit dem Ks. versöhnt hatte, war 1640 nicht zum Regensburger RT berufen
39
worden und steht ebensowenig wie Pfalz-Veldenz in der Namensliste des RA vom 10.
40
Oktober 1641 ( BA II 10.2, 316; Sammlung III, 569).
.

[p. 160] [scan. 292]


1
Pfalz-Veldenz. Sey nurt ad differentiam der linie von der residenz

30
Die Residenz des Fürstentums Pfalz-Veldenz war von 1543 bis 1654 Lauterecken ( Zink,
31
23) In drei FRO -Sitzungen votierte der Ges. im Namen von Pfalz-Veldenz-Lauterecken
32
(s. dazu [Nr. 112 Anm. 71] ; s. auch Nr. 117 bei Anm. 33; Nr. 118 bei Anm. 48).

2
also genennet, were aber sonst ein hauß etc.

3
Sachsen-Lauenburg. Wan das votum wegen der grafschafft Veldenz
4
alleine zu verstehen, wiederhole er die eingewendete protestationes.

5
Pfalz-Veldenz. Unnd er seine reprotestation.

6
Sachsen-Lauenburg. Ad rem ipsam conformire er sich mit Braun-
7
schweig Lüneburg unndt anderen.

8
Wetterauer Grafen. Deßgleichen.

9
Österreichisches Direktorium. Die mainungen gehen dahin:

10
Ad 1.: Weil am 9. Februarii st. n. ebendieser

29
10 schluß] In Österreich A II (XXXII) folgt: daß dise wort außzuelasßen.
schluß

33
Wie Anm. 9.
, doch mit dem con-
11
ditionalanhange, gemachet worden, so pleibe es pillig dabey.

12
Ad 2. accommodire man sich in deme den herrn Münsterischen, daß die
13
articulo [5 und 6] resolutionis Caesareae specificirte iura statuum auch also,
14
wie sie gesetzet, dem künfftigen friedenschluß einverleibet werden solten.

15
Vors andere erinnere man sich, waßgestalt circa 4. membrum replicae
16
Suecicae

34
Gemeint ist Klasse I,4 der schwed. Replik ( Meiern II, 187 ).
, in puncto commerciorum, dahin geschloßen worden

35
Siehe Nr. 104 bei Anm. 20.
, daß
17
man dieselbe auf der reichs- unndt hanseestädte mainung, so vielleicht
18
albereit beim Churmaynzischen directorio ein- und ehist zur dictatur
19
kommen würde, außsetzte, doch daß dieselbe nicht contra iura principum
20
et statuum lauffen solte. Hierauf nun weren fürsten unndt stände zu
21
Münster durchgehend der mainung gewesen, wie er itzo verlesen wolte

36
Siehe die Aufzeichnung der „Meinung“ des FRM von 1646 II 15 (s. Anm. 3). Der Text
37
dieser Aufzeichnung weicht von dem folgenden Zitat ab.
:
22
Rubrica: Waß ihr Kayserlichen mayestät etc. in puncto commerciorum
23
einzurahten unnd ob oder waßgestalt der reichs- und hanseestädte mai-
24
nung hierüber zu vernehmen:

25
Den Kayserlichen herrn plenipotentiariis [sei] an die handt zu geben:

26
1. Weil die reductio commerciorum an reductione pacis

38
reductio pacis bzw. reductio commerciorum meint die Wiederherstellung des Friedens
39
bzw. des Handels ( Georges II, 2257 s. v. reduco Punkt I BB 2: reducere = etwas Abge-
40
kommenes wieder einführen, ).
haffte, daß dem-
27
nach zuvorderß die friedenßtractaten selbst haubtsachlich befordert unnd
28
die Kayserliche declaration

41
Siehe ksl. Responsion an Schweden, zu Art. 15, und ksl. Responsion an Frk., zu Art. 11
42
( Meiern I, 622 , 631f.).
ins werck gestellet, auch alle bey diesem

[p. 161] [scan. 293]


1
kriege newerlich und ohne recht aufgesetzte zölle, mauthen undt impo-
2
sten wie auch steigerung der alten, sonderlich aber die Spanischen unndt
3
Stadischen licenten

31
Lizent ist eine Verbrauchssteuer und der damit verknüpfte Zoll bei der Ein- und Ausfuhr
32
( DRW VIII, 1353; allgemein s. Repgen, Zollpolitische Regelungen, 305–322). Anlaß zur
33
Klage gaben besonders die Rheinzölle zu Bacharach, Kaub und Hammerstein, von denen
34
im Februar 1646 Bacharach und Kaub in frz. und Hammerstein in span. Hand waren
35
( APW III A 1/1, 484 Z. 3–8; Fliedner, 36f.; zu weiteren Lizentorten am Rhein s. APW
36
III A 1/1, 556 Anm. 2 und Buchstab, 153; zu Hammerstein s. Anm. 36 und zur Unter-
37
scheidung zwischen den ndl. Zöllen in den Generalstaaten und im Reich S. 162 Z. 25–29).
, abgeschaffet unndt hergegen die alten pacta et con-
4
cordata gehandthabet; 2. der reichs- und hanseestädte mainung hierüber,
5
doch ohne aufenthalt der tractaten, eingenommen werden möchte.

6
Ob nun hiebey zu acquiesciren oder was weiter fürzunehmen etc.

7
Österreich. Weil ihrer mayestät intention ohnedaß dahin gehe, daß die
8
commercia reduciret werden möchten und zuvorhin sowol ihre mayestät
9
alß die cronen von abschaffung der unrechtmeßigen zölle meldung get-
10
han

38
Siehe frz. Proposition II von 1645 VI 11, Art. 11; ksl. Responsion an Frk., zu Art. 11
39
( Meiern I, 447 und 631f.); Repgen, Zollpolitische Regelungen, 306f. Die ksl.-schwed. Ver-
40
handlungen über Handelsfragen waren bis zu diesem Zeitpunkt noch nicht sehr konkret
41
( ebenda, 313).
, so könne er sich damit desto leichter conformiren.

28
10–13 Wegen – bemühen] Österreich A II (XXXII): unnd weren die Spannische unnd
29
Hollendische schwere zöll, jedoch sehe man nit, wie man sie hier bey den Schwedischen
30
tractaten einmischen könne.
Wegen der Spa-
11
nischen unnd Stadischen licenten stehe er an, verstehe es aber dahin, daß
12
davon auch bey diesen tractaten zu handtlen und umb deren abschaffung
13
sich zu bemühen.

14
Wegen des anderen laße er’s dabey, weil zumahl die städte schon damit
15
fertig und sölches, wie er vernehme, ehist zur dictatur kommen würde

42
Es lag noch kein Gesamtvotum des SRO und SRM über Handelsfragen vor (s. Nr. 104
43
Anm. 20).
.

16
Bayern. Könne sich deßwegen mit den herrn Münsterischen verglei-
17
chen.

18
Würzburg. Habe nichts weiters zu erinnern, sondern wie die liebe iu-
19
stiz, also dependirten auch die commercia von dem lieben frieden, dahero,
20
wan dieser erhoben, mit den commercien sich’s auch geben würde.

21
Magdeburg. Von seiten Magdeburg habe er vernommen, waß der herrn
22
Münsterischen mainung in puncto commerciorum gewesen, daß nemblich
23
zuvorders die friedenßtractaten befordert, die Kayserliche declaration ins
24
werck gestellet, auch newerliche zölle unnd imposten abgeschaffet, dan
25
aber auch der reichs- unnd hanseestädte mainung hierüber eingenomen
26
werden solte. Weil es nun sölchergestalt noch uf gemelter reichs- undt
27
hanseestädte bedencken stehe und er dan vernehme, daß daßelbe schon

[p. 162] [scan. 294]


1
einkommen

38
Irrtum (s. vorige Anm.).
, wolle er deßen per dictaturam erwarten und sodan ihr
2
fürstlicher durchlaucht

39
Hg. August von Sachsen, Adm. von Magdeburg.
wegen sich declariren.

3
Basel. Wie zuvorn.

4
Sachsen-Altenburg. Sey eben der mainung wie Magdeburg, daß man
5
sich in puncto commerciorum so eigentlich nicht erklehren könne, biß
6
der hanseestädte bedencken einkommen, biß dahin er dan auch sein vo-
7
tum zu suspendiren uhrsach hette. Wan aber daßelbe vorhanden unnd in
8
berahtschlagung kehme, würde man sich sodan weiter zu erklehren
9
haben.

10
Waß sonst daß Münsterische conclusum

40
Gemeint ist die „Meinung“ des FRM von 1646 II 15 (s. Anm. 3).
anlange, were wol nicht un-
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dienlich, daß die newerlichen, propria authoritate angelegte[n] zölle und
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imposten, auch consumptiengelder unndt deßgleichen abgeschaffet wer-
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den. Daß man aber auch die Spanische unnd Stadische licenten zugleich
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mit abschaffen wolte, halte er mit Österreich nicht dafür, daß es in ein
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thun zu ziehen, und hette man Spanien oder Holland hierunter nichts
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fürzuschreiben. Doch wan es ohne hinderung deß haubtwercks bey ihnen
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beederseits zu erhalten, were es wol sehr gut.

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Sachsen-Coburg. Wie Sachsen Altenburg.

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Sachsen-Weimar. Idem, sowol wegen Sachsen Weymar alß wegen
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Sachsen-Gotha und -Eisenach.

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Braunschweig-Lüneburg-Celle. Wolle gleichsfals der reichs- unnd
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hanseestädte bedencken erwarten, und weil sonst in dem Münsterischen
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concluso gar gute gedancken weren, so conformire er sich demselben, au-
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ßerhalb, waß schon von Österreich wegen der Spanischen unndt Sta-
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dischen licenten erinnert worden. Zwart könte noch eine distinction ge-
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machet werden von deniennigen imposten, so sie uf des Reichs boden
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angeleget, welche pillig abzuschaffen etc., aber nicht, waß sie in ihren ei-
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genen provincien angeordtnet, dan darein hette man sich nicht zu mi-
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schen, sondern möchte newe unruhe veruhrsachen. Halte dafür, man
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künte diese clausul wol gar außen laßen oder a part erinnern etc. Wan’ß
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kunfftig bey der handtlung zu erhalten stünde, were es nicht zu wieder-
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rahten, doch daß es nicht alß eine conditio necessaria pacis gesetzet werde
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etc., dan daß Römische Reich könne ihnen doch, zumahl in ihren landen,
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so weinig ziel noch maß geben, alß man ihnen in dem Römischen Reich
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gerne gestatten würde. Daß übrige were alles gar gut, wie er sich dan
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nochmalß conformire etc., unndt daßelbe auch wegen Braunschweig-
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Lüneburg-Grubenhagen und -Calenberg.

[p. 163] [scan. 295]


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Pommern-Stettin. Suspendire sein votum, bis der städte bedencken
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einkomme. Im ubrigen conformire er sich mit den herrn Münsterischen,
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doch mit denen hinc inde beschehenen erinnerungen.

4
Pommern-Wolgast. Idem.

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Mecklenburg-Schwerin. Sey auch der mainung, das der reich- undt
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hanseestädte bedencken zu erwarten unnd sich darauf weiter zu erkleh-
7
ren, wie auch darinnen, das ein unterschiedt zu machen unter denen Spa-
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nischen unnd Stadischen licenten, so sie im Reich oder außerhalb deßen
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in ihren provincien gemachet. Do nun die aufm Rhein oder anderswoh
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uffm Deutschen boden angelegte gemeinet weren, conformire er sich mit
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Braunschweig Lüneburgk.

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Mecklenburg-Güstrow. Idem.

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Württemberg. Mit vorbehalt weiterer notturfft auf einkommendes der
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städte bedencken conformire er sich ad interim mit den herrn Münsteri-
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schen, wegen der Spanischen und Stadischen licenten aber mit Österreich,
16
doch mit der Braunschweig Lüneburgischen erinnerung unnd distinction.

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Welches er auch wegen Pfalz-Veldenz wiederholet unnd in suo loco
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et ordine wolle verstanden haben etc.

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Baden-Durlach, Hessen-Kassel, Hessen-Darmstadt. Confor-
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mirten sich gleichfals, insonderheit wegen der Braunschweig Lüneburgi-
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schen distinction, zumahl bekandt, waß die Spanischen zu Hammerstein

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Die Spanier hatten 1633 Zoll und Schloß Hammerstein eingenommen und entzogen Kur-
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trier die Erträge des Rheinzolls, die jährlich 20.000 bis 22.000 Rt. betragen haben sollen
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( Abmeier, 133).

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und in anderen pläzen für große beschwerung unnd newerung uf dem
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Rhein gemachet hetten.

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Sachsen-Lauenburg. Wiederholete daßiennige, waß zu Münster be-
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schloßen, und weil für sich bekand, daß die Spanischen sachen nicht hie-
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her gehören, könne er sich auch darmit conformiren, daß derselben licen-
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ten nicht zu gedencken, es were dan, daß sich noch dieselben tractaten zu
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Münster ereugneten, da dan auch dieser sachen, sonderlich der im Reich
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angelegten licenten abschaffung, wol mit gedacht werden könte etc. Im
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übrigen würden die stäte mit ihrem bedencken ehist einkommen.

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Anhalt. Wiederholte der herr Weymarische

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Heher.
sein abgelegtes votum.

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Wetterauer Grafen. Repetirten daß Österreichische votum mit reser-
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virung fernerer notturfft.

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Österreichisches Direktorium. 1. Halte er selbst dafür, daß die
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herrn Münsterischen es nicht anderß alß von den licenten, so die Spa-

[p. 164] [scan. 296]


1
nischen unnd Stadischen im Reich anzulegen sich unternommen, verstan-
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den. Derowegen dan zu erleuterung die wort „auf dem reichsboden“ hin-
3
zugesezet werden könten.

4
2. Wollen sie gleichsfalß der hanseestädte bedenckens erwarten etc.

5
Nach beschehener approbation gefielen etliche interlocuta von den alzu-
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hohen Spanischen unndt Stadischen licenten und imposten, da in Spanien
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wol 30 pro 100 gegeben werden müsten, in Holland aber es gleichsfalß in
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13 jahren uf das alterum tantum kehme.

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Österreichisches Direktorium. Dieweil man numehr so weit kom-
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men, wolle er die correlation aufsetzen und sehen, ob dieselbe morgen
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oder ubermorgen verlesen werden könte

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Siehe Nr. 106.
. Waß sonst in prooemio ge-
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schloßen

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Siehe Nr. 97 (S. 51 Z. 3–10).
, were nach Münster communiciret worden. Es hette aber der
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fürstenraht daselbst noch nichts, was dorten deliberiret were, wieder her-
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übergeschicket etc. Stünde derowegen nachzudencken, ob darauf zu war-
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ten oder nichtsdestoweiniger mit der correlation fortzufahren.

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Sachsen-Altenburg und andere. Weil sie nicht contradiciret, hette
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man es pro consensu zu halten, zumahl sie sonst den ordinem approbiret
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hetten. So lieffen auch die praeliminaria meistentheils wieder in die
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haubtpuncten.

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Österreichisches Direktorium. Ob noch itzo oder morgen umbzu-
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fragen, was für ein modus re- et correferendi zu halten.

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Sachsen-Altenburg und die übrigen. Wan die correlation abge-
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lesen werde, stünde zugleich auch davon zu rehden.

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