Acta Pacis Westphalicae II A 5 : Die kaiserlichen Korrespondenzen, Band 5: 1646 - 1647 / Antje Oschmann
249. Nassau an Trauttmansdorff Münster 1647 Februar 9

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Nassau an Trauttmansdorff


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Münster 1647 Februar 9

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Kopie: RK FrA Fasz. 54a (Teil II) fol. 80–82’, PS fol. 83 = Druckvorlage – Konzept: KHA A
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4 nr. 1628/21 unfol., PS ebenda .

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Privata. Vulteius: Satisfaktion Hessen-Kassels; Beilegung des Marburger Erbschaftsstreits auf dem
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Westfälischen Friedenskongreß. – PS Bereitschaft Longuevilles zu Waffenstillstandsverhandlun-
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gen

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Besuch von Vulteius: Gf. Moritz Heinrich von Nassau-Hadamar

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Gf. Moritz Heinrich von Nassau-Hadamar (1626–1679; 1653 Gf.), der älteste Sohn des ksl.
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Ges. Nassau ( Stammtafeln I Tafel 120). Er war für kurze Zeit in schwed. Gefangenschaft
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geraten.
. Bey dieser
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gelegenheit hat vorgedachter herr Vulteius anregung gethan, wie das sie,
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fürstlich Hessen Casselische, hoch verlangerten, das ire sachen mögten
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vorgenommen und abgehandlet werden. Verspührten aber, das sie gar
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zuerückgesetzt und biß auf die letzt gespahret werden wolten. Ob nun wohl
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sie sich selbsten zu beschaiden wüsten, das der cronen unnd höchere
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importirende sachen ihrem als geringerern vorzuziehen seien, dahero sie
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billich biß anhero sich entblödet, Ewer Excellentz und ubriger Kayserlicher
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gesandtschafft viel importun zu fallen, sonsten sie Euer Excellence offter und
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fleissiger uffgewartet haben wolten. Weilen sie aber numehr erfrewlichen

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vernehmen, das zu verhoffentlichen friedensschluß es sich wohl veranlasse,
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müsten sie sich befahren, das bey fernerm stillschweigen und nachdeme alles
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ubrige würde verglichen sein, mann alßdan sie gahr in vergeß und zurückh
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stellen würde. Wolten hoffen, Euer Excellence ire sachen (wie ires darfürhal-
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tens woll geschehen könte) mit und zugleich der Schweedischen satisfaction
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tractirn und abhandtlen würden lassen wolten. Sie vernehmen zwar, als wolte
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darvor gehalten werden, ob solten zwischen beyden fürstlich Hessen Cassel-
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und Darmbstattischen häussern güttliche tractaten und vergleich obhanden
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sein, und darauff einige reflexion gemacht werde, eß were aber zumahlen
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nichts darahn und nur ein blosses zue ihrem nachtheil und zeitgewinnung
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von Darmbstadt angesohnnenes furgeben. Dan weilen das fürstlich Hessen
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Casselische hauß biß anhero in viele weege verspühret und im werck
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empfunden, das sie mit dem fürstlich Darmbstattischen hauß durch keine
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freundtliche privattractaten zue einigem pillichen und erträglichen vergleich
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glangen würden, alß hette ihre gnädige fürstin und fraw einmahl vor all
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beständiglich sich vorgenommen und resolvirt, inn diesen sachen mitt
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Darmbstatt sich in keine fernere privattractaten noch underhandtlungen
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einzulassen, sondern ihrer sachen accommodation denen cronen, mit denn
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Kayserlichen abzuhandtlen, gäntzlichen anhaimbgestellet, welche sie versi-
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chert hetten, zue keinem schluß zu tretten, es habe dan die Casselische
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satisfaction auch ihre gäntzliche richtigkeit erlangett; darauff sie sich woll
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versicherlichen zu verlassen hetten. Mann würde im werck selbsten verspü-
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ren , wan man ihrer sachen würde abgeholffen haben, das es den frieden-
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schluß sehr befürderen würde. Er, Vulteius, hat sehr beklagt, das durch
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ungleiche, ungüttliche informationes und anbringen bei voriger allerglorwür-
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digster Kayserlicher mayestät daß fürstliche hauß Cassel sehr schwartz und
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odios gemacht worden sey und das fürstliche hauß Darmbstatt in damahligen
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schwebenden processen sich dessen sehr praevaliret haben und dadurch, wie
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weltkündig, daß fürstlich Casselische hauß in solche necessitet und desespe-
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ration gesetzt, das sie zu ihrer rettung und conservation nothwendig mit den
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außwertigen cronen sich dergestalt hetten inlassen und verbinden müssen.
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Dah nun diesen ihren hohen beschwerdten abgeholffen würde, were das
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fürstlich Hessen Casselische hauß erpietig, aufrichtig resolviret und intentio-
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niret , allezeit gegen ihre Kayserliche mayestät und dero höchstlöblichsten
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ertzhauß mit allerunderthänigsten trewstwilligsten diensten sich zu erweißen,
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alß einem trewgehorsambsten reichsfürsten gebühret und anstehet. Wolten
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versichern, ihre Kayserliche mayestät und dero allerhöchstlöblichstes
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ertzhauß alßdan mehr dienst und vortheils vonn dem hauß Cassel als nit von
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Darmbstatt erlangen und überkommen würden; mich darbey instendig
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ersucht, bey Euer Excellentz dieses gehorsamblichen zu überbringen und das,
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Ewer Excellentz sie unterthänig ersuchten und pätten, ihre accommodation
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und satisfactionsbefürderung an ihrem hochvermogenden ohrt sich zum
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besten wolten recommendiret sein lassen. Dieselbe versicheren, solches, wie
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[ es ] zu irer Kayserlichen mayestätt und dero höchstlöblichstem ertzhauß

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bessern diensten und mehrer schleuniger befürderung des friedens, wie
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albereit obgedacht, gereichen würde, ihre principalen auch umb Ewer
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Excellentz zu allen begebenden gelegenheiten es freundtdanckbarlichen
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hinwiederumb zu verdienen sich würden angelegen sein lassen.

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PS Anitzo hat der Venetianisch gesandter mir sagen lassen, das er neben dem
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Päbstlichen herren nuncio gestern zue dem duca di Longevilla gefahren und
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demselben wegen deß stillstandts der waaffen eben dasihenig, waß mir
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vorigen tags (davon Ewer Excellence ich gestern gehorsamblichen überschrie-
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ben

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Druck: Nr. 247.
) vorgehalten. Der hette es zumahlen approbirt und für guet befunden,
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auch dabey angezeigt, daß er albereit ahn den comte d’Avaux deßhalben
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geschrieben

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Dieses Schreiben ist (noch) nicht veröffentlicht.
und heut abermahlen auf ihr, der herren mediatoren, instantz
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ihme zuschreiben wolt. Wehre selbsten auch der meinung, das es besser, das
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der stillstandt zu Oßnabrück von allerseits gesandten alß droben von den
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generalen geschlossen würde. Waß anlangte die außtheilung der quartier,
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könte dern vergleichung ahn die generalen remittirt werden.

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