Acta Pacis Westphalicae II C 4,1 : Die Schwedischen Korrespondenzen, Band 4, 1. Teil: 1647-1648 / Wilhelm Kohl unter Mitarbeit von Paul Nachtsheim
VORWORT

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Dieser stattliche Doppelband beschließt die Unterabteilung der Acta Pacis Westphalicae , welche die schwedischen Korrespondenzen vom Westfälischen Frieden enthält. Er greift mit den ersten beiden Stücken auf die Kündigung des Ulmer Waffenstillstandes durch Kurbayern zurück. Der laufende Schriftwechsel beginnt mit nr. 3 am 28. September / 8. Oktober 1647 und schließt damit an den 1975 erschienenen Band II C 3 an. II C 4 führt zeitlich bis zum 3./13. März 1649 (nr. 568), als man in Stockholm Nachricht vom Vollzug der Ratifikation des Osnabrücker Friedens hatte und Anstalten für den künftigen Nürnberger Exe- kutionstag traf

Die Korrespondenzen des Nürnberger Exekutionstages gehören nicht zum Editionsplan der APW . Eine aus den Akten gearbeitete Monographie liegt vor durch Antje Oschmann , Der Nürnberger Exekutionstag 1649–1650. Das Ende des Dreißigjährigen Krieges in Deutschland. Münster 1991.
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Diese Eckdaten von Herbst 1647 und Frühjahr 1649 markieren die letzte Peri- ode des Westfälischen Friedenskongresses. Es begann (nach der Vereinbarung des kaiserlich-französischen Satisfaktionsabkommens vom 11. November 1647) mit zähen Osnabrücker Verhandlungen des Winters und Frühjahrs 1647/48, in denen – unter wesentlicher Mitsprache Schwedens – die endgültige Regelung der deut- schen Dinge (Reichsjustiz, Reichsverfassung, Kurbrandenburg, Pfalz, Braun- schweig -Lüneburg sowie Hessen-Kassel u. a.) ausgehandelt wurde. Ab Mai 1648 ging es dann um die Militärsatisfaktion und Friedensexekution. Am 6. August 1648 konnten die kaiserlichen und schwedischen Unterhändler vor dem Reichsdi- rektorium und in Gegenwart vieler reichsständischer Deputierter ihre endlich er- reichte Vereinbarung über das Instrumentum Pacis Osnabrugensis

Mit Ausnahme der hessen-kasselischen Militärsatisfaktion.
öffentlich be- zeugen und durch Handschlag formell anerkennen. Im September 1648 zog der gesamte Kongreß nach Münster, wo am 24. Oktober die Friedensverträge unter- zeichnet wurden, deren Ratifikationsurkunden am 18. Februar 1649 in Münster ausgetauscht worden sind.
Die schwedische Politik beim Westfälischen Frieden, soweit sie ihren Nieder- schlag in den Korrespondenzen fand, ist nunmehr vollständig dokumentiert

Hingegen wird der Abschluß der Publikation der kaiserlichen und französischen Korresponden- zen noch einige Zeit beanspruchen: APW II A 4 und II A 6 sind im Satz; der Zeitraum bis Mitte November 1647 der kaiserlichen Korrespondenzen ist damit abgedeckt. Bei II B ( franzö- sische Korrespondenzen) befindet sich Band 3 (bis 8. Juni 1646) im Satz; an den folgenden Bänden, die entweder bis Ende Juli oder Mitte November 1647 führen werden, wird derzeit gearbeitet.
– ein freudiges Ereignis für die Editoren ebenso wie für den Verlag und den Herausge- ber . Daß nun die Kongreßpolitik der damaligen Großmacht Schweden bis in die Verästelungen hinein dokumentiert vorliegt, bedeutet einen beachtlichen Fort- schritt für die Forschung. Gewiß, die volle Auswertung der Quellengruppe der

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Korrespondenzen kann erst durch die künftige Edition der Verhandlungsakten

Ich hoffe, daß mit der Publikation dieser zentralen Unterabteilung III B bald begonnen werden kann. Die einschlägigen Dokumente werden dort auf vier Gruppen verteilt werden: 1 bringt die Texte der Friedensverträge (mitsamt Übersetzungen), 2 die Verhandlungsakten, die den kaiserlich-französischen und kaiserlich-schwedischen Frieden betreffen. Innerhalb dieser Gruppe 2 soll die Reihenfolge der Dokumente der Gliederung in den Verträgen entsprechen.
ermöglicht werden. Doch steht es außer Frage, daß bereits die Quellentexte und die anderen Informationen, die sich in den Korrespondenzen-Bänden befinden, unsere Kenntnisse und Erkenntnismöglichkeiten hinsichtlich eines der größten Friedensschlüsse der europäischen Geschichte auf eine ganz neue Ebene stellen. Sie in gedruckter Form und kommentiert heranziehen und benutzen zu können, ist für den Historiker und andere historisch arbeitende Geisteswissenschaftler ein überaus großer und dauerhafter Gewinn.
Der Abschluß der Publikation der schwedischen Korrespondenzen wurde möglich, weil es mir Ende 1989 gelang, Herrn Prof. Dr. Wilhelm Kohl , der bereits 1971 den Band 2 in allgemein anerkannter Weise ediert hatte, für eine erneute Mitarbeit zu gewinnen. Die verständlichen Bedenken, ob er angesichts seines vor- gerückten Alters eine solche Last noch einmal übernehmen solle und dürfe, ließen sich auch deshalb überwinden, weil Herr Paul Nachtsheim in den achtziger Jahren bereits wesentliche Vorarbeiten geleistet hatte, zunächst als studentische, dann als wissenschaftliche Hilfskraft und später als freier Mitarbeiter in Neben- stunden der Berufsarbeit. Er hatte eine Vorauswahl der für II C 4 vorzusehenden Stücke getroffen, eine Vorklärung der Abhängigkeiten und Zuordnungen besorgt und die Transkription respektive die Kollation der durch andere, vor allem durch Frau Petra Kobbe und Frau Dagmar Uhl , abgeschriebenen Stücke geleistet. Deshalb erscheint auch sein Name auf dem Titelblatt dieses Bandes, für den Wil- helm Kohl die Haupt- und Gesamtverantwortung trägt: Er hat seit Anfang 1990 alle Vorarbeiten überprüft, verbessert und ergänzt und dann das Druckma- nuskript in erstaunlich kurzer Zeit erstellt. Auch die Korrekturen und die Ausar- beitung der Register hat er erfreulich zügig erledigt, wobei ihn die Mitarbeiterin- nen der Bonner Geschäftsstelle der Vereinigung zur Erforschung der Neueren Geschichte (bis zum Frühjahr 1993 unter der Leitung von Frau Dr. Brigitte Wübbeke , danach von Frau Dr. Karlies Abmeier ) dankens- wert unterstützt haben. So ist in relativ wenigen Jahren ein Werk zustandegekommen, das sich wohl sehen lassen kann und für das der Herausgeber allen Beteiligten von Herzen dankt. Der Band wird in unmittelbarer zeitlicher Nähe zum 80. Geburtstag Wilhelm Kohls ausgedruckt sein. Er hat damit sich und uns allen, nicht zuletzt der Nordrhein-Westfälischen Akademie der Wissenschaften und dem Hause Aschendorff , ein seltenes Geschenk gemacht, das großen Dank und alle Anerkennung verdient. Bonn, den 14. September 1993 Konrad Repgen

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