Acta Pacis Westphalicae II A 5 : Die kaiserlichen Korrespondenzen, Band 5: 1646 - 1647 / Antje Oschmann
277. Trauttmansdorff, Lamberg, Krane und Volmar an Ferdinand III Osnabrück 1647 Februar 25

21
–/ 277/–

22

Trauttmansdorff, Lamberg, Krane und Volmar an Ferdinand III.


23
Osnabrück 1647 Februar 25

24
Ausf.: RK FrA Fasz. 53a fol. 97–98’, 119 = Druckvorlage – Kopie: RK FrA Fasz. 92 XI nr.
25
1621 fol. 468–469; KHA A 4 nr. 1628/21 unfol.; Giessen 208 nr. 169 p. 887–890; Giessen
26
209 nr. 50 p. 327–330.

[p. 547] [scan. 623]


1
Pfälzische Restitution: Verknüpfung mit den Religionsverhandlungen; Vorbehalte der schwedi-
2
schen Gesandten; Zustimmung d’Avaux’; Modalitäten; finanzielle Entschädigung für die Pfalz-
3
grafen? Kurbrandenburgische Forderung auf das Stift Minden; schwedische Zusage? Abweisung
4
der Entschädigungsansprüche Braunschweig-Lüneburgs und des Administrators von Bremen.
5
Satisfaktion Hessen-Kassels.

6
Unserem iüngsten gehorsamsten schreiben vom 21. dieses

41
Druck: Nr. 268.
zufolge haben wir
7
unß freytags, den 22. eiusdem, bey denen Schwedischen gesandten, umb den
8
punctum gravaminum völlich zu richtigkeit zu bringen, eingefunden, denn-
9
selben auch unser darüber abgefastes proiect

42
Die Erklärung der ksl. Ges. betr. die Gravamina vom [22. Februar 1647] (Druck: Meiern,
APW IV S. 78–86 ).
zugestelt. Weiln wir aber
10
darbey von denen Churbayrischen gesandten vielfältig wegen beyrückung
11
der Pfaltzischen sach, dhamit dieselbe bey bemeltem puncto gravaminum per
12
modum conditionis sine qua non in denen in instrumento pacis außgesetzten
13
terminis mitbedingt werden möegte, angelauffen worden, haben wir es auch
14
unserstheils beßer zu sein erachtet, wan es ie endtlich zur ruptur außchlagen
15
dörffte, daß sölches wegen beyder alß einer sache halber allein beschehe,
16
derentwegen dan beyde sachen solchergestalt zusamengebunden, daß in dem
17
puncto gravaminum ohne vorher in der Pfaltzischen sach erlangte richtigkeit
18
nit zum schluß zu gelangen, und solches nit allein denen Schweedischen
19
gesandten deütlich angezeigt, sondern auch dem Frantzösischen gesandten
20
graven von Avaux umb einwendung seiner officien bey denen Schweedi-
21
schen, dhamit solche condition von dennselben auch mitbeliebt werden
22
möege, anglangt. Waß unß nun ahn beyden örtern darauf zur antwort
23
begegnet, darab geruhen Ewer Mayestätt iro auß beyverwahrtem protocollo
24
sub numero 1 allergnädigst referirn zu laßen. Deme wir dan noch ferners
25
dieses hinzuzusetzen für nötig erachten, daß der graff von Avoux noch heüd
26
mir, dem graven von Trautmansdorff, wißen laßen, daß wol daran beschehen
27
seie, daß die Pfaltzische sach angedeütetermaaß dem puncto gravaminum per
28
modum conditionis sine qua non seie annectirt worden. Man solte selbiger
29
resolution vestiglich inhaeriren und sich zu eintrettung in einige andere
30
handtlung, ehedan in der Pfaltzischen sach völlige richtigkeit erlangt worden,
31
kheinsweegs bewegen laßen. Er zweifle zwar nit, daß sich die Schweedische
32
diesorts würden weisen laßen, gestalt er dan noch heüd mit denselben darauß
33
geredet und ungleich miltere undt beßere dispositiones alß hiebevor, und
34
zwar noch gestern beym Salvio, befunden. Wie dem allen, wan selbige
35
Schweedische gesandten ie nit wölten, so wiße er, graff von Avaux, schon,
36
waß er von seinem könig zu thuen in befehl habe. Er müße aber vorhero den
37
glimpff gebrauchen und versuchen, ob auf sölchen schlag vortzukommen
38
seie.

39
Sönsten belieben Ewer Mayestätt hiebey sub numero 2 den receß uber der
40
Churbrandeburgischen aequipollentz zu entfangen, darneben zwar auch die

[p. 548] [scan. 624]


1
stifft Minden praetendirt wirdt, so von denen Schweedischen auch, wie unß
2
die Churbrandeburgischen gesandten berichten thuen, zugesagt worden.

3
Neben deme berichten Ewer Kayserlicher Mayestätt wir gehorsamst, daß sich
4
abermals heüd die fürstlich Braunschweig Lüneburgische gesandten bey unß
5
angeben und, weilen sie der beyder ertz- undt stiffter Magdeburg und
6
Halberstatt cession ahn Churbrandeburg nit verhindern können, sich nuh-
7
mehr understehen, ein weithgesuchtes interesse aufzutreiben und deswegen
8
die stiffter Hildesheimb, Oßnabruck und Minden zum aequivalente zu
9
praetendirn. Haben sich bey irer vortrag fast harter wörter gebraucht und
10
under andern mit Schweedischer assistentz trowen dörffen, denen aber
11
inhalts protocols sub numero 3 der sachen beschaffen- und billichkeit nach
12
mit einem abschläglichen beschaidt begegnet worden. Und wöllen wir nit
13
unterlaßen, ferner alle thuenliche einwendungen zu ergreiffen, ob diese newe
14
zumuetungen möegten auß dem weeg gehalten werden.


15
Beilagen


16
1 Protokoll, [Osnabrück] 1647 Februar 22, 23. Kopie: RK FrA Fasz. 53a fol. 111–118’ =
17
Druckvorlage; RK FrA Fasz. 91 II fol. 405–414’; KHA A 4 nr. 1628/21 unfol.; Giessen
18
208 nr. 166 p. 850–868; Giessen 209 nr. 48 p. 296–315.

19
[1647 Februar 22]

20
Volmar, negst ablegung gewohnlicher complementen, wiederholt daßienige, waß wegen
21
gentzlicher vergleichung der gravaminum in letzterer conferentz veranlaast worden, und
22
zweiflete nit, er, herr graff Ochßenstirn würde bereits von seinem herrn collega und sönst
23
vernhommen haben, wie weith man in der sachen kommen und waß man dieserseits sich
24
zum theil erclehrt, daß man nachgeben könte, dhamit der friedt desto mehr befürdert
25
würde, theils aber zu weiterer conferentz außgestelt und reservirt habe. Nun seie man
26
dieserseits gefast, mit inen, denen Schweedischen gesandten, darüber zu conferiren. Allein
27
seie ihnen, denen Kayserlichen gesandten, vorgangen, wan man gleich in denen gravami-
28
nibus verglichen sein sölte, die Pfaltzische sach aber nit zugleich auch beygelegt werden
29
sölte, daß alle mühe umbsonst sein und der friedt nit würde erhebt werden können. Irer,
30
der Kayserlichen, intention seie zwar gewesen, ietzgemelte Pfaltzische sach dem satisfac-
31
tionspunct anzuhencken und derenthalben sich mit inen, denen Schweedischen gesand-
32
ten, eins gewißen pari passu zu vergleichen. Nachdeme sie aber deßen bedencken gehabt
33
und darvor halten wöllen, daß irer cron reputation ein solches nit zulaßen wölte, also
34
habe man zwar vorberürten punctum satisfactionis mit beyseitssetzung dieser sachen
35
geschloßen, iedoch der intention und meinung, daß auch selbige mit dem ehisten
36
vorzunhemmen. Dannenhero die Kaißerliche gesandten inen, denn Schweedischen, dieses
37
praeliminariter anzeigen wöllen, dhamit auch diese sach zugleich vor die handt genhom-
38
men werden möegte. Herr graff Oxenstern, neben gewöhnlicher dancksagung, daß sich
39
die Kaißerliche herren gesandten zu ihnen bemüehen und inen mit der visita honoriren
40
wöllen, antwortete, daß er vernhommen, waß sie, die Kaißerliche, wegen der Pfaltzischen
41
sach sowol alß der gravaminum angeregt hetten. Soviel nun die gravamina belangte,
42
wehre er der beschaffenheit deßen, waß in denen gehaltenen conferentien vorgeloffen,
43
berichtet und daß das werck dhahin außgeschlagen, daß man nit mehr vor nötig
44
erachtete, in praesentia statuum ferner miteinander zu conferiren, daß etliche puncta ire
45
richtigkeit gefunden, etliche aber unerledigt geplieben, und welchergestalt sie, die
46
Kaißerliche, dem werck nachgedacht und vermeint, daß es vollendts zur richtigkeit
47
gebracht werden möegte. Hette aber nit verstanden oder abnhemmen können, daß man
48
etwaß schriftlichs aufgesetzt und verfast hette. Wan deme also, so begehrten sie, die

[p. 549] [scan. 625]


1
Schwedische, man wölle solches nit allein ablesen, sondern auch communiciren, dhamit
2
sie sich darin ersehen möegten, wie dan sy solches vor den dienlichsten und vortraglich-
3
sten weeg hielten, desto ehender auß der sach zu kommen. Die Pfaltzische sach
4
betreffend, sölte ihnen lieb sein, daß solche vorgenhommen würde, und seie nit anders,
5
alß daß diese sowol alß andere gravamina ire abhelfliche maaß haben müesten. Wehren
6
dhahero mit ihnen, denen herren Kaißerlichen, in deme einig, daß, wan nur ein punct
7
seine richtigkeit nit erreichen sölte, daß gantze werck dardurch gesteckt würde. Sy sehen
8
aber nit, wie solches zugleich vorgenhomen werden könte, könten sich auch in eill
9
dergestalt und ehe sich mit denen intereßirten Pfaltzischen gesandten underreden, nit
10
erclehren. Sie wölten aber auch nit dhavor halten, daß die herren Kayserliche gemeint
11
seyen, auf denienigen conditionibus, welche sie irem proiecto instrumenti pacis dieser
12
sachen halber einverleibt

47
Vgl. das IPOk vom [8. Mai 1646] (vgl. APW II A 4 nr. 88 Beilage 1, hier Meiern, APW III
S. 68 ).
, beharren werden. Und bleiben also dhabey, daß es beßer sein
13
würde, die gravamina zum ersten vorzunhemmen.

14
Herr Volmar: Soviel den punctum gravaminum betreffe, hette man bereits nach dem
15
catholischen aufsatz

49
Wahrscheinlich die Erklärung Trauttmansdorffs im Namen der kath. Reichsstände betr. die
50
Gravamina ( Endliche Erklärung) vom 30. November 1646 (vgl. nr. 148 Beilage C).
etwaß schriftlichs und zwar in der formb, wie es gelaßen werden
16
solte, verfast und daßienige, waß in conferentia vorkommen, theils zu dem proiect
17
gesetzt, theils auch außgelaßen. Es seie aber noch nit allerdings abgeschrieben, auf den
18
nachmittag würde man dhamit fertig sein und ihnen daßelb zukommen laßen. Fragte
19
aber dhabey den herrn Oxenstirn, waß wegen der Pfaltzischen sach zu thuen.

45
19 Responsum] Dieses Wort hat Krane nachträglich, offensichtlich irrtümlich, hinzugesetzt.
46
Es fehlt in Giessen 208 p. 854.
Responsum
20
[!]. Dieserseits hielte man dhavor, daß es allerdings bey denen gesetzten conditionibus
21
sein bestendigs verbleiben haben solle, sintemaln man mit denen Frantzösischen gesand-
22
ten so weith verglichen, und heiße es bey unß eo modo loquendi ‘conditio sine qua non’.
23
Hetten den punctum extrahirn und ihnen, den herren Schweedischen, hiemit zukommen
24
laßen wöllen, dhamit sie sich darin ersehen und daß werck bedencken könten. Dan wanß
25
hirin fehlen solte, so sehe man nit, wie mit dem friedenschluß fortzukommen. Wölten
26
aber verhoffen, weilen der cron Schweeden, soviel ire praetension ahn ire Kaißerliche
27
majestätt und dem Reich betrifft, deroselben nuhmehr allerdings satisfaction beschehen,
28
die cron Franckreich auch mit unserm aufsatz zufrieden, es werden sich die herren
29
Schweedische gesandten auch den aufsatz nit entgegen sein laßen, dhamit man also daß
30
ubrige in puncto gravaminum desto leichter auch zur richtigkeit bringen möege.
31
Oxenstern fragte, ob wir dan mit den Frantzösischen einen vergleich wegen des
32
instrumenti pacis gemacht hetten. Responsum, quod non, sondern soviel die Pfaltzische
33
sach betrifft, daß sie, die Frantzosen, insoweith dhamit einig wehren. Oxenstern: Sie
34
stelten unß heimb, ihnen daß proiect in puncto gravaminum schriftlich zukommen zu
35
laßen, wolten darin khein momentum temporis versaumben. Waß daß Pfaltzische weesen
36
betreffe, verstünden sie fast soviel, alß wan mit den Frantzösischen in dieser sach ein
37
vergleich getroffen wehre. Sie seien aber von den Frantzosen nit berichtet, daß es schon
38
so weith vergliechen, wölten mit dem comte d’Avaux, vermöeg irer principalen miteinan-
39
der habenden bundtnüß, reden, die sach uberlegen und ohne aufenthalt sich darauf
40
ercleren. Waß aber die conditionem sine qua non antreffe, müest man sehen, wie solche
41
abzufinden. Denen alhie anweesenden Pfaltzischen gesandten hetten sie sönst vorgehal-
42
ten, daß dieselbe sich erclern wölten, waß sie für mandata hetten, welche zur antwortt
43
geben, daß sie etlichermaaßen instruirt wehren. Wan man aber auf den conditionibus des
44
ahn Kaißerlicher seithen aufgesetzten instrumenti beharren wölte, heten gedachte Pfaltzi-

[p. 550] [scan. 626]


1
sche sich verlauten laßen, daß ir herr ehender daß elendt noch lenger leiden und sich in
2
terminis desperationis halten wölte, alß daß er ihme und den seinigen dergestalt
3
praeiudicirn sölte. Herr Volmar: Man hete mit dem d’Avaux dhahin conferirt und er sich
4
erclert, daß man an seithen Franckreich die Pfaltzische sach ahn sein ort gestelt sein ließ,
5
derentwegen auch mit Kaißerlicher majestätt in keinen weitern krieg stehen werde. Also
6
wölte man verhoffen, die cron Schweeden, nachdem sie irestheils ahn irer Kaiserlichen
7
majestätt und dem Reich nichts mehrers zu praetendirn sich erclert, werd dieser sachen
8
halber zugleich nit lenger in dem krieg zu pleiben begehren, in ansehung, sie bey diesem
9
Pfaltzischen weesen haubtsachlich nit interessirt. Wan der pfaltzgraff diese conditiones
10
nit acceptirn wil, werde der Kayser und der churfürst in Bayern nit viel darnach fragen.
11
Waß aber den punctum gravaminum betreffe, seien wir bey unserm concept verblieben
12
und die puncta vermöeg der gepflogenen conferenzen hin- und wieder eingerichtet,
13
geendert und dem verlaß nach ab- und darzugethaen. Herr Oxenstern: Daß Pfaltzische
14
weesen betreffend, ließen sie es dhahin gestelt sein. Wölten sich für dießmahl nit
15
diffundirn, sondern mit dem conte d’Avoux darauß reden. Bey dem puncto gravaminum
16
hete er dieses nur in antecessum erinnern wöllen, daß der aufsatz dem instrumento pacis
17
einverleibt werden müeße. Nos: Der begrieff müeße erstlich Teütsch beschehen und
18
darnach in Lateinisch ubergesetzt werden. Illi: Die ständt heten begehrt, daß dasienig,
19
waß in diesem puncto compositionis gravaminum geschloßen würde, dem instrumento
20
pacis einverleibt und pro pragmatica sanctione

46
Pragmatische Sanktion, sanctio pragmatica; ein feierlicher kg.licher oder ksl. Erlaß, der in
47
Form und Inhalt nicht festgelegt war (HRG III Sp. 1864–1866).
gehalten werden solte. Nos: Eben diese
21
meinung habe es bey unß zwar auch. Weiln aber auf diesen vergleich inskünfftig
22
gesprochen und derselb bey negstkünfftigen reichstag dem abschiedt ungezweiflet
23
einverleibt werden müeße, also werde nothwendig sein, daß derselbe Teütsch aufgesetzt
24
und auß dem Teütschen ins Lateinisch transferirt werde.

25
Oxenstern: Es sey ime durch den secretarium Schröder communicirt worden, waß die
26
herren Kayserlichen für ein declaration dem herren graven d’Avoux in puncto satisfactio-
27
nis Hasso Cassellanae zustellen laßen

48
Vgl. nr. 268 Beilage 2.
. Dieweiln nun sie, herren Schweedische, in irer
28
gethanen replica

49
Die schwed. Replik vom 28. Dezember 1645/7. Januar 1646 (Druck der den Reichsständen
50
mitgeteilten Fassung des Protokolls über ihre Eröffnung: Meiern, APW II S. 183–190 ).
bey dem puncto satisfactionis der Heßen Caßlischen auch in specie
29
gedacht und zu solchem endt auch ein schrifftlichs memorial ubergeben

51
Wahrscheinlich die hessen-kasselschen Satisfaktionsforderungen vom 7./17. November 1646
52
(vgl. nr. 127 Beilage [1]).
, also heten sy
30
wol vermeint, es sölte darauf geantwortet worden sein. Sie wüsten iedoch nit, weil man
31
die erclehrung alhie dem conte d’Avoux zugestelt, waß etwoh zu Münster in diesem
32
werck ubergeben sein möegte. Und wehre auch die erclehrung in der Marpurgischen sach
33
nit auf des herrn landtgraff Georgs oder seiner fürstlichen gnaden abgesandten nahmen
34
gestelt, sondern daß die herren Kaißerliche solche vor sich und ohne vorwißen der Heßen
35
Darmbstättischen theten, und zwar mit der reservation, wan des herrn landtgraff Georgs
36
fürstliche gnaden darin nit consentirn würde, daß solche unbündig sein solte. Und
37
bestündte solche erclehrung fürnhemblich in dreyen stücken: 1. In demienigen, waß ire
38
Kaißerliche majestätt concernirte ratione confirmationis der erbverbrüderung pactorum
39
etc. Und hirauf gehörte ein declaration. 2. Waß die interessatos betreffe, die Marpurgische
40
sach, Waldeck etc. Diese sachen alle und waß deswegen gemeldt, müeste nit relative,
41
sondern positive, „sic esto“, gesetzt werden. 3. Ire, der Heßen Caßlischen, satisfaction, in
42
specie Marpurg, gehöre nit in die satisfaction. Dha vermeint er, man möegte sich auf ir
43
memorial ercleren. Herr Volmar: Man werde sich in irem memorial ersehen, und seie ein
44
großer unterschiedt zwischen denen cronen und der landtgrävin, dero man keine
45
satisfaction schüldich. Und würde wol die frag sein, waß sie, die Heßen Caßlische,

[p. 551] [scan. 627]


1
denienigen zur satisfaction geben würde, von denen sie so viel hundertaußendt reichstha-
2
ler, ia milliones erprest, schlößer, stätt, marckt und dörffer niederreißen, verbergen und
3
verderben laßen, an den sie die geringste praetension, fueg noch ursach gehabt hett.

4
Und dieweil vor ein notturfft gehalten worden, dieses verlaufs, soviel sönderlich die
5
Pfaltzische sach anlangt, nit allein die Churbayrische (wie alßpaldt beschehen) zu
6
berichten, sondern auch zugleich bey dem conte d’Avaux zu praeoccupirn, ehedan die
7
Schwedische mit ime communicirn möegten, alß hat man sich zwar noch diesen abendt
8
bey demselben anmelden laßen, der hat sich aber wegen vorgehabter abfertigung seines
9
secretarii nach Pariß entschüldigt und die ansprach biß folgenden tag differirt.

10
[1647 Februar 23]

11
Sambstags, den 23. huius, vormittag, seindt herr graff von Lamberg, herr Crane und herr
12
Volmar zu ihme, d’Avoux, gefahren und ime deßen, waß mit denen Schweedischen
13
vorgeloffen, parte geben, auch mit zustellung eins gleichmeßigen extracts auß dem
14
instrumento pacis ansuchung gethaen: Nachdem er sich zu erinnern, waßgestalt in
15
abhandtlung der satisfaction mit denen Frantzösischen plenipotentiariis zu Münster von
16
denen Kaißerlichen pro conditione sine qua non gesetzt worden, daß die Pfaltzische sach
17
auf die dhomaln proponirte absätz verbündtlich entschieden pleiben solt, sie, Frantzosen,
18
auch den 13. Septembris negsthin coram mediatoribus nit allein vor sich beliebt, sondern
19
auch die Schwedische dhahin zu vermöegen erbotten

49
Vgl. die Relation vom 14. September 1646 (Druck: APW II A 4 nr. 344).
, also wehre es nuhmehr ahn der
20
zeit, daß solches erbiethen zu werck gesetzt werden sölte. Man wölte ine derentwegen
21
ersucht haben, mit denen Schweedischen nach eüsseristen vermöegen zu handtlen, daß sie
22
sich ebenmeßig ohne weiter hindersichhalten darzue specifice und verbündtlich erclären
23
thuen, dan wir könten zu einigem weitern actu nit fürschreiten, woh dieser nit vorderist
24
seine richtigkeit würde erlangen möegen. Es würde auch alle ubrige handlung vergeblich
25
sein. Ille: Wüste sich deßen, waß hievor in seinem beysein bey abhandtlung des puncti
26
satisfactionis von Dr. Volmarn mit dem Salvio gehandtlet und waßgestalt die Pfaltzische
27
sach immediate hernach zu tractirn per expressum vorbehalten worden, [ zu erinnern]. So
28
seie ime auch eingedenck, waß in diesem puncto zu Münster vorgangen, und begehre die
29
cron Franckreich nochmaln, darbey zu verpleiben. Er wölte auch nit unterlaßen, bey
30
denen Schwedischen alle möeglichkeit anzuwenden, gleichwol könten sie ire confoedera-
31
tos nit zwingen, noch denselben leges vorschreiben. Er hette dem Salvio schon iüngsten
32
derentwegen zugesprochen, aber ein mehrers nit heraußbringen möegen, alß daß der
33
gesagt, waß die chur anlangte, möechte es dhabey verbleiben, daß die gantze Wilhelmi-
34
sche lini selbige primo loco einzuhalten, daß aber Churbayern die Oberpfaltz gantz
35
behalten sölte, darin würde Schweeden nit einwilligen können. Man sölts theilen und
36
einen theil dem pfaltzgraven restituiren. Hirwieder hette er, d’Avaux, starck replicirt und
37
zu verstehen geben, daß es nit sein könte, dan hiedurch würde der Kaiser umb nachtrag
38
angefochten werden, welches dan newe difficulteten abgeben thet. Volmar replicabat: Er,
39
conte d’Avaux, wüste wol, daß dem Kaiser indemnitas sowol gegen Bayern alß gegen
40
Brandeburg capitulirt worden

50
Vgl. die Erklärung der ksl. Ges. betr. die frz. Satisfaktion vom [31. August 1646] ( ultima
51
generalis declaratio ); Druck: Meiern, APW III S. 712–718 ).
. Man versehe sich, die Frantzosen werden bey der parola
41
bleiben. D’Avaux: Der herr churfürst von Bayern sölte gleichwol ahn etwaß nit sehen,
42
daß zum weinigsten dem Pfaltzischen iüngern herren brudern etwaß underhalt geschafft
43
werden könte. Salvius hete eben diese motivam auch angezogen. Er hete newlich
44
deswegen mit Dr. Krebsen geredt, und obzwar derselb sich entschüldigt, daß er kein
45
bevelch, noch sein churfürstliche durchlauchtt sich darzu verstehen würden, so hete er,
46
d’Avaux, doch darauf geantwortet, der herr churfürst solte weenigst die cronen so weith
47
ehren und, waß die etwan billich erachten möegten, nit außchlagen. Responsum: Man
48
köndt endtlich etwan uf ein stück geldts handtlen, doch nit eben in solcher quantitet, daß

[p. 552] [scan. 628]


1
diese Pfaltzische gebrüdere große fürsten darbey sein möegen, sondern wie es bey dem
2
hauß herkommen und wol exempla vorhanden, daß einer nit uber 4000 oder 5000 gulden
3
iärlich zu verzehren hab. Waß die cron Schweeden anlange, dha versehe man sich, daß
4
selbe der Pfaltzischen sach halben eben so weinig alß Franckreich mit dem Kaiser lenger
5
im krieg stehen werde. Dan sölte sie den krieg lenger wöllen continuirn, so möegte sie gar
6
leicht all ir fortunam in gefahr setzen. D’Avaux wolte ursach dieser red wißen. Volmar
7
antwortet: Vorderist seie in obacht zu nemmen, daß der punctus gravaminum so viel alß
8
vergliechen und weenig obhanden, so nit alßpaldt auch richtig gemacht werden könt.
9
Consequenter könten die Schweeden kein groß facit auf der stendten assistentz machen;
10
für eins. Zum andern heten die Schweeden wol zu bedencken, daß mit irer satisfaction
11
alle dhabey interessirte zum höchten disgustirt. Churbrandeburg behielte viel lieber
12
Pommern, alß daß er sich mit Halberstatt und Magdeburg bezahlen laßen solle, dan
13
darzu könte er noch wol per liberam electionem kommen, und hette ienes noch bevor.
14
Meckelburg werde gantz in die sclavitet gesetzt und also zum höhisten offendirt, hertzog
15
Friedrich von Holstein seie mit gewalt auß denn stifftern Bremen und Verden vertrieben.
16
Die statt Bremen seie in mißtrawen und forcht gesetzt, die Hanseestätt insgemein werden
17
irer privilegien beraubt. Alle diese malcontenti werden bey lengerer continuation des
18
kriegs, weil sie daß interesse religionis nit mehr anzufechten, nur auf gelegenheit lauren
19
und, sopaldt sich die weenigste zutragen thet, cum universali odio außbrechen, und könte
20
dhaher leicht erfolgen, daß sie, Schweeden, baldt umb dieß, paldt umb ein anders
21
kommen und entlich gar zum Reich hinaußgetrieben würden. Also seie ihnen rebus sic
22
stantibus ein geschwinder friedt nötig, dhadurch sie sich wieder diese besorgnuß
23
versichern köndten, und nit durch den krieg. D’Avaux bekente, deme also zu sein.

24
Zum beschluß that er meldung, waßmaßen vom könig in Dennemarck schreiben
25
einkommen wehren, seinem sohn wieder zu seinen stifftern zu helffen. Weil aber res nit
26
mehr integra, wolt er doch dhafür halten, man solt etwan uf mitl bedacht sein, wie ime
27
contento zu machen. Responsum: Man wüste nit, waß diesorts Dennemarck zu praeten-
28
dirn. Die ermeldte beede stiffter wehren dem vorigen administratori ex mera gratia et
29
certis conditionibus geben worden

46
Nach dem Tod des Bremer Adm. s Johann Friedrich von Holstein-Gottorp (1579–1634; 1596
47
Adm. ) hatte der 1621 gewählte Koadjutor Friedrich (1609–1670) nicht sofort, sondern erst
48
nach einem Vertrag mit Schweden (1635 Februar 8/18; Druck: ST V.2 S. 291–298) die
49
Regierung antreten können ( Lorenz S. 14–29).
, dern er aber kheine gehalten. Hab sich von den
30
reichsanlagen eximirt, keine quartier vor Kaißerliche völcker gedülden wöllen, die stiffter
31
iure armorum verlohren. Verbinde dhaher kein ius gentium den Kaiser, dessentwegen mit
32
den Schweden zu kriegen und daß verlohren dem vorigen inhaber wieder einzuraumen,
33
viel weiniger ime dargegen waß anders zu geben.

34
2 Kaiserlich-kurbrandenburgischer Rezeß betreffend die kurbrandenburgische Entschädigung
35
(lat.), Osnabrück 1647 Februar 9/19. Kopie: RK FrA Fasz. 53a fol. 108–109’; RK FrA Fasz.
36
92 XI nr. 1621 fol. 395–396’; RK FrA Fasz. 96 V unfol.; Giessen 208 nr. 167 p. 868–874;
37
Giessen 209 nr. 45 p. 282–288 – Kopieauszug: KHA A 4 nr. 1628/44 unfol. – Druck:
38
Meiern, APW IV S. 328–329. Vgl. das Projekt Volmars (lat.), Osnabrück 1647 Februar 19.
39
Konzept: RK FrA Fasz. 92 XI nr. 1620 fol. 399–401.

40
3 Protokoll, [Osnabrück] 1647 Februar 25. Kopie: RK FrA Fasz. 53a fol. 99–104 = Druckvor-
41
lage
; RK FrA Fasz. 91 II fol. 415–420’; KHA A 4 nr. 1628/21 unfol.; Giessen 208 nr. 168
42
p. 875–886; Giessen 209 nr. 49 p. 315–327.

43
Sein des fürstlichen hauß Braunschweig Lüneburgh gesandten, Langerbeck, Lampadius
44
und Köhler, bey irer excellentz herrn obristhofmeister, praesente illustrissimo comite de
45
Lamberg, Volmar und Crane, erschienen und angezeigt, daß man sich noch gutermaaßen

[p. 553] [scan. 629]


1
würde zu erinnern wißen, waß sie, fürstlich Braunschweig Lüneburgische, sambt dem
2
ertzbischöflichen Magdeburgischen gesandten für weenig tagen in nahmen irer gnädigen
3
fürsten und herrn wegen dern ahn denen ertz- und stifftern Magdeburg und Halberstatt
4
habenden interesse fürgetragen und, dhamit selbe ertz- und stiffter dem herrn churfürsten
5
zu Brandeburg zu praeiuditz des fürstlichen haußs Braunschweig Lüneburg nit ubergela-
6
ßen werden möegten, erinnert hetten

39
Am 8. Februar 1647 (vgl. nr. 253 Beilage 2).
. Nuhn wehren sie in hofnung gestanden, es
7
würden sölche erhebliche und von denen Kaißerlichen herren abgesandten selbst für
8
billich erkente, dhamals zu gemüth geführte rationes und fundamenta bey dennselben
9
verfangen haben, derentwegen sie auch und in solcher zuversicht, daß ihnen mit einer
10
wilfährigen resolution begegnet werden sölte, bey irer seithero geführten negotiation
11
allen glimpff gebraucht und lieber iussionem secundam von iren gnädigen fürsten und
12
hern erwarten alß daßienig, waß sie schon dhomals bevehlicht gewest, volnziehen wöllen.
13
Hetten sich aber auch versehen gehabt, wan ie mit diesem werck einige veränderung
14
vorgenhommen werden sölte, man würde zum weinigsten vorhero mit inen darauß
15
communicirt haben. Nachdeme inen aber immitls ferner bericht zukommen und es fama
16
publica seie, daß dem herrn churfürsten zu Brandeburg obgemelte beede ertz- und stiffter
17
ungeachtet solcher irer, der fürstlich Braunschweigisch Lüneburgischen, dhawieder
18
angefüegten bedencken cedirt und uberlaßen worden, so könten sie bey so bewandten
19
sachen nit geübrigt sein, daßienig darbey zu beobachten, waß ihnen zu thuen anbefohlen
20
worden. Erachteten unnötig, des fürstlichen hauß Braunschweig Lüneburg bey denen in
21
Niedersachßen gelegenen ertz- und stifftern zustehendes recht und gerechtsamb außzu-
22
führen, seye an sich selbst offenkündig, und begehrten ir excellentz mit weitlauffichen
23
wiederholung, waß deswegen von ihnen iüngsthin angezogen worden, nit verdrüßig zu
24
fallen. Wölten auch den stifft Ratzenburg, bey welchem daß hauß Braunschweig
25
Lüneburg die coadiutoriam erlangt

40
Hg. Friedrich von Braunschweig und Lüneburg (1574–1648); 1606 Dompropst in Bremen,
41
1637 Koadjutor in Ratzeburg ( Pütter S. 194; Stammtafeln I Tafel 65).
, nit berühren, weiln noch unwißendt, ob der hertzog
26
von Mecklenburg gegen zurücklaßung seiner landtgütter selbigen stifft annhemmen
27
werde oder nit und solches letztern falß dem hauß Braunschweig Lüneburg sein ius
28
integrum et salvum pleibe. Wölten sich für diesmahl in terminis der beeden ertz- und
29
stiffter Magdeburg, Bremen und Halberstatt auffhalten: Bey Magdeburg seie ein coadiu-
30
tor auß dem fürstlichen hauß Braunschweig Lüneburg legitime erwehlt, imgleichen
31
auch schon für 3 iaren bey dem ertzstifft Bremen

42
Am 30. Dezember 1643/9. Januar 1644 war Hg. Georg Wilhelm von Braunschweig und
43
Lüneburg (1624–1705; 1648 F. in Kalenberg, 1665 F. in Lüneburg, 1689 Hg. von Sachsen-
44
Lauenburg) zum Koadjutor von Bremen gewählt worden ( Lorenz, Koadjutorwahl).
, und zwar ahn beeden örtern ex causa
32
beeder ertzbischoven vorgestandten heyrats

45
Der Heirat des Adm. s Friedrich von Bremen (1609–1670; 1648 Kg. von Dänemark) mit
46
Sophie Amalia von Braunschweig und Lüneburg (1628–1685), die am 1./11. Oktober 1643
47
vollzogen wurde, hatte das Bremer Domkapitel nur nach langem Zögern und schwierigen
48
Verhandlungen sowie unter dem Vorbehalt zugestimmt, einen Koadjutor mit Sukzessionsrecht
49
wählen zu können ( Lorenz, Koadjutorwahl). – Hg. August von Sachsen-Weißenfels
50
(1614–1680; 1628/1635 Adm. von Magdeburg) hatte am 20. November 1646 (st..?) Hg.in
51
Anna Maria von Mecklenburg (1627–1669) geheiratet ( Stammtafeln I Tafel 45; zur
52
Koadjutorwahl vgl. [nr. 218 Anm. 2] ).
. Beym stifft Halberstatt seien zween
33
hertzogen von Braunschweig Lüneburg thumbhern, und könte einem unter diesen die
34
succession mit entstehen, wan nur selbiger hochstifft in seinem freyen waalstandt gelaßen
35
würde. Solten nun obgemelte stiffter in solchen iren freyen waalstandt unverrückt
36
gelaßen, daß fürstliche hauß Braunschweig Lüneburg auch in seinem successionsrecht nit
37
beeintrechtigt werden, so begehre selbigs anderer landt und güeter nit. Solte aber
38
angeregter ertz- und stiffter status geendert und solches vornhemmen mit gewaldt wöllen

[p. 554] [scan. 630]


1
behaubtet werden, so wehren die hertzogen zu Braunschweig Lüneburg nit weiniger alß
2
Churbrandeburg befuegt, ein billichmeßigs aequivalens zu begehren, gestalt sie dan zu
3
solchm endt die stiffter Hildesheimb, Minden und Oßnabruck solchergestalt darzu theten
4
vorschlagen, daß die itzige possessorn und einhaber zwar bey selbigen stifftern gelaßen,
5
aber coadiutores auß dem fürstlichem hauß Braunschweig Lüneburg noch bey gegenwer-
6
tigem convent anzunhemmen schüldich und gehalten sein sölten. Würde aber darunder
7
kheine status-immutation bey denen stifftern einzuführen, sondern vielmehr dieses
8
gesucht, daß dieselbe in irem freyen waalstandt erhalten werden sölten. Ersuchten
9
demnegst ire excellentz und ubrige Kaißerliche herren abgesandten und plenipotentiarios,
10
daß entweder die beede ertz- und stiffter Magdeburg und Halberstadt in dem lang
11
hergebrachten freyen waalstandt, die hertzogen von Braunschweig Lüneburg auch bey
12
iren erlangten successionsrechten möegen gelaßen oder aber dhagegen zum aequivalente
13
obgemelten 3 stiffter, welche ahn iahrlichen intraden die beede ertz- und stiffter
14
Magdeburg und Halberstatt bey weithen nit erreichen, auf gewiße maaß eingeraumbt und
15
darbey crafft des generalfriedenschluß gehandthabt werden.

16
Den abgesandten ist auf genhomenen bedacht geantwortet worden, daß man sich noch
17
gutermaaß wiße zu erinnern, waß sie, gesandten, noch hiebevorn eben dieser stiffter
18
halber angebracht. Seie inen aber dhomals auch ire unbefuegnuß und warumb sich das
19
fürstliche hauß Braunschweig Lüneburg diesorts zu wiedersetzen keine ursach hab, für
20
augen gestelt worden. Darbey laße mans nochmals bewenden. Man gönne dem fürstli-
21
chen hauß Braunschweig Lüneburg sein aufnhemmen, praesupponiere aber auch, selbiges
22
werde des friedens sowol alß andere stendte vonnöthen haben. Weillen ohne zurückla-
23
ßung selbiger ertz- und stiffter Magdeburg und Halberstatt darzu nit zu gelangen, so
24
hette man gleichsamb auß getrungener noth, umb dem nothleidenden vatterlandt zu
25
helffen, in zurücklaßung bemelter ertz- und stiffter verwilligen müeßen, und seie es
26
dhamit nit mehr res integra. Man wölte sich gegen hochgemeltes fürstliches hauß so viel
27
desto weiniger versehen, daß selbigs sich hiebey opponiren und selbigs werck mit
28
allerhandt newen einströwungen schwehrer machen sölten, zumahl demselben ahn seinen
29
erblanden nichts entzogen würde. Wie es mit angegebener coadiutoreywaal zu Magde-
30
burg hergangen, laße man an sein ort gestelt sein. Erinnere sich gleichwol auß denen
31
geistlichen rechten, daß zu erhebung einer solchen coadiutoreywaal gewiße requisiten
32
vonnöthen; ob dieselbe nun alhie vorhanden, wölte man nit disputiren. Einmahl seie es
33
gewiß, daß solche waal in fraudem pacis und nachdeme man gewust, daß dergleichen
34
verenderung mit bemelten ertzstifft pro bono pacis obhanden gewest, vorgenhommen
35
worden. Bey dem stift Halberstatt laße man denen herren hertzogen von Braunschweig
36
Lüneburg ire canonicatus. Gebe aber keine nothwendige consequentz, daß sie gleich
37
darumb, daß sie aldha canonici sein, auch nothwendig bischove werden müsten. Hetten
38
unsers ermeßens nit mehr recht zu der succession, alß andere ire mitcapitulares und
39
thumbhern hetten. Gleichwie nun solchergestalt dern zu behaubtung ihrs angezogenen
40
interesse gelegtes fundament zerfalle, also wöllen auch die insinuirte praetensiones ratione
41
aequivalentis unfundirt sein, maßen man dan auch dieselbe also beschaffen befinde, daß
42
sie wieder die vernunfft, geist- und weltliche rechten, auch den religionfrieden und itzo
43
under handen schwebenden compositionshandtlung gelegten principiis directo lauffen
44
thuen. Wölten also die fürstliche Braunschweig Lüneburgische gesandten ersucht haben,
45
von dergleichen unbefuegnuß abzustehen, daß friedenswerck nit schwehrer zu machen,
46
sondern vielmehr dhahin ire consilia richten, zu helffen, dhamit daß Römische Reich zu
47
seiner beruhung gelangen und nit in gefahr des undergangs gestürtzet werden möege. Wir
48
wüsten sönst Kaiserliche majestätt gegen selbigs fürstliche hauß Braunschweig Lüneburg
49
also gesinnet, daß dieselbe nit underlassen würden, selbigs auf alle begebenheit mit
50
Kaißerlichen gnaden und hülde zu bedencken. Und für unsere weinigkeit seie man
51
dennselben im ubrigen zu dienen begierich.

52
Illi facta inter se communicatione replicant, daß sie auß unser antwort vernhommen, daß
53
man die fundamenta ires bey diesem werck versirenden interesse und consequenter auch

[p. 555] [scan. 631]


1
die darauf begründete praetensiones aequipollentium für ungültig praesupponire. Müsten
2
solches dhahin laßen gestelt sein, könten unß aber dhabey versichern, daß es der weeg
3
zum frieden nit sein würde. Seie es Churbrandeburg recht gewesen, gegen seine
4
hinderlaßene erblande (so derselb doch ex mera gratia Caesaris hab) andere erblande zu
5
suchen, so sey dem fürstlichen hauß Braunschweig Lüneburg auch nit unrecht, gegen
6
hinderlaßung eines waallandes auch hingegen ein ander waallandt zu suchen. Pitten also
7
die Kaißerliche herren abgesandten, die sach auf solchen schlag einzurichten, dhamit dem
8
hauß Braunschweig Lüneburg darin möege satisfaction wiederfahren und selbiges nit
9
allein seie, so mit schimpff und spott von diesem convent abgewiesen werde. Wiedrigen-
10
fals müsten sie iren gnädigen fürsten und hern alle zulangende remedia außtrücklich
11
bedingen und vorbehalten, die wehren dergestalt hiebey fundirt, daß es ihnen nullo iure
12
könte abgeschlagen werden. Addebat Langerbeck, daß er seinstheils lieber wünsche, nit
13
gebohren zu sein, alß die zeit erlebt zu haben, daß seinem gnedigen fürsten und hern ein
14
solcher schimpff und schmach sölte angethan werden.

15
Ir excellentz herr obristhofmeister: Man trage gegen daß fürstliche hauß Braunschweig
16
Lüneburg allen schüldigen respect, befinde daßelb aber hiebey solchergestalt nit interes-
17
sirt, daß sich zu beschwehren ursach hab. Es seie selbigen hertzogen beßer bekandt, in
18
waß für noth und gefahr daß Römische Reich begrieffen. Werden vielmehr, umb den
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lieben frieden zu erheben, mit beytragen alß denselben mit dergleichen oppositionen
20
noch schwehrer machen wöllen. Lampadius: Ohne obvermelte ex parte selbigs fürstlichen
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haußes gesuchten aequipollenti seie kein friedt zu verhoffen. Daß hauß Braunschweig
22
Lüneburg wölte sein aequipollens sowol alß Churbrandtburg haben, würde es auch nit
23
nachgeben, wehre schon deßwegen der Schweedischen assistentz versichert. Ir excellentz:
24
Ob man unß dan einen newen krieg zu machen gemeindt, so müße mans erwartten und
25
Gott die sach befehlen. Illi: Man begehre deswegen keinen krieg zu machen, es müße aber
26
daß hauß Braunschweig Lüneburg gegen zurücklaßung des seinigen wiedererstattung
27
haben. Selbigs hauß habe den krieg nit verursacht, so könten demselben auch die
28
kriegscösten zu tragen nit auferlegt werden. Man solte selbe cösten dieienige tragen laßen,
29
so zum krieg ursach geben. Pitten die Kaißerliche gesandten, den sachen noch waß mehr
30
nachzudencken, auf billigmeßige terminos zu richten und inen nit in unguten zu
31
vermercken, daß sie, alß gehorsambe diener, daßienige, waß sie anzudeüten befehlicht
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sein, erinnern müeßen. Ir excellentz: Sie wehren deswegen gar nit zu verdencken, theten
33
daran, waß trewen dienern zu thuen obligt. Hingegen aber würden auch die Kayserliche
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gesandten nit zu verdencken sein, daß sie ebenmeßig hiebey die notturfft und warauf sie
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sich instruirter zu sein befinden, anzeigen müeßen et cetera.

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