Acta Pacis Westphalicae III A 3,1 : Die Beratungen des Fürstenrates in Osnabrück, 1. Teil: 1645 / Maria-Elisabeth Brunert
Sitzung fürstlicher und städtischer Gesandter (sessio 2) Osnabrück 1645 Juli 21/31

2

Sitzung fürstlicher und städtischer Gesandter (sessio 2)


3
Osnabrück 1645 Juli 21/31

4
Magdeburg C fol. 16’–24 (= Druckvorlage); damit identisch Magdeburg Ca fol. 25–39’,
5
Sachsen-Altenburg A I 1 fol. 13–20’, Sachsen-Gotha B I fol. 17–22’; vgl. ferner Bran-
6
denburg
-Kulmbach A II unfol. und, damit identisch, Fränkische Grafen A I fol. 79–81’,
7
Magdeburg B fol. 7–10, den Druck in Meiern I, 523–526.

8
Entwurf des Conclusums

14
Der Entwurf konnte nicht ermittelt werden.
der Sitzung von 1645 VII 18/28

15
Siehe Nr. [2] .
mit der fürstlichen Stellungnahme
9
zum Lengericher Schluß der kurfürstlichen Gesandten vom 10. Juli 1645: beabsichtigte Teilung
10
der Kollegien, Gefahr der Separation. Resolution städtischer Gesandter über den Lengericher
11
Schluß. Admission der Gesandten Nassau-Saarbrückens und Sayn-Wittgensteins namens der
12
Wetterauer Grafen.

13
(Im Quartier der Magdeburgischen zu Osnabrück.) Anwesend: Magdeburg (Direktorium), Bran-
14
denburg-Kulmbach, Braunschweig-Lüneburg-Celle / Braunschweig-Lüneburg-Grubenhagen /
15
Braunschweig-Lüneburg-Kalenberg (/ Württemberg), Hessen-Kassel, Hessen-Darmstadt, Meck-
16
lenburg-Schwerin / Mecklenburg-Güstrow / Hochstift Schwerin / Hochstift Ratzeburg, Fränki-
17
sche Grafen (/ Nürnberg), Straßburg und Ulm.

18
Magdeburgisches Direktorium. Praemissis

34
18 praemittendis] Am oberen Rand ist notiert: Vocatis et intervenientibus etiam civitatum
35
legatis.
praemittendis. Die fürstli-
19
chen undt gräfflichen herren abgesandten würden sich erinneren, welcherge-
20
stalt uber dem zu Lengercke gemachten churfürstlichen concluso

16
Siehe Nr. [2 Anm. 1] .
, modum
21
deliberandi betreffend, am 18. [ /28.] dieses ein gewißer schluß gemacht undt
22
denselben in ein concept zu bringen veranlaßet worden . Solches were nun
23
am sonnabendt

18
Das heißt 1645 VII 19/29.
zeitlich verfertiget gewesen, wegen unterschiedener eingefal-
24
lener hindernüße aber hette mann nicht ehe zusammenkommen können.
25
Weil nun die notturfft erfordere, das es abgelesen undt wol ponderiret würde,
26
solte es itzo geschehen, undt were darbey nur dieses zu erinnern, das, obzwar
27
jüngst von andern undt ihnen uff den ersten modum, das nehmlich 2 collegia
28
zu Münster undt 1, so das stärckeste, allhier oder vice versa 1 dort undt 2
29
allhier sein möchten, geschloßen worden,

36
29–31 so – befunden] Brandenburg-Kulmbach A II: jedoch weiln nicht allein sie ihres-
37
theils, sondern auch theils andere gesandte in fernerem nachsinnen befundten.
so hetten sich doch darbey in fer-
30
nerm nachsinnen unterschiedliche difficultäten undt hergegen beßer befun-
31
den, wann nach dem letzten modo die collegia in sich zertheilet würden,
32

38
32–33 zumal – weren] Brandenburg-Kulmbach A II: indeme sonderlich beede cronen
39
gewies erlangter nachricht nach damit gantz nicht einig weren undt zumahln bey der-
40
ienigen cronen, da nur das eine collegium sein solte, der ungleichheit halber sich nicht
41
geringer disgusto undt offension erzeigen möchte.
zumal mann nachricht hette, das die Schwedischen herren legati mit dem er-
33
sten nicht einig weren

19
Nach dem Bericht des magdeburgischen Diariums hat Salvius 1645 VII 18/28 den magdebur-
20
gischen
Ges. seinen Besuch ankündigen lassen. Diese lehnten eine solche bevorab denen herrn
21
catholischen unßers directorii halber nicht allerdings gefällige zusammenkunfft ab und
22
ließen sich sowohl durch den mecklenburgischen Ges. Kayser als auch den magdeburgischen
23
Sekretär Werner bei Salvius entschuldigen. Dieser habe die Gründe akzeptiert und gegen
24
herrn Dr. Keysern deßen bericht nach unter andern gedacht, daß die cron Schweden nicht
25
geschehen laßen, sondern ihr für einen schimpf anziehen würde, wann mann 2 reichscol-
26
legia nach Münster transferiren und nur eines alhier verbleiben wolte ( Magdeburg G II
27
fol. 166–166’). – Die frz. Ges. waren mit den Beschlüssen der Lengericher Konferenz, nach
28
denen die Reichsstände in Münster beraten sollten, zufrieden (APW [II B 2 Nr. 167, 523]
29
[Z. 27ff.)] .
, sondern vor einen despect anzöhen, wann 2 collegia

[p. 38] [scan. 182]


1
dort undt nur 1 hier weren, das also das concept in dem punct nothwendig
2
geendert undt auff den letztern modum eingerichtet werden

27
2 müßen] In Brandenburg-Kulmbach A II folgt: so doch zu der herrn gesandten ver-
28
nünfftigen erinnerung undt guthachten zuvorderst gestelt verbliebe.
müßen.

3
Hierauff lase der herr hoffmeister undt abgesandte

30
Gemeint ist Einsiedel.
das concept selbsten ab
4
undt stellet’s zur umbfrage mit der anzeige, das, ob es zwar vermittels derer
5
bey newlichster session angeführter statlicher fundamenten weitläuffiger auß-
6
geführet werden können, so hette mann doch solches vor unnötig undt an
7
den kürtzlich angezogenen haubtrationibus gnug zu sein erachtet, weil nicht
8
allein das churfürstliche conclusum, so gar kurtz undt ohne form, nurt ex-
9
tractsweise communiciret, sondern das ubrige im vorigem ubergebenen be-
10
dencken

31
Das Bedenken vom 29. Juni 1645 (s. Nr. [2 Anm. 13] ).
zur gnüge begriffen were.

11
Brandenburg-Kulmbach. Praemissis praemittendis.

29
11–12 Bey – erinnern] Brandenburg-Kulmbach A II: Hielte dafür, daß ratione deputa-
30
tionis die sach etwas mehrers ausgeführet undt, wasgestalt dieselbe auf nur vorgeschla-
31
gene interimsweis nicht practicirlich sein würdte, remonstrirt werten solte.
Bey dem abgelese-
12
nem concept hette er nichts zu erinnern, sondern dem directorio pro labore
13
danck zu sagen, undt befünde darauß,

32
13–15 das – gegangen] Brandenburg-Kulmbach A II: wasmasßen dieselbe die abtheilung
33
der collegien in integra forma, als das das eine an einem, die übrige sich an dem andern
34
befindten solten, nicht für rathsamb befündten, sondern dafürhielten, das der cronen
35
exempel nach alternative mit den in beeden ortten sich befindlichen ständten oder colle-
36
giis communicirt [ in Fränkische Grafen A I folgt: werden solte, womit dort das kulm-
37
bachische
Votum endet], besonders auch mit denen zu Münster subsistirenden ständten
38
parte hiervon zu geben, auch die dabey habende suffragia in alle weg reservirt undt ia
39
keine ursach nur zur suspicion separationis gegeben, weiln es sowohln des Fränckhi-
40
schen craises gemeiner instruction

32
Siehe Nr. [2 Anm. 21] .
als auch des nebenmemorials ex parte evangelico-
41
rum

33
Nebenmemorial, wornach sich deß hochlöblichen Fränckischen craiß evangelischer
34
ständte zu denen nacher Oßnabruck und Münster bevorstehenden friedenßtractaten ab-
35
gesandte zu richten und was sie darbey in acht zu nehmen, Kopie, Nürnberg, sine dato
36
( Brandenburg-Kulmbach A II unfol.).
zuwieder, darzu man sich nicht verstehen köndte.

42
Dabey auch die formalia, diesen punct betreffend, abgelesen undt concludirt wordten,
43
das zwar der modus, so den reichsconstitutionen undt zur conservation der ständte li-
44
bertet am vorträglic{hsten}, zu elegiren, jedoch auch benebenst zu consideriren, welcher
45
bey dieser im Reich obschwe{benden} confusion am füeglichsten zu practiciren.
das wegen vertheilung der collegiorum
14
eine enderung gemacht, da doch das newlichste mal die maiora uff den ersten
15
modum gegangen.

16
Nun sey er newlichst

37
Nämlich 1645 VII 18/28. Anwesend waren Sayn-Wittgenstein, Löben und Fritze (s. die Re-
38
lation des kulmbachischen Ges. an den Mgf.en von 1645 VIII 1 [/11] in: Brandenburg-
39
Kulmbach A II unfol.).
bey den herren Churbrandenburgischen gewesen undt
17
vermerckt, das sie eben dieser letztern meinung weren, undt diß darumb, weil
18
die herren catholischen schwerlich anhero kommen würden. So were auch
19
herr Salvius bey ihme gewesen

40
Salvius stattete dem kulmbachischen Ges. 1645 VII 19/29 die revisite ab (s. die Relation des
41
kulmbachischen Ges. an den Mgf.en von 1645 VIII 1 [ /11] in: Brandenburg-Kulmbach
42
A II unfol.).
, da er gleichsfalls vermercket, das ihnen der
20
erste modus nicht gefallen würde. Mann möchte sich nach ihrem, der cronen
21
exempel accommodiren, die auch an beyden orten weren

43
Die schwed. Ges. Oxenstierna und Salvius waren in Osnabrück, in Münster war der schwed.
44
Resident Schering Rosenhane.

45
Zu Rosenhane (1609–1663): Er war am 8. September 1643 in Osnabrück angekommen und
46
wechselte Anfang 1645 nach Münster. – Nach Universitätsbesuch in Uppsala und einer Stu-
47
dienreise durch England, Fkr. und die Ndl. war er nach Schweden zurückgekehrt und wurde
48
1632 Assessor am obersten kgl. Gericht, 1634 Unterstatthalter in Stockholm, 1637 Landes-
49
hauptmann in Östergötland, 1650 Kanzleirat und Reichsrat, 1652 nobilitiert und zum
1
Oberstatthalter in Stockholm ernannt (J. L. Walther, 30–33; SMK VI, 359f.; Wermter,
2
XXIX; APW [II C 1, 116f., 453)] .

3
Die frz. Ges. Longueville, d’Avaux und Servien waren in Münster; in Osnabrück war Frk.
4
durch Residenten vertreten: der abberufene Claude de Salles baron de Rorté war gerade, am
5
17. Juli, aus Osnabrück abgereist ( Magdeburg G II fol. 161; APW [II B 2, 817 Anm. 6] ),
6
Ende Oktober begann Jean de La Barde seine (bis 1646 währende) Tätigkeit in Osnabrück.

7
Zu Henri II d’Orléans duc de Longueville (1595–1663): Er war der ranghöchste frz. Ges. und
8
traf am 30. Juni 1645 in Münster ein. 1613 war er Gouverneur der Picardie, 1619 Gouver-
9
neur der Normandie, 1639 Befehlshaber der frz. Truppen in Dtld., 1642 in Piemont, nach
10
seiner Rückkehr vom WFK, 1648, führendes Mitglied der Fronde ( BU XXV, 81f.; NBG
11
XXXI, 586f.; Lahrkamp, Münster, 306).

12
Zu Claude de Mesmes comte d’Avaux (1595–1650): Er traf am 18. März 1644 als frz. Ges. in
13
Münster ein. 1623 war er conseiller d’Etat, 1643 und 1649 surintendant des finances, hatte
14
seit 1627 verschiedene diplomatische Missionen als ao. Ges. in Italien, Dänemark, Polen,
15
Schweden und 1637 in Dtld. (mit Sitz in Hamburg) erfüllt und war 1643 in Den Haag
16
gewesen (DBF IV, 832–837; Lahrkamp, Münster, 306).

17
Zu Abel Servien (1593–1659): Er traf am 3. April 1644 als frz. Ges. in Münster ein. Servien
18
war 1616 procureur générale im parlement von Grenoble, 1618 conseiller d’Etat, 1624
19
maitre des requêtes, 1628 intendant de justice, seit diesem Jahr erfüllte er verschiedene di-
20
plomatische
Missionen. 1630 wurde er secrétaire d’Etat à la guerre, nahm 1631 an den Ver-
21
handlungen
von Cherasco teil, führte seit seiner Heirat 1641 die Titel seiner Frau und nannte
22
sich: comte de la Roche des Aubiers. 1643 wurde er nach Den Haag entsandt, war 1648
23
ministre d’Etat, seit 1652 marquis de Sablé, de Châteauneuf et de Bois-Dauphin, wurde
24
1653 surintendant des finances und war seit etwa 1655 baron de Meudon ( Kerviler;
25
Enaux-Moret; Lahrkamp, Münster, 306).

26
Zu Rorté: Er war am 10. Dezember 1643 zum Residenten in Osnabrück ernannt worden; die
27
magdeburgischen Ges. legten ihre erste Visite bei ihm am 16. Juni 1645 ab. Er war 1633 frz.
28
Resident bei den Kf.en von Sachsen und Brandenburg, 1636 bis 1643 Resident in Hamburg,
29
1639, 1640 und 1642 führten ihn diplomatische Missionen nach Schweden ( Magdeburg
30
G II fol. 142’; Inventaire, 145f; Sondèn, 187).

31
Zu La Barde (1603–1692): Er war 1622 secrétaire ordinaire im Haus Marias von Medici,
32
1630 in diplomatischer Mission in Rom, 1632 secrétaire de la Maison du Roi und conseiller
33
d’Etat, 1633 conseiller privé, 1634 trésorier in der généralité d’outre-Seine et Yonne, 1635
34
premier commis des affaires étrangères, wurde nach Abschluß des WFK frz. Ges. in der
35
Schweiz, 1652 chevalier de Saint-Michel, um 1661 baron de Marolles-sur Seine seigneur de
36
Motteux et de Langlee. Schon 1644 zum Ges. nominiert, beanspruchte er auf dem WFK den
37
Titel ambassadeur ( Moréri II, 67; Piccioni, 93ff.; APW [III D 1, 346] ; APW [II B 2, 817]
38
[Anm. 6] , und [826f.] ).

39
La Barde veröffentlichte: De rebus Gallicis Historiarum libri decem ab anno 1643 ad an-
40
num 1652. Paris 1671.
undt, wann etwas
22
zu deliberiren, kemen sie zusammen oder verrichteten es per lit[ t]eras. Wolle
23
also sich dem auffsatz non quidem animo prius votum corrigendi, sed decla-
24
randi, conformiren undt bate hinzuzusetzen, das alle praesentes zugleich zu
25
admittiren undt hergegen die ordinaria undt nebendeputation beyde repudi-
26
iret würden.

[p. 39] [scan. 183]


1
Braunschweig-Lüneburg-Celle, Grubenhagen und Kalenberg.
2
Praemissis praemittendis. Hette nichts darbey zu erinnern; bedanckte sich vor
3
die außfertigung.

4
Mann were zwar in puncto expeditionis different gewesen, wann mann aber
5
die vota recht ansehe, würden wol fast paria vota, wo nicht maiora, auff den
6
anderen modum gegangen sein, gestalt dann er nomine utriusque principis
7
undt wegen Würtenberg undt also mit 4 votis indifferent gewesen were. Nun
8
hette er weiter nachgedacht undt treffliche rationes befunden, warumb der
9
andere modus beßer sey als der erste, dann

10
1. würde solchergestalt an beyden orten von allen collegiis zugleich tractiret
11
werden undt ein ieglicher seiner gelegenheit nach an iedem orte sein undt ab-
12
undt zureisen können.

13
2.

34
13–18 Blieben – möchte] Brandenburg-Kulmbach A II: undt weiln gleichwohln die
35
meinste evangelici alhier beisammen verbleiben würdten, mögten Magdeburg, Baden,
36
Strasburg etc. desto weniger ausgeschlosßen, auch wegen Hesßen Casßel desto geringer
37
disputat gemacht werdten, wie dann für sich selbsten hoch bedenckhlich, das ein standt
38
propter bellum privatum sive ex privatis causis von seinen iuribus, votis et regalibus
39
ausgeschlosßen werdten solte.
Blieben solchergestalt die evangelischen meistentheils allein hier beysam-
14
men undt könten eo liberius alleine votiren, welches sonst eo in casu nicht
15
geschehen könte, wann catholische darbey weren.

16
3. Hette mann darvon diß vortheil, das Magdeburg, item Heßen Caßel, Ba-
17
den etc.

41
Est. Magdeburg, Baden-Durlach, Reichsstadt Straßburg, Hessen-Kassel: die bislang nicht ad-
42
mittierten Reichsstände (s. [Nr. 1 Anm. 9] ).
ungehindert darbeysein könten, deßwegen sonst disputat erreget
18
werden möchte.

19
4. Könten solchergestalt die evangelischen allgemach eine parthey machen,
20
die

40
20 seiunctio] Brandenburg-Kulmbach A II: separation ratione materiae.
seiunctio geschehe unvermarckt, undt bliebe doch ein collegium etc.

21
Zum fall auch einer communication mit denen zu Münster nötig were, könte
22
solches durch ein paar deputatos in loco medio (als zu Lengerke) oder, wann
23
es ja die notturfft erfordert, in ipsis locis tractatuum alternatim geschehen, so
24
mit schlechter mühe undt unkosten zu vorrichten. Gestalt deßen exempel an
25
den herren Kayßerlichen

43
Zu diesem Zeitpunkt waren Ks. und Reich in Münster vertreten durch den Primarges. Johann
44
Ludwig Gf. von Nassau-Hadamar und den Sekundarges. Dr. Isaak Volmar, in Osnabrück
45
durch den Primarges. Johann Maximilian Gf. von Lamberg (s. Nr. [2 Anm. 13] ) und den Se-
46
kundarges. Lic. Johann Baptist Krane (s. Nr. [2 Anm. 13] ).

47
Zu Nassau (1590–1653): Er traf am 30. Juli 1643 in Münster ein. Erzogen im reformierten
48
Glauben, konvertierte er 1629 in Wien zum Katholizismus. Er erhielt 1607 bei der Erbteilung
49
Nassau-Hadamar als Herrschaftsgebiet, besuchte die Hofschule zu Dillenburg, studierte 1604
50
in Sedan, 1606 in Genf, reiste anschließend nach Frk. und England, 1610 in die Ndl., wurde
51
1636 RHR und im selben Jahr als ksl. Bevollmächtigter in diplomatischer Mission nach Lüt-
52
tich entsandt, war 1638 zum ksl. Ges. des geplanten Kölner Kongresses bestimmt. Nassau
53
wurde 1650 gefürstet ( APW [II A 1, 23] ; Gschliesser, 233f.; Michel; Renkhoff, 553
54
Nr. 3045).

1
Zu Volmar (1582/1583–1662): Er traf am 8. September 1643 in Münster ein. Als Lutheraner
2
erzogen, konvertierte er um 1606 zum Katholizismus. Seit 1620 in verschiedenen Funktionen
3
bei der vorderösterreichischen Regierung, wurde er 1643 zum GR ernannt. Als Ges. der Tiro-
4
ler Linie nahm er 1640 am Regensburger RT , 1643 am Frankfurter Reichsdeputationstag teil
5
( Foerster, In Propositionem Gallicam; Foerster, Einleitung, XXV-XXXI).
undt churfürstlichen

6
Der kurmainzische Ges. J. Adam Krebs (s. [Nr. 1 Anm. 3] ) ist am selben Tag (VII 31) in Mün-
7
ster bezeugt ( APW [III A 1,1, 213] ), der kurmainzische Ges. Heinrich Fhr. Brömser von Rüdes-
8
heim befand sich am folgenden Tag (VIII 1) in Osnabrück ( APW [III A 1,1, 214] ). Der Auf-
9
enthaltsort des kurmainzischen Ges. Hugo Eberhard Gf. Cratz von Scharffenstein konnte für
10
den 31. Juli nicht ermittelt werden; Cratz befand sich am 18. Juni in Osnabrück und war am
11
12. August in Münster ( APW [III A 1,1, 135] , [229] ).

12
Der Kf. von Köln war zu diesem Zeitpunkt in Münster vertreten durch Franz Wilhelm Gf.
13
von Wartenberg, Dietrich Adolf von der Reck, Dietrich Hermann Fhr. von Merfeldt zu
14
Westerwinkel, Lic. iur. Arnold von Landsberg, Dr. Peter Buschmann.

15
Der Kf. von Bayern war in Münster vertreten durch Georg Christoph Fhr. von Haslang zu
16
Hohenkammer und Giebing und Dr. Johann Adolf Krebs.

17
Der Kf. von Brandenburg wurde in Münster und Osnabrück vertreten durch Gf. Johann VIII.
18
von Sayn-Wittgenstein (s. Nr. [2 Anm. 65] ), ferner in Osnabrück durch Johann Friedrich Fhr.
19
von Löben (s. Nr. [2 Anm. 65] ) und Dr. Peter Fritze (s. Nr. [1 Anm. 4] ), in Münster durch Fried-
20
rich Fhr. von Heiden und Dr. Johann Portmann (Nr. [2 Anm. 65] ). Löben befand sich aller-
21
dings um den 24., 25. Juli 1645 in Münster und wurde dort, obwohl nicht akkreditiert, zur
22
Konferenz zugelassen ( APW [III A 1,1, 200] , [203] ). Die Ges. des Kf.en von Sachsen waren noch
23
nicht eingetroffen (s. Nr. [2 Anm. 18] ), dasselbe gilt für die Ges. des Kf.en von Trier ( Abmeier,
24
17).

25
Zum kurmainzischen Prinzipalges. Cratz von Scharffenstein (um 1590–1663, Gf. seit 1630):
26
Er hatte zusammen mit Brömser und J. A. Krebs am 20. April 1645 seinen feierlichen Einzug
27
in Osnabrück gehalten. Cratz von Scharffenstein hatte in Siena studiert und war 1625–1654
28
Dompropst in Worms, 1627–1653 Chorbf. von St. Lubentius in Trier, 1638 Propst von St.
29
Bartholomäus in Frankfurt, Domkustos und Kämmerer des weltlichen Gerichts in Mainz,
30
hatte 1640–1641 als kurmainzischer Ges. am Regensburger RT teilgenommen, wurde 1653
31
Dompropst in Trier und 1654 bzw. 1662 Bf. von Worms; er war ksl. und kurmainzischer GR
32
( APW [III C 4, 59f.] ; Winfried Becker, Kurfürstenrat, 164 Anm. 131; Günther Rauch, 158f.;
33
Ammerich, 68f.).

34
Zum kurmainzischen Prinzipalges. Brömser (1600–1668): Er war kurmainzischer GR , Hof-
35
richter und Vicedom zu Mainz, war 1642 Ges. zu den Wiener Verhandlungen über die Pfäl-
36
zische Frage, 1643–1645 auf dem Frankfurter Reichsdeputationstag und wurde 1651 Titular-
37
RHR ( Zedler IV, 1458; Möller T. XXXIII, 88; Gschliesser, 524; Kietzell, 104
38
Anm. 28; Winfried Becker, Kurfürstenrat, 164 Anm. 132).

39
Zum kurkölnischen Prinzipalges. Gf. Wartenberg (1593–1661): Seinen feierlichen Einzug in
40
Münster hielt er am 25. November 1644. Er gehörte einer wittelsbachischen Nebenlinie an und
41
war seit 1602 Reichsgf. Nach Schulbesuch bei den Jesuiten in Ingolstadt war er 1608–1614
42
Alumne des Collegium Germanicum in Rom, wurde 1617 Präsident des Geistlichen Rates im
43
Hgt. Bayern, 1621 kurkölnischer Obersthofmeister und leitender Minister, 1627 Bf. von Os-
44
nabrück, 1629–1648 von Minden, 1630–1648 von Verden, 1629 Restitutionskommissar für
45
Niederdtld. zwischen Rhein und Elbe, 1633 Bistumsadm. von Hildesheim. 1636–1637 war er
46
als Begleiter des Kf.en von Köln auf dem Regensburger Kf.entag. Er war 1642–1649 Koadju-
47
tor des Bf.s von Regensburg, 1645–1661 Apostolischer Vikar für Bremen, wurde 1649 Bf. von
48
Regensburg und 1660 Kardinal; Wartenberg votierte im CC für 15, bis 1646 sogar für 16
49
Reichsstände (Heinrich Schneider, 120; Wolff, Corpus Evangelicorum, 59ff.; Foerster,
50
Einleitung Wartenberg, XXIX-XXXVI; Hausberger, 558–561).

51
Der kurkölnische Ges. von der Reck (1601–1661) ist zuerst im November 1643 in Münster
52
nachweisbar, er vertrat auf dem WFK auch das Hst. Paderborn (zur Biographie s. APW [III]
53
[C 2,1, 36 Z. 30] ; Wolff, Corpus Evangelicorum, 210; Bierther, 57; Kietzell, 104
54
Anm. 28; Hengst, 363f.).

1
Der kurkölnische Sekundarges. Merfeldt (auch: Meerfeldt; 1598–1658) vertrat auch das Hst.
2
Münster (zur Biographie s. J. L. Walther, 39–42; Wolff, Corpus Evangelicorum, 210;
3
Foerster, 5).

4
Der kurkölnische Sekundarges. Landsberg, der normalerweise wie seine Kollegen in Münster
5
weilte, ist zuerst für den 29. November 1644 in Osnabrück nachzuweisen (biographische Hin-
6
weise: APW [III C 4, 29] ; Roth, 291; Foerster, 9f.).

7
Der kurkölnische Sekundarges. Buschmann (1604–1673) ist zuerst für den 16. Dezember 1645
8
in Münster nachweisbar. Er war auch für die Hst.er Paderborn und Hildesheim bevollmäch-
9
tigt. Nach Schulbesuch bei den Jesuiten in Paderborn studierte er 1623 in Tübingen, 1624 in
10
Freiburg, wurde 1630 kurkölnischer Rat in Arnsberg, 1632 Kanzler des Hst.s Paderborn.
11
1636 war er kurkölnischer Ges. auf dem Regensburger RT , wurde 1639 kurkölnischer GR und
12
vertrat Kurköln 1642 bis Ende 1643 auf dem Frankfurter Deputationstag. 1648 wurde er
13
Kanzler des GR ( APW [III C 2,1, 238] ; Braubach, 68f.; Wilhelm Honselmann, 386,
14
392–395; Foerster, 5f.).

15
Der kurbay. Prinzipalges. Haslang (1602–1684) und sein Kollege Krebs (s. unten) weilten seit
16
dem 22. Februar 1645 in Münster. Haslang studierte in Ingolstadt, wurde 1621 bay. Hofrat,
17
1632 Rittmeister, war 1635–1643 Kämmerer, 1640–1641 Ges. auf dem Regensburger RT ,
18
1642 Ges. bei den Wiener Traktaten über die Pfälzische Frage, wurde 1643 Hofmarschall,
19
1645 GR , 1662 Geheimer Ratsdirektor ( Sammlung III, 569; Heydenreuter, 335; Imm -
20
ler, 17f., 83).

21
Der kurbay. Sekundarges. Dr. J. Adolf Krebs (gest. nach 1661) war spätestens seit 1627 in
22
Diensten des Mgf.en von Baden-Baden, 1640–1641 als Ges. des Mgf.en auf dem Regensburger
23
RT , wurde 1642 Vizekanzler, 1644 bay. Hofrat, 1647 GR , ging im selben Jahr in diploma-
24
tischer Mission nach Paris, weilte spätestens seit Mai und wenigstens bis Juni 1648 in Osna-
25
brück. Nach dem WFK trat er wieder in badische Dienste ( Paris AE CP All. 117 fol. 81’,
26
144’, 201’; Sammlung III, 569; Riezler V, 614f.; Repertorium I, 7; Heydenreuter,
27
314; Immler, 18f.; für Hinweise danke ich Frau Anuschka Tischer, Bonn).

28
Der kurbrandenburgische Primarges. Heiden (zum Bruich), gest. nach August 1680, weilte seit
29
Mai 1645 in Münster. Er war 1613 Schüler des Pädagogiums zu Herborn und wurde späte-
30
stens 1656 kurbg. Geheimer Regierungsrat zu Kleve ( Matrikel Herborn, 256, Nr. 2397;
31
Hötzsch, 33, 43f.; Winfried Becker, Kurfürstenrat, 165, 636; Flink I, 109, 191; II, 70, 75,
32
142, 161, 182, 205); Hinweise gab Dr. Paul Hoffmann, Nordrhein-Westfälisches HStA Düs-
33
seldorf, am 21. April 1994.
vorhanden, die beyderseits
26
nur ein collegium undt doch an beyden orten gesandte

41
26 hetten] In Brandenburg-Kulmbach A II folgt: undt es ihnen doch an practicirlichen
42
mitteln zu gehöriger communication nicht ermangelte.
hetten, wie dann
27
gleichsfalls die beyden cronen undt deren iede die ihrigen an beyden orten
28
hielten, welche nicht ratione instructionis et potestatis, sondern nur dignitate,
29
propter aemulationes coronarum etc. differirten undt an einen ort legati, am
30
anderen residenten genennet würden etc.

31
Wolle demnach sein voriges votum dahin declariret haben, das der andere
32
modus ergriffen undt die collegia zertheilet würden,

43
39, 32–40, 1 bevorab – werden] Brandenburg-Kulmbach A II: zumahln weiln auch die
44
Churbrandenburgischen herren gesandten dem fürstlich Brandenburg Culmbachischen
45
voto gemes damit einig sein sollten.
bevorab weil mann de-
33
ßen beständige nachricht habe, das im wiedrigen die Schwedischen extreme

[p. 40] [scan. 184]


1
würden offendiret werden. Placitire also den auffsatz per omnia, were
2
glimpfflich auffgesetzet undt were doch die notturfft drinnen. Mann hette
3
auch noch keine ursach oder grundt, den herren churfürstlichen ein undt an-
4
ders, was vorkommen undt gemuthmaßet würde, hoch zu exprobriren, sollte
5
mann aber publice es erfahren, so könte solches alßdann hefftiger wol gean-
6
det werden.

7
Magdeburgisches Direktorium interloquendo, der von Löben hette
8
auch in furgegangenem discurs gemeldet, der schluß sey noch nicht wegge-
9
schickt, derowegen mann eylen möchte, ehe es geschehe etc.

10
Brandenburg-Kulmbach. Herr Dr. Fritze hette gleichwol gesagt, das es
11
schon fort were etc., möchte vielleicht nur der erste begriff oder extract des
12
protocolls gewesen sein etc., derowegen freylich länger nicht zu verziehen,
13
weil sonst das Churmaintzische directorium darmit eylen möchte etc.

14
Hessen-Kassel. Praemissis praemittendis actisque gratiis. Approbirte das
15
project per omnia undt ließe ihme nochmals den andern modum am besten
16
gefallen, undt were der practicirlichste propter rationes adductas.

33
16–19 Die – hinüberzuziehen] Brandenburg-Kulmbach A II: Liese es desto mehr dabey
34
bewendten, weiln die Schweedischen herren plenipotentiarii von den ersten nichts wis-
35
ßen wolten.
Die Papst-
17
lichen würden sonst doch hierher nicht zu bringen sein undt hergegen die
18
churfürstlichen sich bemühen, ihr collegium par forze nebst theils fürstlichen
19
gesandten hinüberzuziehen.

20

36
20–23 Was – können] Brandenburg-Kulmbach A II: Die communication köndte dan-
37
noch in den haubtpuncten beederseits beschehen, die Kayserlichen herren commissarii
38
auch utrinque proponirn.
Was die communication anlanget, könne dieselbe in loco medio gar wol an-
21
gestellet werden. Were es doch dißmals zwischen den herren churfürstlichen
22
geschehen, warumb es nicht auch künfftig auch unter den andern beyden col-
23
legiis solte sein können.

24
Sonst zweiffle er sehr, ob einiger hier anwesender gesandter sich von hier
25
würde wegbegeben undt ohne expressen befehlich in die translation willigen
26
können, weil sie keine instruction deßwegen hetten. Im ubrigen hette mann
27
dieses conclusum zu maturiren, ehe die herren churfürstlichen das ihrige ein-
28
schickten.

29
Hessen-Darmstadt. Praemissa gratiarum actione. Hette nichts darbey zu
30
erinnern, sondern wolle sich so weit conformiren.

31
Wegen der Separation aber sey er nicht instruiret, sondern wolle es ad refe-
32
rendum annehmen. Mann wiße auch noch nicht, was diejenigen creiße, so

[p. 41] [scan. 185]


1
circulariter geschickt, zu thun gemeinet, derowegen es denen herren Fräncki-
2
schen

34
Gemeint sind Göbel, Müller und Oelhafen von Schöllenbach.
undt Schwäbischen

35
Gemeint sind Burckhardt und Köberlin.
anzudeuten stünde. Hette sonst die nachricht,
3
derselben instruction

36
Zur Instruktion des Fränkischen Kreises s. Nr. [2 Anm. 21] ; die Instruktion des Schwäbischen
37
Kreises, Ulm 1645 I 20/30: Brandenburg-Kulmbach A II unfol. (Kopie).
laute dahin, das beyderseits deputirte coniunctim an
4
beyden orten negotiiren sollten, dahero bey ihnen die separation ein seltzam
5
ansehen geben möchte. Wollte sonst nomine principis sui wol versichern, das
6
ihre fürstliche gnaden sich ab evangelicis nicht separiren würden.

7
Mecklenburg-Schwerin und Güstrow. Praemissis praemittendis et
8
gratiarum actione. Hette nichts darbey zu erinnern, sondern praeferire divi-
9
sionem collegiorum propter rationes adductas etc. Könne nicht absehen, das
10
ihre Kaiserliche majestät oder die herren churfürstlichen solches offendiren
11
werde, weil es also nützlich und nötig befunden worden. Conformire sich
12
demnach dem concluso undt der fürsitzenden votis, doch das den catholi-
13
schen keine ombrage gemachet werde, als wann mann separationem suche.
14
Die materia würde doch wol beyde theile separiren, derowegen dieselbe
15
stracks vom anfang fürzunehmen unnötig sey.

16

34
16–18 Weil – mildern] Brandenburg-Kulmbach A II: Die von Braunschweig angezogene
35
ratio, das Hesßen Casßel von den catholischen excludirt werdten möchte, were nicht
36
unerheblich. Stelte zu bedenckhen, ob nicht die bey dern in dem concept gesetzten clau-
37
sul, das Kayserliche mayestät alle getreüe fürsten undt ständt anher citirt werdten solten
38
[ Fränkische Grafen A I: citiren laßen solte], das wortt „getreüe“ auszulasßen.
Weil auch der herr Lüneburgische deren noch nicht reconciliirten häußer er-
17
wehnung gethan, were ihme darbey eingefallen, ob nicht im concept das wort
18
„getrewe“ außzulaßen oder zu mildern, weil sonsten es von den Kayßerli-
19
chen arripiret werden undt bey ihnen difficultäten geben dürffte. Erinnere es
20
nur guter wolmeinung undt sey sonst darüber indifferent.

21
Hessen-Kassel. Hoffe zwar nicht, das mann ihre fürstliche gnaden für un-
22
trew halten werde. Weil aber der catholischen humor undt intention bekant
23
sey, könne er’s auch geschehen laßen.

24
Magdeburgisches Direktorium. Sey nur relative auß dem churfürstli-
25
chen schluß also hineingerückt

38
Im Lengericher Schluß heißt es: Seye Ihrer Kayserlichen Mayestät […] einzurathen, daß sie
39
alle Ihrer Mayestät getrewe chur-, Fürsten undt stende […] admittiren (APW [III A 1,1,]
40
[185 Z. 4–7] ) .
. Weil aber die erinnerung nicht böse, so
26
könne wol anstat deßelben worts „getrewe“ die wort „des Heiligen Reichs“
27
oder „alle ubrige“ gesetzet werden.

28
Baden-Durlach abfuit.

29
Fränkische Grafen. Praemissis praemittendis actisque gratiis. Wolle sich
30
den maioribus conformiren undt die itzo beliebende divisionem uff ihren ef-
31

39
40, 31–41, 2 nicht – stünde] Brandenburg-Kulmbach A II: keineswegs instruirt, hielte
40
dieselbe auch für sich selbst sehr gefehrlich, sonderlich wann von den evangelicis der
41
anfang darzue gemacht werdten solte. Hilte demnach darfür, das dieser aufsatz zufor-
32
derst mit denen zu Münster sich ufenthaldenten fürstlichen undt sonderlich des Schwä-
33
bischen wie auch übrigen Fränckhischen crais gesandten communicirt werdten solte.
fectum stellen.

39
41, 29–42, 8 Praemissis – möchten] Brandenburg-Kulmbach A II: Liese zuförderst nechst
40
gebührender danckhsagung gegen das hochlöbliche directorium mit gebührendem re-
11
spect an seinen ort gestellet sein, was ratione modi agendi die materia an die hand geben.
12
Weiln aber gleichwohln die bey der division eines ieden collegii an zwey ort effective
13
bevorstehende separation der catholicorum et evangelicorum sowohln der obhabenden
14
instruction als auch formae et qualitati der noch wehrenden Fränckhischen craisgesandt-
15
schafft zuwieder were, müste er solches blöslich ad referendum ubernehmen. Das die
16
materia religionis et gravaminum künfftig die catholischen undt evangelischen ständte
17
voneinander separiren würdte, hette seinen geweisten weeg undt würdte von den catho-
18
licis selbst nicht wiedersprochen. Ratione aliorum communem Imperii salutem et liber-
19
tatem concernentium causarum aber würdte keine Separation ohne grose gefahr des
20
gantzen Heiligen Römischen Reichs undt besorgende dissolution desßelben unverbes-
21
ßerlichen harmoni vorgenommen werdten können. Würdte also auf allem fall evangeli-
22
schentheils darzu einiger anlas zu geben umb soviel schwerer zu verantwortten sein, als
23
unterschiedlicher vornember catholischer ständte, sonderlich in dem hochlöblichen
24
Fränckhischen crais, gute, redtliche undt friedtliebende intention auf dem zu Regens-
25
purg, Franckhfurth undt sonsten geführten consiliis und actionibus gutermasßen be-
26
kandt were.

27
Ob sich so leichtlich practicirliche mittel an die hand geben würdten, die communicatio-
28
nes zwischen beeder abgesandten theiln eines jeden collegii gegeneinander zu erstatten,
29
stündte zu künfftigen effect undt erfahrung. Undt weiln nicht vermuthlich, das auf allem
30
fall Osterreich einem andern das directorium

43
Zu den Direktorialrechten des Est.s Magdeburg, die von den kath. Reichsständen bestritten
44
wurden, s. Nr. 1 Anm. 10. Österreich saß seit Ende des 15. Jh.s auf der geistlichen Bank und
45
konkurrierte (abgesehen von Magdeburg) mit dem Est. Salzburg um das Direktorium. In ei-
46
nem Vergleich von 1542 einigten sich beide Reichsstände auf die Alternation ( Aulinger,
47
104f., 237, 239).
im hochlöblichen fürstenrath disorts
31
praesertim ex ordine protestantium überlasßen undt nicht vielmehr sich anders begeben
32
undt beederortten des directorii unternehmen solte, als würdte eine undt die andere für
33
den letzern modum angezogene principalration dardurch ufgehoben werdten. Wie dann
34
auch nicht zu zweiflen, das sonderlich bey künfftig vorstehenden re- unndt correlatio-
35
nen undt zehlung der votorum es wegen Magdeburg, Hesßen Casßel undt andere eben-
36
sowenig ohne exceptionen undt difficulteten abgehen werdten, als wann ein jedes colle-
37
gium sich an einem gewiesen ort in integra forma beysammen befindten solte. Das die
38
beede cronen aber sich zu diesem modo nicht sollen verstehen wollen, liese man zu
39
mehrerm bericht dahingestellet sein. Hette gleichwohln nicht allein von des herrn
40
Oxenstirns excellenz dieser tagen per discursum ein anders verstandten, sondern auch
41
nicht unbillich verhofft, das, wann sonderlich jüngst vorgeschlagenermasßen anfenglich
42
die abtheilung der gantzen collegien per sortem gemacht, auch es etwan uf eine künfftige
43
alternation gestellet undt solches den königlichen [ in Fränkische Grafen A I folgt:
44
Schwedischen] herren plenipotentiarien recht repraesentirt werdten solte, dieselbe ihnen
45
solchen modum ferners nicht zuwieder möchten sein lasßen. So doch alles unmasgebli-
46
cher wohlmeinung dahingestellet würdte. – In Brandenburg-Kulmbach A II und
47
Fränkische Grafen A I fehlen die in der Druckvorlage im Anschluß an das Votum der
48
Fränkischen Grafen wiedergegebenen Wortmeldungen.

[p. 42] [scan. 186]


1
Die größeste beysorg were dieses, das stracks in ipso limine die separatio ge-
2
schehen oder doch eine solche ombrage geben würde. Weil er nun als ein
3
mitdeputirter des Fränckischen creißes nomine der graffen undt stätte dahin
4
nicht instruiret sey, müße er es ad referendum annehmen. Bey gemeldtem
5
Fränckischen creiß weren catholische

41
Katholische Stände im Fränkischen Reichskreis waren die Hst.e Bamberg, Würzburg, Eichstätt
42
und der Deutsche Orden ( Gumpelzhaimer, 19–39; Wolff, Corpus Evangelicorum, 208–212).
undt evangelische beysammen undt
6
hetten bißhero in causis communibus gute vota geführet, daher sie nicht für
7
den kopff zu stoßen, undt hoffte er, das viel catholische so gute undt wol
8
beßere vota et consilia als mancher evangelischer führen möchten.

9
Braunschweig-Lüneburg-Celle, Grubenhagen und Kalenberg
10
(interloquendo:) Was des Schwäbischen creißes deputirte anlange, habe Wür-

[p. 43] [scan. 187]


1
tenberg etc. ihme das votum auffgetragen, undt sey auch herr Dr. Köberle

48
Gemeint ist Köberlin.

2
darmit einig. Die herren Fränckischen betreffendt, sey ja ein ieder nomine
3
totius circuli undt von beyder religionsverwandten geschicket, undt stünde
4
die communicatio ieden frey. Sie würden auch das newlichste bedencken

49
Das Bedenken vom 29. Juni 1645 (s. Nr. [2 Anm. 13] ).

5
bekommen undt gelesen haben, welches herr Dr. Köberle selbst uberreichet,
6
undt von nieman〈d〉 were wiedersprochen worden. Zudeme bleibe es ja per
7
ipsa formalia des auffsatzes ein corpus, undt gienge sein votum nicht dahin,
8
das mann sich separiren wolle, sondern nur, das die evangelischen allein voti-
9
ren könten. Gleichwol were er der meinung, das billich in allen gemeinen
10
sachen mit den herren catholischen zu communiciren undt ohne vorgehende
11
communication kein schluß zu machen, were also nulla separatio nisi loci etc.
12
Hielte seinestheils auch darfür, das mann sich von ihnen nicht separiren solle,
13
nisi ex necessitate, undt stünde im ubrigen ja den herren Schwäbischen undt
14
Fränckischen frey, ob sie sich theilen oder an ein oder anderm orte beysam-
15
menbleiben wollten. Mann würde undt müste bey den catholischen halten, so
16
lange als immer möglich, undt dieselbe neque a consensu neque a consiliis
17
excludiren, welches er also pro meliori informatione et sua declaratione hette
18
vermelden wollen.

19
Brandenburg-Kulmbach (interloquendo:) Des Fränckischen creißes in-
20
struction were nicht so stricta, das sie sich gantz nicht theilen könten, son-
21
dern pro re nata ihnen anheimgestellet etc.

22
Hessen-D a rmstadt. Das er der instruction erwehnet, were daher gesche-
23
hen, weil ihre fürstliche gnaden selbst ein membrum des Fränckischen crei-
24
ßes weren

50
Hessen-Darmstadt gehörte zum Oberrheinischen Kreis ( Dotzauer, 237). Daß die Lgft. Mit-
51
glied des Fränkischen Kreises gewesen sei, ist sonst nicht überliefert.
undt darumb wißenschafft trügen. Hette vor sich nur ein votum
25
undt stünde doch hernach bey den maioribus etc. Hielte nochmals darfür, das
26
von der separation nichts gedacht würde, sondern vielmehr, das alles den ab-
27
sentibus zu communiciren, damit es nicht das ansehen einer fürsetzlichen se-
28
paration gewinne etc.

29
Fränkische Grafen. (Herr Dr. Ölhafen:) Gedachte unter andern interlo-
30
quendo, ihre excellenz herr Oxenstiern hetten den ersten modum ihr nicht
31
mißfallen laßen undt darbey gedacht, das zwar etzliche denselben einen
32
plumpen modum genennet hetten.

33
Braunschweig-Lüneburg-Celle, Grubenhagen und Kalenberg.
34
Darauff herr Lampadius wieder interloquirte undt sagte, so plump were er,
35
das dardurch die guten leute (Magdeburg, Heßen, Baden etc.) excludiret wür-
36
den etc.

37
Magdeburgisches Direktorium. Als nun das fürstlich erzbischöflich
38
Magdeburgische directorium durch den herrn Dr. Ölhafen den reichsstätti-
39
schen abgesandten anzeigen laßen, ob sie ihnen anhero zur conferentz zu

[p. 44] [scan. 188]


1
kommen, wollten belieben laßen, haben sich ohngefehr umb halb zehen uhr
2
der herr Straßburgische undt Ulmische eingestellet.

3
Da dann von hochwolgedachtem directorio kürtzlich angezeiget wurde, man
4
hette gerne gesehen, das sie etwas ehe kommen weren undt das concept vom
5
anfang mit angehöret hetten. Weil aber noch zeit gnug ubrig were, sollte es
6
nochmals verlesen undt zu eröffnung ihres bedenckens gestellet werden, ge-
7
stalt dann darauff wolgemeldter herr hoffmeister obgedachtes concept noch-
8
mals verlase mit der anzeige, das, obwol anfänglich dahin geschloßen, das 2
9
collegia dort undt 1 hier oder vice versa sein sollten, so hetten sich doch im
10
fernern nachdencken schwere obstacula undt sonderlich dieses befunden, das
11
nicht allein die Schwedischen herren legati darmit gantz nicht einig, sondern
12
auch die herren Churbrandenburgischen einer andern meinung weren undt
13
auff den letzten vorschlag inclinirten. So weren auch noch andere considera-
14
tiones undt emolumenta darbey, welche auß dem Lüneburgischen voto
15
kürtzlich wiederholet wurden, wiewol es gleichwol zu keiner totalseparation
16
von den catholischen gemeinet were, sondern sollten die collegia gantz undt
17
unzertrennet bleiben, so lang biß die materia ein anders an die handt gebe.
18
Hetten nun die herren etwas zu erinnern, wollte mann solches gerne verneh-
19
men etc.

20
Unterdeßen nun, das die herren stättischen sich untereinander undt mit herrn
21
Dr. Ölhafen als Nürnbergischem gesandten unterredeten, gefielen ein undt
22
andere interlocutoria, als von:

23
Mecklenburg-Schwerin und Güstrow. Das die catholische nicht fürn
24
kopff zu stoßen etc.

25
Hessen-Kassel. Doch auch ihnen nicht eben zu folgen etc.

26
Braunschweig-Lüneburg-Celle, Grubenhagen und Kalenberg.
27
Stehe ihnen doch frey, wo sie sich auffhalten undt ob sie zum theil auch hier-
28
her kommen wollen. So können auch die churfürstlichen deputirten nicht in
29
uno loco sein, salvis praeliminaribus.

30
Fränkische Grafen. (Herr Dr. Ölhafen:) Die herren Churbrandenburgi-
31
schen giengen, wie er’s eingenommen, dahin, das die stände an beyde orte
32
schicken oder, wer an einem orte zweene gesandten bißhero gehabt, dieselbe
33
an beyde vertheilen möchte.

34
Cui promiscue respondebatur: Das were hoc rerum statu unmöglich undt
35
auch unnötig, dann es were undt bliebe doch una eademque legatio, eine in-
36
struction, ein votum. So würde solches auch nihilo expeditius sein, weil sie
37
doch, wann es zum schluß kommen sollte, vorhero miteinander communici-
38
ren müsten, exemplo dominorum Cassellanorum

52
Hessen-Kassel war an beiden Kongreßstädten vertreten. Ges. waren zu dieser Zeit Reinhard
53
Scheffer in Osnabrück (s. Nr. [1 Anm. 7] ), der Primarges. Adolf Wilhelm von Krosigk und Dr.
54
Johann Vultejus in Münster.

1
Krosigk (ca. 1610–1657) war 1636 hessischer Kapitän, wurde 1639 GR , war 1643 als Son-
2
derges. in Frk., vertrat Hessen-Kassel 1653–1654 auf dem Regensburger RT und wurde 1654
3
Präsident des GR ( Repertorium I, 262; Bettenhäuser, 23, 133).

4
Vultejus (1605–1684) absolvierte juristische Studien in Leiden und Marburg und unternahm
5
1624 eine Reise durch England und Frkr. Er wurde 1630 in Marburg promoviert; es folgte ein
6
Aufenthalt am RKG . Vultejus wurde 1633 hessischer GR und Kriegsrat, war 1640–1641 Ges.
7
auf dem Regensburger RT und wurde 1651 Kanzler ( Kretzschmar, Vultejus, 390; Bier -
8
ther, 197f. Anm. 268; Bettenhäuser, 133).

9
Vultejus und Krosigk haben sich am 3. Juli 1645, aus Münster kommend, in Lengerich mit
10
dem aus Osnabrück anreisenden Scheffer getroffen, um gemeinsam zu beraten; anschließend
11
reiste Vultejus nach Kassel, Krosigk nach Münster und Scheffer nach Osnabrück (Relation von
12
Vultejus und Krosigk von 1645 VI 22 / VII 2 in: Hessen-Kassel A III, fol. 414–415’).
etc.

39
Straßburg. Nach gepflogener unterredung nun bedanckte sich der Straß-
40
burgische vor beschehene invitation undt communication, entschuldigte sich

[p. 45] [scan. 189]


1
wegen des posttages undt hetten sonst ehe kommen wollen. Hetten im ubri-
2
gen dem haubtwerck nachgedacht, consultiret undt sich gleichsfalls eines
3
gewißen schlußes verglichen, welche resolution er selbst auß dem concept

13
Konnte nicht ermittelt werden. Ob es identisch ist mit Der Reichs=Staedte Gutachten ueber
14
das zu Laengerich gemachte Conclusum ( Meiern I, 519ff. ), ist unklar.

4
verlese etc., salvo rectius sentientium iudicio.

5
Weil sie nun vernommen, das rationes zur abtheilung vorkommen, ihnen
6
aber, weil es eine wichtige sache, nicht gebühren wollte, uber dem fürstlichen
7
concluso sich so stracks heraußzulaßen, wollten sie es ad referendum et deli-
8
berandum annehmen undt umb etwas zeit darzu gebeten haben. Mann sey in
9
modo, das nehmlich die consultationes per collegia anzustellen, einig, bestehe
10
nur an dem ort, wo iedes hintransferiret oder wie ein iegliches getheilet wer-
11
den möge.

12
Magdeburgisches Direktorium. Die formalia weren etwas different
13
undt das stättische project wol gefaßet undt außgeführet, wiewol mann in
14
materia gantz einig were biß uff diesen einigen punct etc. Weil sie nun die
15
angeführten rationes würden vernommen haben undt insonderheit dieses, das
16
mann de dissensu Suecorum gewiße nachricht hette, die herren Churbran-
17
denburgischen gleicher meinung weren undt also necessitas summa et ex-
18
trema ratio hierunter militirte, so stünde ihnen frey, ob sie dem werck ferner
19
nachdencken wollten, nur das es maturiret werde.

20
Braunschweig-Lüneburg-Celle, Grubenhagen und Kalenberg.
21
Referirte priora etc. Undt wiewol die Churbrandenburgischen etwas hiervon
22
dem bericht nach differiren sollen, so hielte er doch nicht, das es so eigentlich
23
ihre meinung sey, dann solchergestalt würden auch 2 churfürstliche collegia,
24
item 2 Römische Reich sein, da doch die gesandten an beyden orten nur ein
25
corpus oder collegium machen etc. Das vermögen sey nicht vorhanden, an
26
beyden orten gesandten zu halten, were auch unnötig, dann entweder sie mü-
27
sten eandem instructionem haben, undt so wer undt blieb es eadem legatio,
28
oder diversam, welches aber per rerum naturam nicht sein könte. Zudeme:
29
mann nehme einen modum, welchen mann wolle, non carebit difficultatibus.
30
Führete darbey an die exempla der Kayßerlichen, churfürstlichen sowol der
31

40
31 königlichen] Ursprünglich hieß es in der Druckvorlage: königlich Schwedischen, was in
41
Sachsen-Altenburg A I 1 übernommen ist, während in Sachsen-Gotha B I Schwedi-
42
schen ausgestrichen wurde und es in Magdeburg Ca fehlt.
königlichen herren abgesandten undt das mann keine ursach habe, von denen
32
Schwedischen sich zu separiren. Were zwar des vorigen bedenckens

15
Wie oben Anm. 8.
in kei-
33
ner abrede, dargegen sich aber praegnantes rationes in contrarium gefunden.
34
Könten nun die herren stättischen sich mit den fürstlichen hierüber verglei-
35
chen, wol gut, undt sey mann sonst in materialibus gantz einig. Undt wiewol
36
die in der reichsstätte uffsatz angeführte rationes gar gut weren, möchten
37
doch etzliche die Kayßerlichen sehr offendiren.

38
Schließlich erinnerte er noch dieses, das dem itzigen concluso das vorige be-
39
dencken beyzulegen.

[p. 46] [scan. 190]


1
Magdeburgisches Direktorium et reliqui consentiunt.

2
Braunschweig-Lüneburg-Celle, Grubenhagen und Kalenberg.
3
(Ad civitates:) Möchten sich doch itzt baldt unterreden undt erklären, weil
4
ihrer ja nicht viel weren.

5
Illi . Weren doch nicht alle beysammen, verbi gratia Lübeck

16
Ges. der Hansestadt Lübeck war Dr. David Gloxin (1597–1671). Er traf im Dezember 1644
17
in Osnabrück ein und vertrat auf dem WFK außer Lübeck die Gesamthanse, das Hgt. Sach-
18
sen-Lauenburg, die Reichsstädte Nordhausen und Goslar und das Bistum Lübeck (dessen Ses-
19
sion er allerdings nicht wahrnehmen konnte). Er scheint bald wieder abgereist zu sein und traf
20
erneut am 25. Juli 1645 in Osnabrück ein ( Magdeburg G II fol. 165). Gloxin studierte bis
21
1621 in Wittenberg, wurde 1624 in Rostock zum Dr. iur. promoviert, war dann Advokat in
22
Rostock, reiste 1626 nach England, Fkr. und Spanien, wurde 1632 Rat von Haus aus bei Hg.
23
Friedrich III. von Holstein-Gottorp und 1642 Syndikus der Stadt Lübeck. 1649–1650 vertrat
24
er Lübeck auf dem Nürnberger Exekutionstag, 1653–1654 auf dem Regensburger RT . Er
25
wurde 1654 ksl. Rat und 1666 Bürgermeister von Lübeck ( Wolff, Corpus Evangelicorum,
26
88, 215; BLSHL VI, 102f.; Spies, 111f).
, Bremen

27
Ges. der Hansestadt Bremen waren Liborius von Linen und Dr. Gerhard Koch.

28
Linen (1595–1664) studierte 1615 in Marburg Jura, 1617 in Heidelberg, es folgte 1619 ein
29
Aufenthalt am RKG . Nach Abschluß seines Studiums in Basel reiste er in die Schweiz, nach
30
Fkr., England, Italien und Dänemark. 1623 wurde er Rat, Kammer- und Kanzleisekretär in
31
der Gft. Bentheim-Tecklenburg, 1628 Rat in Bremen und seither vielfach als Diplomat einge-
32
setzt. So entsandte man ihn 1629 zu den ksl.-dän. Friedensverhandlungen in Lübeck. 1649
33
wurde Linen Bürgermeister in Bremen (J. L. Walther, 84f.).

34
Koch (latinisiert: Coccejus; 1601–1660), der auf dem WFK auch die Gesamthanse vertrat
35
(s. Nr. [46 Anm. 7] ) und an Sitzungen der Reformierten teilnahm (s. Nr. [40 Anm. 48] , Nr. 91,
36
unten S. [574 Z. 38] ), studierte in Bremen, wurde 1628 in Straßburg promoviert und 1630
37
Prof. iuris in Bremen und Syndikus der Kapitelkirche St. Willehadi und Stephani. 1640 wurde
38
er Ratmann in Bremen und wohl 1647 zum comes palatinus ernannt, war seit 1653 ostfrie-
39
sischer Rat und seit 1654 Prof. in Groningen. Er veröffentlichte Ad Titulum Pandectarum de
40
origine juris … Commentarii (Groningen 1660) (J. L. Walther, 83f.; Jöcher I, 1980;
41
BSB-AK 1501–1840 VII, 191; APW [II A 5, 83 Z. 16] , [208 Z. 14] , [319 Z. 32] ).

42
Linen und Koch trafen im Dezember 1644 in Osnabrück ein. Am 29. Juli 1645 wurden die
43
Ges. der Hansestädte, u. a. die (/der) von Bremen, in Osnabrück vom ksl. Ges. Lamberg emp-
44
fangen ( APW [II A 2, 121 Z. 37f.] ; APW [III C 4, 79 Z. 25f.] ).
etc.
6
Baten copiam des fürstlichen concepts oder extract darvon.

7
Status. Dictetur.

8
Braunschweig-Lüneburg-Celle, Grubenhagen und Kalenberg,
9
item magdeburgisches Direktorium. Dieser modus würde doch nicht
10
lange wehren, weil unß doch die materia baldt scheiden würde etc. Undt
11
were den catholischen freyzustellen, ob sie hierher kommen wollten etc.

12
Fränkische Grafen / Nürnberg . (

29
12–16 Dr. – werden] Brandenburg-Kulmbach A II: Die städtischen Gesandten haben dan-
30
noch für dismahl aus denen in ihrem abgelesenen bedencken wie auch in dem gräffli-
31
chen voto angeführten ursachen ihre meinung beharret, jedoch mit angehengten erbie-
32
then, der sachen ferners alles fleises nachzugedenckhen undt sich beschaffenen sachen
33
nach forderlichst weiter darüber zu erclären.
Dr. Ölhafen): Es were nicht zu ver-
13
muthen, das Österreich so acquiesciren undt sich des directorii begeben
14
würde etc.

15
Magdeburgisches Direktorium . In Gottes nahmen etc. Deßwegen
16
würden doch die tractaten nicht gehindert oder auffgehalten werden.

17
Darauff wurde discurriret de inscriptione et subscriptione des conclusi undt
18
einmütig geschloßen, das, weil die churfürstlichen das ihrige einen schluß
19
genennet, mann an seiten fürsten undt stände deßgleichen thun möchte.
20

34
20 sub discessum] In der Druckvorlage stand ursprünglich: sub finem. Sub discessum haben
35
auch Magdeburg Ca und Sachsen-Gotha B I. Sachsen-Altenburg A I 1 hat: sub
36
discursum.
subcom-
21
munication eines extracts des differirenden puncten

45
Dieser extract konnte nicht ermittelt werden.
zugesaget undt das
22
nichtsdestoweiniger auch das gantze project

46
Brandenburg-Kulmbach A II unfol. enthält als Beilage 2 zur Relation des Ges. Müller,
47
Münster 1645 VIII 1 [ /11] , einen Text, von dem Müller in der genannten Relation sagt, man
48
habe sich bey 2 sessionibus […] eines schrifftlichen ufsatzes verglichen, den er anfüge. Mit
49
den zwei sessiones müssen die Sitzungen von 1645 VII 18/28 und 1645 VII 21/31 gemeint
50
sein, so daß es sich bei diesem Text um das project, wie es nach Ablauf der Sitzung vom
51
21./31. Juli formuliert wurde, handelt.
dictiret werden sollte.

23
Magdeburgisches Direktorium. Post discessum der herren reichsstätti-
24
schen proponirte das directorium: Die gräfflich Naßaw Saarbrückischen ab-
25
gesandten

52
Ges. der Brüder Gf. Johann (1603–1677) und Gf. Ernst Kasimir (1607–1655) von Nassau-
53
Saarbrücken waren Johann Hartmut von Langeln und Dr. Johann Adam Schrag.

1
Langeln (gest. frühestens 1676) war Rat der Gf.en Johann und Ernst Kasimir von Nassau-
2
Saarbrücken, später Oberamtmann. Er scheint an keiner Sitzung der Fürstlichen teilgenom-
3
men
und sich nicht lange in Osnabrück aufgehalten zu haben: Am 16. August 1645 wollte er
4
im Auftrag Gf. Johanns nach Kassel reisen, um mit der Versetzung von Silbergeschirr fortzu-
5
fahren
, s. Wetterauische Grafen ( Nassau-Saarbrücken) A I fol. 165; spätestens Ende
6
Oktober war er im Auftrag Gf. Johanns nach Paris abgereist ( Menzel, 521). 1668, 1669,
7
1676 war Langeln als Ges. Nassau-Idsteins, 1672 und 1673 als Ges. Nassau-Ottweilers in
8
Mainz, 1672 als Ges. Nassau-Saarbrückens in Brandenburg ( Repertorium I, 347f., 656);
9
eigenhändige Unterschrift: Joh. Hartmuht von Langeln, z. B. in: Wetterauische Grafen
10
( Nassau-Saarbrücken) A I fol. 165.

11
Schrag (1617–1687) studierte in Straßburg, Köln und Leiden, wurde 1636 in Straßburg Ma-
12
gister, reiste in die Ndl. und als Sekretär des Ges. der Generalstaaten nach England, ging von
13
dort 1639 nach Fkr. und kehrte, nach Aufenthalten in Paris, Lyon, Genf und Basel 1640 nach
14
Straßburg zurück. Es folgte 1641 ein Aufenthalt am RKG , 1643 die Promotion. Er wurde
15
1642 Procurator, 1646 Actuarius beim Großen Rat in Straßburg, 1650 Referendarius beim
16
Kleinen Rat, 1651 Rat und Advokat, 1666 Schöffe (J. L. Walther, 79ff.; Crämer, 52).
17
Schrag nahm in den kommenden Monaten an den Sitzungen des FR teil (s. z. B. Nr. [34 bei Anm. 96] ).

19
Die Instruktion für Langeln und Schrag, ausgestellt in Saarbrücken, datiert von 1645 IV 14
20
[ st. v.] ; sie wurde Schrag mitgegeben, der nach Osnabrück reiste, wo sich Langeln seit etlich
21
monaten befand (Kopie in: Wetterauische Grafen, Nassau-Saarbrücken B II fol.
22
17–32, hier fol. 17’). Laut Diarium der magdeburgischen Ges. waren Langeln und Schrag
23
eine zeitlang zu Caßel und kehrten erst wenige Tage vor dem 17./27. Juni 1645 nach Osna-
24
brück
zurück ( Magdeburg G II fol. 144’).

25
Zu Gf. Johann von Nassau, der die Linie Idstein/Wiesbaden begründete, und Gf. Ernst Kasi-
26
mir von Nassau, der die Linie Weilburg begründete, s. Renkhoff, 542 und Nr. 3060.
undt Dr. Schweitzer

27
Dr. Johann Schweitzer, Sekretär des Gf.en Johann von Sayn-Wittgenstein. Schweitzer war
28
wahrscheinlich am 24. April 1645 mit Gf. Johann nach Osnabrück gekommen, der die Wet-
29
terauischen Gf.en vertreten sollte, bis deren eigene Ges. eintrafen (Nr. [2 Anm. 65] ; Gross -
30
mann, 100). Schweitzer ist vermutlich identisch mit Johann Helvetius Beilsteinensis, der
31
1593–1600 das Pädagogium zu Herborn besuchte, 1600 für die dortige Hohe Schule einge-
32
schrieben war und nach einer späteren Eintragung iuris doctor et advocatus wurde ( Matri -
33
kel Herborn, 30 Nr. 731, 200 Nr. 570, 211 Nr. 945, 216 Nr. 1130, 219 Nr. 1214).
34
Schweitzer präsentierte sich im Januar 1646 als Ges. des Gf.en von Ortenburg (s. Nr. 86
35
Anm. 74).
, des herrn grafen von Witgenstein secreta-
26
rius, hetten sich am sonnabendt angemeldet undt begehret, das sie nomine
27
der Wetterawischen grafen auch möchten admittiret werden

36
Die magdeburgischen Ges. berichteten in einer an ihren Prinzipal übersandten relatio, daß die
37
gfl. nassauischen Ges. und Dr. Schweitzer am 19. [/29 .] Juli 1645 bei ihnen vorgesprochen
38
hätten ( Magdeburg F II fol. 250).
. Dann weil 3
28
gräfliche familien undt deren gesanten

39
Gemeint sind die Ges. der Gf.en von Nassau-Saarbrücken Langeln und Schrag, der persönlich
40
anwesende Gf. Sayn-Wittgenstein und die Wild- und Rheingf.en, die durch den straßburgi-
41
schen Ges. Dr. Marcus Otto vertreten wurden (so nach der magdeburgischen relatio – s. oben
42
Anm. 35).
zur stelle, auch de rato zu caviren

[p. 47] [scan. 191]


1
erbötig weren, wollten sie nicht hoffen, das mann sie excludiren würde. Wel-
2
ches dann hiermit zur umbfrage gestellet wurde.

3
Brandenburg-Kulmbach. Hette gleichsfalls verstanden, das sich der herr
4
graff von Witgenstein beschwert gehabt, das er zur newlichsten session nicht
5
were erfordert worden. Undt weil nun solchergestalt der senatus principum,
6
praesertim evangelicorum, verstercket würde undt sie sich zur caution de
7
rato

43
caution de rato bedeutet Sicherheit wegen Genehmigung des Bevollmächtigers ( Campe I,
44
216 s. v. Caution ).
offerirten, hielte er darfür, das mann sie wol admittiren könte, doch nur
8
ad unum votum gleich denen Fränckischen herren graffen etc.

9
Braunschweig-Lüneburg-Celle, Grubenhagen und Kalenberg.
10
Viritim könten sie nicht votiren, sondern nur curiatim, wann sie sich vorhero
11
legitimirten, welches entweder durch vollmachten oder cautionem de rato ge-
12
schehen müste.

13
Weil nun etzliche familien zur stelle, wie dann ihre fürstliche gnaden, hertzog
14
Friedrich etc., mit 3 grafschafften interessiret

45
Siehe Nr. [2 Anm. 39] , [40] , [41] .
undt neben deme die herren
15
Naßaw Saarbrückischen gesandten, der herr graff von Witgenstein persön-
16
lich, wie auch wegen der herren Rheingrafen der herr Straßburgische ge-
17
sandte da weren, hielte er darfür, das sie praestita cautione de rato wol zu
18
admittiren weren. Hetten aber doch nur ein votum undt nicht alleine sie,
19
sondern ein ieder, der sich taliter qualiter legitimiren könte, dann mann hette
20
dahin zu sehen, das die evangelischen nicht excludiret würden, zumal diejeni-
21
gen, die zuvorhin affligiret weren.

22
Hessen-Kassel. Conformiret sich auch darmit, wann sie de rato caviren.

23
Hessen-Darmstadt. Wann es nur uff ein votum gemeinet, weren sie nicht
24
zu excludiren, undt wolle er sich dißfalls gerne den maioribus accommodiren
25
etc.

26
Mecklenburg-Schwerin und Güstrow. Wiße zwar eigentlich nicht,
27
was dißfalls im Reich herkommen undt ob es ohne vollmacht geschehen
28
könte, wann es aber sein könte, ließe er sich’s mit belieben.

29
Fränkische Grafen. Admittantur, praestita cautione etc.

30
Magdeburgisches Direktorium. Concludirte, das sie cum cautione rati
31
admittiret undt ihnen solches notificiret werden sollte. Sonst bedürffte es kei-
32
ner dancksagung pro labore, sondern erachteten sich, amore patriae wie auch
33
allerseits hohen principaln zu dienste etc., darzu schuldig. Befünden so viel,
34
das mann in beyden collegiis der fürsten undt stätte fast in allen einig, den
35
einigen punct de divisione collegiorum außgenommen, undt giengen die
36
maiora bey dem project im fürstenrath dahin, das der andere modus in
37
puncto agendi et deliberandi sollte placitiret sein. Mann hette nunmehr zu

[p. 48] [scan. 192]


1
erwarten, ob die stättischen sich darmit auch conformiren würden, wo nicht,
2
möchten sie ihr votum curiatum für sich ablegen. Unterdeßen könte doch das
3
conclusum im fürstenrath dictiret werden, ingleichen were es denen abge-
4
sandten zu Münster zu communiciren, undt wollte mann hoffen, das, wie sie
5
dem hiebevorigen bedencken, so den Kayßerlichen insinuiret, nicht contradi-
6
ciret hetten, also sie auch diesen concept sich conformiren würden.

7
Postquam consurrexerant, wurde per discursum vom herrn Lüneburgischen,
8
herrn Heßischen undt andern auch noch dieses erinnert:

9
1. das, wann in progressu der erste modus sich practicabl befünde, derselbe
10
außdrücklich reservirt würde etc.

11
2. Das der Culmbachische herr abgesandte sich eine zeitlang zu Münster,
12
umb alle ombrage den catholischen zu benehmen, auffhalten möchte.

13
Sachanmerkungen zu Nr. 3

[p. 49] [scan. 193]

[p. 50] [scan. 194]

[p. 51] [scan. 195]

[p. 52] [scan. 196]

[p. 53] [scan. 197]

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