Acta Pacis Westphalicae III D 1 : Stadtmünsterische Akten und Vermischtes / Helmut Lahrkamp
VORWORT

[p. VII] [scan. 7]

VORWORT

Beim Fortgang der Arbeiten an den Acta Pacis Westphalicae zeigte sich, daß es zweckmäßig sei, das ursprüngliche Editionsschema (vgl. APW I 1 S. Xf.) geringfügig zu erweitern und der Serie III eine mit D bezeichnete vierte Unter- abteilung anzufügen. Sie ist für Varia bestimmt und wird mit dem hier vorgelegten Quellenband eröffnet. Dieser enthält zur Hauptsache den Kongreß betreffende Akten der Stadt Münster, führt also aus der Höhenluft der Staatsaktionen in die Kommunalpolitik, die durch die Friedensverhandlungen vor manche schwierige und ungewohnte Aufgabe gestellt worden ist. Deren Lösung hat zwar auf den Gang der europäischen Geschichte wenig eingewirkt, wohl aber das äußere Bild des Kongresses mitgeprägt. Daher gehört auch dieser Teil des Geschehens zum Ganzen der Geschichte des Westfälischen Friedens und gehören die darauf bezüglichen Quellen in den Rahmen der Acta Pacis Westphalicae . Für diese Edition war Helmut Lahrkamp durch seine früheren Forschungen und durch sein Amt als Leiter des Stadtarchivs Münster gewissermaßen prädestiniert. Er erhielt den Auftrag, eine möglichst charakteristische Auswahl von vornehmlich solchen Quellen zu publizieren, welche den lokalgeschichtlichen und kulturhistorischen Schauplatz des Geschehens beleuchten. Dabei sollte er auch die jüngst an anderer Stelle benutzten Ratsprotokolle erneut heranziehen. Die systematische Durchsicht der betreffenden Bestände des Stadtarchivs Münster brachte dann noch unerwartet viel unbekanntes Material zum Vorschein, obgleich die damalige Stadtregistratur nicht geschlossen erhalten geblieben ist. Der hier vorge- legte Band hat deshalb – sachlich betrachtet – Lücken. Es ließe sich etwa über den institutionengeschichtlichen Rahmen der Verhandlungen (z. B. das Problem der Neutralisierung der Kongreßstadt) an Hand der Wiener Materialien mehr aussagen, als die hier erfaßten Schriftstücke bieten. Eine derartige sachliche Vollständigkeit entsprach jedoch nicht der Konzeption dieses Bandes

Ein großer Teil dieser Wiener Schriftstücke wird durch APW II A erschlossen.
. Die hier gesammelten Quellen aus dem Stadtarchiv Münster bieten ja ohnehin im Einzelnen wie im Ganzen nicht nur viel Farbiges, sondern auch viel Neues, dessen Publikationswürdigkeit kaum be- streitbar ist; denn ohne den Abdruck in den APW wäre dieses Material für die meisten Forscher, die zu den lokalen Quellen oft nur schwer den Zugang finden, fak- tisch nicht verfügbar.
Dies gilt nicht nur für die Protokolle und Korrespondenzen, sondern auch für den Anhang I mit den Eintragungen der Kongreß-Teilnehmer, die in münsterischen Kirchenbüchern als Taufpaten erwähnt sind. Der Wert dieser Quellengruppe für bio- graphische Fragen bedarf keiner langen Erörterung; ihr Abdruck an dieser Stelle mag manchem einen Fingerzeig für sonst unbeachtet bleibende Zusammenhänge geben. Etwas gänzlich anderes enthält der Anhang II. Dort werden Observationes genannte Stücke aus dem von der Dombibliothek Hildesheim bewahrten ungedruckten Manuskript-Teil der Geschichte des Westfälischen Friedens ver-

[p. VIII] [scan. 8]

öffentlicht
, die Adam Adami verfaßt hat, der streitbare Benediktinerprior und spätere Weihbischof von Hildesheim. Diese Quelle hat mit den stadtmünsterischen Akten natürlich keinen direkten geschichtlichen Zusammenhang. Da jedoch in den Observationes wie in den städtischen Akten das Individual-Menschliche im Vordergrund steht – hier bis hin zur Anekdote und zum Kongreß-Witz –, und da eine kritische Edition der schon mehrfach gedruckten Darstellung Adamis im Rahmen der APW nicht geplant ist, schien es sachlich richtig, die interessierenden Observationes gerade an dieser Stelle zu drucken.
In einen Varia-Band, der so Verschiedenartiges zusammenfügt, paßt schließlich auch die als Anhang III publizierte Diplomaten-Liste. Sie kann beim derzeitigen Stand der Vorarbeiten nur vorläufigen Charakter tragen und mag in Einzelheiten der Berichtigung bedürfen. Aber wohl jeder, der sich in Zukunft mit dem Westfälischen Frieden befassen will, wird sie mit Nutzen zu Rate ziehen; denn in dieser Voll- ständigkeit (zu den bisher bekannten Namen wird ein Drittel neuer Namen hinzu- gefügt ) existiert etwas Vergleichbares bislang nicht. Wiederum bleibt den Herausgebern der APW die angenehme Pflicht, nach vielen Seiten hin herzlichen Dank abzustatten. Zunächst mögen die Staatsarchive Amberg , Aurich , Brüssel , Hannover , Oldenburg , Osnabrück und Würzburg aufgeführt werden, dazu das Ordinariatsarchiv Augsburg und das Historische Archiv der Stadt Köln : sie alle halfen Helmut Lahrkamp bei der Diplomaten-Liste, die auch durch die S. 343 namentlich erwähnten Mitar- beiter der APW gefördert und korrigiert wurde. Sodann muß dem Hauptstaats- archiv Düsseldorf , welches das Wartenberg-Diarium bewahrt, gedankt werden. Einige Teile daraus werden hier veröffentlicht, während das ganze in APW III C 2 erscheinen soll. Schließlich gilt ein besonderer Dank der Dombibliothek Hildes- heim , die durch entgegenkommende Ausleihe die Verwendung des Adami-Codex sehr erleichterte und übrigens mit ihren nicht sehr zahlreichen, aber für den West- fälischen Frieden wichtigen Handschriften in den APW noch häufiger genannt werden wird. Seit der neuen Geschäftsverteilung der Bundesregierung im Jahre 1963 wird die Vereinigung zur Erforschung der Neueren Geschichte vom Bundes- ministerium für wissenschaftliche Forschungen betreut. Die Ver- einigung erfreut sich dort dergleichen, wohlwollenden Unterstützung wie früher beim Bundesministerium des Innern ; dies wissen die Herausgeber der Acta Pacis Westphalicae ebenso dankbar zu würdigen, wie sie der Aschendorff- schen Verlagsbuchhandlung , die auch diesem Bande alle nötige Sorgfalt und Mühe widmete, erneut ihre Anerkennung zollen. Wenn hingegen der Bearbeiter, Herr Dr. Helmut Lahrkamp , erst am Schluß einer langen Dankesliste genannt wird, so ist den Herausgebern doch sehr bewußt, daß die Arbeitsfreude und Gelehrsamkeit der Editoren darüber entscheiden, ob ein solch weitgespanntes Unternehmen wie diese Aktenpublikation überhaupt gewagt werden konnte und gelingen kann. Saarbrücken, den 5. Juli 1964 Konrad Repgen

Documents