Acta Pacis Westphalicae II A 5 : Die kaiserlichen Korrespondenzen, Band 5: 1646 - 1647 / Antje Oschmann
273. Volmar an Nassau Osnabrück 1647 Februar 25

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Volmar an Nassau


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Osnabrück 1647 Februar 25

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Eigh. Ausfertigung: KHA A 4 nr. 1628/21 unfol.

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Geheimhaltung des kaiserlich-schwedischen Vorvertrags. Pfälzische Restitutionsverhandlung;
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unberechtigte Ansprüche Braunschweig-Lüneburgs; kaum Aussicht für die Erhaltung der Stifter
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Hildesheim, Minden und Osnabrück für die katholische Religion; wenig Hilfe von Frankreich.

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Euer Excellenz schreiben vom 23. huius

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Konnte nicht ermittelt werden.
sambt eingeschlossenen zeittungen
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hab ich zu recht empfangen, auch ihrer excellenz herrn obristhofmeister
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referirt. Die wollen aber nit continuirn. Daß dann deroselben die verglei-
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chung der Schwedischen und Brandenburgischen satisfaction nit communi-
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cirt worden, wollen sie nit in unguettem auffnemmen. Die haubtpuncten
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seind Euer Excellenz auß den vorgangnen relationes ad Caesarem bekandt.
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Es haben aber die Schweden letstlich, wie alles ist verglichen und underschri-
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ben gewesen, gar hoch begehrt, ausserhalb an die herrn principales nichts ze
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communicirn, sondern biß zu volligem fridenschluss in secreto zu behalten;
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wölches inen auch auß erheblichen ursachen zugesagt und biß daher unser-
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seits gehalten worden. Die Schweden haben auch sogar dem conte d’Avaux
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kein copei wollen zukommen lassen, dessen er mit inen ubel zefriden
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gewesen. Waß also die mediatores wissen oder discurrirn, daß haben sie auß
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denen hinc inde entworffnen proiectis, werden aber gwiß, warauff die
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mutationes entlich bestanden, keinen grundt haben.

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Wir seind ietzund an der Pfaltzischen sach, darinn vermuettlich die Schweden
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sich directe nit opponirn, sondern es an die stände kommen lassen werden.
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Hingegen aber will Braunschweig wegen seiner übelbegründten pretension
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an Magdenburg und Halberstatt, daß man inen dagegen Hildeßheim per
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coadiutoriam, Oßnabruckh und Minden aber strackhs de presenti als ein
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aequivalent einraumen solle, dazu inen die Schweden verholffen ze sein
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versprochen. Sehe also, wann Bayern mit der chur und Pfaltz durchkommen
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will, daß die protestierende dise zech mit bemeldten dreyen bisthumbern
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bezahlt haben wollen. Und ist ausser zweifel, weil die Churbayerischen der
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protestierenden, sonderlich aber deß hauses Braunschweig favor höchlich
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suechen, daß sie, protestierende, desto weniger von ihrem so gefaßten vorsatz
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abweichen werden. Conte d’Avaux verspricht imer vil guette assistenz; ob er
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aber biß zum letsten den stich halten werde, stehet zu erwartten. An meinem
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ortt sehe ich clarlich, wann Frankreich mit Spania nit frid macht, daß die
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catholische religion in Teutschlandt nothwendig muess zugrundtgehen, deß

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Untergangs in Italia vom Türkhen zu geschweigen. Es ist ia hoch zu
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erkennen, daß die cron Frankreich solchen ungerechten krieg nit abstellen
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will, da doch deroselben daß zeittlich und ewig verderben ebenso nahend als
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andern vor der thür stehet.

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