Acta Pacis Westphalicae III A 6 : Die Beratungen der Städtekurie Osnabrück: 1645 - 1649 / Günter Buchstab
1. Sitzung der städtischen Gesandten Osnabrück 1645 Juni 18

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Sitzung der städtischen Gesandten


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Osnabrück 1645 Juni 18

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Bremen 2 – X. 8. m. = Druckvorlage.

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Verhandlungsmodus.

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Anwesend: Straßburg, Frankfurt und Bremen auf der Rheinischen, Nürnberg und Ulm auf der
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Schwäbischen Bank. Im Quartier des straßburgischen Gesandten.

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Nürnberg. Herr Ölhafen

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Dr. Tobias Ölhafen von Schöllenbach ( 1601–1666 ), Jurastudium in Altdorf, Tübingen ( bei
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Christoph Besold ), Straßburg und Basel; Reisen durch Frankreich, England, Holland und
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Italien; seit 1626 Syndikus in Nürnberg, Gesandter auf dem Konföderationstag in Frankfurt
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( 1634 ), bei den Prager Friedensverhandlungen, auf dem Regensburger Reichstag ( 1640 ), dem
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Deputationstag in Frankfurt ( 1643 ), auf dem Westfälischen Friedenskongreß zusätzlich beauf-
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tragt
mit der Vertretung des Fränkischen Kreises und der Fränkischen Grafen sowie der Städte
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Rothenburg, Weißenburg und Windsbeim ( zeitweise auch anderer Städte ); Vetter Johann von
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Giffens; Verfasser zweier Traktate über Münz- und Friedenssachen (De Moneta. Nürnberg
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1665 und Templum Pacis in Romano Germanico Imperio nuper exstructum Germaniae
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restauratae eiusque conservandae mediis orationes. Frankfurt 1657) (J. L. Walther
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S. 78f.; ADB XIV S. 298f. ; APK 18488–18493; APW [ II C 2 S. 22 Anm. 2 ] ; E. Franz
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passim; H. Neidiger S. 272, 276, 285, 290 ).
recapituliert, was fürgangen und uffgesetzt in
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puncto modi consultandi, was für differentien in denen concepten, das ihm
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angemuthet, ein schluß drauß zu formieren. Hette neben herrn Lampadio

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Dr. Jacob Lampadius ( 1593–1649 ), Staatsrechtler, Gesandter von Braunschweig-Lüneburg-
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Grubenhagen und -Kalenberg ( Althusius-Bibliographie 5348f.; R. Dietrich ; ADB
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Xvii S. 575; W. Becker S. 122ff.; Chr. G. Jöcher I Sp. 1732; J. L. Walther S. 61ff. ).

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etwas zusammenbracht und herr Lampadius angenommen, es

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Bedenken Ölhafens in Nürnberg 15 fol. 40–43, Druck: Meiern IS.462–465 ; gemein-
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sames
Bedenken von Lampadius, Ölhafen und Köberlin ( zu ihm Anm. 7 ) in Nürnberg 15 fol.
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36–39, Druck ( anderer Wortlaut ): Meiern I S. 465–468 ; Gärtner V S. 333–340.
mit den
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fürstlichen zu communicieren angenommen. Legebat (Nota bene) : Abwesende nit zu er-
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warten , doch Caesari heimbgestelt, die absentes zu fordern. Praesentes sol-
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len more usitato collegialiter, non per deputatos consultieren, allemahl ein
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collegium zu Osnabrück, zwei zu Münster oder ein zu Münster, zwei zu
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Osnabrück oder alle drei collegia in beide örter getheilt. Primus modus ob
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faciliorem expeditionem praeferiren.

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An deputati zu specificieren, so alß erinnerung internuncii zu gebrauchen. Herr Fritze

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Dr. Peter Fritze, kurbrandenburgischer Kammergerichts-, Amts-, Hof- und Geheimer Rat,
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Präsident des Berliner Konsistoriums für kirchliche Angelegenheiten, 14. April – November 1645
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kurbrandenburgischer Sekundargesandter (vgl. J. L. Walther S. 48).

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hat dafür gehalten, daß alle drei collegia sich in beide örter theilen und also
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jeder standt in duplo schickten. Herr Ölhafen hatt remonstriert difficulta-
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tem , die jener auch agnoscieret.

[p. 2] [scan. 74]


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Frankfurt. Herr Stenglin

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Dr. Zacharias Stenglin (1604–1674), Studium in Straßburg, Tübingen, Jena, Leipzig und
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Wittenberg; 1624–1629 Reisen durch Europa; Vertreter der Interessen der augsburgischen Pro-
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testanten bei zahlreichen Anlässen; 1637 Syndikus in Frankfurt, das er bei vielen Reichs- und
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Städtetagen vertrat; am Kongreß neben Johann Maximilian Zum Jungen auch mit der Vertretung
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der Städte Friedberg, Gelnhausen, Wetzlar und Worms beauftragt sowie – zusammen mit Dr.
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Valentin Heider – der augsburgischen Protestanten (J. L. Walther S. 81f.; P. J. Spener ,
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Leichenpredigt. Frankfurt 1674; K. P. Jaeck ); zu Heider vgl. [ S. 106 Anm. 7 ] .
ad interrogationem des herrn Straßburgischen
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conformat se scripto, nur was die benennung deputatorum anlangt, bittet
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dilation bis antwortt a dominis suis.

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Ulm. Conformit

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Gesandter Ulms war Dr. Sebastian Otto (1607–1678), Studium in Straßburg, Tübingen, Alt-
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dorf , Ingolstadt und Basel, 1644 Syndikus, Vettet Vetter des straßburgischen Gesandten (G. Gänsslen
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S. 248f.).
.

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Bremen. Ebenmäßig, was deputatos belangt, wehre die extraordinaria depu-
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tatio ohnpraejudicierlich, dannoch weil die vorstimmende dilation gesucht,
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hab dergleichen gethan.

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Straßburg. Ebenmäßig quod ad modum consultationis. Modum expeditio-
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nis belangend ut caeteri.

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Quod ad ordinarium modum cor- et relationis sagt, das domini Magdebur- genses Magdeburgici
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Magdeburgische Gesandte waren der niedersächsische Kreissekretär Christian Werner, der magde-
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burgische Geheime Rat und Hofmeister Konrad von Einsiedel sowie Dr. Johann Krull, magde-
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burgischer Domkapitelsyndikus.
der meinung sein, daß es beym herkommen ratione directorii re- et
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correlationis bleiben solle.

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Nürnberg. Herr Ölhafen affirmat, das er es eben auch die meinung habe. Be-
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nennung gewißer deputatorum sey noch zu frühe. Doch herr Ölhafen meint,
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daß wol gesetzt werden konte, daß denen deputatis andere adjungiert wer-
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den möchten. Doch könne auch noch zur zeit woll außgelaßen werden.

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Herr Ölhafen proponiert, daß der Costnitzer

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Georg Köberlin, konstanzischer Vizekanzler, zunächst schwäbischer Kreisgesandter, dann Ge-
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sandter des Fürstbischofs von Konstanz, des Fürstabts von Kempten (bis 1647) und der schwäbi
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schen Reichsprälaten (bis 1646).
ihm angemuthet, mit ihm hin
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über uff Münster zu reisen und mit herrn Volmar

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Dr. Isaak Volmar, Freiherr von Rieden ( 1582–1662 ), oberösterreichischer Kammerpräsident,
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1649 ksl. Geheimer Rat, ksl. Sekundargesandter ( vgl. J. L. Walther S. 9ff.; Meiern AE ,
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Beilage zum Vorbericht S. 50 Anm. 3; ADB XL S. 264–269 ; H. F. Schwarz S. 376,
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Bildnisse I S. 4; APK 27192–27194; K. Repgen S. 74f.; K. J. Seidel ; APW III
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C 2; M. Braubach S. 26ff. ).
wegen dieses modi zu
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rehden. Begehrt anraht.

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Ulm. Helt dafür, das Constantiensi soli es nit zu committiren.

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Bremen und Straßburg ebenso.

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