Acta Pacis Westphalicae II A 3 : Die kaiserlichen Korrespondenzen, Band 3: 1645 - 1646 / Karsten Ruppert
178. Ferdinand III. an Trauttmansdorff, Nassau, Lamberg, Krane und Volmar Linz 1646 Februar 27

10
–/ 178 /–

11

Ferdinand III. an Trauttmansdorff, Nassau, Lamberg, Krane und Volmar


12
Linz 1646 Februar 27

37
Die Instruktion wurde erst am 12. März übersandt; vgl. nr. 203.

13
Ausfertigung: GehStReg. , Rep. N 96 Fasz. 68 pars 5 nr. 7 = Druckvorlage – Kopie:
14
GehStReg. Rep. N 96 Fasz. 68 pars 5 nr. 8.
15
Gutachten der dep. Räte, s. l. und s. d., und Conclusum des Geh. Rats, Linz 1646
16
Februar 27, zur Amnestie: RK , FrA Fasz. 52d fol. 1–40’

38
Das Gutachten ist inhaltlich, in großen Teilen auch wörtlich, mit der Instruktion iden-
39
tisch . Bedeutendere inhaltliche Abweichungen werden angemerkt.
.

17
Beginn des kaiserlich-schwedischen Kriegs. Amnestie ab 1618 für die Kronen. Beginn der
18
kaiserlich-französischen Auseinandersetzungen. Amnestie der Reichsstände. Pfalz. Baden-
19
Durlach. Hessen-Kassel. Württemberg. Augsburg. Eger. Amnestierung feindlicher Militärs
20
und Zivilisten, besonders kaiserlicher Erbuntertanen.

21
Wir thun euch hiemit überschickhen, waß uns bey dem puncto amnistiae
22
ferrner zu gemüth gangen und unser gnädigste resolution ist. Und will nun
23
forderist in puncto amnistiae alles auf folgenden 3 fragen beruehen: Erst-
24
lich , ob wir de iure gentium den cronen ein andere amnestiam alß auf anno
25
sechzehnhundertunddreyßig zu geben schuldig. Zum andern, ob umb frie-
26
dens willen was nachzugeben. Und drittens, in wehme und auf was weise
27
und gestalt?

[p. 312] [scan. 360]


1
Nun befünden wir unß forderist, zumahlen aus denen bey dem puncto
2
satisfactionis deducierten rationibus

36
Vgl. nr. 188.
nicht schuldig, eine allgemeine amni-
3
stiam denen cronen und derselben adhaerenten zu ertheilen, sondern sowohl
4
iure gentium alß civili befuegt, vielmehr alle von ihnen unß ingezogene und
5
verursachte schäden und uncosten wider zu fordern und pro illatis iniuriis
6
gebührende satisfaction

31
6 zue suchen] Im Gutachten werden anfangs die Amnestieforderungen der Gegenseite
32
angeführt. Es folgt ein kurzer Abriß der bisherigen Amnestieverhandlungen auf dem
33
Westf. Friedenskongreß. Die folgende Darstellung des Ursprungs der ksl.-schwed. bzw.
34
der ksl.-franz. Feindschaft ist gegenüber der Instruktion etwas ausführlicher, ohne aber
35
entscheidend von ihr abzuweichen.
zue suchen. Weil wir aber sowohl den cronen als
7
denen ihnen hiebevor adhaerierten und noch adhaerierenden stenden und
8
bedienten eine generalem amnistiam von anno 1630 anzuraithen, quoad res
9
et personas, bereits eingewilliget, die cronen aber gleichwol und derselben
10
adhaerenten darmit nit content sein wollen, so erwegen wir erstlich, daß
11
der könig Gustavus albereit von anfang deß Böheimbischen und Pfalzi-
12
schen weesens wider unß und unser hauß zu machinieren angefangen und
13
mit dem Bethlehem Gabor

37
Gabriel Bethlen, 1613–1629 Fürstv. Siebenbürgen. Vgl. zu ihm und seiner Politik
38
M. Depner .
und anderen unsern feinden feindtlich corre-
14
spondiert , wie solches die intercipierte bündtnußen de anno 1626 weisen

39
Zu den schwed.-siebenbürgischen Bündniskontaktenv. 1626 vgl. M. Depner S. 130f.
.
15
2. Ist notorium, daß der könig in Schweden den krieg in Preüssen

40
Zu den im Juli 1626 eröffneten Krieg Gustav Adolfs um die preußische Küste und
41
deren Häfen vgl. M. Ritter III S. 353.
anno
16
1626 nur zu disem endte angefangen, daß er daselbst seine völckher recht
17
versamblen und hernach auf deß Reiches boden füehren könne, wie er dan
18
umb sovil desto ehender mit Pohlen den anstandt geschlossen

42
Vgl. den polnisch-schwedischen Waffenstillstand, Altmark 1629 September 26: Sverg.
43
Trakt. V, 1 S. 347–356.
und unter-
19
dessen alle bereitschafft zum krieg in Teütschlandt angestellet und nur auf
20
mehrer praetext gewarttet, seinen einfahl damit zu iustificieren; massen er
21
sub praetextu einer nachbarlichen hilff seine besazung in Stralsundt ge-
22
bracht , dieselbige statt sich auch in seinen schuez begeben, und in seinem
23
schreiben an die ieztbemelte statt de dato Landthart, den 5. May anno 1628

44
Druck: M. C. Londorp III S. 1017.

24
gesezt, daß er in bedenckhung deß respects, welchen er zu der religion und
25
freyheit trüege, sich ihrer trewlich anzunemmen gedechte, mit ermahnung,
26
daß sie in dem sinn, welchen sie gefast, ihr freyheit und die evangelische
27
religion zu defendieren, dapfer und bestendig verharren solten. Folgendts
28
hat er ihnen auf drey kriegsschiffen 1500 mann zugeschicket, mit welchen
29
sie sich auch derselbigen belägerung erwehret, und den 22. Julii anno 1628
30
hat er unter wehrendem krieg in Preüssen in seinem feldtläger bey Dir-

[p. 313] [scan. 361]


1
schaw eine allianz

42
Vgl. Sverg. Trakt. V, 1 S. 342–345.
mit ihnen auf 20 jahr zu ihrer defension und sicherheit
2
der Ostsee geschlossen, also daß der krieg zwischen unserm freundlich ge-
3
liebten herren und vattern, Kaiser Ferdinando dem andern höchstseeligister
4
gedechtnus und der cron Schweden damahls offentlich schon angegangen.
5
Destwegen möchte die cron Schweden mit deriehnigen amnistia sich nit zu-
6
frieden stellen lassen wollen, welche mit Chursachsens liebden in dem
7
Pragerischen friedenschluß von anno 1630 an geschlossen und bey iüngst
8
gehaltenem reichstag zu Regenspurg in anno 1641 confirmieret worden.

9
3. Wan man den anfang dises kriegs von anno 1630 an biß gar zuruckhe
10
auf den Böheimbischen und Pfälzischen sezen läst, so kan man solchen für
11
ihre Kayserliche majestät christseeligsten angedenckhens umb sovil desto
12
mehr auch wider die cron Schweden iustificieren, dan sie gibt sich hierzue
13
selber schuldig, daß sie die neutralitet mit ihrer Kayserlichen majestät und
14
liebden von anno 1618 biß anno 1630 nicht gehalten, sondern lengst
15
zuvorn schon ihrer Kayserlichen majestät und liebden feinden und wider-
16
wertigen fürschueb gethan und zur offension dem anfang gemacht. Dahero
17
ihre Kayserliche majestät umb soviel desto weniger zu verdenckhen gewest
18
weren, wan sie migliech ein stärckheren succurs nach Preüssen geschickt
19
und dem könig in Schweden daselbst eine rechte diversion gemacht hetten,
20
dan er albereit deß jahrs zuvor, alß 1628, der statt Stralsundt wider ihre
21
Kayserliche majestät und liebden geholffen und selbe in seinen schuez
22
genommen, auch denselben plaz nicht zu geringer gelosia und beleidigung
23
deß Kayserlichen staats in Pommern underhalten; dagegen der Kayserliche
24
succurs für Pohlen unter dem von Arnheimb (dan was etwo zuvohrer mit
25
dem herzog in Holstein mag beschehen sein, ist nicht der rede werth) erst
26
deß jahrs hernach, alß anno 1629 in früehling, in Preüssen kommen, et
27
semper is pro primo aggressore et motore belli est habendus, qui primus
28
causam dedit belli et hostilitatis; es mag auch dißfahles unrecht haben,
29
welcher theil da wolle. So ist einmahl hieraus gar clar zu sehen, daß albe-
30
reit lengst vor annum 1630 zwischen ihrer Kayserlichen majestät und
31
liebden und der cron Schweden ein rechte feindtschaft und beleidigung
32
fürgangen.

33
4. So hat es mit der cron Schweden und Chursachßens liebden ein under-
34
scheidt , dan vor anno 1630 ist zwischen unserm geliebten herren vattern,
35
christseeligsten angedenckhens, und Chursachßens liebden ehtwas, so einer
36
amnistia bedörfftig, nit vorgangen. Und ist 5. nicht zu widersprechen, daß
37
der Pragerische friedenschluß und darauf erfolgte reichsabschiedt ein recht
38
vereinigung deß Reichs wider Schweden, solang als sie sich demselben nit
39
gemeß erzeigen wollen, in sich halt. Weil also die cron Schweden liber
40
populus, qui non tenetur vivere iuxta leges Imperii sive alterius regiminis,
41
alß seindt wir gleich bey deliberation unser anthwort auf die Franzößische

[p. 314] [scan. 362]


1
und Schwedische proposition in etwas angestanden, ob man den terminum
2
der amnistiae a quo ab anno 1630 gegen Schweden behaubten möchte
3
können, sondern daß solcher zuruckh zum wenigsten auf annum 1628 zu
4
richten möchte sein. Und wan nun die cronen auf die amnistiam von anno
5
1618 für sich allein tringen solten, so wolten wir unß entlichen nit entgegen
6
lassen sein, daß quoad partes belligerantes et tractantes principales die
7
amnistia biß annum 1618, sovil sie anlangt, oder wenigst annum 1628 ein-
8
gerichtet wurde, dergestalt, daß, was von selbiger zeit an zwischen beeden
9
potentaten und derselben königreich und landen in unguetem fürgegangen
10
und zu disem krieg ursach gegeben, ganz und gar vergessen und zu grundt
11
vertilgt und aufgehoben sein und bleiben, auch destwegen kein theil zu dem
12
andern einigen weitern zuspruch haben oder suechen, weniger dem andern
13
oder dessen königreich, Staat und landen, weder für sich noch durch andere
14
einige feindtschaft und widerwertigkeit erzeigen oder anthuen solle, doch
15
daß gleichwol so lang alß müglich auf den terminum de anno 1630 und
16
1627 gehalten und kein unzeitige apertur gegeben werde, daß die stende
17
durchgehendt auf anno 1618 umb sovil mehr tringen.

18
Waß die cron Franckhreich betrifft, hat es zwar damit ein andere beschaf-
19
fenheit , dan selbiger könig sich in anno 1618 und folgenden jahren biß auf
20
annum 1625 fast gestellet, alß wan er unser und unsers hauses freündt were
21
und sich der Böheimbischen und Pfalzischen sachen wider unß und die
22
catholische im wenigsten annemmen, sondern vielmehr unserm geliebsten
23
herren vattern, seeligster gedechtnus, ihr majestät und liebden und den
24
catholischen wider die protestierende in reformierung der religion und
25
transferierung der Pfalzischen churdignitet und lande auf deß churfürsten
26
aus Bayern liebden und dessen hauß favorisieren thette, wie dan auch der
27
Oxenstern bey den Schönbeckhischen tractaten anno 1635 austruckhlichen
28
vermeldt, es wolte Franckhreich sich nit für einen offentlichen feindt der
29
Kayserlichen majestät ercleren.

30
Wan man aber der sachen tieffer auf den grundt siehet, so liesen es die acta
31
publica, daß selbiger könig dem Manßfelder

36
Ernst Gf. Mansfeld (um 1580–1626), erst in ksl. Diensten, kämpfte seit seinem Über-
37
tritt zum Protestantismus 1610 gegen den K. Vgl. ADB XX S. 220–232 .
, Bethlehem Gabor und
32
andere mehr heimblich fomentieren und mit gelt und gelts werth zu besse-
33
rer aufbringung und continuierung ihrer waffen sterckhen und erhalten
34
helffen. Es theets auch ein Franzößischer erst newlich außgangener histo-
35
ricus Gramandus

38
Gabriel-Barthélmy, Seigneur de Grammont (um 1590–1654), franz. Staatsmann und
39
Historiker. Sein Geschichtswerk Ludovicus XIII, sive annales Galliae …, Paris 1641,
40
reicht bis 1617, eine Fortsetzung bis 1629 erschien 1643 unter dem Titel Historiarum
41
Galliae ab excessu Heinrici IV … libri decem octo. Beide Werke sollten die Geschichte
42
Thous fortsetzen, erreichten seine literarische Qualität aber nicht. Vgl. NBG XXI Sp.
43
618f.
gnuegsamb zu verstehen geben, indeme er sich unge-

[p. 315] [scan. 363]


1
schewt vernemmen last, es were der cron Franckhreich und der ganzen
2
christenheit daran gelegen, daß das hauß von Österreich das königreich
3
Böheimb nit erblich besizen möchte, dan hierdurch wurde die churfürst-
4
liche dignitet und hochheit und vermitteles deroselben und eines so grossen
5
landes in Teutschlandt bey selbigem hauß gleichsamb in effectu daß kaiser-
6
thumb allen anderen königen undt potentaten in der christenheit zu nach-
7
theil erblich gemacht und erhalten.

8
So ist auch noch reichskündig, daß der könig in Franckhreich dem könig in
9
Dennemarckh im Niedersächßischen krieg wider ihre Kayserliche majestät
10
und liebden beygestanden und mit demselben deretwegen eine sonderbahre
11
bündtnus aufgerichtet

41
Seit 1625 bediente sich Richelieu der Zusammenarbeit mit Dänemark im Kampf gegen
42
den K. Vgl. M. Ritter III S. 272ff.
; folgendts auch den Mantuanischen krieg, unter
12
dem praetext und fürwandt, seinen fürsten und lehenman, dem herzog von
13
Nivers, wider unbillichen gewalt zu schüzen, vorgenommen.

14
Und obgleich diser krieg in anno 1630 genzlichen vertragen worden, so hat
15
doch Franckhreich den darüber sowohl zu Chirasco alß zu Regenspurg
16
gemachten friedenschluß nit gehalten

43
Vgl. nr. 188.
, Pinorola und andere orth nit
17
widergeben, sondern mitten unter diesen friedenschluß mit Schweeden und
18
denen protestierenden arctissimum foedus

44
Schwed.-franz. Subsidienvertrag, Bärwalde 1631 Januar 23: Sverg. Trakt. V, 1 S. 438
45
–440.
wider unß undt unser erzhauß
19
gemacht, dahero sie nicht weniger ganz einer newen amnistiae und verglei-
20
chung mit unß bedörffen möchten, und mag ihnen hierzue die Pragerische
21
amnistia so wenig alß denen Schweden gnuegsamb dienen.

22
Weil aber die cron Franckhreich in ihrer proposition den terminum a quo
23
auf annum 1618 für sich selbst außtrückhlich nicht begehren thuet, sondern
24
allein für andere, wie ex articulo 4, 5 et 6 zu sehen, so würdt man sich mit
25
ihren abgesandten desto leichter darüber vergleichen können undt umb
26
sovil weniger ursach haben, den terminum de anno 30 zu endern.

33
26–32 Da aber – gegeben wurde] An Stelle dieses Abschnitts folgen im Gutachten
34
fol. 19’ folgende Ausführungen: Sonsten läst sich diese der cronen praetension mit
35
deme nicht ableinen, daß, wann sie alles in den standt gestellt haben wolten, wie es
36
anno 1618 gewest, sie dieser regul auch wider sich gelten und ihre satisfaction fallen
37
lassen müessen, dann sie nicht reciprocam amnistiam et plenariam restitutionem für
38
dieß theil von selbiger zeit an, sondern allein für sich begehren. Und deßwegen eine
39
solche starke satisfaction zum vorauß haben wollen, damit sie dießes argument ent-
40
fliehen können.
Da aber
27
auch selbe, so starckh auf den termin de anno 1618 tringen wolten, so were
28
unß auch solches, sovil die cronen betrifft, allemassen wie oben bey Schwe-
29
den vermeldt, nit zuwider. Doch daß auch dißorths so lang als ohne auf-
30
halt des friedens möglich, den terminum von anno 1630 zu erhalten, darauf
31
beharret wurde, umb daß hierdurch das ganze amnistiae werckh so weit zu
32
retrahieren, umb sovil weniger apertur auch andern gegeben wurde.

[p. 316] [scan. 364]


1
Belangendt aber dieiehnigen, welche beeden cronen oder einer allein ange-
2
hangen und deren restitution die beiden cronen suechen, und zwar anfeng-
3
lichen die stende deß Reichs, so ist ein underschiedt zu machen zwischen
4
denen, welche sich zum Pragerischen friedenschluß bekent und solchen
5
angenommen, auch allerdings bishero darbey verblieben sein, und zwischen
6
denen, welche solchen niemahls würckhlich angenommen oder wiederumb
7
darvon getretten und zu denen cronen sich geschlagen, wie auch denen, die
8
zwar noch darbey verbleiben, aber sich doch in puncto amnistiae be-
9
schwerdt befünden.

10
Pro prima classe haben die cronen wider daß, wessen sich die chur-, fürsten
11
und stendt dißfahls mit voriger Kayserlicher majestät höchstseeligster ge-
12
dechtnus und unß zu Prag, Regenspurg und sonst verglichen, mit billigkeit
13
ia nichts zu rüehren; seindt vilmehr ihre parola zu halten schuldig, massen
14
dan der Schweedische reichscanzler Oxenstern in seinem schreiben an
15
Chursachßen de dato 25. August anno 1635 außtruckhlichen gesezt, daß er
16
bemelten friedenschluß, weil solcher seine königin und cron nicht, sondern
17
principaliter die stende deß Reiches touchierte und von ihnen zu approbie-
18
ren und reprobieren stunde, dahingestelt sein liesse. Begerte auch nicht,
19
daß des churfürsten liebden wider dero churfürstliche handt und sigel
20
etwas statuieren solten, sondern die tractaten zwischen ihrer Kayserlichen
21
majestät und seiner cron zu befördern und für dieiehnigen confoederierte
22
stendt, die sich zum Prager frieden nit bekennen, die notturft zu sprechen.

23
Anlangendt aber dieiehnige, so in der andern classe begriffen, stehen wir
24
an, ob man sie mit solchem Pragerischen friedenschluß und Regenspurgi-
25
schen reichsabschiedt entlichen würdt abzueweisen vermögen, so lang als
26
man miteinander noch im krieg begriffen, dan und zumahlen, weil man im
27
werckh, sich darüber miteinander güetlichen zu vergleichen, undt man auch
28
diserseits auf rath der chur-, fürsten und stende selber auß dem Regenspur-
29
gischen abschiedt geschritten ist, indeme man die darinnen gesezte haubt-
30
condition der würckhlichen insammensezung, ausser einer allgemeinen
31
reichsversamblung ohne zuthat und einwilligung deren darbey interessier-
32
ten stendt fallen lassen.

33
In dieser classe aber seindt nun specialiter genent und zu verstehen die
34
pfalzgraven, Baaden Durlach, Hessen Cassel, Württenberg, Nassaw Saar-
35
brückhen , die statt Augspurg, sovil nemblichen die protestierenden be-
36
trifft .

37
Wegen der pfalzgraffen ist unserseits gegen die cronen nichts anderst zu
38
duplicieren, alß daß erstlichen sie wegen ihrer disen krieg nicht angefangen,
39
ihre Kayserliche majestät darüber güetlich nie besprochen, weniger dersel-
40
bigen einigen krieg angekündiget. Der könig in Schweeden auch außtruckh-
41
lich sich erclert, daß er den krieg allein wegen des ihme durch den Preüßi-
42
schen succurs zugefüegten schimpf und schadens und antrohenden gefahr
43
aus Pommern und der Ostsee auch wegen seiner benachbarten religions- und

[p. 317] [scan. 365]


1
blutsverwandten zu seiner und derselbigen vindicta, sicherheit und restitu-
2
tion angefangen und wan ihme hierinnen satisfaction geschehe, er alßdan
3
alßbaldt die waffen wider von des Reichs boden füehren und mit ihrer Kay-
4
serlichen majestät und chur-, fürsten und stenden des Reichs vorig gehabte
5
nachbarschafft und freündschaft halten wolte. Der könig in Franckhreich
6
aber über diß sich des churfürsten aus Bayern liebden angenommen und
7
demselben durch seine recommendation zur chur geholffen.

8
Wahr ist es zwar, daß vors erste der könig in Schweeden in seinem auß-
9
schreiben

34
Zum kgl. Ausschreiben von 1628 November 12 (st.v.) vgl. M. C. Londorp III S. 1011.
sowohl auch in demiehnigen, was er an das churfürstliche colle-
10
gium

35
Druck des Schreibens von 1629 April 25 (st.v.) und der beiden Schreiben an das Kur-
36
kolleg von 1630 bei M. C. Londorp III S. 19f., 77f. und 85–87.
und entlich selbst an ihre Kayserliche majestät

37
Druck: M. C. Londorp III S. 83–85 (s. d. [ 1630 ]) .
höchstseeligster ge-
11
dechtnus geanthwortet, aequivocieret und unter dem nahmen seiner reli-
12
gions - und bluetsverwandten eben sowohl den proscribierten pfalzgraven
13
und desselben kinder und angehörige verstanden mag haben.

14
Zum andern, daß gemelter pfalzgraff und die seinigen sich über disem
15
krieg mit verbunden und der könig dannenhero crafft seines foederis ihn zu
16
restituieren understanden, auch nach der Leibzigischen schlacht

38
Zur Breitenfelder Schlacht vom 17. September 1631 und ihren Folgen vgl. M. Ritter
39
III S. 499ff.
würckh-
17
lich in seine lande widerumb restituieret und eingesezt.

18
Vors dritte, weil der pfalzgraf darüber verstorben und sein bruder

40
Pfalzgf. Friedrich V. war am 29. November 1632 gestorben, woraufhin sein Bruder
41
Ludwig Philipp die Verweserschaft der Pfalz übernahm. Vgl. W. K. v. Isenburg 1
42
Tafel 33.
und
19
die seinigen nach der Nördlingischen schlacht

43
Zur Nördlinger Schlacht vom 6. September 1634 vgl. M. Ritter III S. 580f.; zu den
44
politischen Folgen auch F. Dickmann , Westf. Frieden S. 70ff.
und Prager friedenschluß in
20
anno 1634 und 1635 widerumb daraus vertrieben worden, so möchte die
21
cron Schweeden sich verbunden wollen halten, ihrer weiter anzuenemmen und
22
hierunter würdts an instigationibus von Hollandt, Engellandt, auch Denne-
23
marckh und denen protestierenden im Reich nicht mangeln, also obschon
24
auch die cron Franckhreich derselben restitution nicht so starckh treiben
25
dörffte, es dennoch die Schweedische nit underlassen.

26
Wan nun hierüber kein anders remedium, als entweder die waffen oder die
27
tractaten, ienes aber des churfürsten in Bayern liebden nicht continuieren
28
will, also die sach allein auf den tractaten bleibt.

29
28 tractaten bleibt] Das Gutachten (fol. 23–25) fährt hier fort: Da Kf. Maximilian
30
Verhandlungen quoad dignitatem völlig nicht eingehen will, ist ihme auch nicht zuezu-
31
mutten , noch wegen der catholischen religion zue rathen, sondern er vermeint, diesen
32
anstoß mit dem octavo electoratu für die Pfalzischen kinder zue überwinden, so doch
33
theils rhäte iederzeit für ein unmüglich und gefehrlich ding gehalten, auch noch dar-
7
für halten, und erweist sich schon auß ieztbesagtem schreiben [ nr. 125 Beilage [ 1 ]] , das
8
durch diesen fürschlag die tractaten, wie sie sich allzeit besorgt, nur schwerer gemacht,
9
die sache vulnerirt und die wiedertheile desto mehr animirt worden, die totalem resti-
10
tutionem zue begeren. Über diß so wil der herr churfürst wegen der lande keinen scha-
11
den leiden, sondern den Pfalzischen kindern solche zwar, soviel die Spannischen in
12
händen haben, gern vergönnen, aber was er in handen hat ohne erstattung seiner aufge-
13
wandten kriegsunkosten der 13 millionen und darfür verschriebenen realen hypothec
14
mit dem landt Ober Enß im wenigisten restituiren, auch noch darzue die herrschafft
15
Cham von der Oberpfalz für sich außnemmen und behalten. Daß seint nun warlich
16
keine media zum frieden per tractatus zue gelangen, sondern nur die Kayserliche
17
mayestät und ihr hauß wieder alle recht und billigkeit besser zue berupfen unnd in
18
grössere noth und gefahr des kriegs zue sezen. Dan was könte doch unbillicher sein,
19
alß das die cronen für ihre ungerechte kriege ansehentliche landt und leüth pro sua
20
satisfactione überkommen und Churbayern selbst umb seiner guten sicherheit und ruhe
21
willen darzue helffen, auch für sich und sein hauß nicht allein die chur, besondern
22
auch viel millionen oder an derselben statt den halben thail des erzherzogthumbs
23
Österreich auß dießem krieg pro suis sumtibus außziehen undt gewinnen. Ewer Keyser-
24
liche Mayestät undt dero hauß aber das ihrige dagegen noch dahinden laßen solte? Es
25
hat doch Spanien und Österreich ebensowohl nicht nur 13, sondern über 100 millionen
26
werth auf diesen krieg spendirt, und ist ebensowohl alß andere vermög der reichscon-
27
stitutionen befuegt, derselbigen erstattung auß des echters landen oder im fall solche
28
nicht zu ereichen von dem ganzen reich zue suchen. Und weil diß die schwerste sach
29
bißher bey allen friedtstractaten ist gewest und noch, und ohne deroselben gänzlicher
30
hinlegung und entscheidung kein friedt nicht zue hoffen, dan do gleich die Schweden
31
und Franzosen sich derselben weitter nicht annemmen solten, würden doch entlichen
32
die Hollender und Engelländer drüber aufstehen und einen newen krieg erregen.

[p. 318] [scan. 366]


1

33
1–320,2 Alß fünden – krieg lassen] Im Gutachten findet sich fol. 25–26’ statt dessen
34
folgende Fassung: Et fiat talis tractatus wegen der lande quam primum et sub hoc ipso
35
tractatu mit den interessirten alß Spannia, Bayern und andern, die was davon innen-
36
haben und besizen und do man es nicht baldt vergleichen köndte, videatur, ob es also
37
dan iedoch mit diesen iezt gesezten fundamentis und principiis uf einen andern tractat
38
oder zue ein allgemeinen reichstag ohne aufhalt und abbruch diser iezigen universal-
39
tractaten aufgehoben und verwiesen werden möchte. Und soviel Spannien betrifft,
40
zweifflen die rathe nicht, es werden Ewer Kayserliche Mayestät derselben cron hier-
41
innen mechtig sein, sich auch mit hiesigem potschaffter albereit hieraus vernommen
42
haben oder noch vernemmen vermittels der anwesenden Spanischen gesanten zue Mün-
43
ster . Solte aber drob ein mangel sein, so were nöttig, destwegen beyzeitten sich der
44
königlich Spannischen ratification über demienigen, was dißfals Ewer Kayserliche
45
Mayestät von ihretwegen offeriren und versprechen wurden, gnugsam zu versichern,
46
damit man nicht hernach in puncto executionis pacis wiederumb anstehen und von den
47
cronen einen newen krieg sub praetextu non impleti contractus erwartten dürffe. Mit
48
Churbayern were vorderist zu handlen, daß er wegen seiner 13 millionen etwas mehr,
49
alß hiebevor geschehen, fallen liesse, dann ohne richtigmachung dieses puncts in der
50
handlung ganz nicht fortzukommen.
Alß fünden wir kein anders sicheres mittel, alls daß dißfahls wir, Chur-
2
bayerns liebden und die catholischen recht zusammenstehen und beeden
3
cronen praecise vermelden, daß nach deß Heyligen Reiches constitutionen
4
und exemplen der pfalzgraff wegen seines haubtverbrechens die chur- und
5
lande für sich, seine kinder und nachkommen verwürcket und verlohren,
6
auch derselben rechtmessiger weise, non tantum ex lege quisquis (wie etwan

[p. 319] [scan. 367]


1
der Salvius in seinem gesprech gegen den Crane solchen angezogen

33
Vgl. nr. 125 Beilage [ 1 ].
), sed
2
etiam ex aurea bulla et exemplo maiorum, in specie deß hauses Bayern sub
3
Henrico Leone

34
Hg. Heinrich der Löwe wurde 1179 geächtett und 1180 in einem lehnrechtlichen Ver-
35
fahren seiner Herzogtümer Bayern und Sachsen für verlustig erklärt, da er der Ladung
36
K. Friedrichs I. nicht gefolgt war. Vgl. H. Mitteis S. 91–93.
und hauses Sachssen sub Ioanne Friderico

37
In der Wittenberger Kapitulation vom 19. Mai 1547 mußte Kf. Johann Friedrich von
38
Sachsen auf Kur und Kurlande verzichten, da er gegen den K. rebelliert hatte. Vgl.
39
St. Skalweit S. 340f.
entsezt worden
4
und weil darüber schon in andere weeg disponieret und solche disposition
5
mit recht und ohne grossen nachtheil und gefahr unß und unsers hauses
6
auch deß ganzen Reiches nicht geendert werden könne, auch die cronen unß
7
und unser erzhauß, wan sie mit demselbigen einen wahren friedt begehren,
8
ad impossibilia nicht tringen werden: also wolte man sich gegen ihnen ver-
9
sehen , sie wurden auf dergleichen unbillichen postulato de totali restitutione
10
der chur- und landen nicht beharren, wir weren aber erbiettig, die Pfalzi-
11
sche kinder, quoad dignitatem principalem oder waß den fürstenstandt
12
betrifft, mit aufhebung alles dessen, was sonst auß der fürgangenen pro-
13
scription wieder sie angezogen werden köndte, zu restituiren und sie zu
14
freyen fürsten und ständen deß Reichs im Kayserlichen gnaden wieder auff-
15
und anzunehmen. Ihnen auch von dem Rheynischen Pfälzischen landen
16
neben restitution des vattern bruders, pfalzgraff Ludwigs Philips, und ein-
17
raumbung dessen, was etwan der churfürstlichen Pfalzischen witdib

40
Pfalzgräfin Elisabeth (1596–1662), Tochter Jakobs I. von England. Vgl. W. K. V.
41
Isenburg I Tafel 33.
und
18
schwester

42
Elisabeth Charlotte (1597–1660) von der Pffalz, Mutter Kf. Friedrich Wilhelms I.v.
43
Bg. Vgl. a. a. O.
gebührt, bey den interessirtem soviel zu erhandeln und zuwege-
19
bringen , daß sie ihren fürstlichen standt darum ehrlich führen köndten.
20
Deßgleichen eine expectanz auff die churdignitet nach abgang der Wihel-
21
mischen manslinien zu verschreiben. Und hetden unsere gesandten sich
22
diesem nach alsobalt mit den interessirtten, so von der Untern Pfalz was
23
innenhaben, sich zu vergleichen, was etwan zu dergleichen unterhalt suffi-
24
cient möchte sein. Und dieses, soviel dem unterhalt betrifft: soviel aber die
25
churdignitet anlanget, beziehen wir uns auff dasyehnige, was wir unserm
26
oberhoffmeister, den graven von Trautmanßdorff, absonderlich gnedigst
27
befohlen

44
Vgl. nrr. 1, 65, 75 und APW I, 1 S. 443.
, der sich dann demselbigen gemeß darnach zu verhalten wirdt
28
wissen: da aber ein oder anders den frieden auffhalten wolte und die cro-
29
nen auch dahin incliniren, daß etwan der friedt ungeachtet einer völligen
30
conclusion in dieser sach geschlossen, dis aber auff einen nachfolgenden
31
tractat remittirt wurde, so wollen wir derenthalben den krieg nicht conti-
32
nuiren , sondern viel eher auff einen andern tractat oder zu einem allgemei-

[p. 320] [scan. 368]


1
nen reichstag ohne auffhalt und abbruch dieser tractaten, dis werkh auff-
2
schieben , alß derenthalben allein Teutschlandt in lengern krieg lassen.

3
Mit Churbayern hetden unsere Kayserlichen gesandten vorderist dahin zu
4
handeln, daß ihre liebden mit uns vor einen mann dergestalt stunde, daß
5
von zuruckhhaltung der Obern Pfalz auch seines orts ohne unßer enthebung
6
nit

40
6 gewichen wurde] Im Gutachten folgt fol. 27 hier noch folgender Satz: zumahln
41
wan die Franzosen ihn disorts assistiren wurden, leicht zu hoffen, das es noch hin-
42
durch zu bringen.
gewichen wurde, und köndte ihrer liebden gesandten hierbey zu gemuth
7
geführt werde:

8
1. Daß unser geliebter herr vatder christseeligsten andenkens und wir, des
9
churfürsten liebden und sein hauß bey der erlangten chur, die mehr alß
10
diese millionen werth, zu manuteniren gesucht und noch suchen thuen, deß-
11
wegen biß anhero mit ihme im krieg standthaftig außgehalten.

12
2. Wann wir hierinnen den Pfältzischen khindern weichen und nachgeben
13
hetten wollen, daß uns und unserm hauß der last des kriegs verlengst noch
14
ümb ein guetes leichter gemacht und der friedt in Teutschlandt viel ehender
15
erhalten wehre worden.

16
3. Daß wir ihrer liebden und dero hauß zu recuperirung und erhaltung
17
ihrer landt und leuthe mit ganzen armaden und unterschiedtlichen succur-
18
sen in nothfallen yederzeit getrewlich, ohne erstatdung einiger uncosten,
19
beygestanden.

20
4. Daß wir und unser löblich hauß die Untere Pfalz wegen der auffge-
21
wandten grossen spesen und uncosten, ebensowohl innen- und zuruckh-
22
behalten köndten, yedoch aber umb des algemeinen friedens willen hievon
23
ohne entgeldt was fahren wolten lassen.

24
5. Daß ihre liebden den frieden biß anhero auffs eyfrigste getrieben, wie
25
auch noch, und ohne solchen mit den waffen lenger nit mehr zu bestehen
26
sich getrawen, auch das Reich gleichsamb verlohren geben und deßwegen
27
unlengst durch die ihrige zu Münster protestiren lassen. Zum frieden aber
28
seye unmüglich zue gelangen, wann nicht dis obstaculum der dreyzehen
29
millionen besser auß dem wege geraumbet wurdet. Zumahl iezo es nit an
30
deme seye zu praeiudiciren, waß rechts yeder zu einem oder andern habe,
31
sondern was amore pacis und zwar auch wieder billigkeit nachzusehen.

32
Dann einmahl die Pfälzische khinder von bekhandter noth und armuth
33
wegen von den dreyzehen millionen nichts oder wenig erstatden können:
34
Engellandt, der es thuen sollen, ist noch dato in einem solchen schweren
35
stand, daß auff ihne dißfals kein einige räittung zu machen. Andere wer-
36
den noch viel weniger fur die Pfalzische khinder was spendiren, wann sie es
37
gleich hetden. Auff uns und unser hauß der last ganz oder zum theil zu
38
welzen, seye dahero unbillich, daß wir und unser hauß bißhero fur das
39
Reich, des churfürst liebden und dero hauß, sowohl die heylige catholische

[p. 321] [scan. 369]


1
kirch und religion, alle unsere königreich und lande auffgesezt. Dieselben
2
auch dergestalt erschöpfft und aufgesogen worden, daß nicht möglich auß
3
denselben in sobalt nur etliche tonnen, geschweigen millionen goldts auff-
4
zubringen und für die Pfalzischen kinder zu bezahlen. Wir erinnern uns
5
zwar deryehnigen verschreibung und schadtloßhaltung, welche ihre liebden
6
wegen der Obern Pfalz von ihrer majestät, unserm herrn vatern seeligst, in
7
handen haben.

8
Dieweil man aber noch im krieg begriffen und eynander beyzustehen schul-
9
dig , wir auch unsers theils darin treulich concurriren und des churfürsten
10
liebden damit gleichfals continuiren wolten, die sach nit so schwer sein
11
wurde vollendts mit den waffen außzufuhren, alß sehen wir nit, das man
12
noch zur zeit in casu der eviction begriffen, sondern wan Churbayrns lieb-
13
den dessen nit erwartten unnd den frieden kurz umb per tractatus haben
14
wolten, wir auch darzue unsern willen geben solten, so müste man auch
15
vice versa unnß unsern willen darumb machen und sich dergestalt mit unnß
16
vergleichen, daß wir es ertragen köndten und von frieden nicht ein ärgern
17
schaden und verlust alß vom krieg selber leiden dörften.

18
Daß medium, durch welches man dermahl einst güetlich voneinander kom-
19
men und ein ganzes auß dem werkh machen köndte, were dises:

20
1. Haben des churfürsten liebden hiebevor bewilliget, die vier ambter, so
21
sie in der Untern Pfalz besizen, ohne entgeldt wider abzutretten, darbey
22
hette es nun

32
22 sein verbleiben] Im Gutachten folgt fol. 30–30’ noch ein weiterer, im Laufe der
33
Beratungen aber verworfener Vorschlag: Wegen der Obern Pfalz die 13 millionen in
34
drey theil zu theilen. Den einen solten die Pfälzischen khinder, den andern ihr chur-
35
fürstliche durchlaucht, den dritten ihr Kayserliche mayestät bezahlen. Das ist aber
36
wegen der Pfälzischen khinder sowohl alß ihrer Kayserlichen mayestät ein unerträglich
37
medium. Dann yene haben nichts zu zahlen und Euer Kayserliche Majestät blieben
30
gleichwohl in die 4 oder 5 millionen dem churfürsten noch verhafft. Der wurde damit
31
endtlich doch auff dem landt ob der Enß sein versicherung behalten wollen und also
32
in effectu dessen lezlich mechtig werden.
sein verbleiben.

23
2. Da aber der friedt daran hafften wolte unnd nun wir sonst umb gemeinen
24
friedens willen alle unßere schäden und unkosten fahren lassen müsten, so
25
müsten des churfürsten liebden umb desselben willen auch ein übriges thuen
26
und sich nach dem exemplum des churfürsten Augusti zu Sachssen richten,
27
welcher churfürst des proscribirten Johann Friderichs kinder zu manuteni-
28
rung der chur vor sich die maisten lande wider eingeraumbt und nachgelas-
29
sen und nur etliche churstätte behalten, dergleichen auch nach der Gotti-
30
schen expedition

38
Im Mai 1566 drohte der Augsburger Reichstag Hg. Johann Friedrich dem Mittleren von
39
Sachsen-Weimar, dem Sohn des 1547 abgesetzten Kurfürsten, die Acht wegen Land-
40
friedensbruch an. Nach ihrer Verhängung am 12. Dezember begann Kf. Augustv. Sach-
41
sen ihre Exekution mit der Belagerung Gothas im Januar 1567. Der Hg. kam in ksl.
42
Gefangenschaft, sein Hgtum wurde zwischen seinem Bruder und seinen beiden Söhnen
43
geteilt. Vgl. M. Ritter I S. 292ff.
mit des proscribirten herzog Johann Friederichs des
31
mittlern söhnen geschehen.

[p. 322] [scan. 370]


1
Ob also schon wir obgemelter massen gänzlich hoften, die sachen werden
2
auß den dir, graven von Trautmanstorff, bekandten nachrichtung dahin zu
3
bringen sein, das die Oberpfalz totaliter des churfürsten liebden bleiben
4
und das darzue die cron Frankhreich selbst concurriren werde, so stehet es
5
doch dahin, das man ein solches nit zu erlangen, ob nit die sach dahin zu
6
bringen, daß nemblichen die Oberpfalz in drey theil abgethailt und eine
7
darvon den Pfalzischen kindern, ohne unsern entgeldt, die zween theil
8
aber deß churfürsten in Bayrn liebden und derselben hauß und damit unter
9
eines die herrschaft Cham gelassen wurde, und dagegen alle vorige ver-
10
schreibung oder schadloßhaltung, so des churfürsten liebden von unß und
11
unserm hern vattern seeligisten angedenkhens in handen, wider aufgehoben
12
wurden. Oder endtlichen zween theil der Pfalzischen kindern und den
13
dritten vor deß churfürsten liebden sambt der herrschaft Cahmb ver-
14
bleibe .

15
Solcher gestalt weren die Pfalzische kinder mit ansehentlichen landt und
16
leuthen versehen und köndten alß Pfalzgraven bey Rhein und herzog in
17
Bayern ihren fürstenstandt gar wohl vertreten, sich auch wegen der chur-
18
dignität umb desto mehr mit obgedachter exspectanz betragen. Der chur-
19
fürst und sein hauß kämen zu ruhe und hetten darneben ihre lande, neben
20
der churdignitet, umb ein ansehentliches stuekh von der Obern Pfalz er-
21
weittert , mit welchem aber gleichwohl so lang zuruekh und auf der total
22
inbehaltung der Obern Pfalz vor Churbayrns liebden zu persistiren, alß
23
immer ohne bruech und vorschueb der tractaten müglich. Soviel aber die
24
Untere Pfalz anlangt, so des königs in Spanien liebden inhaben, so werden
25
sich unsere gesandten derentwegen mit den Spanischen gesandten zu under-
26
reden [haben], und wollen wir auf so vielfeltige unser schreiben nach Spa-
27
nien in diser materi nit zweiflen, sie werden genuegsambe instruction und
28
endtlichen befelch haben, auch mit ihnen unverlengte richtigkeit

33
28 zu machen] Gutachten fol. 31’–32: Und do etwa wegen Franckhreich an dem Elsas
34
was zuruckgelassen werden solte, hette man dasselbe gleichsamb pro conditione also-
35
balt zu annectieren und zu sagen, daß Euer Kayserliche Mayestät dasselbe unter
36
andern oben der ursachen halben theten und verwilligten, damit sie des bis hero gehab-
37
ten oneris evictionis fur die Ober Pfalz mit dem landt ob der Enß enthebt sein
38
möchten.

39
Conclusit Caesar: Wie gerathen und dem herrn grafen von Trautmannstorff einzu-
40
schließen . Immittelst nachzudenken, wer mit Churbayern zu tractieren. Un dem herrn
41
Mandel anzudeuten, daß er erinnerung bei ihrer churfürstlichen durchlaucht thue,
42
damit dero gesandten zue Münster umbstendlich hierüber instruirt werden.
43
Mit Spanien dahin zu gedenken, ob demselben nicht durch ein temperament zue etwas
44
ergetzlichkeit gegen dem, was sie in der Undern Pfaltz zue restituiren, mechte ge-
45
holffen werden.
zu machen.
29
Von andern pfalzgraven wissen wir nicht, daß wir und unser hauß etwas in

[p. 323] [scan. 371]


1
handen hetten, ausser von des brudern vorgedachten pfalzgraff Ludwig
2
Philips antheil, item der alten chur Pfalzischen wittib

43
Luise Juliane von Nassau-Oranien (1576–1644). Vgl. W. K. v. Isenburg I Tafel 33.
(die numehr gestor-
3
ben ) heyrathguet und leibzucht, sowohl von der schwester angebühr, und
4
wir unß darüber albereit zu underschietlich mahlen erklert, auch durch den
5
vorhabenden friedenschlues, seine execution und würkhliche erledigung
6
haben wirdt.

7
Wegen Baden Durlach seint zwo difficulteten befindtlich. Erstlich, das er
8
sich zum Prager friedenschlues nit accommodirt, und fürs ander, das ihm
9
die Edwartische lande aberkant. Waß nun die erste difficultet belangt, er-
10
innern wir unß, das er an unß geschrieben, unß für sein oberhaubt erkandt,
11
gleichwohl nach den universaltractat verlangt, bey welchem er für unnß
12
sich finden lassen wolte, weil man nun in solchem tractat iezt begriffen, alß
13
ist er darin stante regula universalis amnistiae billich zu ziehen unnd hat
14
dessen, daß er sich zum Prager frieden nicht bekant, weil er der cron assi-
15
stent und bundtsverwandter blieben, in eventum pacis weiter nicht mehr
16
zu entgelten.

17
Waß aber die andere difficultet betrifft, ist solche mit dem abzuelainen,
18
daß dieselbe sach schon anno 1622 und ganz nicht intuitu huius vel Bohe-
19
mici aut Palatini belli, sondern ex dictamine iustitiae et rectae rationis mit
20
urtheil und recht decidirt und derowegen in die amnisti auch iure gentium
21
nicht kan

36
21 gezogen werden] Im Gutachten ist fol 34’–35’ der ksl. Rechtsstandpunkt ausführ-
37
licher
begründet.
gezogen werden.

22
Wegen Hessen Cassel ist es einig und allein in puncto amistiae umb die
23
Marburgische sach zue thuen, die ist nun mahl intuitu Calvinismi, iedoch
24
iuxta praescriptam normam et conditionem testatoris und also secundum
25
leges Imperii abgeurtheilt, auch bemelter vergleich von beiden theilen und
26
deroselben räthen und bedienten, sowohl von der ganzen landtschafft eydt-
27
lichen betheüert und beschworen und auf beidertheil, auch chur- und
28
fürsten underschietliches ansuchen in forma pragmaticae sanctionis et legis
29
publicae Imperii bestettiget worden. Da können wir anderst nichts, alß das
30
wir unser Kayserlich ambt, so unß in dergleichen fällen zustehet,
31
handthaben, wie den demnach unsere Kayserliche gesandten sich dahin be-
32
mühen , das es bey solchen erfolgten Kayserlichen sententien und executio-
33
nen verbleiben solle, massen sie derentwegen mehrmahlige befelch bekom-
34
men .

35
Wegen Württenberg, nachdem man den effectum suspensivum fallen

38
35 Wegen Württenberg] Das Gutachten setzt fol. 36 anders ein: Württenberg anlan-
39
gend , würde man wohl haben wegen seiner mit dem Prager friedenschlues und dem mit
40
ihm darauf gemachten specialaccord auch darauff erfolgten reichsabschied die clöster
41
und Osterraichische pfandt- und lehenschafften sambt andern außgezogenen herr-
42
schafften und guetter salviren können, wan nicht die im Regenspurgischen reichs-
35
abschiedt angehengte haubtcondition, „quod amnistiae eius publicatio nullatenus effec-
36
tum habere debeat nisi coniunctio universalis omnium statuum pro imperatore sub-
37
secuta fuerit“ durch approbation des Frankhfurtischen deputationsguetachtens und
38
erfolgte iüngste publication de cassato effectu suspensivo amnistiae were wider auf-
39
gehoben worden; dan man hette sich desto besser auf solchen reichsabschiedt und
40
seinen revers beruffen dürffen.

[p. 324] [scan. 372]


1
lassen, so wirdt er seine gegebene parola über disen abschiedt dahin decla-
2
riren , daß solche nicht anders alß auf seine plenariam restitutionem tam
3
quoad bona ecclesiastica de anno 1627 quam temporalia de anno 1630 zu
4
verstehen, und dem werden alle protestirende sowohl die cronen hinzu assi-
5
stiren . Es stehet demnach zu versuechen, waß man dißfahls kan erhalten, im
6
fall aber die cron Schweden nicht ablassen wolte, sehen wir kein ander
7
mittel, alß das ihm die amnistia eben so guet alß den andern in dem Prager
8
frieden ertheilt, zu willigen und er derselben in futurum völlig zu geniessen.
9
Und weil die catholische geistliche in ihren lezten anbringen wider die
10
cassation des effectus suspensivi entlichen nur diß gebetten, das wir die sach
11
zu disen allgemeinen friedtstractaten remittiren wolten, dan sie sich bey
12
denenselbigen vermittelst der mediatorum und Franzößischen gesandten
13
eines gueten außschlags zu getrösten, alß werden wir umb soviel destomehr
14
entschuldiget sein, wan daselbst ein anders wider sie pro pace publica be-
15
schlossen werden solte.

16
Nassaw Saarbrükhen ist schon zu der session gelassen und hierdurch ple-
17
narie mit unß ausgesöhnet, derhalben wirdt er ebenmessig auch der
18
amnistia völlig zu geniessen haben.

19

41
19 Wegen Augspurg] Gutachten fol. 38: Conclusit Caesar […] Jedoch wegen Augs-
42
purg innehalten, soviel als man kan.
Wegen Augspurg und etlicher andern reichsstätte, in welchen sub hoc bello
20
die religion geändert, wirdt der bischoff und die statt sambt den catholi-
21
schen die notturft handlen, denen auch ihr, laut habenden mehrmahligen
22
bevelchen, werdet beyzustehen wissen. Wann aber alle sachen sonst zue
23
einer richtigkheit gediegen, und es solte sich an diser stossen, so vermeinen
24
wir nicht, daß derentwegen krieg zu führen.

25
Wegen Eger und unser erbkönigreich und landen und derselben allerseits
26
underthanen, lassen wir es dabey bewenden, waß wir unsern gesandten in
27
puncto gravaminum für ein instruction ertheilt haben

43
Vgl. nr. 177.
.

28
Betreffendt der cronen officierer, räthe und bedienten, tam toga quam sago,
29
die noch bey ihnen sein und zu den Prager frieden sich nit accommodirt, so
30
zweifelen wir, ob nit denselben eben von der zeit an, deren man sich für die
31
cronen vergleichen möchte, eine general et illimitata amnistia quo ad res et
32
personas zu bewilligen, auß ursachen, daß man wider dieselbe khein andere
33
vorhergangene pacta und transactiones oder rechtmessige decisiones und
34
res iudicatas wie bey andern dißseits fürzuwenden und die meisten ex-

[p. 325] [scan. 373]


1
empla anderer pacificationum solches mit sich bringen; jedoch khan diser
2
underschiedt dabey gemacht werden, daß deniehnigen, die auß unserm und
3
unsers haußes oder unsern assistenten respective königreich und landen sein,
4
quo ad personas, vitam, famam et honores nichts soll derentwegen aufge-
5
ruekht und fürgeworffen werden. Und wann sie wider in die lande khom-
6
men und sich darinnen sezen wollen, daß sie sollen aufgenommen werden,
7
jedoch daß sie sich den legibus regnorum et provinciarum eines ieden orths
8
tam in ecclesiasticis quam in politicis accommodiren.

9
Quo ad bona autem et iura, die sie schon eher, alß mit beiden cronen es zu
10
einer offener feindtschafft gerathen, welches dann mit Schweden erst im
11
früehling anno 1628 von der zeit an, da könig Gustaphus der statte
12
Stralsundt succurs zuegeschickht, und mit Franckhreich von zeit deß
13
Mantuanischen kriegs anno 1629 anzuraiten were, verwürckht oder ver-
14
lohren hetten, dieselben noch verlohren sein und deniehnigen verbleiben
15
sollen, welche sie iezundt besizen, vill weniger sollen dergleichen bediente,
16
daßiehnige, waß sie etwann verkhaufft und andern überlassen, wider zu-
17
ruekhzufordern befuegt und berechtigt sein, welche güetter und jura aber
18
sie seither bemelter zeit, alß nemblichen von anno 1628 und 1629 an, in
19
disen krieg umb dessen willen, daß sie einer oder andern cron wider unß,
20
unser hauß und assistenten würckhlich gedient hetten, eingezogen worden,
21
die sollen ihnen, oder demiehnigen, so sich hierzue gebührendt und genueg-
22
samb legitimiren wurden, wann sie solches mit beglaubter kundtschaft einer
23
jeden cron erweisen khönnen, in dem standt, wie sie aniezo sein, doch
24
ohne einige erstattung darentzwischen eingehobenen nuezungen oder er-
25
folgten schäden wider abgetretten oder sich mit ihnen darüber abgefunden
26
werden, doch allerdings auch dergestalt, daß, wann sie güetter in unserm
27
erbkönigreich und landen besizen wolten, sie sich dessen legibus accommo-
28
dierten und gemes verhielten.

29
Da auch die cron Schweeden etwo noch für einige

38
29 particularpersohnen] Marginalie fol. 40 des Gutachtens : Conclusit Caesar: dem
39
herrn grafen von Trautmanstorff einzuschließen mit vertröstung mehrerer information.
40
Und solle nachgesucht werden, wer die leuthe sein, so seithero anno 1628 confiscirt
41
worden. Immittelst bleibts bei dem guetachten. Jedoch daß allein die wenigen zu resti-
42
tuieren , welche noch im leben oder deren descendentes […?] legitimi.
particularpersohnen zu
30
sprechen hette, die noch vorher und zwischen anno 1618 und 1628 confis-
31
cirt worden, daran ihnen absonderlich gelegen wehre, so solten sie die-
32
selbige benennen, so wolten wir unß nach befindung auch darauf erkleren,
33
jedoch daß derentwegen der friedt kheine stundt aufgehalten oder diser
34
friedtstractat verzögert, sondern alles zu unserer Kayserlichen discretion
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und gnad verwiesen würde. Dann wir erkhendten unß nicht schuldig und
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wurden nie unßeren underthanen von selbiger zeit an zuraitten, quo ad bona
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et iura per rebellionem commissa ex pacto [zu] restituiren, were auch res

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pessimi exempli und denen cronen selbsten höchstens praeiudicirlich, solches
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durch ein pactum publicum et militare zu bewilligen.

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Und dises alles ist unser gnedigste und entliche intention circa punctum
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amnistiae, warbey unser gesandten ihrer beywohnenden dexteritet gemeß
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die gradus und die zeitten, wann man etwann mit ein oder anderen sich
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heraußzulassen, in acht zu nemmen dergestalt werden wissen, daß das
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fridenswerckh mit übriger zuruckhhaltung unaufgehalten, mit vorzeittiger
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heraußbrechung auch nit deterioriert werde, allermassen unser gnedigst
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vertrawen in sie gestelt ist.

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