Acta Pacis Westphalicae II A 2 : Die kaiserlichen Korrespondenzen, Band 2: 1644 - 1645 / Wilhelm Engels mit einem Nachtrag von Karsten Ruppert
198. Nassau und Volmar an Ferdinand III Münster 1645 Juli 21

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[ 184 ] / 198 /–

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Nassau und Volmar an Ferdinand III.


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Münster 1645 Juli 21

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Ausfertigung: RK , FrA Fasz. 49a, Konv. A ( Juli – September 1645 ) fol. 39–40’, 44, PS
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fol. 43, praes. 1645 August 2 = Druckvorlage – Konzept: ebenda Fasz. 92 V nr. 741
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fol. 322–325 – Kopie: Den Haag A IV 1628 nr. 17; Giessen 205 nr. 305 S. 1643–
42
1649 – Druck: Gärtner V nr. 116 S. 525–530.

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Verhandlungsmodus der Reichsstände. Reichstag. Zeremoniellfragen. Waffenstillstand. PS Strei-
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tigkeiten zwischen den kurfürstlichen und den fürstlichen Bevollmächtigten wegen des Titels Ex-
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zellenz .

[p. 397] [scan. 425]


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Wir haben vorgestern die Weisungen vom 4. und 5. Juli

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Am 4. Juli teilte Ferdinand III. seinen Bevollmächtigten ( Ausfertigung: Den Haag A
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IV 1628 nr. 17 [ praes. 1645 Juli 19 ] – Konzept: RK , FrA Fasz. 47b fol. 101–102 –
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Kopie: ebenda Fasz. 92 nr. 737 fol. 298–298’ ) Schreiben betr. die kurbayerischen Waffen-
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stillstandsverhandlungen
in Paris mit. Diese seien nur zu ihrer Information gedacht. Bis nach
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einer von dem Kurfürsten vorgeschlagenen Konferenz und dann ergehenden weiteren Instruktion
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sollten sie in dieser Sache nichts unternehmen, es sei denn summum periculum in mora . Bei-
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lagen
: A Vervaux an Kf. Maximilian, Paris 1645 April 7 ( Kopie: Den Haag A IV 1628
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nr. 17; RK , FrA Fasz. 92 V ad nr. 737 fol. 300–302 ), B Vervaux an Kf. Maximilian,
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Paris 1645 April 12 ( Kopie: Den Haag A IV 1628 nr. 17; RK , FrA Fasz. 92 V ad
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nr. 737 fol. 304–307’ ) C Kf. Maximilian an Ferdinand III., München 1645 Mai 24 ( Kopie:
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Den Haag A IV 1628 nr. 17; RK , FrA Fasz. 92 V ad nr. 737 fol. 308–311 ). Die
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Ausfertigung von C findet sich in Staatenabteilung , Bavarica Fasz. 1e fol. 60–61;
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ebenda Kopien von A ( fol. 62–63 ) und B ( fol. 65–67 ). In den Beilagen A und B fehlen wesent-
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liche
Passagen der Original-Ausfertigungen Vervaux’s ( GehStA München , Kasten
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Schwarz 7637 ); vgl. K. Schweinesbein S. 215 – Die Weisung vom 5. Juli = nr. 184.
erhalten. Aus nr. 191 und
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nr. 192 ist zu ersehen, daß sich die kurfürstlichen Gesandten den Protestierenden
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zu gefallen dess titul und namens reichsdeputation zu begeben rathsamb
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erachtet. Dabey es noch biß dato soweit erwunden, das einig andere anmue-
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tung inmitlst an uns nit gelangt worden. Wir vernemmen aber anderwerts,
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das auch wider disen vorschlag allerhandt difficulteten erregt werden wol-
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len , und noch sehr ungewiss scheinen will, ob sich die protestierende hier-
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zue erclären möchten, und diss aus zwayen ursachen: Fürs erste, das sie nit
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vergnüegt sein wollen, das bis auf Ewer Kayserlichen Mayestät allergene-
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digiste einwilligung und an gemeine reichsstände ablauffende notification-
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schreiben die consultationes allein bey denen ordinari deputierten, neben
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determinierter beysezung etlich gewisser ständten, stehen sollen, sondern
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begehren thuend, alsogleich vor erfolgendem Kayserlichen placet alle
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ständt, so derzeit alhie oder zu Oßnabrugg vorhanden seint, suo loco et
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ordine zue denen collegialdeliberationibus zuezelassen; zum anderen, das
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sie vermainen, es möchten die Schweedische plenipotentiarii sich uber der
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translation der reichsständen beschwären und es vor einen schimpf uffnem-
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men , das sie zu Oßnabrugg gleichsamb allein solten gelassen und alle con-
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sultationes nach Münster gezogen werden. Derentwegen bey denn catho-
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lischen fast die mainung sein will, das man uf einen reichstag ad locum ter-
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tium und benändtlich Cölln gedencken, inmitlst gleichwol alhier und zu
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Oßnabrugg die handlungen durch die ein- und andernortts beschechene
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disputationes continuieren soll. Dabey aber würdet zugleich verspürt, das
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die protestierende vom fürsten- und stättischen collegio wie auch zum theil
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aus dem churfürstenrath gar keinen lust zum reichstag erscheinen lassen.

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Die ursachen werden vorgewendet, das es grosse verlengerung der hand-
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lungen veruhrsachen, die cronen selbst nit darzue verstehen und man dar-
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bey eben dieihenige difficulteten, wie die iezt emporgehen, zu empfinden
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haben werde. In der that selbst ists an deme, das etliche ire aigene komblich-
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keiten mehrers als dess gemeinen weesens befordernus vor augen halten,
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die protestierende auch in hoffnung stehen, wann sie die beysizung extra

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formam comitialem erhalten könten, das sie hierdurch auch ire detentatores
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der stüffter wurden eintringen und das ius votandi behaubten mögen.

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Hinweis auf das PS von nr. 192. Was aber mit dem herzog von Longeville
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wegen seines angemaasten tituls altezza und darauf von uns dessen unge-
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achtet gegen dem Spanischen gsandten, conte Pineranda, verrichteter visita
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weiters vorgeloffen, und sonderlich, das die Franzosen in puncto suspen-
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sionis armorum abermaln sich ganz clar und rundt einer durchgehenden
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abschlägigen antwort vernemmen lassen, beynebens aber widerumb uf die
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literas mutui compassus für die Siebenbürgische gesandten getrungen, das
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geruchend Ewer Kayserlich Mayestät aus dem beyligenden extractu protho-
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colli allergenedigist mit mehrerm anzehören, darbey wir auch noch diß
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weiter gehorsamist andeüten sollen, das, nachdem der duca di Longavilla
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seine revisita vergangnen zinßtags gegen undterschidlichen gesandten, als
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vorderist den Churbrandenburgischen, sodann dem herrn bischoff von
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Oßnabrugg als Churcöllnischen, item den Churbayrischen, auch dem Portu-
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geßischen gesandten in aller magnificenz mit uffwarttung seiner guardia von
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hartschieren und trabanten mit dero waaffen verrichtet, er zugleich auch
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anvor dem Venetianischen potschaffter gleichergstalt die revisita erstattet
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hat, aber nur mit einer einzigen ime selbst nit, sonder dem conte d’Avaux
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zuständigen carozza und ohne beglaittung seiner guardi, dessen er, Vene-
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tianer , unsers vernemmens übel zufriden sein solle. Und obwol offtgedach-
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ter herzog sich der beglaittung seiner guardi mit den waffen fürohin nit
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mehr zu bedienen gewilt sein solle, so sezen wir doch ausser zweifel, er
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werde selbe ieweils in seinem quartier ufwarten lassen und sich also in disem
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pasß vor Ewer Kayserlichen Mayestät gesandtschafft eines vorzugs ge-
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brauchen .

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PS Weil diß schreiben in continuation deren zu Lengering mit denn chur-
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fürstlichen gesandten vorgeloffner handlung durch unsere collegas zu Oßna-
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brugg undter unser sambtliche undterschrifft außgeförtigt und inen von
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Ewer Kayserlichen Mayestät allergenedigistem bevelch, sich in die streittig-
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keit zwischen denn chur- und fürstlichen wegen dess praedicats excellentiae
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nichts einzemischen, noch vor ausförtigung des schreibens nit bewust gewe-
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sen , so geben wir inen bey heütiger ordinari darüber nachricht

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Konzept: RK , FrA Fasz. 92 V nr. 742 fol. 327–327’ – Kopie: Den Haag A IV 1628
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nr. 17; Giessen 204 nr. 76 S. 659–661; ebenda 205 nr. 304 S. 1641–1642 – Druck:
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Gärtner V nr. 115 S. 523–525.
, haben aber
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sonst unserstheils alhie dessentwegen an die fürstliche gesandten formaliter
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nichts gelangen lassen, ausserhalb das ich, Volmar, gegen den Costanzi-
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schen und Bambergischen gesandten darvon allein per generalia in discursu
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etwas andeütung gethan, aber zugleich von inen vermörckht, das sich kei-
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ner ohne eine sambtliche communication mit allen ein- und andernortts
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anweesenden fürstlichen gesandten darüber resolviren werde.

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1
Beilagen


2
[1] Extractus protocolli, Münster 1645 Juli 14. Kopie: RK , FrA Fasz. 49a, Konv. A ( Juli –
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September 1645 ) fol. 41–42’ – Druck: Volmar S. 191–192 [ Kopie: Den Haag A
4
IV 1628 nr. 17; Giessen 205 nr. 296 S. 1602–1609. ]

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[2] Continuatio protocolli, Münster 1645 Juli 19. Kopie: ( liegt falsch in: ) RK , FrA Fasz. 49a,
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Konv. A ( April – Juni 1645 ) fol. 112–113’ – Druck: Volmar S. 192–193. [ Kopie:
7
Den Haag A IV 1628 nr. 17; Giessen 205 nr. 306 S. 1649–1655. ]

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