Acta Pacis Westphalicae II A 1 : Die kaiserlichen Korrespondenzen, Band 1: 1643 - 1644 / Elfriede Merla
398. Nassau und Volmar an Ferdinand III Münster 1644 September 13

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–/ 398 /–

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Nassau und Volmar an Ferdinand III.


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Münster 1644 September 13

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Ausfertigung: RK , FrA Fasz. 47a, Konv. B fol. 308–309’, praes. 1644 September 28 = Druck-
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vorlage
– Konzept: ebenda Fasz. 92 III nr. 388a fol. 316–317’,

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Visite des dänischen Sekretärs Klein: Hessen-Kassel; schwedisch-dänische Sonderverhandlungen;
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Austausch der Vollmachten in Osnabrück.

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Eur Kayserlichen Mayestät berichten wir hiemit allerundterthenigist, das
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vorgestrigen abendts, den 11. diß, der königlich Dennemarkische geheime
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secretarius Clein von Cassell alhie angelangt und sich bey uns angemelt,
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denn ich, graf von Nassau, auch gestrigen tags zum mittagmahl in mein
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losament einladen lassen. Und demnach wir ine vorderist samentlich ange-
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hört , hat er uns von seinem genedigisten könig und herrn ein credenz-
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schreiben , innhalts beyligender copey nr. 1 eingelifert, sein mündtlich an-
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bringen auch demselben gemeß abgelegt, darauf wir ine dann hinwiderumb
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mit gleichmesßigem anerbieten und bezeigung Eur Mayestät gegen der
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königlichen würden tragender bestendiger gueter wolmeinung beantwortet
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haben. Und dieweil wir hienebens auch anlaaß genommen, ine umb die
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von der frau landtgräfin zu Hessen Cassel außgefallene erclärung zu befra-
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gen , hat er sovil angedeütet, das dieselbe zwar ine in seinem anbringen
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fleisßig angehört und zu erkennen gegeben, das sie alle iren vor augen
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gestelte umbständt genuegsamb gefast und leüchtlich erachten khöndt, das
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sie nit wol etwas mehrers von Eur Kayserlichen Mayestät, als iren bereits
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in handlung were gebracht worden, zu verhoffen, noch auch die gedancken
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zu fassen hete, bey disem kriegßweesen und durch die waaffen iren statum
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zu erweiteren. Sie were aber mit beeden cronen, Franckreich und Schweeden,
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und was darvon dependiert, dermassen verknipft, das sie sich in einige
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particularhandlung nit wüste einzulassen, sonderlich weil die universal-
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fridenstractaten vor der thür stüenden, sondern müeste notwendig deß
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außgangs erwarten; ausserhalb dessen hete er wol verspürt, das sie in der

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Marburgischen successionsach

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Zum Marburger Erbstreit siehe F. Dickmann und die dort S. 568 angegebene Literatur.
noch ein mehrere satisfaction suechen thet
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und derselben anspruch sich nit genzlich begeben wolte.

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Wir haben ime auch angedeüttet, das die Franzosen außgeben theten, das
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beeder cronen, Dennemarkh und Schweeden, reichsräthe umb erhandlung
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eines fridens uf denselben reichsfrontieren zusambenkommen solten

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Die Verhandlungen sollten am 15./25. Dezember 1644 bei Brömsebro beginnen.
. Darauf
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sagt er, das er von disen und anderen sachen, was in zeit seines abraisens
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vom königlichen hof verloffen wer, kein nachricht, dieweil ime biß dato
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keine brief zuekommen. Es köndte zwar solche zuesamenkonfft wol ge-
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schechen , die wurde aber seines erachtens allerdings in extremis verharren
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und ohne frucht ablauffen, seitemaln kein theil in dem standt wer, das er
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dem andern was nachgeben und weichen wurde wellen, welches er mit
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vilen particulariteten zu remonstrieren understuende.

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Als wir auch ime angezeigt, waßgestalt Eur Mayestet resident, der von
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Plettenberg, bericht gethan , das der königlichen würden nit entgegen wer,
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mit extradition der vollmachten zu Oßnabrugg fürgehen ze lassen, hat er
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vermeldet, das ime deßwegen noch nichts zu vernemmen kommen, er hete
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es aber hievor selbst vor thuenlich gehalten und deßwegen dasjenig, was
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ime hierunder vom herrn grafen von Aursperg were vorgehalten worden,
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seinem genedigisten herrn umbstendtlichen referiert. Könte also diser actus
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wol fürgehen, damit man sechen möcht, wie der gegenteil sich entlich in
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vergleichung der volmachten erzeigen werde. Bey welchem passu er dann
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weiter vermeldet, das der gegentheil kein grosse ursach hete, der voll-
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machten halber einige enderung uf Eur Kayserlichen Mayestät seiten zu
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suechen, dann dieselbe formb were hievor in seinem beysein zwischen dero-
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selben abgesandten, herrn reichsvicecanzlern, sodann in namen der cron
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Franckreich dem conte d’Avaux und in namen der cron Schweeden dem
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Salvio zu Hamburg deütlich verglichen worden, und er trüege kein scheü-
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chen , inen, wann sie es laugnen solten, wie er von uns bericht worden,
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solches undter augen ze sagen. Im übrigen aber, als wir per discursum ime
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weiter angedeüttet, wann es dann mit dem actu extraditionis sein richtigkeit
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erlangt, zumaln auch die emendatio plenipotentiarum würklich erfolgt, und
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dann die gegentheil auf die haubttractata, wie nit zu zweiflen, tringen solten,
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was alßdann seines genedigisten herrn mainung sein wurde, da haben wir
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wol verspürt, das er vermeint, man solte dissorts die sach solang in puncto
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emendationis ufhalten als möglich, bis man immitlst der gegenpart einen
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mehrern vortl aberhalten möcht, mit vertrösten, das sein genedigister herr
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sein interesse von Eur Kayserlichen Mayestät und deß reichs nimmer
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werde separieren lassen, dann ausserhalb dessen erkente sein genedigister
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herr gar wol, das er gegen den Schweeden, solang sie ire macht im reich
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wurden mantenieren mögen, nimmer gesichert bleiben köndte. Diß seint
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nun seine discorsi, so wir an sein ortt gestelt sein lasßen.

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Sonst hat er uns anzeig gethan, das er von seinem genedigisten könig und
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herrn auch bevelcht wer, die Franzößische gesandten bey diser occasion
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mit wenigem anzusprechen und complimenti gegen inen abzulegen, so wir
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uf sich selbst beruchen lassen.


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Beilage fehlt.

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