Acta Pacis Westphalicae III A 1,1 : Die Beratungen der kurfürstlichen Kurie, 1. Teil: 1645 - 1647 / Winfried Becker
Konferenz der katholischen kurfürstlichen Gesandten Münster 1645 September 7
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Münster 1645 September 7
Kurköln zA I fol. 18–19 = Druckvorlage; damit identisch Kurköln spA I fol. 32’–35’,
Kurköln spA Ia fol. 35’–38 und Kurköln zA Extrakt fol. 2–2’.
Soll die vorliegende Correlation über den modus consultandi den Kaiserlichen sofort überreicht
werden? Vertretung der kurkölnischen Stifter in Osnabrück. Doppeltes Votum bei Doppelver-
tretung eines Reichsstands an beiden Kongreßorten, insbesondere für Kurbrandenburg?
Im Kurfürstenratszimmer des Bischofsbofs. Vertreten: Kurmainz, Kurköln, Kurbayern.
Kurmainz . Zeigte ahn, wohin gestern die re- und correlation gefallen,
und weiln nun die herrn Kayserliche umb eine andtwort auf ihre propo-
sition anhalten, so hetten sie einen endtwurff zu papir gebracht, welchen
verlesen, auch einem jedem zur beßern durchsehung nacher hauß com-
municiren wolten; stünde aber doch auch dahin, waß ietzo dabey zu er-
rinnern .
Kurköln . Dankt Kurmainz für begreiffung des concepts; und befinden
ihrestheilß beym hauptwerck kein bedenckens, nur daß ein und ander
wortt dabey zu errinnern hetten. Nachdem es aber nacher hauß zu com-
municiren anerbotten, so woltens erwartten und alßdan die notturfft in
acht nehmen.
Sonsten aber vernehmen sie aus des fürstenrhats zu papier brachten con-
cluso , daß der vorschlag beschehen, daß Ihre Churfürstliche Durchlaucht
zu Colln wie auch Ihre Hochfürstliche Gnaden wegen dero stiffter
Wartenberg vertrat neben seinen eigenen drei Stiftern Osnabrück, Minden und Verden sieben
kölnische, Kurköln, Hildesheim, Paderborn, Münster, Lüttich, Berchtesgaden und Stablo, sowie
sechs weitere katholische Reichsstände (Augsburg, Chur, Eichstätt, Ellwangen, Leuchtenberg
- bis 1646 – und Regensburg) in Kommission ( APW [ III D 1 S. 359 ] , A 4, 1 S. 57 Anm. 3,
Förster passim).
Oßnabruck abordnung thuen möchten; so gleichwoll von denen in nahmen
hochstgedachter Ihrer Churfürstlichen Durchlaucht im furstenrhat dhamalß
gewester deputirten nit acceptirt. Und weiln dan nun Seine Churfürstliche
Durchlaucht wegen dero stiffter albereit gnedigste verordnung gethan
und die plenipotentiae anhero gerichtet eingelangt, es auch ihro, nacher
Oßnabruck zu schicken, sowohl ahn persohnen alß den mitlen ermanglen
thete, so würden sie sich dahin schwerlich bereden laßen.
So hab es auch mit Ihrer Hochfürstlichen Gnaden diese beschaffenheit, daß
sie pro rerum exigentia den furstenrhat zuweiln selbst wurden besuchen,
also auch ihrestheilß in dern ihrer stiffter halb alhier bereitz gemachter ver-
ordnung nichts zu verändern wusten. Und weiln dan einem jedern frey sein
solle, wohin er will zu schicken, und ohnedem theilß aus den catholischen
so lieb zu Oßnabruck alß alhier sein werden, zumaln es ihnen der kosten
halber auff einß außkompt, auch sonder zweivel aus den noch abwesenden
sich dorthin begeben werden, alß hetten diese anzeig zu dem endt thun
wollen, damit obgedachter vorschlag nit pro re supposita möchte gehalten
werden.
Die zu papier gesetzte andtwortt betreffendt, weiln der schluß mit denen
zu Oßnabruck noch ein unverglichene sach, so durffte diese einseitige
uberreichung nur wiederwillen causiren; die underlaßung aber bey den
herrn Kayserlichen keine offension gebähren konte, weiln ihnen von den
Osterreichischen sonder zweiffel davon vorhin nottige parte geben oder,
wan sie es begerten, per deputatos noch mundtlich geschehen könte.
Kurbayern . Gratiarum actione praevia, hetten daßmal nichts zu errinnern,
weiln die communication ohnedaß nacher hauß zu laßen angebotten, nur
daß darinnen, es wurden die Churmäintz- und -brandenbürgische alldort
und hier gleichformige vota fuhren, woraus folge, daß selbe ihr votum
doppelt ablegen werden; welches demjenigen zuwieder, so iungsthin, daß
jeder nur ahn einem orth werde zu votiren haben, abgeredt.
Wegen der abgefaßeten andtwortt verglichen sich ebenfalß mit Churcolln,
daß solche in schrifften zu thun noch bedencklich, biß dahin ein gantzes
daraus gemacht, ohnedas auch die herrn Kayserliche vom hauptwerck
sonder zweivel albereit genugsame nachricht haben wurden oder dieselbe
von den herrn Churmaintzischen mund- und unverbindlich gegeben wer-
den könte.
Kurmainz . Seind selbsten angestanden, ob derjenige, welcher ahn beyde
orthe schickt, an jeden sein votum abgeben solle? Wan manß also fur guet
ansehe, könte selbiger passus außenpleiben.
Sonsten gestehen, daß, weiln die andtwort oder das werck ahn sich selbst
opus adhuc imperfectum, den Kayserlichen die schrifftliche communi-
cation , ehe es mit den furstlichen uberlegt, zu thun fruhezeitig.
Hierauf ist per discursum dafurgehalten, daß, nachdem die Churbranden-
burgische zu Oßnabruck ebensowoll alß die hiesige ihres herrn votum
werden fuhren wollen, man sich deßhalber in kein disputat einzulaßen,
sondern die doppelte ablegung des voti zuzugeben, dha es dan doch nur
fur eins wurde zu zehlen sein.