Acta Pacis Westphalicae II A 3 : Die kaiserlichen Korrespondenzen, Band 3: 1645 - 1646 / Karsten Ruppert
238. Trauttmansdorff, Nassau und Volmar an Ferdinand III Münster 1646 März 30

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[ 207 ] / 238 /–

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Trauttmansdorff, Nassau und Volmar an Ferdinand III.


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Münster 1646 März 30

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Ausfertigung: RK , FrA Fasz. 52a fol. 196–196’, 199–199’, praes. 1646 April 9 =
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Druckvorlage – Konzept: Ebenda Fasz. 92 VIII fol. 165–166’ – Kopie: KHA , A IV
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Bd. 1628/19 unfol.; Giessen 207 nr. 8 S. 19–25 – Druck: Gärtner VIII nr. 121
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S. 669–673.

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Kaiserliche Dupliken. Französische Satisfaktionsverhandlungen. Eventuelles Angebot der
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Freigrafschaft Burgund. Mazarins Spanien-Politik. Rákóczy.

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Rezepisse auf nr. 207. Nun seint zwar die ständt beeder maalstätten
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nunmehr mit ihren consultationibus über beede replicas völlig aufkommem,
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haben uns aber noch derzeit selbige in einem formblichen bedencken nit
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angebracht. Wir seint iedoch dessen in wenig tagen vertröstet worden und
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wöllen aber hierzwischen nit underlassen, unserstheils solche duplicas Eur
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Kayserlichen Mayestät annectierten erinnerungen und dabey mehrern ein-
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geschiekhten resolutionibus gemess, solchergestalt in bereitschafft ze fassen,
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das derentwegen, im fahl ie die notdurfft solche heraußzugeben erforderen
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und die gegentheil es also begeren theten, kein vergebliche zeit verlohren
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werden solle.

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Wie wir dann auch inmitlst den punctum satisfactionis absönderlich ze
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handlen im werckh begriffen seint und zufolg dessen, so wir derentwegen
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in unserer negstvorgangnen relation

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Vgl. nr. 233.
gehorsamist angedeütet, albereit mit
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denn mediatoren die notdurfft geredt haben, allermassen Eur Kayserliche
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Mayestät aus beiligendem extractu prothocolli gnädigst anzuhören gerue-
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hend . Seint auch von inen versichert, das sie kein zeit hierinnen verliehren
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wöllend, allein haben sie dabei anzudeüten nit umbgangen, das die Fran-
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zosen sich noch immerzue dahin beziechen, es wurde inen von hochen stän-
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den dess Reichs das Elsäß gleichsamb selbst anerbotten und eingerathen,
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sich davon nit abwendig machen ze lassen. Wie uns dann auch anderwerts
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von vertrauten personen angezeigt worden, das theils der Franzosen selbst
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sich vernemmen liessend, sie müesten sich nit wenig verwundern, das der

[p. 455] [scan. 503]


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herr churfürst in Bayren so starckh bey inen de novo darauf tringen thet, sie
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solten sich vom Elsäss nit abweisen lassen.

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Als auch mir, grafen von Trautmanßdorf, beygefallen, das die grafschafft
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Burgundt durch vergebung der vestung Pignerolo und das Elsäss von selbst
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zu verliehren gehen möchte, und mir zu vernemmen kommen, das die Fran-
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zosen gegen überlasßung diser Provinz volleicht ir absechen uf das Elsäss
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verendern derfften. So hab ich durch Dr. Volmarn den Venetianischen
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pottschaffter dessen erinneren und ersuechen lassen, das er und herr
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nuncius vorderist mit gueter dexteritet von den Franzosen erkundigen sol-
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ten , im fahl Spania ermelte grafschafft Burgund der cron Franckhreich
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abtretten thet, ob nit dargegen die völlige restitution der Spanischen abge-
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nomenen pläzen sambt der Elsäsßischen landen zu verhoffen stüende. Der
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hat sich auch solches wol in acht zu nemmen und mit herren nuncio zu
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communicieren erbotten, dabey angezeigt, das er auch vor disem in derglei-
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chen discurs kommen und vermerckht hete, das der duca di Longavilla und
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conte d’Avaux sich sehr genaigt darzue ansechen lassen. Der Servient aber
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het die gegenmainung gehalten, und zwar eben aus dem fundament, wann
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die cron Franckreich Elsass behielt, so wurde Burgundt vor sich selbst
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fallen. Er, ambassador, wolle fast für gewiss halten, Artois und Burgundt
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wurden das einig mitel geben, dardurch man den friden in Teütschlandt
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und Spania gegen denn Franzosen wurde erheben, Catalonia und Portugall
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wider zu Spanien, das Elsäss aber widerumb zum Reich bringen könden, mit
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der grafschafft Rossiliion aber wurde es noch difficultet abgeben. Sein rath
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were, man solt omnibus modis dahin trachten, wie man mit Schweeden und
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denn protestierenden zu ruhe kommen möcht, alßdan wurden es die Fran-
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zosen auch nächer geben. Der cardinal Mazarini sezte nunmehr all sein
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dissegno uf dise instehende campagna zue wasser undt landt. Zwar gegen
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Teutschlandt werde es nit grosse gefahr haben, aber gegen Spania hette er
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ganz unmäsßige hoffnung, selbige cron genzlich undter die füeß zu bringen.
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Und dieweil dann bei solcher beschaffenheit merklich daran gelegen sein
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will, das auch die Spanische ministri uf die von denn Franzosen inen gege-
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bene antwortt, davon Eur Mayestät von mir, grafen von Trautmanßdorf,
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bevorgehender post ein copei beygeschlossen worden

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Konnte nicht ermittelt werden. Wohl die Risquesta de los Franceses, Münster 1646
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März 26, von denen eine Kopie mit einem Vorschlag Volmars für eine Entgegnung in
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RK , FrA Fasz. 92 VIII fol. 171–171’; weitere Kopie: Öst. Akten , Tirol , Fasz. 20d
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S. 767–769.
, von weiterer hand-
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lung nit aussezen thüend, als seint wir im werkh, denselben dessentwegen
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auch zuezusprechen, damit man also mit gesambter handt desto besser fort-
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kommen möge. Rezepisse auf nr. 202 und kaiserliche Weisungen an Trautt-
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mansdorff
von 1646 März 10

Vgl S. 571f.
.

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Sonsten will alhie nochmalen verlauten, ob solten die Franzößischen
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ministri mit practiquen umbgehen, den fürsten in Sibenbürgen zue vermö-
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gen , das er widerumb brechen und ein newe diversion veruhrsachen solle.

[p. 456] [scan. 504]


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Beilage


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[1] Extractus protocolli, s. l. 1646 März 28. Kopie: RK , FrA Fasz. 52a fol. 197–198’;
3
KHA , A IV Bd. 1628/19 unfol.; Giessen 207 nr. 4 S. 8–14 – Druck: APW III C 2
4
S. 575–576.

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