Acta Pacis Westphalicae II A 1 : Die kaiserlichen Korrespondenzen, Band 1: 1643 - 1644 / Elfriede Merla
311. Auersperg und Krane an Ferdinand III Osnabrück 1644 Juli 4
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Osnabrück 1644 Juli 4
Ausfertigung: KrA Fasz. 152 fol. 298–300’.
Verhalten bei Eintreffen der dänischen Gesandten.
Nachdem nunmehr taglichen zu hoffen, eß werde Ewer Kayserlichen Maye-
stätt erklärung von der königlichen würden zu Dennemarck einlangen, ob
unnd wan dieselbe ihre gesandtschafft alhero zu schicken gemeindt wehren,
alß haben wir ein notturfft zu sein erachtet, sonderlich aber auff dießen
letzten fall Ewer Kayserlichen Mayestätt die hierunten begriffene puncta zu
dero allergnädigsten nachdencken zu stellen unnd uns bey deroselben aller-
gehorsambsten außführlichen bescheidts zu erholen, wie wir unns in ein
unnd anderen zu verhalten hetten, und zwar
1. ob nitt rahtsamb, daß auff annäherung der Dännischen bottschafft wir
derselben etlich meill entgegenschicken, umb zu vernemben, weiln dieselbe
unbekandterweiß von hier abgezogen, ob sie dergestalt widerümb oder
offentlichen den einzug halten wölten, dhamit wir unns mit gebräuchiger
entgegenschickung unnßer carozen darnach zu richten wißen, in erwegung,
daß sie hierauff den unbekandten einzug vielleicht erwehlen dörfften, welcher
unnßers ermeßens zum wenigsten soviell verhüten würde, daß nicht auch
die Schweden ihre carozen entgegenschicken, dieselbe dardürch anfingen
zu begütigen und die gelegenheitt erlangen, darauff die gewöhnliche visiten
zu geben und zu empfangen unnd gleichsamb den eingang zu ihrer absei-
tigen immediathandlung machen könten.
2. Ob wir bei denen Dännischen den vortrag die generalfriedenßhandlung,
sonderlich aber, wie sölche vortzustellen, betreffendt thuen oder von den-
selben erwartten oder begehren sölten.
3. Dhaferne die Dännischen die hiebevor gehabte interposition völlich auß-
schlagen oder völlich wiederümb eingeraumbt oder auch nur zum theill,
soviell nemblich dieselbe, außgenohmen die Schweden, andere unaußge-
söhnte status betreffen mag, haben wölten, wie wir unns alßdann gegen
ihnen in der erclährung unnd dan auch
4. auff ein oder anderen fall zu verhalten hetten, dha die Schweden denen
Dännischen (so sie, die Dännischen, die interposition verlangten) einraum-
ben oder contradicieren oder sölche, unerwarttet der Dännischen erclehrung,
denenselben alsopaldt anfangs frey und guetwillig anerbieten würden, oder
auch, wan die Dännischen die interposition zwischen Ewer Kayserlichen
Majestätt unnd denen unaußgesöhnten statibus allein erhalten unnd die
Schweden selbige nicht, dhaferne sie sich auch nitt ihrer, der Schweden,
annehmen sölten, zulaßen wölten, alß welchen selbige status beypflichtig
oder verbunden seien.
5. So die Dännischen unnd die Schwedischen in dehme eins wehren, daß
dieße jenen die interposition nitt einraumbten, selbige auch sölche weder
völlig noch auch zum theill, wie erstgemelt, verlangten, sondern beyde,
daß die interposition einem anderen eingeraumbt werden sölte, geneigt
sein würden oder ein oder ander theill dhazu einen potentaten unnd dar-
unter die herschafft Venedig vorschlagen oder dieße sich selbsten darzu
erbieten wolten, waß wir alßdan auf ein oder anders zu thuen hetten, oder
wan
6. die Dähnen oder Schweden zugleich oder ein theill von beyden die
immediathandlung beliebten unnd jehne ihr interesse allein vor sich ohne
communication mitt den Kayßerlichen, wie weit sie dhamitt iedesmahl
kommen wehren, oder auch vermittelst eins Frantzösischen oder Hollen-
dischen ministri oder beyder unterm vorwandt, daß selbige die interposition
hiebevorn schon eingeraumbt unnd derselben ein anfang in Dennemarck
gemacht hetten, alhie vornehmen wolten, welchergestalt wir dieße abseitige
handlung unnd deßen schluß verhuiten unnd selbige pari passu gehendt
machen sölten, oder, dha bey den Dännischen einiges temperament hier-
innen nicht verfangen wolte, auff waß weiß unnßere tractaten, sonderlich
aber, ob sölche dürch persöhnliche visiten oder dürch die secretarien oder
per tertios, dern wenig oder gar keine alhier zu finden, so man ohne große
sorge unnd gefahr brauchen köndte, anzustellen sein würden.