<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?><div xmlns="http://www.tei-c.org/ns/1.0" xmlns:session="http://apache.org/cocoon/session/1.0" type="text" subtype="intro" ana="#section" xml:id="bsb00057634_00043_sec0009" corresp="#bsb00057634_00043">
	<pb facs="APWIIIA1-1_p0043" sameAs="#bsb00057634_00043" n="XLIII"/>
	<head>EINLEITUNG</head>
	<div type="part" subtype="part" ana="#section_01" xml:id="bsb00057634_00043_sec0010" corresp="#bsb00057634_00043">
	  <head>I. Protokolle als Geschichtsquelle</head>
	  <p style="font-style:italic;">Das neuzeitliche Schriftgut der Protokolle, genauer gesagt der „Verhandlungs-“ und „Sitzungsprotokolle“<note type="edd" subtype="commAnnot" place="foot" facs="APWIIIA1-1_p0043n1" xml:id="bsb00057634_00043_n01"><lb facs="-" xml:id="bsb00057634_00043_001"/><p>H. O. <hi style="font-style:smallCaps;">Meisner</hi>, <hi style="font-style:italic;">Archivalienkunde (1969) S. 194–197 und die Definitionen in der archivarischen Begriffssprache bei</hi> F. <hi style="font-style:smallCaps;">Wolff</hi> (APW <hi style="font-style:italic;">III A 4, 1 S. XXXII ff.),</hi> L. <hi style="font-style:smallCaps;">Gross</hi>, <hi style="font-style:italic;">Geschichte der deutschen Reichshofkanzlei S. 240ff.</hi></p></note>, hat bisher in der Urkunden- und Aktenlehre relativ wenig Beachtung gefunden und ist auch in den Quelleneditionen der historischen <w lemma="Wissenschaft"><orig>Wissen-</orig><orig>schaft</orig></w> nicht eben häufig berücksichtigt worden. Hinter diesem bekannten Sachverhalt steckt mehr als nur bloßer Zufall, er bezeichnet mehr als ein Desiderat der Forschung oder das isolierte Spezialproblem einer historischen Hilfswissenschaft. Es handelt sich vielmehr um eine Tatsache, die mit der Entwicklung der historischen Forschung und der diese begleitenden Aktenkunde und Diplomatik selbst zusammenhängt und die als solche historisch zu erklären ist. Bei der kurzen quellenkundlichen Einordnung und Herleitung der Kurfürstenratsprotokolle, die im Folgenden versucht wird, geht es deshalb nicht allein um die Beschreibung äußerlicher Phänomene, an der lediglich kleine Kreise der historischen Fachgelehrten ein esoterisches Interesse fänden.</p>
	  <p style="font-style:italic;">Die staatlichen und die meisten, in allgemeinerem Sinne politischen Schriftstücke, die wir als Quellen benutzen, sind Erzeugnisse von Amtspersonen oder Institutionen, die sie hervorbringen. Schon die formale Betrachtung dieser materialen Substrate des Geschehens, und zwar gerade die Untersuchung der historischen „Überreste“, nicht erst diejenige der „Tradition“<note type="edd" subtype="commAnnot" place="foot" facs="APWIIIA1-1_p0043n2" xml:id="bsb00057634_00043_n02"><lb facs="-" xml:id="bsb00057634_00043_002"/><p><hi style="font-style:italic;">Zur Unterscheidung</hi> A. V. <hi style="font-style:smallCaps;">Brandt</hi>, <hi style="font-style:italic;">Werkzeug des Historikers</hi> (<hi style="pos:sup;">7</hi>1973) <hi style="font-style:italic;">S. 51–64.</hi></p></note>, läßt Rückschlüsse auf Konstanz und Entwicklung der Institutionen zu, deren Geist und Technik sich in ihnen niedergeschlagen haben. Ministerielle Gegenzeichnung auf Urkunden, monarchische Sanktion von Protokollen eines Ministerrats, solche Formalitäten sind geeignet, verfassungsgeschichtliche Wandlungen, wie Ansätze zur Herausbildung des Konstitutionalismus oder Rückfälle in die absolutistische Regierungspraxis, augenfällig zu dokumentieren<note type="edd" subtype="commAnnot" place="foot" facs="APWIIIA1-1_p0043n3" xml:id="bsb00057634_00043_n03"><lb facs="-" xml:id="bsb00057634_00043_003"/><p style="font-style:italic;">So <hi style="font-style:normal;">H.</hi> <hi style="font-style:smallCaps;">Rumpler</hi> (Hrsg.) im Einleitungsband zu den Protokollen des österreichischen <w lemma="Ministerrates"><orig>Minister-</orig><orig>rates</orig></w> 1848–1867 S. 11, 93, 104f.: Die Untersuchung der Form, nicht nur des Inhalts der <w lemma="Protokolle"><orig>Pro-</orig><orig>tokolle</orig></w> erscheint gleichbedeutend mit der „Veranschaulichung und Erläuterung eines Macht- und Rechtsverhältnisses“.</p></note>. Aber auch das Kategoriensystem, das die Forschung zur Sichtung einzelner Quellen und <w lemma="Quellengruppen"><orig>Quellen-</orig><orig>gruppen</orig></w> bereitstellt, der Grad der Wertschätzung, den einzelne Forscher bestimmten Quellengattungen entgegenbringen, gewähren mittelbar Einblick in die <w lemma="Zeitgebundenheit"><orig>Zeitgebunden-</orig><orig>heit</orig></w> des wissenschaftlichen Selbstverständnisses, das letztlich wieder auf die Kräfte der Beharrung und der Wandlung in Staat und Gesellschaft zurückweist.</p>
	  <p style="font-style:italic;">Als der Mediävist <hi style="font-style:normal;">E.</hi> <hi style="font-style:smallCaps;">Winkelmann</hi> 1886 Heidelberger Universitätsakten edierte, berücksichtigte er auch die „aufzeichnungen über die einzelnen berathungen“, die „protokolle der universitätskongregation“, fand sie aber nur insoweit bemerkenswert, als sie „auszüge oder abschriften vieler sonst nicht mehr vorhandene(r) dokumente“ enthielten, die „eingereiht“ oder angehängt waren: „statuten, urkunden, aktenstücke <pb n="XLIV" facs="APWIIIA1-1_p0044" sameAs="#bsb00057634_00044"/>aller art und briefe“<note type="edd" subtype="commAnnot" place="foot" facs="APWIIIA1-1_p0044n1" xml:id="bsb00057634_00044_n01"><lb facs="-" xml:id="bsb00057634_00044_001"/><p>E. <hi style="font-style:smallCaps;">Winkelmann</hi> <hi style="font-style:italic;">(Hrsg.), Urkundenbuch der Universitaet Heidelberg I S. VII.</hi></p></note>. Dieses ungünstige Urteil bezog sich hier auf den Sonderfall der Universitätsprotokolle, es war aber für die Einschätzung der gesamten Quellengruppe der Protokolle gewissermaßen symptomatisch. Ihr Aussagewert wurde als relativ <w lemma="gering"><orig>ge-</orig><orig>ring</orig></w> erachtet, schienen sie doch minder aufschlußreiches Material als die anderen Aktenformen zu umfassen – in der Hauptsache Aufzeichnungen über Dinge, die die Zeitgenossen nicht direkt „aktenwürdig“ gefunden hatten<note type="edd" subtype="commAnnot" place="foot" facs="APWIIIA1-1_p0044n2" xml:id="bsb00057634_00044_n02"><lb facs="-" xml:id="bsb00057634_00044_002"/><p style="font-style:italic;"><hi style="font-style:normal;">M.</hi> <hi style="font-style:smallCaps;">Krebs</hi> (Hrsg.), Die Protokolle des Konstanzer Domkapitels, in: ZGOrh 100 S. 128.</p></note><hi style="font-style:normal;">;</hi> sie mochten als Ersatz oder zur Ergänzung der brieflichen Akten, die allein dokumentarischen Wert besäßen, herangezogen werden. Gemessen an dem Gesamt an Aktenarten und -überlieferungen maß man den Protokollen nur subsidiäre Funktion für die historische Erkenntnis zu. Wie kam es zu diesem abschätzigen Urteil?</p>
	  <p style="font-style:italic;">Man muß zunächst bedenken, daß für die Diplomatik die Akten gegenüber den Urkunden ein Schriftgut minderen Ranges darstellten; Urkunden waren die eigentlich maßgeblichen Quellen mit dem höchsten, konzentriertesten, am besten beglaubigten Gehalt an geschichtlicher Aussage<note type="edd" subtype="commAnnot" place="foot" facs="APWIIIA1-1_p0044n3" xml:id="bsb00057634_00044_n03"><lb facs="-" xml:id="bsb00057634_00044_003"/><p style="font-style:italic;"><hi style="font-style:normal;">H. O.</hi> <hi style="font-style:smallCaps;">Meisner</hi>, Aktenkunde (1935) S. 8f. setzt die Grenze zwischen Urkunden- und <w lemma="Aktenzeit"><orig>Akten-</orig><orig>zeit</orig></w> auf 1400. Etwa von dieser Zeit an (Regierungsantritt des Kg. Wenzel 1378) werden die Quellen der Reichsgeschichte auch in die Deutschen Reichstagsakten und nicht mehr in die <w lemma="Monumenta"><orig>Monu-</orig><orig>menta</orig></w> Germaniae Historica aufgenommen.</p></note>. Denn die ältere Urkunden- und Aktenlehre war in erster Linie auf das Mittelalter, und zwar besonders auf die Geschichte seiner Kaiser und Könige, ausgerichtet gewesen. Aus dieser wenig schreibfreudigen Zeit waren von der oberen Regierungsebene, die hauptsächlich interessierte, vor allem <w lemma="Urkunden"><orig>Ur-</orig><orig>kunden</orig></w> (Privilegien, Schenkungen, in Urkundenform beglaubigte Weistümer) <w lemma="überkommen"><orig>über-</orig><orig>kommen</orig></w>, die nur bedeutsamere Geschehnisse durch Schriftlichkeit erhellten. Erst im Spätmittelalter sind auf Reichsebene Protokolle anzutreffen, zunächst nur in der Vorform von knappen „Aufzeichnungen über den Haupthergang“, von „<w lemma="Kanzleinotizen"><orig>Kanzlei-</orig><orig>notizen</orig></w> oder von Notariatsinstrumenten“<note type="edd" subtype="commAnnot" place="foot" facs="APWIIIA1-1_p0044n4" xml:id="bsb00057634_00044_n04"><lb facs="-" xml:id="bsb00057634_00044_004"/><p style="font-style:italic;"><hi style="font-style:normal;">RTA ÄR</hi> 1 S. LVI (<hi style="font-style:smallCaps;">Weizsäcker</hi>), nr. 45 S. 71f. (Wahlinstrument), protokollähnlich auch nr. 184 S. 327f. (1381 XI 14), nr. 301 S. 546f. (1387 III 20), nr. 321–323 S. 584ff. (städtische Gutachten 1387).</p></note> (vor allem über Wahlen). Protokolle von Universitätsgremien, Klöstern, Domkapiteln, Stadträten und Konzilskongregationen existierten zwar schon in dieser Zeit, konnten aber als sozusagen informelle <w lemma="Zeugnisse"><orig>Zeug-</orig><orig>nisse</orig></w> ihrer Institutionen kein allgemeineres Interesse erwarten und galten infolgedessen als weniger editionswürdig. Bereits für die frühe Neuzeit schwoll nun das <w lemma="hinterlassene"><orig>hinter-</orig><orig>lassene</orig></w> Schriftgut gewaltig an; vor allem in den Stadtarchiven fand sich über die Verhandlungen des Reichs, seiner hohen Regenten und Stände, eine Fülle reichhaltigen Materials; das Urkundenzeitalter wurde vom Aktenzeitalter der Neuzeit abgelöst, statt der Zeugnisse über das abschließende Rechtsgeschäft, statt der Urkunden, <w lemma="dominierten"><orig>domi-</orig><orig>nierten</orig></w> nun die unjuridischen Bezeugungen der Hergänge, die zu den Rechtsgeschäften geführt hatten, die Akten<note type="edd" subtype="commAnnot" place="foot" facs="APWIIIA1-1_p0044n5" xml:id="bsb00057634_00044_n05"><lb facs="-" xml:id="bsb00057634_00044_005"/><p style="font-style:italic;">Im Unterschied zu den Urkunden zeigen die Akten das Bedürfnis, „über die Motive einer <w lemma="Verordnung"><orig>Ver-</orig><orig>ordnung</orig></w> klar zu sehen“, die dem „urkundlichen Abschluß einer Angelegenheit“ vorausgehen (<hi style="font-style:normal;">H. O.</hi> <hi style="font-style:smallCaps;">Meisner</hi>, Aktenkunde S. 8).</p></note>. Das Überlieferungsproblem stellte sich damit neu. Hatte man bisher versuchen müssen, durch exakte Kombination urkundenmäßig und <pb n="XLV" facs="APWIIIA1-1_p0045" sameAs="#bsb00057634_00045"/>chronikalisch belegter Aussagen politisches Geschehen im Mittelalter zu rekonstruieren und nicht-schriftliche Quellen ergänzend zu berücksichtigen, so galt es für die Neuzeit, aus der Masse des Stoffs das Wichtige und Wesentliche herauszuziehen und nur die entscheidenden Brennpunkte des Geschehens zu schildern. Die Konzentration auf Dokumente, die wesentlich zu sein schienen, war ursprünglich notwendig gewesen, weil die Überlieferung vieles im Dunkel gelassen hatte; sie wurde bei den <w lemma="Geschichtsschreibern"><orig>Geschichts-</orig><orig>schreibern</orig></w>, die in der Nachfolge <hi style="font-style:normal;">L. V.</hi> <hi style="font-style:smallCaps;">Rankes</hi> standen, zum Auswahlprinzip. Auf der Suche nach dem roten Faden, der die Akten zu bewältigen half, ergab sich die Neigung, aus der Fülle des Überlieferten nur das wirklich Bedeutsame <w lemma="herauszugreifen"><orig>herauszu-</orig><orig>greifen</orig></w><note type="edd" subtype="commAnnot" place="foot" facs="APWIIIA1-1_p0045n1" xml:id="bsb00057634_00045_n01"><lb facs="-" xml:id="bsb00057634_00045_001"/><p><hi style="font-style:italic;">Vgl. etwa die Dissertationen von</hi> K. <hi style="font-style:smallCaps;">Breuer</hi> <hi style="font-style:italic;">(starke Konzentration auf die Instruktionen),</hi> H. <hi style="font-style:smallCaps;">Brockhaus</hi>, E. <hi style="font-style:smallCaps;">Dürbeck</hi>.</p></note> und auf seine individuelle historische Aussage hin zu interpretieren.</p>
	  <p style="font-style:italic;">Dem Erfordernis solcher Interpretation kamen vor allem diejenigen Akten und Urkunden entgegen, die dem Geist ihres Urhebers die Ausformung, die Konzentration auf das Wesentliche verdankten und sozusagen in Selbstauslegung ohne viel zeitfremdes Hinzutun des Historikers von ihrer Situation und zugleich von ihrer Zeit Zeugnis ablegten. Vergleichsweise formlose Geschichtsquellen wie Verhandlungsprotokolle eigneten sich schwerlich für diese Methode, gehörten ihre Verfasser doch meist nicht zu den einflußreichen Persönlichkeiten ihrer Zeit und wiesen diese Akten selbst doch anscheinend keine Merkmale bewußter Durchbildung oder Spuren zeitgemäß-charakteristischer Formgebung auf. Die Vertiefung in unwesentliche Einzelheiten, die nicht wenigstens in Briefen oder Urkunden niedergelegt worden waren, drohte sogar von der eigentlichen Aufgabe abzulenken: Der Historiker mochte in der Gefahr stehen, sich in das Gestrüpp der vergangenen „Geschichten“ zu verlieren, statt zu zeigen, wie aus „Geschäften“ Geschichte wurde.<note type="edd" subtype="commAnnot" place="foot" facs="APWIIIA1-1_p0045n2" xml:id="bsb00057634_00045_n02"><lb facs="-" xml:id="bsb00057634_00045_002"/><p style="font-style:italic;">Vgl. <hi style="font-style:normal;">J. G.</hi> <hi style="font-style:smallCaps;">Droysen</hi>, Grundriß der Historik, in: <hi style="font-style:smallCaps;">ders.</hi>, Historik (<hi style="pos:sup;"><hi style="font-style:italic;">2</hi></hi>1943) S. 322: „Das, was heute Politik ist, gehört morgen der Geschichte an; was heut ein Geschäft ist, gilt, wenn es wichtig genug war, nach einem Menschenalter für ein Stück Geschichte. Wie wird aus den <w lemma="Geschäften"><orig>Ge-</orig><orig>schäften</orig></w> Geschichte?“</p></note> Die referierende <w lemma="Geschichtsschreibung"><orig>Geschichts-</orig><orig>schreibung</orig></w>, die wichtige Ereignisse in den Mittelpunkt stellte, nötigte ebenso wie die genetische Betrachtungsweise mit ihrer Schilderung der großen Zusammenhänge dazu, die sachlichen Auswahlkriterien für die Quellen durch formale Gesichtspunkte zu ergänzen<note type="edd" subtype="commAnnot" place="foot" facs="APWIIIA1-1_p0045n3" xml:id="bsb00057634_00045_n03"><lb facs="-" xml:id="bsb00057634_00045_003"/><p style="font-style:italic;">Vgl. dazu <hi style="font-style:normal;">E.</hi> <hi style="font-style:smallCaps;">Bernheim</hi>, Lehrbuch der Historischen Methode I S. 22–41; S. 87ff. wird das Verhältnis der Geschichtswissenschaft zu den Nachbardisziplinen zuerst am Beispiel der <w lemma="Philologie"><orig>Philo-</orig><orig>logie</orig></w> erörtert. – Die folgenden Ausführungen verkennen natürlich nicht, daß die Forderung nach Heranziehung aller Quellen, nach Exaktheit im einzelnen, aus dem erst der allgemeine Gang der Geschichte abgeleitet werden dürfe, gerade vom Historismus aufgestellt worden ist.</p></note>. Das „Wesentliche“ einer „große(n) sittliche(n) Gestaltung“ wie des Staates war nur zu begreifen über die Aussonderung des Zufälligen; erst durch die Ausscheidung des „bloß Ephemere(n)“ kam bei Durchschreitung der „<w lemma="geschichtlichen"><orig>geschicht-</orig><orig>lichen</orig></w> Sphären“ die „Erkenntnis der endlich in der Gegenwart erreichten, relativ höchsten Entwicklung“ zustande, „welche uns das Durchlebte subsummieren und verstehen ließ“<note type="edd" subtype="commAnnot" place="foot" facs="APWIIIA1-1_p0045n4" xml:id="bsb00057634_00045_n04"><lb facs="-" xml:id="bsb00057634_00045_004"/><p>J. G. <hi style="font-style:smallCaps;">Droysen</hi>, <hi style="font-style:italic;">Texte zur Geschichtstheorie (1972) S. 15, 13f.; vgl.</hi> <hi style="font-style:smallCaps;">ders.</hi>, <hi style="font-style:italic;">Enzyklopädie und Methodologie der Geschichte, in:</hi> <hi style="font-style:smallCaps;">ders.</hi>, <hi style="font-style:italic;">Historik (1943) S. 28f.</hi></p></note>. War für den Historiker nur das „generelle Ich“ der „<w lemma="Persönlichkeit"><orig>Persönlich-</orig><orig>keit</orig></w>“, ihre Teilhabe an der – in einer „fortschreitenden Bewegung“ begriffenen – „sittlichen Welt“, von Bedeutung, so konnte dies nicht ohne Einfluß auf die <w lemma="quellenmäßige"><orig>quellen-</orig><orig>mäßige</orig></w> Behandlung der Hinterlassenschaften solcher Persönlichkeiten bleiben. <w lemma="Insoweit"><orig>Inso-</orig><orig>weit</orig></w> es dem „generellen Ich“ zugeordnet werden konnte, fand auch das zufällige „empirische Ich“ die Beachtung des Historikers; aus anonymen Geschichtsquellen wie Protokollen oder statistischen Aufzeichnungen war ein „empirisches Ich“ nur unter Schwierigkeiten oder gar nicht zu ermitteln. Mochten diese Quellen nicht erst in zweiter Linie Objekte sein für den „menschlichen Geist“, der in der Begegnung mit den sittlichen Mächten der Vergangenheit sich selbst auf einer niedrigeren Stufe und damit zugleich als fortschreitend erkannte? Selbst wenn es ohne nationale oder universalgeschichtliche Konjekturen nur das vergangene Leben zu erfassen galt, das aus den „toten Papieren“ aufstieg<note type="edd" subtype="commAnnot" place="foot" facs="APWIIIA1-1_p0046n1" xml:id="bsb00057634_00046_n01"><lb facs="-" xml:id="bsb00057634_00046_001"/><p><hi style="font-style:italic;">Zit. nach</hi> <hi style="font-style:smallCaps;">Repgen</hi>, <hi style="font-style:italic;">Kurie I, 2 S. VI.</hi></p></note>: die Vergangenheit sprach nicht aus allen Papieren gleich unüberhörbar. Die Auswahl der sprechenden Akten aus der Fülle des toten Stoffs mochte einen großen Rest um so sicherer dem Vergessen überliefern.</p>
	  <p style="font-style:italic;">Wie waren nun die Wertungskategorien inhaltlich bestimmt, die es ermöglichten, den historischen Prozeß auf seine „wesentlichen“ Entwicklungen hin vorzustrukturieren oder zu überprüfen und gleichzeitig eine entsprechende Vor-Auswahl unter historischen Quellengattungen zu treffen? Das nationale Geschichtsverständnis, an das hier <w lemma="zunächst"><orig>zu-</orig><orig>nächst</orig></w> zu denken ist, hat sich im 19. Jahrhundert auf die Edition neuzeitlicher Protokolle keineswegs nur ungünstig ausgewirkt. Von 1889 bis 1917 gab <hi style="font-style:smallCaps;">Otto</hi> <hi style="font-style:smallCaps;">Meinardus</hi> sechs Bände „Protokolle und Relationen des Brandenburgischen Geheimen Rates aus der Zeit des Kurfürsten Friedrich Wilhelm“ heraus<note type="edd" subtype="commAnnot" place="foot" facs="APWIIIA1-1_p0046n2" xml:id="bsb00057634_00046_n02"><lb facs="-" xml:id="bsb00057634_00046_002"/><p style="font-style:italic;">Publicationen aus den K. Preußischen Staatsarchiven 41, 54, 55, 60, 80, 89, Bd. 1–6.</p></note>; bereits elf Jahre früher hatte man in Schweden mit der Edition der schwedischen <w lemma="Reichsratsprotokolle"><orig>Reichsrats-</orig><orig>protokolle</orig></w> (von 1621 bis 1650) begonnen<note type="edd" subtype="commAnnot" place="foot" facs="APWIIIA1-1_p0046n3" xml:id="bsb00057634_00046_n03"><lb facs="-" xml:id="bsb00057634_00046_003"/><p style="font-style:italic;">1878–1916, besprochen von <hi style="font-style:smallCaps;">Meinardus</hi>, Protokolle VI (Die „Protokolle“ als <w lemma="Geschichtsquelle"><orig>Geschichts-</orig><orig>quelle</orig></w>) S. XII.</p></note>. Die Aufarbeitung anonymer <w lemma="Quellengruppen"><orig>Quellen-</orig><orig>gruppen</orig></w> der eigenen Nationalgeschichte konnte indes nur dort zureichend begründet werden, wo ein Territorium nicht untergegangen war, d. h. in Deutschland die Säkularisation überstanden und ein nationales Selbstbewußtsein entwickelt hatte: Der national verstandenen historischen Individualität schienen auch die abgelegeneren Zeugnisse ihres Wachsens und Werdens bedeutungsvoll. Die Vorstellung einer geschichtlichen Einheit Preußen-Deutschlands, in der die historische Existenz und der politisch wirtschaftliche Aufstieg des preußischen Staats mit tragenden Zeitideen verschmolzen, erwies sich als fruchtbare Arbeitshypothese; doch der <w lemma="geschichtsphilosophische"><orig>geschichtsphilo-</orig><orig>sophische</orig></w> Entwicklungsgedanke, der, fasziniert von der Höhe gegenwärtiger <w lemma="Staatsbildung"><orig>Staats-</orig><orig>bildung</orig></w>, nur nach bestimmten Vergangenheiten fragte, wirkte auch verdrängend: das Wissen um die Vielzahl untergegangener oder gleichsam subkutan weiterlebender Institutionen und ihrer Zeugnisse wurde zu einer historischen Kenntnis zweiten Grades.</p>
	  <p style="font-style:italic;">Auch verfassungspolitische Auffassungsweisen wirkten auf diese negative <w lemma="Klassifizierung"><orig>Klassifizie-</orig><orig>rung</orig></w> des Protokoll-Schriftguts ein. Als <hi style="font-style:smallCaps;">L. v.</hi> <hi style="font-style:smallCaps;">Ranke</hi> die diplomatischen Berichte <pb facs="APWIIIA1-1_p0047" sameAs="#bsb00057634_00047" n="XLVII"/>der Venezianer entdeckte und als erster auswertete, fand er nicht nur in ihrer „humanistischen und künstlerischen Stilisierung“<note type="edd" subtype="commAnnot" place="foot" facs="APWIIIA1-1_p0047n1" xml:id="bsb00057634_00047_n01"><lb facs="-" xml:id="bsb00057634_00047_001"/><p>F. <hi style="font-style:smallCaps;">Schnabel</hi>, <hi style="font-style:italic;">Deutschlands geschichtliche Quellen I S. 134.</hi></p></note> eine besonders aussagekräftige Eigentümlichkeit. <hi style="font-style:smallCaps;">Ranke</hi> empfand „den besonderen Geist“ der Venezianischen Relationen „als einen seiner eigenen Zeitstimmung verwandten“<note type="edd" subtype="commAnnot" place="foot" facs="APWIIIA1-1_p0047n2" xml:id="bsb00057634_00047_n02"><lb facs="-" xml:id="bsb00057634_00047_002"/><p>F. <hi style="font-style:smallCaps;">Schnabel</hi> <hi style="font-style:italic;">S. 131.</hi></p></note>; der konservative Historiker trug damit bestimmte inhaltliche Erwartungen seiner eigenen politischen Perspektive an die Geschichtsquellen seiner Wahl heran: „Diese Venezianer <w lemma="betrachten"><orig>betrach-</orig><orig>ten</orig></w> den Staat grundsätzlich <hi style="font-width:spaced;">von oben</hi>, vom Standpunkte der Regierenden aus, und als treibende Kräfte der Geschichte erkennen sie die Staatsmänner, die wissen, was an der Zeit ist“<note type="edd" subtype="commAnnot" place="foot" facs="APWIIIA1-1_p0047n3" xml:id="bsb00057634_00047_n03"><lb facs="-" xml:id="bsb00057634_00047_003"/><p><hi style="font-style:italic;">Zit. nach</hi> F. <hi style="font-style:smallCaps;">Schnabel</hi> <hi style="font-style:italic;">S. 132, vgl.</hi> <hi style="font-style:smallCaps;">Srbik</hi> <hi style="font-style:italic;">I S. 254, 265, 252, 258.</hi></p></note>. Für <hi style="font-style:smallCaps;">Ranke</hi>, der in dem Gegensatz zwischen Volkssouveränität und monarchischem Prinzip auch ein historisches Ringen sah, konnte danach nicht zweifelhaft sein, welchem Prinzip er die Sichtweise der Relationen zuordnete.</p>
	  <p style="font-style:italic;">Ohne Berufung auf <hi style="font-style:smallCaps;">Ranke</hi>, aber auch nicht unabhängig von zeitgeschichtlicher Selbsteinschätzung, führte dann die moderne deutsche Archivalienkunde das gesamte neuzeitliche und mittelalterliche Aktengut auf die verfassungspolitische <w lemma="Grundanschauung"><orig>Grund-</orig><orig>anschauung</orig></w> derjenigen Jahrhunderte zurück, in denen dieses historische Material entstanden war. <hi style="font-style:normal;">H. O.</hi> <hi style="font-style:smallCaps;">Meisner</hi> betrachtet „die Aktenkunde vor 1918“ in analytischer und genetischer Hinsicht „als ein <hi style="font-width:spaced;">kontinuierliches Ganzes</hi> wie die gleichzeitige monarchische <hi style="font-width:spaced;">Staatsform</hi>“<note type="edd" subtype="commAnnot" place="foot" facs="APWIIIA1-1_p0047n4" xml:id="bsb00057634_00047_n04"><lb facs="-" xml:id="bsb00057634_00047_004"/><p>H. O. <hi style="font-style:smallCaps;">Meisner</hi>, <hi style="font-style:italic;">Archivalienkunde S. 125, 123f.</hi></p></note>: Bei der Einteilung und Benutzung der Akten sei stets davon auszugehen, daß es sich um die Erzeugnisse „monarchischer Jahrhunderte“ handele. Dieser Auffassung ist zuzustimmen, soweit man die <w lemma="Paradigmata"><orig>Para-</orig><orig>digmata</orig></w> vor Augen hat, an denen die neuzeitliche deutsche Urkunden- und <w lemma="Aktenlehre"><orig>Akten-</orig><orig>lehre</orig></w> entwickelt wurde: Die preußische Schule gewann ihre Begriffe hauptsächlich am Behördenschriftgut des preußischen Absolutismus. Das untersuchte Schriftgut war aber zeitlich und sachlich begrenzt, ein aktenkundliches Kategoriensystem, das <w lemma="allgemeine"><orig>all-</orig><orig>gemeine</orig></w> Geltung und übernationale Anwendungsmöglichkeiten beanspruchen könnte, war bei den Besonderheiten der speziellen Forschungsobjekte nicht erreichbar. Die Begriffsbildung der preußischen aktenkundlichen Systematik machte zwar eine <w lemma="Grundstruktur"><orig>Grund-</orig><orig>struktur</orig></w> allgemein menschlichen Verhaltens sichtbar, die an dem behandelten Material besonders deutlich zutage trat, aber gerade wegen ihrer anthropologischen <w lemma="Allgemeingültigkeit"><orig>Allgemein-</orig><orig>gültigkeit</orig></w> nicht nur diesen bestimmten Jahrhunderten der Menschheitsgeschichte <w lemma="zugerechnet"><orig>zu-</orig><orig>gerechnet</orig></w> werden darf.</p>
	  <p style="font-style:italic;">Die Hauptkriterien zur Kennzeichnung verschiedener Aktenarten entnahm man der Rangordnung, die zwischen Absender und Adressat der „Schreiben“ herrschte: Das Briefgut wurde in „Weisungen“ (Reskripte, Dekrete, Mandate) einer <w lemma="höhergeordneten"><orig>höhergeord-</orig><orig>neten</orig></w> an eine untergeordnete Stelle und in „Berichte“ (Relationen) der unteren an die obere Instanz und damit in Schriftstücke der Über- und Unterordnung eingeteilt. Diese grundlegende Zweiteilung brachte das hierarchische Verfassungsprinzip <w lemma="persönlicher"><orig>per-</orig><orig>sönlicher</orig></w> Unterstellung zum Ausdruck, das im Absolutismus für die <w lemma="aktenproduzierende"><orig>aktenprodu-</orig><orig>zierende</orig></w> Behördenorganisation und Territorialverwaltung bestimmend geworden war.</p>
	  <p style="font-style:italic;"><pb facs="APWIIIA1-1_p0048" sameAs="#bsb00057634_00048" n="XLVIII"/>Die dritte große Aktengruppe, die Schriftstücke der Gleichordnung umfaßte, <w lemma="spiegelte"><orig>spie-</orig><orig>gelte</orig></w> die direkten Standesbeziehungen der untereinander gleichberechtigten Mitglieder der europäischen Fürstenfamilie wider. Einen Archetyp dieser Gruppe bildete die (Privat-)Korrespondenz der Monarchen und hohen Potentaten, die untereinander auf gleichem Fuße verkehrten; auch der Schriftverkehr einander gleichgestellter Behörden oder Instanzen ließ sich dieser Gruppe zurechnen.</p>
	  <p style="font-style:italic;">Aus diesen drei Kategorien fällt das Schriftgut der Protokolle heraus, weil es durch die Absenz eines Adressaten und des „Rangmerkmals“ charakterisiert, d. h. „neutral“<note type="edd" subtype="commAnnot" place="foot" facs="APWIIIA1-1_p0048n1" xml:id="bsb00057634_00048_n01"><lb facs="-" xml:id="bsb00057634_00048_001"/><p>H. O. <hi style="font-style:smallCaps;">Meisner</hi>, <hi style="font-style:italic;">Archivalienkunde S. 194, 199f.</hi></p></note> ist. Es wurde deshalb mit anderen Akten, die ebenfalls nicht brieflich waren, aber darüber hinaus nach Entstehung und Zweckbestimmung keine positiven gemeinsamen Merkmale mit Protokollen aufwiesen, dem sogenannten „internen Schreibwerk“<note type="edd" subtype="commAnnot" place="foot" facs="APWIIIA1-1_p0048n2" xml:id="bsb00057634_00048_n02"><lb facs="-" xml:id="bsb00057634_00048_002"/><p><hi style="font-style:smallCaps;">Ebd.</hi> <hi style="font-style:italic;">S. 27.</hi></p></note> zugerechnet. Wie Grund-, Rechnungs- und Amtsbücher, Einlauf-, Auslaufjournale und Kopialbücher von expedierten Schreiben blieben nämlich auch die Protokolle „intern“, d. h. sie verließen nicht die sie verfertigende Behörde<hi style="font-style:normal;">/</hi>Kanzlei und „die Registratur des Ausstellers“<note type="edd" subtype="commAnnot" place="foot" facs="APWIIIA1-1_p0048n3" xml:id="bsb00057634_00048_n03"><lb facs="-" xml:id="bsb00057634_00048_003"/><p><hi style="font-style:smallCaps;">Ebd.</hi>; <hi style="font-style:italic;">vgl.</hi> <hi style="font-style:smallCaps;">ders.</hi>, <hi style="font-style:italic;">Aktenkunde S. 54ff., 163.</hi></p></note>. Diese Bestimmung kann nicht darüber hinwegtäuschen, daß die Protokolle mit den Geschäftsakten über das Innenleben einer Behörde, den Registranden und Ordnungsbehelfen, denen sie damit zugewiesen wurden, im Grunde nur den situs loci gemeinsam hatten. Diese eher notdürftige Kennzeichnung im Rahmen der selbst wieder historisch bedingten aktenkundlichen Systematik kann die eigenständige Definition der Aktenform Protokolle nicht ersetzen. Bereits dem frühneuzeitlichen Sprachgebrauch entsprechend mag sie lauten: „möglichst <w lemma="gewissenhafte"><orig>gewissen-</orig><orig>hafte</orig></w> und zutreffende Wiedergabe der in“ einer „Sitzung oder Besprechung <w lemma="vorgefallenen"><orig>vorge-</orig><orig>fallenen</orig></w> Aussprachen und Vorgänge“<note type="edd" subtype="commAnnot" place="foot" facs="APWIIIA1-1_p0048n4" xml:id="bsb00057634_00048_n04"><lb facs="-" xml:id="bsb00057634_00048_004"/><p><hi style="font-style:smallCaps;">Meinardus</hi>, <hi style="font-style:italic;">Protokolle VI S. XI. Vgl.</hi> <hi style="font-style:smallCaps;">Gross</hi> <hi style="font-style:italic;">S. 241f. und die umfassendere Definition von</hi> F. <hi style="font-style:smallCaps;">Küch</hi> <hi style="font-style:italic;">(zit.</hi> APW <hi style="font-style:italic;"><ref type="page" subtype="extern" facs="#APWIIIA4-1_p0033" target="#bsb00057094_00033">III A 4, 1 S. XXXIII</ref>).</hi></p></note>.</p>
	  <p style="font-style:italic;"><hi style="font-style:normal;">O.</hi> <hi style="font-style:smallCaps;">Meinardus</hi>, dem wir diese Definition verdanken, hat sich seinem Stoff vom behördengeschichtlichen Aspekt her zugewendet. In den Sitzungen des Geheimen Rats, die teils unter Einschluß des Großen Kurfürsten stattfanden, sah er Besprechungen des „Landesfürsten“ mit den ihm verantwortlichen „Beamten“<note type="edd" subtype="commAnnot" place="foot" facs="APWIIIA1-1_p0048n5" xml:id="bsb00057634_00048_n05"><lb facs="-" xml:id="bsb00057634_00048_005"/><p><hi style="font-style:smallCaps;">Meinardus</hi>, <hi style="font-style:italic;">Protokolle VI S. XI f.</hi></p></note>; die Niederschriften davon wertete er als Behördenprotokolle. Auch die Entstehung und Führung der schwedischen Reichsratsprotokolle erklärte er u. a. damit, daß dem Landesherrn über die Regierungsgeschäfte, die während der Dauer seiner Abwesenheit aus dem Reich getätigt worden waren, Rechenschaft gelegt werden mußte. <hi style="font-style:smallCaps;">Meinardus</hi> behandelt die Protokolle des brandenburgischen Geheimen Rats sowie des schwedischen <w lemma="Reichsrats"><orig>Reichs-</orig><orig>rats</orig></w> also gewissermaßen als adressiertes Schriftgut, dessen innerer Ausrichtung auf die monarchische Landes- und Reichsführung die wichtigsten Aufschlüsse zu <w lemma="entnehmen"><orig>ent-</orig><orig>nehmen</orig></w> seien.</p>
	  <p style="font-style:italic;">Sicherlich haben Protokolle auch eine Funktion im Rahmen eines allgemeinen <w lemma="Schriftverkehrs"><orig>Schrift-</orig><orig>verkehrs</orig></w>, der inner- wie auch zwischenstaatliche Unterstellungsverhältnisse <w lemma="voraussetzt"><orig>voraus-</orig><orig>setzt</orig></w> und sich entsprechend gliedern läßt. Die Sanktion durch den Monarchen als <pb n="XLIX" facs="APWIIIA1-1_p0049" sameAs="#bsb00057634_00049"/>das oberste Staatsorgan kann geradezu zum Sichtungs- und Auswahlkriterium einer Protokoll-Edition erhoben werden, falls eine Körperschaft, die Protokolle <w lemma="hervorbringt"><orig>hervor-</orig><orig>bringt</orig></w>, keine oder eine nur sehr beschränkte verfassungsrechtliche Stellung innehat und – etwa innerhalb eines neo-absolutistischen Staatsgefüges – eine Abhängigkeit aufweist, ohne die ihre Tätigkeit nicht zu verstehen wäre<note type="edd" subtype="commAnnot" place="foot" facs="APWIIIA1-1_p0049n1" xml:id="bsb00057634_00049_n01"><lb facs="-" xml:id="bsb00057634_00049_001"/><p>H. <hi style="font-style:smallCaps;">Rumpler</hi> <hi style="font-style:italic;">S. 92f.</hi></p></note>: Hier wird das Protokoll nur durch die Gegenzeichnung oder Genehmigung einer höheren Instanz wirksam. Auch gelangt das Protokoll eines beschlußfassenden Gremiums generell dadurch zum Effekt, daß es in ein „Verkehrsschriftstück“ umgewandelt wird und in Form eines „Protokollextraktes“, eines wichtigen Auszugs, oder in Gestalt eines „<w lemma="Resolutionsprotokolls"><orig>Resolutions-</orig><orig>protokolls</orig></w>“, d. h. einer Zusammenfassung des erreichten Beschlusses, zur Grundlage einer Anordnung gemacht wird, die der Leiter der Behörde expediert<note type="edd" subtype="commAnnot" place="foot" facs="APWIIIA1-1_p0049n2" xml:id="bsb00057634_00049_n02"><lb facs="-" xml:id="bsb00057634_00049_002"/><p>H. O. <hi style="font-style:smallCaps;">Meisner</hi>, <hi style="font-style:italic;">Archivalienkunde S. 264f., 281.</hi></p></note>. So wurden von den Reichstagsprotokollen des 17. Jahrhunderts, um die es hier geht, vor allem die Conclusen für den Geschäftsgang der Reichsversammlungen bedeutsam: Sie wurden mündlich oder schriftlich dem Kaiser oder seinen Vertretern übermittelt und machten zusammen mit der Stellungnahme des Reichsoberhaupts den Grundgehalt der <w lemma="Reichsabschiede"><orig>Reichs-</orig><orig>abschiede</orig></w> aus.</p>
	  <p style="font-style:italic;">Ist aber die unverwechselbare Eigenart einer Gattung historischer Quellen letztlich aus deren externen Bezügen abzuleiten, aus. der Art und Weise, wie ein <w lemma="übergeordnetes"><orig>übergeord-</orig><orig>netes</orig></w> Herrschaftsorgan sie verwertet? Das Prinzip der Über- und Unterordnung, das zur Einteilung der brieflichen Akten verwendet worden ist, repräsentiert den Geist der vergangenen Jahrhunderte nur partiell. Mit Hilfe dieses Prinzips können zwar Protokolle klassifiziert werden, die bei hierarchisch eingebundenen Behörden anfielen; die spezifischen Eigentümlichkeiten der Behördenprotokolle, z. B. <w lemma="Sichtvermerk"><orig>Sichtver-</orig><orig>merk</orig></w> durch den Monarchen, sagen jedoch zu wenig über die Form der gesamten Quellengruppe aus. Das Erscheinungsbild der Behördenprotokolle ist historisch von absolutistischen oder neo-absolutistischen Zeittendenzen mitgeprägt worden; aber die Protokolle frühneuzeitlicher Ständegremien sind in ihrer Eigenart nur unvollkommen erfaßt, wenn sie retrospektiv an der Zweckbestimmung von Protokollen aus <w lemma="absolutistischer"><orig>absolu-</orig><orig>tistischer</orig></w> Zeit gemessen werden. Die strukturelle Abhängigkeit des Phänotyps Behördenprotokolle von dem stets hierarchischen Aufbau eines Regierungs- oder <w lemma="Verwaltungsapparates"><orig>Ver-</orig><orig>waltungsapparates</orig></w> ist zwar als solche ein generalisierbares Element, sie trifft aber nur auf einen kleinen Ausschnitt der historischen Protokolle zu. Die Vorherrschaft des monarchischen Verfassungsprinzips in Deutschland bis 1918 darf nicht den Blick dafür verstellen, daß unter und neben den Monarchien kollegial organisierte Regierungen und Körperschaften mit regierungsähnlichen Befugnissen in großer Zahl bestanden haben: Ihre Beschlüsse, in Protokollform niedergelegt, konnten sozusagen an die Stelle landesfürstlicher Einzelentscheidungen treten: ein Musterbeispiel dafür ist die Konferenz der niederländischen Generalstaaten<note type="edd" subtype="commAnnot" place="foot" facs="APWIIIA1-1_p0049n3" xml:id="bsb00057634_00049_n03"><lb facs="-" xml:id="bsb00057634_00049_003"/><p style="font-style:italic;">Nicht zufällig haben die Niederländer früh eine genaue aktenkundliche Terminologie für das Potokollschriftgut entwickelt, vgl. darüber <hi style="font-style:normal;">F.</hi> <hi style="font-style:smallCaps;">Wolff</hi> in <hi style="font-style:normal;">APW</hi> <ref type="line" subtype="extern" facs="#APWIIIA4-1_p0039n9" target="#bsb00057094_00039_009">III A 4, 1 S. XXXIX Anm 9</ref>.</p></note>. Die Resolutionen dieser <pb n="L" facs="APWIIIA1-1_p0050" sameAs="#bsb00057634_00050"/>Staaten-Konferenz, die an die einzelnen Provinzen abgesandt wurden, ähnelten in ihrer Funktion den Reskripten und Mandaten der Landesherrn an einzelne <w lemma="Landesteile"><orig>Landes-</orig><orig>teile</orig></w> und an die Landstände. Läge aber das für die Definition der niederländischen „Resolutionen“ ausschlaggebende Element in deren Versendungsform, so wären sie von den landesfürstlichen Reskripten allenfalls dadurch zu unterscheiden, daß man sie im Gegensatz zu den fürstlichen Einzelschreiben als „Kollektivschreiben“<note type="edd" subtype="commAnnot" place="foot" facs="APWIIIA1-1_p0050n1" xml:id="bsb00057634_00050_n01"><lb facs="-" xml:id="bsb00057634_00050_001"/><p style="font-style:italic;">Z. B. Ausschreiben; vgl. <hi style="font-style:normal;">F.</hi> <hi style="font-style:smallCaps;">Küch</hi> (Hrsg.), Politisches Archiv des Landgrafen Philipp, I S. XXX.</p></note> <w lemma="bezeichnen"><orig>be-</orig><orig>zeichnen</orig></w> könnte, die an mehrere Adressaten verschickt und von mehreren <w lemma="gleichberechtigten"><orig>gleichbe-</orig><orig>rechtigten</orig></w> Absendern unterfertigt wurden. Selbst in dem angeführten Fall, daß <w lemma="Protokolle"><orig>Pro-</orig><orig>tokolle</orig></w> oder deren Zusammenfassung in Schreiben umgewandelt wurden, ergäbe sich aus dem Außenverhältnis ihres Wirksamwerdens, ihrer <hi style="font-style:normal;">effectuirung,</hi> keine <w lemma="befriedigende"><orig>befrie-</orig><orig>digende</orig></w> Beschreibung der Protokolle als Geschichtsquelle. Denn dann würde indirekt das „Rangmerkmal“, das die Definition als „neutrales“ Schriftgut gerade ausschloß, wieder eingeführt; aber selbst die Kennzeichnung von der „Neutralität“ her greift nicht, weil sie vom Fehlen erforderter Kriterien ausgeht, anstatt positiv aufweisbare Elemente in die Definition einzubringen. Es gilt also, auf die jeweiligen <w lemma="Entstehungssituationen"><orig>Entstehungs-</orig><orig>situationen</orig></w> der Protokolle abzuheben: Sie lassen sich zwanglos auf den gemeinsamen Nenner bringen, daß den Protokollen – anders als den „Schreiben“ und jeder Art behördlicher Geschäftsregistratur – die Bindung an ein kollegial verfaßtes Gremium eignet, ohne das sie nicht zustandekämen. Sitzungsprotokolle dokumentieren den internen Prozeß einer korporativen Willensbildung, wie er innerhalb von Räten, Kurien, Konferenzen, Kollegien stattfindet; sie enthalten gleichberechtigte oder <w lemma="abgestufte"><orig>abge-</orig><orig>stufte</orig></w> Willensbekundungen der Mitglieder des Kollegs zu einer bestimmten <w lemma="vorgestellten"><orig>vorge-</orig><orig>stellten</orig></w>, beantragten, proponierten Sache. Diese Willensäußerungen können selbst wieder auf dem Weg korporativer Willensbildung gefunden sein, insofern nämlich das Kollegium nicht aus Einzelpersonen, sondern aus Unterkollegien besteht, die innerhalb des größeren Corpus in einem Verhältnis der Hierarchie oder der Gleichordnung zueinander stehen<note type="edd" subtype="commAnnot" place="foot" facs="APWIIIA1-1_p0050n2" xml:id="bsb00057634_00050_n02"><lb facs="-" xml:id="bsb00057634_00050_002"/><p style="font-style:italic;">Der Reichstag, die ältere Universitätstagung und die verschiedenen Kongregationen der Konzilien von Basel und Konstanz ähnelten einander in dieser verschachtelten Beratungstechnik. Vgl. <hi style="font-style:normal;">A.</hi> <hi style="font-style:smallCaps;">Seifert</hi> (Bearb.), Die Universität Ingolstadt S. 18, passim.</p></note>. Wesentlich aber ist, daß die Willensbildung nicht auf dem Wege der Korrespondenz<note type="edd" subtype="commAnnot" place="foot" facs="APWIIIA1-1_p0050n3" xml:id="bsb00057634_00050_n03"><lb facs="-" xml:id="bsb00057634_00050_003"/><p><hi style="font-style:italic;">Vgl. zu dieser Methode</hi> per schedam <hi style="font-style:italic;">(schriftliche Beantwortung einer unter den Votanten <w lemma="kursierenden"><orig>kur-</orig><orig>sierenden</orig></w> Anfrage)</hi> A. <hi style="font-style:smallCaps;">Seifert</hi>, <hi style="font-style:italic;">Statuten- und Verfassungsgeschichte S. 215, 212f.</hi></p></note> (die dann wiederum unter dem Gesichtspunkt der Über- und <w lemma="Gleichordnung"><orig>Gleich-</orig><orig>ordnung</orig></w> aktenkundlich zu systematisieren wäre), sondern durch mündlichen Vortrag der divergierenden oder konvergierenden Ansichten zur Sache erfolgt. Werden die Einzeläußerungen (Voten) der Kollegglieder zur Sache notiert, spricht man von „Verlaufsprotokoll“, wird nur das Ergebnis der Beratungen festgehalten, so bietet sich der Terminus „Beschlußprotokoll“<note type="edd" subtype="commAnnot" place="foot" facs="APWIIIA1-1_p0050n4" xml:id="bsb00057634_00050_n04"><lb facs="-" xml:id="bsb00057634_00050_004"/><p>H. O. <hi style="font-style:smallCaps;">Meisner</hi>, <hi style="font-style:italic;">Archivalienkunde S. 195; auch „Resolutionsprotokoll“</hi> (<hi style="font-style:smallCaps;">Gross</hi> <hi style="font-style:italic;">S. 246ff.) oder „Schlußprotokoll“</hi> (<hi style="font-style:smallCaps;">Boshof</hi> – <hi style="font-style:smallCaps;">Düwell</hi> – <hi style="font-style:smallCaps;">Kloft</hi> <hi style="font-style:italic;">S. 233) genannt: die Aneinanderreihung ergibt „Konklusionsbücher“. Vgl.</hi> M. <hi style="font-style:smallCaps;">Krebs</hi> <hi style="font-style:italic;">(Hrsg.), Die Protokolle des Speyerer <w lemma="Domkapitels"><orig>Domka-</orig><orig>pitels</orig></w>, I S. VII. – Ein bekanntes Schlußprotokoll ist das Londoner Protokoll von 1852 über die dänische Erbfolge.</hi></p></note> an.</p>
	  <p style="font-style:italic;"><pb n="LI" facs="APWIIIA1-1_p0051" sameAs="#bsb00057634_00051"/>Im Unterschied zu den Urkunden und auch zu den brieflichen Akten der Überordnung enthalten Protokolle ihrer eigentlichen Bedeutung nach weniger eine Sollens- als eine Seinsaussage. Sie schildern in der Regel einen konkreten Vorgang der politischen Willensbildung und gipfeln in Beschlüssen, die selbst wiederum eine Funktion in einem fortwährenden, institutionell rückbezogenen Handlungsstrang haben. Protokolle <w lemma="beleuchten"><orig>be-</orig><orig>leuchten</orig></w> das Miteinanderhandeln und die Auseinandersetzung politischer <w lemma="Handlungsträger"><orig>Handlungs-</orig><orig>träger</orig></w>, die jeder für sich mit Sollensvorschriften (Instruktionen) oder zumindest mit Absichten und Ansichten in Bezug auf ein vorliegendes Problem ausgestattet sind. Als Geschichtsquelle dienen Protokolle nicht primär der Darlegung von <w lemma="Rechtsvorschriften"><orig>Rechtsvor-</orig><orig>schriften</orig></w>, politischen Plänen und leitenden Absichten, sondern sie klären, wie solche Vorschriften und Absichten in die Wirklichkeit umgesetzt werden.<note type="edd" subtype="commAnnot" place="foot" facs="APWIIIA1-1_p0051n1" xml:id="bsb00057634_00051_n01"><lb facs="-" xml:id="bsb00057634_00051_001"/><p style="font-style:italic;">Vgl. <hi style="font-style:normal;">E.</hi> <hi style="font-style:smallCaps;">Bonvalot</hi>, Le Tiers Etat d’après la charte de Beaumont S. 372, 83–87 (<w lemma="Wahlprotokolle"><orig>Wahlproto-</orig><orig>kolle</orig></w> 1591–1717).</p></note></p>
	  <p style="font-style:italic;">Als Quellengattung sind Protokolle Institutionen, Versammlungen und deren <w lemma="Verfahrensweisen"><orig>Ver-</orig><orig>fahrensweisen</orig></w> zugeordnet. Große Personen, Ideen und Prinzipien kommen erst in zweiter Linie zur Geltung; ihre normativen und regulativen Ansprüche erscheinen in den <w lemma="Protokollen"><orig>Proto-</orig><orig>kollen</orig></w> auf Durchsetzbarkeit hin reduziert. Dies heißt aber nicht, daß in Protokollen nur konturlose Zustände oder Verläufe beschrieben würden. Wollte man analog dem „Geist“ der Venezianischen Relationen von einem Geist der <w lemma="Protokolle"><orig>Pro-</orig><orig>tokolle</orig></w> sprechen, so wäre auf das genossenschaftliche Element zu verweisen, das auf diese Quellengattung einwirkt und ihre verschiedenen Unterarten einheitlich <w lemma="strukturiert"><orig>struk-</orig><orig>turiert</orig></w>. Das Handeln des Menschen in Institutionen, das anthropologische<note type="edd" subtype="commAnnot" place="foot" facs="APWIIIA1-1_p0051n2" xml:id="bsb00057634_00051_n02"><lb facs="-" xml:id="bsb00057634_00051_002"/><p><hi style="font-style:italic;">Vgl.</hi> M. <hi style="font-style:smallCaps;">Hauriou</hi>, <hi style="font-style:italic;">Die Theorie der Institution, hrsg. v.</hi> R. <hi style="font-style:smallCaps;">Schnur</hi> <hi style="font-style:italic;">S. 27ff., 53.</hi></p></note> und historische Komponenten hat und von der Bildung eines politischen Bewußtseins nicht zu trennen ist, färbt auch auf die Protokolle als den schriftlichen Niederschlag und die Hinterlassenschaft institutionenbezogenen Handelns ab. Wenn auch in den Protokollen Rechtsvorschriften und Handlungsabsichten nicht primär in der <w lemma="Abstraktionsstufe"><orig>Abstraktions-</orig><orig>stufe</orig></w> ihrer ideellen oder programmatischen Äußerung, ihrer Anempfehlung oder ihres Gebots anzutreffen sind, so wird darin doch deutlich, in welcher Weise solche lang- oder kurzfristigen Normsetzungen und Vorschläge praktisch werden. So ist z. B. nur aus den Wahlprotokollen, nicht aber aus den „Chartes“ zu entnehmen, wie eine Wahlordnung gehandhabt wurde, da sie in den Protokollen gerade nicht in der Abgezogenheit ihrer Dekretierung oder ihres Idealtyps erscheint<note type="edd" subtype="commAnnot" place="foot" facs="APWIIIA1-1_p0051n3" xml:id="bsb00057634_00051_n03"><lb facs="-" xml:id="bsb00057634_00051_003"/><p>E. <hi style="font-style:smallCaps;">Bonvalot</hi> <hi style="font-style:italic;">S. 372f.</hi></p></note>. Selbst die vage Protokollform der zweiseitigen Gesprächsnotizen hochgestellter (politischer) <w lemma="Persönlichkeiten"><orig>Per-</orig><orig>sönlichkeiten</orig></w> wird, sofern sie – wegen ihrer Länge und Wichtigkeit – nicht in einen diplomatischen Bericht eingearbeitet ist, weniger mit Rücksicht auf die Person der Gesprächspartner als deshalb gewählt, weil der Inhalt Ihrer wechselseitigen <w lemma="Ausführungen"><orig>Aus-</orig><orig>führungen</orig></w><note type="edd" subtype="commAnnot" place="foot" facs="APWIIIA1-1_p0051n4" xml:id="bsb00057634_00051_n04"><lb facs="-" xml:id="bsb00057634_00051_004"/><p style="font-style:italic;">Zu unterscheiden von der „diplomatischen Mitteilung“, die noch einen Adressaten hat, z. B. dem Aide-Mémoire, der im Rang unter einer förmlichen oder Verbalnote liegenden mündlichen <w lemma="Erklärung"><orig>Erklä-</orig><orig>rung</orig></w>, die von Diplomaten gegenüber fremden Staaten abgegeben wird (<hi style="font-style:smallCaps;">Boshof</hi> <hi style="font-style:normal;">–</hi> <hi style="font-style:smallCaps;">Düwell</hi> <hi style="font-style:normal;">–</hi> <hi style="font-style:smallCaps;">Kloft</hi> S. 232).</p></note> für die betroffenen Staatswesen bzw. Institutionen von erheblichem Interesse ist.</p>
	</div>
	<div type="part" subtype="part" ana="#section_01" xml:id="bsb00057634_00052_sec0011" corresp="#bsb00057634_00052">
	  <pb n="LII" facs="APWIIIA1-1_p0052" sameAs="#bsb00057634_00052"/>
	  <head>II. Zur Entstehung der Kurfiirstenratsprotokolle</head>
	  <p style="font-style:italic;">Der allgemeine institutionenbezogene Ansatz zur quellenkundlichen Einordnung der Protokolle muß angesichts spezieller Gegenstände konkret gefaßt werden. Haben die vielen neuzeitlichen Institutionen in Europa nicht auch zur Ausbildung verschiedener Protokoll-Typen geführt, die von Gremium zu Gremium – und innerhalb der <w lemma="Geschichte"><orig>Ge-</orig><orig>schichte</orig></w> eines Gremiums entwicklungsmäßig voneinander abweichen? Und weiter: Ist vom Entwicklungsstand eines Protokolls her der Rückschluß auf den <w lemma="Konsolidierungsgrad"><orig>Konsolidierungs-</orig><orig>grad</orig></w> derjenigen Institution möglich, die das Protokoll produzierte? Vergleicht man einige neuere Protokoll-Editionen aus verschiedenen Zeiträumen, so wird trotz aller Unterschiede im einzelnen doch eine große Kontinuität in der Form sichtbar, in der gemeinschaftliches Handeln bezeugt ist<note type="edd" subtype="commAnnot" place="foot" facs="APWIIIA1-1_p0052n1" xml:id="bsb00057634_00052_n01"><lb facs="-" xml:id="bsb00057634_00052_001"/><p style="font-style:italic;">Vgl. <hi style="font-style:normal;">M.</hi> <hi style="font-style:smallCaps;">Komjáthy</hi> (Hrsg.), Protokolle des Gemeinsamen Ministerrates der Österreichisch-Ungarischen Monarchie S. 124 Anm. 181: „In der Entwicklung der im weitesten Sinne <w lemma="genommenen"><orig>ge-</orig><orig>nommenen</orig></w> gesellschaftlichen Beziehungen, der gesellschaftlichen Berührungsformen, der Beziehungen innerhalb der Klassen, im alltäglichen Zusammenleben hat sich im Verlaufe von Jahrhunderten kaum eine meritorische Veränderung gezeigt. Gemessen an dem riesigen Unterschied, der zwischen den Lebensverhältnissen der altgriechischen Gesellschaft und der Welt der modernen bürgerlichen Gesellschaft in technischer Hinsicht besteht, haben sich Art und Formen des menschlichen <w lemma="Zusammenlebens"><orig>Zu-</orig><orig>sammenlebens</orig></w> seit dem Zeitalter des Perikles bis zum Zeitalter des ersten Weltkrieges im <w lemma="wesentlichen"><orig>wesent-</orig><orig>lichen</orig></w> kaum geändert.“</p></note>. Die Protokolle verschiedener Provenienzen und Zeiten unterscheiden sich gattungsmäßig von anderem Aktenschriftgut, aber nicht wesentlich voneinander: Die Editoren beschreiben ganz ähnliche Merkmale für <w lemma="Universitätsprotokolle"><orig>Uni-</orig><orig>versitätsprotokolle</orig></w> des ausgehenden 14.<note type="edd" subtype="commAnnot" place="foot" facs="APWIIIA1-1_p0052n2" xml:id="bsb00057634_00052_n02"><lb facs="-" xml:id="bsb00057634_00052_002"/><p>E. <hi style="font-style:smallCaps;">Winkelmann</hi> <hi style="font-style:italic;">(siehe oben S. XLIV Anm. 1</hi>), G. <hi style="font-style:smallCaps;">Ritter</hi>, <hi style="font-style:italic;">Die Heidelberger Universität, I S. 120 (Plenarversammlungen seit 1393).</hi></p></note> und 15. Jahrhunderts<note type="edd" subtype="commAnnot" place="foot" facs="APWIIIA1-1_p0052n3" xml:id="bsb00057634_00052_n03"><lb facs="-" xml:id="bsb00057634_00052_003"/><p style="font-style:italic;"><hi style="font-style:normal;">A.</hi> <hi style="font-style:smallCaps;">Staehelin</hi>, Geschichte der Universität Basel S. 7ff., 19 (Regenzprotokolle seit 1482), <hi style="font-style:normal;">A.</hi> <hi style="font-style:smallCaps;">Seifert</hi> (Bearb.), Die Universität Ingolstadt S. 94–99, 111, 127, 142–145, 209, 238. Die Protokollführung ist in „den neunziger Jahren des 15. Jahrhunderts“ an der Universität <w lemma="Ingolstadt"><orig>Ingol-</orig><orig>stadt</orig></w> „zur festen Einrichtung geworden“ (<hi style="font-style:smallCaps;">ders.</hi>, Statuten und Verfassungsgeschichte S. 214f.).</p></note>, für <w lemma="Domkapitelsprotokolle"><orig>Domkapitels-</orig><orig>protokolle</orig></w><note type="edd" subtype="commAnnot" place="foot" facs="APWIIIA1-1_p0052n4" xml:id="bsb00057634_00052_n04"><lb facs="-" xml:id="bsb00057634_00052_004"/><p style="font-style:italic;">Vgl. die Edition der Konstanzer und Speyerer Domkapitelsprotokolle durch <hi style="font-style:normal;">M.</hi> <hi style="font-style:smallCaps;">Krebs</hi>, sowie <hi style="font-style:normal;">F.</hi> <hi style="font-style:smallCaps;">Herrmann</hi> (Bearb. und Hrsg.), Die Protokolle des Mainzer Domkapitels seit 1450 III; Forschungsbericht von <hi style="font-style:normal;">L.</hi> <hi style="font-style:smallCaps;">Lenhart</hi>, Zur Geschichte der Mainzer Domkapitelsprotokolle, in: AmrhKG 12 S. 129–147.</p></note>, die um 1450 einsetzen, für Konzilsprotokolle des <hi style="font-style:normal;">15.</hi><note type="edd" subtype="commAnnot" place="foot" facs="APWIIIA1-1_p0052n5" xml:id="bsb00057634_00052_n05"><lb facs="-" xml:id="bsb00057634_00052_005"/><p style="font-style:italic;">Siehe unten S. LVII Anm. 6 sowie <hi style="font-style:normal;">CT,</hi> 4.5, 6.1, 6.2, 6.3, 7.1, 8.9.</p></note> und <w lemma="Reichstagsprotokolle"><orig>Reichs-</orig><orig>tagsprotokolle</orig></w> des 16. und 17. Jahrhunderts<note type="edd" subtype="commAnnot" place="foot" facs="APWIIIA1-1_p0052n6" xml:id="bsb00057634_00052_n06"><lb facs="-" xml:id="bsb00057634_00052_006"/><p><hi style="font-style:italic;">Vgl. die unten angeführten Stücke aus den</hi> <hi style="font-style:smallCaps;">Deutschen</hi> <hi style="font-style:smallCaps;">Reichstagsakten</hi>, <hi style="font-style:italic;">den</hi> <hi style="font-style:smallCaps;">Urkunden</hi>- <hi style="font-style:smallCaps;">und</hi> <hi style="font-style:smallCaps;">Aktenstücken</hi> <hi style="font-style:smallCaps;">des</hi> <hi style="font-style:smallCaps;">Burgundischen</hi> <hi style="font-style:smallCaps;">Kreises</hi> <hi style="font-style:italic;">und den</hi> <hi style="font-style:smallCaps;">Acta</hi> <hi style="font-style:smallCaps;">Reformationis</hi> <hi style="font-style:smallCaps;">Catholicae</hi> (ARC), <hi style="font-style:italic;">den</hi> APW <hi style="font-style:italic;">III A 4, 1.</hi></p></note>. Dabei spielt es im Grunde keine Rolle, ob die Protokolle der vorrevolutionären Zeit angehören wie die <w lemma="Wahlprotokolle"><orig>Wahl-</orig><orig>protokolle</orig></w> des Kurkollegs<note type="edd" subtype="commAnnot" place="foot" facs="APWIIIA1-1_p0052n7" xml:id="bsb00057634_00052_n07"><lb facs="-" xml:id="bsb00057634_00052_007"/><p style="font-style:italic;">Siehe unten S. LIII Anm. 8.</p></note> und luxemburgischer Gemeinden<note type="edd" subtype="commAnnot" place="foot" facs="APWIIIA1-1_p0052n8" xml:id="bsb00057634_00052_n08"><lb facs="-" xml:id="bsb00057634_00052_008"/><p>E. <hi style="font-style:smallCaps;">Bonvalot</hi> <hi style="font-style:italic;">S. 83ff.</hi></p></note>, wie die Protokolle des „Brandenburgischen Geheimen Rates“<note type="edd" subtype="commAnnot" place="foot" facs="APWIIIA1-1_p0052n9" xml:id="bsb00057634_00052_n09"><lb facs="-" xml:id="bsb00057634_00052_009"/><p><hi style="font-style:italic;">Vgl. vor allem die Einleitung von</hi> <hi style="font-style:smallCaps;">Meinardus</hi>, <hi style="font-style:italic;">Protokolle VI S. XI-XV.</hi></p></note>, des österreichischen Geheimen Rates<note type="edd" subtype="commAnnot" place="foot" facs="APWIIIA1-1_p0052n10" xml:id="bsb00057634_00052_n10"><lb facs="-" xml:id="bsb00057634_00052_010"/><p><hi style="font-style:italic;">Analyse bei</hi> <hi style="font-style:smallCaps;">Gross</hi> <hi style="font-style:italic;">S. 240ff.</hi></p></note> und der <pb n="LIII" facs="APWIIIA1-1_p0053" sameAs="#bsb00057634_00053"/>Propagandakongregation in Rom (seit 1622)<note type="edd" subtype="commAnnot" place="foot" facs="APWIIIA1-1_p0053n1" xml:id="bsb00057634_00053_n01"><lb facs="-" xml:id="bsb00057634_00053_001"/><p><hi style="font-style:smallCaps;">Acta</hi> SC <hi style="font-style:smallCaps;">de</hi> <hi style="font-style:smallCaps;">Pf.</hi></p></note>, ob sie der Französischen Revolution selbst entstammen wie die Akten der Pariser Stadtverordneten von 1789–90<note type="edd" subtype="commAnnot" place="foot" facs="APWIIIA1-1_p0053n2" xml:id="bsb00057634_00053_n02"><lb facs="-" xml:id="bsb00057634_00053_002"/><p style="font-style:italic;"><hi style="font-style:normal;">S.</hi> <hi style="font-style:smallCaps;">Lacroix</hi> (Publ.), Actes de la Commune de Paris pendant la Révolution I, 1–7.</p></note> oder ob sie Produkte des 19. und 20. Jahrhunderts sind: so etwa die Protokolle des <w lemma="österreichischen"><orig>öster-</orig><orig>reichischen</orig></w> Ministerrats 1848–1867, die „Konseilprotokolle“ des preußischen <w lemma="Staatsministeriums"><orig>Staats-</orig><orig>ministeriums</orig></w> 1850–1878<note type="edd" subtype="commAnnot" place="foot" facs="APWIIIA1-1_p0053n3" xml:id="bsb00057634_00053_n03"><lb facs="-" xml:id="bsb00057634_00053_003"/><p><hi style="font-style:italic;">Vgl. dazu</hi> H. <hi style="font-style:smallCaps;">Rumpler</hi> <hi style="font-style:italic;">S. 103.</hi></p></note>, die Protokolle des Gemeinsamen Ministerrats von <w lemma="Österreich-Ungarn"><orig>Öster-</orig><orig>reich-Ungarn</orig></w> (1914–1918)<note type="edd" subtype="commAnnot" place="foot" facs="APWIIIA1-1_p0053n4" xml:id="bsb00057634_00053_n04"><lb facs="-" xml:id="bsb00057634_00053_004"/><p><hi style="font-style:italic;">Hrsg. von</hi> M. <hi style="font-style:smallCaps;">Komjáthy</hi> <hi style="font-style:italic;">(siehe oben <ref type="line" subtype="intern" facs="#APWIIIA1-1_p0052n1" target="#bsb00057634_00052_001">S. LII Anm. 1</ref>).</hi></p></note> und die Protokolle der Reichstagsfraktion der deutschen Zentrumspartei von 1926–1933<note type="edd" subtype="commAnnot" place="foot" facs="APWIIIA1-1_p0053n5" xml:id="bsb00057634_00053_n05"><lb facs="-" xml:id="bsb00057634_00053_005"/><p><hi style="font-style:italic;">1926–1933, bearb. von</hi> R. <hi style="font-style:smallCaps;">Morsey</hi>.</p></note>.</p>
	  <p style="font-style:italic;">Das auffälligste Merkmal, um zwischen altem und modernem Protokoll zu <w lemma="unterscheiden"><orig>unter-</orig><orig>scheiden</orig></w>, scheint die Entstehungsgeschichte zu bieten: dort die Verfertigung <w lemma="aufgrund"><orig>auf-</orig><orig>grund</orig></w> einer mehr oder weniger vollständigen Mitschrift in der Sitzung, hier das <w lemma="Stenogramm"><orig>Steno-</orig><orig>gramm</orig></w> des Gesprochenen, das seit 1848 für die großen deutschen parlamentarischen Körperschaften die Regel geworden ist. Der Übergang von (langschriftlichen) Notizen zum Wortstenogramm bedeutet aber eher einen technischen Fortschritt als eine <w lemma="genetische"><orig>gene-</orig><orig>tische</orig></w> Stufe in der Bildung oder im Zusammenwachsen von Institutionen. Eine Vorstufe zum genauen Wortprotokoll, das in der Regel der glättenden Korrektur der einzelnen Redner vor der amtlichen Fertigstellung unterliegt und folglich wie seine unvollkommeneren Vorgänger Mängel an Authentizität aufweisen kann, bildete wohl die Ablösung des reinen Beschlußprotokolls durch das ausführliche „<w lemma="Verlaufsprotokoll"><orig>Verlaufs-</orig><orig>protokoll</orig></w>“<note type="edd" subtype="commAnnot" place="foot" facs="APWIIIA1-1_p0053n6" xml:id="bsb00057634_00053_n06"><lb facs="-" xml:id="bsb00057634_00053_006"/><p><hi style="font-style:italic;">Bezeichnung aus</hi> <hi style="font-style:smallCaps;">Boshof</hi> – <hi style="font-style:smallCaps;">Düwell</hi> – <hi style="font-style:smallCaps;">Kloft</hi> <hi style="font-style:italic;">S. 233f.</hi></p></note>, in dem die Meinungsäußerungen der einzelnen befragten Mitglieder des Kollegiums summarisch oder ausführlich oder gar wortgetreu aufgezeichnet wurden. Ein Grundtyp dieser Verlaufsprotokolle sind die Wahlprotokolle jeder Art<note type="edd" subtype="commAnnot" place="foot" facs="APWIIIA1-1_p0053n7" xml:id="bsb00057634_00053_n07"><lb facs="-" xml:id="bsb00057634_00053_007"/><p style="font-style:italic;">Wahlprotokolle aus den Anfängen politischer Meinungsbildung erwähnt bei <hi style="font-style:normal;">M.</hi> <hi style="font-style:smallCaps;">Braubach</hi>, Ein publizistischer Plan der Bonner Lesegesellschaft S. 26 Anm. 2f., S. 38 Anm. 4; <w lemma="Wahlprotokolle"><orig>Wahlproto-</orig><orig>kolle</orig></w> über mündliche oder schriftliche Wahlvorschläge der Urwähler bei Landtagswahlen bei <hi style="font-style:normal;">K.</hi> <hi style="font-style:smallCaps;">Hugelmann</hi>, Die österreichischen Landtage S. 65.</p></note>, denn hier war die Zählung der Stimmabgaben die Grundlage für das Ergebnis der Sitzung und die jeweilige personelle Entscheidung, die Zählung aber hatte die genaue Notierung der Stimmen zur Voraussetzung. Eine Aufbewahrung der Einzelstimmabgaben konnte Anfechtungen der Wahl vermeiden helfen und die eigene Wahlberechtigung jedes Tagungsteilnehmers erhalten.</p>
	  <p style="font-style:italic;">Als erste Protokolle des Kurkollegs sind Wahlprotokolle zu fixieren<note type="edd" subtype="commAnnot" place="foot" facs="APWIIIA1-1_p0053n8" xml:id="bsb00057634_00053_n08"><lb facs="-" xml:id="bsb00057634_00053_008"/><p>RTA ÄR <hi style="font-style:italic;">1 nr. 45 S. 71f. (1376 VI 10),</hi> RTA JR <hi style="font-style:italic;">1 nr. 380 S. 849–853 (1519 VI 28).</hi></p></note>. Von <w lemma="Anbeginn"><orig>Anbe-</orig><orig>ginn</orig></w> der kurfürstlichen Königswahl an herrschte innerhalb des Kurkollegs <w lemma="grundsätzlich"><orig>grund-</orig><orig>sätzlich</orig></w> eine einzelne und gleichberechtigte Stimmabgabe, nicht etwa zusätzlich ein korporatives Votum, eine Akklamation oder Kooptation. Die egalitär <w lemma="konkurrierende"><orig>konkurrie-</orig><orig>rende</orig></w> Teilhabe jedes Kurfürsten an der Wahl, die im Gegensatz zu den teilweise überaus komplizierten, mit Elementen der Kooptation durchsetzten, abgestuften und indirekten Wahlmodi der Städte stand, könnte die Aufzeichnung einzeln gezählter <pb n="LIV" facs="APWIIIA1-1_p0054" sameAs="#bsb00057634_00054"/>Stimmen begünstigt haben. Dennoch liegt hier nur ein zeitlich und sachlich sehr <w lemma="entfernter"><orig>ent-</orig><orig>fernter</orig></w> Grund für die Votenzählung im ausgebildeten Kurfürstenratsprotokoll von 1645.</p>
	  <p style="font-style:italic;">Wichtig für die Entstehung eines Sitzungsprotokolls war weiterhin die beratende Funktion, die die Kurfürsten dem König gegenüber ausübten. Von 1441 datiert eine in den Reichstagsakten abgedruckte knappe Aufzeichnung der königlichen Kanzlei über den Ratschlag der Kurfürsten<note type="edd" subtype="commAnnot" place="foot" facs="APWIIIA1-1_p0054n1" xml:id="bsb00057634_00054_n01"><lb facs="-" xml:id="bsb00057634_00054_001"/><p>RTA ÄR <hi style="font-style:italic;">16 nr. 20 S. 61f. (1441 VII 6–16).</hi></p></note>; die Ratgeber-Funktion der Kurfürsten aber war zweifellos älter als deren schriftlicher Niederschlag, das Festhalten des <w lemma="Ratsergebnisses"><orig>Ratsergeb-</orig><orig>nisses</orig></w> in einer Art Protokoll<note type="edd" subtype="commAnnot" place="foot" facs="APWIIIA1-1_p0054n2" xml:id="bsb00057634_00054_n02"><lb facs="-" xml:id="bsb00057634_00054_002"/><p style="font-style:italic;">Vgl. auch <hi style="font-style:smallCaps;">Bonvalot</hi> S. 373, der „procès verbaux d’ élection“ nach dem Recht von Beaumont (1182) nicht vor 1591 findet, dazu aber bemerkt: „ils nous révèlent, malgré leur date moderne, des formes de procéder souvent très anciennes et parfois contemporaines des affranchissements“ (13. Jahrh.), <hi style="font-style:smallCaps;">Meinardus</hi>, Protokolle VI S. XIII, XV (Spanne zwischen Beginn der <w lemma="Protokollführung"><orig>Proto-</orig><orig>kollführung</orig></w> und Konstituierung der Institution, sowohl beim preußischen Geheimen Rat: 1604–1613, als auch beim Schwedischen Reichsrat: 1602–1621).</p></note>.</p>
	  <p style="font-style:italic;">Ein dritter Faktor, der zur Entstehung der Kurfürstenratsprotokolle beitrug und der ebenfalls aus den inneren Verhältnissen des Kollegs resultierte, lag darin, daß der Kurmainzer es übernahm, die Kanzlei des Reiches und der Reichstage zu führen. Vor allem seit Berthold von Henneberg (1441/42–1504) verlagerte sich die führende Rolle des Erzkanzlers von der Kur und vom kaiserlichen Hof auf die Reichstagsgeschäfte.<note type="edd" subtype="commAnnot" place="foot" facs="APWIIIA1-1_p0054n3" xml:id="bsb00057634_00054_n03"><lb facs="-" xml:id="bsb00057634_00054_003"/><p><hi style="font-style:italic;">Vgl. A.</hi> <hi style="font-style:smallCaps;">Schröcker</hi> <hi style="font-style:italic;">S. 24ff.,</hi> RTA MR <hi style="font-style:italic;">3,2 S. 1081.</hi></p></note> Dem Mainzer Kurfürsten oblag die Überbringung der Reichsbeschlüsse an den Römischen König, der von den internen Beratungen der Reichstage ausgeschlossen wurde. Auch aus der politischen Position Bertholds entwickelte sich der später fest institutionalisierte Anteil des kurmainzischen Kanzlers an der Organisation der <w lemma="Kurien"><orig>Ku-</orig><orig>rien</orig></w> und des Kurfürstenrats. Für die schriftliche Fixierung der Reichsgutachten wurde die kurmainzische Kanzlei federführend und rechtlich verantwortlich. Damit war eine technische Voraussetzung des Kurfürstenratsprotokolls, die Existenz eines <w lemma="Sekretärs"><orig>Sekre-</orig><orig>tärs</orig></w>/Kanzlers für schriftliche Verlautbarungen, gegeben.</p>
	  <p style="font-style:italic;">Die kompetierenden Rechte und Würden der einzelnen Kurfürsten im Kolleg führten zu Streitigkeiten, deren Schlichtung auf Dauer durch schriftliche Fixierung der einzelnen Vorrechte und Funktionen – bis hin zur Form des Protokolls – erleichtert wurde. Das erste, (allerdings nur in Regestenform) abgedruckte Protokoll des <w lemma="Kurfürstenrats"><orig>Kur-</orig><orig>fürstenrats</orig></w> am Reichstag (1524) hat den Streit zwischen Kursachsen und Kurmainz um das Ansage- und Umfragerecht im Rat zum Gegenstand<note type="edd" subtype="commAnnot" place="foot" facs="APWIIIA1-1_p0054n4" xml:id="bsb00057634_00054_n04"><lb facs="-" xml:id="bsb00057634_00054_004"/><p style="font-style:italic;">Nürnberger Reichstag 1524 II 8 (<hi style="font-style:normal;">RTA JR</hi> 4 nr. 22 S. 54–59 und ff.: „Protokollarische <w lemma="Aufzeichnung"><orig>Auf-</orig><orig>zeichnung</orig></w> des Mainzer Sekretärs Andreas Rucker über die Verhandlungen auf dem Reichstage“). Auf diesen Streit wurde noch in der Lengericher Konferenz Bezug genommen, wo Kurbrandenburg und Kurbayern zugleich das sächsische Umfragerecht reklamierten. Siehe unten S. 171. – Wie die „Summarischen“ und die „Ausführlichen Protokolle“ der Kurmainzer Kanzlei vom Frankfurter Reichstag (1489) ist auch diese Aufzeichnung insgesamt ein diarienähnlicher Bericht über <w lemma="fortlaufende"><orig>fort-</orig><orig>laufende</orig></w> reichsständische Verhandlungen (<hi style="font-style:normal;">RTA MR</hi> 3,2 S. 1080f., 1099f.).</p></note>: Das technische <w lemma="Direktorium"><orig>Direk-</orig><orig>torium</orig></w> des Mainzers im Kolleg wurde von Kursachsen mitbeansprucht. Der <w lemma="Streitpunkt"><orig>Streit-</orig><orig>punkt</orig></w> wurde einer ausführlichen Berichterstattung, die auch die eigentlichen <w lemma="Beratungsgegenstände"><orig>Beratungs-</orig><orig>gegenstände</orig></w> der Sitzung mit einbezog, für wert erachtet. Darin trat, abgesehen von der allgemeinen Ratgeber-Stellung des Kurkollegs gegenüber dem König, ein spezieller thematischer Gesichtspunkt hervor, der protokollwürdig erschien: das technische <w lemma="Verfahren"><orig>Ver-</orig><orig>fahren</orig></w> im Kolleg selbst, bezogen auf die rangmäßige Stellung und die Ehrenfunktionen seiner Mitglieder.</p>
	  <p style="font-style:italic;">Das Protokoll von 1524 bringt bereits wichtige institutionsgeschichtliche Aufschlüsse. Kurtrier, das nicht weiß, ob es dem Aufruf von Kurmainz oder von Kursachsen folgend sein Votum ablegen soll, geht mit den übrigen Kurfürsten und Räten – ausgenommen Kurmainz und Kursachsen – zu Rate, wem es zu antworten habe: ein frühes Beispiel für die Unterredung a part, die im Kurkolleg wie in anderen Ratsgremien neben und vor den offiziösen Verlautbarungen der Einzelbefragten stattfand. Des weiteren findet hier schon ein Ausschluß derjenigen Ratsmitglieder statt, die an der Entscheidung einer bestimmten, in den Rat eingebrachten Frage materiell und direkt interessiert waren; auch später hatten die <hi style="font-style:normal;">interessati</hi> den Sitzungen fernzubleiben, auf denen Angelegenheiten ihres eigenen Interesses verhandelt wurden. Historisch gesehen bildete die Beratung a part überhaupt den Ausgangspunkt eines eigenen <w lemma="Kurfürstenrates"><orig>Kur-</orig><orig>fürstenrates</orig></w> insofern, als die Kurfürsten oder ihre Räte gesondert vom König und seinen Räten sowie den übrigen Reichsständen zu beraten begonnen hatten. Zieht man ungefähr gleichzeitige Universitätsprotokolle zum Vergleich heran, so wird der <w lemma="allgemeine"><orig>all-</orig><orig>gemeine</orig></w> institutionsgeschichtliche Zusammenhang des Phänomens noch deutlicher: auch für die älteren Konzilstagungen der Universitäten Ingolstadt und Heidelberg waren <hi style="font-style:normal;">itio in partes</hi> und Sonderberatungen korporativer Untergliederungen <w lemma="charakteristisch"><orig>charakte-</orig><orig>ristisch</orig></w><note type="edd" subtype="commAnnot" place="foot" facs="APWIIIA1-1_p0055n1" xml:id="bsb00057634_00055_n01"><lb facs="-" xml:id="bsb00057634_00055_001"/><p><hi style="font-style:italic;">Für Ingolstadt (vor 1507)</hi> A. <hi style="font-style:smallCaps;">Seifert</hi>, <hi style="font-style:italic;">Statuten- und Verfassungsgeschichte S. 212f., 205–220, außerdem</hi> G. <hi style="font-style:smallCaps;">Ritter</hi>, <hi style="font-style:italic;">Die Heidelberger Universität I S. 120.</hi></p></note>. Die Einrichtung eines Kollegs im Kolleg kennzeichnet allgemein das <w lemma="Spätstadium"><orig>Spät-</orig><orig>stadium</orig></w> einer beratenden Institution; damit beginnt die Ausbildung neuer <w lemma="handlungsfähiger"><orig>handlungs-</orig><orig>fähiger</orig></w> und in sich (zunächst) wieder geschlossener Ratsgremien.</p>
	  <p style="font-style:italic;">Wir setzen die Drei-Kurien-Organisation des Reichstags, wie sie ausgangs des 16. Jahrhunderts erreicht war, als idealtypische Ausformung der <w lemma="Reichstagsorganisation"><orig>Reichstagsorgani-</orig><orig>sation</orig></w> an, weil auch die frühneuzeitlichen Theoretiker des deutschen Reichsstaatsrechts dieses Entwicklungsstadium zum normativen Zielpunkt ihrer historischen <w lemma="Herleitungen"><orig>Herleitun-</orig><orig>gen</orig></w> erhoben haben. Der Reichstag bildete sozusagen das Ober-Kolleg, aus dem das Unter-Kolleg des Kurfürstenrats herauswuchs. Auf dem Reichstag, der selbst wieder von den Gesetzmäßigkeiten der kurfürstlichen Wahlberatungen beeinflußt wurde, <w lemma="verselbständigten"><orig>ver-</orig><orig>selbständigten</orig></w> und verdichteten sich die kurfürstlichen Sonderberatungen a part, bis das Bildungsgesetz des kurfürstlichen Reichstagskollegs sich schließlich auf dieses selbst erstreckte und das Corpus Catholicorum für erneute Parteiung unter <w lemma="Kurfürsten"><orig>Kur-</orig><orig>fürsten</orig></w>, Fürsten und Ständen sorgte. Dieses Ober-Kolleg des Reichstags war erwachsen aus der <hi style="font-style:normal;">curia regis,</hi> die bereits unter den Saliern und Staufern <w lemma="bestanden"><orig>be-</orig><orig>standen</orig></w> hatte. Es ist zwar auffallend, aber bei der „geringeren Ausbildung des Schreibereiwesens“, die für das 14. Jahrhundert noch festgestellt wird<note type="edd" subtype="commAnnot" place="foot" facs="APWIIIA1-1_p0055n2" xml:id="bsb00057634_00055_n02"><lb facs="-" xml:id="bsb00057634_00055_002"/><p><hi style="font-style:smallCaps;">Weizsäcker</hi> <hi style="font-style:italic;">in</hi> RTA ÄR <hi style="font-style:italic;">1 S. LVI.</hi></p></note>, erklärlich, daß der Reichsrat des Königs real bestand und häufig beansprucht wurde, ohne daß <pb n="LVI" facs="APWIIIA1-1_p0056" sameAs="#bsb00057634_00056"/>jedoch von diesen Beratungen Protokolle überkommen sind. Von den Reichstagen, die im 15. Jahrhundert zu festerer Form fanden, sind zunächst nur flankierende <w lemma="Schriftstücke"><orig>Schrift-</orig><orig>stücke</orig></w>, wie man sie bezeichnen könnte, von der maßgeblichen königlichen Kanzlei überliefert: die Ausschreiben für die Reichstage und die Schlußmandate. Die <w lemma="Reichstagshandlungen"><orig>Reichs-</orig><orig>tagshandlungen</orig></w> selbst sind durch Briefe, Bündnisabmachungen, Urkunden und <w lemma="Notariatsinstrumente"><orig>Nota-</orig><orig>riatsinstrumente</orig></w> dokumentiert. Wie eine kurze Durchsicht der Reichstagsakten ergibt, erwiesen sich dann auch Propositionen und Bedenken der Stände als wichtig und <w lemma="überlieferungswürdig"><orig>über-</orig><orig>lieferungswürdig</orig></w>. Auch hier wurden zunächst Anfang und Ende der Beratungen, der Auftrag an die Stände und ihr Gutachten, schriftlich festgehalten<note type="edd" subtype="commAnnot" place="foot" facs="APWIIIA1-1_p0056n1" xml:id="bsb00057634_00056_n01"><lb facs="-" xml:id="bsb00057634_00056_001"/><p><hi style="font-style:italic;">Vgl.</hi> RTA JR <hi style="font-style:italic;">7, 2 nr. 104 S. 1128ff., nr. 106 S. 1138ff.,</hi> RTA JR <hi style="font-style:italic;">2 S. 390ff.</hi></p></note>, die Schriftlichkeit der Reichstage wuchs gleichsam von außen nach innen. Ausgefertigt wurden zunächst diejenigen amtlichen Dokumente, die den Beginn und den Schluß des Gesamtreichstags säumten und die den Ausgang sowie das Ergebnis der jeweiligen Ständeberatungen oder Beratungsperioden sichtbar werden ließen. Der Beratungsverlauf im einzelnen blieb von der Niederschrift vorerst ausgeklammert, er blieb rechtlich unverbindlicher, meist mündlicher Zwischentext.</p>
	  <p style="font-style:italic;">Im 15. und 16. Jahrhundert traten nun verschiedene Umstände und Entwicklungen ein, die eine ausführlichere Überlieferung des gesamten Reichstagsgeschehens und in der Folge auch die Protokollierung der Ständeberatungen begünstigten. An erster Stelle ist hier die Reichstags-Berichterstattung der Städte zu nennen. Bereits auf dem Nürnberger Reichstag von 1387 wurden bei der Schilderung von <w lemma="Bündnisverhandlungen"><orig>Bündnisverhand-</orig><orig>lungen</orig></w> zwischen König Wenzel und dem Schwäbischen Städtebund die Anwesenden und einzelne Beschlüsse aufgeführt<note type="edd" subtype="commAnnot" place="foot" facs="APWIIIA1-1_p0056n2" xml:id="bsb00057634_00056_n02"><lb facs="-" xml:id="bsb00057634_00056_002"/><p>RTA ÄR <hi style="font-style:italic;">1 nr. 301 S. 546f. (1387 III 20–21).</hi></p></note>. Aus solchen Schriftstücken entstanden dann „<w lemma="protokollarische"><orig>pro-</orig><orig>tokollarische</orig></w> Aufzeichnung(en)“ der städtischen Ratsschreiber über die <w lemma="Verhandlungen"><orig>Verhand-</orig><orig>lungen</orig></w> auf Reichstagen. Die Stadtschreiber berichteten sowohl über Verhandlungen der Städte untereinander wie über Beratungen in Ausschüssen u. ä., an denen <w lemma="Reichsstädte"><orig>Reichs-</orig><orig>städte</orig></w> beteiligt waren<note type="edd" subtype="commAnnot" place="foot" facs="APWIIIA1-1_p0056n3" xml:id="bsb00057634_00056_n03"><lb facs="-" xml:id="bsb00057634_00056_003"/><p style="font-style:italic;">Vgl. <hi style="font-style:normal;">RTA JR</hi> 4 nr. 28 S. 217ff. (1524), vorher <hi style="font-style:normal;">RTA ÄR</hi> 16 nr. 42, 43 S. 80–86ff. (<w lemma="Verhandlungen"><orig>Ver-</orig><orig>handlungen</orig></w> schwäbischer und fränkischer Reichsstädte 1441 VII 2–5), <hi style="font-style:normal;">RTA JR</hi> 7,1 S. 593ff. (Ausschuß-Sitzungsberichte), 598f., 656 (Sitzungsberichte des Städterats vom Speyerer <w lemma="Reichstag"><orig>Reichs-</orig><orig>tag</orig></w> 1529).</p></note>. Dabei reihten sie kurze Mitteilungen über Sitzungen, die an aufeinanderfolgenden Tagen stattgefunden hatten, chronologisch aneinander. In den fortlaufenden Berichten über Zusammenkünfte, die sich über mehrere Tage hinweg erstreckt hatten, wurden nicht nur Sitzungsbeschlüsse verzeichnet; bereits 1441 tauchen Voten einzelner Städte mit Namen auf<note type="edd" subtype="commAnnot" place="foot" facs="APWIIIA1-1_p0056n4" xml:id="bsb00057634_00056_n04"><lb facs="-" xml:id="bsb00057634_00056_004"/><p>RTA ÄR <hi style="font-style:italic;">16 S. 80ff.</hi></p></note>. In Form und Gehalt liegt hier der Archetyp des Reichstagsdiariums vor, dessen Führung später bei den Gesandten bedeutenderer Reichsstände zur Regel wurde: Es schilderte den eigenen Anteil an den Reichstagsgeschäften, verzeichnete den eigenen Briefauslauf und -eingang und enthielt Eintragungen allgemeinerer Natur über den Verlauf des Reichstags<note type="edd" subtype="commAnnot" place="foot" facs="APWIIIA1-1_p0056n5" xml:id="bsb00057634_00056_n05"><lb facs="-" xml:id="bsb00057634_00056_005"/><p style="font-style:italic;">Bekanntes Beispiel das „Protokoll“ des Augsburger Reichstags 1530 von Valentin von Tetleben (dazu <hi style="font-style:normal;">APW</hi> <ref type="page" subtype="extern" facs="#APWIIIA4-1_p0034" target="#bsb00057094_00034">III A 4, 1 S. XXXIV</ref>).</p></note>. Zwei Ursachen für das schreibfreudige Verhalten der Städte auf Reichsversammlungen scheinen <pb n="LVII" facs="APWIIIA1-1_p0057" sameAs="#bsb00057634_00057"/>unmittelbar einleuchtend zu sein: Da in der Regierung der Städte genossenschaftliche und kollegiale Organisationsprinzipien herrschten, war auch ein Gesandter, selbst wenn er im Rang eines Bürgermeisters stand, verpflichtet, über den Erfolg seiner Reise Rechenschaft zu legen. Dabei kamen ihm ausführliche Berichte zustatten. Da außerdem Ratsbeschlüsse in einzelnen Städten bereits während des frühen 15. <w lemma="Jahrhunderts"><orig>Jahr-</orig><orig>hunderts</orig></w> protokolliert wurden<note type="edd" subtype="commAnnot" place="foot" facs="APWIIIA1-1_p0057n1" xml:id="bsb00057634_00057_n01"><lb facs="-" xml:id="bsb00057634_00057_001"/><p style="font-style:italic;">„Protokollierte Ratsbeschlüsse“ sind aus Venedig, Siena (<hi style="font-style:normal;">RTA ÄR</hi> 10 S. XLIII), Florenz (Ausschußberatung 1434 XI 21 mit Voten der einzelnen Mitglieder, <hi style="font-style:normal;">RTA ÄR</hi> 11 nr. 307 S. 564f.) und Zürich (reines Beschlußprotokoll von 1433 XI 17, <hi style="font-style:normal;">RTA ÄR</hi> 11 nr. 75 S. 154) bekannt; weitere Beispiele (Literatur) bei <hi style="font-style:normal;">H. O.</hi> <hi style="font-style:smallCaps;">Meisner</hi>, Archivalienkunde S. 209 Anm. 9. – Protokolle städtischer Gerichtsverhandlungen sind schon vom Beginn des 14. Jahrhunderts <w lemma="überliefert"><orig>über-</orig><orig>liefert</orig></w> (<hi style="font-style:smallCaps;">Ruebel</hi> nr. 284: Wesel 1302).</p></note>, mochten die Stadt- oder Ratsschreiber, die den Reichstag besuchten, in ihrer sonstigen Übung und Gewohnheit Anregung finden, zumindest diejenigen Beschlüsse zu notieren, die Belange ihrer Stadt betrafen<note type="edd" subtype="commAnnot" place="foot" facs="APWIIIA1-1_p0057n2" xml:id="bsb00057634_00057_n02"><lb facs="-" xml:id="bsb00057634_00057_002"/><p><hi style="font-style:italic;">Vgl.</hi> G. <hi style="font-style:smallCaps;">Wolf</hi>, <hi style="font-style:italic;">Quellenkunde I S. 389f.</hi></p></note>. Denn zum Protokollieren gehörte auch Fähigkeit und Technik, die, wenn sie in kleineren und geschlosseneren Gremien als der Versammlung der hohen Reichstände erworben war, auch auf höhere Ebenen korporativer Willensbildung wie die Reichsversammlung übertragen werden konnte.</p>
	  <p style="font-style:italic;">Aber es wurde nicht nur in den Reichsstädten früh Protokoll geführt: Während der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts begann man in den Domkapiteln, deren <w lemma="bischöfliche"><orig>bischöf-</orig><orig>liche</orig></w> Herren die Reichstage zum Teil persönlich besuchten, mit der Protokollierung der Kapitelssitzungen<note type="edd" subtype="commAnnot" place="foot" facs="APWIIIA1-1_p0057n3" xml:id="bsb00057634_00057_n03"><lb facs="-" xml:id="bsb00057634_00057_003"/><p style="font-style:italic;">In Konstanz 1432, in Mainz 1450, in Köln 1461, in Augsburg 1462, in Speyer 1500, in Worms 1544 (<hi style="font-style:smallCaps;">Lenhart</hi> S. 132f., <hi style="font-style:normal;">M.</hi> <hi style="font-style:smallCaps;">Krebs</hi>, Die Protokolle des Speyerer Domkapitels I S. VII). Vgl. auch <hi style="font-style:normal;">G.</hi> <hi style="font-style:smallCaps;">Wolf</hi>, Quellenkunde II, 2 S. 171.</p></note>. Universitätsprotokolle knappster Art datieren bereits seit 1386<note type="edd" subtype="commAnnot" place="foot" facs="APWIIIA1-1_p0057n4" xml:id="bsb00057634_00057_n04"><lb facs="-" xml:id="bsb00057634_00057_004"/><p><hi style="font-style:italic;">Aus Heidelberg, wobei Verluste der Protokollbücher in Rechnung zu stellen sind</hi> (E. <hi style="font-style:smallCaps;"><w lemma="Winkelmann"><orig>Winkel-</orig><orig>mann</orig></w></hi> <hi style="font-style:italic;">I S. VII, 13ff.). Vgl.</hi> H. <hi style="font-style:smallCaps;">Keussen</hi>, <hi style="font-style:italic;">Die alte Universität Köln S. 138.</hi></p></note>; auch die Protokolle der Ordenskapitel<note type="edd" subtype="commAnnot" place="foot" facs="APWIIIA1-1_p0057n5" xml:id="bsb00057634_00057_n05"><lb facs="-" xml:id="bsb00057634_00057_005"/><p><hi style="font-style:italic;">Darüber</hi> G. <hi style="font-style:smallCaps;">Wolf</hi>, <hi style="font-style:italic;">Quellenkunde I S. 256, 272.</hi></p></note> und der Konzilien von Konstanz (1414–1418) und Basel (1431–1449)<note type="edd" subtype="commAnnot" place="foot" facs="APWIIIA1-1_p0057n6" xml:id="bsb00057634_00057_n06"><lb facs="-" xml:id="bsb00057634_00057_006"/><p style="font-style:italic;">Auf dem Reformkonzil von Basel war aber die Protokollführung noch nicht verfassungsmäßiger Brauch der Konzilskongregationen, sondern hing von der Anwesenheit eines protokollierenden Notars in den Sitzungen ab (<hi style="font-style:normal;">G.</hi> <hi style="font-style:smallCaps;">Wolf</hi>, Quellenkunde I S. 92–94, 63–67). Deshalb verdienen diese Konzilsprotokolle, die während der Sitzungen angefertigt und in ein gebundenes Heft (Kladde) eingetragen wurden, noch nicht den Namen „offizieller“ Konzilsprotokolle (<hi style="font-style:normal;">RTA ÄR</hi> 10 S. LI X f.).</p></note> konnten für die zunehmende Schriftlichkeit bei den Reichstagsverhandlungen von Einfluß sein. Auch auf Reichsebene wirkte ein genossenschaftliches Prinzip, wie es in den Städten und Kapiteln, auf den Konzilien und bei den Landständen in Geltung stand: Weltliche und kirchliche Korporationen, die im 15. Jahrhundert – oder bereits früher – ihr Handeln in Protokollform <w lemma="aufzeichnen"><orig>auf-</orig><orig>zeichnen</orig></w> ließen, besaßen Vertretung auf Reichstagen. Gebildete Kleriker versahen nicht nur in den Städten, oft bis zur Reformationszeit, das Amt des Ratsschreibers und in den Kapiteln die Rolle des Sekretärs, sie traten auch als Gesandte oder als <w lemma="Gefolge"><orig>Ge-</orig><orig>folge</orig></w> am Reichstag auf.</p>
	  <p style="font-style:italic;">Die Wandlung des Reichstags vom Fürstentreffen zum Gesandtenkongreß, die sich nach 1500 verstärkt vollzog, machte für alle Stände, nicht nur für die Reichsstädte, <pb facs="APWIIIA1-1_p0058" sameAs="#bsb00057634_00058" n="LVIII"/>eine ausführlichere Berichterstattung vom Reichstag notwendig. Wenn der Reichsadel nicht mehr selbst am Reichstag die Entscheidungen traf und dort die <w lemma="Beratungsgegenstände"><orig>Beratungsgegen-</orig><orig>stände</orig></w> kennenlernte, mußte er darauf sehen, seinen Gesandten genaue Instruktion zu erteilen und von ihnen ausführliche Relation über alle getätigten Geschäfte zu erhalten; Berichte über stattgehabte Verhandlungen fanden Aufnahme in die brieflichen Akten, die vom Reichstag nach Hause übersandt wurden.</p>
	  <p style="font-style:italic;">Darüber hinaus wurde die Erstellung von Reichsratsprotokollen durch zwei <w lemma="allgemeingeschichtliche"><orig>allgemein-</orig><orig>geschichtliche</orig></w> Entwicklungen gefördert: durch den Humanismus und durch die <w lemma="Reformation"><orig>Refor-</orig><orig>mation</orig></w>. Bereits um 1450 sahen humanistisch gebildete Räte im Reichstag ein <w lemma="geeignetes"><orig>ge-</orig><orig>eignetes</orig></w> Forum, die Kunst der schönen Rede zu üben<note type="edd" subtype="commAnnot" place="foot" facs="APWIIIA1-1_p0058n1" xml:id="bsb00057634_00058_n01"><lb facs="-" xml:id="bsb00057634_00058_001"/><p style="font-style:italic;">Ein frühes Beispiel ist die doppelte Wiedergabe der Reden auf der allgemeinen Schlußsitzung des Reichstags von Regensburg 1454 V 21 in Form einer „amtlichen Niederschrift“ und einer <w lemma="Darstellung"><orig>Dar-</orig><orig>stellung</orig></w> des Bf. Enea von Siena (<hi style="font-style:normal;">RTA ÄR</hi> 19, 1 nr. 37 S. 282–286, 288ff.); über den Einfluß des Humanismus allgemein <hi style="font-style:smallCaps;">Schubert</hi> S. 159–190.</p></note>. Man schätzte oratorische Leistungen so hoch ein, daß man sie in ihren Einzelheiten aufzeichnete und so der Nachwelt übermittelte.</p>
	  <p style="font-style:italic;">Den letzten äußeren Anstoß zur Anfertigung ausführlicher Protokolle aus dem Kurfürstenrat scheint die Reformation gegeben zu haben. Jedenfalls treten die ersten, über Beschlußnotationen hinausgehenden Kurfürstenratsprotokolle, soweit sich dies anhand der gedruckten Akten nachweisen läßt, im Zeitalter der Reformation auf. Zu dem bereits angeführten Protokoll der kurfürstlichen Unterredung vom Nürnberger <w lemma="Reichstag"><orig>Reichs-</orig><orig>tag</orig></w> 1524 mögen noch die oben genannten Gründe geführt haben: kollegintern das Wahlrecht der Kurfürsten, ihre Sonderverpflichtung zu Rat und Hilfe, die <w lemma="kurmainzische"><orig>kur-</orig><orig>mainzische</orig></w> Verwaltung der Reichskanzlei und die Rangordnung im Kolleg, extern das Vorbild der Städte und der geistlichen Genossenschaften, die Anwesenheit <w lemma="schreibgewohnter"><orig>schreib-</orig><orig>gewohnter</orig></w> Reichstagsteilnehmer, der Übergang vom Fürstentag zum <w lemma="Gesandtenkongreß"><orig>Gesandtenkon-</orig><orig>greß</orig></w> und die gelehrte Neigung zu den „artes“. Aber das erste gedruckte Mainzer Kurfürstenratsprotokoll, das Voten enthält<note type="edd" subtype="commAnnot" place="foot" facs="APWIIIA1-1_p0058n2" xml:id="bsb00057634_00058_n02"><lb facs="-" xml:id="bsb00057634_00058_002"/><p><hi style="font-style:italic;">1542 VIII 3/4 (Nürnberger Reichstag). Druck:</hi> <hi style="font-style:smallCaps;">UuA</hi> <hi style="font-style:smallCaps;">Burgund</hi>. <hi style="font-style:smallCaps;">Kreis</hi> <hi style="font-style:italic;">I nr. 273 S. 180f.</hi></p></note>, steht nicht isoliert in seiner Epoche.</p>
	  <p style="font-style:italic;">In das mehrbändige Werk der <hi style="font-style:smallCaps;">Acta</hi> <hi style="font-style:smallCaps;">Reformationis</hi> <hi style="font-style:smallCaps;">Catholicae</hi><note type="edd" subtype="commAnnot" place="foot" facs="APWIIIA1-1_p0058n3" xml:id="bsb00057634_00058_n03"><lb facs="-" xml:id="bsb00057634_00058_003"/><p><hi style="font-style:italic;">Mitgeteilt von</hi> G. <hi style="font-style:smallCaps;">Pfeilschifter</hi> <hi style="font-style:italic;">(Hrsg.) Bd. I-V.</hi></p></note> sind viele protokollähnliche Schriftstücke aufgenommen worden. Sie bezeugen die <w lemma="Sammlungsbewegung"><orig>Sammlungs-</orig><orig>bewegung</orig></w> der altgläubigen Partei gegen die kirchliche Neuerung, die vor allem im süddeutschen Raum früh zu Konventen und Konferenzen führte. Die Zeugnisse über diese Tagungen reichen vom summarischen „Rahmenbericht“<note type="edd" subtype="commAnnot" place="foot" facs="APWIIIA1-1_p0058n4" xml:id="bsb00057634_00058_n04"><lb facs="-" xml:id="bsb00057634_00058_004"/><p style="font-style:italic;"><hi style="font-style:normal;">ARC</hi> I nr. 44 S. 172–174 (fortlaufender Bericht des Salzburger Rats Dr. Nikolaus Ribeisen über Beschlüsse und Handlungen der Salzburger Konferenz 1523 XI). Vgl. das „Diarium der Gesandten des jülicher Herzogs“ 1540 XII 4–20, Worms (<hi style="font-style:normal;">ARC</hi> III nr. 100 S. 291–298).</p></note> über Abschiede und Rezesse bis zu Beschluß- und Verlaufsprotokollen. Es hatte zwar lange vor der Reformation genossenschaftliches Handeln gegeben, das protokollähnliche Akten schuf, aber es ist doch auffallend, daß zugleich mit der Herausbildung einer katholischen Partei unter den Reichs- und Landständen seit 1522 eine verstärkte Produktion protokollähnlichen Schriftgutes einsetzte. Vermehrter Anfall von Akten über <w lemma="mündliche"><orig>münd-</orig><orig>liche</orig></w> Verhandlungen ist nicht nur aus dieser Zeit kirchlicher Umwälzungen bekannt: <pb n="LIX" facs="APWIIIA1-1_p0059" sameAs="#bsb00057634_00059"/>Während der Französischen Revolution produzierte allein der revolutionäre Stadtrat von Paris eine vielbändige Protokollreihe<note type="edd" subtype="commAnnot" place="foot" facs="APWIIIA1-1_p0059n1" xml:id="bsb00057634_00059_n01"><lb facs="-" xml:id="bsb00057634_00059_001"/><p style="font-style:italic;">Siehe oben <ref type="line" subtype="intern" facs="#APWIIIA1-1_p0053n2" target="#bsb00057634_00053_002">S. LIII Anm. 2</ref>.</p></note>; die Aktivität der deutschen Revolution von 1848 hat in den Stenographischen Berichten der Frankfurter <w lemma="Nationalversammlung"><orig>Nationalversamm-</orig><orig>lung</orig></w> und des österreichischen Reichstags<note type="edd" subtype="commAnnot" place="foot" facs="APWIIIA1-1_p0059n2" xml:id="bsb00057634_00059_n02"><lb facs="-" xml:id="bsb00057634_00059_002"/><p style="font-style:italic;">Die Stenographischen Berichte aus der Paulskirche umfassen neun, die Verhandlungen des <w lemma="Reichstags"><orig>Reichs-</orig><orig>tags</orig></w> in Wien 1848/49 fünf Bände.</p></note> sowie in den Protokollen und <w lemma="Verfassungsentwürfen"><orig>Verfassungs-</orig><orig>entwürfen</orig></w> deutscher Landtage<note type="edd" subtype="commAnnot" place="foot" facs="APWIIIA1-1_p0059n3" xml:id="bsb00057634_00059_n03"><lb facs="-" xml:id="bsb00057634_00059_003"/><p><hi style="font-style:italic;">Vgl.</hi> K. <hi style="font-style:smallCaps;">Hugelmann</hi> <hi style="font-style:italic;">passim, sowie die Protokollreihe der Berliner Nationalversammlung.</hi></p></note> reichen Niederschlag gefunden. Die <w lemma="institutionsbildenden"><orig>institutions-</orig><orig>bildenden</orig></w> Bewegungen und Kräfte dieser unruhigen Zeiten verstärkten den <w lemma="Schriftverkehr"><orig>Schrift-</orig><orig>verkehr</orig></w> und den Hang zur Dokumentation. Es kann zwar methodisch nicht gelingen, einen schlüssigen Kausalzusammenhang zwischen einer Quellengattung und dem <w lemma="geschichtlichen"><orig>ge-</orig><orig>schichtlichen</orig></w> Leben herzustellen, das sie hervorrief, weil dieses Leben selbst nur in bereits geformten Quellen faßbar ist<note type="edd" subtype="commAnnot" place="foot" facs="APWIIIA1-1_p0059n4" xml:id="bsb00057634_00059_n04"><lb facs="-" xml:id="bsb00057634_00059_004"/><p>J. G. <hi style="font-style:smallCaps;">Droysen</hi>, <hi style="font-style:italic;">Grundriß der Historik §§ 21–36 S. 332–339, insbesondere § 34;</hi> <hi style="font-style:smallCaps;">ders.</hi>, <hi style="font-style:italic;">Texte zur Geschichtstheorie S. 61.</hi></p></note>; dennoch mag die Annahme erlaubt sein, daß die Formmerkmale, die die Quellengattung der Reichsratsprotokolle des frühen 16. Jahrhunderts ausprägte, den Kampf der wirkenden Kräfte des Zeitalters <w lemma="widerspiegeln"><orig>wider-</orig><orig>spiegeln</orig></w>.</p>
	  <p style="font-style:italic;">Ähnlich wie bei den städtischen Reichstagsprotokollen des frühen 16. Jahrhunderts lassen sich auch bei den Protokollen altgläubiger Stände verschiedene <w lemma="Entwicklungsstadien"><orig>Entwicklungs-</orig><orig>stadien</orig></w> unterscheiden. Vorstufen der Protokolle sind zunächst die Relationen, dann die Abschiede oder Gutachten. Die Beratungsergebnisse einzelner Beratungen oder Beratungsphasen werden in selbständigen Schriftstücken festgehalten; sie bedürfen nicht mehr der Briefform, um quellenmäßig in die Welt zu treten. Solche Abschiede heißen <hi style="font-style:normal;">Recessus sive conclusio eorum, quae tractata et consulta sunt in <w lemma="congregatione"><orig>congre-</orig><orig>gatione</orig></w>;</hi><note type="edd" subtype="commAnnot" place="foot" facs="APWIIIA1-1_p0059n5" xml:id="bsb00057634_00059_n05"><lb facs="-" xml:id="bsb00057634_00059_005"/><p style="font-style:italic;">So der „Rezess“ des Mühldorfer Reformkonvents von 1522 V 31 (<hi style="font-style:normal;">ARC</hi> I nr. 13 S. 62–66) und der „Rezess“ der Speyerer Konferenz (Beratung des Eb. Matthäus von Salzburg mit seinen <hi style="font-style:normal;">mitbischoven</hi> und deren Räten) von 1529 IV 24 (<hi style="font-style:normal;">ARC</hi> I nr. 204 S. 620).</p></note> sie sind zwar keine Relationen mehr, bilden aber erst die Vorstufe der Protokolle, da sie nur die Ergebnisse der Verhandlungen, nicht diese selbst festhalten. Gutachten und Abschiede können förmlich und feierlich ausgefertigt und in die <w lemma="rechtsgültige"><orig>rechts-</orig><orig>gültige</orig></w> Form von Mandaten oder Verträgen gegossen werden wie z. B. die <w lemma="Reichsabschiede"><orig>Reichs-</orig><orig>abschiede</orig></w>. Mit dem ansteigenden Grad ihrer förmlichen Fixierung, ausdrücklichen Rechtsgeltung und Irreversibilität entfernen sie sich von der Form des Protokolls, zumal wenn sie den förmlichen Abschluß einer festgelegten Phase gesetzgeberischer Tätigkeit bilden. Die Ausarbeitung förmlicher Einzelgutachten kann aber <w lemma="zurücktreten"><orig>zurück-</orig><orig>treten</orig></w>, wenn Konsultationen, wie die der altgläubigen Stände auf regionaler und <w lemma="Reichsebene"><orig>Reichs-</orig><orig>ebene</orig></w>, eher situationsbedingt als rechtlich aufgegeben sind, wenn längere <w lemma="Konferenzfolgen"><orig>Konferenz-</orig><orig>folgen</orig></w> eintreten und hochgestellte Instanzen fehlen, denen Gutachten übergeben werden müßten. Die Rezesse einzelner Beratungen werden dann in Gestalt eines „<w lemma="Rahmenberichts"><orig>Rahmen-</orig><orig>berichts</orig></w>“<note type="edd" subtype="commAnnot" place="foot" facs="APWIIIA1-1_p0059n6" xml:id="bsb00057634_00059_n06"><lb facs="-" xml:id="bsb00057634_00059_006"/><p style="font-style:italic;">Vgl. das „Protokoll über die Verhandlung des Episkopats mit den weltlichen Fürsten auf dem Passauer Fürstentag“ 1537 II 16/20 (<hi style="font-style:normal;">ARC</hi> II nr. 83 S. 371f.) und <hi style="font-style:normal;">RTA JR</hi> 4 nr. 28 S. 217ff.</p></note> aneinandergereiht; der fortlaufende Bericht über die einzelnen <w lemma="Beratungsergebnisse"><orig>Beratungs-</orig><orig>ergebnisse</orig></w> vermittelt so selbst Einzelheiten über den Gang längerer Verhandlungen: Er führt ihre Kristallisationspunkte auf und gerät damit zum protokollartigen Zwischentext des Verhandlungsstranges in seiner Gesamtheit. An die Stelle <w lemma="potentieller"><orig>poten-</orig><orig>tieller</orig></w> Einzelgutachten treten Beschlußprotokolle. Die beiden Quellengruppen der <w lemma="Gutachten"><orig>Gut-</orig><orig>achten</orig></w>/Abschiede/Rezesse einerseits und der Protokolle andererseits sind erst dann völlig zweifelsfrei zu unterscheiden, wenn der <hi style="font-style:normal;">Rezess</hi> oder <hi style="font-style:normal;">Ratslag</hi> nicht nur die beratenen Punkte mitteilt, sondern darüber hinaus Hinweise auf Reden, Äußerungen, Meinungen der <w lemma="Konferenzteilnehmer"><orig>Konferenz-</orig><orig>teilnehmer</orig></w> zum Beratungsgegenstand enthält, d. h. wenn das Beschlußprotokoll wenigstens ansatzweise zum Verlaufsprotokoll geworden ist. Kommt es zur Ausbildung langer und unübersichtlicher Verlaufsprotokolle, so kann das notwendig gewordene Beschlußprotokoll selbst wieder zum „Abschied“<note type="edd" subtype="commAnnot" place="foot" facs="APWIIIA1-1_p0060n1" xml:id="bsb00057634_00060_n01"><lb facs="-" xml:id="bsb00057634_00060_001"/><p style="font-style:italic;">So das Beschlußprotokoll der Neusser Konferenz 1535 XII 29 – 1536 I 7 (<hi style="font-style:normal;">ARC</hi> II nr. 51 S. 133–136). – Reine Beschlußprotokolle mit Datum, Präsenz, knapper Inhaltsangabe des zu beratenden Eingangs und mit Beschluß sind die Protokolle der Propagandakongregation in Rom <hi style="font-style:smallCaps;">Acta</hi> <hi style="font-style:normal;">SC</hi> <hi style="font-style:smallCaps;">de</hi> <hi style="font-style:normal;">PF).</hi> Diese Beschlußprotokolle sind aber nicht Abschiede zu nennen, obwohl sie nur bei der (seltenen) Anwesenheit des Papstes dessen Stellungnahme und mögliche Erwiderungen enthalten. Sie informieren, wie z. B. auch die teilweise „knappe(n) Beschlußprotokolle“ der Zentrumsfraktion (<hi style="font-style:smallCaps;">Morset</hi> S. XXV), über die Abfolge interner Beratungen.</p></note> werden: Das Protokoll ist ein Ergebnis der Ausdifferenzierung von Schriftgut, es tritt langfristig neben die Gutachten bzw. Abschiede, ersetzt sie aber nicht.</p>
	  <p style="font-style:italic;">Der Übergang vom Rezess zum Beschluß- und danach zum Verlaufsprotokoll, der sich im Lauf der katholischen und gemischtgläubigen Ständekonferenzen und <w lemma="Religionsgespräche"><orig>Reli-</orig><orig>gionsgespräche</orig></w> zwischen 1522 und 1541 vollzieht, läßt sich an bestimmten formalen Eigentümlichkeiten greifen, die später auch bei den Kurfürstenratsprotokollen <w lemma="anzutreffen"><orig>anzu-</orig><orig>treffen</orig></w> sind. Zunächst wird der <hi style="font-style:normal;">Ratschlag,</hi> das <hi style="font-style:normal;">consilium</hi> einer <hi style="font-style:normal;">consultatio,</hi> mit Actum-Vermerk versehen. Dann wird eine Präsenzliste der Persönlichkeiten, die an den <hi style="font-style:normal;">consulta</hi> teilgenommen haben, hinzugefügt<note type="edd" subtype="commAnnot" place="foot" facs="APWIIIA1-1_p0060n2" xml:id="bsb00057634_00060_n02"><lb facs="-" xml:id="bsb00057634_00060_002"/><p><hi style="font-style:italic;">Vgl. die Protokolle der Salzburger Konferenzen 1523 XI 16</hi> (ARC <hi style="font-style:italic;">I nr. 47 S. 176–178), 1542 I 7–12</hi> (ARC <hi style="font-style:italic;">II nr. 182 S. 720–723), das</hi> Consilium in re Lutherana <hi style="font-style:italic;">1523 XI</hi> (ARC <hi style="font-style:italic;">I</hi> <hi style="font-style:italic;">nr. 50 S. 183f.); zum „Actum“</hi> H. O. <hi style="font-style:smallCaps;">Meisner</hi>, <hi style="font-style:italic;">Aktenkunde S. 55.</hi></p></note> und Vorsorge für die dokumentarische Echtheit getroffen. Schließlich entwickelt sich, weil besonders wichtige Themen <w lemma="behandelt"><orig>behan-</orig><orig>delt</orig></w> werden und man die einzelnen Meinungsäußerungen schriftlich festhalten will, das Verlaufsprotokoll.</p>
	  <p style="font-style:italic;">a) <hi style="font-width:spaced;">Präsenz</hi>: Im Unterschied zu den in Mandatsform gebrachten Gutachten, etwa den Reichsabschieden, werden die Protokolle von den Konferenzteilnehmern nicht förmlich (vertretungsweise oder eigenhändig) unterschrieben; die Beteiligten sind aber – in der Regel am Anfang des Protokolls – namentlich aufgeführt: Dies ist der Präsenzvermerk. Im Unterschied zu den Abschieden, beispielsweise den <w lemma="Reichsabschieden"><orig>Reichsab-</orig><orig>schieden</orig></w>, steht die Vollmacht des am Verhandlungsakt teilnehmenden Vertreters eines Herrn (wie bei Unterfertigung eines Abschieds etwa des Subskribenten) nicht von vornherein rechtskräftig fest. Die Erörterung des Problems, ob dieser oder jener anwesende Vertreter handlungsbefugt, d. h. mit rechter Vollmacht versehen sei, im Namen seines Herrn zu sprechen, und „Plenipotenz“ besitze, um bindende Beschlüsse zu fassen, gehört selbst in das Protokoll hinein. Das Problem der Vollmacht kann <pb n="LXI" facs="APWIIIA1-1_p0061" sameAs="#bsb00057634_00061"/>selbst Thema der Konferenz werden und verdient dann, vor allem im Hinblick auf zu fassende, alle Konferenzteilnehmer bindende Beschlüsse, ausführliche Protokollierung<note type="edd" subtype="commAnnot" place="foot" facs="APWIIIA1-1_p0061n1" xml:id="bsb00057634_00061_n01"><lb facs="-" xml:id="bsb00057634_00061_001"/><p style="font-style:italic;">Vgl. Beratung der bischöflichen Vertreter von Freising, Regensburg, Passau 1531 II 8 auf dem Kreistag zu Regensburg (<hi style="font-style:normal;">ARC</hi> I nr. 214 S. 650–652), Protokoll der Speyerer <w lemma="Konferenzbischöflicher"><orig>Konferenzbischöf-</orig><orig>licher</orig></w> Vertreter aus verschiedenen Bistümern 1529 IV 13 (<hi style="font-style:normal;">ARC</hi> I nr. 203 S. 619).</p></note>.</p>
	  <p style="font-style:italic;">b) <hi style="font-width:spaced;">Dokumentarische Echtheit</hi>: Da zum Wesen frühneuzeitlicher <w lemma="Ständeprotokolle"><orig>Stände-</orig><orig>protokolle</orig></w> nicht die förmliche Unterschrift der Teilnehmer oder des/der Protokollanten hinzugehört, sondern der formlosere Präsenzvermerk, stellt sich für sie verschärft das Problem der Echtheit und Beglaubigung. Protokolle sind bereits in diesem frühen Stadium andere Dokumente als formell unterschriebene Briefe, Abschiede und <w lemma="Urkunden"><orig>Urkun-</orig><orig>den</orig></w>, auf die man sich grundsätzlich berufen könnte; sie sind zunächst nicht die Schriftform für eine zweifelsfrei gegebene vertragliche Verpflichtung. Dies schließt aber keineswegs aus, daß die Protokollanten sich um die getreue Wiedergabe des Gesprochenen bemühen. Im „Mainzer Präsidialprotokoll des Wormser <w lemma="Gesprächstages"><orig>Gesprächs-</orig><orig>tages</orig></w>“<note type="edd" subtype="commAnnot" place="foot" facs="APWIIIA1-1_p0061n2" xml:id="bsb00057634_00061_n02"><lb facs="-" xml:id="bsb00057634_00061_002"/><p style="font-style:italic;">1540 XI 19 – 1541 I 18 (<hi style="font-style:normal;">ARC</hi> III nr. 99 S. 196–291).</p></note> wird den protokollierenden Notaren (Doktoren) anempfohlen, ihre Notizen <hi style="font-style:normal;">miteinander</hi> zu <hi style="font-style:normal;">collationiren und jder dem andern seine acta</hi> zu <hi style="font-style:normal;"><w lemma="subscribirn"><orig>subscri-</orig><orig>birn</orig></w></hi><note type="edd" subtype="commAnnot" place="foot" facs="APWIIIA1-1_p0061n3" xml:id="bsb00057634_00061_n03"><lb facs="-" xml:id="bsb00057634_00061_003"/><p style="font-style:italic;">Die „Vollziehung“ des Protokolls mittels Unterschrift der Parteien (darüber <hi style="font-style:normal;">F.</hi> <hi style="font-style:smallCaps;">Küch</hi> S. XXXIV) ist aber noch kein konstitutives Merkmal des frühneuzeitlichen Protokolls (anders Vernehmungsprotokolle).</p></note><hi style="font-style:normal;">.</hi> Sie und ihre Substitute nehmen es auf ihren Eid, alles Vorgebrachte <w lemma="sorgfältig"><orig>sorg-</orig><orig>fältig</orig></w> aufzuzeichnen, <hi style="font-style:normal;">ire bucher und prothocolla</hi> nur den Gesprächsteilnehmern zur Kopie zu überlassen und die <hi style="font-style:normal;">originalia</hi> aufzubewahren<note type="edd" subtype="commAnnot" place="foot" facs="APWIIIA1-1_p0061n4" xml:id="bsb00057634_00061_n04"><lb facs="-" xml:id="bsb00057634_00061_004"/><p style="font-style:italic;">Die Substitute (Sekretäre) hingegen sollen zunächst nur <hi style="font-style:normal;">ausschreiben,</hi> was ihnen befohlen wird (<hi style="font-style:normal;">ARC</hi> III nr. 99 S. 225f.). Über die Eidesleistung protokollierender Domkapitelsekretäre vgl. <hi style="font-style:normal;">F.</hi> <hi style="font-style:smallCaps;">Herrmann</hi> S. XII, über das Problem der Vertraulichkeit bei Protokollen aus der Zeitgeschichte <hi style="font-style:smallCaps;">Morsey</hi> S. XXVIII.</p></note>. Im Unterschied zum Brief bleibt das Original bei Händen und wird gerade nicht zur Expedition <w lemma="freigegeben"><orig>frei-</orig><orig>gegeben</orig></w>.</p>
	  <p style="font-style:italic;">c) <hi style="font-width:spaced;">Thematik und Votum</hi>: Mit der Notierung von Einzelvoten der Konferenzteilnehmer ist der erste Schritt hin zum vollständigen Verlaufsprotokoll vollzogen; der stenographische Bericht über Parlamentsreden im 19. Jahrhundert bedeutet <w lemma="gegenüber"><orig>gegen-</orig><orig>über</orig></w> dem frühen <hi style="font-style:normal;">protocollum votorum</hi> nur eine letzte Ausformung. Die Anfänge des Votenprotokolls, die bei den bischöflichen Beratungen um 1529 – und vorher schon bei den Wahlprotokollen und bei den Protokollen über Städte-Konferenzen – zu beobachten sind, bestanden darin, daß abweichende Meinungen bestimmter <w lemma="Vertreter"><orig>Ver-</orig><orig>treter</orig></w> zu einem Beratungspunkt aufgeschrieben wurden<note type="edd" subtype="commAnnot" place="foot" facs="APWIIIA1-1_p0061n5" xml:id="bsb00057634_00061_n05"><lb facs="-" xml:id="bsb00057634_00061_005"/><p style="font-style:italic;">Siehe die <hi style="font-style:normal;">„Nota“</hi> von Passau und Freising auf dem Regensburger Kreistag von 1531 (<hi style="font-style:normal;">ARC</hi> I nr. 214 S. 651) sowie das Protokoll der Salzburger Konferenz 1542 I 7–12 (<hi style="font-style:normal;">ARC</hi> II nr. 182 S. 723).</p></note>; diese abweichenden <w lemma="Meinungen"><orig>Mei-</orig><orig>nungen</orig></w> bei fast erreichter Einmütigkeit wurden zunächst mehr angemerkt als breit dargelegt. Es gab formal zwei Grundmöglichkeiten, die allerdings miteinander <w lemma="kombiniert"><orig>kom-</orig><orig>biniert</orig></w> werden konnten, die Sondermeinungen zur Niederschrift zu bringen: Entweder gab der Protokollant die Beschlüsse zu den einzelnen Artikeln in der Reihenfolge der Proposition wieder, diese sachliche Gliederung ließ nur knappen Raum für die <w lemma="Einfügung"><orig>Ein-</orig><orig>fügung</orig></w> divergierender Ansichten<note type="edd" subtype="commAnnot" place="foot" facs="APWIIIA1-1_p0062n1" xml:id="bsb00057634_00062_n01"><lb facs="-" xml:id="bsb00057634_00062_001"/><p style="font-style:italic;">Siehe <hi style="font-style:normal;">ARC</hi> I nr. 203 S. 618f. (1529), ARC IV nr. 225 S. 549–558 (Protokoll der Salzburger Bischofskonferenz 1545 IX 19/20), <hi style="font-style:normal;">A.</hi> <hi style="font-style:smallCaps;">Seifert</hi> (Bearb.), Die Universität Ingolstadt S. 38–56, 94–99, 111, 142–145, 209, 238, 316f.</p></note>; oder die Voten der einzelnen Konferenzteilnehmer zum Gesamtkomplex der Proposition wurden hintereinander aufgeführt: Die <w lemma="Reihenfolge"><orig>Reihen-</orig><orig>folge</orig></w> in der Abgabe der Voten wurde zur Grundlage für die Gliederung des Protokolls<note type="edd" subtype="commAnnot" place="foot" facs="APWIIIA1-1_p0062n2" xml:id="bsb00057634_00062_n02"><lb facs="-" xml:id="bsb00057634_00062_002"/><p style="font-style:italic;">Voneinander abgesetzte Voten der Jülicher und der Kurkölner Räte im Protokoll der Neusser Konferenz 1535 XII 29 – 1536 I 7 (<hi style="font-style:normal;">ARC</hi> II nr. 52 S. 136–138) und der Kölner Konferenz 1537 I 16 (<hi style="font-style:normal;">ARC</hi> II nr. 60 S. 169–174).</p></note>.</p>
	  <p style="font-style:italic;">Die Aufschreibung von Einzelvoten setzte voraus, daß die Thematik der behandelten Sachen von hohem Interesse war. Die Themen mußten aus der Perspektive eines oder mehrerer Konferenzteilnehmer oder aber – später – einer interessierten <w lemma="Öffentlichkeit"><orig>Öffentlich-</orig><orig>keit</orig></w><note type="edd" subtype="commAnnot" place="foot" facs="APWIIIA1-1_p0062n3" xml:id="bsb00057634_00062_n03"><lb facs="-" xml:id="bsb00057634_00062_003"/><p style="font-style:italic;">Im Kurfürstenrat wandte man sich noch 1645 gegen den Raubdruck von Sitzungsprotokollen in Post-Zeitungen (siehe unten <ref type="document" subtype="intern" facs="#APWIIIA1-1_0039" target="#bsb00057634_00360_dok0039">Nr. 39</ref> S. 240). Auf dem Immerwährenden Reichstag wurden dann die Reichsprotokolle durch Kurmainz und Kursachsen (für das Corpus Evangelicorum) diktiert und teilweise gedruckt (vgl. <hi style="font-style:normal;">J. J.</hi> <hi style="font-style:smallCaps;">Moser</hi>, Teutsches Staatsrecht). Der Deutsche Bundestag nach 1816 unterschied zwischen Separatdruck <hi style="font-style:normal;">loco dictaturae</hi> für die Bundesmitglieder und einer Quartausgabe für die Öffentlichkeit. Die Veröffentlichung sollte tendenziösen Presseberichten über Bundestagssitzungen entgegenwirken. Eine letzte Stufe war der – 1848/49 geübte <hi style="font-style:normal;">–</hi> sofortige und vollständige Druck stenographischer Berichte zur Unterrichtung des Volkes (<hi style="font-style:normal;">H. O.</hi> <hi style="font-style:smallCaps;">Meisner</hi>, Die Protokolle des Deutschen Bundestages S. 2–14, 12f.).</p></note> für so wichtig erachtet werden, daß man die Meinungsäußerungen darüber in extenso mitschrieb und aufbewahrte. Zu den Entstehungsbedingungen des <w lemma="Votenprotokolls"><orig>Votenproto-</orig><orig>kolls</orig></w> gehört ein zumindest im Ansatz vorhandenes Publikum, auch wenn es zunächst nur aus den Mitgliedern der verhandelnden Genossenschaft besteht<note type="edd" subtype="commAnnot" place="foot" facs="APWIIIA1-1_p0062n4" xml:id="bsb00057634_00062_n04"><lb facs="-" xml:id="bsb00057634_00062_004"/><p style="font-style:italic;">Beim Marburger Religionsgespräch wandte sich Luther gegen die Führung eines offiziösen <w lemma="Protokolls"><orig>Proto-</orig><orig>kolls</orig></w>, weil er den „vertraulichen Charakter“ der Unterredung wünschte (<hi style="font-style:normal;">G.</hi> <hi style="font-style:smallCaps;">Wolf</hi>, Quellenkunde II, 1 S. 254). Bei den Protokollen des österreichisch-ungarischen Gemeinsamen Ministerrats (1914) durften laut Mitteilung des Protokollanten gewisse vertrauliche Nachrichten nicht in das Protokoll aufgenommen werden (<hi style="font-style:smallCaps;">Komjáthy</hi> S. 95f.: Insofern sei das Protokoll eine „negative Quelle“, die, eine Spur vom Verschwiegenen enthaltend, über das Verschweigenswerte indirekt Auskunft gebe).</p></note>. Neben dem <w lemma="Interesse"><orig>Inte-</orig><orig>resse</orig></w> und dem informationsberechtigten Publikum wird eine weitere Bedingung der nach Voten gegliederten Protokollführung die Reflexion auf gesteigerte <w lemma="Verantwortlichkeit"><orig>Verantwort-</orig><orig>lichkeit</orig></w> der einzelnen Genossenschaftsglieder für zu fassende Beschlüsse. Ein <w lemma="Bewußtsein"><orig>Bewußt-</orig><orig>sein</orig></w> für Autonomie und Selbständigkeit tritt hervor. Bei der Spaltung des <w lemma="altgläubigen"><orig>alt-</orig><orig>gläubigen</orig></w> Lagers, die während der Wormser Religionsgespräche 1540 eintritt, <w lemma="begründen"><orig>be-</orig><orig>gründen</orig></w> Pfalz, Brandenburg und Jülich den Wert ihrer Einzelstimm-Abgabe unter Berufung auf das Hagenauer Religionsgespräch: Dort sei vorgesehen worden, daß die katholische und die evangelische Seite <hi style="font-style:normal;">christlich freuntlich</hi> miteinander reden sollten; da <hi style="font-style:normal;">eyns jeden votum oder stym yhe fry und unverbonden</hi> sei, könne im Falle einer ausbleibenden Einigung der abweichende Stand seine Meinung übergeben, wie er es vor Gott, der Welt und seiner Obrigkeit verantworten zu können hoffe<note type="edd" subtype="commAnnot" place="foot" facs="APWIIIA1-1_p0062n5" xml:id="bsb00057634_00062_n05"><lb facs="-" xml:id="bsb00057634_00062_005"/><p style="font-style:italic;">„Diarium der Gesandten des jülicher Herzogs“ 1540 XII 18 (<hi style="font-style:normal;">ARC</hi> III nr. 100 S. 294f., 291–298). Zur gesteigerten Bedeutung der Visitationsprotokolle während der Reformation <hi style="font-style:normal;">G.</hi> <hi style="font-style:smallCaps;">Wolf</hi>, Quellenkunde II, 1 S. 1, 7–10, 13, II, 2 S. 120.</p></note>. Es liegt auf der Hand, daß die wichtige religiöse Thematik nicht nur gegensätzliche <w lemma="Stellungnahmen"><orig>Stellung-</orig><orig>nahmen</orig></w> unter den Gesprächspartnern auslöste, sondern auch die Aufzeichnung der Einzelvoten von <hi style="font-style:normal;">Pfaltz, Meintz</hi> und <hi style="font-style:normal;">Strassburg</hi> sowie die Anfertigung zweier Protokolle, eines katholischen kurmainzischen und eines evangelischen kurpfälzischen, begünstigte<note type="edd" subtype="commAnnot" place="foot" facs="APWIIIA1-1_p0063n1" xml:id="bsb00057634_00063_n01"><lb facs="-" xml:id="bsb00057634_00063_001"/><p style="font-style:italic;">Das „Mainzer Präsidialprotokoll“ von 1540 XI 19 –1541 I 18 (<hi style="font-style:normal;">ARC</hi> III nr. 99 S. 196–291) informiert über den Gesprächsverlauf (Einzelmeinungen, Bedenken), über die Präsenz (<hi style="font-style:smallCaps;">ebd.</hi> S. 207, 216), über Mehrheitsbildung (<hi style="font-style:smallCaps;">ebd.</hi> S. 260).</p></note>. In auffälliger zeitlicher Nähe zu den Protokollen vom Wormser <w lemma="Gesprächstag"><orig>Ge-</orig><orig>sprächstag</orig></w> 1540/41 steht das ebenfalls Voten aufweisende Mainzer <w lemma="Kurfürstenratsprotokoll"><orig>Kurfürsten-</orig><orig>ratsprotokoll</orig></w> von 1542<note type="edd" subtype="commAnnot" place="foot" facs="APWIIIA1-1_p0063n2" xml:id="bsb00057634_00063_n02"><lb facs="-" xml:id="bsb00057634_00063_002"/><p style="font-style:italic;">Nürnberger Reichstag 1542 VIII 3/4 (<hi style="font-style:smallCaps;">UuA</hi> <hi style="font-style:smallCaps;">Burgund</hi><hi style="font-style:normal;">.</hi> <hi style="font-style:smallCaps;">Kreis</hi> I nr. 273 S. 180f.); das <w lemma="Protokoll"><orig>Pro-</orig><orig>tokoll</orig></w> davor (1542 VII 29/30, <hi style="font-style:smallCaps;">ebd.</hi> nr. 272 S. 180) führt bereits die Räte von Kurmainz, Kursachsen, Kurbrandenburg als Handelnde auf.</p></note>, dem gleichartige Protokolle aus dem Kurfürstenrat der Reichstage von Speyer (1544) und Worms (1545)<note type="edd" subtype="commAnnot" place="foot" facs="APWIIIA1-1_p0063n3" xml:id="bsb00057634_00063_n03"><lb facs="-" xml:id="bsb00057634_00063_003"/><p style="font-style:italic;">Teildrucke <hi style="font-style:smallCaps;">UuA</hi> <hi style="font-style:smallCaps;">Burgund</hi><hi style="font-style:normal;">.</hi> <hi style="font-style:smallCaps;">Kreis</hi> I nr. 330 S. 245f., nr. 346 S. 257–259, nr. 349 S. 261f., nr. 359 S. 267, nr. 363 S. 269f., nr. 370 S. 285f. (1544 VI 7 – 1545 VII 27).</p></note>, von Augsburg (1547<note type="edd" subtype="commAnnot" place="foot" facs="APWIIIA1-1_p0063n4" xml:id="bsb00057634_00063_n04"><lb facs="-" xml:id="bsb00057634_00063_004"/><p style="font-style:italic;">1547 IX 3 – X 8 (<hi style="font-style:normal;">ARC</hi> V nr. 32 S. 87–107), 1547 X 18–26 (<hi style="font-style:smallCaps;">ebd.</hi> nr. 48 S. 138–148). Vgl. <hi style="font-style:smallCaps;">ebd.</hi> nr. 33 S. 107f. bayerisches Fürstenratsprotokoll 1547 IX 3, 5 (2 Voten).</p></note> und 1548<note type="edd" subtype="commAnnot" place="foot" facs="APWIIIA1-1_p0063n5" xml:id="bsb00057634_00063_n05"><lb facs="-" xml:id="bsb00057634_00063_005"/><p><hi style="font-style:smallCaps;">UuA</hi> <hi style="font-style:smallCaps;">Burgund</hi>. <hi style="font-style:smallCaps;">Kreis</hi> <hi style="font-style:italic;">I S. 313 und 1549</hi> (ARC <hi style="font-style:italic;">V).</hi></p></note>) folgen. Themen dieser ersten Votenprotokolle sind die burgundische Frage, also staatsrechtliche Probleme der Reichszugehörigkeit, und die Glaubensspaltung.</p>
	  <p style="font-style:italic;">Spätestens seit 1542 sind also im Kurfürstenrat des Reichstages <hi style="font-style:normal;">protocolla votorum</hi> geführt worden. Sie bilden die Grundform der hier edierten Kurfürstenratsprotokolle vom Westfälischen Friedenskongreß, nur daß die ursprünglich kurzen Voten-<w lemma="Notierungen"><orig>No-</orig><orig>tierungen</orig></w> 1645 an Umfang gewaltig zugenommen haben und zum Teil viele Folioseiten füllen. Dies ist aber keineswegs erst das Resultat der Entwicklung eines Jahrhunderts; bereits 1551, ein knappes Jahrzehnt nach dem ersten bisher ermittelten <w lemma="Votenprotokoll"><orig>Votenpro-</orig><orig>tokoll</orig></w> aus dem Kurfürstenrat, haben die kurfürstlichen Voten vom Passauer Tag eine erhebliche Länge.<note type="edd" subtype="commAnnot" place="foot" facs="APWIIIA1-1_p0063n6" xml:id="bsb00057634_00063_n06"><lb facs="-" xml:id="bsb00057634_00063_006"/><p><hi style="font-style:italic;">Vgl.</hi> <hi style="font-style:smallCaps;">UuA</hi> <hi style="font-style:smallCaps;">Burgund</hi>. <hi style="font-style:smallCaps;">Kreis</hi> <hi style="font-style:italic;">II nr. 489 S. 55ff.</hi></p></note></p>
	  <p style="font-style:italic;">Dennoch wird sich das <hi style="font-style:normal;">protocollum votorum</hi> im Kurfürstenrat eher allmählich als schlagartig durchgesetzt haben. Vor und neben den ersten Votenprotokollen existieren nämlich weiterhin kurmainzische Beschlußprotokolle aus dem Kurfürstenrat. Noch 1647 bis 1649 sind von einzelnen, minder wichtigen Kurfürstenratssitzungen aus der Mainzer Kanzlei nur Beschlußprotokolle erhalten. Diese Vorstufe des <hi style="font-style:normal;">protocollum votorum</hi> ist bereits ein echtes Protokoll. Es bildet gegenüber den Gutachten des Kurkollegs ein selbständiges Schriftstück<note type="edd" subtype="commAnnot" place="foot" facs="APWIIIA1-1_p0063n7" xml:id="bsb00057634_00063_n07"><lb facs="-" xml:id="bsb00057634_00063_007"/><p style="font-style:italic;">Vgl. die Kurfürstenratsgutachten 1541 VII 4 (<hi style="font-style:normal;">ARC</hi> III nr. 118 S. 379, nr. 122 S. 388f.), 1547 IX 20, 30 (<hi style="font-style:normal;">ARC</hi> V nr. 37 S. 118–120, nr. 41 S. 124–126).</p></note> und enthält Aufzeichnungen über die Re- und Correlation, d. h. über den Austausch der Beschlüsse und <w lemma="Gutachten"><orig>Gut-</orig><orig>achten</orig></w> der drei Reichsräte<note type="edd" subtype="commAnnot" place="foot" facs="APWIIIA1-1_p0063n8" xml:id="bsb00057634_00063_n08"><lb facs="-" xml:id="bsb00057634_00063_008"/><p style="font-style:italic;">Auch nachdem Voten notiert worden sind, wird der Meinungsaustausch der Kurfürsten mit <hi style="font-style:normal;">Gemaine stendt,</hi> die Re- und Correlation, festgehalten (1547 IX 3, <hi style="font-style:normal;">ARC</hi> V nr. 32 S. 87ff.). Reines Kurfürstenratsprotokoll über die Re- und Correlation: 1541 VII 2, 4 (<hi style="font-style:normal;">ARC</hi> III nr. 117 S. 378f.).</p></note> Kurfürstenrat, Fürstenrat und Städterat, die ihre <w lemma="Ansichten"><orig>An-</orig><orig>sichten</orig></w> zum Reichsgutachten zusammentragen.</p>
	  <p style="font-style:italic;"><pb n="LXIV" facs="APWIIIA1-1_p0064" sameAs="#bsb00057634_00064"/>Läßt nun die Entstehung eines ausführlichen Votenprotokolls darauf schließen, daß die Genossenschaft, die es hervorbringt, eine verfassungsrechtlich höhere <w lemma="Entwicklungsstufe"><orig>Entwicklungs-</orig><orig>stufe</orig></w> erreicht hat? Bezogen auf den inneren Zusammenhalt des Kollegs, muß die Antwort überraschend lauten: Nein. Die Aufschreibung oder Übergabe<note type="edd" subtype="commAnnot" place="foot" facs="APWIIIA1-1_p0064n1" xml:id="bsb00057634_00064_n01"><lb facs="-" xml:id="bsb00057634_00064_001"/><p style="font-style:italic;">Schriftliches bayerisches Votum im Fürstenrat 1541 VII 4 (<hi style="font-style:normal;">ARC</hi> III nr. 120 S. 385f.), kursächsisches Votum 1547 IX 30 (<hi style="font-style:normal;">ARC</hi> V nr. 40 S. 122f.).</p></note> von <w lemma="Einzelvoten"><orig>Einzel-</orig><orig>voten</orig></w> wird notwendig, wenn in der beratenden Körperschaft abweichende Standpunkte zu Gehör gebracht werden sollen oder aber wenn ein Stand besonderen Einfluß <w lemma="ausüben"><orig>aus-</orig><orig>üben</orig></w> will: Vorher fraglose Einhelligkeit beginnt fragwürdig zu werden, gegen ein gemeinschaftlich verfaßtes Gutachten liegen von vornherein Vorbehalte in der Luft, kurzum, eine Art von Opposition entsteht<note type="edd" subtype="commAnnot" place="foot" facs="APWIIIA1-1_p0064n2" xml:id="bsb00057634_00064_n02"><lb facs="-" xml:id="bsb00057634_00064_002"/><p style="font-style:italic;">Protokolle über die gegensätzliche Kollektiv-Äußerung zweier Parteien (als solche prinzipiell auch die Re- und Correlation aufzufassen): Molsheimer Tag 1542 X 18 (Bistum contra Stadt Straßburg, ARC IV nr. 37 S. 191–193), Wormser Tag 1540/41, wo sich die Kurfürstlichen der gemeinsamen Beratung mit den katholischen Fürstlichen widersetzen (<hi style="font-style:normal;">ARC</hi> III nr. 99 S. 229, vgl. nr. 100 S. 293, 297), Spaltung des Kurfürstenrats zwischen Sachsen, Pfalz, Brandenburg und Mainz, Trier, Köln 1548 I 17–30 (<hi style="font-style:normal;">ARC</hi> V nr. 57 S. 172–187).</p></note>, die ein Forum für das Austragen der Gegensätze braucht. In den früheren Beschlußprotokollen des Kurfürstenrats über die Re- und Correlation liegt der Akzent gerade auf dem geschlossenen Handeln des Kollegs gegenüber den konkurrierenden Kurien; nur das gemeinschaftliche Auftreten scheint der Protokollierung würdig. Das <hi style="font-style:normal;">protocollum votorum</hi> ist aber ein Anzeichen dafür, daß der Zusammenhalt der protokollführenden Genossenschaft auf die Probe gestellt ist und die sichere Aussicht auf Einhelligkeit weicht. Die <w lemma="Einzeläußerungen"><orig>Einzel-</orig><orig>äußerungen</orig></w> werden im Rahmen einer Auseinandersetzung wichtig, die das Interesse, die Eigenverantwortung der Genossen und eine zunächst begrenzte Öffentlichkeit<note type="edd" subtype="commAnnot" place="foot" facs="APWIIIA1-1_p0064n3" xml:id="bsb00057634_00064_n03"><lb facs="-" xml:id="bsb00057634_00064_003"/><p style="font-style:italic;">Siehe oben <ref type="line" subtype="intern" facs="#APWIIIA1-1_p0062n3" target="#bsb00057634_00062_003">S. LXII Anm. 3</ref>. Die wechselseitige Beziehung zwischen Protokollführung und <w lemma="Öffentlichkeit"><orig>Öffent-</orig><orig>lichkeit</orig></w> gestand auch der erste Frankfurter Demokratenkongreß ein. Er beschloß, ein <w lemma="publikationsfähiges"><orig>publikations-</orig><orig>fähiges</orig></w> „offizielles Verhandlungsprotokoll“ nicht vorzulegen, sondern lediglich seine Beschlüsse „zur öffentlichen Kenntnis zu bringen“, weil die Versammlung sich „auf dem Boden der <w lemma="revolutionären"><orig>revo-</orig><orig>lutionären</orig></w> Praxis bewege“ (zit. nach <hi style="font-style:normal;">G.</hi> <hi style="font-style:smallCaps;">Becker</hi>, Das Protokoll des ersten <w lemma="Demokratenkongresses"><orig>Demokratenkon-</orig><orig>gresses</orig></w> vom Juni 1848 S. 386).</p></note> einbeziehen: Das Votenprotokoll bezeugt den Übergang zur vorparlamentarischen Debatte, repräsentiert die vorparlamentarische Öffnung einer vorher geschlossenen Genossenschaft, die die Präliminarien ihrer Beschlüsse bislang in völliger <w lemma="Vertraulichkeit"><orig>Vertrau-</orig><orig>lichkeit</orig></w> abgewickelt hatte. Die Verantwortlichkeit des Gesandten gegenüber seinem Auftraggeber wirkt umformend auf die Beratungstechnik innerhalb der Kollegien ein. Durch Schriftlichkeit gewährleistete Nachprüfbarkeit tritt an die Stelle <w lemma="instabiler"><orig>insta-</orig><orig>biler</orig></w> Vertraulichkeit, die allerdings jederzeit ex post revozierbar war. Auch die kurfürstlichen Beschlußprotokolle über den Umgang der drei Kurien miteinander beleuchten bereits eine vorparlamentarische Öffnung des Reichstags, die wiederum genetisch vor der Offenlegung kolleginterner Auseinandersetzungen liegt. Die <w lemma="Notierung"><orig>Notie-</orig><orig>rung</orig></w> der drei Kollegialbeschlüsse der Kurfürsten, Fürsten und Städte, die im 17. <w lemma="Jahrhundert"><orig>Jahr-</orig><orig>hundert</orig></w> noch Voten genannt werden<note type="edd" subtype="commAnnot" place="foot" facs="APWIIIA1-1_p0064n4" xml:id="bsb00057634_00064_n04"><lb facs="-" xml:id="bsb00057634_00064_004"/><p><hi style="font-style:italic;">Vgl. etwa den Sprachgebrauch:</hi> votum decisivum <hi style="font-style:italic;">der Reichsstädte, aber auch – in der <w lemma="Staatsrechtsliteratur"><orig>Staats-</orig><orig>rechtsliteratur</orig></w> und in den Akten:</hi> Votum <hi style="font-style:italic;">der Kurfürsten</hi> (<hi style="font-style:smallCaps;">Staricius</hi> <hi style="font-style:italic;">S. 26),</hi> Vot(um) Caesarei et vot(um) statuum (<hi style="font-style:smallCaps;">Kornmann</hi> <hi style="font-style:italic;">cap. 5 § 13).</hi></p></note>, macht die Aufteilung der Reichstagsgenossen <pb n="LXV" facs="APWIIIA1-1_p0065" sameAs="#bsb00057634_00065"/>auf drei kompetierende Gruppen/Kurien deutlich. Bereits die kurmainzischen <w lemma="Beschlußprotokolle"><orig>Be-</orig><orig>schlußprotokolle</orig></w> über die Re- und Correlationen sind – allerdings noch <w lemma="gruppenbezogene"><orig>gruppen-</orig><orig>bezogene</orig></w> – Votenprotokolle mit dem angedeuteten spezifischen verfassungsrechtlichen Hintergrund einer beginnenden Auflösung und Umbildung mittelalterlich <w lemma="geschlossener"><orig>geschlos-</orig><orig>sener</orig></w> Genossenschaft.</p>
	</div>
	<div type="part" subtype="part" ana="#section_01" xml:id="bsb00057634_00065_sec0012" corresp="#bsb00057634_00065">
	  <head>III. Die Kurfürstenratsprotokolle vom Friedenskongreß 1645–1649</head>
	  <div type="part" subtype="part" ana="#section_02" xml:id="bsb00057634_00065_sec0013" corresp="#bsb00057634_00065">
	    <p style="font-style:italic;">1. Die Überlieferung: Allgemeines</p>
	    <p style="font-style:italic;">Die in diesem Band edierten Konferenzprotokolle der kurfürstlichen Kurie umfassen den Zeitraum vom 25. Februar 1645 bis zum 25. September 1647. Dabei handelt es sich nicht um eine kontinuierliche Beratungsphase, wie sie sich in den späteren Verhandlungen abzeichnet, die vom 6. Mai 1648 bis zum 9. Juni 1649 in Osnabrück über unerfüllte schwedische und französische Friedensforderungen geführt worden sind. Die Fixierung des Zeitraumes dieser vorliegenden Publikation bedarf daher der Begründung, wobei zunächst zu entscheiden war, bei welchem Zeitpunkt die Edition einsetzen sollte, um die Teilhabe der Kurfürsten am beginnenden Kongreßgeschehen zureichend zu dokumentieren. Denn die Beratungen der kurfürstlichen Gesandten begannen nicht gleichzeitig mit den Beratungen der Fürsten- und Städtekurie nach einer feierlichen kaiserlichen Proposition, wie sonst auf Reichstagen im Prinzip üblich. Die in Münster und Osnabrück anwesenden kurfürstlichen Gesandten traten erstmals in dem westfälischen Dorf Lengerich, das zwischen den beiden Kongreßorten liegt, als förmlicher Kurfürstenrat zusammen (10. bis 11. Juli 1645)<note type="edd" subtype="commAnnot" place="foot" facs="APWIIIA1-1_p0065n1" xml:id="bsb00057634_00065_n01"><lb facs="-" xml:id="bsb00057634_00065_001"/><p><hi style="font-style:italic;">In seinen handschriftlichen</hi> Corrigenda in dem prothocollo der Lengericher conferenz den 10<hi style="pos:sup;">ten</hi> July <hi style="font-style:italic;">entscheidet der kurmainzische Gesandte Brömser, diese Konferenz – wie den <w lemma="eigentlichen"><orig>eigent-</orig><orig>lichen</orig></w> Kurfürstenrat –</hi> per sessiones zu distinguiren (<choice><abbr>MEA</abbr><expan>Mainzer Erzkanzlerarchiv</expan></choice> <hi style="font-style:italic;"><choice><abbr>FrA</abbr><expan>Friedensakten</expan></choice> <choice><abbr>Fasz.</abbr><expan>Faszikel</expan></choice> 12).</hi></p></note>. Die <w lemma="eigentlichen"><orig>eigent-</orig><orig>lichen</orig></w> Sitzungen der kurfürstlichen Kurie – fast zeit gleich mit den Sitzungen des Fürstenrats in Münster – setzten aber erst über einen Monat später, am 31. August, ein, nachdem zwei Tage zuvor der kaiserliche Gesandte in Münster, Isaak Volmar, der Versammlung der kurfürstlichen und fürstlichen Stände aufgetragen hatte, die Beratungsweise der Reichsstände am Kongreß zu erörtern. Vorher hatten aber schon, abgesehen von den drei Sitzungen der Lengericher Konferenz, 35 Vorkonferenzen der kurfürstlichen Gesandten in Münster und Osnabrück stattgefunden, an denen meist die kaiserlichen Gesandten ebenfalls teilgenommen hatten. Dies entsprach dem <w lemma="Hamburger"><orig>Ham-</orig><orig>burger</orig></w> Präliminarvertrag von 1641, in dem vorgesehen worden war, daß den <w lemma="Friedensverhandlungen"><orig>Frie-</orig><orig>densverhandlungen</orig></w> des Kaisers mit den Franzosen Kurköln und Kurbrandenburg, des Kaisers mit Schweden aber Kurmainz und Kurbrandenburg beiwohnen sollten. Die Konferenzen dieser kurfürstlichen Deputierten, denen sich Kurbayern bereits im Februar 1645 (in Münster) hinzugesellte, begannen am 25. Februar 1645 in <w lemma="Münster"><orig>Mün-</orig><orig>ster</orig></w> und am 17. Mai 1645 in Osnabrück. Da die Kurfürsten hier in Wahrnehmung ihrer Prärogative, ihres Mitspracherechts in Dingen der Reichsaußenpolitik, handelten, erschien es notwendig, diese Konferenzen in die Edition mit aufzunehmen. Seitens der <pb n="LXVI" facs="APWIIIA1-1_p0066" sameAs="#bsb00057634_00066"/>Reichsstände begann der Westfälische Friedenskongreß praktisch also mit einem auf zwei Orte verteilten Kurfürstentag. Allerdings waren – anders als im Regelfall dieser Art von Reichsversammlung – die kurfürstlichen Gesandten angesichts der <w lemma="auswärtigen"><orig>aus-</orig><orig>wärtigen</orig></w> Mächte nicht die ausschlaggebenden Tagungsteilnehmer; das Kollegium war nicht vollständig; und die Konferenzen fanden meist im Beisein der kaiserlichen Gesandten statt.</p>
	    <p style="font-style:italic;">Nicht aufgenommen wurden in unsere Publikation die zweiseitigen Besprechungen, die während der Besuche, der sogenannten Visiten eines kurfürstlichen Standes bei einem anderen, stattfanden. Gemäß dem zeitgenössischen Rechtssatz, daß zwei Teilnehmer kein Kollegium bilden, wurden also nicht die zahlreichen Kontakte und Gespräche der Kurbrandenburger mit den Kurmainzern in Osnabrück berücksichtigt, sondern nur die gemeinsamen Assistenzberatungen beider Kurstände mit den kaiserlichen <w lemma="Gesandten"><orig>Gesan-</orig><orig>dten</orig></w> Lamberg und Krane. In diesen gemeinsamen kurfürstlich-kaiserlichen <w lemma="Konferenzen"><orig>Kon-</orig><orig>ferenzen</orig></w> werden wesentliche Züge der kurfürstlichen Aktivitäten im Vorfeld des Kongresses sichtbar. Die Kurfürstlichen nahmen hier eine intime Ratgeberstellung gegenüber den Kaiserlichen ein. Die Situation ähnelte in etwa derjenigen „im <w lemma="Kabinett"><orig>Kabi-</orig><orig>nett</orig></w>“, nur daß der Kaiser nicht persönlich anwesend war und daß die kaiserlichen Gesandten in den Monaten bis zum Eintreffen Trauttmansdorffs (29. November 1645) nicht voll verhandlungsfähig waren. Die Bedeutung dieser Vorkonferenzen braucht nicht erst nachträglich vom Historiker festgestellt zu werden, sie war bereits den Handelnden bewußt: Anläßlich der Übergabe der kaiserlichen Proposition am 25. September 1645 wurden übergroße Feierlichkeiten im Kurfürstenrat abgelehnt, um nicht den Eindruck entstehen zu lassen, als hätten bis zu diesem Zeitpunkt noch keine Beratungen stattgefunden<note type="edd" subtype="commAnnot" place="foot" facs="APWIIIA1-1_p0066n1" xml:id="bsb00057634_00066_n01"><lb facs="-" xml:id="bsb00057634_00066_001"/><p style="font-style:italic;">Siehe unten <ref type="document" subtype="intern" facs="#APWIIIA1-1_0043" target="#bsb00057634_00398_dok0043">Nr. 43</ref> S. 283 (1645 IX 18).</p></note>. Sachlich ist die Einbeziehung dieser <w lemma="Vorkonferenzen"><orig>Vorkonferen-</orig><orig>zen</orig></w> in die Edition von Kurfürstenratsprotokollen also durchaus geboten.</p>
	    <p style="font-style:italic;">Von den Quellen her gesehen ist dagegen diese Einbeziehung keineswegs <w lemma="unproblematisch"><orig>unproble-</orig><orig>matisch</orig></w>. Für die Konferenzen liegen nämlich nicht, wie vom 10. zum 11. Juli 1645 und ab 31. bzw. 29. August 1645, geschlossene Reihen von Protokollen vor, sondern es mußte, um einen Text zu konstituieren, auf protokollartige Schilderungen in den Diarien (Gesandtschaftstagebüchern) und Relationen sowie auf Protokollextrakte der kaiserlichen Gesandten zurückgegriffen werden. Dazu wurden herangezogen das <hi style="font-style:smallCaps;">Diarium</hi> <hi style="font-style:smallCaps;">Wartenberg</hi> (Kurköln), das Diarium der kurbayerischen <w lemma="Gesandtschaft"><orig>Gesandt-</orig><orig>schaft</orig></w>, das <hi style="font-style:smallCaps;">Diarium</hi> <hi style="font-style:smallCaps;">Löben</hi> (Kurbrandenburg), kurmainzische Relationen aus Münster und Osnabrück an den Kurfürsten und Protokolle der kaiserlichen <w lemma="Gesandten"><orig>Gesan-</orig><orig>dten</orig></w> Krane und Volmar (letztere sind teilweise in den älteren Quellenwerken von <hi style="font-style:normal;">A.</hi> <hi style="font-style:smallCaps;">Cortrejus</hi><hi style="font-style:normal;">, C. W.</hi> <hi style="font-style:smallCaps;">Gärtner</hi> und <hi style="font-style:normal;">J. G.</hi> <hi style="font-style:smallCaps;">Meiern</hi> bereits gedruckt worden). Das <hi style="font-style:smallCaps;">Diarium</hi> <hi style="font-style:smallCaps;">Wartenberg</hi>, so genannt nach dem kurkölnischen Hauptgesandten Franz Wilhelm von Wartenberg, ist eigentlich ein Diarium der kurkölnischen <w lemma="Gesandtschaft"><orig>Ge-</orig><orig>sandtschaft</orig></w> über die <hi style="font-style:normal;">Münsterischen Friedensverhandlungen 1644–1648</hi><note type="edd" subtype="commAnnot" place="foot" facs="APWIIIA1-1_p0066n2" xml:id="bsb00057634_00066_n02"><lb facs="-" xml:id="bsb00057634_00066_002"/><p><hi style="font-style:smallCaps;">HStA</hi> <hi style="font-style:smallCaps;">Düsseldorf</hi>, <hi style="font-style:italic;">Kurköln VI (Reichshandlungen 1638–1649) 239–251 Bd. I-XIII und ein Beiband (Publikation in den</hi> APW <hi style="font-style:italic;">durch Dr.</hi> J. <hi style="font-style:smallCaps;">Förster</hi>, <hi style="font-style:italic;">der auch eine aktenkundliche Beschreibung des Diariums liefern wird, in Vorbereitung).</hi></p></note><hi style="font-style:normal;">:</hi> In den <pb facs="APWIIIA1-1_p0067" sameAs="#bsb00057634_00067" n="LXVII"/>ersten vier Bänden, die hier benutzt worden sind, tritt der Geschäftsanteil <w lemma="Wartenbergs"><orig>Warten-</orig><orig>bergs</orig></w> stark in den Vordergrund; auch wird Wartenberg anders tituliert als die übrigen kurkölnischen Gesandten<note type="edd" subtype="commAnnot" place="foot" facs="APWIIIA1-1_p0067n1" xml:id="bsb00057634_00067_n01"><lb facs="-" xml:id="bsb00057634_00067_001"/><p><hi style="font-style:italic;">Durchgängig</hi> Ihre Hochfürstliche Gnaden, <hi style="font-style:italic;">bezogen auf seine Herkunft und seine <w lemma="reichsrechtliche"><orig>reichsrecht-</orig><orig>liche</orig></w> Stellung.</hi></p></note>. Das Diarium enthält in der Hauptsache sehr detailliert aufgezeichnete Gespräche, die Wartenberg mit den Kongreßgesandten bei den Visiten geführt hat. In diesen zahlreichen Niederschriften sind – wie auch in den anderen Diarien – die Ausführungen beider Seiten gewissenhaft geschildert. Ähnlich wie bei den Visitenprotokollen wurden auch in die Diariums-<w lemma="Niederschriften"><orig>Niederschrif-</orig><orig>ten</orig></w> über die kurfürstlichen Vorkonferenzen die einzelnen Äußerungen der Teilnehmer in chronologischer Reihenfolge aufgenommen. Als Protokollant der Vorkonferenzen <w lemma="fungierte"><orig>fun-</orig><orig>gierte</orig></w> unter anderen der kurkölnische Sekretär Matthias Lintz. Die Zusammenkünfte der kurfürstlichen Gesandten untereinander und die kaiserlich-kurfürstlichen <w lemma="Assistenzberatungen"><orig>Assistenz-</orig><orig>beratungen</orig></w> wurden im <hi style="font-style:smallCaps;">Diarium</hi> <hi style="font-style:smallCaps;">Wartenberg</hi> wohl auch deshalb so ausführlich protokolliert, weil Wartenberg in Münster vor dem Zusammentritt des vollständigen Kurkollegs eine direktoriale Stellung beanspruchte: So lieh sich der kurmainzische Gesandte Brömser von dem kurkölnischen Sekretär Gesprächsaufzeichnungen aus<note type="edd" subtype="commAnnot" place="foot" facs="APWIIIA1-1_p0067n2" xml:id="bsb00057634_00067_n02"><lb facs="-" xml:id="bsb00057634_00067_002"/><p><hi style="font-style:italic;">Vgl. Brömser/Osnabrück an Kf. Anselm Casimir, 1645 V 4</hi> (<choice><abbr>MEA</abbr><expan>Mainzer Erzkanzlerarchiv</expan></choice> <hi style="font-style:italic;"><choice><abbr>FrA</abbr><expan>Friedensakten</expan></choice> <choice><abbr>Fasz.</abbr><expan>Faszikel</expan></choice> 7 [4] nr. 23): Da</hi> mir nicht moglich geweßen, alles dasjenige, waß in 2½ stundt geredet worden, memoriter zu behalten [...] habe ich copiam prothocolli [...] gebetten <hi style="font-style:italic;">(Konferenz zwischen Kurmainz und Kurköln, Wartenberg, von der Recke, Landsberg, vom 3. Mai 1645).</hi></p></note>, obwohl es doch zu den Vorrechten des Kurmainzers gehörte, auf Reichstagen <w lemma="authentisch"><orig>authen-</orig><orig>tisch</orig></w> zu protokollieren<note type="edd" subtype="commAnnot" place="foot" facs="APWIIIA1-1_p0067n3" xml:id="bsb00057634_00067_n03"><lb facs="-" xml:id="bsb00057634_00067_003"/><p style="font-style:italic;">Siehe unten <ref type="line" subtype="intern" facs="#APWIIIA1-1_p0076n1" target="#bsb00057634_00076_001">S. LXXVI</ref>.</p></note>. Dies ist ein wichtiges Zeugnis für die Gründlichkeit der <w lemma="kurkölnischen"><orig>kur-</orig><orig>kölnischen</orig></w> Mitschrift, die in unserer Edition zur Textgrundlage für die kurfürstlichen Vorkonferenzen in Münster gemacht wurde; nur in Ausnahmefällen wurde die <w lemma="kurbayerische"><orig>kur-</orig><orig>bayerische</orig></w> oder kurmainzische Parallelüberlieferung vorgezogen.</p>
	    <p style="font-style:italic;">Seit dem 10. Juli 1645, der ersten Sitzung der Lengericher Konferenz, unterscheiden sich die Protokolle im <hi style="font-style:smallCaps;">Diarium</hi> <hi style="font-style:smallCaps;">Wartenberg</hi> äußerlich nicht mehr von den seit 29. August 1645 gesondert abgelegten kurkölnischen Kurfürstenratsprotokollen: Der Beginn und das Ende der Einzelvorträge im Kolleg werden nicht mehr, wie vorher, formlos und frei angekündigt und umschrieben, sondern der Einsatz der einzelnen Voten ist durch Absatz im fortlaufenden Text gekennzeichnet. Die Votanten werden gleichmäßig benannt (<hi style="font-style:normal;">Churcöllnische, Churbaierische)</hi> und durch eine in <w lemma="Zeilenmitte"><orig>Zeilen-</orig><orig>mitte</orig></w> oder marginal gesetzte Überschrift hervorgehoben<note type="edd" subtype="commAnnot" place="foot" facs="APWIIIA1-1_p0067n4" xml:id="bsb00057634_00067_n04"><lb facs="-" xml:id="bsb00057634_00067_004"/><p style="font-style:italic;">Siehe unten <ref type="document" subtype="intern" facs="#APWIIIA1-1_0026" target="#bsb00057634_00283_dok0026">Nr. 26</ref> S. 159ff.</p></note>. Den einzigen Unterschied zu den Kurfürstenratsprotokollen kurkölnischer Provenienz seit 29. August bildet die Form der Ablage. Vom 10. Juli bis zum 29. August blieben die Protokolle der <w lemma="kurfürstlichen"><orig>kur-</orig><orig>fürstlichen</orig></w> Sitzungen in die chronologisch aneinandergereihten Aufzeichnungen von anderen Ereignissen und Gesprächen eingegliedert und wurden mit diesen im Diarium geheftet und gebunden; erst danach erfolgte eine eigene Ablage des bei den <w lemma="Kurfürstenratssitzungen"><orig>Kurfürsten-</orig><orig>ratssitzungen</orig></w> produzierten Schriftguts in der zeitlichen Reihenfolge der Sitzungen<note type="edd" subtype="commAnnot" place="foot" facs="APWIIIA1-1_p0067n5" xml:id="bsb00057634_00067_n05"><lb facs="-" xml:id="bsb00057634_00067_005"/><p><hi style="font-style:italic;">1645 VIII 29 setzen die Protokollreiben kurkölnischer Provenienz ein (Verweis in der <w lemma="übersandten"><orig>über-</orig><orig>sandten</orig></w> Reinschrift des</hi> <hi style="font-style:smallCaps;">DWartenberg</hi> <hi style="font-style:italic;">1646 III 26 auf Session in Fürstenrat und <w lemma="Kurfürstenrat"><orig>Kurfürsten-</orig><orig>rat</orig></w></hi> vermog protocolß, <hi style="font-style:italic;">das im Diarium selbst nicht mehr vorhanden ist,</hi> <hi style="font-style:smallCaps;">HStA</hi> <hi style="font-style:smallCaps;">München</hi> <hi style="font-style:italic;">Abtlg. II, Kasten schwarz 2232:</hi> Oßnabruckische correspondenz <hi style="font-style:italic;">1646). Trennung der <w lemma="Protokolle"><orig>Pro-</orig><orig>tokolle</orig></w> von den Diarium-Eintragungen auch in den kurmainzischen Akten bezeugt durch den Kanzleivermerk:</hi> NB protocolla et diariae [!] seind separiret (<choice><abbr>MEA</abbr><expan>Mainzer Erzkanzlerarchiv</expan></choice> <hi style="font-style:italic;"><choice><abbr>CorrA</abbr><expan>Correspondenzakten</expan></choice> <choice><abbr>Fasz.</abbr><expan>Faszikel</expan></choice> 19 [2]).</hi></p></note>.</p>
	    <p style="font-style:italic;"><pb facs="APWIIIA1-1_p0068" sameAs="#bsb00057634_00068" n="LXVIII"/>Demnach kann die formale Einverleibung von kurfürstlichen <w lemma="Vorkonferenzprotokollen"><orig>Vorkonferenzproto-</orig><orig>kollen</orig></w> in das Diarium kein sachlicher Grund für ihre Ausscheidung aus der Edition der Kurfürstenratsprotokolle sein, in der auch die historisch bedingten Vorstufen der förmlichen, reichsgesetzlichen Kollegialberatung erfaßt werden müssen. Außerdem wurden das Diarium und die davon getrennte Protokollreihe im Geschäftsgang ganz ähnlich verwendet: Teile des Diariums, vor allem Aufzeichnungen über wichtige Gespräche, sind von Wartenberg ebenso wie später die kurkölnischen Protokolle des Kurfürstenrats, des Fürstenrats und des Corpus Catholicorum als Brief-Beilagen (u. a. an den Kurfürsten von Bayern) versandt worden<note type="edd" subtype="commAnnot" place="foot" facs="APWIIIA1-1_p0068n1" xml:id="bsb00057634_00068_n01"><lb facs="-" xml:id="bsb00057634_00068_001"/><p><hi style="font-style:italic;">Siehe vor allem Tom. 1 und 2 der</hi> Münsterischen collegialtagsacta von der <w lemma="generalfridenstractation"><orig>generalfridens-</orig><orig>tractation</orig></w>, <hi style="font-style:italic;">bestehend aus kurfürstlichen</hi> bevelchen <hi style="font-style:italic;">und nach München erstatteten</hi> berichten in praeliminaribus <hi style="font-style:italic;">1644 XII 18 – 1645 VIII 23</hi> (<hi style="font-style:smallCaps;">HStA</hi> <hi style="font-style:smallCaps;">München</hi>, <hi style="font-style:italic;">Abtlg. II: Geh. <w lemma="Staatsarchiv"><orig>Staats-</orig><orig>archiv</orig></w>, Kasten schwarz 7641 fol. 149’, 341f.; Wartenbergs Berichte wurden teilweise von Kf. Maximilian wieder den auf der Anreise nach Münster befindlichen bayerischen Gesandten <w lemma="zugeschickt"><orig>zuge-</orig><orig>schickt</orig></w>. Wartenberg versandte zusätzlich zu seinen Auszügen aus dem Diarium abschriftlich Briefe u. a. Beilagen zum Diarium). In der</hi> Oßnabruckischen correspondenz <hi style="font-style:italic;">1645 VII 5 – 1645 XII 29 zwischen Wartenberg und dem Kurfürsten von Bayern sind die Protokolle der <w lemma="kurfürstlichen"><orig>kur-</orig><orig>fürstlichen</orig></w> Vorkonferenzen bis 12. August 1645 als abschriftlich übersandte Auszüge aus dem</hi> <hi style="font-style:smallCaps;">DWartenberg</hi>, <hi style="font-style:italic;">vom 31. August an als Abschriften von Kurfürstenratsprotokollen <w lemma="kurkölnischer"><orig>kurköl-</orig><orig>nischer</orig></w> Provenienz (1645 VIII 31, IX 2, IX 18, IX 20, IX 21, IX 28, X 5, X 15 und 1645 VII 10, 11) enthalten (Kasten schwarz 2231).</hi></p></note>. Die Diarien galten aber eigentlich wie die Protokolle als internes Material.</p>
	    <p style="font-style:italic;">Auch im Diarium der kurbayerischen Gesandtschaft ist nur für die ersten <w lemma="Vorkonferenzen"><orig>Vorkon-</orig><orig>ferenzen</orig></w> die Form der Protokolle von der der späteren kurbayerischen <w lemma="Kurfürstenratsprotokolle"><orig>Kurfürsten-</orig><orig>ratsprotokolle</orig></w> verschieden. Auch hier sind ab 19. Juli 1645, der ersten <w lemma="Zusammenkunft"><orig>Zusammen-</orig><orig>kunft</orig></w> nach der Lengericher Konferenz, deren Protokolle in Kurbayern allerdings ablagemäßig bereits der eigentlichen Protokollserie zugehören, Voten aufgeführt<note type="edd" subtype="commAnnot" place="foot" facs="APWIIIA1-1_p0068n2" xml:id="bsb00057634_00068_n02"><lb facs="-" xml:id="bsb00057634_00068_002"/><p><hi style="font-style:smallCaps;">DKurbayern</hi> <hi style="font-style:italic;">K II p. 300–314.</hi></p></note>. Das <hi style="font-style:smallCaps;">Diarium</hi> <hi style="font-style:smallCaps;">Kurbayern</hi> liegt in zwei Überlieferungen vor. Das Original im <hi style="font-style:smallCaps;">Hauptstaatsarchiv</hi> <hi style="font-style:smallCaps;">München</hi> umfaßt drei Bände<note type="edd" subtype="commAnnot" place="foot" facs="APWIIIA1-1_p0068n3" xml:id="bsb00057634_00068_n03"><lb facs="-" xml:id="bsb00057634_00068_003"/><p style="font-style:italic;"><hi style="font-style:smallCaps;">HStA</hi> <hi style="font-style:smallCaps;">München</hi>, Abtlg. II Kasten schwarz 7666 (1645 II 21 – 1645 VI 18), 7667 (1645 VI 18 – 1645 X 29), 7668 (1645 X 30 – 1646 IV 29), hier benutzt: 7666, 7667.</p></note>. Es ist in der Weise der <w lemma="bayerischen"><orig>baye-</orig><orig>rischen</orig></w> Relations-Konzepte halbbrüchig von Kanzleihand, aber auch von den <w lemma="Gesandten"><orig>Gesan-</orig><orig>dten</orig></w> Haslang und J. Adolf Krebs geschrieben und diente der Gesandtschaft am <w lemma="Kongreßort"><orig>Kon-</orig><orig>greßort</orig></w> als Unterlage. Die Einträge reichen vom 21. Februar 1645, dem Vortag des Einzugs der kurbayerischen Gesandtschaft in Münster, bis zum 29. April 1646. Das Diarium ist bis Ende des dritten Bandes (1646 IV 29) in 60 <hi style="font-style:normal;">Relationen</hi> eingeteilt. Vergleicht man die <hi style="font-style:normal;">bericht</hi> der kurbayerischen Kongreßgesandten<note type="edd" subtype="commAnnot" place="foot" facs="APWIIIA1-1_p0068n4" xml:id="bsb00057634_00068_n04"><lb facs="-" xml:id="bsb00057634_00068_004"/><p style="font-style:italic;">Kasten schwarz 7641f., 7646ff.</p></note> mit den Einträgen in das Diarium, so zeigt sich, daß <hi style="font-style:normal;">bericht</hi> und Diarium keineswegs identisch sind; vielmehr werden im Diarium nur Hinweise darauf gegeben, welchen Relationen die sonst zeitlich fortlaufenden Eintragungen ins Diarium jeweils <w lemma="einzufügen"><orig>einzu-</orig><orig>fügen</orig></w> oder abschriftlich beizuschließen waren. Das Diarium, das ebenso wie die <hi style="font-style:normal;">bericht</hi> der kurbayerischen Gesandten und wie die kurbayerischen <w lemma="Kurfürstenratsprotokolle"><orig>Kurfürstenrats-</orig><orig>protokolle</orig></w> in Konzeptform vorliegt, ist nichts anderes als die fortlaufend geführte Vorlage für die bis 29. April 1646 übersandten Beilagen und der Stoff für die <w lemma="Relationen"><orig>Rela-</orig><orig>tionen</orig></w>. Falls alles Wichtige, d. h. auch die Gesprächsaufzeichnungen, in die <hi style="font-style:normal;">bericht</hi> hineingeschrieben wurde, kamen weder Beilage noch Diarium zustande; das Diarium enthält in solchen Fällen nur eine dies kurz mitteilende Notiz unter dem <w lemma="entsprechenden"><orig>entsprechen-</orig><orig>den</orig></w> Tagesdatum<note type="edd" subtype="commAnnot" place="foot" facs="APWIIIA1-1_p0069n1" xml:id="bsb00057634_00069_n01"><lb facs="-" xml:id="bsb00057634_00069_001"/><p><hi style="font-style:italic;">So zur 29. Relation (1645 IX 8):</hi> ist kein absonderlich protocoll, sonder die ganze <w lemma="verrichtung"><orig>ver-</orig><orig>richtung</orig></w> in zwey bericht überschrieben <hi style="font-style:italic;">nach München</hi> geschickht worden <hi style="font-style:italic;">(Kasten schwarz 7667 fol. 597); bei der 30.</hi> ordinari <hi style="font-style:italic;">wurde außer den</hi> berichten <hi style="font-style:italic;">nur das Ratsprotokoll expediert</hi> (<hi style="font-style:smallCaps;">ebd.</hi>).</p></note>. Die Depeschen der kurbayerischen Gesandten bestanden zumindest bis Anfang Mai 1646 aus zwei Komponenten, deren Konzeptstufe in Kasten schwarz (<hi style="font-style:smallCaps;">Geheimes</hi> <hi style="font-style:smallCaps;">Staatsarchiv</hi> <hi style="font-style:smallCaps;">München</hi>) vorhanden ist: aus den eigentlichen <w lemma="Relationen"><orig>Rela-</orig><orig>tionen</orig></w>, den <hi style="font-style:normal;">bericht,</hi> und aus den <hi style="font-style:normal;">nebenlagen</hi><note type="edd" subtype="commAnnot" place="foot" facs="APWIIIA1-1_p0069n2" xml:id="bsb00057634_00069_n02"><lb facs="-" xml:id="bsb00057634_00069_002"/><p style="font-style:italic;">Kasten schwarz 7663 fol. 109.</p></note> oder Beilagen; dazu gehören die gesondert gebundenen und verzeichneten Konzepte der als Beilagen übersandten <w lemma="Reichsratsprotokolle"><orig>Reichs-</orig><orig>ratsprotokolle</orig></w> (Kurfürstenrat, Fürstenrat, Corpus Catholicorum). Das nach <w lemma="Relationen"><orig>Rela-</orig><orig>tionen</orig></w> unterteilte Diarium und die Berichte selbst stellen also zwei verschiedene <w lemma="Überlieferungsweisen"><orig>Über-</orig><orig>lieferungsweisen</orig></w> des Kongreß-Geschehens dar: Während die Berichte kommentieren und werten, bieten das Diarium und in seiner (Teil-)Fortsetzung die <w lemma="Kurfürstenratsprotokolle"><orig>Kurfürstenrats-</orig><orig>protokolle</orig></w> sozusagen das objektive Material, die neutrale Schilderung wichtiger <w lemma="Besprechungen"><orig>Be-</orig><orig>sprechungen</orig></w> und Konferenzen. Diese mit viel Schreibarbeit verbundene Sonderung des Schriftguts, die zu Beginn des Kongresses, möglicherweise unter dem Eindruck von Wartenbergs ausführlicher Berichterstattung, vorgenommen wurde, ist später <w lemma="aufgegeben"><orig>aufge-</orig><orig>geben</orig></w> worden. Besonders in der Schlußperiode des Kongresses haben die kurbayerischen Gesandten in der Regel die Protokolle aus dem Kurfürstenrat, aus dem Fürstenrat und aus den Plenar- und Ausschußsitzungen in ihre Relationen, die dadurch einen beträchtlichen Umfang gewannen, eingearbeitet<note type="edd" subtype="commAnnot" place="foot" facs="APWIIIA1-1_p0069n3" xml:id="bsb00057634_00069_n03"><lb facs="-" xml:id="bsb00057634_00069_003"/><p style="font-style:italic;">Vgl. <hi style="font-style:normal;">Münsterische collegialtagsacta</hi> 1648 III 5 – 1648 VIII 31 (und ff.), Relationen von 1648 V 14 und V 11, wo die eingearbeiteten Kurfürstenratsprotokolle nach Voten (V 14, Kasten schwarz 7657 fol. 173’-176’) oder nach Sachgesichtspunkten (V 11, <hi style="font-style:smallCaps;">ebd.</hi> fol. 157–159) gegliedert sind (ebenso Kasten schwarz 7661 fol. 354’-357’).</p></note>. Für die Aufnahme der entsprechenden Teile des Diariums in unsere Protokolledition spricht übrigens auch, daß die <w lemma="Konferenz"><orig>Kon-</orig><orig>ferenz</orig></w>-Aufzeichnungen von den Gesandten im Diarium und vom Kurfürsten in seinen Reskripten <hi style="font-style:normal;">prothocollum</hi> genannt werden<note type="edd" subtype="commAnnot" place="foot" facs="APWIIIA1-1_p0069n4" xml:id="bsb00057634_00069_n04"><lb facs="-" xml:id="bsb00057634_00069_004"/><p style="font-style:italic;">In Kasten schwarz 7667 fol. 599 (über die Eintragungen 1645 I X 22–28), Kf. Maximilian an Haslang, München 1645 X 11 (Kasten schwarz 7643 fol. 109).</p></note>.</p>
	    <p><hi style="font-style:italic;">Die zweite Überlieferung des Diariums ist eine späte Abschrift. Sie befindet sich in der dritten Serie des Fonds</hi> Dreißigjähriger Krieg, <hi style="font-style:italic;">einem Mischbestand <w lemma="kurbayerischer"><orig>kurbaye-</orig><orig>rischer</orig></w> Provenienz</hi><note type="edd" subtype="commAnnot" place="foot" facs="APWIIIA1-1_p0069n5" xml:id="bsb00057634_00069_n05"><lb facs="-" xml:id="bsb00057634_00069_005"/><p><hi style="font-style:italic;">Vgl.</hi> <hi style="font-style:smallCaps;">Minerva</hi>-<hi style="font-style:smallCaps;">Handbücher</hi> <hi style="font-style:italic;">Archive (</hi><hi style="pos:sup;"><hi style="font-style:italic;">2</hi></hi><hi style="font-style:italic;">1974) S. 664, 666f.</hi></p></note><hi style="font-style:italic;"> in der Abteilung I (Allgemeines Staatsarchiv) des</hi> <hi style="font-style:smallCaps;"><w lemma="Bayerischen"><orig>Bayeri-</orig><orig>schen</orig></w></hi> <hi style="font-style:smallCaps;">Hauptstaatsarchivs</hi> <hi style="font-style:smallCaps;">München</hi>. <hi style="font-style:italic;">Der Aktenbestand der Serie umfaßt 16 Tomi mit Relationen/Reskripten und Protokollen, die aus den Original-Akten der kurbayerischen Registratur von Friedenskongreß 1644–1649 (heute im</hi> <hi style="font-style:smallCaps;">Geheimen</hi> <pb n="LXX" facs="APWIIIA1-1_p0070" sameAs="#bsb00057634_00070"/><hi style="font-style:smallCaps;">Staatsarchiv</hi><hi style="font-style:italic;">) direkt oder auf Umwegen abgeschrieben worden sind. Nach dem Schriftbild zu urteilen, erfolgten die Abschriften nicht vor 1750; andererseits ist aus dem Ex-Libris und aus den von Joseph Samet beschriebenen Deckblättern zu <w lemma="erschliessen"><orig>erschlies-</orig><orig>sen</orig></w>, daß die Serie zwischen 1803 und 1806 im Geheimen Landesarchiv, dem <w lemma="Vorläufer"><orig>Vorläu-</orig><orig>fer</orig></w> der heutigen Abteilung I des</hi> <hi style="font-style:smallCaps;">Hauptstaatsarchivs</hi>, <hi style="font-style:italic;">das vor allem Dokumente über die innere Geschichte des Landes aufnahm, gebunden worden ist</hi><note type="edd" subtype="commAnnot" place="foot" facs="APWIIIA1-1_p0070n1" xml:id="bsb00057634_00070_n01"><lb facs="-" xml:id="bsb00057634_00070_001"/><p><hi style="font-style:italic;">Freundliche Auskunft von Dr. Schwertl und Dr. Busley vom</hi> <hi style="font-style:smallCaps;">HStA</hi> <hi style="font-style:smallCaps;">München</hi>, <hi style="font-style:italic;">Abtlg. I: Allgemeines Staatsarchiv. Ex-Libris auf der Rückseite der Einbanddeckel:</hi> grave par <w lemma="Kranzmayr"><orig>Kranz-</orig><orig>mayr</orig></w> á Munic 1803.</p></note><hi style="font-style:italic;">.</hi></p>
	    <p style="font-style:italic;">Die Vorlagen dieser späten Abschrift des kurbayerischen Gesandtschaftsdiariums waren eindeutig die heute im <hi style="font-style:smallCaps;">Geheimen</hi> <hi style="font-style:smallCaps;">Staatsarchiv</hi> befindlichen, in Münster geschriebenen Konzepte bzw. Originale des Diariums. Dies geht aus den Ex-Archivo-Vermerken, in denen die Bandzahl und die alte Signatur des Originals angegeben sind, hervor<note type="edd" subtype="commAnnot" place="foot" facs="APWIIIA1-1_p0070n2" xml:id="bsb00057634_00070_n02"><lb facs="-" xml:id="bsb00057634_00070_002"/><p>Diarium der churbairischen Gesandschaft bey den Reichsfriedensunterhandlungen zu Münster, Tom. II <hi style="font-style:italic;">(1645 II 21 – 1645 VI 25) p. 5 Randrubrik</hi> Ex archivo et autographo Münst. Diariorum Pars I <hi style="font-style:italic;">mit Bleistiftzusatz</hi> K schw 325/12, <hi style="font-style:smallCaps;">ebd.</hi> <hi style="font-style:italic;">p. 769 Hinweis auf</hi> Münzer. [!] Diarium Tom. 2 fol. 1.</p></note>; auch sind die Abschriften nach dem Vorbild des Originals in drei Teile gebunden<note type="edd" subtype="commAnnot" place="foot" facs="APWIIIA1-1_p0070n3" xml:id="bsb00057634_00070_n03"><lb facs="-" xml:id="bsb00057634_00070_003"/><p>Diarium (=<hi style="font-style:smallCaps;">DKurbayern</hi> <hi style="font-style:italic;">spA)</hi> Tom. II <hi style="font-style:italic;">ursprünglich Bd. 1 des Original-Diariums</hi> (=<hi style="font-style:smallCaps;">DKurbayern</hi> <hi style="font-style:italic;">K) in Kasten schwarz 7666;</hi> Diarium Tom. XV <hi style="font-style:italic;">ursprünglich Bd. 2, 7667;</hi> <w lemma="Diarium"><orig>Dia-</orig><orig>rium</orig></w> Tom. IV <hi style="font-style:italic;">ursprünglich Bd. 3, 7668.</hi></p></note>. Trotz durchgängiger Kollation<note type="edd" subtype="commAnnot" place="foot" facs="APWIIIA1-1_p0070n4" xml:id="bsb00057634_00070_n04"><lb facs="-" xml:id="bsb00057634_00070_004"/><p><hi style="font-style:italic;">Entsprechender Vermerk</hi> Diarium Tom. II <hi style="font-style:italic;">p. 769.</hi></p></note> wurde die Kopie recht mechanisch <w lemma="angefertigt"><orig>ange-</orig><orig>fertigt</orig></w>: Lesefehler und falsche Auflösung von Abkürzungen sind nicht selten; die in den Band-Überschriften angegebenen zeitlichen Grenzen stimmen nicht stets mit dem Inhalt überein<note type="edd" subtype="commAnnot" place="foot" facs="APWIIIA1-1_p0070n5" xml:id="bsb00057634_00070_n05"><lb facs="-" xml:id="bsb00057634_00070_005"/><p><hi style="font-style:italic;">So</hi> Tom. XV <hi style="font-style:italic;">(1645 VI 28 – 1645 X 29),</hi> II <hi style="font-style:italic;">(1645 II 21 – 1645 VI 26).</hi></p></note>; die Bände springen vom zweiten<note type="edd" subtype="commAnnot" place="foot" facs="APWIIIA1-1_p0070n6" xml:id="bsb00057634_00070_n06"><lb facs="-" xml:id="bsb00057634_00070_006"/><p>Tom. I <hi style="font-style:italic;">des</hi> Diariums <hi style="font-style:italic;">(1644 XII 1 – 1645 II 8) im Fonds</hi> Dreißigjähriger Krieg <hi style="font-style:italic;">enthält die Abschriften der nach München übersandten Auszüge aus dem DWartenberg, die in die</hi> Münsterischen Collegialtagsacta Tom. 1 <hi style="font-style:italic;">(Kasten schwarz 7641) eingeordnet worden waren. – In der Edition sind verwendet</hi> Tom. II und XV <hi style="font-style:italic;">des</hi> Diariums (=DKurbayern <hi style="font-style:italic;">spA I, II).</hi></p></note> auf den 15. und zurück auf den vierten. Für unsere Edition sind jeweils die ersten beiden Bände der Konzeptstufe (K I, II) und der späten Abschrift (spA I, II) des Diariums benutzt worden.</p>
	    <p style="font-style:italic;">Für die kurfürstlichen Vorkonferenzen in Osnabrück wurde der erste Teil des <hi style="font-style:smallCaps;"><w lemma="Diariums"><orig>Dia-</orig><orig>riums</orig></w></hi> <hi style="font-style:smallCaps;">Löben</hi> herangezogen, das gleichzeitig ein Geschäftstagebuch der <w lemma="kurbrandenburgischen"><orig>kurbran-</orig><orig>denburgischen</orig></w> Gesandtschaft in Osnabrück ist<note type="edd" subtype="commAnnot" place="foot" facs="APWIIIA1-1_p0070n7" xml:id="bsb00057634_00070_n07"><lb facs="-" xml:id="bsb00057634_00070_007"/><p><hi style="font-style:smallCaps;">Diarium</hi> <hi style="font-style:smallCaps;">Löben</hi>, 1. <hi style="font-style:italic;">Teil (1645 III 12 – 1645 XI 1 st. v.) fol. 1–185</hi> (<hi style="font-style:smallCaps;">Deutsches</hi> <hi style="font-style:smallCaps;"><w lemma="Zentralarchiv"><orig>Zentral-</orig><orig>archiv</orig></w></hi> <hi style="font-style:smallCaps;">Merseburg</hi>, <hi style="font-style:italic;">Historische Abteilung II, Rep. 12 nr. 139 a). Das Diarium umfaßt <w lemma="insgesamt"><orig>ins-</orig><orig>gesamt</orig></w> 7 Teile (Rep. 12 nr. 139 a – g) und reicht bis Februar 1648.</hi></p></note>. Es besteht ebenfalls zum größten Teil aus Aufzeichnungen über zwei- und mehrseitige Gespräche und Konferenzen. Die Eintragungen im ersten und zweiten Teil stammen ausnahmslos aus der Feder des kurbrandenburgischen Gesandten von Löben – später ist das Diarium dann von dem kurfürstlichen Kammersekretär Paul Kemnitz weitergeführt worden. In seiner engen, die ganze Seite meist ohne Abschnitte bedeckenden Schrift notierte Löben, meist aus dem Gedächtnis, Wechselreden und Vorträge: Er nahm auch Wertungen vor, kommentierte, gab persönliche Eindrücke und am Rande geführte Diskurse <pb n="LXXI" facs="APWIIIA1-1_p0071" sameAs="#bsb00057634_00071"/>wieder. Das <hi style="font-style:smallCaps;">Diarium</hi> <hi style="font-style:smallCaps;">Löben</hi> trägt damit einen persönlicheren Charakter als das kurkölnische, kurbayerische und kurmainzische. Die kurbrandenburgischen <w lemma="Gesandten"><orig>Gesan-</orig><orig>dten</orig></w> Löben und Fritze drangen bereits früh, am 16. Juni 1645, auf eine ordentliche, dem Kurfürstenrat angemessene offizielle Protokollierung, um die Assistenz-<w lemma="Beratungen"><orig>Beratun-</orig><orig>gen</orig></w> zwischen den Kaiserlichen, Kurmainz und Kurbrandenburg in Osnabrück zum Reichsrat aufzuwerten<note type="edd" subtype="commAnnot" place="foot" facs="APWIIIA1-1_p0071n1" xml:id="bsb00057634_00071_n01"><lb facs="-" xml:id="bsb00057634_00071_001"/><p style="font-style:italic;">Siehe unten <ref type="document" subtype="intern" facs="#APWIIIA1-1_0021" target="#bsb00057634_00257_dok0021">Nr. 21</ref> S. 135. Allerdings lag der Wunsch nach ausführlicher Protokollierung auch deshalb nahe, weil Kurbrandenburg und Kurmainz als Friedensvermittler gemeinsame Gespräche mit Schweden führen mußten. So brachten die kurbrandenburgischen Gesandten 1645 V 30 zur Visite bei den Kurmainzern, mit denen sie dann anschließend zum schwedischen Quartier <w lemma="aufbrachen"><orig>auf-</orig><orig>brachen</orig></w>, gleich drei Sekretäre mit (<hi style="font-style:smallCaps;">DLöben</hi> I fol. 46).</p></note>. Daraufhin führte der kurbrandenburgische Sekretär <w lemma="Kemnitz"><orig>Kem-</orig><orig>nitz</orig></w> für die Sitzung am 18. Juni ein Protokoll, das er zusammen mit den späteren Kurfürstenratsprotokollen ablegte<note type="edd" subtype="commAnnot" place="foot" facs="APWIIIA1-1_p0071n2" xml:id="bsb00057634_00071_n02"><lb facs="-" xml:id="bsb00057634_00071_002"/><p style="font-style:italic;"><hi style="font-style:normal;">DZA</hi> Rep. 12 nr. 131 fol. 1–12, gleich anschließend daran die Protokolle der Lengericher <w lemma="Konferenz"><orig>Kon-</orig><orig>ferenz</orig></w> (siehe unten <ref type="document" subtype="intern" facs="#APWIIIA1-1_0022" target="#bsb00057634_00259_dok0022">Nr. 22</ref> S. 135).</p></note>. Kurmainz protokollierte diese Sitzung offenbar nicht<note type="edd" subtype="commAnnot" place="foot" facs="APWIIIA1-1_p0071n3" xml:id="bsb00057634_00071_n03"><lb facs="-" xml:id="bsb00057634_00071_003"/><p style="font-style:italic;">Zeugnis von Kemnitz (siehe unten <ref type="page" subtype="intern" facs="#APWIIIA1-1_p0263" target="#bsb00057634_00263">S. 139</ref>). Ein kurmainzisches Protokoll der Sitzung war nicht aufzufinden.</p></note>, wahrscheinlich aus der ängstlichen Erwägung heraus, daß ein kurmainzisches Reichsprotokoll ein Präjudiz für die Entstehung eines Osnabrücker Kurfürstenrats schaffen werde. Über die ersten vier Sitzungen, von denen kurbrandenburgische <w lemma="Sekretärsprotokolle"><orig>Sekre-</orig><orig>tärsprotokolle</orig></w> vorliegen (18. Juni, 10.-11. Juli 1645) fertigte auch Löben weiterhin Niederschriften an<note type="edd" subtype="commAnnot" place="foot" facs="APWIIIA1-1_p0071n4" xml:id="bsb00057634_00071_n04"><lb facs="-" xml:id="bsb00057634_00071_004"/><p style="font-style:italic;"><hi style="font-style:smallCaps;">DLöben</hi> I fol. 60’-62 (1645 VI 18), fol. 66’-69 (1645 VII 10, 11: Summarisches Protokoll in Form eines Referats über den Verlauf der drei Sitzungen).</p></note>. Dies stand nicht im Wiederspruch zu den kurbrandenburgischen Bemühungen, mittels förmlicher Protokollierung den kurfürstlichen Vorkonferenzen in Osnabrück einen offiziellen Anstrich zu verleihen: Löbens Protokolle konnten eine ähnliche Funktion haben wie ergänzende Notizen, die üblicherweise vom <w lemma="Direktorium"><orig>Direk-</orig><orig>torium</orig></w> der Reichsräte, aber auch von einzelnen Gesandten bei oder nach den Sitzungen gemacht wurden<note type="edd" subtype="commAnnot" place="foot" facs="APWIIIA1-1_p0071n5" xml:id="bsb00057634_00071_n05"><lb facs="-" xml:id="bsb00057634_00071_005"/><p style="font-style:italic;">Vgl. auch die Mitschrift Löbens über die Unterredung mit Kursachsen 1645 II 17/27 im brandenburgisch-pommerschen Fürstenratsprotokoll aus Osnabrück (<hi style="font-style:normal;">DZA</hi> Rep. 12 nr. 133 b fol. 164), daneben das Protokoll vom Regensburger Kurfürstentag 1636/37 von der Hand des kurbrandenburgischen Gesandten Levin von dem Knesebeck (<hi style="font-style:normal;">DZA</hi> Rep. 12 nr. 103 <choice><abbr>Fasz.</abbr><expan>Faszikel</expan></choice> 2).</p></note>. Während vom Fürstenrat in Osnabrück nur die Zeit und die Reihenfolge der <hi style="font-style:normal;">sessiones</hi> sowie der jeweilige Teilnehmer (für Pommern Petrus Fritze und Matthäus Wesenbeck) aufgeführt sind, gibt Löben im Diarium einen Bericht über die Re- und <w lemma="Correlation"><orig>Corre-</orig><orig>lation</orig></w> vom 26. April 1646 in Osnabrück, obwohl ein brandenburgisches Kurfürstenratsprotokoll darüber geführt wurde<note type="edd" subtype="commAnnot" place="foot" facs="APWIIIA1-1_p0071n6" xml:id="bsb00057634_00071_n06"><lb facs="-" xml:id="bsb00057634_00071_006"/><p style="font-style:italic;">Siehe unten <ref type="document" subtype="intern" facs="#APWIIIA1-1_0085" target="#bsb00057634_00712_dok0085">Nr. 85</ref> S. 588–597 (<hi style="font-style:normal;">DZA</hi> Rep. 12 nr. 131) und <hi style="font-style:smallCaps;">DLöben</hi> II fol. 157–160’. In der Zeit zwischen dem 1. August 1645 und dem 6. Mai 1648 trat nur bei dieser Re- und Correlation (1645 IV 26) der Kurfürstenrat in Osnabrück, vertreten durch Kurmainz und <w lemma="Kurbrandenburg"><orig>Kurbranden-</orig><orig>burg</orig></w>, nominell in Erscheinung.</p></note>. Löbens wenige Protokolle über die kurfürstlichen Vorkonferenzen im Diarium bewahren also <w lemma="gegenüber"><orig>gegen-</orig><orig>über</orig></w> dem Stil anderer Geschäftstagebücher, aus denen Reichsratsprotokolle nahtlos hervorgehen konnten, eine gewisse Eigenständigkeit.</p>
	    <p style="font-style:italic;">Von den kurfürstlichen Vorkonferenzen bis zum 29. August 1645 sind in den <w lemma="kurmainzischen"><orig>kur-</orig><orig>mainzischen</orig></w> Akten nur wenige Protokolle und in die Relationen der Gesandten <pb facs="APWIIIA1-1_p0072" sameAs="#bsb00057634_00072" n="LXXII"/>eingearbeitete Berichte erhalten. Nach Durchsicht der Friedens- und <w lemma="Correspondenzakten"><orig>Correspondenz-</orig><orig>akten</orig></w> im Mainzer Erzkanzlerarchiv (<hi style="font-style:smallCaps;">Haus</hi><hi style="font-style:normal;">-,</hi> <hi style="font-style:smallCaps;">Hof</hi><hi style="font-style:normal;">-</hi> <hi style="font-style:smallCaps;">und</hi> <hi style="font-style:smallCaps;">Staatsarchiv</hi> <hi style="font-style:smallCaps;">Wien</hi>) ließen sich unselbständige, in die Gesandtenberichte aufgenommene Vorkonferenz-Protokolle<note type="edd" subtype="commAnnot" place="foot" facs="APWIIIA1-1_p0072n1" xml:id="bsb00057634_00072_n01"><lb facs="-" xml:id="bsb00057634_00072_001"/><p><hi style="font-style:italic;">Vgl. den Begriff</hi> prothocollarrelation <hi style="font-style:italic;">aus den kurtrierischen Akten (Kurtrier/Münster an Kf. Philipp Christoph, 1645 X 24,</hi> <choice><abbr>MEA</abbr><expan>Mainzer Erzkanzlerarchiv</expan></choice> <hi style="font-style:italic;"><choice><abbr>CorrA</abbr><expan>Correspondenzakten</expan></choice> <choice><abbr>Fasz.</abbr><expan>Faszikel</expan></choice> 12 [1] fol. 14).</hi></p></note> in den Friedensakten Faszikel 7 und in den Correspondenzakten <w lemma="Faszikel"><orig>Fas-</orig><orig>zikel</orig></w> 10 [1] und 19 [1], selbständige Protokolle in den Friedensakten Faszikel 7, 11, 12 nachweisen. Möglicherweise hat es noch mehr Protokolle gegeben, so für die Konferenzen, von denen keine Aufzeichnungen vorliegen, obwohl Kurmainz daran teilnahm<note type="edd" subtype="commAnnot" place="foot" facs="APWIIIA1-1_p0072n2" xml:id="bsb00057634_00072_n02"><lb facs="-" xml:id="bsb00057634_00072_002"/><p style="font-style:italic;">So für die Konferenzen von 1645 VIII 1 (<ref type="document" subtype="intern" facs="#APWIIIA1-1_0035" target="#bsb00057634_00341_dok0035">Nr. 35</ref> S. 217) und 1645 VIII 12 (<ref type="document" subtype="intern" facs="#APWIIIA1-1_0037" target="#bsb00057634_00353_dok0037">Nr. 37</ref> S. 229).</p></note>. Die überlieferten Protokolle<note type="edd" subtype="commAnnot" place="foot" facs="APWIIIA1-1_p0072n3" xml:id="bsb00057634_00072_n03"><lb facs="-" xml:id="bsb00057634_00072_003"/><p style="font-style:italic;">Reinschriften: <hi style="font-style:normal;"><choice><abbr>MEA</abbr><expan>Mainzer Erzkanzlerarchiv</expan></choice></hi> <choice><abbr>FrA</abbr><expan>Friedensakten</expan></choice> <choice><abbr>Fasz.</abbr><expan>Faszikel</expan></choice> 7 [4] nr. 60, 61 (1645 V 24, 26, 27). Halbbrüchig <w lemma="geschriebene"><orig>ge-</orig><orig>schriebene</orig></w> Konzepte: <hi style="font-style:normal;"><choice><abbr>MEA</abbr><expan>Mainzer Erzkanzlerarchiv</expan></choice></hi> <choice><abbr>FrA</abbr><expan>Friedensakten</expan></choice> <choice><abbr>Fasz.</abbr><expan>Faszikel</expan></choice> 11, 12. Sie gleichen äußerlich ganz den von J. Adam Krebs geführten Visitenprotokollen (in <hi style="font-style:normal;"><choice><abbr>MEA</abbr><expan>Mainzer Erzkanzlerarchiv</expan></choice></hi> <choice><abbr>FrA</abbr><expan>Friedensakten</expan></choice> <choice><abbr>Fasz.</abbr><expan>Faszikel</expan></choice> 12; 13,2).</p></note> enthalten Präsenzvermerke, aber keine <w lemma="hervorgehobenen"><orig>her-</orig><orig>vorgehobenen</orig></w> Voten; ihre Konzepte stammen vom kurmainzischen Gesandten J. Adam Krebs, ihre Reinschriften sind als Briefbeilagen an den Kurfürsten übersandt worden<note type="edd" subtype="commAnnot" place="foot" facs="APWIIIA1-1_p0072n4" xml:id="bsb00057634_00072_n04"><lb facs="-" xml:id="bsb00057634_00072_004"/><p style="font-style:italic;"><hi style="font-style:normal;"><choice><abbr>MEA</abbr><expan>Mainzer Erzkanzlerarchiv</expan></choice></hi> <choice><abbr>CorrA</abbr><expan>Correspondenzakten</expan></choice> <choice><abbr>Fasz.</abbr><expan>Faszikel</expan></choice> 10 <hi style="font-style:normal;">[1],</hi> 19 <hi style="font-style:normal;">[1],</hi> <choice><abbr>FrA</abbr><expan>Friedensakten</expan></choice> <choice><abbr>Fasz.</abbr><expan>Faszikel</expan></choice> 7 [3,4]. Die Faszikel sind unfoliiert und wurden vom Bearbeiter für den Zweck der Edition untergliedert (<hi style="font-style:normal;">[ ]),</hi> da der Hinweis auf die Nummer der Beilagen und Briefe nicht ausreichend schien.</p></note>. Ebenso wie die ausführlichen, in sich geschlossenen Konferenz-Berichte innerhalb der Relationen schildern sie den Konferenzverlauf und die Meinungsäußerungen der <w lemma="beteiligten"><orig>be-</orig><orig>teiligten</orig></w> Gruppen: die Proposition der Kaiserlichen, die interne Beratung der <w lemma="Kurfürstlichen"><orig>Kur-</orig><orig>fürstlichen</orig></w>, den Vortrag der kurfürstlichen Gesamtmeinung und eventuell die <w lemma="Erwiderung"><orig>Erwi-</orig><orig>derung</orig></w> der Kaiserlichen. Aus den Relationen wurden für unsere Edition – zur <w lemma="Verwendung"><orig>Ver-</orig><orig>wendung</orig></w> als Grundtext oder als Variante – nur die Konferenzprotokolle, keine Visitenprotokolle ausgezogen; in Analogie zu den späteren eigentlichen <w lemma="Reichsratsprotokollen"><orig>Reichsrats-</orig><orig>protokollen</orig></w> werden die Protokolle aus ausgefertigten und übersandten Relationen Reinschriften (Rs), aus Brief-Kopien zeitgenössische Abschriften (zA) genannt. Die schlechte Überlieferung der Vorkonferenzen in den kurmainzischen Akten muß <w lemma="überraschen"><orig>über-</orig><orig>raschen</orig></w>, weil der gewissenhafte kurmainzische Sekundargesandte J. Adam Krebs sonst sehr fleißig mitschrieb und nach Meinung des Kurfürsten eher zu viel als zu wenig in sein Postpaket packte<note type="edd" subtype="commAnnot" place="foot" facs="APWIIIA1-1_p0072n5" xml:id="bsb00057634_00072_n05"><lb facs="-" xml:id="bsb00057634_00072_005"/><p>J. <hi style="font-style:italic;">Adam Krebs verteidigte gegenüber dem Kurfürsten von Mainz, der Sachen des Erzstifts und Vorgänge</hi> quoad publica <hi style="font-style:italic;">in Form eines</hi> summarium ex protocollo <hi style="font-style:italic;">in die Relationen <w lemma="eingebracht"><orig>einge-</orig><orig>bracht</orig></w> sehen wollte, die Absendung seiner zahlreichen Protokoll-Beilagen damit, daß</hi> <w lemma="gegenwertige"><orig>gegen-</orig><orig>wertige</orig></w> tractatus von solcher wichtigkheit, das gleichsamb auch die minutissima, zu geschweigen die importirendte sachen pillig in das protocoll gebracht werden müßen <hi style="font-style:italic;">(Brömser/Krebs an Kf. Anselm Casimir, Osnabrück 1647 III 14,</hi> <choice><abbr>MEA</abbr><expan>Mainzer Erzkanzlerarchiv</expan></choice> <hi style="font-style:italic;"><choice><abbr>CorrA</abbr><expan>Correspondenzakten</expan></choice> <choice><abbr>Fasz.</abbr><expan>Faszikel</expan></choice> 17 nr. 43).</hi></p></note>. Hier mögen das relativ späte Eintreffen der <w lemma="kurmainzischen"><orig>kur-</orig><orig>mainzischen</orig></w> Gesandten, ihre anfängliche Desorientiertheit, ihre Zurückhaltung <w lemma="gegenüber"><orig>gegen-</orig><orig>über</orig></w> der Einleitung formeller Reichsberatungen in Osnabrück und die Menge der Schreibarbeit<note type="edd" subtype="commAnnot" place="foot" facs="APWIIIA1-1_p0072n6" xml:id="bsb00057634_00072_n06"><lb facs="-" xml:id="bsb00057634_00072_006"/><p><hi style="font-style:italic;">Vgl. Cratz/J. Adam Krebs an Kf. Anselm Casimir, Münster 1645 IX 29:</hi> mir Dr. Krebsen [...] zu ausfertigung der protocollen fast keine stundt übrig (<choice><abbr>MEA</abbr><expan>Mainzer Erzkanzlerarchiv</expan></choice> <hi style="font-style:italic;">Corr A <choice><abbr>Fasz.</abbr><expan>Faszikel</expan></choice> 19,1 nr. c/56). Im Juni 1645 konnte Kurmainz/Osnabrück zur</hi> haltung des protocolls <hi style="font-style:italic;">nur auf zwei Kanzlisten (wahrscheinlich Wendel Cron und Hans Henrich Beck) zurückgreifen</hi> (<choice><abbr>MEA</abbr><expan>Mainzer Erzkanzlerarchiv</expan></choice> <hi style="font-style:italic;"><choice><abbr>CorrA</abbr><expan>Correspondenzakten</expan></choice> <choice><abbr>Fasz.</abbr><expan>Faszikel</expan></choice> 16 [2] nr. 39).</hi></p></note> eine Rolle gespielt haben.</p>
	    <p style="font-style:italic;"><pb facs="APWIIIA1-1_p0073" sameAs="#bsb00057634_00073" n="LXXIII"/>Die Protokolle aus der Registratur der kaiserlichen Gesandten mußten für die eigentlichen Assistenzberatungen der Vollständigkeit halber mit herangezogen werden. Die wichtigste Quelle ist hier das Diarium des in Münster akkreditierten kaiserlichen Sekundargesandten Isaak Volmar, der neben Trauttmansdorff, aber länger als dieser, den Geschäftsverkehr mit den Reichsständen besorgt hat. Sein Diarium ist ein nüchternes Geschäftstagebuch mit genauem Verzeichnis der Ein- und Ausläufe und mit Protokollen der geführten Besprechungen. Die Aufzeichnungen über die <w lemma="kurfürstlich-kaiserlichen"><orig>kur-</orig><orig>fürstlich-kaiserlichen</orig></w> Vorkonferenzen reichen vom <hi style="font-style:normal;">ausfüeherlichen prothocoll</hi><note type="edd" subtype="commAnnot" place="foot" facs="APWIIIA1-1_p0073n1" xml:id="bsb00057634_00073_n01"><lb facs="-" xml:id="bsb00057634_00073_001"/><p style="font-style:italic;">Ks. Ferdinand III. an Volmar, 1645 V 30 (<hi style="font-style:normal;"><choice><abbr>RK</abbr><expan>Reichskanzlei</expan></choice></hi> <choice><abbr>FrA</abbr><expan>Friedensakten</expan></choice> <choice><abbr>Fasz.</abbr><expan>Faszikel</expan></choice> 92/V fol. 122) mit Bezug auf die Unterredung von 1645 V 5 in Münster (siehe unten <ref type="document" subtype="intern" facs="#APWIIIA1-1_0011" target="#bsb00057634_00179_dok0011">Nr. 11</ref> S. 55).</p></note> bis zum summarischen Beschlußprotokoll und zum kurzen Eintrag<note type="edd" subtype="commAnnot" place="foot" facs="APWIIIA1-1_p0073n2" xml:id="bsb00057634_00073_n02"><lb facs="-" xml:id="bsb00057634_00073_002"/><p style="font-style:italic;">Vgl. die Protokolle von 1645 V 5, 1645 V 23 (<ref type="document" subtype="intern" facs="#APWIIIA1-1_0013" target="#bsb00057634_00194_dok0013">Nr. 13</ref> S. <hi style="font-style:normal;">70)</hi> mit den kurzen Einträgen 1645 IV 30 (<ref type="document" subtype="intern" facs="#APWIIIA1-1_0010" target="#bsb00057634_00174_dok0010">Nr. 10</ref> S. 50), 1645 IV 13 (<ref type="document" subtype="intern" facs="#APWIIIA1-1_0008" target="#bsb00057634_00166_dok0008">Nr. 8</ref> S. 42).</p></note>. Unserer Edition wurde das eigenhändig geschriebene Exemplar des Diariums zugrunde gelegt<note type="edd" subtype="commAnnot" place="foot" facs="APWIIIA1-1_p0073n3" xml:id="bsb00057634_00073_n03"><lb facs="-" xml:id="bsb00057634_00073_003"/><p><choice><abbr>RK</abbr><expan>Reichskanzlei</expan></choice> <hi style="font-style:italic;"><choice><abbr>FrA</abbr><expan>Friedensakten</expan></choice> <choice><abbr>Fasz.</abbr><expan>Faszikel</expan></choice> 90 Bd. 1–3 (benutzt Bd. 1). Das Diarium, bearbeitet von Frau Dr. Roswitha</hi> <hi style="font-style:smallCaps;">Philippe</hi>, <hi style="font-style:italic;">ist im Druck</hi> (APW <hi style="font-style:italic;">III C 2).</hi></p></note>. Waren die herausgenommenen Stücke bereits im Zusammenhang – bei <hi style="font-style:normal;">A.</hi> <hi style="font-style:smallCaps;">Cortrejus</hi> <hi style="font-style:normal;">–</hi> oder verstreut bzw. auszugsweise (im Extrakt) bei <hi style="font-style:smallCaps;">Meiern</hi> oder <hi style="font-style:smallCaps;">Gärtner</hi> <w lemma="gedruckt"><orig>ge-</orig><orig>druckt</orig></w> worden, so wurden Druckort und Seite ebenfalls angegeben. Aus dem <hi style="font-style:smallCaps;">Diarium</hi> <hi style="font-style:smallCaps;">Volmar</hi> abgeschriebene und an den kaiserlichen Hof übersandte Protokolle wurden (wie beim <hi style="font-style:smallCaps;">Diarium</hi> <hi style="font-style:smallCaps;">Wartenberg</hi>) nicht berücksichtigt, da die Protokolle <w lemma="innerhalb"><orig>inner-</orig><orig>halb</orig></w> des Originals vollständig sind.</p>
	    <p><hi style="font-style:italic;">Für die Protokolle, die die kaiserliche Gesandtschaft in Osnabrück angefertigt hatte, wird hingegen auf die Beilagen der kaiserlichen Korrespondenz zurückgegriffen. Die hier benutzten Reinschriften liegen in den Friedensakten der Reichskanzlei</hi> (<choice><abbr>RK</abbr><expan>Reichskanzlei</expan></choice> <hi style="font-style:italic;"><choice><abbr>FrA</abbr><expan>Friedensakten</expan></choice>) Faszikel 48a und 92/V</hi><note type="edd" subtype="commAnnot" place="foot" facs="APWIIIA1-1_p0073n4" xml:id="bsb00057634_00073_n04"><lb facs="-" xml:id="bsb00057634_00073_004"/><p><hi style="font-style:italic;">Aus den 18 Bänden Beilagen zum</hi> <hi style="font-style:smallCaps;">DVolmar</hi> (<choice><abbr>RK</abbr><expan>Reichskanzlei</expan></choice> <hi style="font-style:italic;"><choice><abbr>FrA</abbr><expan>Friedensakten</expan></choice> <choice><abbr>Fasz.</abbr><expan>Faszikel</expan></choice> 92/I-XVIII: 1643–1649).</hi></p></note><hi style="font-style:italic;"> (Korrespondenzakten zum</hi> <hi style="font-style:smallCaps;">Diarium</hi> <hi style="font-style:smallCaps;">Volmar</hi><hi style="font-style:italic;">)</hi> <hi style="font-style:italic;">im</hi> <hi style="font-style:smallCaps;">Haus</hi>-, <hi style="font-style:smallCaps;">Hof</hi>- <hi style="font-style:smallCaps;">und</hi> <hi style="font-style:smallCaps;">Staatsarchiv</hi> <hi style="font-style:smallCaps;">Wien</hi>. <hi style="font-style:italic;">Teile davon sind, allerdings <w lemma="fehlerhaft"><orig>fehler-</orig><orig>haft</orig></w>, bei</hi> <hi style="font-style:smallCaps;">Meiern</hi> <hi style="font-style:italic;">und</hi> <hi style="font-style:smallCaps;">Gärtner</hi> <hi style="font-style:italic;">abgedruckt. Sie werden in der Edition nach dem kaiserlichen Sekundargesandten in Osnabrück, Johann Krane, benannt, weil sie <w lemma="teilweise"><orig>teil-</orig><orig>weise</orig></w> in dessen Ich-Form gehalten sind. Die Protokolle enthalten förmliche <w lemma="Präsenzvermerke"><orig>Präsenz-</orig><orig>vermerke</orig></w> sowie Wechselreden nach Art der Visitenprotokolle über zweiseitige <w lemma="Besprechungen"><orig>Be-</orig><orig>sprechungen</orig></w>.</hi></p>
	    <p style="font-style:italic;">In den Kanzlei- und Gesandtschaftsregistraturen der kurfürstlichen Stände treffen wir also drei, sich teilweise überschneidende Formen des Schriftguts an: 1. die Briefe, d. h. in den Kanzleien der Residenz die Ausfertigungen der Gesandten und die Konzepte des Kurfürsten, in der Registratur der Gesandten die Originale des Kurfürsten und die Konzepte der Gesandten; 2. die Diarien und Protokolle, die teilweise <w lemma="wörtlich"><orig>wört-</orig><orig>lich</orig></w> in die Briefe eingefügt, zumeist aber als reinschriftliche Beilagen nach und nach an die kurfürstliche Kanzlei geschickt wurden; <hi style="font-style:normal;">3.</hi> Verhandlungsakten wie <w lemma="Memorialien"><orig>Memo-</orig><orig>rialien</orig></w>, Resolutionen, Projekte, Diktatursachen, Brief-Kopien. Die Diarien und Protokolle bilden gemeinsam das interne Schriftgut der Gesandten, das zunächst der eigenen Information und Geschäftsorientierung dient, weil es detaillierter als die Briefe Zeugnis von der eigenen Tätigkeit ablegt. Diarien und Protokolle bleiben im <pb facs="APWIIIA1-1_p0074" sameAs="#bsb00057634_00074" n="LXXIV"/>Original, d. h. im gut lesbaren Konzept oder Reinkonzept zunächst bei der Gesandtschaft und werden erst nach deren Rückkehr der heimischen Kanzlei überliefert. Die Visiten- und Konferenzprotokolle der Diarien gleichen im Zweck, in der Verwendung und im äußeren Bild den späteren, dann separat abgelegten und aus dem Diarium herausgewachsenen Ratsprotokollen. Diarium und Visitenprotokolle sind in den kurmainzischen, kurbayerischen (und kurkölnischen) Akten, soweit nachprüfbar, von denselben Händen in der gleichen halbbrüchigen Konzeptform geschrieben wie die späteren Ratsprotokolle. Dennoch sind die Reichsratsprotokolle wiederum ein <w lemma="Kanzleischriftgut"><orig>Kanz-</orig><orig>leischriftgut</orig></w> sui generis: Nach der zeitgenössischen kurmainzischen Terminologie unterscheiden sich die Reichsprotokolle<note type="edd" subtype="commAnnot" place="foot" facs="APWIIIA1-1_p0074n1" xml:id="bsb00057634_00074_n01"><lb facs="-" xml:id="bsb00057634_00074_001"/><p><hi style="font-style:italic;">Der Terminus</hi> protocollum imperii <hi style="font-style:italic;">(Kurmainz/Osnabrück an Kf. Anselm Casimir, 1648 VI 29,</hi> <choice><abbr>MEA</abbr><expan>Mainzer Erzkanzlerarchiv</expan></choice> <hi style="font-style:italic;"><choice><abbr>CorrA</abbr><expan>Correspondenzakten</expan></choice> <choice><abbr>Fasz.</abbr><expan>Faszikel</expan></choice> 18 [3]) oder</hi> reichßprothocoll <hi style="font-style:italic;">(Kf. Anselm Casimir an <w lemma="Kurmainz"><orig>Kur-</orig><orig>mainz</orig></w>/Osnabrück, 1648 III 21,</hi> <choice><abbr>MEA</abbr><expan>Mainzer Erzkanzlerarchiv</expan></choice> <hi style="font-style:italic;"><choice><abbr>CorrA</abbr><expan>Correspondenzakten</expan></choice> <choice><abbr>Fasz.</abbr><expan>Faszikel</expan></choice> 18 [4]) galt für die kurmainzischen Protokolle aus dem Corpus Catholicorum und aus dem Kurfürstenrat.</hi></p></note> vom <hi style="font-style:normal;">summarisch protocoll</hi><note type="edd" subtype="commAnnot" place="foot" facs="APWIIIA1-1_p0074n2" xml:id="bsb00057634_00074_n02"><lb facs="-" xml:id="bsb00057634_00074_002"/><p style="font-style:italic;">Z. B. von 1645 XI 19ff. zunächst ein Beschlußprotokoll über die Sitzungen im Corpus Catholicorum, im Kurfürstenrat und im Fürstenrat, über die Re- und Correlation, dann über Visiten Volmars, die eine Aussprache über das diesem überbrachte Conclusum zum Inhalt hatten (<hi style="font-style:normal;"><choice><abbr>MEA</abbr><expan>Mainzer Erzkanzlerarchiv</expan></choice></hi> <choice><abbr>CorrA</abbr><expan>Correspondenzakten</expan></choice> <choice><abbr>Fasz.</abbr><expan>Faszikel</expan></choice> 10 [C]).</p></note> als der <w lemma="konzentrierten"><orig>konzen-</orig><orig>trierten</orig></w> Niederschrift mündlich getätigter Vorgänge. Die lockere Berichtsform weicht der strengen Gliederung nach Voten. Man geht über zur separaten Ablage der Reichsprotokolle und zur wertfreien, von Kommentaren nicht mehr unterbrochenen Berichterstattung. Die Diarien sind in Komposition und Inhalt noch recht <w lemma="unterschiedlich"><orig>unter-</orig><orig>schiedlich</orig></w>, während die Kurfürstenratsprotokolle zum Zweck größerer Genauigkeit ausgetauscht werden. Die Abspaltung der Kurfürstenratsprotokolle von den Diarien, der Übergang zum regelmäßig gegliederten Votenprotokoll, der sich in den Diarien von Kurköln und Kurbayern vollzieht, sind Reflex der zunehmenden <w lemma="Institutionalisierung"><orig>Institutionali-</orig><orig>sierung</orig></w> des Kongresses. Der Beginn der formellen Reichsberatungen und der <w lemma="Zusammentritt"><orig>Zusam-</orig><orig>mentritt</orig></w> des Kurfürstenrats können äußerlich auch an der Spezialisierung des <w lemma="Schriftguts"><orig>Schrift-</orig><orig>guts</orig></w> abgelesen werden. Der Entschluß zur ersten Kollegialzusammenkunft, die dem Reichsherkommen entsprach und vollzählig war, läßt die kurfürstlichen Gesandten auf die bereits existente Form des Kurfürstenratsprotokolls zurückgreifen, aber eigenständige Kurfürstenratsprotokolle am Kongreß wachsen erst allmählich aus dem umfassenderen Kanzleischriftgut der Diarien und Briefe heraus; für die engere Geschichte der Protokollgattungen des Kongresses wiederholt sich quasi im kleinen der historische Entstehungsprozeß der Reichsratsprotokolle.</p>
	    <p style="font-style:italic;">Da die Vorkonferenzen in die vorliegende Publikation aufgenommen sind, kann die Edition auch nach dem Beginn formeller Reichsratssitzungen (31. August 1645) nicht auf die eigentlichen Sitzungen des Kurfürstenrats beschränkt bleiben. Die <w lemma="Kurfürstenratsprotokolle"><orig>Kur-</orig><orig>fürstenratsprotokolle</orig></w> sind nämlich auch als Protokolle kurfürstlicher Provenienzen, nicht nur als Quelle der kurfürstlichen Kurie zu definieren. Sie erfassen gemäß ihrer Entstehungsgeschichte einmal das interne Handeln der Kollegglieder, zum andern das Handeln des Kollegiums als solchen im Verein mit den übrigen Kollegien; die ersten Mainzer Kurfürstenratsprotokolle hatten sogar in erster Linie über die <w lemma="Verhandlungen"><orig>Verhand-</orig><orig>lungen</orig></w> des Kurfürstenrats mit den anderen beiden Reichstagskurien Aufschluß zu <pb n="LXXV" facs="APWIIIA1-1_p0075" sameAs="#bsb00057634_00075"/>geben. So sind in unsere Edition auch jene 19 Konferenzen aufgenommen worden, an denen der Kurfürstenrat in seiner Gesamtheit oder vertreten durch seine Deputierten (Kurmainz, Kurbayern) bzw. durch das Direktorium teilnahm<note type="edd" subtype="commAnnot" place="foot" facs="APWIIIA1-1_p0075n1" xml:id="bsb00057634_00075_n01"><lb facs="-" xml:id="bsb00057634_00075_001"/><p style="font-style:italic;"><ref type="document" subtype="intern" facs="#APWIIIA1-1_0038" target="#bsb00057634_00356_dok0038">Nrr. 38</ref> S. 232, <ref type="document" subtype="intern" facs="#APWIIIA1-1_0041" target="#bsb00057634_00385_dok0041">41</ref> S. 261, <ref type="document" subtype="intern" facs="#APWIIIA1-1_0042" target="#bsb00057634_00387_dok0042">42</ref> S. 263, <ref type="document" subtype="intern" facs="#APWIIIA1-1_0047" target="#bsb00057634_00446_dok0047">47</ref> und <ref type="document" subtype="intern" facs="#APWIIIA1-1_0048" target="#bsb00057634_00452_dok0048">48</ref> S. 322–333, <ref type="document" subtype="intern" facs="#APWIIIA1-1_0050" target="#bsb00057634_00471_dok0050">50</ref> S. 347, <ref type="document" subtype="intern" facs="#APWIIIA1-1_0053" target="#bsb00057634_00490_dok0053">53</ref> S. 366, <ref type="document" subtype="intern" facs="#APWIIIA1-1_0055" target="#bsb00057634_00504_dok0055">55</ref> S. 380, <ref type="document" subtype="intern" facs="#APWIIIA1-1_0057" target="#bsb00057634_00517_dok0057">57</ref> S. 393f., <ref type="document" subtype="intern" facs="#APWIIIA1-1_0058" target="#bsb00057634_00519_dok0058">58</ref> S. 395, <ref type="document" subtype="intern" facs="#APWIIIA1-1_0069" target="#bsb00057634_00611_dok0069">69</ref> S. 487, <ref type="document" subtype="intern" facs="#APWIIIA1-1_0083" target="#bsb00057634_00707_dok0083">83–86</ref> S. 583–599, <ref type="document" subtype="intern" facs="#APWIIIA1-1_0096" target="#bsb00057634_00779_dok0096">96</ref> S. 655, <ref type="document" subtype="intern" facs="#APWIIIA1-1_0098" target="#bsb00057634_00789_dok0098">98</ref> S. 665, <ref type="document" subtype="intern" facs="#APWIIIA1-1_0099" target="#bsb00057634_00791_dok0099">99</ref> S. 667, <ref type="document" subtype="intern" facs="#APWIIIA1-1_0114" target="#bsb00057634_00878_dok0114">114</ref> S. 754.</p></note>: Plenarsitzungen anläßlich der kaiserlichen Propositionen sowie der Re- und Correlationen<note type="edd" subtype="commAnnot" place="foot" facs="APWIIIA1-1_p0075n2" xml:id="bsb00057634_00075_n02"><lb facs="-" xml:id="bsb00057634_00075_002"/><p style="font-style:italic;">Acht Plena: <ref type="document" subtype="intern" facs="#APWIIIA1-1_0038" target="#bsb00057634_00356_dok0038">Nrr. 38</ref>, <ref type="document" subtype="intern" facs="#APWIIIA1-1_0047" target="#bsb00057634_00446_dok0047">47</ref>, <ref type="document" subtype="intern" facs="#APWIIIA1-1_0048" target="#bsb00057634_00452_dok0048">48</ref>, <ref type="document" subtype="intern" facs="#APWIIIA1-1_0053" target="#bsb00057634_00490_dok0053">53</ref>, <ref type="document" subtype="intern" facs="#APWIIIA1-1_0083" target="#bsb00057634_00707_dok0083">83–85</ref>, <ref type="document" subtype="intern" facs="#APWIIIA1-1_0114" target="#bsb00057634_00878_dok0114">114</ref>; sonstige Re- und Correlationen, die nicht im Sitzungsprotokoll verzeichnet sind: <ref type="document" subtype="intern" facs="#APWIIIA1-1_0055" target="#bsb00057634_00504_dok0055">Nrr. 55</ref>, <ref type="document" subtype="intern" facs="#APWIIIA1-1_0058" target="#bsb00057634_00519_dok0058">58</ref>, <ref type="document" subtype="intern" facs="#APWIIIA1-1_0096" target="#bsb00057634_00779_dok0096">96</ref>, <ref type="document" subtype="intern" facs="#APWIIIA1-1_0098" target="#bsb00057634_00789_dok0098">98</ref>, <ref type="document" subtype="intern" facs="#APWIIIA1-1_0099" target="#bsb00057634_00791_dok0099">99</ref>; eigens notierte Deputationen: <ref type="document" subtype="intern" facs="#APWIIIA1-1_0055" target="#bsb00057634_00504_dok0055">Nrr. 55</ref>, <ref type="document" subtype="intern" facs="#APWIIIA1-1_0057" target="#bsb00057634_00517_dok0057">57</ref>, <ref type="document" subtype="intern" facs="#APWIIIA1-1_0086" target="#bsb00057634_00721_dok0086">86</ref>.</p></note>, <w lemma="Deputationen"><orig>Depu-</orig><orig>tationen</orig></w> zu den kaiserlichen Gesandten, eine kaiserlich-kurfürstliche <w lemma="Assistenzberatung"><orig>Assistenzbe-</orig><orig>ratung</orig></w> als Nachklang der Vorkonferenzen<note type="edd" subtype="commAnnot" place="foot" facs="APWIIIA1-1_p0075n3" xml:id="bsb00057634_00075_n03"><lb facs="-" xml:id="bsb00057634_00075_003"/><p style="font-style:italic;">1645 IX 13 (<ref type="page" subtype="intern" facs="#APWIIIA1-1_p0387" target="#bsb00057634_00387">S. 263–274</ref>).</p></note>, Sonderzusammenkünfte der katholischen Kurfürsten, sofern sie, wie die übrigen hier aufgenommenen externen Konferenzen, in kurfürstlichen Protokollen aufgezeichnet sind und thematisch nicht dem Corpus <w lemma="Catholicorum"><orig>Catholi-</orig><orig>corum</orig></w>, sondern den Verhandlungen über die Beratungsweise, über den modus consultandi, zugehören<note type="edd" subtype="commAnnot" place="foot" facs="APWIIIA1-1_p0075n4" xml:id="bsb00057634_00075_n04"><lb facs="-" xml:id="bsb00057634_00075_004"/><p style="font-style:italic;">1645 IX 7 (<ref type="document" subtype="intern" facs="#APWIIIA1-1_0041" target="#bsb00057634_00385_dok0041">Nr. 41</ref> S. 261–263), 1645 IX 30 (<ref type="document" subtype="intern" facs="#APWIIIA1-1_0050" target="#bsb00057634_00471_dok0050">Nr. 50</ref> S. 347), 1646 II 17 (<ref type="document" subtype="intern" facs="#APWIIIA1-1_0069" target="#bsb00057634_00611_dok0069">Nr. 69</ref> S. 487–489).</p></note>. Desgleichen wurden alle Re- und Correlationen, die im unmittelbaren Anschluß an die kurfürstlichen Sitzungen oder später stattfanden, mit berücksichtigt: Dafür waren die erwähnten sachlichen Gründe ebenso ausschlaggebend wie die Tatsache, daß die Re- und Correlationen in die Protokolle kurfürstlicher Provenienz aufgenommen worden sind. Meist wurde nämlich der Beschluß des Fürsten- oder Städterats durch die Deputierten (Kurmainz und Kurbayern) oder durch den kurmainzischen Direktor nach Kenntnisnahme kurz im Kurkolleg mitgeteilt, so daß alle kurfürstlichen Protokollanten in der Lage waren, Zustimmung oder Ablehnung der niederen Kurien wenigstens kurz zu notieren, falls nicht überhaupt Re- und <w lemma="Correlation"><orig>Corre-</orig><orig>lation</orig></w> im Plenum stattfanden<note type="edd" subtype="commAnnot" place="foot" facs="APWIIIA1-1_p0075n5" xml:id="bsb00057634_00075_n05"><lb facs="-" xml:id="bsb00057634_00075_005"/><p style="font-style:italic;">Siehe oben Anm. 2. Re- und Correlation im Plenum trat 1648–49 in den Vordergrund.</p></note>.</p>
	    <p style="font-style:italic;">Anders als im Fürsten- und Städterat war es im Kurkolleg 1645 bereits <w lemma="Reichsherkommen"><orig>Reichs-</orig><orig>herkommen</orig></w>, daß jede kurfürstliche Gesandtschaft ihren Protokollanten mitbringen durfte. Die Protokollführung war nicht dem Direktor des Kollegs vorbehalten; untersagt war lediglich, daß eine Gesandtschaft, die im Kolleg meist doppelt, durch den votierenden Sekundargesandten und den <hi style="font-style:normal;">stellhaltenden</hi> adligen Hauptgesandten, vertreten war, auch zwei Sekretäre mit in den Rat nahm<note type="edd" subtype="commAnnot" place="foot" facs="APWIIIA1-1_p0075n6" xml:id="bsb00057634_00075_n06"><lb facs="-" xml:id="bsb00057634_00075_006"/><p style="font-style:italic;">Ein entsprechender Versuch Kurbrandenburgs wurde von Kurmainz zurückgewiesen (Cratz/J. Adam Krebs an Kf. Anselm Casimir, Münster 1645 X 20, <hi style="font-style:normal;"><choice><abbr>MEA</abbr><expan>Mainzer Erzkanzlerarchiv</expan></choice></hi> <choice><abbr>CorrA</abbr><expan>Correspondenzakten</expan></choice> 19,1 nr. 85).</p></note>. Theoretisch gibt es also sechs Provenienzen von Kurfürstenratsprotokollen, die auch vorliegen: Kurmainz, Kurtrier, Kurköln, Kurbayern, Kursachsen und Kurbrandenburg (Kurpfalz war wegen der Ächtung des Winterkönigs zum Rat nicht zugelassen).</p>
	    <p style="font-style:italic;">Ein Sonderfall ist Böhmen. Obgleich ihm nach Reichsrecht der Platz im <w lemma="Kurfürstenrat"><orig>Kurfürsten-</orig><orig>rat</orig></w> als Reichstagskurie versagt war und ihm nur bei der Königswahl die Abgabe eines Votums zustand<note type="edd" subtype="commAnnot" place="foot" facs="APWIIIA1-1_p0075n7" xml:id="bsb00057634_00075_n07"><lb facs="-" xml:id="bsb00057634_00075_007"/><p><hi style="font-style:italic;">Vgl.</hi> <hi style="font-style:smallCaps;">Becker</hi> <hi style="font-style:italic;">S. 79f. Anm. 125, S. 240 Anm. 91 und zusätzlich</hi> <hi style="font-style:smallCaps;">Guntherus</hi> <hi style="font-style:italic;">th. XV.</hi></p></note>, nahm es an den zwei Ratssitzungen über die pfälzische Frage bzw. die achte Kur (16. und 18. März 1647) teil. Böhmische <w lemma="Kurfürstenratsprotokolle"><orig>Kurfürstenratsproto-</orig><pb facs="APWIIIA1-1_p0076" sameAs="#bsb00057634_00076" n="LXXVI"/><orig>kolle</orig></w> dieser (und anderer) Sitzungen konnten indes nicht aufgefunden werden. Am ehesten wären sie in der sogenannten Erskeinischen Sammlung zu vermuten, die Akten der Reichskanzlei zu Prag bzw. zu Wien enthält<note type="edd" subtype="commAnnot" place="foot" facs="APWIIIA1-1_p0076n1" xml:id="bsb00057634_00076_n01"><lb facs="-" xml:id="bsb00057634_00076_001"/><p style="font-style:italic;"><hi style="font-style:smallCaps;">Niedersächsisches</hi> <hi style="font-style:smallCaps;">Staatsarchiv</hi> <hi style="font-style:smallCaps;">Stade</hi> Rep. 32, I-IV. Die „archivalisch wie juristisch anfechtbare private Sammlung“ wurde von dem schwedischen Kriegskommissar, dann <w lemma="Kriegsratspräsidenten"><orig>Kriegsrats-</orig><orig>präsidenten</orig></w>, Erbkämmerer und (seit 1653) Präsidenten der schwedischen Regierung in Stade, Alexander von Erskeine, angelegt, der die Archive eroberter Städte aufsuchte und dort Dokumente mitnahm (<hi style="font-style:smallCaps;">Weise</hi> S. 90, 107f., 247).</p></note>. Diese Bestände waren bei der Einnahme Prags im Sommer 1648 in die Hände der schwedischen Truppen gefallen und schließlich mit der Dienstregistratur des schwedischen Kriegsrats Alexander Erskeine zusammengefügt worden. Diese Sammlung liegt heute im <hi style="font-style:smallCaps;"><w lemma="Niedersächsischen"><orig>Niedersäch-</orig><orig>sischen</orig></w></hi> <hi style="font-style:smallCaps;">Staatsarchiv</hi> <hi style="font-style:smallCaps;">Stade</hi><hi style="font-style:normal;">.</hi> In dem Bestand aus der Reichskanzlei, dessen Inhalt genau verzeichnet ist<note type="edd" subtype="commAnnot" place="foot" facs="APWIIIA1-1_p0076n2" xml:id="bsb00057634_00076_n02"><lb facs="-" xml:id="bsb00057634_00076_002"/><p style="font-style:italic;">Erskeinische Sammlung I: Akten der Reichskanzlei zu Prag bzw. zu Wien 1431–1648 (II: Dienstregistratur von A. Erskeine 1626–1655, III: Handakten verschiedener Juristen am <w lemma="Reichskammergericht"><orig>Reichs-</orig><orig>kammergericht</orig></w> 1505–1631, IV: Verschiedene Provenienzen. Bremen-Stadt, Lothringen, <w lemma="Stralendorf"><orig>Stra-</orig><orig>lendorf</orig></w>, 1574–1645).</p></note> und der u. a. Allgemeine Reichsangelegenheiten, <w lemma="Privilegien"><orig>Privi-</orig><orig>legien</orig></w>, Schutz- und Lehensbriefe, Zoll- und Münzgerechtsame sowie Judensachen <w lemma="umfaßt"><orig>um-</orig><orig>faßt</orig></w>, sind böhmische Kurfürstenratsprotokolle nicht anzutreffen. Auch eine <w lemma="diesbezügliche"><orig>diesbe-</orig><orig>zügliche</orig></w> Anfrage im <hi style="font-style:smallCaps;">Haus</hi><hi style="font-style:normal;">-,</hi> <hi style="font-style:smallCaps;">Hof</hi><hi style="font-style:normal;">-</hi> <hi style="font-style:smallCaps;">und</hi> <hi style="font-style:smallCaps;">Staatsarchiv</hi> <hi style="font-style:smallCaps;">Wien</hi>, an das <w lemma="Reichsakten"><orig>Reichs-</orig><orig>akten</orig></w> aus der Erskeinischen Sammlung zurückgegeben worden sind, blieb ergebnislos. Es ist daher anzunehmen, daß die kaiserliche Kanzlei sich mit den <w lemma="Kurfürstenratsprotokollen"><orig>Kurfürstenrats-</orig><orig>protokollen</orig></w>, die von Fall zu Fall vom kurmainzischen Direktorialgesandten <w lemma="Raigersperger"><orig>Raigers-</orig><orig>perger</orig></w> den kaiserlichen Gesandten übergeben worden sind, sowie mit den Conclusen und Re- und Correlationen, die in die Friedensakten der Reichskanzlei und der österreichischen Staatskanzlei gelangt sind<note type="edd" subtype="commAnnot" place="foot" facs="APWIIIA1-1_p0076n3" xml:id="bsb00057634_00076_n03"><lb facs="-" xml:id="bsb00057634_00076_003"/><p style="font-style:italic;">Wobei Conclusum-Übergaben durch Kurmainz und österreichische Aufzeichnungen aus den Fürstenräten zu unterscheiden sind.</p></note>, zufriedengegeben hat. Summarische <w lemma="Berichte"><orig>Be-</orig><orig>richte</orig></w> über den Verlauf der Reichsberatungen und damit auch über die Ergebnisse der Kurfürstenratssitzungen gaben die kaiserlichen Gesandten ohnehin in ihren <w lemma="Relationen"><orig>Rela-</orig><orig>tionen</orig></w>.</p>
	  </div>
	  <div type="part" subtype="part" ana="#section_02" xml:id="bsb00057634_00076_sec0014" corresp="#bsb00057634_00076">
	    <head><hi style="font-style:normal;">2.</hi> Die Überlieferung: a. Kurmainz</head>
	    <p style="font-style:italic;">Das kurmainzische Direktorium führte bei den Sitzungen des Kurfürstenrats, des Corpus Catholicorum, der Deputationen und der Ausschüsse sowie bei Re- und Correlationen das authentische Reichsprotokoll<note type="edd" subtype="commAnnot" place="foot" facs="APWIIIA1-1_p0076n4" xml:id="bsb00057634_00076_n04"><lb facs="-" xml:id="bsb00057634_00076_004"/><p><hi style="font-style:italic;">Vgl. – statt vieler Belege aus der Staatsrechtsliteratur –</hi> H. <hi style="font-style:smallCaps;">Becker</hi>, <hi style="font-style:italic;">Speyerer Reichstag S. 3,</hi> <hi style="font-style:smallCaps;">Staricius</hi> <hi style="font-style:italic;">S. 12. Siehe unten S. CXV Anm. 4–5.</hi></p></note>. Deshalb hatte der Bearbeiter <w lemma="zunächst"><orig>zu-</orig><orig>nächst</orig></w> nach der kurmainzischen Überlieferung zu fragen. Sie liegt für den Zeitraum vom 10. Juli 1645 bis zum 5. Juni 1649 in den Friedensakten des Mainzer <w lemma="Erzkanzlerarchivs"><orig>Erz-</orig><orig>kanzlerarchivs</orig></w> (<hi style="font-style:smallCaps;"><choice><abbr>HHStA</abbr><expan>Haus-, Hof- und Staatsarchiv (Wien)</expan></choice></hi> <hi style="font-style:smallCaps;">Wien</hi>) nahezu vollständig vor. Allerdings sind drei <w lemma="Protokolle"><orig>Proto-</orig><orig>kolle</orig></w> (dazu die Protokolle zweier Plenarsitzungen, einer Deputation) verloren<note type="edd" subtype="commAnnot" place="foot" facs="APWIIIA1-1_p0076n5" xml:id="bsb00057634_00076_n05"><lb facs="-" xml:id="bsb00057634_00076_005"/><p style="font-style:italic;">1647 IX 16, 19, 25 (<ref type="document" subtype="intern" facs="#APWIIIA1-1_0126" target="#bsb00057634_00959_dok0126">Nrr. 126</ref>, <ref type="document" subtype="intern" facs="#APWIIIA1-1_0127" target="#bsb00057634_00962_dok0127">127</ref>, <ref type="document" subtype="intern" facs="#APWIIIA1-1_0128" target="#bsb00057634_00964_dok0128">128</ref> S. 835ff.); 1645 X 19, 1647 III 28 (<ref type="document" subtype="intern" facs="#APWIIIA1-1_0053" target="#bsb00057634_00490_dok0053">Nrr. 53</ref>, <ref type="document" subtype="intern" facs="#APWIIIA1-1_0114" target="#bsb00057634_00878_dok0114">114</ref>); 1645 XI 5 (<ref type="document" subtype="intern" facs="#APWIIIA1-1_0057" target="#bsb00057634_00517_dok0057">Nr. 57</ref>).</p></note> und 12 Sitzungsprotokolle (von insgesamt 71 bzw. 74, bis 25. September 1647) nur <w lemma="fragmentarisch"><orig>fragmen-</orig><orig>tarisch</orig></w> überliefert. Ein Vorteil der kurmainzischen Überlieferung besteht neben ihrer relativen Vollständigkeit, die sonst nur noch von dem kurkölnischen Protokoll erreicht wird, darin, daß für einzelne Sitzungen mehrere Protokoll-Exemplare von der ersten Mitschrift bis zur Reinschrift erhalten sind; sie gewähren Einblick in die Entstehung der Kurfürstenratsprotokolle, bei der verschiedene Stufen unterschieden werden können.</p>
	    <p style="font-style:italic;">Wie aus der Überlieferung der Lengericher Konferenz ersichtlich ist, wurden zunächst während der Sitzungen flüchtige stichwortartige Mitschriften, sogenannte Rapulare (<hi style="font-style:smallCaps;">Kurmainz</hi> Rp)<note type="edd" subtype="commAnnot" place="foot" facs="APWIIIA1-1_p0077n1" xml:id="bsb00057634_00077_n01"><lb facs="-" xml:id="bsb00057634_00077_001"/><p style="font-style:italic;">Zu den unten angegebenen vgl. auch die Rapulare von den Pfälzischen Restitutionstraktaten in Wien (1642 IV 1 bis 1642 V 23): Nach reinschriftlicher Angabe von Sessio und Datum (die Bögen wurden offenbar mit Kopf in die Sitzung mitgenommen) folgen Einträge in flüchtigem Duktus mit unregelmäßigem Rand von der Hand des kurmainzischen Gesandten Brömser von Rüdesheim (<hi style="font-style:normal;"><choice><abbr>MEA</abbr><expan>Mainzer Erzkanzlerarchiv</expan></choice></hi> <choice><abbr>FrA</abbr><expan>Friedensakten</expan></choice> <choice><abbr>Fasz.</abbr><expan>Faszikel</expan></choice> 5 fol. 151–256). In <hi style="font-style:smallCaps;">DVolmar</hi> fol. 1134’ (1648 I 9) verweist der Verfasser auf <hi style="font-style:normal;">deß Gailii rapular huius diei</hi> d. h. auf das Protokoll einer im Diarium selbst nur knapp resümierten Zusammenkunft. Gedruckte Beispiele in <hi style="font-style:normal;">APW</hi> <ref type="document" subtype="extern" facs="#APWIIIA4-1_0040" target="#bsb00057094_00264_dok0040">III A 4, 1 S. XL</ref>, zur <w lemma="aktenkundlichen"><orig>akten-</orig><orig>kundlichen</orig></w> Einordnung <hi style="font-style:smallCaps;">ebd.</hi> und <hi style="font-style:normal;">H. O.</hi> <hi style="font-style:smallCaps;">Meisner</hi>, Archivalienkunde S. 195. Vgl. auch die kurbayerischen Rapularprotokolle vom Heidelberger Ligatag (1629 II 19 – III 8) mit kurzen stichwortartigen Voten und halbbrüchiger Beschriftung für Notanda und Ergänzungen, die <w lemma="allerdings"><orig>aller-</orig><orig>dings</orig></w> eher schon konzeptmäßig ist (<hi style="font-style:smallCaps;">HStAM</hi> I, Dreißigjähriger Krieg, Akten nr. 231).</p></note>, entweder vom Protokollanten oder aber vom anwesenden <w lemma="Gesandten"><orig>Gesan-</orig><orig>dten</orig></w> selbst, angefertigt: Da die Proposition und das kurmainzische Votum bekannt und teilweise bereits vor der Sitzung fixiert (Proposition) waren, jedenfalls aber ohnehin spezieller Ausarbeitung bedurften, konnten der Protokollant, mehr aber noch der mitschreibende Gesandte, sich darauf beschränken, die übrigen Voten zu notieren. Die Mitschrift des kurmainzischen Gesandten diente vor allem als Direktorialnotiz, ermöglichte eine Kontrolle des eigentlichen Rapulars und war Gedächtnisstütze für die Formulierung des kurmainzischen Schlußvotums bzw. Conclusums am Ende der <w lemma="Sitzung"><orig>Sit-</orig><orig>zung</orig></w>. Solche (teils schwer lesbare) Notizen von der Hand des kurmainzischen <w lemma="Kanzlers"><orig>Kanz-</orig><orig>lers</orig></w> Raigersperger, des kurmainzischen Sekundargesandten Krebs (und möglicherweise auch des kurmainzischen Hauptgesandten Graf Cratz von Scharffenstein) finden sich in den Faszikeln 9, 11, 12 (J. Adam Krebs, Beck), 14, 15, 21 (Raigersperger), 18 (wohl Cratz von Scharffenstein)<note type="edd" subtype="commAnnot" place="foot" facs="APWIIIA1-1_p0077n2" xml:id="bsb00057634_00077_n02"><lb facs="-" xml:id="bsb00057634_00077_002"/><p><hi style="font-style:italic;">In dem Büschel mit der nicht ganz zutreffenden Aufschrift</hi> Protocollum in consilio electorum catholicorum vom 3. July bis 7. August 1647 <hi style="font-style:italic;">(Sitzungen 1647 VII 3, VII 10): mit schwarzer Tinte nachgezogene Bleischrift auf beidseitig beschriebenen Blättern in dem sonst nur für Handzettel gebräuchlichen Format (nach eingelegtem Lesezeichen</hi> Cop. 13, <hi style="font-style:italic;">obwohl es sich <w lemma="schwerlich"><orig>schwer-</orig><orig>lich</orig></w> um Abschriften handelt). Da von Cratz nur Brief-Unterschriften und kurze Postskripte bekannt sind, ist der Handschriften-Vergleich unsicher.</hi></p></note> der Friedensakten. Die Aussortierung und Vernichtung der Rapulare und Gesandten-Notizen mag aus Unachtsamkeit <w lemma="unterblieben"><orig>unter-</orig><orig>blieben</orig></w> sein, vielleicht wollten aber Raigersperger und vor ihm sein etwas peniblerer Kollege J. Adam Krebs das Reichsprotokoll auch möglichst vollständig erhalten.</p>
	    <p style="font-style:italic;">Sogleich oder bald nach der Sitzung wurde das Rapular halbseitig erstmals, um Platz für Verbesserungen zu lassen, ins Reine geschrieben. Die Korrekturen wurden von den Gesandten interlinear eingefügt oder an den Rand gesetzt. War viel zu <w lemma="verbessern"><orig>ver-</orig><orig>bessern</orig></w> oder hinzuzufügen, wie z. B. bei den drei Sitzungen der Lengericher Konferenz, <pb facs="APWIIIA1-1_p0078" sameAs="#bsb00057634_00078" n="LXXVIII"/>so erfolgte eine zweite Niederschrift dieses Konzeptes (<hi style="font-style:smallCaps;">Kurmainz</hi> K)<note type="edd" subtype="commAnnot" place="foot" facs="APWIIIA1-1_p0078n1" xml:id="bsb00057634_00078_n01"><lb facs="-" xml:id="bsb00057634_00078_001"/><p style="font-style:italic;">Auch bei den österreichisch-ungarischen Ministerratsprotokollen sind die Konzepte „sekundäre, eventuell tertiäre Produkte der Sitzungen“ (<hi style="font-style:smallCaps;">Komjáthy</hi> S. 96f.); vgl. <hi style="font-style:normal;">F.</hi> <hi style="font-style:smallCaps;">Hermann</hi> S. XI.</p></note>, in die alle Zusätze, Streichungen und Korrekturen reinschriftlich übertragen wurden. Das <w lemma="Ergebnis"><orig>Ergeb-</orig><orig>nis</orig></w> war das ebenfalls halbbrüchig geschriebene Reinkonzept (<hi style="font-style:smallCaps;">Kurmainz</hi> Rk), das u. U. noch einmal, zumindest in Kleinigkeiten, verbessert werden konnte. Manchmal wurden im Konzept beträchtliche Lücken für Nachträge gelassen<note type="edd" subtype="commAnnot" place="foot" facs="APWIIIA1-1_p0078n2" xml:id="bsb00057634_00078_n02"><lb facs="-" xml:id="bsb00057634_00078_002"/><p style="font-style:italic;">1645 X 5 (<ref type="document" subtype="intern" facs="#APWIIIA1-1_0051" target="#bsb00057634_00472_dok0051">Nr. 51</ref> S. 350).</p></note>: Dies wie die teilweise saubere Form und sorgfältige Schrift erhaltener Konzepte deuten darauf hin, daß man es aus Gründen der Zeit- und Arbeitsersparnis nach Möglichkeit beim ersten Konzept belassen wollte. Dabei wurden fortlaufend ungeheftete Lagen <w lemma="beschrieben"><orig>beschrie-</orig><orig>ben</orig></w>, die mit Nummern und links oben mit den Datumsangaben der in der Lage <w lemma="anzutreffenden"><orig>anzu-</orig><orig>treffenden</orig></w> Sitzungen versehen sind. Ende der Lagen und Ende der Sitzungen stimmen nicht überein, am Ende einer Sitzung wurde noch auf der gleichen Seite unter dem entsprechenden Datum mit einer neuen Sitzung begonnen. Die Niederschriften dürften über mehrere Sitzungen und Lagen hinweg jeweils in einem Zug vorgenommen worden sein, so daß es angebracht ist, mehrere nacheinander erfolgte Einträge in einem <w lemma="Faszikel"><orig>Fas-</orig><orig>zikel</orig></w> einheitlich als Reinkonzept- (<hi style="font-style:smallCaps;">Kurmainz</hi> Rk) bzw. Konzeptstufe (<hi style="font-style:smallCaps;"><w lemma="Kurmainz"><orig>Kur-</orig><orig>mainz</orig></w></hi> K) zu bezeichnen. Meistens fehlen von einer Sitzung entweder das Konzept oder das Reinkonzept, so daß nicht mehr exakt zu klären ist, ob es sich um die erste oder die zweite Niederschrift handelt. Für die Identifizierung eines Reinkonzepts ist in solchen Fällen in Analogie zu den Reinkonzepten von der Lengericher Konferenz, die drei Entstehungsstufen (Rapular-Konzept-Reinkonzept) klar unterscheidbar <w lemma="ausweist"><orig>aus-</orig><orig>weist</orig></w>, das äußere Bild maßgeblich, nämlich saubere Schrift mit wenigen <w lemma="Verbesserungen"><orig>Verbesse-</orig><orig>rungen</orig></w> und ohne Lücken. Als Konzepte werden die Protokolle derjenigen Sitzungen bezeichnet, die lange Verbesserungen ganzer Abschnitte aufweisen; hier hat man sich offenbar die Mühe einer nochmaligen Abschrift nicht gemacht. Die Differenzierung zwischen Konzept und Reinkonzept ist angesichts des Anschauungsmaterials, das die Protokolle der Lengericher Konferenz bieten, aus Gründen der Systematik <w lemma="erforderlich"><orig>erforder-</orig><orig>lich</orig></w>, obwohl Konzepte (mit Verbesserungen) und Reinkonzepte den gleichen Wortlaut haben und das Konzept für das (nicht mehr angefertigte) Reinkonzept Ersatz sein konnte. Das Reinkonzept oder das (nicht mehr verbesserungsbedürftige) Konzept der zweiten Niederschrift, im Falle des Fehlens beider aber das verbesserte Rapular, stellen das Original-Protokoll<note type="edd" subtype="commAnnot" place="foot" facs="APWIIIA1-1_p0078n3" xml:id="bsb00057634_00078_n03"><lb facs="-" xml:id="bsb00057634_00078_003"/><p style="font-style:italic;">Vgl. <hi style="font-style:normal;">APW</hi> <ref type="line" subtype="extern" facs="#APWIIIA4-1_p0061n1" target="#bsb00057094_00061_001">III A 4, 1 S. XLI Anm. 1</ref>. <hi style="font-style:normal;">H.</hi> <hi style="font-style:smallCaps;">Rumpler</hi> S. 97 bezeichnet die Reinkonzepte der Ministerratsprotokolle als „Letztform“, weil ihnen die Einzelkorrekturen der Minister hinzugesetzt worden waren, eine der (brieflichen) Ausfertigung vergleichbare letzte Abschrift dieser mit Verbesserungen versehenen Reinkonzepte aber nicht mehr erfolgte.</p></note> dar, das als unmittelbare Informationsquelle bei der Kanzlei der Gesandtschaft in Münster blieb.</p>
	    <p style="font-style:italic;">Obwohl die Deckblätter der Faszikel 13, 14, 20, 21, 24, die einen großen Teil der Protokollkonzepte enthalten, Redaktionsvermerke tragen, ist nur mangelhaft <w lemma="Ordnung"><orig>Ord-</orig><orig>nung</orig></w> geschaffen worden. Die Absonderung der Kurfürstenrats- von den <choice><abbr>CC</abbr><expan>Corpus Catholicorum</expan></choice>-<w lemma="Protokollen"><orig>Proto-</orig><orig>kollen</orig></w> ist meist unterblieben (teilweise durchgeführt in <choice><abbr>Fasz.</abbr><expan>Faszikel</expan></choice> 14, 24); im <w lemma="chronologischen"><orig>chrono-</orig><orig>logischen</orig></w> Verbund mit den Reichsratsprotokollen liegen Conclusen und Mainzer <pb facs="APWIIIA1-1_p0079" sameAs="#bsb00057634_00079" n="LXXIX"/>Visiten-Protokolle. Die <hi style="font-style:normal;">sessiones</hi> sind nur sporadisch durchgezählt (1645 XII 23: <hi style="font-style:normal;">sessio</hi> 12, 1646 I 24- II 10: sessio 15–18); da häufig nur (Wochen-) Tag und Monat als Datum über die Sitzung geschrieben worden sind, sind Protokolle falsch <w lemma="eingeordnet"><orig>einge-</orig><orig>ordnet</orig></w> worden (so 1646 III 21, Rs <choice><abbr>Fasz.</abbr><expan>Faszikel</expan></choice> 20): Die chronologische Reihung zeigt wie in den Faszikeln 9, 11 und 12 Verwerfungen, manche Sitzungsprotokolle sind <w lemma="auseinandergerissen"><orig>aus-</orig><orig>einandergerissen</orig></w>, die Fortsetzungen tauchen am unrechten Ort in anderen Faszikeln auf (so 1645 VIII 31, IX 2 in <choice><abbr>Fasz.</abbr><expan>Faszikel</expan></choice> 9, 11, 12, 1645 XI 4 in <choice><abbr>Fasz.</abbr><expan>Faszikel</expan></choice> 11 und 12) oder sind verschwunden, so daß manche Sitzungen nur bruchstückhaft durch die <w lemma="kurmainzische"><orig>kur-</orig><orig>mainzische</orig></w> Überlieferung belegt sind (1645 IX 20, 21, X 15, 21, 1646 II 21, IV 10, 1647 I 21, 31, II 16, V 6, VI 1). Da das Fehlen von Protokollen oder Protokoll-Stücken bereits von den zeitgenössischen Registratoren der kurmainzischen Kanzlei bemerkt worden ist<note type="edd" subtype="commAnnot" place="foot" facs="APWIIIA1-1_p0079n1" xml:id="bsb00057634_00079_n01"><lb facs="-" xml:id="bsb00057634_00079_001"/><p><hi style="font-style:italic;">Rechts unten auf der letzten Seite von Fragmenten häufig der Vermerk:</hi> Deest continuatio, <hi style="font-style:italic;">obwohl die Fortsetzung in anderen Faszikeln vorhanden sein kann (1645 IX 2, XI 4);</hi> <choice><abbr>MEA</abbr><expan>Mainzer Erzkanzlerarchiv</expan></choice> <hi style="font-style:italic;"><choice><abbr>FrA</abbr><expan>Friedensakten</expan></choice> <choice><abbr>Fasz.</abbr><expan>Faszikel</expan></choice> 21 nr. 52:</hi> Protocolla de anno 1647. 5. Decembris. Priora desunt.</p></note>, wird die Zersplitterung der Protokoll-Ablage auf die Teilung der kurmainzischen Gesandtschaft am Kongreß zurückgehen. Obwohl <w lemma="Raigersperger"><orig>Rai-</orig><orig>gersperger</orig></w> seine Kollegen in Osnabrück mit Kurfürstenratsprotokollen nur spärlich bedachte, führte die Aufrechterhaltung zweier Geschäftsstellen doch auch zu einer Aufteilung der ohnehin wenigen Kanzleikräfte. Es kam hinzu, daß die <w lemma="kurmainzischen"><orig>kurmainzi-</orig><orig>schen</orig></w> Kanzler Raigersperger und Meel einzelne Protokolle den Akten entnahmen, was ihnen bei dem ungebundenen Zustand der losen Lagen leicht fiel<note type="edd" subtype="commAnnot" place="foot" facs="APWIIIA1-1_p0079n2" xml:id="bsb00057634_00079_n02"><lb facs="-" xml:id="bsb00057634_00079_002"/><p><hi style="font-style:italic;">Entsprechende Kanzleivermerke in</hi> <choice><abbr>MEA</abbr><expan>Mainzer Erzkanzlerarchiv</expan></choice> <hi style="font-style:italic;"><choice><abbr>CorrA</abbr><expan>Correspondenzakten</expan></choice> <choice><abbr>Fasz.</abbr><expan>Faszikel</expan></choice> 7,</hi> <choice><abbr>MEA</abbr><expan>Mainzer Erzkanzlerarchiv</expan></choice> <hi style="font-style:italic;"><choice><abbr>FrA</abbr><expan>Friedensakten</expan></choice> <choice><abbr>Fasz.</abbr><expan>Faszikel</expan></choice> 21:</hi> NB den 42ten sexternen hatt h. Meel den 29ten Jan. 1653 empfangen.</p></note>.</p>
	    <p style="font-style:italic;">Dennoch macht die beigefügte Tabelle deutlich, daß eine fast geschlossene Reihe von Reinkonzepten der Gesandtschaftsregistratur erhalten geblieben ist. Sie zieht sich in der chronologischen Abfolge der Sitzungen durch die Faszikel 12 (9, 11), 9, 14, wieder 9, 21 und schließlich 24 (für 1648/49). Das beste Bild bietet die Reihe in Faszikel 24 (1648), die sich von einem Protokollbuch, wie es vom Regensburger Reichstag 1640/41 vorliegt, nur durch die fehlende Bindung unterscheidet. Reste einer durchgehenden Foliierung (fol. 160–195’: 1646 III 8 bis IV 24, fol. 78–88’: <choice><abbr>CC</abbr><expan>Corpus Catholicorum</expan></choice> 1646 II 21) sind in Faszikel 14 erkennbar. Die fortlaufenden Lagen-Nummern reichen von 3/4 (in <choice><abbr>Fasz.</abbr><expan>Faszikel</expan></choice> 12) bis 51 bzw. 55/56 (Plenum Osnabrück: unvollständig): anhand dieser Lagen-Zählung ist nachprüfbar, daß nicht nur nr. 42 durch Meel <w lemma="entnommen"><orig>ent-</orig><orig>nommen</orig></w> worden ist, sondern daß auch nr. 52, 53 und 54 (mit den sonst nur in <hi style="font-style:smallCaps;"><w lemma="Kurköln"><orig>Kur-</orig><orig>köln</orig></w></hi> und teilweise in <hi style="font-style:smallCaps;">Kurbayern</hi> überlieferten Sitzungen 1647 VIII 26, IX 16, IX 19, IX 25) existiert haben müssen. Beim Übergang von Faszikel 9 auf 14 springt die Lagennummer von 14 auf 25 (1646 III 3–8), obwohl zwischen dem 3. und 8. März 1646 keine Sitzungen stattgefunden haben. Sehr wahrscheinlich ist hier ein Schreibfehler (statt von 14 auf 15) unterlaufen, denn in Faszikel 14 springt die Nummer ebenfalls von 27 (29. Sitzung) auf 37/38 (30. Sitzung), dann wieder zurück auf 27 (31. Sitzung), und in der 32. Sitzung (1646 IV 24) von 27 auf 38; außerdem finden sich parallel zu den in Faszikel 14 mit der Nummer 27 bzw. 37 antreffbaren Kurfürstenratsprotokollen (1646 IV 10, 21, 24) in <choice><abbr>Fasz.</abbr><expan>Faszikel</expan></choice> 9 <choice><abbr>CC</abbr><expan>Corpus Catholicorum</expan></choice>-<w lemma="Protokolle"><orig>Pro-</orig><pb n="LXXX" facs="APWIIIA1-1_p0080" sameAs="#bsb00057634_00080"/><orig>tokolle</orig></w> des gleichen Zeitraums (1646 IV 18, 21) mit der Nummer 17. <w lemma="Möglicherweise"><orig>Möglicher-</orig><orig>weise</orig></w> sind dem Kopisten hier die Nummern übersandter Reinschriften, die ebenfalls in Faszikel 14 liegen, mit den Lagenummern der Konzepte durcheinander geraten; Irrtümer waren umso eher möglich, als die Sitzungen nicht in einer festen Kladde konzipiert wurden und die Niederschriften wohl auch nicht stets in der Reihenfolge der Sitzungen chronologisch hintereinander vorgenommen wurden<note type="edd" subtype="commAnnot" place="foot" facs="APWIIIA1-1_p0080n1" xml:id="bsb00057634_00080_n01"><lb facs="-" xml:id="bsb00057634_00080_001"/><p style="font-style:italic;">Ähnliches Verfahren bei den Protokollen der Zentrumsfraktion (<hi style="font-style:smallCaps;">Morsey</hi> S. XXI, XXX).</p></note>. Jedenfalls ergäbe sich eine auch nach den Lagenummern der Reinkonzepte geschlossene Reihe, wenn in Faszikel 14 statt von 25 (bis 27 und von 38) bis 40 von 15 bis 20 gezählt worden wäre; diese Zählung der sechs Lagen würde sich der Lücke zwischen nr. 14 (24. Sitzung 1646 III 3) und nr. 23 (40. Sitzung 1646 VIII 4) in Faszikel 9 glatter einfügen. Von den Schreiberhänden her (Veit Berninger, Johann Günther und <w lemma="Sebastian"><orig>Se-</orig><orig>bastian</orig></w> Kayser) ist zwischen den Protokoll-Reinkonzepten (-Konzepten) in <w lemma="Faszikel"><orig>Fas-</orig><orig>zikel</orig></w> 9, 14 und 21 eine eindeutige Kontinuität gegeben, durchweg sind auch die <w lemma="charakteristischen"><orig>cha-</orig><orig>rakteristischen</orig></w> Verbesserungen des kurmainzischen Kanzlers Raigersperger über die Faszikel hinweg anzutreffen.</p>
	    <p style="font-style:italic;">Die vierte (bzw. bei Ausfall des Reinkonzepts dritte) Entstehungsstufe des <w lemma="Protokolls"><orig>Proto-</orig><orig>kolls</orig></w> bilden die Reinschriften (<hi style="font-style:smallCaps;">Kurmainz</hi> Rs), die von Kurmainz/Münster nach Osnabrück und an den Kurfürsten übersandt wurden. Diese Briefbeilagen wurden ebenso wie die Ausfertigungen der Briefe ganzseitig oder fast ganzseitig beschriftet, während die Protokoll-Reinkonzepte (-Konzepte) ebenso wie die Briefkonzepte der kurmainzischen Gesandten halbbrüchig beschrieben sind<note type="edd" subtype="commAnnot" place="foot" facs="APWIIIA1-1_p0080n2" xml:id="bsb00057634_00080_n02"><lb facs="-" xml:id="bsb00057634_00080_002"/><p style="font-style:italic;">Besonders deutlich an den Brief- und Protokoll-Konzepten von J. Adam Krebs (<hi style="font-style:normal;"><choice><abbr>MEA</abbr><expan>Mainzer Erzkanzlerarchiv</expan></choice></hi> <choice><abbr>FrA</abbr><expan>Friedensakten</expan></choice> <choice><abbr>Fasz.</abbr><expan>Faszikel</expan></choice> 9, 11, 12) und von Veit Berninger (<hi style="font-style:normal;"><choice><abbr>MEA</abbr><expan>Mainzer Erzkanzlerarchiv</expan></choice></hi> <choice><abbr>FrA</abbr><expan>Friedensakten</expan></choice> <choice><abbr>Fasz.</abbr><expan>Faszikel</expan></choice> 14, 24, 25, <choice><abbr>CorrA</abbr><expan>Correspondenzakten</expan></choice> <choice><abbr>Fasz.</abbr><expan>Faszikel</expan></choice> 26 [4]).</p></note> und im Unterschied zur Querfaltung der Briefausfertigungen und Protokoll-Reinschriften eine <w lemma="Mittellängsfaltung"><orig>Mittellängs-</orig><orig>faltung</orig></w> tragen. Auf der Rückseite der Reinschriften übersandter Sitzungsprotokolle, die auch von besserer Papierqualität sind, finden sich <hi style="font-style:normal;">ad litteras-</hi>Vermerke mit Beilagennummern<note type="edd" subtype="commAnnot" place="foot" facs="APWIIIA1-1_p0080n3" xml:id="bsb00057634_00080_n03"><lb facs="-" xml:id="bsb00057634_00080_003"/><p style="font-style:italic;">Die Nummer kann sich auf die Anzahl der jeweiligen Briefbeilagen oder aber auf die <w lemma="Briefzählung"><orig>Brief-</orig><orig>zählung</orig></w> beziehen, die beim „Zusammenregistrieren“ der Briefe in den Correspondenz- und <w lemma="Friedensakten"><orig>Frie-</orig><orig>densakten</orig></w> eingeführt worden ist.</p></note>. In der kurmainzischen Kanzleisprache wurden diese Reinschriften mit Bezug auf das Originalprotokoll <hi style="font-style:normal;">abschrifften</hi><note type="edd" subtype="commAnnot" place="foot" facs="APWIIIA1-1_p0080n4" xml:id="bsb00057634_00080_n04"><lb facs="-" xml:id="bsb00057634_00080_004"/><p style="font-style:italic;"><hi style="font-style:normal;"><choice><abbr>MEA</abbr><expan>Mainzer Erzkanzlerarchiv</expan></choice></hi> Corr A <choice><abbr>Fasz.</abbr><expan>Faszikel</expan></choice> 14 [1] nr. 45. Siehe unten S. LXXXI Anm 3.</p></note> oder Kopien genannt; auch war analog der Ausfertigung der Briefe von einer <hi style="font-style:normal;">mundirung</hi><note type="edd" subtype="commAnnot" place="foot" facs="APWIIIA1-1_p0080n5" xml:id="bsb00057634_00080_n05"><lb facs="-" xml:id="bsb00057634_00080_005"/><p><hi style="font-style:italic;">Für die kurmainzischen Akten siehe oben S. LXXII Anm. 6 und Kurmainz/Osnabrück an Kf. Anselm Casimir, 1645 VII 20</hi> (<choice><abbr>MEA</abbr><expan>Mainzer Erzkanzlerarchiv</expan></choice> <hi style="font-style:italic;"><choice><abbr>FrA</abbr><expan>Friedensakten</expan></choice> <choice><abbr>Fasz.</abbr><expan>Faszikel</expan></choice> 7 [4] nr. 121):</hi> mundirung <hi style="font-style:italic;">des Protokolls</hi> vor ietzt ablauffender post <hi style="font-style:italic;">unterbleibt wegen</hi> vorgefallener verhindernußen; <hi style="font-style:italic;">für die <w lemma="kurtrierischen"><orig>kur-</orig><orig>trierischen</orig></w> Akten Kurtrier/Münster an Kf. Philipp Christoph, 1646 V 11</hi> (<choice><abbr>MEA</abbr><expan>Mainzer Erzkanzlerarchiv</expan></choice> <hi style="font-style:italic;"><choice><abbr>CorrA</abbr><expan>Correspondenzakten</expan></choice> <choice><abbr>Fasz.</abbr><expan>Faszikel</expan></choice> 12 [2] fol. 37’,</hi> <hi style="font-style:smallCaps;">ebd.</hi> <hi style="font-style:italic;">fol. 40): Man läßt das</hi> geführte prothocollum außfertigen <hi style="font-style:italic;">und</hi> ad mundum <hi style="font-style:italic;">bringen, versetzt es so</hi> in statum transmittendi (<hi style="font-style:smallCaps;">ebd.</hi> <hi style="font-style:italic;">fol. 263’, ebenso fol. 68’, 123’, 230, 241’).</hi></p></note> der zu übersendenden Protokolle die Rede. Der Terminus „Reinschrift“ ist aber vorzuziehen, weil auch ein übersandtes Protokoll gegenüber dem Mundum des Briefs ein eigenständiges Schriftgut bleibt und der Ausdruck „Abschrift“ zu unscharf ist; er wird in der Edition den weder als Konzept noch als übersandte Reinschrift einzustufenden, meist <pb facs="APWIIIA1-1_p0081" sameAs="#bsb00057634_00081" n="LXXXI"/>in einem Zuge gefertigten Protokoll-Kopien vorbehalten. Die Bezeichnung Mundum trifft auch deshalb nicht zu, weil übersandte Reinschriften keineswegs wie Brief-Originale inhaltliche und formale Endstufe zugleich sind; vielmehr konnte einer <w lemma="Protokoll"><orig>Pro-</orig><orig>tokoll</orig></w>-Reinschrift auch ein unverbessertes Konzept zugrunde gelegt werden, wenn die Zeit drängte und das Protokoll-Konzept noch nicht durchgesehen war<note type="edd" subtype="commAnnot" place="foot" facs="APWIIIA1-1_p0081n1" xml:id="bsb00057634_00081_n01"><lb facs="-" xml:id="bsb00057634_00081_001"/><p><hi style="font-style:italic;">So Rs Fr A <choice><abbr>Fasz.</abbr><expan>Faszikel</expan></choice> 15 (1646 III 8); zuzeiten konnte das</hi> prothocoll [...] wegen geschwind ablauffender post <hi style="font-style:italic;">überhaupt</hi> nit copirt werden <hi style="font-style:italic;">(Kurmainz/Osnabrück an Kf. Johann Philipp, 1647 XII 5,</hi> <choice><abbr>MEA</abbr><expan>Mainzer Erzkanzlerarchiv</expan></choice> <hi style="font-style:italic;">Corr A <choice><abbr>Fasz.</abbr><expan>Faszikel</expan></choice> 24 [1]).</hi></p></note>. Häufig wurden auch gar keine vollständigen Reinschriften zur Übersendung angefertigt<note type="edd" subtype="commAnnot" place="foot" facs="APWIIIA1-1_p0081n2" xml:id="bsb00057634_00081_n02"><lb facs="-" xml:id="bsb00057634_00081_002"/><p style="font-style:italic;"><hi style="font-style:normal;"><choice><abbr>MEA</abbr><expan>Mainzer Erzkanzlerarchiv</expan></choice></hi> <choice><abbr>FrA</abbr><expan>Friedensakten</expan></choice> <choice><abbr>Fasz.</abbr><expan>Faszikel</expan></choice> 14, 15, 17, 20 (1646 VIII 23, 28, 1647 I 1, 1647 V 22 [25], VI 1, VIII 26).</p></note>. Der <w lemma="ausdrücklichen"><orig>aus-</orig><orig>drücklichen</orig></w> kurfürstlichen Anweisung, Sitzungsprotokolle zu halten und <hi style="font-style:normal;">ohnfehlbar</hi> zu überschicken<note type="edd" subtype="commAnnot" place="foot" facs="APWIIIA1-1_p0081n3" xml:id="bsb00057634_00081_n03"><lb facs="-" xml:id="bsb00057634_00081_003"/><p style="font-style:italic;">Kf. Anselm Casimir an Kurmainz/Osnabrück, Frankfurt 1645 VII 19 (<hi style="font-style:normal;"><choice><abbr>MEA</abbr><expan>Mainzer Erzkanzlerarchiv</expan></choice></hi> <choice><abbr>CorrA</abbr><expan>Correspondenzakten</expan></choice> <choice><abbr>Fasz.</abbr><expan>Faszikel</expan></choice> 14 [1] nr. 45), ebenso die kurmainzische Instruktion.</p></note>, wurde in vielen Fällen dadurch Genüge geleistet, daß nur ein <w lemma="reinschriftlicher"><orig>rein-</orig><orig>schriftlicher</orig></w> Protokoll-Extrakt, der Proposition und Conclusum enthielt, zur <w lemma="Versendung"><orig>Ver-</orig><orig>sendung</orig></w> kam<note type="edd" subtype="commAnnot" place="foot" facs="APWIIIA1-1_p0081n4" xml:id="bsb00057634_00081_n04"><lb facs="-" xml:id="bsb00057634_00081_004"/><p style="font-style:italic;">Kurfürstliche Kritik an der kurmainzischen Proposition (allerdings war ein ausführliches <w lemma="Protokoll"><orig>Proto-</orig><orig>koll</orig></w> übersandt worden) in: Kf. Johann Philipp an Raigersperger, Aschaffenburg 1648 IX 19 (<hi style="font-style:normal;"><choice><abbr>MEA</abbr><expan>Mainzer Erzkanzlerarchiv</expan></choice></hi> <choice><abbr>CorrA</abbr><expan>Correspondenzakten</expan></choice> <choice><abbr>Fasz.</abbr><expan>Faszikel</expan></choice> 16 <hi style="font-style:normal;">[5]).</hi></p></note>; denn das Original befand sich ohnehin bei der Gesandtschaft. Der gut ausgebildeten formalen Seite der Protokoll-„Ausfertigung“ – Schönschrift ohne Korrekturen und Auflösung aller Abkürzungen – entsprach also weder für die einzelnen Sitzungen noch für die Gesamtheit der Sitzungen, über den Zeitraum von 1645 bis 1649, inhaltliche Vollständigkeit.</p>
	    <p style="font-style:italic;">Da gemäß der Aufteilung des Mainzer Erzkanzlerarchivs in Friedens- (33 Bände) und Correspondenzakten (28 Bände) die Protokolle <hi style="font-style:normal;">zusammenregistrirt</hi><note type="edd" subtype="commAnnot" place="foot" facs="APWIIIA1-1_p0081n5" xml:id="bsb00057634_00081_n05"><lb facs="-" xml:id="bsb00057634_00081_005"/><p style="font-style:italic;">Nota Bene auf dem Deckblatt von <hi style="font-style:normal;"><choice><abbr>MEA</abbr><expan>Mainzer Erzkanzlerarchiv</expan></choice></hi> <choice><abbr>CorrA</abbr><expan>Correspondenzakten</expan></choice> <choice><abbr>Fasz.</abbr><expan>Faszikel</expan></choice> 11 Bd. 2 (Korrespondenz des Kurfürsten mit seinen Gesandten in Münster 1645 XII 25 – 1646 VI 30).</p></note> und unter den Verhandlungsakten in den Friedensakten abgelegt worden sind, waren lange Reihenreinschriftlicher Kurfürstenratsprotokolle in den Correspondenzakten nicht zu erwarten. Dem entspricht der Befund. Die Aufteilung ist zwar nicht konsequent durchgeführt worden, und Teile der Korrespondenzen der kurmainzischen Gesandten mit dem Kurfürsten und der kurmainzischen Gesandten untereinander sind in die Friedensakten gekommen<note type="edd" subtype="commAnnot" place="foot" facs="APWIIIA1-1_p0081n6" xml:id="bsb00057634_00081_n06"><lb facs="-" xml:id="bsb00057634_00081_006"/><p style="font-style:italic;">Sowohl aus den Gesandtschaftsregistraturen in Münster und Osnabrück (Konzepte der Gesandten, Ausfertigungen des Kurfürsten) als auch aus der kurmainzischen Kanzleiregistratur in Frankfurt, Aschaffenburg und Würzburg (<hi style="font-style:normal;"><choice><abbr>MEA</abbr><expan>Mainzer Erzkanzlerarchiv</expan></choice></hi> <choice><abbr>FrA</abbr><expan>Friedensakten</expan></choice> <choice><abbr>Fasz.</abbr><expan>Faszikel</expan></choice> 7, 8, 11, 13, 18 [D], 19, 20, 21, 23, 30 <hi style="font-style:normal;">[1],</hi> 32, 33).</p></note>, doch finden sich in den Correspondenzakten Protokoll-Reinschriften aus dem Kurfürstenrat nur spärlich (so in <hi style="font-style:normal;"><choice><abbr>MEA</abbr><expan>Mainzer Erzkanzlerarchiv</expan></choice></hi> <choice><abbr>CorrA</abbr><expan>Correspondenzakten</expan></choice> <choice><abbr>Fasz.</abbr><expan>Faszikel</expan></choice> 18, 22). Was die Registratoren nicht aussortiert haben, wird im Geschäftsgang, bei Besprechungen im Geheimen Rat usw., verlorengegangen sein. Das Ergebnis der Ordnungsbemühungen ist, daß übersandte Protokoll-Reinschriften von Visiten, aus dem Corpus Catholicorum und aus dem Kurfürstenrat bei den Reinkonzepten in Faszikel 14, 21, 24 liegen, allerdings von diesen büschelweise gesondert. Vereinzelt finden sich übersandte Reinschriften auch in der Reihe der Reinkonzepte (<choice><abbr>Fasz.</abbr><expan>Faszikel</expan></choice> 14) <pb facs="APWIIIA1-1_p0082" sameAs="#bsb00057634_00082" n="LXXXII"/>und in den Faszikeln 13 [2], 15, 16. Ein Büschel von Reinschriften aus dem Jahr 1648, vermischt mit Conclusen und Re- und Correlationen, ist in Faszikel 22 abgelegt. Die übersandten Protokoll-Reinschriften aus dem Kurfürstenrat sind im Ansatz chronologisch geordnet; jedenfalls aber tragen sie Spuren kanzleimäßiger <w lemma="Bearbeitung"><orig>Bear-</orig><orig>beitung</orig></w> wie Randrubriken und Inhaltsangaben.</p>
	    <p style="font-style:italic;">Am kurmainzischen Protokoll haben mitgewirkt: zunächst – sieht man von <w lemma="Raigerspergers"><orig>Rai-</orig><orig>gerspergers</orig></w> Direktorialnotizen ab <hi style="font-style:normal;">–</hi> der kurmainzische Subdelegierte Dr. Johann Adam Krebs aus Mainz, von dem mehrere Konzepte stammen<note type="edd" subtype="commAnnot" place="foot" facs="APWIIIA1-1_p0082n1" xml:id="bsb00057634_00082_n01"><lb facs="-" xml:id="bsb00057634_00082_001"/><p style="font-style:italic;">Von Re- und Correlationen und kurmainzischen Voten in <hi style="font-style:normal;"><choice><abbr>MEA</abbr><expan>Mainzer Erzkanzlerarchiv</expan></choice></hi> <choice><abbr>CorrA</abbr><expan>Correspondenzakten</expan></choice> <choice><abbr>Fasz.</abbr><expan>Faszikel</expan></choice> 26 [2]; vgl. Angaben in den Kopfregesten. – J. Adam Krebs hatte in Freiburg und Heidelberg studiert (<hi style="font-style:smallCaps;">Mayer</hi>, Matrikel der Univ. Freiburg I S. 857); er trat Ende 1647 in salzburgische Dienste ein (<hi style="font-style:smallCaps;">Widmann</hi> S. 297).</p></note>, der Hofratssekretär (bis 17. Januar 1646 Hofratsprotokollist) Veit Berninger aus <w lemma="Aschaffenburg"><orig>Aschaffen-</orig><orig>burg</orig></w><note type="edd" subtype="commAnnot" place="foot" facs="APWIIIA1-1_p0082n2" xml:id="bsb00057634_00082_n02"><lb facs="-" xml:id="bsb00057634_00082_002"/><p style="font-style:italic;">Er hat Konzepte der Relationen aus Münster (<hi style="font-style:normal;"><choice><abbr>MEA</abbr><expan>Mainzer Erzkanzlerarchiv</expan></choice></hi> Corr A <choice><abbr>Fasz.</abbr><expan>Faszikel</expan></choice> 25 [4], 26 [4] und den größten Teil der Reinkonzepte in <choice><abbr>FrA</abbr><expan>Friedensakten</expan></choice> <choice><abbr>Fasz.</abbr><expan>Faszikel</expan></choice> 9, 14, 24, 25 aufgesetzt. Berninger ging mit Raigersperger 1647 nach Osnabrück und durfte dort vom Wein der Gesandten kosten, während die übrigen Kanzlisten mit Bier vorliebnehmen mußten (<hi style="font-style:normal;"><choice><abbr>MEA</abbr><expan>Mainzer Erzkanzlerarchiv</expan></choice></hi> <choice><abbr>CorrA</abbr><expan>Correspondenzakten</expan></choice> <choice><abbr>Fasz.</abbr><expan>Faszikel</expan></choice> 26 [2], vgl. <hi style="font-style:normal;"><choice><abbr>MEA</abbr><expan>Mainzer Erzkanzlerarchiv</expan></choice></hi> <choice><abbr>CorrA</abbr><expan>Correspondenzakten</expan></choice> <choice><abbr>Fasz.</abbr><expan>Faszikel</expan></choice> 11 [1] nr. b/31,33).</p></note>, der Hofratsprotokollist (bis 17. Januar 1646 Kanzlist) Johann Günther aus Aschaffenburg, der sich durch Erfahrung, Fleiß und Anstelligkeit auszeichnete<note type="edd" subtype="commAnnot" place="foot" facs="APWIIIA1-1_p0082n3" xml:id="bsb00057634_00082_n03"><lb facs="-" xml:id="bsb00057634_00082_003"/><p style="font-style:italic;">Nach dem Zeugnis der Gesandten Cratz und Raigersperger (<hi style="font-style:normal;"><choice><abbr>MEA</abbr><expan>Mainzer Erzkanzlerarchiv</expan></choice></hi> <choice><abbr>CorrA</abbr><expan>Correspondenzakten</expan></choice> <choice><abbr>Fasz.</abbr><expan>Faszikel</expan></choice> 11 [1] nr. b/31,32).</p></note>, sowie die Kanzlisten Johann Heinrich Beck aus Miltenberg, der Ende 1646 in Osnabrück starb, dessen Nachfolger in Osnabrück Sebastian Kayser, ebenfalls ein bereits <w lemma="erfahrener"><orig>erfah-</orig><orig>rener</orig></w> Protokollist<note type="edd" subtype="commAnnot" place="foot" facs="APWIIIA1-1_p0082n4" xml:id="bsb00057634_00082_n04"><lb facs="-" xml:id="bsb00057634_00082_004"/><p style="font-style:italic;">Er hatte auf dem Regensburger Kurfürstentag von 1636/37 Protokoll geführt (<hi style="font-style:normal;"><choice><abbr>MEA</abbr><expan>Mainzer Erzkanzlerarchiv</expan></choice></hi> <choice><abbr>CorrA</abbr><expan>Correspondenzakten</expan></choice> <choice><abbr>Fasz.</abbr><expan>Faszikel</expan></choice> 24 [1], 26 [2], 25 [6]: 6. Session 1637 I 3).</p></note>, Wendel Cron aus Höchst, der hauptsächlich die Relationen der Gesandten an den Kurfürsten geschrieben und selbst ein kleines Reisetagebuch geführt hat<note type="edd" subtype="commAnnot" place="foot" facs="APWIIIA1-1_p0082n5" xml:id="bsb00057634_00082_n05"><lb facs="-" xml:id="bsb00057634_00082_005"/><p style="font-style:italic;">Von ihm stammen die Protokolle der Vorkonferenzen 1645 V 26, 27. Er hatte bereits bei den Wiener Traktaten über die pfälzische Restitution Protokoll geführt (<hi style="font-style:normal;"><choice><abbr>MEA</abbr><expan>Mainzer Erzkanzlerarchiv</expan></choice></hi> <choice><abbr>FrA</abbr><expan>Friedensakten</expan></choice> <choice><abbr>Fasz.</abbr><expan>Faszikel</expan></choice> 5 fol. 145ff., sein Diarium: <hi style="font-style:normal;"><choice><abbr>MEA</abbr><expan>Mainzer Erzkanzlerarchiv</expan></choice></hi> <choice><abbr>CorrA</abbr><expan>Correspondenzakten</expan></choice> <choice><abbr>Fasz.</abbr><expan>Faszikel</expan></choice> 7 b [3]).</p></note>, sowie Christoph Heyl<note type="edd" subtype="commAnnot" place="foot" facs="APWIIIA1-1_p0082n6" xml:id="bsb00057634_00082_n06"><lb facs="-" xml:id="bsb00057634_00082_006"/><p><hi style="font-style:italic;">August 1648 in Osnabrück. Einmal wird von der Anreise des</hi> cammer- <hi style="font-style:italic;">und</hi> rechenschreibers <hi style="font-style:italic;">Groß berichtet</hi> (<choice><abbr>MEA</abbr><expan>Mainzer Erzkanzlerarchiv</expan></choice> <hi style="font-style:italic;"><choice><abbr>CorrA</abbr><expan>Correspondenzakten</expan></choice> <choice><abbr>Fasz.</abbr><expan>Faszikel</expan></choice> 10</hi> [1], <hi style="font-style:italic;">Brömser an Cratz/J. Adam Krebs, Osnabrück 1645 IX 7).</hi></p></note>.</p>
	    <p style="font-style:italic;">Die Aufzeichnungen der einzelnen Protokollanten können je nach Individualität verschieden sein: Beck schreibt undifferenzierter mit als Berninger und J. Adam Krebs; das Protokoll, das unter der Aufsicht Raigerspergers erstellt worden ist, ist knapper, aber auch konziser als das von J. Adam Krebs betreute. Krebs hat als ehemaliger Sekretär überhaupt mit peinlicher Genauigkeit, die sicherlich auch von diplomatischer Unsicherheit zeugt, ein relativ unpolitisches Protokoll geführt<note type="edd" subtype="commAnnot" place="foot" facs="APWIIIA1-1_p0082n7" xml:id="bsb00057634_00082_n07"><lb facs="-" xml:id="bsb00057634_00082_007"/><p style="font-style:italic;">Besonders in Fragen des Reichszeremoniells, siehe unten <ref type="document" subtype="intern" facs="#APWIIIA1-1_0044" target="#bsb00057634_00412_dok0044">Nr. 44</ref>.</p></note>, <w lemma="während"><orig>wäh-</orig><orig>rend</orig></w> Raigersperger zu souveränem Weglassen von vermeintlich Unwichtigem neigte; 1647 treten, vor allem bei kürzeren Sitzungen, an die Stelle von ausführlichen <w lemma="Votenprotokollen"><orig>Voten-</orig><orig>protokollen</orig></w> sogar Beschlußprotokolle<note type="edd" subtype="commAnnot" place="foot" facs="APWIIIA1-1_p0082n8" xml:id="bsb00057634_00082_n08"><lb facs="-" xml:id="bsb00057634_00082_008"/><p style="font-style:italic;">In den Kopfregesten „Extrakt“ genannt, ebenso wie Auszüge aus dem Protokoll (z. B. <hi style="font-style:smallCaps;">Kurköln</hi> zA Extrakt). Vgl. die Besprechung der einzelnen Überlieferungen.</p></note>. Aber über diese individuellen Züge hinweg <pb facs="APWIIIA1-1_p0083" sameAs="#bsb00057634_00083" n="LXXXIII"/>kommt doch eine gemeinsame Eigentümlichkeit des kurmainzischen Protokolls zum Ausdruck: Es zeichnet die kurze Zusammenfassung der Voten der Vorstimmenden, mit der Kurmainz sein Votum nach dem Zeugnis der übrigen Protokolle zu eröffnen pflegte, nicht auf. Unterschiede zwischen der kurmainzischen und der <w lemma="Meinungsäußerung"><orig>Meinungs-</orig><orig>äußerung</orig></w> der vorher votierenden Stände verschwimmen; selbst wenn die Meinung der Kurmainzer noch formell von dem Conclusum abgesetzt wird – in der Formel: <hi style="font-style:normal;">Concludierten deshalb –,</hi> so entsteht doch der Eindruck einer annähernden <w lemma="Identität"><orig>Iden-</orig><orig>tität</orig></w> von kurmainzischem Votum und Sitzungsconclusum, es sei denn, der <w lemma="kurmainzische"><orig>kurmain-</orig><orig>zische</orig></w> Direktor hat Wert darauf gelegt, seine Meinung von einem mißliebigen Majoritätsbeschluß, den er nicht verhindern konnte, deutlich abzusetzen. Die <w lemma="Kurbrandenburger"><orig>Kur-</orig><orig>brandenburger</orig></w> kreideten den Kurmainzern direkte Unterschlagungen bereits bei der mündlichen Verhandlungsführung an<note type="edd" subtype="commAnnot" place="foot" facs="APWIIIA1-1_p0083n1" xml:id="bsb00057634_00083_n01"><lb facs="-" xml:id="bsb00057634_00083_001"/><p style="font-style:italic;">Vgl. <hi style="font-style:smallCaps;">Becker</hi> S. 299 Anm. 128, unten S. CVII Anm. 2, Nr. 102 S. 682.31ff., wo <hi style="font-style:smallCaps;"><w lemma="Kurmainz"><orig>Kur-</orig><orig>mainz</orig></w></hi> die uminterpretierende Wiederholung des kursächsischen Votums durch Kurmainz wegläßt.</p></note>, was sich natürlich auch im kurmainzischen Protokoll auswirken mußte. Allerdings ist hier nicht nur feindselige politische <w lemma="Absicht"><orig>Ab-</orig><orig>sicht</orig></w> zu unterstellen. <hi style="font-style:smallCaps;">Kurmainz</hi> glättet und neutralisiert durchgehend in <w lemma="Wortwahl"><orig>Wort-</orig><orig>wahl</orig></w> und Ausdruckweise; drastische Redewendungen (z. B. bei der Lengericher Konferenz) werden im Protokoll abgeschwächt, schroffe Stellungnahmen erfahren eine mildernde Stilisierung, weitschweifige Argumentationsketten mit barocken <w lemma="Paroxysmen"><orig>Paroxys-</orig><orig>men</orig></w> werden verkürzt, verlieren dadurch an Nuancenreichtum und gewinnen an <w lemma="Klarheit"><orig>Klar-</orig><orig>heit</orig></w>. Hinter all dem steckt zweifellos das Bemühen des reichsamtlichen <w lemma="Protokollführers"><orig>Protokoll-</orig><orig>führers</orig></w> um Objektivität und geschäftsmäßige Sprache. Auch das äußere Bild verrät Sorgfalt. Die Zeichensetzung ist gut, die Rechtschreibung trotz Unterschieden <w lemma="zwischen"><orig>zwi-</orig><orig>schen</orig></w> den einzelnen Schreibern relativ regelmäßig, der gut durchgebildete Satzbau wechselt angemessen zwischen Ko- und Subordination.</p>
	  </div>
	  <div type="part" subtype="part" ana="#section_02" xml:id="bsb00057634_00083_sec0015" corresp="#bsb00057634_00083">
	    <head>2. Die Überlieferung: b. Kurtrier</head>
	    <p style="font-style:italic;">Die kurtrierische Überlieferung ist weniger aufgefächert und nicht so umfangreich wie die kurmainzische. In der Abteilung 1 C des zuständigen <hi style="font-style:smallCaps;">Staatsarchivs</hi> <hi style="font-style:smallCaps;">Koblenz</hi> existiert bei den Akten über die „auswärtigen Beziehungen“ Kurtriers nur ein <w lemma="Protokoll"><orig>Pro-</orig><orig>tokoll</orig></w>-Buch mit zusammenhängenden Eintragungen aus den Jahren 1645 bis 1646. Das Buch enthält späte, im 18. Jahrhundert angefertigte Abschriften (<hi style="font-style:smallCaps;">Kurtrier</hi> spA) von Kurfürstenrats- und <choice><abbr>CC</abbr><expan>Corpus Catholicorum</expan></choice>-Protokollen, die chronologisch – darum teils abwechselnd– aufeinander folgen, aus dem Zeitraum zwischen dem 10. Juli 1645 und dem 31. Dezember 1646<note type="edd" subtype="commAnnot" place="foot" facs="APWIIIA1-1_p0083n2" xml:id="bsb00057634_00083_n02"><lb facs="-" xml:id="bsb00057634_00083_002"/><p><hi style="font-style:smallCaps;">StA</hi> <hi style="font-style:smallCaps;">Koblenz</hi> <hi style="font-style:italic;">Abtlg. 1 C Nr. 903 p. 1–1290.</hi></p></note>. Die Vorlage ist verloren, was bei den Schicksalen des kurtrierischen Archivs nicht verwunderlich ist<note type="edd" subtype="commAnnot" place="foot" facs="APWIIIA1-1_p0083n3" xml:id="bsb00057634_00083_n03"><lb facs="-" xml:id="bsb00057634_00083_003"/><p><hi style="font-style:italic;">Vgl.</hi> <hi style="font-style:smallCaps;">Minerva</hi>-<hi style="font-style:smallCaps;">Handbücher</hi>, <hi style="font-style:italic;">Archive S. 506–510 (mit Literatur),</hi> <hi style="font-style:smallCaps;">Ausfeld</hi>.</p></note>. Es handelt sich um Abschriften, die auf die Original-Protokolle (Konzepte) der kurtrierischen Gesandtschaft direkt oder indirekt, über dazwischenliegende Abschriften, zurückgehen. Die übersandten <w lemma="Reinschriften"><orig>Rein-</orig><orig>schriften</orig></w> sind nur noch in kleinen Resten und Fragmenten über verschiedene <w lemma="Aktenbände"><orig>Akten-</orig><orig>bände</orig></w> verstreut antreffbar<note type="edd" subtype="commAnnot" place="foot" facs="APWIIIA1-1_p0083n4" xml:id="bsb00057634_00083_n04"><lb facs="-" xml:id="bsb00057634_00083_004"/><p style="font-style:italic;"><hi style="font-style:smallCaps;">StA</hi> <hi style="font-style:smallCaps;">Koblenz</hi> 1 C Nr. 901 fol. 220–221’ (Bruchstück aus 1649), fol. 222–222’ (1649 IV 26), fol. 222’-227 (1649 IV 28); 1 C Nr. 9226 fol. 37–47’, 47’-56’, 56’-60 (Lengericher Konferenz 1645 VII 10, 11 unter Zugrundelegung des kurkölnischen Protokolls, weil Kurtrier zu dieser Zeit noch nicht anwesend <hi style="font-style:normal;">war), 1</hi> C Nr. 9231 fol. 23–24’ (1649 III 22, Fragment), fol. 78–83’ (1645 X 21).</p></note>, sie werden kaum als Vorlage gedient haben. Dabei <pb facs="APWIIIA1-1_p0084" sameAs="#bsb00057634_00084" n="LXXXIV"/>könnte die Überlieferung der Protokoll-Reinschriften wegen der besonderen <w lemma="politischen"><orig>poli-</orig><orig>tischen</orig></w> Verhältnisse, die in Kurtrier von 1645 bis 1649 herrschten, besser sein als in anderen Kanzleien: Der erst im April 1645 aus kaiserlichem Gewahrsam <w lemma="entlassene"><orig>ent-</orig><orig>lassene</orig></w> Kurfürst von Trier, Philipp Christoph von Sötern, zieh seine Gesandten am Kongreß, darunter besonders den Kanzler Johann Anethan und den Hauptgesandten Hugo Friedrich Freiherrn von Eltz, landesverräterischer Umtriebe und des <w lemma="heimlichen"><orig>heim-</orig><orig>lichen</orig></w> Einverständnisses mit dem Kaiser und den Spaniern. Reinschriften der <w lemma="Protokolle"><orig>Proto-</orig><orig>kolle</orig></w> müssen in sorgfältiger Ausarbeitung und regelmäßig nach Trier geschickt worden sein<note type="edd" subtype="commAnnot" place="foot" facs="APWIIIA1-1_p0084n1" xml:id="bsb00057634_00084_n01"><lb facs="-" xml:id="bsb00057634_00084_001"/><p><hi style="font-style:italic;">Kurtrier/Münster an Kf. Philipp Christoph, 1646 IV 27: Die</hi> nach unndt nach eingeschickte prothocolla [...] hatt der unß mitgegebener secretarius auß den geführten votis unßers wißens in substantialibus fideliter excipirt (<choice><abbr>MEA</abbr><expan>Mainzer Erzkanzlerarchiv</expan></choice> <hi style="font-style:italic;"><choice><abbr>CorrA</abbr><expan>Correspondenzakten</expan></choice> <choice><abbr>Fasz.</abbr><expan>Faszikel</expan></choice> 12 [2] fol. 17’). Weitere Verweise auf beigelegte Protokolle in Kurtrier/Münster an Kf. Philipp Christoph, 1647 IV 9 PS</hi> (<hi style="font-style:smallCaps;">StA</hi> <hi style="font-style:smallCaps;">Koblenz</hi> <hi style="font-style:italic;">1 C Nr. 9227 fol. 172–172’), vgl.</hi> <choice><abbr>MEA</abbr><expan>Mainzer Erzkanzlerarchiv</expan></choice> <hi style="font-style:italic;"><choice><abbr>CorrA</abbr><expan>Correspondenzakten</expan></choice> <choice><abbr>Fasz.</abbr><expan>Faszikel</expan></choice> 12 fol. 211’.</hi></p></note>, weil der Kurfürst, wie aus seinen Reskripten hervorgeht, sie argwöhnisch <w lemma="registrierte"><orig>regi-</orig><orig>strierte</orig></w> und mit seinen sonstigen Informationsquellen verglich; er könnte deshalb sogar eine gesonderte Abheftung der Protokoll-Reinschriften, die dann auch Vorlage für die späte Abschrift in 1 C nr. 903 hätten sein können, veranlaßt haben.</p>
	    <p style="font-style:italic;">Die ausführlichste kurtrierische Überlieferung liegt in Form einer zeitgenössischen Abschrift (<hi style="font-style:smallCaps;">Kurtrier</hi> zA) im unfoliierten Faszikel 16 des Mainzer <w lemma="Erzkanzlerarchivs"><orig>Erzkanzler-</orig><orig>archivs</orig></w> vor<note type="edd" subtype="commAnnot" place="foot" facs="APWIIIA1-1_p0084n2" xml:id="bsb00057634_00084_n02"><lb facs="-" xml:id="bsb00057634_00084_002"/><p><hi style="font-style:italic;">Gemeint die in</hi> APW <hi style="font-style:italic;">III A 4, 1 als</hi> <hi style="font-style:smallCaps;">Kurmainz</hi> <hi style="font-style:italic;">A bezeichnete Überlieferung.</hi></p></note>. Hier sind <choice><abbr>CC</abbr><expan>Corpus Catholicorum</expan></choice>- und Kurfürstenratsprotokolle nach der zeitlichen <w lemma="Reihenfolge"><orig>Reihen-</orig><orig>folge</orig></w> der Sitzungen aufgenommen. Die Eintragungen reichen vom 19. Oktober 1645, der ersten Reichsratsitzung, an der Kurtrier teilnahm, bis zum 17. Juni 1647; das Protokoll dieser Sitzung bricht mitten im kurbayerischen Votum ab, die <w lemma="Fortsetzung"><orig>Fort-</orig><orig>setzung</orig></w> ließ sich nicht finden. Nach Tinte, Schreiberhänden und Form der <w lemma="Beschriftung"><orig>Beschrif-</orig><orig>tung</orig></w> handelt es sich eindeutig um einen Protokollband zeitgenössischer kurtrierischer Provenienz. Die Abschrift muß noch während des Kongresses und sehr <w lemma="wahrscheinlich"><orig>wahrschein-</orig><orig>lich</orig></w> in einem einzigen Arbeitsgang getätigt worden sein. Wie bei den kurtrierischen Relationen sind die Seiten bis auf einen kleinen Rand ganz in sauberer bis <w lemma="kalligraphischer"><orig>kalligra-</orig><orig>phischer</orig></w> Manier beschriftet worden; am Kopf jeder Sitzung sind auf dem Rand die Anwesenden vermerkt; dabei werden die Votanten streng in der Reihenfolge ihrer Stimmabgabe hintereinander aufgeführt (Kurtrier alternierend an zweiter Stelle mit Kurköln).</p>
	    <p style="font-style:italic;">Gegen die Annahme, daß Faszikel 16 der Mainzer Friedensakten statt einer Kopie ein Teil des „Original-Konzepts“ der kurtrierischen Gesandtschaft selbst ist, <w lemma="sprechen"><orig>spre-</orig><orig>chen</orig></w> verschiedene Gründe. Der Band wirkt wie aus einem Guß hergestellt, weist durchweg keine Verbesserungen, aber typische Kopistenfehler auf. Außer ihm befinden sich im Mainzer Erzkanzlerarchiv noch zeitgenössische Kopien von den Berichten der kurtrierischen Gesandten in Münster (<hi style="font-style:normal;"><choice><abbr>MEA</abbr><expan>Mainzer Erzkanzlerarchiv</expan></choice></hi> <choice><abbr>CorrA</abbr><expan>Correspondenzakten</expan></choice> <choice><abbr>Fasz.</abbr><expan>Faszikel</expan></choice> 12) und von den Weisungen des Kurfürsten Philipp Christoph an seine Gesandten (<hi style="font-style:normal;"><choice><abbr>MEA</abbr><expan>Mainzer Erzkanzlerarchiv</expan></choice></hi> <choice><abbr>CorrA</abbr><expan>Correspondenzakten</expan></choice> <pb facs="APWIIIA1-1_p0085" sameAs="#bsb00057634_00085" n="LXXXV"/><choice><abbr>Fasz.</abbr><expan>Faszikel</expan></choice> 16) aus den Jahren 1645–1647. Zwei der drei in dem Protokollband <w lemma="festzustellenden"><orig>festzu-</orig><orig>stellenden</orig></w> Schreiberhände haben auch bei den Abschriften der kurfürstlichen Reskripte mitgewirkt (<hi style="font-style:normal;"><choice><abbr>MEA</abbr><expan>Mainzer Erzkanzlerarchiv</expan></choice></hi> <choice><abbr>FrA</abbr><expan>Friedensakten</expan></choice> <choice><abbr>Fasz.</abbr><expan>Faszikel</expan></choice> 16 und <hi style="font-style:normal;"><choice><abbr>MEA</abbr><expan>Mainzer Erzkanzlerarchiv</expan></choice></hi> <choice><abbr>CorrA</abbr><expan>Correspondenzakten</expan></choice> <choice><abbr>Fasz.</abbr><expan>Faszikel</expan></choice> 16). Auch brechen die kurtrierischen Protokoll-Abschriften und Briefkopien zum etwa gleichen Zeitpunkt ab: Die Protokolle enden am 17. Juni, die Kopien der Relationen mit dem 30. Juli, der Reskripte im Mai 1647. Es ist demnach am ehesten wahrscheinlich, daß aus verschiedenem Schriftgut der kurtrierischen Akten zusammenhängende Abschriften gemacht worden sind, und zwar mit einer bestimmten Absicht, die auch die <w lemma="rätselhafte"><orig>rätsel-</orig><orig>hafte</orig></w> Eingliederung der drei Aktenbände kurtrierischer Provenienz ins Mainzer Archiv erklären könnte.</p>
	    <p style="font-style:italic;">In seinen Reskripten warf Kurfürst Philipp Christoph seinen Gesandten ständig vor, sie berichteten mangelhaft, verspätet oder falsch und handelten nicht <w lemma="instruktionsgemäß"><orig>instruktions-</orig><orig>gemäß</orig></w><note type="edd" subtype="commAnnot" place="foot" facs="APWIIIA1-1_p0085n1" xml:id="bsb00057634_00085_n01"><lb facs="-" xml:id="bsb00057634_00085_001"/><p><hi style="font-style:italic;">Kf. Philipp Christoph an Kurtrier/Münster, Trier 1646 IV 16</hi> (<choice><abbr>MEA</abbr><expan>Mainzer Erzkanzlerarchiv</expan></choice> <hi style="font-style:italic;"><choice><abbr>CorrA</abbr><expan>Correspondenzakten</expan></choice> <choice><abbr>Fasz.</abbr><expan>Faszikel</expan></choice> 16 fol. 107’):</hi> Wir bekommen fast in allen punctis einen andern bericht alß in ewern <w lemma="uberschickten"><orig>uber-</orig><orig>schickten</orig></w> prothocollis (so an viellen orthen maneo). <hi style="font-style:italic;">Vgl. Kurtrier/Münster an Kf. Philipp Christoph, 1646 IV 20, wo die Abstimmung des kurtrierischen Votums in der <w lemma="Satisfaktionsfrage"><orig>Satis-</orig><orig>faktionsfrage</orig></w> mit den französischen Gesandten gemeldet wird</hi> (<choice><abbr>MEA</abbr><expan>Mainzer Erzkanzlerarchiv</expan></choice> <hi style="font-style:italic;"><choice><abbr>CorrA</abbr><expan>Correspondenzakten</expan></choice> <choice><abbr>Fasz.</abbr><expan>Faszikel</expan></choice> 12 fol. 12). Während die Gesandten beteuern, es an</hi> calor <hi style="font-style:italic;">und</hi> eiffer <hi style="font-style:italic;">nicht fehlen zu lassen und</hi> von keinem menschen <hi style="font-style:italic;">beeinflußt zu sein (Kurtrier/Münster an Kf. Philipp Christoph, 1647 I 31,</hi> <hi style="font-style:smallCaps;">StA</hi> <hi style="font-style:smallCaps;">Koblenz</hi> 1 <hi style="font-style:italic;">C Nr. 9227 fol. 48, vgl.</hi> <hi style="font-style:smallCaps;">ebd.</hi> <hi style="font-style:italic;">fol. 138–141’; Kf. Philipp Christoph an Kurtrier/Münster, Trier 1647 IV 1,</hi> <hi style="font-style:smallCaps;">ebd.</hi> <hi style="font-style:italic;">fol. 157, vgl. fol. 164, 266, 283), scheut sich der Kurfürst nicht, seinen Gesandten über Weisungen hinaus ausgearbeitete schriftliche Voten und</hi> <w lemma="rathsordinantzien"><orig>rathsordi-</orig><orig>nantzien</orig></w> <hi style="font-style:italic;">zuzusenden, damit sie sich</hi> hernegst desto weniger zu entschuldigen haben <hi style="font-style:italic;">würden</hi> (<hi style="font-style:smallCaps;">ebd.</hi> <hi style="font-style:italic;">fol. 157, 258–265, 285–285’).</hi></p></note>. Bereits am 3. Dezember 1645 berief der Kurfürst den Sekundargesandten Johann Theodor Breuer, Offizial der Trierer Kirche und Dekan von St. Simeon, aus Münster ab. Da er des Flüchtigen nicht habhaft werden konnte, ergriff er Repressalien gegen dessen Besitz und Familienangehörige und ließ ihm in <w lemma="Abwesenheit"><orig>Abwesen-</orig><orig>heit</orig></w> wegen „Verrats“ den Prozeß machen<note type="edd" subtype="commAnnot" place="foot" facs="APWIIIA1-1_p0085n2" xml:id="bsb00057634_00085_n02"><lb facs="-" xml:id="bsb00057634_00085_002"/><p style="font-style:italic;">Breuer wurde zu 1000 Goldgulden Strafe, zum Verlust aller Benefizien verurteilt und <hi style="font-style:normal;">sine spe remigrationis</hi> aus dem Erzstift ausgewiesen. Sein Haus wurde mit Militär belegt, sein Bruder Colinus eingekerkert; nach eigener Angabe erlitt er 10 000 Reichstaler Vermögensverluste (<hi style="font-style:normal;"><choice><abbr>BA</abbr><expan>Briefe und Akten zur Geschichte des Dreißigjährigen Krieges</expan></choice></hi> <hi style="font-style:smallCaps;">Trier</hi>, Abtlg. B 40, 2 Nr. 12 S. 3f. 1651 I 12, <hi style="font-style:smallCaps;">ebd</hi>, S. 6–9 ausführlicher Bericht Breuers, der bei der Kurie eine Revision seines Prozesses anstrengte, dafür in Rom weilte und dabei mit dem Nuntius Chigi in finanzielle Beziehungen trat). Vgl. <hi style="font-style:smallCaps;">Repgen</hi>, Finanzen S. 264 u. Tab. 3, <hi style="font-style:smallCaps;"><w lemma="Browerus"><orig>Bro-</orig><orig>werus</orig></w>-Masenius</hi> II S. 542. – Auch Anethan mußte (1648) seinen Gesandtenposten aufgeben, weil er in Ungnade des Kurfürsten fiel.</p></note>. In seinen Weisungen schärfte Philipp Christoph immer wieder die isolierte Wahrnehmung kurtrierischer <w lemma="Partikularinteressen"><orig>Partikularinter-</orig><orig>essen</orig></w> ein, sprach sich gegen gemeinsames Handeln der katholischen Stände aus<note type="edd" subtype="commAnnot" place="foot" facs="APWIIIA1-1_p0085n3" xml:id="bsb00057634_00085_n03"><lb facs="-" xml:id="bsb00057634_00085_003"/><p style="font-style:italic;">Kurtrier/Münster an Kf. Philipp Christoph, 1647 I 15 (<hi style="font-style:smallCaps;">StA</hi> <hi style="font-style:smallCaps;">Koblenz</hi> 1 C Nr. 9227 fol. 12–15’, vgl. Nr. 9228 fol. 1–3, 12).</p></note>, empfahl zeitweise sogar ein Zusammengehen mit Kurbrandenburg <hi style="font-style:normal;">undt <w lemma="protestierenden"><orig>protestieren-</orig><orig>den</orig></w></hi><note type="edd" subtype="commAnnot" place="foot" facs="APWIIIA1-1_p0085n4" xml:id="bsb00057634_00085_n04"><lb facs="-" xml:id="bsb00057634_00085_004"/><p style="font-style:italic;">Immerhin in der schwerwiegenden Frage der Wahlkapitulation und der <hi style="font-style:normal;">libertas imperii</hi> (Kf. Philipp Christoph an Kurtrier/Münster, Trier 1646 III 29, <hi style="font-style:normal;"><choice><abbr>MEA</abbr><expan>Mainzer Erzkanzlerarchiv</expan></choice></hi> <choice><abbr>CorrA</abbr><expan>Correspondenzakten</expan></choice> 16 fol. 110).</p></note>, betonte die Bindung des Erzstifts an Frankreich und schleuderte Invektiven gegen die Kaiserlichen und die Spanier<note type="edd" subtype="commAnnot" place="foot" facs="APWIIIA1-1_p0085n5" xml:id="bsb00057634_00085_n05"><lb facs="-" xml:id="bsb00057634_00085_005"/><p><hi style="font-style:italic;">Kf. Philipp Christoph an Kurtrier/Münster, 1646 VIII 20</hi> (<choice><abbr>MEA</abbr><expan>Mainzer Erzkanzlerarchiv</expan></choice> <hi style="font-style:italic;"><choice><abbr>CorrA</abbr><expan>Correspondenzakten</expan></choice> 16 fol. 201): will den Religionsfrieden, falls er nur Ehrenbreitstein erhält, künftig gegen</hi> Pabst, Spanier undt Jesuiter <hi style="font-style:italic;">verteidigen helfen.</hi></p></note>. Diese Instruktionen ließen der Gesandtschaft <pb facs="APWIIIA1-1_p0086" sameAs="#bsb00057634_00086" n="LXXXVI"/>nur einen äußerst geringen taktischen Spielraum für die Vertretung der <w lemma="kurtrierischen"><orig>kurtrie-</orig><orig>rischen</orig></w> Belange. Motive zur Anfertigung eines „Dossiers“, das – je nach Entwicklung der Regierungskrise im Erzstift – als Anklage- oder als Rechtfertigungsschrift <w lemma="verwendet"><orig>ver-</orig><orig>wendet</orig></w> werden könnte, waren also gegeben<note type="edd" subtype="commAnnot" place="foot" facs="APWIIIA1-1_p0086n1" xml:id="bsb00057634_00086_n01"><lb facs="-" xml:id="bsb00057634_00086_001"/><p><hi style="font-style:italic;">Vgl. Kurtrier/Münster an Kf. Philipp Christoph, 1647 III 26</hi> (<choice><abbr>MEA</abbr><expan>Mainzer Erzkanzlerarchiv</expan></choice> <hi style="font-style:italic;"><choice><abbr>CorrA</abbr><expan>Correspondenzakten</expan></choice> 12 fol. 215’):</hi> wollen [...] damit unß getrosten, daß wir unß vor Gott unndt gantz dissinteressirten weit unschüldigh [...] wißen, unß auff die acta unndt hießigen allgemeinen convents unverwerffliche zeugnuß beziehende.</p></note>. Da der Kurfürst grundlos verspätete Absendung von Relationen unterstellte<note type="edd" subtype="commAnnot" place="foot" facs="APWIIIA1-1_p0086n2" xml:id="bsb00057634_00086_n02"><lb facs="-" xml:id="bsb00057634_00086_002"/><p style="font-style:italic;">Die Post aus Münster wurde laut <hi style="font-style:normal;">praesentatum</hi> der Relationen ca. eine Woche nach Abfassung in Trier vorgelegt. Die Gesandten beteuerten, daß laut Auskunft der Post in Köln ihre Post trotz der Reklamationen des Kurfürsten normal gelaufen sei. Vgl. Kf. Philipp Christoph an Kurtrier/Münster, Trier 1647 IV 29 (<hi style="font-style:smallCaps;">StA</hi> <hi style="font-style:smallCaps;">Koblenz</hi> 1 C Nr. 9227 fol. 195) mit Kurtrier/Münster an Kf. Philipp Christoph, 1647 IV 30 (<hi style="font-style:smallCaps;">ebd.</hi> fol. 203–205).</p></note>, auf viele der behandelten Themen nicht <w lemma="einging"><orig>ein-</orig><orig>ging</orig></w> und ärgerliche Sonderanweisungen (so an Hermann Adolf Scherer) erließ<note type="edd" subtype="commAnnot" place="foot" facs="APWIIIA1-1_p0086n3" xml:id="bsb00057634_00086_n03"><lb facs="-" xml:id="bsb00057634_00086_003"/><p style="font-style:italic;"><hi style="font-style:smallCaps;">Ebd.</hi> fol. 198–202’ (Instruktion von 1647 IV 29).</p></note>, mochten ihm seine Gesandten auch zutrauen, deren Berichte oder gar seine eigenen Anweisungen zu unterschlagen: Denn mißliebige Domkapitulare, gegen die der <w lemma="Kurfürst"><orig>Kur-</orig><orig>fürst</orig></w> bedenkenlos prozessierte, gerieten bei Appellationen in Beweisnot, weil Schreiben des Domkapitels und <hi style="font-style:normal;">churfürstliche antwortungsschriefften [...] entweder von Ihrer Churfürstlichen Gnaden schimpfflich angenohmen oder gar <w lemma="abgeleugnet"><orig>abge-</orig><orig>leugnet</orig></w> wollen werden</hi><note type="edd" subtype="commAnnot" place="foot" facs="APWIIIA1-1_p0086n4" xml:id="bsb00057634_00086_n04"><lb facs="-" xml:id="bsb00057634_00086_004"/><p style="font-style:italic;">In Sachen der Exkommunikation des Trierer Dompropsts Johann Wilhelm Husmann von Namedy 1646, gegen die das Kapitel an die Kurie appellierte (<hi style="font-style:normal;"><choice><abbr>BA</abbr><expan>Briefe und Akten zur Geschichte des Dreißigjährigen Krieges</expan></choice></hi> <hi style="font-style:smallCaps;">Trier</hi> Abtlg. B 40, 2 Nr. 11 S. 86).</p></note><hi style="font-style:normal;">.</hi> Besonders wegen ihrer Beziehungen zu dem vom <w lemma="Kurfürsten"><orig>Kur-</orig><orig>fürsten</orig></w> abtrünnigen Trierer Domkapitel, das sich in Köln aufhielt, mußten die Gesandten ernstlich Söterns Ungnade fürchten<note type="edd" subtype="commAnnot" place="foot" facs="APWIIIA1-1_p0086n5" xml:id="bsb00057634_00086_n05"><lb facs="-" xml:id="bsb00057634_00086_005"/><p><hi style="font-style:italic;">Kf. Philipp Christoph an Kurtrier/Münster, Trier 1646 VIII 6, argwöhnte, daß die</hi> Trierische undt Mayntzische capitularen undt senioren unß uff ein neuwes außmüsteren, <hi style="font-style:italic;">verbat sich angebliche Drohungen</hi> mit dem Münsterischen dhumbcapitul <hi style="font-style:italic;">sowie österreichische <w lemma="Konspirationen"><orig>Kon-</orig><orig>spirationen</orig></w> zugunsten eines Koadjutors und drohte den Gesandten mit Aufhebung ihrer Amnestie und Einziehung ihrer Güter</hi> (<choice><abbr>MEA</abbr><expan>Mainzer Erzkanzlerarchiv</expan></choice> <hi style="font-style:italic;"><choice><abbr>CorrA</abbr><expan>Correspondenzakten</expan></choice> <choice><abbr>Fasz.</abbr><expan>Faszikel</expan></choice> 16 fol. 189–198’); die besonders verletzenden Stellen sind in dieser Kopie unterstrichen. – Vgl. Nr. 68 (1646 II 14) S. 473.27 mit S. 471. 36–39 (Aussparung prokaiserlicher Ausführungen Kurtriers in</hi> <hi style="font-style:smallCaps;">Kurtrier</hi> <hi style="font-style:italic;">zA).</hi></p></note>. Die Korrespondenzen mit dem <hi style="font-style:normal;"><w lemma="schismatischen"><orig>schis-</orig><orig>matischen</orig></w> kapitel</hi> in Köln, von der Teile noch im Trierer Bistumsarchiv liegen, führten die kurtrierischen Domkapitulare und Chorbischöfe Hugo Friedrich von Eltz (zugleich kurmainzischer Domkapitular) und Hugo Eberhard Cratz von <w lemma="Scharffenstein"><orig>Scharffen-</orig><orig>stein</orig></w><note type="edd" subtype="commAnnot" place="foot" facs="APWIIIA1-1_p0086n6" xml:id="bsb00057634_00086_n06"><lb facs="-" xml:id="bsb00057634_00086_006"/><p><hi style="font-style:italic;">Kf. Philipp Christoph an Kurtrier/Münster, Trier 1647 V 20 PS</hi> (<hi style="font-style:smallCaps;">StA</hi> <hi style="font-style:smallCaps;">Koblenz</hi> <hi style="font-style:italic;">1 C Nr. 9227 fol. 242). Siehe oben Anm. 5,</hi> <choice><abbr>BA</abbr><expan>Briefe und Akten zur Geschichte des Dreißigjährigen Krieges</expan></choice> <hi style="font-style:smallCaps;">Trier</hi> <hi style="font-style:italic;">Abtlg. B 40, 2 Nr. 11 S. 70ff. – Eltz war</hi> obrister chorbischoff <hi style="font-style:italic;">von Trier, Mainzer Domkantor und Kämmerer des weltlichen Gerichts zu Mainz, Cratz von Scharffenstein</hi> chorbischoff S. Lubentii in Diekirchen (<hi style="font-style:smallCaps;">ebd.</hi> <hi style="font-style:italic;">Abtlg. B 9, 6 Nr. 4: Gedruckte Liste der Domkapitulare und Domherren zu Trier, 1641) und Mainzer Domkustos. Die Eltz standen sowohl mit den Cratz von Scharffenstein als auch mit der Familie des regierenden Mainzer Kurfürsten in verwandtschaftlichen Beziehungen (darüber</hi> <hi style="font-style:smallCaps;">Roth</hi> <hi style="font-style:italic;">in seiner Geschlechterbiographie, passim).</hi></p></note>; sie waren die Hauptgesandten von Kurtrier und von Kurmainz. Ihre Briefe <pb facs="APWIIIA1-1_p0087" sameAs="#bsb00057634_00087" n="LXXXVII"/>nach Köln schrieb der gleiche Sekretär, von dem der größte Teil der kurtrierischen Protokoll-Abschriften in den kurmainzischen Friedensakten stammt, dessen Hand aber in den sonstigen (erhaltenen) Akten, die in die kurfürstlich-trierische Kanzlei gelangt sind, äußerst selten auftaucht. Es kann also vermutet werden, daß ein Teil der kurtrierischen Gesandtschaft sich durch Abschrift aus ihren Akten eine Art Rückversicherung gegen mögliche Strafverfolgung schaffen wollte<note type="edd" subtype="commAnnot" place="foot" facs="APWIIIA1-1_p0087n1" xml:id="bsb00057634_00087_n01"><lb facs="-" xml:id="bsb00057634_00087_001"/><p><hi style="font-style:italic;">Kurtrier/Münster an Kf. Philipp Christoph, 1647 IV 9: Betonen ihre</hi> künfftige <w lemma="verantwortungh"><orig>verantwor-</orig><orig>tungh</orig></w>, daß in gegenwertiger schwärer legation nichts von unß verabsaumbet werde <hi style="font-style:italic;">und beziehen sich auf die Akten, da sie</hi> mit schweren straffen transgressi mandati et criminis falsi zur unschuldt bedrawet werden wollen (<choice><abbr>MEA</abbr><expan>Mainzer Erzkanzlerarchiv</expan></choice> <hi style="font-style:italic;"><choice><abbr>CorrA</abbr><expan>Correspondenzakten</expan></choice> <choice><abbr>Fasz.</abbr><expan>Faszikel</expan></choice> 12 fol. 237). Eltz (an den Kurfürsten 1646 VI 8) hoffte, nicht ebenso behandelt zu werden wie Breuer</hi> (<choice><abbr>MEA</abbr><expan>Mainzer Erzkanzlerarchiv</expan></choice> <hi style="font-style:italic;"><choice><abbr>CorrA</abbr><expan>Correspondenzakten</expan></choice> <choice><abbr>Fasz.</abbr><expan>Faszikel</expan></choice> 12 fol. 49).</hi></p></note> oder sogar <w lemma="Zweitexemplare"><orig>Zweit-</orig><orig>exemplare</orig></w> für den Gebrauch des Domkapitels anfertigen ließ. Die Abschriften wären dann durch die Anwesenheit zweier hervorragender Mitglieder des Trierer Kapitels im Gesandtenrang rechtlich abgedeckt gewesen; sie hätten folglich auch im Archiv eines der beiden Kapitulare deponiert werden können; möglicherweise hat Eltz sie schon vor seiner Abreise nach Köln im August 1647<note type="edd" subtype="commAnnot" place="foot" facs="APWIIIA1-1_p0087n2" xml:id="bsb00057634_00087_n02"><lb facs="-" xml:id="bsb00057634_00087_002"/><p style="font-style:italic;">Mit <hi style="font-style:normal;">gnädigster erlaubnuß</hi> dem Kurfürsten bereits 1647 V 14 angekündigt (<hi style="font-style:normal;"><choice><abbr>MEA</abbr><expan>Mainzer Erzkanzlerarchiv</expan></choice></hi> <choice><abbr>CorrA</abbr><expan>Correspondenzakten</expan></choice> <choice><abbr>Fasz.</abbr><expan>Faszikel</expan></choice> 12 fol. 254). Eltz betonte hierbei wie stets, daß das Domkapitel nicht dem Kaiser oder Spanien anhängig, sondern kurtrierisch gesinnt sei. Allerdings war auch Ehg. Leopold von Österreich, mit dem das Kapitel über Erasmus von Horst in Verbindung stand, Trierer Domherr (<hi style="font-style:normal;"><choice><abbr>MEA</abbr><expan>Mainzer Erzkanzlerarchiv</expan></choice></hi> <choice><abbr>CorrA</abbr><expan>Correspondenzakten</expan></choice> <choice><abbr>Fasz.</abbr><expan>Faszikel</expan></choice> 12 fol. 218, <hi style="font-style:normal;"><choice><abbr>BA</abbr><expan>Briefe und Akten zur Geschichte des Dreißigjährigen Krieges</expan></choice></hi> <hi style="font-style:smallCaps;">Trier</hi> Abtlg. B 40,2 Nr. 11, <hi style="font-style:smallCaps;">Stadtarchiv</hi> <hi style="font-style:smallCaps;">Trier</hi> 174, 194 [1536]).</p></note> dem kurmainzischen <w lemma="Hauptgesandten"><orig>Haupt-</orig><orig>gesandten</orig></w> Cratz von Scharffenstein und damit dem kurmainzischen Archiv <w lemma="überantwortet"><orig>über-</orig><orig>antwortet</orig></w>. Dieser direkte Weg ist wohl wahrscheinlicher als der Umweg über den Nachlaß von Eltz (oder auch Cratz), weil die Akten von den Angehörigen sowohl des Eltz wie des Cratz eher an das kurtrierische Archiv hätten zurückgegeben werden können, wohin sie ja eigentlich gehörten. Über den Zeitpunkt der Abreise Eltzens vom Kongreß reichen die Kopien jedenfalls nicht mehr hinaus; ihre Existenz und ihr heutiger Fundort könnten so die latente Nebenregierung des Domkapitels in der kurtrierischen Kongreßvertretung bis August 1647 bezeugen.</p>
	    <p style="font-style:italic;">An kurtrierischen Protokollanten werden in den Akten der Sekretär Stamb<note type="edd" subtype="commAnnot" place="foot" facs="APWIIIA1-1_p0087n3" xml:id="bsb00057634_00087_n03"><lb facs="-" xml:id="bsb00057634_00087_003"/><p style="font-style:italic;"><hi style="font-style:normal;"><choice><abbr>MEA</abbr><expan>Mainzer Erzkanzlerarchiv</expan></choice></hi> <choice><abbr>CorrA</abbr><expan>Correspondenzakten</expan></choice> <choice><abbr>Fasz.</abbr><expan>Faszikel</expan></choice> 12 [1] fol. 1: Kurtrier an Kf. Philipp Christoph, Köln 1645 X 7.</p></note> und Marten Wilhelmb Strengh<note type="edd" subtype="commAnnot" place="foot" facs="APWIIIA1-1_p0087n4" xml:id="bsb00057634_00087_n04"><lb facs="-" xml:id="bsb00057634_00087_004"/><p style="font-style:italic;"><hi style="font-style:normal;"><choice><abbr>MEA</abbr><expan>Mainzer Erzkanzlerarchiv</expan></choice></hi> <choice><abbr>CorrA</abbr><expan>Correspondenzakten</expan></choice> <choice><abbr>Fasz.</abbr><expan>Faszikel</expan></choice> 12 [2] fol. 196 (Ende Februar 1647 als Postbote nach Trier).</p></note>, der auch zu Kurierdiensten verwendet wurde, genannt; eventuell ist für <hi style="font-style:smallCaps;">Kurtrier</hi> zA an einen eigenen Sekretär des Domkapitels zu <w lemma="denken"><orig>den-</orig><orig>ken</orig></w><note type="edd" subtype="commAnnot" place="foot" facs="APWIIIA1-1_p0087n5" xml:id="bsb00057634_00087_n05"><lb facs="-" xml:id="bsb00057634_00087_005"/><p><hi style="font-style:italic;">1667: N. Kneipff</hi> (<choice><abbr>BA</abbr><expan>Briefe und Akten zur Geschichte des Dreißigjährigen Krieges</expan></choice> <hi style="font-style:smallCaps;">Trier</hi> <hi style="font-style:italic;">Abtlg. B 9, 5 nr. 22).</hi></p></note>. Kurtrier führte, ganz anders als die Vorwürfe Philipp Christophs es vermuten lassen, ein ausgezeichnetes Protokoll, das inhaltlich umfassend, allerdings wegen seiner konzentrierten und knappen Diktion teilweise schwer lesbar ist.</p>
	  </div>
	  <div type="part" subtype="part" ana="#section_02" xml:id="bsb00057634_00087_sec0016" corresp="#bsb00057634_00087">
	    <head>2. Die Überlieferung: c. Kurköln</head>
	    <p><hi style="font-style:italic;">Auch von der ursprünglichen kurkölnischen Überlieferung sind in dem eigentlich <w lemma="zuständigen"><orig>zu-</orig><orig>ständigen</orig></w> erzstiftischen Archiv (heute</hi> <hi style="font-style:smallCaps;">HStA</hi> <hi style="font-style:smallCaps;">Düsseldorf</hi>) <hi style="font-style:italic;">nur Reste erhalten. In Düsseldorf liegt nur noch ein einziges Heft mit reinschriftlichen <hi style="font-style:italic;">Protokoll-<w lemma="Extrakten"><orig>Extrak-</orig><pb facs="APWIIIA1-1_p0088" sameAs="#bsb00057634_00088" n="LXXXVIII"/><orig>ten</orig></w></hi>, das die Propositionen der Kurfürstenrats- und <choice><abbr>CC</abbr><expan>Corpus Catholicorum</expan></choice>-Sitzungen enthält. Es ist eine Art Register zu zwei verlorenen Bänden kurkölnischer Original-Protokolle, <w lemma="vermutlich"><orig>ver-</orig><orig>mutlich</orig></w> dem</hi> Protocollum Electorale Monasteriense, <hi style="font-style:italic;">von dem es Seitennachweise und – bis Sessio 33 (1646 IV 25) numerierte – Sitzungseinträge mit Datum (und Proposition) bringt</hi><note type="edd" subtype="commAnnot" place="foot" facs="APWIIIA1-1_p0088n1" xml:id="bsb00057634_00088_n01"><lb facs="-" xml:id="bsb00057634_00088_001"/><p><hi style="font-style:smallCaps;">HStA</hi> <hi style="font-style:smallCaps;">Düsseldorf</hi>, <hi style="font-style:italic;">Kurköln VI nr. 986. Vgl.</hi> <hi style="font-style:smallCaps;">Wolff</hi> <hi style="font-style:italic;">in</hi> APW <hi style="font-style:italic;"><ref type="page" subtype="extern" facs="#APWIIIA4-1_p0057" target="#bsb00057094_00057">III 4, 1 S. LVII f</ref>.</hi></p></note><hi style="font-style:italic;">; die Einträge reichen vom 29. August 1645 bis zum 22. März 1649. Eine unvollständige Reihe zeitgenössischer Protokoll-Reinschriften konnte im</hi> <hi style="font-style:smallCaps;">Bayerischen</hi> <hi style="font-style:smallCaps;">Hauptstaatsarchiv</hi> <hi style="font-style:smallCaps;">München</hi>, <hi style="font-style:italic;">Abtlg. II, Geh. Staatsarchiv, aufgefunden werden. Sie liegt der</hi> Oßnabruckischen correspondenz 1645, <hi style="font-style:italic;">Briefen Wartenbergs an den Kurfürsten von Bayern, mit weiteren Fürstenratsprotokollen bei</hi><note type="edd" subtype="commAnnot" place="foot" facs="APWIIIA1-1_p0088n2" xml:id="bsb00057634_00088_n02"><lb facs="-" xml:id="bsb00057634_00088_002"/><p><hi style="font-style:smallCaps;">HStA</hi> <hi style="font-style:smallCaps;">München</hi> <hi style="font-style:italic;">II Kasten schwarz 2231 (1645 VII 5 – 1645 XII 29).</hi></p></note><hi style="font-style:italic;">. Diese Reinschriften umfassen nur die drei Sitzungen der Lengericher Konferenz (1645 VII 10, 11) und die ersten neun Sitzungen des Kurfürstenrats (1645 VIII 31 – X 15); sie stammen von den Schreibern des Wartenberg-Diariums.</hi></p>
	    <p style="font-style:italic;">Nahezu vollständige kurkölnische Protokollreihen sind uns jedoch in Form von <w lemma="Abschriften"><orig>Ab-</orig><orig>schriften</orig></w> überliefert. Eine zeitgenössische Abschrift von Kurfürstenrats- und <choice><abbr>CC</abbr><expan>Corpus Catholicorum</expan></choice>-Protokollen (<hi style="font-style:smallCaps;">Kurköln</hi> zA I, II) ist in der <hi style="font-style:smallCaps;">Dombibliothek</hi> <hi style="font-style:smallCaps;">Hildesheim</hi> erhalten: Tom. I enthält Eintragungen von 1645 VIII 29 bis 1648 II 5, Tom. II von 1648 III 18 bis 1648 XII 17<note type="edd" subtype="commAnnot" place="foot" facs="APWIIIA1-1_p0088n3" xml:id="bsb00057634_00088_n03"><lb facs="-" xml:id="bsb00057634_00088_003"/><p><hi style="font-style:italic;">Nr. 766/I-II, besprochen bei</hi> <hi style="font-style:smallCaps;">Wolff</hi> <hi style="font-style:italic;">in</hi> APW <hi style="font-style:italic;">III 4, 1 S. LX (dort:</hi> „<hi style="font-style:smallCaps;">Wartenberg</hi>/<hi style="font-style:smallCaps;"><w lemma="Hildesheim"><orig>Hil-</orig><orig>desheim</orig></w></hi>“).</p></note>. In diesen beiden Bänden sind kurkölnische Schreiberhände, die Hand des kurkölnischen Gesandten Buschmann und – im zweiten Band sogar überwiegend – die Hand des P. Adamus Adami OSB nachweisbar, der als Gesandter der Fürstabtei Corvey sowie der schwäbischen Reichsprälaten eine bedeutsame Stellung im Corpus Catholicorum einnahm. Wahrscheinlich hat Adami, der 1663 als Weihbischof von Hildesheim starb, die Protokollreihe bereits am Kongreß unter Verwendung kurkölnischer Papiere, die ihm dank seiner Beziehungen zu Buschmann und Wartenberg zugänglich waren, mit angelegt<note type="edd" subtype="commAnnot" place="foot" facs="APWIIIA1-1_p0088n4" xml:id="bsb00057634_00088_n04"><lb facs="-" xml:id="bsb00057634_00088_004"/><p><hi style="font-style:italic;">Darauf deutet auch der Dorsalvermerk auf dem Einbanddeckel hin: Adami</hi> hoc protocollum [...] collegit.</p></note> und später an seinen Amtssitz mitgenommen, wo sie dann verblieben ist.</p>
	    <p><hi style="font-style:italic;">Die späteren Abschriften kurkölnischer Kurfürstenratsprotokolle</hi> (<hi style="font-style:smallCaps;">Kurköln</hi> <hi style="font-style:italic;">spA) sind zahlreicher und umfassender. Sie füllen sieben Bände und befinden sich heute im</hi> <hi style="font-style:smallCaps;">Bayerischen</hi> <hi style="font-style:smallCaps;">Hauptstaatsarchiv</hi> <hi style="font-style:smallCaps;">München</hi>, <hi style="font-style:italic;">Abteilung II, Geh. <w lemma="Staatsarchiv"><orig>Staats-</orig><orig>archiv</orig></w>.</hi> <hi style="font-style:smallCaps;">Kurköln</hi> <hi style="font-style:italic;">spA I (Kasten blau 281/2c) enthält 33 numerierte <w lemma="Kurfürstenratssitzungen"><orig>Kurfürsten-</orig><orig>ratssitzungen</orig></w> (1645 VIII 29 – 1646 IV 26, fol. 1–472’). Zeitlich parallel laufende Duplikate mit den gleichen Sitzungseinträgen, aber mit anderer Folio-Zählung liegen in</hi> <hi style="font-style:smallCaps;">Kurköln</hi> <hi style="font-style:italic;">spA I a (Kasten blau 281/3a, 1645 VIII 29–1645 XI 19, fol. 1–246’) und in</hi> <hi style="font-style:smallCaps;">Kurköln</hi> <hi style="font-style:italic;">spA I b (Kasten blau 281/3b, 1645 XI 19 – 1646 IV 26, fol. 247–508’) vor;</hi> <hi style="font-style:smallCaps;">Kurköln</hi> <hi style="font-style:italic;">spA I b ist die Fortsetzung von</hi> <hi style="font-style:smallCaps;">Kurköln</hi> <hi style="font-style:italic;">spA I a. An</hi> <hi style="font-style:smallCaps;">Kurköln</hi> <hi style="font-style:italic;">spA I schließt</hi> <hi style="font-style:smallCaps;">Kurköln</hi> <hi style="font-style:italic;">spA II (Kasten blau 281/2d, 1646 IV 28 – 1647 IX 25, fol. 473–754 und 1648 XII 3–1649 III 22) an (dazugehörige Doppelüberlieferung Kasten blau 278/3-IV). Dieses</hi> Protocollum electorale Monasteriense super tractatibus pacis Westphalicae <hi style="font-style:italic;">wird ergänzt durch das</hi> <pb facs="APWIIIA1-1_p0089" sameAs="#bsb00057634_00089" n="LXXXIX"/><hi style="font-style:italic;">sogenannte</hi> Protocollum electorale Osnabrugense: <hi style="font-style:smallCaps;">Kurköln</hi> <hi style="font-style:italic;">spA III (Kasten blau 281/3c, fol. 1–462) mit dem Doppel</hi> <hi style="font-style:smallCaps;">Kurköln</hi> <hi style="font-style:italic;">spA lila (Kasten blau 281/3d, fol. 1–516) umfassen die Sitzungen des Kurfürstenrats, des Reichsplenums und der Reichsdeputation zwischen dem 1. Juli und dem 25. September 1648. Nicht überliefert sind in dieser Reihe die Sitzungen aus den Monaten Mai bis Juni 1648 und September bis Anfang Dezember 1648, wo</hi> <hi style="font-style:smallCaps;">Kurköln</hi> <hi style="font-style:italic;">spA II wieder einsetzt.</hi></p>
	    <p style="font-style:italic;">Diese Kurfürstenratsprotokolle weisen – ebenso wie die in Kasten blau antreffbaren <choice><abbr>CC</abbr><expan>Corpus Catholicorum</expan></choice>-Protokolle<note type="edd" subtype="commAnnot" place="foot" facs="APWIIIA1-1_p0089n1" xml:id="bsb00057634_00089_n01"><lb facs="-" xml:id="bsb00057634_00089_001"/><p><hi style="font-style:italic;">In</hi> APW <hi style="font-style:italic;">III A 4, 1:</hi> „<hi style="font-style:smallCaps;">Wartenberg</hi>-<hi style="font-style:smallCaps;">Register</hi>“.</p></note> – ein einheitliches äußeres Bild auf: Halbbrüchig rechtsseitig in Register-Schrift ausgefüllte Seiten, teilweise mit Ledermerkzeichen und regelmäßig mit Kollationsvermerken versehen. Der gesamte Bestand ist im Zuge der Ergänzung des kurpfälzischen Archivs, das für die Zeit der Ächtung der Pfalzgrafen in den Reichsratsprotokollen eine Lücke aufwies (1613–1653), am Immerwährenden <w lemma="Reichstag"><orig>Reichs-</orig><orig>tag</orig></w> in Regensburg 1735 von dem kurpfälzischen Legationssekretär Johann Joseph Pachner angefertigt worden und dann später in das bayerische Geheime Staatsarchiv gelangt<note type="edd" subtype="commAnnot" place="foot" facs="APWIIIA1-1_p0089n2" xml:id="bsb00057634_00089_n02"><lb facs="-" xml:id="bsb00057634_00089_002"/><p><hi style="font-style:italic;">Vgl.</hi> <hi style="font-style:smallCaps;">Wolff</hi> <hi style="font-style:italic;">in</hi> APW <hi style="font-style:italic;"><ref type="line" subtype="extern" facs="#APWIIIA4-1_p0058n1" target="#bsb00057094_00058_001">III A 4, 1 S. LVIII Anm. 1</ref>.</hi></p></note>. Vorlage war das kurkölnische <hi style="font-style:normal;">originalprotokoll</hi> vom Friedenskongreß, auf das am Ende von <hi style="font-style:smallCaps;">Kurköln</hi> spA II verwiesen ist<note type="edd" subtype="commAnnot" place="foot" facs="APWIIIA1-1_p0089n3" xml:id="bsb00057634_00089_n03"><lb facs="-" xml:id="bsb00057634_00089_003"/><p style="font-style:italic;">Kasten blau 281/2 d fol. 754.</p></note>. Da die Abschrift sorgfältig ist, darf der Ouellenwert von <hi style="font-style:smallCaps;">Kurköln</hi> spA kaum geringer veranschlagt werden als der von <hi style="font-style:smallCaps;">Kurköln</hi> zA.</p>
	    <p><hi style="font-style:italic;">Aus dem Vergleich von</hi> <hi style="font-style:smallCaps;">Kurköln</hi> <hi style="font-style:italic;">spA mit</hi> <hi style="font-style:smallCaps;">Kurköln</hi> <hi style="font-style:italic;">zA Extrakt sind überdies Rückschlüsse auf Form und Umfang des</hi> originalprotocolls <hi style="font-style:italic;">möglich: Mit großer Sicherheit ist hier an ein zweibändiges</hi> Protocollum electorale Monasteriense <hi style="font-style:italic;">zu denken, das für 1656 erwähnt ist</hi><note type="edd" subtype="commAnnot" place="foot" facs="APWIIIA1-1_p0089n4" xml:id="bsb00057634_00089_n04"><lb facs="-" xml:id="bsb00057634_00089_004"/><p>APW <hi style="font-style:italic;"><ref type="page" subtype="extern" facs="#APWIIIA4-1_p0057" target="#bsb00057094_00057">III A 4, 1 S. LVII</ref>;</hi> <hi style="font-style:smallCaps;">Kurköln</hi> <hi style="font-style:italic;">spA I, Ia, Ib, II mit gleichem Titel.</hi></p></note><hi style="font-style:italic;">. Die Bemerkung des Kopisten, daß im <w lemma="Originalprotokoll"><orig>Original-</orig><orig>protokoll</orig></w> einige Blätter nach der Sitzung vom 25. September 1647</hi> leer <hi style="font-style:italic;">gewesen seien, paßt zu der Lücke in</hi> <hi style="font-style:smallCaps;">Kurköln</hi> <hi style="font-style:italic;">spA II (ebenfalls</hi> Protocollum electorale Monasteriense <hi style="font-style:italic;">betitelt), das erst mit dem 3. Dezember 1648 einsetzt, während bereits seit dem 25. September 1648 in Münster wieder Kurfürstenrat abgehalten wurde. Analog wird</hi> <hi style="font-style:smallCaps;">Kurköln</hi> <hi style="font-style:italic;">spA III, III a ein einbändiges</hi> Protocollum electorale Osnabrugense <hi style="font-style:italic;">auf der Stufe des Reinkonzepts oder der Reinschrift <w lemma="vorgelegen"><orig>vor-</orig><orig>gelegen</orig></w> haben, das ebenfalls am Anfang unvollständig war – im Unterschied zur <w lemma="Vorlage"><orig>Vor-</orig><orig>lage</orig></w> von</hi> <hi style="font-style:smallCaps;">Kurköln</hi> <hi style="font-style:italic;">zA I, II.</hi></p>
	    <p style="font-style:italic;">Das Original enthielt offenbar wie <hi style="font-style:smallCaps;">Kurköln</hi> spA I, II 65 durchnumerierte <w lemma="Sessiones"><orig>Ses-</orig><orig>siones</orig></w><note type="edd" subtype="commAnnot" place="foot" facs="APWIIIA1-1_p0089n5" xml:id="bsb00057634_00089_n05"><lb facs="-" xml:id="bsb00057634_00089_005"/><p style="font-style:italic;">Die Zählung ist allerdings unkorrekt und konnte deshalb nicht übernommen werden.</p></note> bis zum 25. September 1647. Da die Folio-Angaben für Vol. I der Vorlage von <hi style="font-style:smallCaps;">Kurköln</hi> zA Extrakt und die Folio-Zahlen des halbbrüchig geschriebenen <hi style="font-style:smallCaps;">Kurköln</hi> spA I nicht übermäßig voneinander abweichen<note type="edd" subtype="commAnnot" place="foot" facs="APWIIIA1-1_p0089n6" xml:id="bsb00057634_00089_n06"><lb facs="-" xml:id="bsb00057634_00089_006"/><p style="font-style:italic;">Vol. I reicht nach <hi style="font-style:smallCaps;">Kurköln</hi> zA Extrakt von fol. 1–403ff., <hi style="font-style:smallCaps;">Kurköln</hi> spA I (281/2 c) für den gleichen Zeitraum 1645 VIII 29 – 1646 IV 26 von fol. 1–472’.</p></note>, ist anzunehmen, daß zumindest der erste Band des Reinkonzepts nach Art des Wartenberg-Diariums halbseitig beschrieben war und ca. 400 Folien umfaßte<note type="edd" subtype="commAnnot" place="foot" facs="APWIIIA1-1_p0089n7" xml:id="bsb00057634_00089_n07"><lb facs="-" xml:id="bsb00057634_00089_007"/><p style="font-style:italic;">Das ganzseitig beschriebene <hi style="font-style:smallCaps;">Kurköln</hi> zA I zählt bis 1646 IV 26 etwa halb soviel, nämlich 217 fol.</p></note>.</p>
	    <p style="font-style:italic;"><pb n="XC" facs="APWIIIA1-1_p0090" sameAs="#bsb00057634_00090"/>Eine inhaltliche Eigenheit des kurkölnischen Protokolls liegt darin, daß die <w lemma="kurfürstliche"><orig>kur-</orig><orig>fürstliche</orig></w> Prärogative stark herausgestrichen wird<note type="edd" subtype="commAnnot" place="foot" facs="APWIIIA1-1_p0090n1" xml:id="bsb00057634_00090_n01"><lb facs="-" xml:id="bsb00057634_00090_001"/><p style="font-style:italic;">Siehe unten Nr. <ref type="document" subtype="intern" facs="#APWIIIA1-1_0095" target="#bsb00057634_00767_dok0095">95</ref>.</p></note>; auch wird die Person <w lemma="Wartenbergs"><orig>Warten-</orig><orig>bergs</orig></w> hervorgehoben. Seine Anbringen am Schluß der Sitzungen sind dem Protokoll eingefügt, auf seine Kompetenz in der kurkölnischen Gesandtschaft wird mehrfach indirekt angespielt. Außerdem wird bei der Erwähnung von Visiten und Gesprächen (vor allem Wartenbergs) auf die entsprechenden genaueren Schilderungen im <hi style="font-style:smallCaps;">Diarium</hi> <hi style="font-style:smallCaps;">Wartenberg</hi> verwiesen<note type="edd" subtype="commAnnot" place="foot" facs="APWIIIA1-1_p0090n2" xml:id="bsb00057634_00090_n02"><lb facs="-" xml:id="bsb00057634_00090_002"/><p style="font-style:italic;">Siehe unten Nr. <ref type="document" subtype="intern" facs="#APWIIIA1-1_0091" target="#bsb00057634_00738_dok0091">91</ref>.</p></note>. In der Diktion ist <hi style="font-style:smallCaps;">Kurköln</hi> wegen seiner langen und schwer überschaubaren Perioden schwieriger zu verstehen als <hi style="font-style:smallCaps;">Kurmainz</hi><hi style="font-style:normal;">;</hi> die Sätze werden nicht immer heutigen grammatikalischen Vorstellungen entsprechend zu Ende geführt.</p>
	  </div>
	  <div type="part" subtype="part" ana="#section_02" xml:id="bsb00057634_00090_sec0017" corresp="#bsb00057634_00090">
	    <head>2. Die Überlieferung: d. Kurbayern</head>
	    <p style="font-style:italic;">Die kurbayerische Überlieferung der Kurfürstenratsprotokolle ist wie die <w lemma="kurmainzische"><orig>kurmain-</orig><orig>zische</orig></w> in allen Entstehungsstufen erhalten. Überwiegend Rapulare von <w lemma="Kurfürstenrats-"><orig>Kurfürsten-</orig><orig>rats-</orig></w> und <choice><abbr>CC</abbr><expan>Corpus Catholicorum</expan></choice>-Protokollen in meist chronologischer Ordnung, vermischt mit <w lemma="Konzepten"><orig>Kon-</orig><orig>zepten</orig></w>, enthält das Bündel Kasten schwarz 6982/1a-b: <hi style="font-style:normal;">Protocolla et acta <w lemma="miscelanea"><orig>misce-</orig><orig>lanea</orig></w> zu denen reichs- und deputationstagshandlungen von anno 1646 biß 1649 gehörig (</hi><hi style="font-style:smallCaps;">Kurbayern</hi> Rp I). Die dort in losen Lagen antreffbaren <w lemma="Protokolle"><orig>Proto-</orig><orig>kolle</orig></w> stammen allerdings aus dem Zeitraum zwischen 29. August 1645 und 21. März 1646. Eine ganze Reihe von Kurfürstenrats- und <choice><abbr>CC</abbr><expan>Corpus Catholicorum</expan></choice>-Rapularen ist in dem Faszikel Kasten schwarz 3394<hi style="pos:sup;">II</hi> enthalten, das eigentlich ein drittes Konvolut <w lemma="zusammenhängender"><orig>zusammen-</orig><orig>hängender</orig></w> Protokoll-Konzepte aus dem Kurfürstenrat darstellt (<hi style="font-style:smallCaps;">Kurbayern</hi> Rp in K III)<note type="edd" subtype="commAnnot" place="foot" facs="APWIIIA1-1_p0090n3" xml:id="bsb00057634_00090_n03"><lb facs="-" xml:id="bsb00057634_00090_003"/><p><hi style="font-style:italic;">Der Titel</hi> Münsterische rapularprothocolla <hi style="font-style:italic;">trifft deshalb nur bedingt zu; der Band besprochen in</hi> APW<hi style="font-style:italic;"> <ref type="page" subtype="extern" facs="#APWIIIA4-1_p0061" target="#bsb00057094_00061">III A 4,1 S. LXI f.</ref></hi></p></note>. Es sind in ursprünglich zwei Stößen chronologisch geordnete Rapulare der Sitzungen vom 6. Mai bis zum 20. Juli und vom 24. Juli (<choice><abbr>CC</abbr><expan>Corpus Catholicorum</expan></choice>) bis zum 7. <w lemma="November"><orig>Novem-</orig><orig>ber</orig></w> (<choice><abbr>CC</abbr><expan>Corpus Catholicorum</expan></choice>) 1647 (3394<hi style="pos:sup;"><hi style="font-style:italic;">II</hi></hi> fol. 518–560’, 470–517’ und fol. 465ff.: 1646 I 8). Die in Stichworten mitschreibenden Protokollanten haben unnumerierte Lagen <w lemma="fortlaufend"><orig>fort-</orig><orig>laufend</orig></w> und platzsparend ganzseitig ausgefüllt und die einzelnen Sitzungen durch breite Querstriche voneinander getrennt. Der Duktus ist überaus flüchtig, mit vielen Abkürzungen, die teilweise – in Konzept und später Abschrift – zu falschen <w lemma="Auflösungen"><orig>Auf-</orig><orig>lösungen</orig></w> führten.</p>
	    <p style="font-style:italic;">Die wichtigste Überlieferung ist die in drei Konvoluten (Kasten schwarz 7663, intus: <choice><abbr>CC</abbr><expan>Corpus Catholicorum</expan></choice> 1645 X 24, 7665, 3394<hi style="pos:sup;">II</hi>) vorliegende Konzeptreihe, hier als <hi style="font-style:smallCaps;">Kurbayern</hi> K I, II, III bezeichnet: <hi style="font-style:smallCaps;">Kurbayern</hi> K I reicht vom 10. Juli 1645 bis 27. <w lemma="November"><orig>Novem-</orig><orig>ber</orig></w> (<choice><abbr>CC</abbr><expan>Corpus Catholicorum</expan></choice>) 1645 (Kasten schwarz 7663 fol. 1–312’), <hi style="font-style:smallCaps;">Kurbayern</hi> K II vom 23. <w lemma="Dezember"><orig>De-</orig><orig>zember</orig></w> 1645 bis zum 30. April (<choice><abbr>CC</abbr><expan>Corpus Catholicorum</expan></choice>) 1646 (7665, fol. 1–249’, bricht in der kurmainzischen Proposition ab), <hi style="font-style:smallCaps;">Kurbayern</hi> K III vom 5. Mai 1646 bis zum 31. März (<choice><abbr>CC</abbr><expan>Corpus Catholicorum</expan></choice>) 1647 (3394<hi style="pos:sup;"><hi style="font-style:italic;">II</hi></hi> fol. 10’-458 mit Ergänzungen 1647 VI 23, 30, VII 21 fol. 579–596’)<note type="edd" subtype="commAnnot" place="foot" facs="APWIIIA1-1_p0090n4" xml:id="bsb00057634_00090_n04"><lb facs="-" xml:id="bsb00057634_00090_004"/><p><hi style="font-style:italic;">Kasten schwarz 3394</hi><hi style="pos:sup;">II</hi><hi style="font-style:italic;"> (mit <choice><abbr>CC</abbr><expan>Corpus Catholicorum</expan></choice>-Protokollen) in</hi> APW <hi style="font-style:italic;">III A 4, 1:</hi> „<hi style="font-style:smallCaps;">Kurbayern</hi> <hi style="font-style:italic;">A III“.</hi></p></note>. Diese Konzepte gleichen äußerlich ganz den kurbayerischen <pb n="XCI" facs="APWIIIA1-1_p0091" sameAs="#bsb00057634_00091"/>Original-Diarien (<hi style="font-style:smallCaps;">DKurbayern</hi> K I, II) und den Konzepten der nach München übersandten <hi style="font-style:normal;">bericht,</hi> in denen 1648 die Protokolle summarisch, nach Sach- statt nach Votenfolge gegliedert, mitgeteilt worden sind<note type="edd" subtype="commAnnot" place="foot" facs="APWIIIA1-1_p0091n1" xml:id="bsb00057634_00091_n01"><lb facs="-" xml:id="bsb00057634_00091_001"/><p style="font-style:italic;"><hi style="font-style:normal;">Siehe oben S. <ref type="line" subtype="intern" facs="#APWIIIA1-1_p0069n3" target="#bsb00057634_00069_003">LXIX Anm. 3</ref> und Kasten schwarz 7661 fol. 354’-357’ (1649 IV 26).</hi></p></note>: halbbrüchige bis ganzseitige (dann mit starkem Rand versehene) Beschriftung mittellängsgefalteter Lagen, <w lemma="Verbesserungen"><orig>Verbesse-</orig><orig>rungen</orig></w> von J. Adolf Krebs und Haslang, nachgetragene statt mitgeschriebene <w lemma="kurbayerische"><orig>kur-</orig><orig>bayerische</orig></w> Voten<note type="edd" subtype="commAnnot" place="foot" facs="APWIIIA1-1_p0091n2" xml:id="bsb00057634_00091_n02"><lb facs="-" xml:id="bsb00057634_00091_002"/><p style="font-style:italic;"><hi style="font-style:normal;">Siehe unten Nrr. <ref type="line" subtype="intern" facs="#APWIIIA1-1_p0549l4" target="#bsb00057634_00549_004">63 S. 425.4</ref>, <ref type="line" subtype="intern" facs="#APWIIIA1-1_p0556l23" target="#bsb00057634_00556_023">64 S. 432.23ff.</ref>, <ref type="line" subtype="intern" facs="#APWIIIA1-1_p0609l18" target="#bsb00057634_00609_018">68 S. 485. 18ff.</ref></hi></p></note>. Manchmal sind reinschriftliche Originalvoten anderer Kurstände dem eigenen Konzept beigelegt worden<note type="edd" subtype="commAnnot" place="foot" facs="APWIIIA1-1_p0091n3" xml:id="bsb00057634_00091_n03"><lb facs="-" xml:id="bsb00057634_00091_003"/><p style="font-style:italic;"><hi style="font-style:normal;">So die kurtrierischen Voten (Papier und Schrift kurtrierische Kanzlei) von 1646 II 26 (<w lemma="Satisfaktionsfrage"><orig>Satis-</orig><orig>faktionsfrage</orig></w>) und 1646 II 14 (Ständerechte) in</hi> <hi style="font-style:smallCaps;">Kurbayern</hi> <hi style="font-style:normal;">K II (Kasten schwarz 7665 fol. 119–120’, 135–137);</hi> <hi style="font-style:smallCaps;">ebd.</hi> <hi style="font-style:normal;">fol. 168 ein Teil des kurmainzischen Protokolls (kurmainzische Kanzleihand) mit dem kurbrandenburgischen Votum und dem kurmainzischen Schlußerachten in der Pfalzfrage 1646 III 8.</hi></p></note>. Auf der Rückseite der Lage, die in <hi style="font-style:smallCaps;"><w lemma="Kurbayern"><orig>Kur-</orig><orig>bayern</orig></w></hi> Rp I die beiden Sitzungen vom 31. August und 2. September 1645 enthält, ist der Name des kurbrandenburgischen Sekretärs Schletzer notiert, was auf Austausch der Protokolle hindeutet.</p>
	    <p style="font-style:italic;">In weiteren Aktenbüscheln unterschiedlichen Inhalts finden sich verstreut noch weitere Einzelstücke von Konzepten, Rapularen und Reinschriften<note type="edd" subtype="commAnnot" place="foot" facs="APWIIIA1-1_p0091n4" xml:id="bsb00057634_00091_n04"><lb facs="-" xml:id="bsb00057634_00091_004"/><p style="font-style:italic;"><hi style="font-style:normal;">Kasten schwarz 7669/1, 7671/1a, 7672/1a (Konzepte: 1645 XII 23, VIII 7, 1647 V 6, Rapular: 1645 VII 10, Reinschrift: 1647 III 18).</hi></p></note>. Außerdem sind zugleich mit den Diarien und einem Teil der Relationen auch die Kurfürstenrats- und <choice><abbr>CC</abbr><expan>Corpus Catholicorum</expan></choice>-Protokolle noch einmal abgeschrieben worden: Die späten Abschriften der <w lemma="Kurfürstenratsprotokolle"><orig>Kur-</orig><orig>fürstenratsprotokolle</orig></w> (<hi style="font-style:smallCaps;">Kurbayern</hi> spA I, II) liegen in zwei eigenen Bänden vor, die zu dem gleichen Bestand wie die Relationen und Diarien (<hi style="font-style:smallCaps;">DKurbayern</hi> K spA I, II) gehören<note type="edd" subtype="commAnnot" place="foot" facs="APWIIIA1-1_p0091n5" xml:id="bsb00057634_00091_n05"><lb facs="-" xml:id="bsb00057634_00091_005"/><p style="font-style:italic;"><hi style="font-style:normal;">Fonds Dreißigjähriger Krieg, Westfälische Friedensverhandlungen Tom. 3, 5.</hi></p></note>. Da diese beiden Bände aber auch – in chronologischer <w lemma="Reihenfolge"><orig>Reihen-</orig><orig>folge</orig></w> und abwechselnd – <choice><abbr>CC</abbr><expan>Corpus Catholicorum</expan></choice>-Protokolle enthalten, können die nur <w lemma="Kurfürstenratsprotokolle"><orig>Kurfürstenrats-</orig><orig>protokolle</orig></w> enthaltenden Konzeptbände (Kasten schwarz 7663, 7665) nicht allein als Vorlage gedient haben; auch fehlen <hi style="font-style:normal;">Ex-Archivo-</hi>Vermerke wie bei der späten Abschrift der Diarien, und es treten Abschreibfehler auf, die klar lesbare <w lemma="Textstellen"><orig>Text-</orig><orig>stellen</orig></w> der Konzeptbände sinnentstellt wiedergeben. Zwar könnten nach chronologischen Gesichtspunkten <choice><abbr>CC</abbr><expan>Corpus Catholicorum</expan></choice>-Protokoll-Konzepte aus Kasten schwarz 7664, wo die <w lemma="kurbayerischen"><orig>kur-</orig><orig>bayerischen</orig></w> <choice><abbr>CC</abbr><expan>Corpus Catholicorum</expan></choice>-Protokolle geschlossen liegen, interpoliert worden sein; sehr viel <w lemma="wahrscheinlicher"><orig>wahr-</orig><orig>scheinlicher</orig></w> aber ist, daß <hi style="font-style:smallCaps;">Kurbayern</hi> spA I, II eine verlorene, übersandte reinschriftliche Überlieferung zugrunde liegt, die Kurfürstenrats- und <choice><abbr>CC</abbr><expan>Corpus Catholicorum</expan></choice>-Protokolle in der zeitlichen Reihenfolge ihres Einlaufs in der Münchner Kanzlei umfaßte<note type="edd" subtype="commAnnot" place="foot" facs="APWIIIA1-1_p0091n6" xml:id="bsb00057634_00091_n06"><lb facs="-" xml:id="bsb00057634_00091_006"/><p style="font-style:italic;"><hi style="font-style:normal;">So</hi> <hi style="font-style:smallCaps;">Wolff</hi> <hi style="font-style:normal;">in</hi> <hi style="font-style:normal;">APW</hi> <hi style="font-style:normal;"><ref type="page" subtype="extern" facs="#APWIIIA4-1_p0062" target="#bsb00057094_00062">III A 4, 1 S. LXII</ref>. Allerdings stimmt der Anfang von</hi> <hi style="font-style:smallCaps;">Kurbayern</hi> <hi style="font-style:normal;">K II mit dem Ende von</hi> <hi style="font-style:smallCaps;">Kurbayern</hi> <hi style="font-style:normal;">spA I (1645 XII 23) überein,</hi> <hi style="font-style:smallCaps;">Kurbayern</hi> <hi style="font-style:normal;">K II und spA II enden gleichzeitig (1646 IV 30). Auf längere Interpolation in einem Stück könnten die Verwerfung in</hi> <hi style="font-style:smallCaps;">Kurbayern</hi> <hi style="font-style:normal;">spA II (p. 611–657 <choice><abbr>CC</abbr><expan>Corpus Catholicorum</expan></choice> 1646 III 12, III 21, 22 zwischen KfR 1646 III 8 und III 13) und die Serie der <choice><abbr>CC</abbr><expan>Corpus Catholicorum</expan></choice>-Protokolle am Ende von</hi> <hi style="font-style:smallCaps;">Kurbayern</hi> <hi style="font-style:normal;">spA I (1645 XI 16 – XII 20 p. 497–710) hindeuten.</hi></p></note>.</p>
	    <p style="font-style:italic;">An der Erstellung des kurbayerischen Protokolls haben die Kanzlisten Veith Jacob Pichler (vom Kurfürsten am 28. 11. 1645 mit Dr. Ernst nach Osnabrück beordert), <pb n="XCII" facs="APWIIIA1-1_p0092" sameAs="#bsb00057634_00092"/>Pragg und möglicherweise Georg Baumbgartner, der zur Führung des <w lemma="Rechnungswesens"><orig>Rechnungs-</orig><orig>wesens</orig></w> für den im Dezember 1645 abberufenen Rechnungskommissar Christoph Michael Mändl nach Münster kam, mitgewirkt<note type="edd" subtype="commAnnot" place="foot" facs="APWIIIA1-1_p0092n1" xml:id="bsb00057634_00092_n01"><lb facs="-" xml:id="bsb00057634_00092_001"/><p style="font-style:italic;"><hi style="font-style:smallCaps;">HStTA</hi> <hi style="font-style:smallCaps;">München</hi> <hi style="font-style:normal;">II, Kasten schwarz 7684 fol. 8, 13, 28, 39. Mändl wurde vom Kurfürsten bereits am 11. Juni 1645 angefordert.</hi></p></note>. Die Gesandten Haslang und Krebs verbesserten die Protokolle eigenhändig, sie trugen die kurbayerischen Voten nach; Unterlagen ihrer Vorträge im Rat dienten als Protokoll-Beilage<note type="edd" subtype="commAnnot" place="foot" facs="APWIIIA1-1_p0092n2" xml:id="bsb00057634_00092_n02"><lb facs="-" xml:id="bsb00057634_00092_002"/><p style="font-style:italic;"><hi style="font-style:normal;">Nachtrag der Voten: Kasten schwarz 7665 fol. 231–232 (1646 IV 24), 242’-244 (1646 IV 25). Verweis auf einen von Haslang verlesenen</hi> <hi style="font-style:normal;">auffsatz</hi> <hi style="font-style:smallCaps;">ebd.</hi> <hi style="font-style:normal;">fol. 124’ (1646 II 14), Kasten schwarz 3394</hi><hi style="pos:sup;">II</hi> <hi style="font-style:normal;">fol. 535’ (1647 VI 17). Siehe unten Nrr. 81, 82, 68, 120.</hi></p></note>. <hi style="font-style:smallCaps;">Kurbayern</hi> K, spA ist außerhalb der kurbayerischen Voten und da, wo es auf eigene Rapulare zurückgeht statt auf (ausgetauschte) fremde Provenienzen, durchweg knapper und unvollständiger als <hi style="font-style:smallCaps;">Kurmainz</hi>, <hi style="font-style:smallCaps;">Kurtrier</hi>, <hi style="font-style:smallCaps;">Kurköln</hi> und <hi style="font-style:smallCaps;">Kurbrandenburg</hi><hi style="font-style:normal;">.</hi> In seinen originalen Teilen gibt es häufig komplexe Vortragsinhalte nur vereinfachend wieder.</p>
	  </div>
	  <div type="part" subtype="part" ana="#section_02" xml:id="bsb00057634_00092_sec0018" corresp="#bsb00057634_00092">
	    <head>2. Die Überlieferung: e. Kursachsen</head>
	    <p style="font-style:italic;">Vom kursächsischen Protokoll sind ausnahmsweise nur die übersandten Reinschriften überliefert, die in den anderen Provenienzen allenfalls fragmentarisch vorhanden oder verlorengegangen sind. Sie lagern zusammen mit dem evangelischen Protokoll über die Verhandlungen der Gravamina-Deputationen in Osnabrück 1646 in zwei Konvoluten des <hi style="font-style:smallCaps;">Staatsarchivs</hi> <hi style="font-style:smallCaps;">Dresden</hi><hi style="font-style:normal;">.</hi> <hi style="font-style:smallCaps;">Kursachsen</hi> Rs I (Loc. 8133, 1) umfaßt die Plenarsitzungen in Osnabrück vom 26. und 27. April 1646 und weitere elf <w lemma="Kurfürstenrats-sessiones"><orig>Kur-</orig><orig>fürstenrats-sessiones</orig></w> vom 4. August 1646 bis zum 1. Januar 1647<note type="edd" subtype="commAnnot" place="foot" facs="APWIIIA1-1_p0092n3" xml:id="bsb00057634_00092_n03"><lb facs="-" xml:id="bsb00057634_00092_003"/><p>Protocoll derer zu Münster im churfürstlichen collegio gehaltenen sessionen, weil die Chursächsischen gesandten daselbst gewesen (<hi style="font-style:italic;">Loc. 8133,1 fol. 81–128’</hi>).</p></note>. Der Beginn der Protokollreihe ist auf das späte Eintreffen der kursächsischen Gesandten in <w lemma="Osnabrück"><orig>Osna-</orig><orig>brück</orig></w> zurückzuführen; Leuber und Pistoris zogen auch erst am 8. Juli nach Münster weiter<note type="edd" subtype="commAnnot" place="foot" facs="APWIIIA1-1_p0092n4" xml:id="bsb00057634_00092_n04"><lb facs="-" xml:id="bsb00057634_00092_004"/><p style="font-style:italic;"><hi style="font-style:normal;">Vgl. das</hi> <hi style="font-style:normal;">Notandum</hi> <hi style="font-style:normal;">in Loc. 8133, 1 fol. 123 und das Diarium der kursächsischen <w lemma="Gesandtschaft"><orig>Gesandt-</orig><orig>schaft</orig></w> Vol. 1 (Loc. 8134 fol. 106ff.).</hi></p></note>. Wegen ihrer häufigen Reisen von Münster nach Osnabrück ist das <w lemma="kursächsische"><orig>kur-</orig><orig>sächsische</orig></w> Protokoll aus 1647 sehr lückenhaft; es enthält eine geschlossene Serie nur zwischen dem 17. Juni und dem 10. Juli 1647<note type="edd" subtype="commAnnot" place="foot" facs="APWIIIA1-1_p0092n5" xml:id="bsb00057634_00092_n05"><lb facs="-" xml:id="bsb00057634_00092_005"/><p style="font-style:italic;"><hi style="font-style:normal;">Kursachsen nahm außerdem noch an den Sitzungen 1647 III 16, 18, V 6 teil.</hi></p></note> und bildet zusammen mit dem <w lemma="Protokoll"><orig>Proto-</orig><orig>koll</orig></w> der Jahre 1648–1649 <hi style="font-style:smallCaps;">Kursachsen</hi> Rs II (Loc. 8133, 2)<note type="edd" subtype="commAnnot" place="foot" facs="APWIIIA1-1_p0092n6" xml:id="bsb00057634_00092_n06"><lb facs="-" xml:id="bsb00057634_00092_006"/><p><hi style="font-style:italic;">Fol. 92 (1647 V 6) – 505’ (Reichsdeputation 1649 I 10):</hi> Protocollum, so bey denen zu Münster und Oßnabrügk in Westphalen angestalten generalfriedenstractaten gehalten worden. Anno 1646–48.</p></note>. In diese Protokoll-Reinschriften sind Protokolle der ad hoc gebildeten Deputationen (an Hessen-Kassel, an die Kaiserlichen, an Schweden) und von Plenarsitzungen sowie Einzelberichte der kursächsischen Gesandten einbezogen. Die Blätter in <hi style="font-style:smallCaps;">Kursachsen</hi> Rs I, II sind ganzseitig mit Schönschrift bedeckt und tragen die für Korrespondenz typische Quer-Längs-Faltung. Die Protokolle zweier oder dreier aufeinanderfolgender Sitzungen sind jeweils im Verbund abgeschrieben und als Beilagen den einzelnen Postpaketen <pb facs="APWIIIA1-1_p0093" sameAs="#bsb00057634_00093" n="XCIII"/>zugegeben worden; auf dem letzten Blatt des letzten Sitzungsprotokolls bzw. dem ersten Blatt der Protokoll-Beilage steht die Beilagen-Nummer<note type="edd" subtype="commAnnot" place="foot" facs="APWIIIA1-1_p0093n1" xml:id="bsb00057634_00093_n01"><lb facs="-" xml:id="bsb00057634_00093_001"/><p><hi style="font-style:italic;">Meist</hi> Num. <hi style="font-style:italic;">1, 2, oder:</hi> Ad. 2. relationem <hi style="font-style:italic;">(Loc. 8133, 2 fol. 36).</hi></p></note>. Die Foliierung erfolgte nach der Übersendung in die Kanzlei und der Sichtung der eingegangenen Protokolle. Das Vorhandensein der reinschriftlichen Überlieferung erklärt sich nicht nur aus dem Fundort der beiden Protokollbände, der gut erhaltenen Registratur des Geheimen Rats<note type="edd" subtype="commAnnot" place="foot" facs="APWIIIA1-1_p0093n2" xml:id="bsb00057634_00093_n02"><lb facs="-" xml:id="bsb00057634_00093_002"/><p><hi style="font-style:italic;">Überblick über die gesamten kursächsischen Friedensakten bei</hi> H. J. <hi style="font-style:smallCaps;">Schreckenbach</hi>, <hi style="font-style:italic;"><w lemma="Kursachsen"><orig>Kur-</orig><orig>sachsen</orig></w> auf dem Westfälischen Friedenskongreß.</hi></p></note>. Es ist vielmehr denkbar, daß die Reinkonzept-Stufe mit der sonst üblichen Sorgfalt nicht angelegt worden ist, obwohl es natürlich Konzepte zu den übersandten Reinschriften gegeben haben wird, weil die einzelnen Sessiones bereits im kursächsischen Diarium systematisch aufgeführt werden: Hier finden sich Angaben der behandelten Materien und das Conclusum, also eine Art Beschlußprotokolle. Einzelne Sitzungsprotokolle in <hi style="font-style:smallCaps;">Kursachsen</hi> Rs I sind von Leuber verbessert und unterschrieben<note type="edd" subtype="commAnnot" place="foot" facs="APWIIIA1-1_p0093n3" xml:id="bsb00057634_00093_n03"><lb facs="-" xml:id="bsb00057634_00093_003"/><p style="font-style:italic;"><hi style="font-style:normal;">Loc. 8133, 2 fol. 171–175’, 316.</hi></p></note>. Möglicherweise hat Leuber den Protokoll-Reinschriften seinen <w lemma="ausgearbeiteten"><orig>aus-</orig><orig>gearbeiteten</orig></w> Vortrag, das kursächsische Votum, und daneben direkt die <w lemma="Protokollnotizen"><orig>Protokoll-</orig><orig>notizen</orig></w> des Rapulars über die anderen Voten zugrunde gelegt. Der Unterschied zwischen der ausgefeilten, eine schriftliche Vorlage verratenden Diktion des <w lemma="kursächsischen"><orig>kur-</orig><orig>sächsischen</orig></w> Votums und den übrigen Voten, die kurz und bündig fast im <w lemma="Telegrammstil"><orig>Telegramm-</orig><orig>stil</orig></w> gehalten sind, ist jedenfalls unverkennbar; wo die Voten der anderen Kurstände ausführlicher werden, läßt sich mit großer Wahrscheinlichkeit als Vorlage eine andere Protokoll-Provenienz erschließen. Wahrscheinlich sind die Knappheit und <w lemma="Lückenhaftigkeit"><orig>Lücken-</orig><orig>haftigkeit</orig></w> des kursächsischen Protokolls auf das Fehlen einer Reinkonzept-Stufe<note type="edd" subtype="commAnnot" place="foot" facs="APWIIIA1-1_p0093n4" xml:id="bsb00057634_00093_n04"><lb facs="-" xml:id="bsb00057634_00093_004"/><p><hi style="font-style:italic;">Außerhalb des kursächsischen Votums gleicht</hi> <hi style="font-style:smallCaps;">Kursachsen</hi> <hi style="font-style:italic;">Rs, wo es autogen ist, in seinem knappen Stil dem eigenhändigen Protokoll des kurbrandenburgischen Gesandten Knesebeck vom Regensburger Kurfürstentag 1636/37</hi> (<hi style="font-style:smallCaps;">Deutsches</hi> <hi style="font-style:smallCaps;">Zentralarchiv</hi> <hi style="font-style:smallCaps;">Merseburg</hi>, <hi style="font-style:italic;">Historische Abteilung II nr. 103 <choice><abbr>Fasz.</abbr><expan>Faszikel</expan></choice> 2).</hi></p></note> und letztlich auf einen Mangel an Sekretären in der ohnehin kleinen und bescheiden auftretenden kursächsischen Gesandtschaft zurückzuführen: Obwohl von Kursachsen erwartet wurde, daß es in die Verhandlungen des Corpus Evangelicorum, dessen Vorsitz es innehatte, einen eigenen Sekretär schicken werde<note type="edd" subtype="commAnnot" place="foot" facs="APWIIIA1-1_p0093n5" xml:id="bsb00057634_00093_n05"><lb facs="-" xml:id="bsb00057634_00093_005"/><p><hi style="font-style:smallCaps;">DLöben</hi> <hi style="font-style:italic;">II fol. 153, dort wird der kursächsische Sekretär</hi> Khiesel <hi style="font-style:italic;">genannt (fol. 27).</hi></p></note>, unterzeichneten dort die alten Protokollführer<note type="edd" subtype="commAnnot" place="foot" facs="APWIIIA1-1_p0093n6" xml:id="bsb00057634_00093_n06"><lb facs="-" xml:id="bsb00057634_00093_006"/><p><hi style="font-style:italic;">Christian Werner (Magdeburg), Samuel Ebart (Sachsen/Altenburg), Eusebius Jäger (Sachsen/Weimar), Christian Lampadies (Braunschweig-Lüneburg) und Daniel Repp (Loc. 8133, 1 fol. 23, 80, 8133, 2 fol. 5, 131’); ebenso im Fürstenrat Osnabrück, während im Fürstenrat Münster herkömmlicherweise</hi> einige fürstengesandten ihre secretarios und protocollisten <hi style="font-style:italic;">nicht mitbringen durften</hi> (<choice><abbr>MEA</abbr><expan>Mainzer Erzkanzlerarchiv</expan></choice> <hi style="font-style:italic;"><choice><abbr>CorrA</abbr><expan>Correspondenzakten</expan></choice> <choice><abbr>Fasz.</abbr><expan>Faszikel</expan></choice> 19, 1 nr. 85, 1645 X 20</hi>).</p></note> auch nach der Ankunft Kursachsens weiterhin die Protokolle.</p>
	  </div>
	  <div type="part" subtype="part" ana="#section_02" xml:id="bsb00057634_00093_sec0019" corresp="#bsb00057634_00093">
	    <head>2. Die Überlieferung: f. Kurbrandenburg</head>
	    <p style="font-style:italic;">Das brandenburgische Kurfürstenratsprotokoll besteht wie das mainzische <w lemma="hauptsächlich"><orig>hauptsäch-</orig><orig>lich</orig></w> aus Reinkonzepten, außerdem aus Berichten über die einzelnen sessiones, <hi style="font-style:italic;">die wie bei Kurbayern in die Relationen eingearbeitet wurden. Zu unterscheiden sind das</hi> <pb n="XCIV" facs="APWIIIA1-1_p0094" sameAs="#bsb00057634_00094"/>Prothocol zu Oßnabrück: <hi style="font-style:smallCaps;">Kurbrandenburg</hi> <hi style="font-style:italic;">Rk I (1645 VI 18, VII 10, 11)</hi><note type="edd" subtype="commAnnot" place="foot" facs="APWIIIA1-1_p0094n1" xml:id="bsb00057634_00094_n01"><lb facs="-" xml:id="bsb00057634_00094_001"/><p>DZA <hi style="font-style:smallCaps;">Merseburg</hi> <hi style="font-style:italic;">Rep. 12 nr. 131 fol. 1–48.</hi></p></note><hi style="font-style:italic;">, das</hi> Prothocol im churfürstenrath zu Münster: <hi style="font-style:smallCaps;">Kurbrandenburg</hi> <hi style="font-style:italic;">Rk II (1647 I 21–1647 VII 3, 1648 X 2 – 1649 I 5, 1649 IV 17 – 1649 V 17)</hi><note type="edd" subtype="commAnnot" place="foot" facs="APWIIIA1-1_p0094n2" xml:id="bsb00057634_00094_n02"><lb facs="-" xml:id="bsb00057634_00094_002"/><p><hi style="font-style:smallCaps;">Ebd.</hi> <hi style="font-style:italic;">nr. 125 g fol. 1–228.</hi></p></note><hi style="font-style:italic;">, das</hi> Oßnabrüggische letztere protocollum im churfürstenrhat vom 26. April biß auff dem 2. Sept. 1648 <hi style="font-style:italic;">(st. v.):</hi> <hi style="font-style:smallCaps;">Kurbrandenburg</hi> <hi style="font-style:italic;">Rk III</hi><note type="edd" subtype="commAnnot" place="foot" facs="APWIIIA1-1_p0094n3" xml:id="bsb00057634_00094_n03"><lb facs="-" xml:id="bsb00057634_00094_003"/><p><hi style="font-style:smallCaps;">Ebd.</hi> <hi style="font-style:italic;">nr. 132 fol. 1–499.</hi></p></note><hi style="font-style:italic;">. Diese Protokollfaszikel sind also genau wie das kurkölnische</hi> originalprotocoll <hi style="font-style:italic;">nicht rein chronologisch, sondern nach den Kongreßorten, an denen die Sitzungen <w lemma="stattfanden"><orig>statt-</orig><orig>fanden</orig></w>, angelegt worden;</hi> <hi style="font-style:smallCaps;">Kurbrandenburg</hi> <hi style="font-style:italic;">Rk II setzt Rk III nach der erneuten Tagung des Kurfürstenrats in Münster (seit 1648 X 2) fort. Es handelt sich <w lemma="eindeutig"><orig>ein-</orig><orig>deutig</orig></w> um halbbrüchig bis ganzseitig beschriebene, lose liegende Reinkonzepte der Gesandtschaftsregistratur, die</hi> von dem secretario legat[ionis] h[ern] Paul Kemnitzen An[no] 1649 m[ense] Sept[embris] bey dem churf [ürstlichen] archiv eingegeben worden<note type="edd" subtype="commAnnot" place="foot" facs="APWIIIA1-1_p0094n4" xml:id="bsb00057634_00094_n04"><lb facs="-" xml:id="bsb00057634_00094_004"/><p style="font-style:italic;"><hi style="font-style:normal;">Nr. 125 g Deckblatt.</hi></p></note> <hi style="font-style:italic;">sind. Die meisten Protokolle stammen von der Hand des Kammer- und Legationssekretärs Kemnitz</hi><note type="edd" subtype="commAnnot" place="foot" facs="APWIIIA1-1_p0094n5" xml:id="bsb00057634_00094_n05"><lb facs="-" xml:id="bsb00057634_00094_005"/><p><hi style="font-style:italic;">Später Amtskammerrat, vgl.</hi> <hi style="font-style:smallCaps;">Meinardus</hi>, <hi style="font-style:italic;">Protokolle S. 134, II S. 346, I S. 643.</hi></p></note><hi style="font-style:italic;">, der ausdrücklich vermerkte, wenn er ein Protokoll begann oder fortsetzte</hi><note type="edd" subtype="commAnnot" place="foot" facs="APWIIIA1-1_p0094n6" xml:id="bsb00057634_00094_n06"><lb facs="-" xml:id="bsb00057634_00094_006"/><p style="font-style:italic;"><hi style="font-style:normal;">Nr. 125 g fol. 176’.</hi></p></note><hi style="font-style:italic;">. Außerdem haben der Legationssekretär</hi> ad interim <hi style="font-style:italic;">Johann Samuel Fehr</hi><note type="edd" subtype="commAnnot" place="foot" facs="APWIIIA1-1_p0094n7" xml:id="bsb00057634_00094_n07"><lb facs="-" xml:id="bsb00057634_00094_007"/><p><hi style="font-style:smallCaps;">DLöben</hi> <hi style="font-style:italic;">II fol. 153’,</hi> <hi style="font-style:smallCaps;">Meinardus</hi>, <hi style="font-style:italic;">Protokolle I S. 258, 234. Fehr ging auch als pommerscher Sekretär in den Fürstenrat</hi> (DZA <hi style="font-style:smallCaps;">Merseburg</hi> <hi style="font-style:italic;">Rep. 12 nr. 137</hi><hi style="pos:sup;">3</hi><hi style="font-style:italic;"> fol. 121’: 1646 II 24 st.v.</hi>).</p></note> am Kurfürstenratsprotokoll in Osnabrück, der <w lemma="Sekretär"><orig>Sekre-</orig><orig>tär</orig></w>, spätere kurbrandenburgische Rat und Resident in England, Johann Friedrich Schletzer<note type="edd" subtype="commAnnot" place="foot" facs="APWIIIA1-1_p0094n8" xml:id="bsb00057634_00094_n08"><lb facs="-" xml:id="bsb00057634_00094_008"/><p><hi style="font-style:smallCaps;">DLöben</hi> <hi style="font-style:italic;">II fol. 125ff., I fol. 108’. Schletzer galt als „turbulent und anspruchsvoll“, er wurde 1660 wegen Übertritts zu den Schweden und wegen Hochverrats in Abwesenheit zum Tode <w lemma="verurteilt"><orig>ver-</orig><orig>urteilt</orig></w></hi> (<hi style="font-style:smallCaps;">UuA</hi> <hi style="font-style:smallCaps;">Friedrich</hi> <hi style="font-style:smallCaps;">Wilhelm</hi> <hi style="font-style:italic;">VII S. 822f.,</hi> <hi style="font-style:smallCaps;">Meinardus</hi>, <hi style="font-style:italic;">Protokolle V S. 558 VI S. 4f.</hi>).</p></note>, am Münsteraner Protokoll mitgewirkt; anfangs unterhielt <w lemma="Kurbrandenburg"><orig>Kurbranden-</orig><orig>burg</orig></w> in Osnabrück diese drei Sekretäre und drei Kanzlisten, aber nur einen Kanzlisten in Münster<note type="edd" subtype="commAnnot" place="foot" facs="APWIIIA1-1_p0094n9" xml:id="bsb00057634_00094_n09"><lb facs="-" xml:id="bsb00057634_00094_009"/><p style="font-style:italic;"><hi style="font-style:normal;">1645 V 8/18 forderten Heiden und Portmann deshalb den Sekretär Stützing aus der klevischen Kanzlei an</hi> (<hi style="font-style:normal;">DZA</hi> <hi style="font-style:smallCaps;">Merseburg</hi> <hi style="font-style:normal;">Rep. 12 nr. 136 a fol. 35</hi>).</p></note><hi style="font-style:italic;">, so daß Schletzer dorthin beordert werden mußte. In Münster führten auch die Gesandten Heiden und Portmann Protokoll</hi><note type="edd" subtype="commAnnot" place="foot" facs="APWIIIA1-1_p0094n10" xml:id="bsb00057634_00094_n10"><lb facs="-" xml:id="bsb00057634_00094_010"/><p><hi style="font-style:italic;">Nach</hi> <hi style="font-style:smallCaps;">DLöben</hi> <hi style="font-style:italic;">II fol. 114 haben</hi> herr Heiden, herr D. Portmann undt secretarius Schletzer, alle drey, <hi style="font-style:italic;">das kurbayerische Votum</hi> in causa Palatina (<hi style="font-style:italic;">wahrscheinlich 1646 II 14, unten Nr. <ref type="page" subtype="intern" facs="#APWIIIA1-1_p0601" target="#bsb00057634_00601">66 S. 477f.</ref></hi>) vleissigk verzeichnedt. <hi style="font-style:italic;">Vgl. auch</hi> <hi style="font-style:smallCaps;">ebd.</hi> <hi style="font-style:italic;">I fol. 153’, 154.</hi></p></note><hi style="font-style:italic;">. Die Gesandten haben noch am Reinkonzept einzelne Verbesserungen vorgenommen, insgesamt aber ist</hi> <hi style="font-style:smallCaps;"><w lemma="Kurbrandenburg"><orig>Kurbran-</orig><orig>denburg</orig></w></hi> <hi style="font-style:italic;">Rk in tadelloser Schönschrift abgefaßt: Anders als etwa</hi> <hi style="font-style:smallCaps;">Kurbayern</hi> <hi style="font-style:italic;">K oder</hi> <hi style="font-style:smallCaps;">Kurmainz</hi> <hi style="font-style:italic;">K weist es wenige Korrekturen oder Abkürzungen auf. Obwohl die kurbrandenburgischen Sekretäre eine gewisse Vorliebe für raffende <w lemma="Partizipialkonstruktionen"><orig>Partizipialkon-</orig><orig>struktionen</orig></w> entwickelten, haben sie ein sehr gutes, klares und inhaltlich ausführliches Protokoll geschrieben. In der Regel fertigte die kurbrandenburgische Gesandtschaft keine Protokoll-Reinschriften zur Übersendung an die heimische Kanzlei aus. <w lemma="Berichte"><orig>Be-</orig><orig>richte</orig></w> über die einzelnen Kurfürsten- und Fürstenratssitzungen wurden den <w lemma="Relationen"><orig>Rela-</orig><pb n="XCV" facs="APWIIIA1-1_p0095" sameAs="#bsb00057634_00095"/><orig>tionen</orig></w></hi><hi style="font-style:italic;"> einverleibt, desgleichen Extrakte bzw. summarische Aufzeichnungen aus den Visitenprotokollen, die zunächst im</hi> <hi style="font-style:smallCaps;">Diarium</hi> <hi style="font-style:smallCaps;">Löben</hi> <hi style="font-style:italic;">festgehalten worden waren</hi><note type="edd" subtype="commAnnot" place="foot" facs="APWIIIA1-1_p0095n1" xml:id="bsb00057634_00095_n01"><lb facs="-" xml:id="bsb00057634_00095_001"/><p><hi style="font-style:italic;">Vgl. Löben an Burgsdorff, Osnabrück 1645 VII 3/13: Alle Vorgänge</hi> pflege ich ins diarium zu verzeichnen, welches ich allemahl [...] herrn Dr. Fritzen bey abfassungen der relationibus communicire, darauß dan die nova auch genommen undt denen [...] relationibus beygesetzedt werden (DZA <hi style="font-style:smallCaps;">Merseburg</hi> <hi style="font-style:italic;">Rep. 12 nr. 122b fol. 7</hi>).</p></note><hi style="font-style:italic;">. Nur in Ausnahmefällen wurde ein</hi> prothocollum [...] votorum, [...] wie wir dieselbe quoad substantiam et quoad fieri potuit, ad verba einnehmen <w lemma="können"><orig>kön-</orig><orig>nen</orig></w><note type="edd" subtype="commAnnot" place="foot" facs="APWIIIA1-1_p0095n2" xml:id="bsb00057634_00095_n02"><lb facs="-" xml:id="bsb00057634_00095_002"/><p style="font-style:italic;"><hi style="font-style:normal;">Heiden/Portmann an Kf. Friedrich Wilhelm, Münster 1647 III 18</hi> (<hi style="font-style:smallCaps;">ebd.</hi> <hi style="font-style:normal;">nr. 136d fol. 175, 176</hi>).</p></note>, <hi style="font-style:italic;">von den Gesandten angekündigt; in diesen Fällen finden sich aber 1646 wie 1636/37 auf den Relationen Kanzleivermerke des Empfängers, daß</hi> hierbey [...] kein protocoll gewesen<note type="edd" subtype="commAnnot" place="foot" facs="APWIIIA1-1_p0095n3" xml:id="bsb00057634_00095_n03"><lb facs="-" xml:id="bsb00057634_00095_003"/><p style="font-style:italic;"><hi style="font-style:normal;">Ebd. und zur kurbrandenburgischen Relation aus Regensburg 1636 XII 14</hi> (<hi style="font-style:smallCaps;">ebd.</hi> <hi style="font-style:normal;">nr. 107, 2 fol. 231, vgl. fol. 55’, 56</hi>).</p></note>. <hi style="font-style:italic;">Es blieb durchweg beim</hi> referiren<note type="edd" subtype="commAnnot" place="foot" facs="APWIIIA1-1_p0095n4" xml:id="bsb00057634_00095_n04"><lb facs="-" xml:id="bsb00057634_00095_004"/><p style="font-style:italic;"><hi style="font-style:normal;">Heiden/Portmann an Kf. Friedrich Wilhelm, Münster 1647 III 28 (nr. 136d fol. 191), ebenso Relation aus Regensburg 1636 X 29 (nr. 107, 2 fol. 154’).</hi></p></note> <hi style="font-style:italic;">der Protokollinhalte. Diese geringe Differenzierung des Korrespondenz-Schriftguts wurde durch die <w lemma="kurbrandenburgischen"><orig>kur-</orig><orig>brandenburgischen</orig></w> Instruktionen gedeckt, in denen die Gesandten nur angewiesen waren, über alle Vorkommnisse fleißig zu berichten</hi><note type="edd" subtype="commAnnot" place="foot" facs="APWIIIA1-1_p0095n5" xml:id="bsb00057634_00095_n05"><lb facs="-" xml:id="bsb00057634_00095_005"/><p style="font-style:italic;"><hi style="font-style:normal;">Originalinstruktion für Münster 1644 XII 4</hi> (<hi style="font-style:normal;">DZA</hi> <hi style="font-style:smallCaps;">Merseburg</hi> <hi style="font-style:normal;">nr. 121 fol. 21’</hi>). <hi style="font-style:normal;">Wohl auch deshalb, weil die Relationen bis auf 40 Folien anwuchsen, erließ Kf. Friedrich Wilhelm 1651 die Anordnung, jeweils nach Gegenständen gesonderte Relationen bzw. Postskripte zu verfassen und getrennt abzulegen</hi> (<hi style="font-style:smallCaps;">Meinardus</hi><hi style="font-style:normal;">, Protokolle VI S. VIII).</hi></p></note><hi style="font-style:italic;">, während z. B. die <w lemma="kurmainzische"><orig>kurmain-</orig><orig>zische</orig></w> Instruktion den Gesandten neben genauer Berichterstattung auch die Anfertigung und Übersendung von Protokollen auferlegte.</hi></p>
	    <p style="font-style:italic;">Die Sitzungsberichte, die in die Relationen eingearbeitet worden sind, sind meist nicht wie die spezifizierten Sitzungsprotokolle nach der Votierordnung gegliedert: An die einzelnen Punkte der Proposition werden jeweils die Stellungnahmen aller Votanten angehängt. Die einzelnen Themen und die Äußerungen dazu werden hintereinander abgehandelt, das Sitzungsreferat ist anders als das Protokoll nach <w lemma="Sachgesichtspunkten"><orig>Sachgesichts-</orig><orig>punkten</orig></w> statt nach sukzessive folgenden Voten aufgeteilt<note type="edd" subtype="commAnnot" place="foot" facs="APWIIIA1-1_p0095n6" xml:id="bsb00057634_00095_n06"><lb facs="-" xml:id="bsb00057634_00095_006"/><p style="font-style:italic;"><hi style="font-style:normal;">Vgl. Relationen aus Münster 1645 XII 30 (nr. 136 a fol. 379’-380), 1646 V 11 (nr. 136 b/3 fol. 26f.) sowie</hi> <hi style="font-style:smallCaps;">ebd.</hi> <hi style="font-style:normal;">fol. 54, 95, 120’, 121’, nr. 137, 3 fol. 121ff.; Sitzungen des Fürstenrats Osnabrück in den Relationen aus Osnabrück 1646 II 2, II 27.</hi></p></note>. Steht Kurbrandenburg mit seiner Meinung im Kurfürstenrat allein, so wird die Konfrontation der <w lemma="Meinungsblöcke"><orig>Meinungs-</orig><orig>blöcke</orig></w> zum Gliederungsprinzip: Dem brandenburgischen Votum ist die <w lemma="Gegenmeinung"><orig>Gegenmei-</orig><orig>nung</orig></w> gegenübergestellt, von der es vereinfachend heißt, daß Kurtrier, Kurköln, <w lemma="Kurbayern"><orig>Kur-</orig><orig>bayern</orig></w> und Kurmainz sie vertreten hätten<note type="edd" subtype="commAnnot" place="foot" facs="APWIIIA1-1_p0095n7" xml:id="bsb00057634_00095_n07"><lb facs="-" xml:id="bsb00057634_00095_007"/><p style="font-style:italic;"><hi style="font-style:normal;">So wird in dem Bericht über den Kurfürstenrat 1645 X 5 (in Relation von 1645 X 11) nur zwischen</hi> <hi style="font-style:normal;">catholici</hi> <hi style="font-style:normal;">und</hi> <hi style="font-style:normal;">Churbrandenburg</hi> <hi style="font-style:normal;">unterschieden (nr. 136 a fol. 206), vgl. Relation aus Münster 1645 XII 30</hi> (<hi style="font-style:smallCaps;">ebd.</hi> <hi style="font-style:normal;">fol. 379–380’). In Münster protokollierte zu dieser Zeit J. <w lemma="Friedrich"><orig>Fried-</orig><orig>rich</orig></w> Schletzer.</hi></p></note>. Bei diesen mehr summarischen <w lemma="Aufzeichnungen"><orig>Auf-</orig><orig>zeichnungen</orig></w> spielte die subjektive Auswahl eine größere Rolle als bei den eigentlichen Protokollen, die eine möglichst vollständige Wiedergabe des Gesagten erstrebten; auch flossen in die protokollartigen Sitzungsreferate persönliche Wertungen und <w lemma="Beurteilungen"><orig>Beur-</orig><orig>teilungen</orig></w> von Vorgängen ein<note type="edd" subtype="commAnnot" place="foot" facs="APWIIIA1-1_p0096n1" xml:id="bsb00057634_00096_n01"><lb facs="-" xml:id="bsb00057634_00096_001"/><p style="font-style:italic;"><hi style="font-style:normal;">Vgl. Relation aus Münster 1646 VI 16 über Kurfürstenrat 1646 VI 13 (nr. 136 b/3 fol. 120, 121’). Bereits Auswahl und Gliederung bedeuteten eine Wertung.</hi></p></note>. Bei großer Wichtigkeit des Sitzungsthemas konnte allerdings sogar die Abschrift eines Wortprotokolls fremder Provenienz in die <w lemma="Relation"><orig>Rela-</orig><orig>tion</orig></w> aufgenommen werden<note type="edd" subtype="commAnnot" place="foot" facs="APWIIIA1-1_p0096n2" xml:id="bsb00057634_00096_n02"><lb facs="-" xml:id="bsb00057634_00096_002"/><p style="font-style:italic;"><hi style="font-style:normal;">So über die</hi> <hi style="font-style:normal;">sessio</hi> <hi style="font-style:normal;">von 1646 XII 31 zur Pommernfrage, der Kurbrandenburg als interessiert fernbleiben mußte (Relation aus Münster 1646 I 13 nr. 136 d fol. 24 ff.).</hi></p></note>. Innerhalb der Relationen wurden die Sitzungsreferate mit Hinweisen auf die Ansage und auf die Fahrt zum Rat eingeleitet, auch in den <w lemma="Reinkonzepten"><orig>Rein-</orig><orig>konzepten</orig></w> beginnen die <hi style="font-style:normal;">sessiones</hi> teilweise mit ähnlichen Überleitungsformeln; ebenso wie die kurmainzischen beachteten auch die kurbrandenburgischen Protokollführer die Formalien der Verhandlungsprozedur.</p>
	    <p style="font-style:italic;">Die reinschriftliche Kryptoform der Protokolle ist nun nicht, wie man zunächst <w lemma="annehmen"><orig>an-</orig><orig>nehmen</orig></w> könnte, ein Ersatz für die fehlenden Reinkonzepte zwischen dem 11. Juli 1645 und dem 21. Januar 1647 sowie dem 5. Januar und dem 17. April 1649, denn sie liegt auch für den längeren Zeitraum vor, aus dem <hi style="font-style:smallCaps;">Kurbrandenburg</hi> Rk erhalten ist<note type="edd" subtype="commAnnot" place="foot" facs="APWIIIA1-1_p0096n3" xml:id="bsb00057634_00096_n03"><lb facs="-" xml:id="bsb00057634_00096_003"/><p style="font-style:italic;"><hi style="font-style:normal;">Vgl. die Schilderung der Lengericher Konferenz in der Relation aus Osnabrück 1645 VII 14 </hi>(<hi style="font-style:normal;">DZA</hi> <hi style="font-style:normal;">nr. 137, 2 fol. 1ff.</hi>).</p></note>. Die kurbrandenburgische Gesandtschaft hielt eine Information des Kurfürsten im Rahmen der Relationen offenbar für ausreichend, verzichtete aber nicht darauf, in den Sitzungen Protokoll zu führen – wofür sie mitunter zwei Sekretäre mitbrachte – und dieses Protokoll zunächst für den eigenen Gebrauch bis zur Stufe des <w lemma="Reinkonzepts"><orig>Reinkon-</orig><orig>zepts</orig></w> auszuarbeiten. Nach der Rückkehr vom Kongreß wurde dieses <w lemma="Originalprotokoll"><orig>Originalproto-</orig><orig>koll</orig></w> der kurfürstlichen Kanzlei übergeben, die damit eine Protokollreihe zum <w lemma="Nachschlagen"><orig>Nach-</orig><orig>schlagen</orig></w> besaß. Folglich wird es für den gesamten Zeitraum des Kongresses <w lemma="kurbrandenburgische"><orig>kurbran-</orig><orig>denburgische</orig></w> Reinkonzepte gegeben haben, von denen Teile aus den Jahren 1645, 1646, 1648, 1649 verlorengegangen sind. Darauf deutet auch ein Findbuch-Vermerk aus dem 18. Jahrhundert hin, in dem es heißt, daß Nr. 125g, das Münsteraner <w lemma="Kurfürstenratsprotokoll"><orig>Kur-</orig><orig>fürstenratsprotokoll</orig></w>, <hi style="font-style:normal;">doch nicht allerdings perfekt zu sein scheint</hi><note type="edd" subtype="commAnnot" place="foot" facs="APWIIIA1-1_p0096n4" xml:id="bsb00057634_00096_n04"><lb facs="-" xml:id="bsb00057634_00096_004"/><p><hi style="font-style:italic;">Im sogen. „Roten Buch“, Bd. 2</hi> (<hi style="font-style:italic;">freundliche Mitteilung von Frau Dr. Grete Weiser,</hi> DZA <hi style="font-style:smallCaps;">Merseburg</hi>).</p></note><hi style="font-style:normal;">.</hi></p>
	    <p style="font-style:italic;">Gerade die kurbrandenburgische Überlieferung macht aber deutlich, daß für die <w lemma="Edition"><orig>Edi-</orig><orig>tion</orig></w> der Kurfürstenratsprotokolle in erster Linie die Reinkonzept-Stufe <w lemma="heranzuziehen"><orig>heranzu-</orig><orig>ziehen</orig></w> ist. Wie der Durchgang durch die einzelnen Protokoll-Provenienzen gezeigt hat, bietet <hi style="font-style:smallCaps;">Kurmainz</hi> die am ehesten vollständige Reihe von Reinkonzepten.</p>
	  </div>
	  <div type="part" subtype="part" ana="#section_02" xml:id="bsb00057634_00096_sec0020" corresp="#bsb00057634_00096">
	    <p style="font-style:italic;">3. Die Abhängigkeit der Protokoll-Provenienzen untereinander</p>
	    <p style="font-style:italic;">Die Überlieferungsformen innerhalb der einzelnen Protokoll-Provenienzen sind, <w lemma="abgesehen"><orig>abge-</orig><orig>sehen</orig></w> von den textlichen Unterschieden zwischen den ursprünglichen Mitschriften und dem Konzept, in der Regel identisch, d. h. im Wortlaut gleich, mit kleineren <w lemma="Abschreibfehlern"><orig>Ab-</orig><orig>schreibfehlern</orig></w>. Die Provenienzen untereinander hingegen können, wie teilweise in den Diarien, bis zur völligen Verschiedenheit im Wortlaut und in der Sache <w lemma="auseinandergehen"><orig>auseinander-</orig><orig>gehen</orig></w>; dies rührt meist daher, daß nicht ordentlich protokolliert worden ist. Wurden die einzelnen Protokolle, die im Kurfürstenrat von jedem Kurstand selbständig geführt <pb facs="APWIIIA1-1_p0097" sameAs="#bsb00057634_00097" n="XCVII"/>worden waren, nicht nachträglich miteinander abgestimmt, verglichen oder gar <w lemma="kollationiert"><orig>kollatio-</orig><orig>niert</orig></w> wie im Fürstenrat Osnabrück<note type="edd" subtype="commAnnot" place="foot" facs="APWIIIA1-1_p0097n1" xml:id="bsb00057634_00097_n01"><lb facs="-" xml:id="bsb00057634_00097_001"/><p style="font-style:italic;"><hi style="font-style:normal;">Siehe oben S. <ref type="line" subtype="intern" facs="#APWIIIA1-1_p0093n6" target="#bsb00057634_00093_006">XCIII Anm. 6</ref>. Das Bestreben, ein authentisches Fürstenratsprotokoll zu <w lemma="verfertigen"><orig>ver-</orig><orig>fertigen</orig></w>, rührte auch von dem komplizierten Beratungsmodus her: Da erst die Auszählung der (Fürstenrats-) Voten in Münster und Osnabrück das korrekte Conclusum ergab, mußten <w lemma="zumindest"><orig>zumin-</orig><orig>dest</orig></w> über die Voten unbezweifelbare Aufzeichnungen existieren; auch wurde die</hi> <hi style="font-style:normal;">mainung</hi> <hi style="font-style:normal;">im Osnabrücker Fürstenrat zur Proposition in Münster und umgekehrt. Die nächste Stufe war hier wie bei den <choice><abbr>CC</abbr><expan>Corpus Catholicorum</expan></choice>-Beratungen die Diktatur der Protokolle. Vgl.</hi> <hi style="font-style:normal;"><choice><abbr>MEA</abbr><expan>Mainzer Erzkanzlerarchiv</expan></choice></hi> <hi style="font-style:normal;"><choice><abbr>FrA</abbr><expan>Friedensakten</expan></choice> <choice><abbr>Fasz.</abbr><expan>Faszikel</expan></choice> 14 nr. 41.</hi></p></note>, so stimmen sie gewöhnlich bei abweichendem Wortlaut, abgesehen von manchen gleichen oder ähnlichen Formulierungen, die dann Rückschlüsse auf das wirklich Gesagte zulassen, nur inhaltlich überein. Gegenseitige Beeinflussung der sechs Kurfürstenratsprotokolle zum Zeitpunkt ihrer Entstehung wird also überall dort ersichtlich, wo Protokolle identisch sind, wo einige oder alle sechs Protokollanten sich auf eine Fassung geeinigt haben, oder wo sich zwischen den einzelnen Provenienzen mehr oder minder ausgeprägte Übereinstimmungen in <w lemma="Wortlaut"><orig>Wort-</orig><orig>laut</orig></w>, Formulierung oder Satzbau ergeben haben. Der erste Fall, Identität, ist für die hier edierten Protokolle der Jahre 1645–1647 selten. Interessanter sind die <w lemma="gleichlautenden"><orig>gleich-</orig><orig>lautenden</orig></w> oder fast gleichlautenden Passagen, weil in ihnen Ansätze zu einer <w lemma="gemeinschaftlichen"><orig>gemein-</orig><orig>schaftlichen</orig></w> Redaktion der Protokolle sichtbar werden, zumal wenn Rapulare und Konzepte von mehreren Überlieferungen erhalten sind. Diese Stellen werden deshalb stets in den Varianten angezeigt; sie differieren in Umfang und Häufigkeit zwischen einzelnen Provenienzen von Sitzung zu Sitzung und sogar innerhalb der Sitzungen und der Voten.</p>
	    <p style="font-style:italic;">Textliche Gemeinsamkeiten, die auf gegenseitige Abhängigkeit deuten, sind für das Jahr 1645 vor allem zwischen <hi style="font-style:smallCaps;">Kurmainz</hi> und <hi style="font-style:smallCaps;">Kurbrandenburg</hi> sowie zwischen <hi style="font-style:smallCaps;">Kurmainz</hi> und <hi style="font-style:smallCaps;">Kurbayern</hi><note type="edd" subtype="commAnnot" place="foot" facs="APWIIIA1-1_p0097n2" xml:id="bsb00057634_00097_n02"><lb facs="-" xml:id="bsb00057634_00097_002"/><p><hi style="font-style:smallCaps;">Kurmainz</hi> <hi style="font-style:italic;">gleichlautend</hi> <hi style="font-style:smallCaps;">Kurbayern</hi> <hi style="font-style:italic;">unten Nr. <ref type="document" subtype="intern" facs="#APWIIIA1-1_0026" target="#bsb00057634_00283_dok0026">26</ref>–<ref type="document" subtype="intern" facs="#APWIIIA1-1_0028" target="#bsb00057634_00310_dok0028">28</ref> (1645 VII 10, 11), <ref type="document" subtype="intern" facs="#APWIIIA1-1_0039" target="#bsb00057634_00360_dok0039">39</ref> (1645 VIII 31)-<ref type="document" subtype="intern" facs="#APWIIIA1-1_0054" target="#bsb00057634_00492_dok0054">54</ref> (1645 X 21).</hi></p></note> festzustellen. Gleichlautende Formulierungen <w lemma="zwischen"><orig>zwi-</orig><orig>schen</orig></w> dem kurmainzischen und dem kurbrandenburgischen Protokoll ergeben sich besonders im kurmainzischen und im kurbrandenburgischen Votum, aber auch für andere Teile des Protokolls wie das kurkölnische Votum, deren Text für die zwischen <hi style="font-style:smallCaps;">Kurmainz</hi> und <hi style="font-style:smallCaps;">Kurbrandenburg</hi> gleichlautenden Passagen von <hi style="font-style:smallCaps;">Kurbayern</hi> und <hi style="font-style:smallCaps;">Kurköln</hi> (mit jeweils wieder anderem Text) abweicht<note type="edd" subtype="commAnnot" place="foot" facs="APWIIIA1-1_p0097n3" xml:id="bsb00057634_00097_n03"><lb facs="-" xml:id="bsb00057634_00097_003"/><p style="font-style:italic;"><hi style="font-style:normal;">Siehe unten Nr. <ref type="page" subtype="intern" facs="#APWIIIA1-1_p0287" target="#bsb00057634_00287">26 S. 163</ref>, <ref type="page" subtype="intern" facs="#APWIIIA1-1_p0290" target="#bsb00057634_00290">166ff.</ref>, <ref type="page" subtype="intern" facs="#APWIIIA1-1_p0296" target="#bsb00057634_00296">172f.</ref>, Nr. <ref type="document" subtype="intern" facs="#APWIIIA1-1_0027" target="#bsb00057634_00297_dok0027">27</ref>, <ref type="document" subtype="intern" facs="#APWIIIA1-1_0028" target="#bsb00057634_00310_dok0028">28</ref>.</hi></p></note>. Ähnlich sind die Beziehungen zwischen <hi style="font-style:smallCaps;">Kurbayern</hi> und <hi style="font-style:smallCaps;">Kurmainz</hi><hi style="font-style:normal;">:</hi> auch hier annähernde <w lemma="Gleichheit"><orig>Gleich-</orig><orig>heit</orig></w> der kurbayerischen und kurmainzischen Voten, die noch häufiger auftritt; dazu kommen gleichlautende Zwischenstücke aus anderen Voten<note type="edd" subtype="commAnnot" place="foot" facs="APWIIIA1-1_p0097n4" xml:id="bsb00057634_00097_n04"><lb facs="-" xml:id="bsb00057634_00097_004"/><p style="font-style:italic;"><hi style="font-style:normal;">Aus den Voten von Kurköln (1645 I X 28, Nr. 49 S. 432) und Kurbrandenburg (1645 VIII 31, Nr. 39 S. 245), siehe auch Nr. <ref type="document" subtype="intern" facs="#APWIIIA1-1_0043" target="#bsb00057634_00398_dok0043">43</ref> (1645 I X 18).</hi></p></note>. Diese Gemeinsamkeiten der Formulierung steigern sich für einzelne Sitzungen bis zur Identität. Nur eine Sitzung hat Kurbayern anfangs dem kurkölnischen Protokoll entnommen<note type="edd" subtype="commAnnot" place="foot" facs="APWIIIA1-1_p0097n5" xml:id="bsb00057634_00097_n05"><lb facs="-" xml:id="bsb00057634_00097_005"/><p style="font-style:italic;"><hi style="font-style:normal;">Nr. <ref type="page" subtype="intern" facs="#APWIIIA1-1_p0387" target="#bsb00057634_00387">42 (1645 I X 13) S. 263ff.</ref></hi></p></note>. Wie der Vergleich der Rapulare und Konzepte zeigt, sind die Abhängigkeiten in den Voten der eigenen und der Gegen-Überlieferung durch schriftlichen Austausch entstanden: Der kurmainzische Protokollist Beck hat bereits in seinem Rapular von einer <w lemma="kurbrandenburgischen"><orig>kur-</orig><orig>brandenburgischen</orig></w> Aufzeichnung des brandenburgischen Votums abgeschrieben<note type="edd" subtype="commAnnot" place="foot" facs="APWIIIA1-1_p0098n1" xml:id="bsb00057634_00098_n01"><lb facs="-" xml:id="bsb00057634_00098_001"/><p style="font-style:italic;"><hi style="font-style:normal;">Siehe unten Nr. <ref type="page" subtype="intern" facs="#APWIIIA1-1_p0293" target="#bsb00057634_00293">26 S. 169</ref>.</hi></p></note>. Die kurbrandenburgischen Voten sind in <hi style="font-style:smallCaps;">Kurmainz</hi> Rk auch länger als in der <w lemma="kurkölnischen"><orig>kurköl-</orig><orig>nischen</orig></w>, kurbayerischen und (ab 21. Oktober 1645) kurtrierischen Überlieferung und haben einen anderen Text<note type="edd" subtype="commAnnot" place="foot" facs="APWIIIA1-1_p0098n2" xml:id="bsb00057634_00098_n02"><lb facs="-" xml:id="bsb00057634_00098_002"/><p style="font-style:italic;"><hi style="font-style:normal;">Nr. <ref type="page" subtype="intern" facs="#APWIIIA1-1_p0369" target="#bsb00057634_00369">39 S. 245f.</ref>, Nrr. <ref type="page" subtype="intern" facs="#APWIIIA1-1_p0407" target="#bsb00057634_00407">43 (1645 IX 18) S. 283f.</ref>,<ref type="page" subtype="intern" facs="#APWIIIA1-1_p0427" target="#bsb00057634_00427">45 (1645 I X 20) S. 303ff.</ref>, <ref type="page" subtype="intern" facs="#APWIIIA1-1_p0460" target="#bsb00057634_00460">49 (1645 IX 28) S. 336f.</ref>, <ref type="page" subtype="intern" facs="#APWIIIA1-1_p0475" target="#bsb00057634_00475">51 (1645 X 5) S. 351f.</ref></hi></p></note>. Obwohl das kurbrandenburgische Protokoll für 1645–1646 fehlt, kann aus dem Gleichklang der kurbrandenburgischen Originalvoten vom 12. Februar und vom 8. März 1646 (Abschrift in <hi style="font-style:smallCaps;">Kurbayern</hi> K II beiliegend)<note type="edd" subtype="commAnnot" place="foot" facs="APWIIIA1-1_p0098n3" xml:id="bsb00057634_00098_n03"><lb facs="-" xml:id="bsb00057634_00098_003"/><p style="font-style:italic;"><hi style="font-style:normal;"><ref type="document" subtype="intern" facs="#APWIIIA1-1_0067" target="#bsb00057634_00586_dok0067">Nr. 67 S. 462</ref> (Kasten schwarz 7665 fol. 95’-104’, 106–117’), <ref type="document" subtype="intern" facs="#APWIIIA1-1_0074" target="#bsb00057634_00639_dok0074">Nr. 74 S. 515</ref>, <ref type="page" subtype="intern" facs="#APWIIIA1-1_p0641" target="#bsb00057634_00641">517</ref></hi> (<hi style="font-style:smallCaps;">ebd.</hi> <hi style="font-style:normal;">fol. 168).</hi></p></note> mit der <w lemma="kurmainzischen"><orig>kur-</orig><orig>mainzischen</orig></w> Überlieferung des brandenburgischen Votums der gleichen Sitzungen geschlossen werden, daß in <hi style="font-style:smallCaps;">Kurmainz</hi> Rk das brandenburgische Votum temporär stärker berücksichtigt worden ist als in den anderen Protokollen. Vice versa hat der brandenburgische Sekretär Kemnitz aus dem ursprünglichen Text der kurmainzischen Propositionen und Voten in <hi style="font-style:smallCaps;">Kurmainz</hi> geschöpft<note type="edd" subtype="commAnnot" place="foot" facs="APWIIIA1-1_p0098n4" xml:id="bsb00057634_00098_n04"><lb facs="-" xml:id="bsb00057634_00098_004"/><p style="font-style:italic;"><hi style="font-style:normal;">Nrr. <ref type="page" subtype="intern" facs="#APWIIIA1-1_p0296" target="#bsb00057634_00296">26 S. 172</ref>, <ref type="page" subtype="intern" facs="#APWIIIA1-1_p0304" target="#bsb00057634_00304">27 S. 180</ref>, <ref type="page" subtype="intern" facs="#APWIIIA1-1_p0311" target="#bsb00057634_00311">28 S. 187f.</ref></hi></p></note>.</p>
	    <p style="font-style:italic;">Die kurbayerischen Sekretäre haben Teile aus dem kurmainzischen Konzept des <w lemma="kurmainzischen"><orig>kur-</orig><orig>mainzischen</orig></w> und darüber hinaus des kurkölnischen Votums wörtlich übernommen; die Exzerpte setzten sie an den Rand ihres Rapulars<note type="edd" subtype="commAnnot" place="foot" facs="APWIIIA1-1_p0098n5" xml:id="bsb00057634_00098_n05"><lb facs="-" xml:id="bsb00057634_00098_005"/><p style="font-style:italic;"><hi style="font-style:normal;">Nr. <ref type="page" subtype="intern" facs="#APWIIIA1-1_p0361" target="#bsb00057634_00361">39 (1645 VIII 31) S. 237f.</ref>, <ref type="page" subtype="intern" facs="#APWIIIA1-1_p0372" target="#bsb00057634_00372">248f.</ref>, <ref type="page" subtype="intern" facs="#APWIIIA1-1_p0556" target="#bsb00057634_00556">49 S. 432f.</ref>, wohl auch Nr. <ref type="page" subtype="intern" facs="#APWIIIA1-1_p0415" target="#bsb00057634_00415">44 (1645 IX 20) S. 291f.</ref>, <ref type="page" subtype="intern" facs="#APWIIIA1-1_p0422" target="#bsb00057634_00422">298f.</ref>, Nr. <ref type="document" subtype="intern" facs="#APWIIIA1-1_0052" target="#bsb00057634_00481_dok0052">52 (1645 X 15: kurmainzische Proposition und kurkölnische Voten)</ref>, Nr. <ref type="document" subtype="intern" facs="#APWIIIA1-1_0054" target="#bsb00057634_00492_dok0054">54 (1645 X 21)</ref>.</hi></p></note>. Im Gegensatz zu der sonst stichwortartig gehaltenen Mitschrift in <hi style="font-style:smallCaps;">Kurbayern</hi> Rp lauten diese <w lemma="Marginalzusätze"><orig>Marginalzu-</orig><orig>sätze</orig></w> mit <hi style="font-style:smallCaps;">Kurmainz</hi> K und <hi style="font-style:smallCaps;">Kurbayern</hi> K gleich. Teilweise geht <hi style="font-style:smallCaps;">Kurbayern</hi> K allerdings – vor allem für die außermainzischen Voten – auf ein stichwortartiges kurbayerisches Rapular und damit auf eine autogene Vorstufe zurück<note type="edd" subtype="commAnnot" place="foot" facs="APWIIIA1-1_p0098n6" xml:id="bsb00057634_00098_n06"><lb facs="-" xml:id="bsb00057634_00098_006"/><p style="font-style:italic;"><hi style="font-style:normal;">Nr. 44 S. 299–301 (im kurbayerischen Votum), Nr. <ref type="document" subtype="intern" facs="#APWIIIA1-1_0045" target="#bsb00057634_00427_dok0045">45</ref>, Nr. <ref type="document" subtype="intern" facs="#APWIIIA1-1_0046" target="#bsb00057634_00442_dok0046">46 (1645 IX 21)</ref>, teilweise Nr. <ref type="document" subtype="intern" facs="#APWIIIA1-1_0049" target="#bsb00057634_00457_dok0049">49</ref>, Nr. <ref type="document" subtype="intern" facs="#APWIIIA1-1_0051" target="#bsb00057634_00472_dok0051">51 S. 348ff.</ref> außerhalb der kurbayerischen Voten.</hi></p></note>; es divergiert dann textlich von <hi style="font-style:smallCaps;">Kurmainz</hi> K. Wenn außerhalb des kurbayerischen Votums <hi style="font-style:smallCaps;"><w lemma="Kurbayern"><orig>Kur-</orig><orig>bayern</orig></w></hi> Rp, <hi style="font-style:smallCaps;">Kurbayern</hi> K und <hi style="font-style:smallCaps;">Kurmainz</hi> K gleichlautend sind, ist <hi style="font-style:smallCaps;">Kurbayern</hi> K keine interne Weiterentwicklung eines eigenständigen Rapulars und <hi style="font-style:smallCaps;">Kurbayern</hi> Rp selbst nicht originell. Abschreibfehler und Verschlimmbesserungen in <hi style="font-style:smallCaps;">Kurbayern</hi> K gegenüber <hi style="font-style:smallCaps;">Kurbayern</hi> Rp und damit auch <hi style="font-style:smallCaps;">Kurmainz</hi> K weisen als Vorlage von <hi style="font-style:smallCaps;">Kurbayern</hi> Rp ein meist noch unverbessertes kurmainzisches Konzept aus<note type="edd" subtype="commAnnot" place="foot" facs="APWIIIA1-1_p0098n7" xml:id="bsb00057634_00098_n07"><lb facs="-" xml:id="bsb00057634_00098_007"/><p style="font-style:italic;"><hi style="font-style:normal;">Nr. <ref type="page" subtype="intern" facs="#APWIIIA1-1_p0415" target="#bsb00057634_00415">44 S. 291–294</ref> (kurkölnisches Votum), Nr. <ref type="page" subtype="intern" facs="#APWIIIA1-1_p0494" target="#bsb00057634_00494">54 (1645 X 21) S. 370</ref> und öfter.</hi></p></note>. Das Konzept von <hi style="font-style:smallCaps;">Kurbayern</hi> kann aber auch direkt aus <hi style="font-style:smallCaps;">Kurmainz</hi> entlehnt worden sein; dann existiert ein eigenes kurbayerisches Rapular, das die Konzeptstufe nicht erreicht hat, neben dem – nicht autogenen – Text von <hi style="font-style:smallCaps;">Kurbayern</hi> K<note type="edd" subtype="commAnnot" place="foot" facs="APWIIIA1-1_p0098n8" xml:id="bsb00057634_00098_n08"><lb facs="-" xml:id="bsb00057634_00098_008"/><p style="font-style:italic;"><hi style="font-style:normal;">Nr. <ref type="page" subtype="intern" facs="#APWIIIA1-1_p0378" target="#bsb00057634_00378">40 S. 254</ref>, Nr. <ref type="document" subtype="intern" facs="#APWIIIA1-1_0046" target="#bsb00057634_00442_dok0046">46</ref> (Conclusum).</hi></p></note><hi style="font-style:normal;">.</hi> Hat der Text von <hi style="font-style:smallCaps;">Kurmainz</hi> bereits in <hi style="font-style:smallCaps;">Kurbayern</hi> Rp Eingang gefunden, so zeigt sich eine gewisse Eigenständigkeit des kurbayerischen Konzipisten doch in den teilweise rigorosen Kürzungen, die er an dem entlehnten Text von <hi style="font-style:smallCaps;">Kurbayern</hi> Rp vornahm<note type="edd" subtype="commAnnot" place="foot" facs="APWIIIA1-1_p0098n9" xml:id="bsb00057634_00098_n09"><lb facs="-" xml:id="bsb00057634_00098_009"/><p style="font-style:italic;"><hi style="font-style:normal;">So Nr. <ref type="page" subtype="intern" facs="#APWIIIA1-1_p0443" target="#bsb00057634_00443">46 S. 319f.</ref> (kurmainzische Proposition), auch teilweise Nr. <ref type="document" subtype="intern" facs="#APWIIIA1-1_0044" target="#bsb00057634_00412_dok0044">44</ref>. Genauso wurde mit eigenständigen kurbayerischen Rapularen verfahren. Vgl. Nr. <ref type="page" subtype="intern" facs="#APWIIIA1-1_p0634" target="#bsb00057634_00634">73 (1646 III 3) S. 510</ref>, <ref type="page" subtype="intern" facs="#APWIIIA1-1_p0638" target="#bsb00057634_00638">514</ref>.</hi></p></note>. Zur Vorlage von <hi style="font-style:smallCaps;">Kurbayern</hi> Rp bzw. K ist zu sagen, daß das kurmainzische <pb n="XCIX" facs="APWIIIA1-1_p0099" sameAs="#bsb00057634_00099"/>Rapular im Juli und dann vom September bis Dezember 1645 von Kurbayern kaum ausgeschrieben worden sein dürfte: Es ist in diesen Monaten von Beck nur <w lemma="stenogrammartig"><orig>steno-</orig><orig>grammartig</orig></w> geführt worden und enthielt gerade nicht die Proposition und das <w lemma="kurmainzische"><orig>kur-</orig><orig>mainzische</orig></w> Schlußvotum, auf die es den bayerischen Sekretären besonders ankam: Möglicherweise hat der kurmainzische Gesandte J. Adam Krebs seine meist <w lemma="sorgfältigen"><orig>sorg-</orig><orig>fältigen</orig></w> Protokollnotizen der politisch nahestehenden kurbayerischen Gesandtschaft zugänglich gemacht. Wo die kurbayerischen Voten in <hi style="font-style:smallCaps;">Kurmainz</hi> K mit dem – nicht verbesserten – Urtext von <hi style="font-style:smallCaps;">Kurbayern</hi> Rp und mit <hi style="font-style:smallCaps;">Kurbayern</hi> K <w lemma="übereinstimmen"><orig>über-</orig><orig>einstimmen</orig></w>, dort sind aller Wahrscheinlichkeit nach Übernahmen aus dem <w lemma="kurbayerischen"><orig>kur-</orig><orig>bayerischen</orig></w> Rapular ins kurmainzische Konzept erfolgt<note type="edd" subtype="commAnnot" place="foot" facs="APWIIIA1-1_p0099n1" xml:id="bsb00057634_00099_n01"><lb facs="-" xml:id="bsb00057634_00099_001"/><p style="font-style:italic;"><hi style="font-style:normal;">Nrr. <ref type="page" subtype="intern" facs="#APWIIIA1-1_p0365" target="#bsb00057634_00365">39 S. 241–244</ref>, <ref type="page" subtype="intern" facs="#APWIIIA1-1_p0378" target="#bsb00057634_00378">40 S. 254</ref>, <ref type="page" subtype="intern" facs="#APWIIIA1-1_p0380" target="#bsb00057634_00380">256</ref>, <ref type="page" subtype="intern" facs="#APWIIIA1-1_p0382" target="#bsb00057634_00382">258</ref>, <ref type="page" subtype="intern" facs="#APWIIIA1-1_p0405" target="#bsb00057634_00405">43 S. 281f.</ref>, <ref type="page" subtype="intern" facs="#APWIIIA1-1_p0424" target="#bsb00057634_00424">44 S. 300f.</ref>, <ref type="page" subtype="intern" facs="#APWIIIA1-1_p0437" target="#bsb00057634_00437">45 S. 313–315</ref>, <ref type="page" subtype="intern" facs="#APWIIIA1-1_p0467" target="#bsb00057634_00467">49 S. 343</ref>, <ref type="page" subtype="intern" facs="#APWIIIA1-1_p0474" target="#bsb00057634_00474">51 S. 350f.</ref>, <ref type="page" subtype="intern" facs="#APWIIIA1-1_p0483" target="#bsb00057634_00483">52 S. 359f.</ref></hi></p></note>. Dabei kann <hi style="font-style:smallCaps;">Kurbayern</hi> Rp jeweils bereits ein schriftliches Votum zugrunde gelegen haben, das von den <w lemma="kurbayerischen"><orig>kur-</orig><orig>bayerischen</orig></w> Gesandten in Münster, Haslang und J. Adolf Krebs, zum Gebrauch in der Sitzung vorformuliert worden war. Möglicherweise hat Kurbayern seine Position als ordentlicher Deputierter des Kurkollegs (anstelle von Kurpfalz) dadurch festigen wollen, daß es sein Protokoll mit dem Reichsprotokoll abstimmte; die Re- und <w lemma="Correlationen"><orig>Corre-</orig><orig>lationen</orig></w> hat Kurbayern jedenfalls, nach den erhaltenen Rapularen zu schließen, <w lemma="original"><orig>ori-</orig><orig>ginal</orig></w> mitgeschrieben<note type="edd" subtype="commAnnot" place="foot" facs="APWIIIA1-1_p0099n2" xml:id="bsb00057634_00099_n02"><lb facs="-" xml:id="bsb00057634_00099_002"/><p style="font-style:italic;"><hi style="font-style:normal;">Siehe Nrr. <ref type="page" subtype="intern" facs="#APWIIIA1-1_p0374" target="#bsb00057634_00374">41 S. 260f.</ref>, <ref type="page" subtype="intern" facs="#APWIIIA1-1_p0445" target="#bsb00057634_00445">46 S. 321</ref>, <ref type="page" subtype="intern" facs="#APWIIIA1-1_p0489" target="#bsb00057634_00489">52 S. 365</ref>, <ref type="document" subtype="intern" facs="#APWIIIA1-1_0098" target="#bsb00057634_00789_dok0098">98 (1646 IX 2) S. 665</ref>, <ref type="page" subtype="intern" facs="#APWIIIA1-1_p0945" target="#bsb00057634_00945">123 (1647 VII 10) S. 821</ref>. Vielleicht wirkte hier auch die Tradition der Ligatage nach, auf denen nur Kurmainz und Kurbayern aus Gründen der Geheimhaltung Protokolle führen sollten</hi> (<hi style="font-style:smallCaps;">Neuer</hi><hi style="font-style:normal;">-</hi><hi style="font-style:smallCaps;">Landfried</hi> <hi style="font-style:normal;">S. 206</hi>). <hi style="font-style:normal;">Auf dem Mühlbausener Kurfürstentag unterschieden sich die kurmainzischen und <w lemma="kurbayerischen"><orig>kur-</orig><orig>bayerischen</orig></w> Kurfürstenratsprotokolle noch sehr voneinander</hi> (<hi style="font-style:smallCaps;">Henk</hi> <hi style="font-style:normal;">S. 12, 57, 66, 103</hi>).</p></note>.</p>
	    <p style="font-style:italic;">Durchweg sind die eigenen Voten in der eigenen Überlieferung nach ihrem partiellen Austausch noch einmal überarbeitet, d. h. verbessert, zusammengestrichen oder mit kleineren oder größeren Zusätzen versehen worden<note type="edd" subtype="commAnnot" place="foot" facs="APWIIIA1-1_p0099n3" xml:id="bsb00057634_00099_n03"><lb facs="-" xml:id="bsb00057634_00099_003"/><p style="font-style:italic;"><hi style="font-style:normal;">Nrr. <ref type="page" subtype="intern" facs="#APWIIIA1-1_p0304" target="#bsb00057634_00304">27 S. 180ff.</ref>, <ref type="page" subtype="intern" facs="#APWIIIA1-1_p0311" target="#bsb00057634_00311">28 S. 187</ref>, <ref type="page" subtype="intern" facs="#APWIIIA1-1_p0363" target="#bsb00057634_00363">39 S. 239–241</ref>, <ref type="page" subtype="intern" facs="#APWIIIA1-1_p0368" target="#bsb00057634_00368">244</ref>, Nr. <ref type="page" subtype="intern" facs="#APWIIIA1-1_p0399" target="#bsb00057634_00399">43 S. 275</ref>, <ref type="page" subtype="intern" facs="#APWIIIA1-1_p0441" target="#bsb00057634_00441">45 S. 317</ref>.</hi></p></note>. So sind Interlinear- und <w lemma="Marginalkorrekturen"><orig>Marginal-</orig><orig>korrekturen</orig></w>, die zum kurmainzischen Votum in <hi style="font-style:smallCaps;">Kurmainz</hi> K gemacht worden und bei der zweiten Konzipierung in <hi style="font-style:smallCaps;">Kurmainz</hi> Rk eingeflossen sind, in <hi style="font-style:smallCaps;">Kurbayern</hi> K nicht mehr enthalten, genau wie kurbayerische Verbesserungen in <hi style="font-style:smallCaps;">Kurbayern</hi> K nicht mehr in <hi style="font-style:smallCaps;">Kurmainz</hi> Rk; häufiger als in den anderen Überlieferungen ist das kurbayerische Votum in <hi style="font-style:smallCaps;">Kurbayern</hi> K von der Hand des Gesandten J. Adolf Krebs nachgetragen worden. Der Kurstand, der Partner einer wechselseitigen <w lemma="Abstimmung"><orig>Ab-</orig><orig>stimmung</orig></w> der Protokolle war, konnte das fremde Votum zunächst nur in einer <w lemma="vorläufigen"><orig>vor-</orig><orig>läufigen</orig></w> Fassung seinem Protokoll einverleiben. Der Austausch des Originalvotums, und zwar in der Reinschrift der das Votum produzierenden Kanzlei, blieb der <w lemma="Ausnahmefall"><orig>Aus-</orig><orig>nahmefall</orig></w> für wichtige Anlässe: Das fremde Votum wurde dann dem eigenen <w lemma="Protokoll"><orig>Proto-</orig><orig>koll</orig></w>-Konzept förmlich beigelegt statt – wie sonst – in seinen wesentlichen Teilen exzerpiert. Nur Kurmainz achtete streng darauf, daß die eigene Kanzlei von dem beizulegenden Votum Abschrift nahm und es dabei zumindest in indirekte Rede transponierte<note type="edd" subtype="commAnnot" place="foot" facs="APWIIIA1-1_p0099n4" xml:id="bsb00057634_00099_n04"><lb facs="-" xml:id="bsb00057634_00099_004"/><p style="font-style:italic;"><hi style="font-style:normal;">Nr. <ref type="page" subtype="intern" facs="#APWIIIA1-1_p0595" target="#bsb00057634_00595">68 (1646 II 14) S. 471</ref>.</hi></p></note>; die Beiheftung einer Reinschrift fremder Provenienz zum <w lemma="Reichsprotokoll"><orig>Reichs-</orig><orig>protokoll</orig></w> war offenbar verpönt.</p>
	    <p style="font-style:italic;"><pb n="C" facs="APWIIIA1-1_p0100" sameAs="#bsb00057634_00100"/>Die enge Zusammenarbeit der kurmainzischen Protokollisten mit ihren <w lemma="kurbayerischen"><orig>kurbaye-</orig><orig>rischen</orig></w> Kollegen lockerte sich nach der Ankunft Raigerspergers am 10. Dezember 1645. Das kurmainzische Protokoll wirkt seither straffer und konzentrierter, <hi style="font-style:smallCaps;"><w lemma="Kurbayern"><orig>Kur-</orig><orig>bayern</orig></w></hi> K rekurriert wieder stärker auf eine originale kurbayerische Mitschrift.</p>
	    <p style="font-style:italic;">Während es <hi style="font-style:smallCaps;">Kurtrier</hi>, vor allem in den ersten Protokollen, gelang, bei aller <w lemma="Knappheit"><orig>Knapp-</orig><orig>heit</orig></w> der Diktion den vollen sachlichen Gehalt des Gesagten zum Ausdruck zu bringen, ergaben sich bei <hi style="font-style:smallCaps;">Kurmainz</hi> mit zunehmender Knappheit auch inhaltliche Abstriche. Fragen des Zeremoniells wurden nun kürzer behandelt, Diskussionen, die kurmainzische Direktorialrechte tangierten, sogar mit souveräner Kürze <w lemma="wiedergegeben"><orig>wiederge-</orig><orig>geben</orig></w> – so z. B. die Erörterung der Frage, ob das kurbrandenburgische Votum dem kurfürstlichen Gutachten über die erste Klasse der schwedischen Replik nur <w lemma="beigelegt"><orig>beige-</orig><orig>legt</orig></w> oder inseriert, d. h. eingearbeitet werden sollte<note type="edd" subtype="commAnnot" place="foot" facs="APWIIIA1-1_p0100n1" xml:id="bsb00057634_00100_n01"><lb facs="-" xml:id="bsb00057634_00100_001"/><p style="font-style:italic;"><hi style="font-style:normal;">Siehe Nr. <ref type="page" subtype="intern" facs="#APWIIIA1-1_p0679" target="#bsb00057634_00679">78 (1646 III 28) S. 555ff.</ref> (vgl.</hi> <hi style="font-style:smallCaps;">DLöben</hi> <hi style="font-style:normal;">II fol. 134); Nr. <ref type="page" subtype="intern" facs="#APWIIIA1-1_p0745" target="#bsb00057634_00745">91 (1646 VI 7) S. 621</ref>: Prokaiserliche Änderung des Protokolls durch Raigersperger, der im kurmainzischen Votum angesichts der kurbrandenburgischen Bitte um die Unterstützung der Reichsstände gegen die <w lemma="schwedischen"><orig>schwe-</orig><orig>dischen</orig></w> Satisfaktionsansprüche auf Kurbrandenburgs früheren Rat verweist, die Satisfaktion der </hi><hi style="font-style:normal;">Franzosen sogleich zu behandeln. Nr. 220 (1647 VI 17) berichtet Kurmainz recht verhalten darüber, aus welchen Voten die vom Direktorium zu konzipierenden Schreiben an das <w lemma="Reichskammergericht"><orig>Reichs-</orig><orig>kammergericht</orig></w> zusammenzustellen seien.</hi></p></note>. Bereits die dokumentierte Existenz solcher Erörterungen konnte das alleinige Auskunftsrecht des <w lemma="kurmainzischen"><orig>kurmain-</orig><orig>zischen</orig></w> Direktoriums bei späteren Streitfällen einengen. Hinter dem <w lemma="kanzleitechnischen"><orig>kanzleitech-</orig><orig>nischen</orig></w> Vorgang der Straffung des kurmainzischen Protokolls stand zweifellos eine politische Begründung: Die Weitschweifigkeit wich unter Raigerspergers Regie<note type="edd" subtype="commAnnot" place="foot" facs="APWIIIA1-1_p0100n2" xml:id="bsb00057634_00100_n02"><lb facs="-" xml:id="bsb00057634_00100_002"/><p><hi style="font-style:italic;">Vgl.</hi> <hi style="font-style:smallCaps;">Kurmainz</hi> <hi style="font-style:italic;">Rk in Nr. <ref type="page" subtype="intern" facs="#APWIIIA1-1_p0520" target="#bsb00057634_00520">59 (1645 XII 23) S. 396–403</ref> mit</hi> <hi style="font-style:smallCaps;">Kurmainz</hi> <hi style="font-style:italic;">Rk der <w lemma="vorhergehenden"><orig>vorher-</orig><orig>gehenden</orig></w> Sitzungen.</hi></p></note> der Konzentration, die Offenlegung des eigenen Protokollkonzepts dem Ausschluß anderer Kollegglieder von authentischen Reichsprotokoll.</p>
	    <p style="font-style:italic;">Kurmainz redigierte sein Protokoll aber auch fortan keineswegs isoliert. Es hat Konzepte seiner Proposition weiterhin den Protokollanten anderer Kurstände: <w lemma="Kursachsen"><orig>Kur-</orig><orig>sachsen</orig></w>, Kurbrandenburg, Kurtrier, Kurbayern zugänglich gemacht, es hat sich jedoch die abschließende Überarbeitung des ausgetauschten Propositionskonzepts nicht nehmen lassen und sogar durch den Entwurf mehrerer Propositionen; die inhaltlich voneinander abwichen, sich Handlungsspielraum verschafft<note type="edd" subtype="commAnnot" place="foot" facs="APWIIIA1-1_p0100n3" xml:id="bsb00057634_00100_n03"><lb facs="-" xml:id="bsb00057634_00100_003"/><p style="font-style:italic;"><hi style="font-style:normal;">Nrr. <ref type="page" subtype="intern" facs="#APWIIIA1-1_p0802" target="#bsb00057634_00802">102 (1646 XI 8) S. 678</ref>, <ref type="page" subtype="intern" facs="#APWIIIA1-1_p0894" target="#bsb00057634_00894">116 (1647 IV 29) S. 768</ref>: Für diese Sitzung ist neben</hi> <hi style="font-style:smallCaps;"><w lemma="Kurmainz"><orig>Kur-</orig><orig>mainz</orig></w></hi> <hi style="font-style:normal;">Rk eine Proposition zusätzlich überliefert, die inhaltlich nicht mit der Proposition in</hi> <hi style="font-style:smallCaps;">Kurmainz</hi> <hi style="font-style:normal;">Rk, sondern mit den ausführlicheren</hi> <hi style="font-style:smallCaps;">Kurtrier</hi> <hi style="font-style:normal;">zA, spA und</hi> <hi style="font-style:smallCaps;">Kurbrandenburg</hi> <hi style="font-style:normal;">Rk II übereinstimmt. Für Nr. <ref type="document" subtype="intern" facs="#APWIIIA1-1_0094" target="#bsb00057634_00759_dok0094">94 (1646 VIII 23, S. 635)</ref> sind drei Propositionen vorhanden: eine kurze Zusammenfassung der Proposition in einer nur Proposition und Conclusum enthaltenden Reinschrift, ein von Raigersperger überarbeitetes Konzept und eine Reinschrift, die in <w lemma="Einzelheiten"><orig>Einzel-</orig><orig>heiten</orig></w> sowohl vom Urtext wie vom Endtext des Konzepts abweicht und die Tendenz der <w lemma="Proposition"><orig>Propo-</orig><orig>sition</orig></w>, Bejahung der Übergabe Philippsburgs an Frankreich, etwas mildert. Vgl. auch J. Adam Krebs’ Propositionskonzepte für 1645 VII 10, 11, VIII 31, IX 2. Hier ist erst durch <w lemma="Wortvergleich"><orig>Wort-</orig><orig>vergleich</orig></w> mit den übrigen Überlieferungen feststellbar, ob die ursprünglichen oder die von Kurmainz abgeänderten Passagen zum Vortrag gekommen sind. Durch Übernahme des von Kurmainz zum Austausch zugelassenen Propositionskonzepts wurden aber auch die anderen Provenienzen ungenau, so daß die häufig zu beobachtende Übereinstimmung zwischen dem ersten Text von</hi> <hi style="font-style:smallCaps;">Kurmainz</hi> <hi style="font-style:normal;">K und anderen Provenienzen gerade an der wirklichen Fassung des kurmainzischen <w lemma="Eröffnungsvortrages"><orig>Eröffnungsvor-</orig><orig>trages</orig></w> vorbeigehen kann. Siehe auch Nrr. <ref type="page" subtype="intern" facs="#APWIIIA1-1_p0551" target="#bsb00057634_00551">64 (1646 I 29) S. 427f.</ref>, <ref type="page" subtype="intern" facs="#APWIIIA1-1_p0649" target="#bsb00057634_00649">75 (1646 III 13) S. 525</ref>.</hi></p></note>. Im Gegenzug benutzte <pb n="CI" facs="APWIIIA1-1_p0101" sameAs="#bsb00057634_00101"/>Kurmainz die Originalvoten der anderen Überlieferungen: das trierische Votum aus Kurtrier, das bayerische aus Kurbayern, das sächsische aus Kursachsen, das <w lemma="brandenburgische"><orig>branden-</orig><orig>burgische</orig></w> aus Kurbrandenburg, seltener das kölnische aus Kurköln. Dieses Verfahren, das allerdings nur für einzelne Sitzungen direkt nachweisbar ist, mochte Kurmainz grundsätzlich damit rechtfertigen, daß es das Reichsprotokoll auf einen <w lemma="angemessenen"><orig>angemes-</orig><orig>senen</orig></w> Stand bringen müsse<note type="edd" subtype="commAnnot" place="foot" facs="APWIIIA1-1_p0101n1" xml:id="bsb00057634_00101_n01"><lb facs="-" xml:id="bsb00057634_00101_001"/><p><hi style="font-style:italic;">Nr. <ref type="document" subtype="intern" facs="#APWIIIA1-1_0113" target="#bsb00057634_00874_dok0113">113 S. 750</ref>: Das kurbrandenburgische Votum soll Kurmainz</hi> pro extractu faciendo <hi style="font-style:italic;">zugeschickt werden.</hi></p></note>. Kurmainz konnte sein Protokoll mit den Voten, die aus fremden Provenienzen extrahiert waren, wiederum zur Benutzung weitergeben, so daß Dritte von dem ihnen sonst nicht zugänglichen schriftlichen Votum einer <w lemma="Fremdprovenienz"><orig>Fremd-</orig><orig>provenienz</orig></w> ergänzend Nachricht erhielten: So stimmt <hi style="font-style:smallCaps;">Kurköln</hi> mit <hi style="font-style:smallCaps;">Kurmainz</hi> nicht nur im kurkölnischen, sondern auch im kurbrandenburgischen Votum, das in <hi style="font-style:smallCaps;">Kurmainz</hi> allerdings etwas ausführlicher ist, formulierungsmäßig überein<note type="edd" subtype="commAnnot" place="foot" facs="APWIIIA1-1_p0101n2" xml:id="bsb00057634_00101_n02"><lb facs="-" xml:id="bsb00057634_00101_002"/><p style="font-style:italic;"><hi style="font-style:normal;">Vgl. Nr. <ref type="page" subtype="intern" facs="#APWIIIA1-1_p0459" target="#bsb00057634_00459">49 S. 335</ref> und Nr. <ref type="page" subtype="intern" facs="#APWIIIA1-1_p0539" target="#bsb00057634_00539">61 (1646 I 11) S. 415</ref>, Nr. <ref type="page" subtype="intern" facs="#APWIIIA1-1_p0580" target="#bsb00057634_00580">66 (1646 II 10) S. 456f.</ref></hi></p></note>, <w lemma="mehrmals"><orig>mehr-</orig><orig>mals</orig></w> <hi style="font-style:smallCaps;">Kurmainz</hi> mit <hi style="font-style:smallCaps;">Kurbayern</hi> im kurkölnischen und kurtrierischen Votum<note type="edd" subtype="commAnnot" place="foot" facs="APWIIIA1-1_p0101n3" xml:id="bsb00057634_00101_n03"><lb facs="-" xml:id="bsb00057634_00101_003"/><p style="font-style:italic;"><hi style="font-style:normal;">Und zwar auch nach der Ankunft Raigerspergers (dessen Anwesenheit in der Sitzung von 1645 XII 23 erstmals vermerkt ist): Nrr. <ref type="page" subtype="intern" facs="#APWIIIA1-1_p0577" target="#bsb00057634_00577">66 S. 453f.</ref>, <ref type="page" subtype="intern" facs="#APWIIIA1-1_p0672" target="#bsb00057634_00672">77 (1646 III 21) S. 548</ref>, <ref type="page" subtype="intern" facs="#APWIIIA1-1_p0685" target="#bsb00057634_00685">79 (1646 IV 10) S. 561f.</ref>, siehe unten S. <ref type="line" subtype="intern" facs="#APWIIIA1-1_p0107n2" target="#bsb00057634_00107_002">CVII Anm. 2</ref>.</hi></p></note>, <hi style="font-style:smallCaps;">Kurmainz</hi> mit <hi style="font-style:smallCaps;">Kurtrier</hi><note type="edd" subtype="commAnnot" place="foot" facs="APWIIIA1-1_p0101n4" xml:id="bsb00057634_00101_n04"><lb facs="-" xml:id="bsb00057634_00101_004"/><p style="font-style:italic;"><hi style="font-style:normal;">Nrr. <ref type="page" subtype="intern" facs="#APWIIIA1-1_p0692" target="#bsb00057634_00692">81 S. 568f.</ref> (1646 IV 24: kurtrierisches Votum), <ref type="page" subtype="intern" facs="#APWIIIA1-1_p0672" target="#bsb00057634_00672">77 S. 548</ref> (kurkölnisches Votum).</hi></p></note> und mit <hi style="font-style:smallCaps;">Kurbrandenburg</hi> im kurkölnischen Votum<note type="edd" subtype="commAnnot" place="foot" facs="APWIIIA1-1_p0101n5" xml:id="bsb00057634_00101_n05"><lb facs="-" xml:id="bsb00057634_00101_005"/><p style="font-style:italic;"><hi style="font-style:normal;">Nr. <ref type="page" subtype="intern" facs="#APWIIIA1-1_p0287" target="#bsb00057634_00287">26 S. 163</ref>.</hi></p></note>. Hier sind allerdings auch wieder die Fälle möglich, daß ein eigenständiges kurmainzisches Konzept dem anderen gleichlautenden Protokoll zugrunde liegt oder die zwei parallelen Überlieferungen in den in beiden gleichlautenden Fremdvoten direkt auf die Provenienz zurückgehen, die das Votum produziert hat. So haben Kurbayern und Kurmainz von Februar bis April 1646 mehrfach das kurtrierische Votum, das ihnen von Kurtrier zugestellt wurde, ganz übernommen, wie Kurbayern sogar beigelegt oder doch stark ausgeschrieben<note type="edd" subtype="commAnnot" place="foot" facs="APWIIIA1-1_p0101n6" xml:id="bsb00057634_00101_n06"><lb facs="-" xml:id="bsb00057634_00101_006"/><p style="font-style:italic;"><hi style="font-style:normal;">Erklärlich aus der Bedeutsamkeit des ersten, kurtrierischen <w lemma="Votums"><orig>Vo-</orig><orig>tums</orig></w>: Nrr. <ref type="page" subtype="intern" facs="#APWIIIA1-1_p0595" target="#bsb00057634_00595">68 (1646 II 14) S. 471f.</ref>, <ref type="page" subtype="intern" facs="#APWIIIA1-1_p0617" target="#bsb00057634_00617">71 (1646 II 26) S. 493–497</ref>, <ref type="page" subtype="intern" facs="#APWIIIA1-1_p0692" target="#bsb00057634_00692">81 S. 568f.</ref>, wichtig auch das einzige evangelische Votum zur Amnestiefrage (Kurbrandenburg 1646 II 12) Nr. 67 S. 462–466.</hi></p></note>: Von hier erklären sich dann die weiterdauernden textlichen Gemeinsamkeiten zwischen <hi style="font-style:smallCaps;">Kurmainz</hi> Rk und <hi style="font-style:smallCaps;"><w lemma="Kurbayern"><orig>Kur-</orig><orig>bayern</orig></w></hi> K. Während sich Kurköln in Sachen der Protokollführung weitgehend distanziert verhielt, gleichwohl aber seine eigenen Protokoll-Reinschriften an den bayerischen Kurfürsten verschickte und auch Kurtrier zur Abschrift überließ<note type="edd" subtype="commAnnot" place="foot" facs="APWIIIA1-1_p0101n7" xml:id="bsb00057634_00101_n07"><lb facs="-" xml:id="bsb00057634_00101_007"/><p style="font-style:italic;"><hi style="font-style:normal;">So die Sitzungsprotokolle der Lengericher Konferenz (Nrr. <ref type="document" subtype="intern" facs="#APWIIIA1-1_0026" target="#bsb00057634_00283_dok0026">26</ref>–<ref type="document" subtype="intern" facs="#APWIIIA1-1_0028" target="#bsb00057634_00310_dok0028">28</ref>). Für 1647 III 27 (<ref type="document" subtype="intern" facs="#APWIIIA1-1_0113" target="#bsb00057634_00874_dok0113">Nr. 113</ref>) hat Kurköln das kurmainzische Votum, Conclusum samt Re- und Correlation offenbar von</hi> <hi style="font-style:smallCaps;">Kurtrier</hi> <hi style="font-style:normal;">kopiert; 1647 III 28 (Nr. <ref type="document" subtype="intern" facs="#APWIIIA1-1_0114" target="#bsb00057634_00878_dok0114">114</ref>) lautet</hi> <hi style="font-style:smallCaps;">Kurköln</hi> <hi style="font-style:normal;">mit</hi> <hi style="font-style:smallCaps;">Kurtrier</hi><hi style="font-style:normal;">/</hi><hi style="font-style:smallCaps;"><w lemma="Kurbrandenburg"><orig>Kurbranden-</orig><orig>burg</orig></w></hi> <hi style="font-style:normal;">gleich. 1647 VII 10 (Nr. <ref type="document" subtype="intern" facs="#APWIIIA1-1_0123" target="#bsb00057634_00940_dok0123">123</ref>) ist das kurkölnische Votum – offenbar wegen Behandlung der für Kurköln wichtigen hessischen Satisfaktion – an die anderen Überlieferungen gegangen.</hi></p></note>, pflegten die übrigen katholischen Kurstände bis zu dem bezeichneten Grad den gegenseitigen Austausch ihrer Voten und Protokollkonzepte.</p>
	    <p style="font-style:italic;">Die weiteren Abhängigkeiten, die bis September 1647 sichtbar werden, hielten sich nicht in konfessionellen Grenzen. Die gemeinsame Redaktion des kurtrierischen und <pb n="CII" facs="APWIIIA1-1_p0102" sameAs="#bsb00057634_00102"/>kurbrandenburgischen Protokolls war möglicherweise von der extravaganten Weisung des Trierer Kurfürsten eingegeben, enge Verbindung zum protestantischen Kurbrandenburg zu halten<note type="edd" subtype="commAnnot" place="foot" facs="APWIIIA1-1_p0102n1" xml:id="bsb00057634_00102_n01"><lb facs="-" xml:id="bsb00057634_00102_001"/><p style="font-style:italic;"><hi style="font-style:normal;">Siehe oben S. <ref type="line" subtype="intern" facs="#APWIIIA1-1_p0085n4" target="#bsb00057634_00085_004">LXXXV Anm. 4</ref>.</hi></p></note>. Die Redaktionsgemeinschaft ist nur für die Sitzungen des Jahres 1647 exakt festzustellen, weil <hi style="font-style:smallCaps;">Kurbrandenburg</hi> Rk (II) erst am 21. Januar 1647 wieder einsetzt; sie hat aber vielleicht schon für die Sitzung vom 28. August 1646 bestanden, wo <hi style="font-style:smallCaps;">Kurtrier</hi> (zA) keinen autochthonen Eindruck mehr macht<note type="edd" subtype="commAnnot" place="foot" facs="APWIIIA1-1_p0102n2" xml:id="bsb00057634_00102_n02"><lb facs="-" xml:id="bsb00057634_00102_002"/><p><hi style="font-style:italic;">Zweite Beratung der</hi> iura imperii <hi style="font-style:italic;">Nr. <ref type="document" subtype="intern" facs="#APWIIIA1-1_0095" target="#bsb00057634_00767_dok0095">95 S. 643 ff.</ref>, vgl. <ref type="document" subtype="intern" facs="#APWIIIA1-1_0117" target="#bsb00057634_00896_dok0117">Nr. 117 (1647 V 6) S. 772ff.</ref></hi></p></note>: Statt gewohnter konzentrierter Kürze herrschen hier lange Satzgefüge und <w lemma="Partizipialkonstruktionen"><orig>Parti-</orig><orig>zipialkonstruktionen</orig></w>, die für <hi style="font-style:smallCaps;">Kurbrandenburg</hi> Rk typisch sind; <hi style="font-style:smallCaps;">Kurtrier</hi> hat auch keine Anklänge an den Text der anderen bekannten Provenienzen. In acht Sitzungen sind <hi style="font-style:smallCaps;">Kurbrandenburg</hi> Rk II und <hi style="font-style:smallCaps;">Kurtrier</hi> zA (1647 I 21 – 1647 V 22) über die gesamte Sitzungsdauer hinweg gleichlautend<note type="edd" subtype="commAnnot" place="foot" facs="APWIIIA1-1_p0102n3" xml:id="bsb00057634_00102_n03"><lb facs="-" xml:id="bsb00057634_00102_003"/><p style="font-style:italic;"><hi style="font-style:normal;">Nrr. <ref type="document" subtype="intern" facs="#APWIIIA1-1_0107" target="#bsb00057634_00825_dok0107">107</ref>, <ref type="document" subtype="intern" facs="#APWIIIA1-1_0109" target="#bsb00057634_00840_dok0109">109</ref>, <ref type="document" subtype="intern" facs="#APWIIIA1-1_0111" target="#bsb00057634_00852_dok0111">111</ref>, <ref type="document" subtype="intern" facs="#APWIIIA1-1_0114" target="#bsb00057634_00878_dok0114">114</ref>, <ref type="document" subtype="intern" facs="#APWIIIA1-1_0115" target="#bsb00057634_00887_dok0115">115</ref>, <ref type="document" subtype="intern" facs="#APWIIIA1-1_0116" target="#bsb00057634_00892_dok0116">116</ref>, <ref type="document" subtype="intern" facs="#APWIIIA1-1_0117" target="#bsb00057634_00896_dok0117">117</ref>, <ref type="document" subtype="intern" facs="#APWIIIA1-1_0118" target="#bsb00057634_00914_dok0118">118</ref>, Votenaustausch (bzw. gleiche Re- und <w lemma="Correlation"><orig>Corre-</orig><orig>lation</orig></w>) Nrr. <ref type="document" subtype="intern" facs="#APWIIIA1-1_0108" target="#bsb00057634_00835_dok0108">108</ref>, <ref type="document" subtype="intern" facs="#APWIIIA1-1_0112" target="#bsb00057634_00856_dok0112">112</ref>.</hi></p></note>. Dabei hat, wie aus Abschreibfehlern eindeutig hervorgeht, <hi style="font-style:smallCaps;">Kurtrier</hi> das kurbrandenburgische, <hi style="font-style:smallCaps;"><w lemma="Kurbrandenburg"><orig>Kur-</orig><orig>brandenburg</orig></w></hi> das kurtrierische Votum übernommen, und die Protokollisten beider Gesandtschaften haben natürlich jeweils ihr eigenes Votum im Protokoll beibehalten. Wegen des Fehlens kurtrierischer und kurbrandenburgischer Rapulare und Konzepte ist nicht mehr sicher auszumachen, welches der beiden Protokolle für die Fremdvoten, die nicht der Gegenprovenienz entnommen wurden, jeweils die Vorlage stellte. Nach Stil und Abschreibfehlern kann für etliche Sitzungen Kurbrandenburg, für andere Kurtrier primär gewesen sein. Die Protokollisten dieser beiden Provenienzen haben ihr jeweils eigenes Votum nicht nur gegenseitig ausgetauscht, sondern auch zeitweise Kurköln, Kurmainz<note type="edd" subtype="commAnnot" place="foot" facs="APWIIIA1-1_p0102n4" xml:id="bsb00057634_00102_n04"><lb facs="-" xml:id="bsb00057634_00102_004"/><p style="font-style:italic;"><hi style="font-style:normal;">So gingen die Voten Kurtriers, Kurbrandenburgs und Kursachsens in der Sitzung 1647 III 18 (Nr. <ref type="document" subtype="intern" facs="#APWIIIA1-1_0112" target="#bsb00057634_00856_dok0112">112</ref>) auch an Kurmainz.</hi></p></note> und Kursachsen übermittelt.</p>
	    <p style="font-style:italic;">Die <hi style="font-style:normal;">intimation</hi> des eigenen Votums in fremde Protokolle hat am konsequentesten Kursachsen betrieben. Ab der Sitzung vom 4. August 1647, in der Kursachsen <w lemma="erstmals"><orig>erst-</orig><orig>mals</orig></w> den Rat besuchte, lautet das kursächsische Votum regelmäßig in fast allen Protokollen gleich<note type="edd" subtype="commAnnot" place="foot" facs="APWIIIA1-1_p0102n5" xml:id="bsb00057634_00102_n05"><lb facs="-" xml:id="bsb00057634_00102_005"/><p style="font-style:italic;"><hi style="font-style:normal;">Eine Ausnahme macht Kurköln, das z. B. 1646 XI 8 (Nr. <ref type="document" subtype="intern" facs="#APWIIIA1-1_0102" target="#bsb00057634_00801_dok0102">102</ref>) das kursächsische Votum nicht übernimmt.</hi></p></note>; es ist in <hi style="font-style:smallCaps;">Kursachen</hi> Rs, um die Eingangsfloskeln und um kleinere nachträgliche Zusätze erweitert, meist noch etwas ausführlicher<note type="edd" subtype="commAnnot" place="foot" facs="APWIIIA1-1_p0102n6" xml:id="bsb00057634_00102_n06"><lb facs="-" xml:id="bsb00057634_00102_006"/><p style="font-style:italic;"><hi style="font-style:normal;">Z. B. Nr. <ref type="page" subtype="intern" facs="#APWIIIA1-1_p0754" target="#bsb00057634_00754">93 (1646 VIII 4) S. 630</ref>.</hi></p></note>. Kursachsen hat aber auch regelmäßig von Protokollkonzepten anderer Provenienz Abschrift genommen. Zunächst übernahm es das Protokoll der Re- und Correlation, die am 27. April 1646 in Osnabrück stattfand, von Kurbrandenburg<note type="edd" subtype="commAnnot" place="foot" facs="APWIIIA1-1_p0102n7" xml:id="bsb00057634_00102_n07"><lb facs="-" xml:id="bsb00057634_00102_007"/><p style="font-style:italic;"><hi style="font-style:normal;">Nr. <ref type="document" subtype="intern" facs="#APWIIIA1-1_0085" target="#bsb00057634_00712_dok0085">85</ref>: Einmal ist in</hi> <hi style="font-style:smallCaps;">Kursachsen</hi> <hi style="font-style:normal;">freier Raum für einen Nachtrag gelassen, der in</hi> <hi style="font-style:smallCaps;"><w lemma="Kurbrandenburg"><orig>Kur-</orig><orig>brandenburg</orig></w></hi> <hi style="font-style:normal;">enthalten ist, statt</hi> <hi style="font-style:normal;">Kurbayern</hi> <hi style="font-style:normal;">beißt es wie im kurbrandenburgischen Protokoll nur</hi> <hi style="font-style:normal;">Bayern.</hi> <hi style="font-style:smallCaps;">Kurmainz</hi> <hi style="font-style:normal;">ist völlig autochthon, obwohl J. Adam Krebs sonst austauschfreudig war; möglicherweise wollte Kurbrandenburg Kursachsen über die gemeinsame Protokoll-Redaktion für seinen Plan gewinnen, einen zweiten Kurfürstenrat in Osnabrück zu eröffnen.</hi></p></note>. Es folgte eine Serie von Sitzungen, deren Protokollierung zwischen Kurbayern und Kursachsen dergestalt abgestimmt wurde, daß Kursachsen den Austausch seines Votums zeitweise – und <pb n="CIII" facs="APWIIIA1-1_p0103" sameAs="#bsb00057634_00103"/>wohl für die Mehrzahl der Sitzungen – durch Übernahme des kurbayerischen <w lemma="Protokolltextes"><orig>Proto-</orig><orig>kolltextes</orig></w> ausglich<note type="edd" subtype="commAnnot" place="foot" facs="APWIIIA1-1_p0103n1" xml:id="bsb00057634_00103_n01"><lb facs="-" xml:id="bsb00057634_00103_001"/><p style="font-style:italic;"><hi style="font-style:normal;">Nrr. <ref type="document" subtype="intern" facs="#APWIIIA1-1_0095" target="#bsb00057634_00767_dok0095">95</ref>, <ref type="document" subtype="intern" facs="#APWIIIA1-1_0097" target="#bsb00057634_00780_dok0097">97</ref>, <ref type="document" subtype="intern" facs="#APWIIIA1-1_0101" target="#bsb00057634_00797_dok0101">101</ref>, <ref type="document" subtype="intern" facs="#APWIIIA1-1_0102" target="#bsb00057634_00801_dok0102">102</ref>, <ref type="document" subtype="intern" facs="#APWIIIA1-1_0103" target="#bsb00057634_00810_dok0103">103</ref>, (teilweise) <ref type="document" subtype="intern" facs="#APWIIIA1-1_0117" target="#bsb00057634_00896_dok0117">117</ref>, <ref type="document" subtype="intern" facs="#APWIIIA1-1_0121" target="#bsb00057634_00930_dok0121">121</ref>, <ref type="document" subtype="intern" facs="#APWIIIA1-1_0122" target="#bsb00057634_00935_dok0122">122</ref>, <ref type="document" subtype="intern" facs="#APWIIIA1-1_0123" target="#bsb00057634_00940_dok0123">123</ref>;</hi> <hi style="font-style:smallCaps;">Kurbayern</hi> <hi style="font-style:normal;">Vorlage: Nrr. <ref type="document" subtype="intern" facs="#APWIIIA1-1_0095" target="#bsb00057634_00767_dok0095">95</ref>, <ref type="document" subtype="intern" facs="#APWIIIA1-1_0097" target="#bsb00057634_00780_dok0097">97</ref>, <ref type="document" subtype="intern" facs="#APWIIIA1-1_0101" target="#bsb00057634_00797_dok0101">101</ref>, <ref type="document" subtype="intern" facs="#APWIIIA1-1_0102" target="#bsb00057634_00801_dok0102">102</ref>, <ref type="document" subtype="intern" facs="#APWIIIA1-1_0103" target="#bsb00057634_00810_dok0103">103</ref>.</hi></p></note>; allerdings hängt <hi style="font-style:smallCaps;">Kurbayern</hi>, das wiederum sein Votum <hi style="font-style:smallCaps;"><w lemma="Kursachsen"><orig>Kur-</orig><orig>sachsen</orig></w></hi> gab, für manche Sitzungen auch vom kursächsischen Text (auch außerhalb des kursächsischen Votums) ab<note type="edd" subtype="commAnnot" place="foot" facs="APWIIIA1-1_p0103n2" xml:id="bsb00057634_00103_n02"><lb facs="-" xml:id="bsb00057634_00103_002"/><p><hi style="font-style:italic;">1647 VII 1, VII 3, VII 10: Nrr. <ref type="document" subtype="intern" facs="#APWIIIA1-1_0121" target="#bsb00057634_00930_dok0121">121</ref></hi> (<hi style="font-style:smallCaps;">Kurbayern</hi> <hi style="font-style:italic;">Rp von</hi> <hi style="font-style:smallCaps;">Kurbayern</hi> <hi style="font-style:italic;">Rk divergent, für</hi> <hi style="font-style:smallCaps;">Kursachsen</hi> <hi style="font-style:italic;">typische Wendungen), <ref type="document" subtype="intern" facs="#APWIIIA1-1_0122" target="#bsb00057634_00935_dok0122">122</ref></hi> (<hi style="font-style:smallCaps;">Kurbayern</hi> <hi style="font-style:italic;">Rp textlich divergent,</hi> <hi style="font-style:smallCaps;">Kurbayern</hi> <hi style="font-style:italic;">Rk mit Datierung nach styl. vet. wie</hi> <hi style="font-style:smallCaps;">Kursachsen</hi>), <hi style="font-style:italic;"><ref type="document" subtype="intern" facs="#APWIIIA1-1_0123" target="#bsb00057634_00940_dok0123">123</ref> (typische Satzzeichen aus</hi> <hi style="font-style:smallCaps;">Kursachsen</hi>).</p></note>. Die Abhängigkeit <hi style="font-style:smallCaps;">Kursachsens</hi> von <hi style="font-style:smallCaps;"><w lemma="Kurbayern"><orig>Kurbay-</orig><orig>ern</orig></w></hi> wird weniger daraus ersichtlich, daß <hi style="font-style:smallCaps;">Kursachsen</hi> die kurbayerischen <w lemma="Verbesserungen"><orig>Ver-</orig><orig>besserungen</orig></w> enthält, denn diese konnten, zumal im kurbayerischen Votum, noch nach dem Austausch hinzugesetzt werden<note type="edd" subtype="commAnnot" place="foot" facs="APWIIIA1-1_p0103n3" xml:id="bsb00057634_00103_n03"><lb facs="-" xml:id="bsb00057634_00103_003"/><p style="font-style:italic;"><hi style="font-style:normal;">Vgl. Nr. <ref type="document" subtype="intern" facs="#APWIIIA1-1_0097" target="#bsb00057634_00780_dok0097">97 (1646 IX 22)</ref>: kurbayerisches Votum der zweiten Umfrage mit nachträglichen Krebs-Korrekturen.</hi></p></note>: Hier sind eher die Abkehr von der <w lemma="kursächsischen"><orig>kur-</orig><orig>sächsischen</orig></w> knappen Diktion und die analoge Abhängigkeit <hi style="font-style:smallCaps;">Kursachsens</hi> von anderen Protokollen zu berücksichtigen. Umgekehrt sind typische Wendungen des kursächsischen Stils, Abkehr <hi style="font-style:smallCaps;">Kurbayerns</hi> vom eigenen Rapular (wie vorher beim Verhältnis <hi style="font-style:smallCaps;">Kurbayern</hi><hi style="font-style:normal;">-</hi><hi style="font-style:smallCaps;">Kurmainz</hi>) und protestantischer Datierungsbrauch im gemeinsamen Text für die Abhängigkeit des kurbayerischen Konzepts bezeichnend. Für eine Sitzung unterhielt Kursachsen Redaktionsgemeinschaft mit Kurbayern und mit Kurbrandenburg im kurmainzischen Votum, das von beiden gleich dargestellt ist<note type="edd" subtype="commAnnot" place="foot" facs="APWIIIA1-1_p0103n4" xml:id="bsb00057634_00103_n04"><lb facs="-" xml:id="bsb00057634_00103_004"/><p style="font-style:italic;"><hi style="font-style:normal;">Nr. <ref type="page" subtype="intern" facs="#APWIIIA1-1_p0944" target="#bsb00057634_00944">123 S. 820f.</ref></hi></p></note>. <hi style="font-style:smallCaps;">Kursachsen</hi> Rs weicht dann über ganze Sitzungen hinweg, nicht nur für einzelne Voten, von <hi style="font-style:smallCaps;">Kurbayern</hi> K ab und läuft textlich <hi style="font-style:smallCaps;">Kurmainz</hi> Rk<note type="edd" subtype="commAnnot" place="foot" facs="APWIIIA1-1_p0103n5" xml:id="bsb00057634_00103_n05"><lb facs="-" xml:id="bsb00057634_00103_005"/><p><hi style="font-style:italic;">Nrr. <ref type="document" subtype="intern" facs="#APWIIIA1-1_0100" target="#bsb00057634_00791_dok0100">100 (1646 X 24: Pommernfrage)</ref> und <ref type="document" subtype="intern" facs="#APWIIIA1-1_0102" target="#bsb00057634_00801_dok0102">102 (1646 XI 8: Pommernfrage)</ref> in der Proposition, <ref type="document" subtype="intern" facs="#APWIIIA1-1_0117" target="#bsb00057634_00896_dok0117">117</ref></hi> (iura statuum) <hi style="font-style:italic;">in der <w lemma="Proposition"><orig>Propo-</orig><orig>sition</orig></w> auch mit</hi> <hi style="font-style:smallCaps;">Kurbayern</hi>.</p></note>, dann <hi style="font-style:smallCaps;">Kurköln</hi> zA, spA parallel<note type="edd" subtype="commAnnot" place="foot" facs="APWIIIA1-1_p0103n6" xml:id="bsb00057634_00103_n06"><lb facs="-" xml:id="bsb00057634_00103_006"/><p style="font-style:italic;"><hi style="font-style:normal;">Nr. <ref type="document" subtype="intern" facs="#APWIIIA1-1_0105" target="#bsb00057634_00815_dok0105">105 (1646 XII 31: Pommernfrage) S. 691</ref>: Wie vorher von</hi> <hi style="font-style:smallCaps;">Kurbayern</hi> <hi style="font-style:normal;">das kurbayerische, so wird nun von</hi> <hi style="font-style:smallCaps;">Kurköln</hi> <hi style="font-style:normal;">das kurkölnische Votum übernommen; Nr. 106 (1647 I 1: <w lemma="Pommernfrage"><orig>Pommern-</orig><orig>frage</orig></w>) S. 695ff.</hi></p></note>. Die Abhängigkeiten <hi style="font-style:smallCaps;">Kursachsens</hi> von <hi style="font-style:smallCaps;"><w lemma="Kurbayern"><orig>Kurbay-</orig><orig>ern</orig></w></hi>, <hi style="font-style:smallCaps;">Kurmainz</hi> und <hi style="font-style:smallCaps;">Kurköln</hi> werden vor allem in den Beratungen über die Pommernfrage deutlich: In dieser prekären Frage wollte Kursachsen offenbar nicht das Risiko einer völlig selbständigen und darum angreifbaren Protokollführung tragen. Wenn Kursachsen eine solche wechselseitige Abstimmung der Protokolle – mit <w lemma="deutlichen"><orig>deut-</orig><orig>lichen</orig></w> Ansätzen zu Ausgewogenheit – unternahm, so ist dies aber auch als Versuch deutbar, ein einheitliches Kurfürstenratsprotokoll zu schaffen. Als Direktorium des Corpus Evangelicorum und als Inhaber des Erzmarschallamts, der in die <w lemma="Kanzleigeschäfte"><orig>Kanzlei-</orig><orig>geschäfte</orig></w> des Reichstags bevorzugt eingeschaltet war, konnte Kursachsen durchaus den Ehrgeiz einer Einflußnahme auf das kurfürstliche Reichsprotokoll entwickeln; die auch teilweise einheitlichen Protokolle des Fürstenrats Osnabrück und des Corpus Evangelicorum sind hauptsächlich von sächsischen Sekretären kollationiert worden.</p>
	    <p style="font-style:italic;">Am Beispiel <hi style="font-style:smallCaps;">Kursachsens</hi> zeigt sich, daß die Annäherung der verschiedenen <w lemma="Protokoll"><orig>Pro-</orig><orig>tokoll</orig></w>-Provenienzen in Richtung auf ein Einheitsprotokoll erst dann erreicht wurde, wenn nicht mehr nur jeweils zwei Kurstände bei der Fertigstellung ihres Protokolls eng zusammenarbeiteten (<hi style="font-style:smallCaps;">Kurmainz</hi><hi style="font-style:normal;">/</hi><hi style="font-style:smallCaps;">Kurbayern</hi>, dann <hi style="font-style:smallCaps;">Kurtrier</hi><hi style="font-style:normal;">/</hi><hi style="font-style:smallCaps;"><w lemma="Kurbrandenburg"><orig>Kurbranden-</orig><orig>burg</orig></w></hi><pb n="CIV" facs="APWIIIA1-1_p0104" sameAs="#bsb00057634_00104"/>, <hi style="font-style:smallCaps;">Kurbayern</hi><hi style="font-style:normal;">/</hi><hi style="font-style:smallCaps;">Kursachsen</hi>), sondern wenn jede Gesandtschaft bereit war, ihr schriftliches Votum innerhalb des gesamten Kollegs bekanntzugeben (zu <hi style="font-style:normal;">propaliren)</hi> und selbst reihum abwechselnd die Protokolle der anderen zur Vorlage zu nehmen. Der Herausgabe des eigenen Votums, das – mit Vorbehalt – zur <w lemma="Textgrundlage"><orig>Text-</orig><orig>grundlage</orig></w> der anderen Protokolle werden sollte, entsprach idealtypisch die <w lemma="Verarbeitung"><orig>Verar-</orig><orig>beitung</orig></w> oder wörtliche Übernahme der Voten jedes anderen Kurstandes aus dessen eigenem Protokoll. Ein solches „ideales“ Protokoll ist nicht zustande gekommen. Am nächsten kommen ihm die Überlieferungen der Sitzung vom 6. Mai 1647 über die <hi style="font-style:normal;">iura electorum</hi><note type="edd" subtype="commAnnot" place="foot" facs="APWIIIA1-1_p0104n1" xml:id="bsb00057634_00104_n01"><lb facs="-" xml:id="bsb00057634_00104_001"/><p style="font-style:italic;"><hi style="font-style:normal;">S. 772–790; damit vergleichbar Nr. <ref type="document" subtype="intern" facs="#APWIIIA1-1_0112" target="#bsb00057634_00856_dok0112">112 (1647 III 18: Pfälzische Frage) S. 732ff.</ref>: Soweit es sich wegen Fehlens von</hi> <hi style="font-style:smallCaps;">Kursachsen</hi> <hi style="font-style:normal;">Rs nachprüfen läßt, haben hier Kurtrier und <w lemma="kurbrandenburg"><orig>kurbranden-</orig><orig>burg</orig></w> ihre Voten ausgetauscht, Kurmainz hat die Voten dieser beiden und das Votum Kursachsens herangezogen.</hi></p></note><hi style="font-style:normal;">.</hi> Außer in <hi style="font-style:smallCaps;">Kurköln</hi> sind hier das kurtrierische und das <w lemma="kursächsische"><orig>kur-</orig><orig>sächsische</orig></w> Votum in allen Überlieferungen gleichlautend, und zwar auf der Grundlage der Provenienz des jeweiligen Votums; beide Voten sind also von allen Mitgliedern des Kollegs, abgesehen von Kurköln, ausgeschrieben worden. Der abweichende Text von <hi style="font-style:smallCaps;">Kurbayern</hi> Rp im kurtrierischen Votum bestätigt dies nur. <hi style="font-style:smallCaps;">Kurköln</hi> hat kein fremdes Votum übernommen, aber immerhin das seinige an das hier <w lemma="gleichlautende"><orig>gleich-</orig><orig>lautende</orig></w> <hi style="font-style:smallCaps;">Kurbayern</hi> <hi style="font-style:normal;">K</hi> abgegeben. Kurtrier und Kurbrandenburg haben ihr Votum jeweils ausgetauscht und beide noch das kursächsische Votum aus <hi style="font-style:smallCaps;">Kursachsen</hi> <w lemma="rezipiert"><orig>rezi-</orig><orig>piert</orig></w>, haben aber die restlichen drei Voten nicht im Original der jeweiligen Provenienz entgegengenommen, sondern nur gemeinsam redigiert; <hi style="font-style:smallCaps;">Kurbrandenburg</hi> war dabei wahrscheinlich eher Vorlage für <hi style="font-style:smallCaps;">Kurtrier</hi> als <hi style="font-style:smallCaps;">Kurbayern</hi> K wie gewohnt überein; <hi style="font-style:smallCaps;"><w lemma="Kurbayern"><orig>Kur-</orig><orig>bayern</orig></w></hi> K rekurriert aber dann wieder – abgesehen von den entlehnten Voten, auf <hi style="font-style:smallCaps;">Kurbayern</hi> Rp. Nach Voten unterteilt zeigen die Protokolle, ersichtlich aus ihren gleichlautenden Teilen, folgende Abhängigkeiten:</p>
	    <table cols="7">
	      <row>
		<cell/>
		<cell> <hi style="font-style:smallCaps;">KURMAINZ</hi> </cell>
		<cell> <hi style="font-style:smallCaps;">KURTRIER</hi> </cell>
		<cell> <hi style="font-style:smallCaps;">KURKÖLN</hi> </cell>
		<cell><hi style="font-style:smallCaps;">KURBAYERN</hi> <hi style="font-style:italic;">[K]</hi></cell>
		<cell> <hi style="font-style:smallCaps;">KURSACHSEN</hi> </cell>
		<cell> <hi style="font-style:smallCaps;">KURBRANDENBURG</hi> </cell>
	      </row>
	      <row>
		<cell> <hi style="font-style:italic;">Kmz. Votum</hi> </cell>
		<cell><hi style="font-style:smallCaps;">Kmz</hi> <hi style="font-style:italic;">[Rp]</hi><note type="edd" subtype="commAnnot" place="foot" facs="APWIIIA1-1_p0104n2" xml:id="bsb00057634_00104_n02"><lb facs="-" xml:id="bsb00057634_00104_002"/><p style="font-style:italic;"><hi style="font-style:normal;">[Rp] bedeutet Eigenständigkeit d. h. Rückgang auf ein selbst geführtes Rapular.</hi></p></note></cell>
		<cell><hi style="font-style:smallCaps;">Ktr</hi>/<hi style="font-style:smallCaps;">Kbra</hi></cell>
		<cell><hi style="font-style:smallCaps;">Kkö</hi> <hi style="font-style:italic;">[Rp]</hi></cell>
		<cell><hi style="font-style:smallCaps;">Kby</hi>/<hi style="font-style:smallCaps;">Ksa</hi></cell>
		<cell><hi style="font-style:smallCaps;">Kby</hi>/<hi style="font-style:smallCaps;">Ksa</hi>[<hi style="font-style:smallCaps;">Kmz</hi>]</cell>
		<cell><hi style="font-style:smallCaps;">Ktr</hi>/<hi style="font-style:smallCaps;">Kbra</hi></cell>
	      </row>
	      <row>
		<cell> <hi style="font-style:italic;">Ktr. Votum</hi> </cell>
		<cell> <hi style="font-style:smallCaps;">Ktr</hi> </cell>
		<cell> <hi style="font-style:smallCaps;">Ktr</hi> </cell>
		<cell> <hi style="font-style:smallCaps;">Kkö</hi> </cell>
		<cell> <hi style="font-style:smallCaps;">Ktr</hi> </cell>
		<cell> <hi style="font-style:smallCaps;">Ktr</hi> </cell>
		<cell> <hi style="font-style:smallCaps;">Ktr</hi> </cell>
	      </row>
	      <row>
		<cell> <hi style="font-style:italic;">Kkö. Votum</hi> </cell>
		<cell><hi style="font-style:smallCaps;">Kmz</hi> <hi style="font-style:italic;">[Rp]</hi></cell>
		<cell><hi style="font-style:smallCaps;">Ktr</hi>/<hi style="font-style:smallCaps;">Kbra</hi></cell>
		<cell> <hi style="font-style:smallCaps;">Kkö</hi> </cell>
		<cell> <hi style="font-style:smallCaps;">Kkö</hi> </cell>
		<cell><hi style="font-style:smallCaps;">Ksa</hi> <hi style="font-style:italic;">[Rp]</hi></cell>
		<cell><hi style="font-style:smallCaps;">Ktr</hi>/<hi style="font-style:smallCaps;">Kbra</hi></cell>
	      </row>
	      <row>
		<cell> <hi style="font-style:italic;">Kby. Votum</hi> </cell>
		<cell><hi style="font-style:smallCaps;">Kmz</hi> <hi style="font-style:italic;">[Rp]</hi></cell>
		<cell><hi style="font-style:smallCaps;">Ktr</hi>/<hi style="font-style:smallCaps;">Kbra</hi></cell>
		<cell><hi style="font-style:smallCaps;">Kkö</hi> <hi style="font-style:italic;">[Rp]</hi></cell>
		<cell><hi style="font-style:smallCaps;">Kby</hi> <hi style="font-style:italic;">[Rp]</hi></cell>
		<cell><hi style="font-style:smallCaps;">Ksa</hi> <hi style="font-style:italic;">[Rp]</hi></cell>
		<cell><hi style="font-style:smallCaps;">Ktr</hi>/<hi style="font-style:smallCaps;">Kbra</hi></cell>
	      </row>
	      <row>
		<cell> <hi style="font-style:italic;">Ksä. Votum</hi> </cell>
		<cell> <hi style="font-style:smallCaps;">Ksa</hi> </cell>
		<cell> <hi style="font-style:smallCaps;">Ksa</hi> </cell>
		<cell><hi style="font-style:smallCaps;">Kkö</hi> <hi style="font-style:italic;">[Rp]</hi></cell>
		<cell> <hi style="font-style:smallCaps;">Ksa</hi> </cell>
		<cell> <hi style="font-style:smallCaps;">Ksa</hi> </cell>
		<cell> <hi style="font-style:smallCaps;">Ksa</hi> </cell>
	      </row>
	      <row>
		<cell> <hi style="font-style:italic;">Kbra. Votum</hi> </cell>
		<cell><hi style="font-style:smallCaps;">Kmz</hi> <hi style="font-style:italic;">[Rp]</hi></cell>
		<cell> <hi style="font-style:smallCaps;">Kbra</hi> </cell>
		<cell><hi style="font-style:smallCaps;">Kkö</hi> <hi style="font-style:italic;">[Rp]</hi></cell>
		<cell><hi style="font-style:smallCaps;">Kby</hi> <hi style="font-style:italic;">[Rp]</hi></cell>
		<cell><hi style="font-style:smallCaps;">Kby</hi>/<hi style="font-style:smallCaps;">Ksa</hi></cell>
		<cell> <hi style="font-style:smallCaps;">Kbra</hi> </cell>
	      </row>
	    </table>
	  </div>
	  <div type="part" subtype="part" ana="#section_02" xml:id="bsb00057634_00105_sec0021" corresp="#bsb00057634_00105">
	    <pb n="CV" facs="APWIIIA1-1_p0105" sameAs="#bsb00057634_00105"/>
	    <p style="font-style:italic;">4. Konsequenzen für die Textgestaltung dieser Edition</p>
	    <p style="font-style:italic;">Durch den zwei- oder mehrseitigen Austausch von Voten wurde die Eigenständigkeit der einzelnen Protokoll-Provenienzen relativiert, aber nicht aufgehoben. Vor allem die nachträgliche Verbesserung des eigenen Votums, nicht nur von Kurmainz geübt<note type="edd" subtype="commAnnot" place="foot" facs="APWIIIA1-1_p0105n1" xml:id="bsb00057634_00105_n01"><lb facs="-" xml:id="bsb00057634_00105_001"/><p style="font-style:italic;"><hi style="font-style:normal;">Nr. <ref type="line" subtype="intern" facs="#APWIIIA1-1_p0570l15" target="#bsb00057634_00570_015">65 (1646 II 7: kurbayerisches Votum) S. 446.15</ref>. Auch in den amtlich geführten <w lemma="Landtagsprotokollen"><orig>Land-</orig><orig>tagsprotokollen</orig></w> des 18. und den Kabinettsprotokollen des 19. Jahrhunderts blieb den Votanten das Recht zur Verbesserung ihrer eigenen Verlautbarungen</hi> (<hi style="font-style:smallCaps;">Renger</hi> <hi style="font-style:normal;">S. 97f.,</hi> <hi style="font-style:smallCaps;">Rumpler</hi>).</p></note>, entzog das eigene Protokoll der Kontrolle durch andere Protokollanten auch dort, wo formulierungsmäßig Angleichung erfolgt war. Kurmainz protokollierte nach <w lemma="anfänglicher"><orig>anfäng-</orig><orig>licher</orig></w> Zusammenarbeit mit Kurbayern und Kurbrandenburg wieder selbständig. <w lemma="Kurtrier"><orig>Kur-</orig><orig>trier</orig></w>, anfangs mit eigener Wortwahl und Diktion, arbeitete zumindest seit Januar 1647 mit Kurbrandenburg zusammen. Das Protokoll Kurkölns weist in der <w lemma="Formulierung"><orig>Formu-</orig><orig>lierung</orig></w> viele Anklänge an <hi style="font-style:smallCaps;">Kurbayern</hi> und <hi style="font-style:smallCaps;">Kurmainz</hi> auf, ist aber bis Ende 1647 neben der kurmainzischen die am meisten autogene Niederschrift. Kurbayern <w lemma="verfertigte"><orig>ver-</orig><orig>fertigte</orig></w> sein Protokoll meist in Redaktionsgemeinschaft mit <w lemma="Kurmainz"><orig>Kur-</orig><orig>mainz</orig></w> und dann mit Kursachsen, ließ aber wohl stets ein eigenes Rapular führen. Kursachsen stimmte nach anfänglicher Eigenständigkeit sein Protokoll abwechselnd mit den anderen <w lemma="Kurständen"><orig>Kur-</orig><orig>ständen</orig></w> ab, wobei es mehr nahm als gab. Kurbrandenburg ließ zunächst mit Kurmainz, dann mit Kurtrier zusammenarbeiten, was es aber nicht hinderte, durch seine zahlreichen und erfahrenen Protokollanten original mitschreiben und auch konzipieren zu lassen. Überhaupt sind der Austausch und die gemeinsame Redaktion von <w lemma="Protokoll"><orig>Proto-</orig><orig>koll</orig></w>-Texten wohl nur im Falle Kursachsens auf eine schwach besetzte <w lemma="Gesandtschaftskanzlei"><orig>Gesandt-</orig><orig>schaftskanzlei</orig></w> zurückzuführen, obwohl auch hier die Übernahme fremder Protokoll-Konzepte mit politischer Absicht geschehen ist. Während Kurmainz sich die <w lemma="eigenständige"><orig>eigen-</orig><orig>ständige</orig></w> Konzipierung des Reichsprotokolls als Recht des sozusagen amtlich bestellten Protokollführers vorbehalten zu müssen glaubte<note type="edd" subtype="commAnnot" place="foot" facs="APWIIIA1-1_p0105n2" xml:id="bsb00057634_00105_n02"><lb facs="-" xml:id="bsb00057634_00105_002"/><p style="font-style:italic;"><hi style="font-style:normal;">Siehe unten S. <ref type="line" subtype="intern" facs="#APWIIIA1-1_p0115n4" target="#bsb00057634_00115_004">CXV Anm. 4</ref>, S. <ref type="line" subtype="intern" facs="#APWIIIA1-1_p0109n1" target="#bsb00057634_00109_001">CIX Anm 1</ref>.</hi></p></note>, wird bei Kursachsen das Bemühen spürbar, ein einheitliches Protokoll des Kollegs zu erstellen, das die Mitschriften aller Einzelprotokollanten einschloß. Zu <hi style="font-width:spaced;">einem</hi> Protokoll <hi style="font-width:spaced;">des</hi> Kurfürstenrats <w lemma="anstelle"><orig>an-</orig><orig>stelle</orig></w> <hi style="font-width:spaced;">der</hi> Protokolle <hi style="font-width:spaced;">im</hi> Kurfürstenrat ist es aber von keiner der beiden Seiten gekommen: Kurmainz war nicht der einzige Protokollant des Kollegs geblieben. Ein „ideales“ Protokoll auf der Grundlage des jeweiligen Votums jeder der sechs <w lemma="Provenienzen"><orig>Proveni-</orig><orig>enzen</orig></w> war nicht nur technisch schwer realisierbar, denn jeder Kurstand hatte zwar ein Interesse an der Weitergabe seines eigenen Votums, nicht aber an der beständigen Wort-für-Wort-Verzeichnung aller anderen Voten; Fremdvoten wurden vor allem bei wichtigen Themen, <hi style="font-style:normal;">iura imperii,</hi> Amnestie, Satisfaktion und bei Gelegenheit programmatischer Äußerungen, die allgemein akzeptabel schienen, im eigenen <w lemma="Protokoll"><orig>Pro-</orig><orig>tokoll</orig></w> zugelassen. Außerdem wollte jede Gesandtschaft die letzte Fassung des eigenen Votums, die für den Kurfürsten bestimmt war, sich offenhalten. Drittens wäre <w lemma="denkbar"><orig>denk-</orig><orig>bar</orig></w> gewesen, daß ein zwei- oder mehrseitig redigiertes Protokoll wie <hi style="font-style:smallCaps;">Kurtrier</hi><hi style="font-style:normal;">/</hi><hi style="font-style:smallCaps;">Kurbrandenburg</hi>, <hi style="font-style:smallCaps;">Kurbayern</hi><hi style="font-style:normal;">/</hi><hi style="font-style:smallCaps;">Kursachsen</hi> die Basis eines <w lemma="Einheitsprotokolls"><orig>Einheitsproto-</orig><orig>kolls</orig></w> abgegeben hätte; so wurde das Osnabrücker Fürstenratsprotokoll von einem Sekretärskonsortium aus verschiedenen Gesandtschaften konzipiert, das zur <w lemma="Protokollführung"><orig>Proto-</orig><orig>kollführung</orig></w> abgestellt wurde<note type="edd" subtype="commAnnot" place="foot" facs="APWIIIA1-1_p0106n1" xml:id="bsb00057634_00106_n01"><lb facs="-" xml:id="bsb00057634_00106_001"/><p style="font-style:italic;"><hi style="font-style:normal;">Siehe oben S. <ref type="line" subtype="intern" facs="#APWIIIA1-1_p0093n6" target="#bsb00057634_00093_006">XCIII Anm. 6</ref>.</hi></p></note>: Bei der Vielzahl der Fürstenratsvoten wäre über Votenaustausch ein gemeinsames Protokoll kaum zustande gekommen. Dieser <w lemma="letzteren"><orig>letzte-</orig><orig>ren</orig></w> Möglichkeit zur Herstellung eines Kurfürstenratsprotokolls hätte sich vor allem Kurmainz widersetzen müssen, weil es zwar nicht das einzige, wohl aber ein <w lemma="bevorzugtes"><orig>bevor-</orig><orig>zugtes</orig></w> Protokoll führte<note type="edd" subtype="commAnnot" place="foot" facs="APWIIIA1-1_p0106n2" xml:id="bsb00057634_00106_n02"><lb facs="-" xml:id="bsb00057634_00106_002"/><p style="font-style:italic;"><hi style="font-style:normal;">Siehe oben S. <ref type="line" subtype="intern" facs="#APWIIIA1-1_p0074n1" target="#bsb00057634_00074_001">LXXIV Anm. 1</ref>, S. LXXVI Anm. 4.</hi></p></note>. Statt einer Integration der sechs Protokolle bzw. der authentischen Niederschrift eines legitimierten Protokollanten wurde im Kurkolleg gemeinsam-einheitliche Protokollführung nur in Ansätzen erreicht: in zwei- bis <w lemma="dreiseitiger"><orig>drei-</orig><orig>seitiger</orig></w> Redaktion eines gemeinsamen Textes oder im temporären Austausch <w lemma="verschiedener"><orig>ver-</orig><orig>schiedener</orig></w> Voten mit wechselnden Partnern. Erst 1648 werden die verschiedenen <w lemma="Kurfürstenratsprotokolle"><orig>Kur-</orig><orig>fürstenratsprotokolle</orig></w> durchweg textlich stärker aneinander angeglichen. Ihre Existenz und ihre vorwiegend partnerschaftlichen, gegenseitigen Abhängigkeiten machen <w lemma="deutlich"><orig>deut-</orig><orig>lich</orig></w>, daß die Protokollführung im Kurkolleg von den einzelnen Gesandtschaften während der ersten Jahre des Kongresses als Bestandteil ihrer sonstigen sorgfältig austarierten und abgewogenen, gleichen Prärogativen aufgefaßt worden ist.</p>
	    <p style="font-style:italic;">Da eine abschließende Wiedergabe des Konferenzinhalts in Form eines einheitlichen Protokolls nicht geleistet worden ist, muß diese Aufgabe editorisch versucht werden. Die kritische Edition von Reichsratsprotokollen verschiedener Herkunft und <w lemma="Überlieferungsform"><orig>Über-</orig><orig>lieferungsform</orig></w> unterscheidet sich daher von der Edition eines autorisierten Protokolls anderer, etwa moderner Gremien, wo die Publizierung, z. B. in Form des <w lemma="stenographischen"><orig>steno-</orig><orig>graphischen</orig></w> Berichts, eine wissenschaftliche Herausgabe praktisch ersetzt<note type="edd" subtype="commAnnot" place="foot" facs="APWIIIA1-1_p0106n3" xml:id="bsb00057634_00106_n03"><lb facs="-" xml:id="bsb00057634_00106_003"/><p style="font-style:italic;"><hi style="font-style:normal;">Allerdings bringt die moderne Methode der Protokollierung auch besondere quellenkundliche Probleme mit sich: So finden z. B. die Reden deutscher Bundestagsabgeordneter erst nach <w lemma="Überprüfung"><orig>Über-</orig><orig>prüfung</orig></w> seitens der Redner im gedruckten Protokoll Aufnahme, ohne daß diese Kontrolle später aktenmäßig faßbar wäre wie die Verbesserung der Einzelvoten in den kurfürstlichen Protokollen 1645–1648.</hi></p></note>.</p>
	    <p style="font-style:italic;">1. Es geht bei Protokollen nicht um die Rekonstruktion eines einzigen Textes wie bei (Akten-)Schriftstücken, sondern um die annähernde Rekonstruktion dessen, was in den Konferenzen tatsächlich gesagt, aber in sechs eigenständigen Texten <w lemma="verschiedener"><orig>verschie-</orig><orig>dener</orig></w> Provenienzen und Überlieferungsformen niedergelegt worden ist. Voraussetzung dafür ist, daß für jede Sitzung aus den überlieferten Protokoll-Provenienzen ein guter Text ausgewählt und sozusagen als Kommentar zu jeder Textstelle die <w lemma="sachlichen"><orig>sach-</orig><orig>lichen</orig></w> Abweichungen der anderen Provenienzen in einem Variantenapparat vermerkt werden. Auch solche Redewendungen, die in einer Mehrzahl von Provenienzen <w lemma="enthalten"><orig>ent-</orig><orig>halten</orig></w> sind, müssen nicht wirklich gefallen sein. Bei den recht zahlreichen textlichen und sachlichen Divergenzen kann das Gesagte nicht mehr in allen Einzelheiten sicher erschlossen werden. Die Rekonstruktion muß bei dem Nachweis von Möglichkeiten stehenbleiben: Es lassen sich nur verschiedene Äußerungen oder – was häufiger ist – Nuancierungen von im Kern anscheinend klaren Aussagen dokumentieren. Zur <w lemma="Ermittlung"><orig>Er-</orig><orig>mittlung</orig></w> des Wirklichkeitsgrads dieser Aussagevarianten gibt es nur Anhaltspunkte, abgesehen von historischen Aussagen im Text, die in der Regel durch Anmerkungen erläutert worden sind: Wenn eine einprägsame Wendung und womöglich bildliche Umschreibung in verschiedenen, sonst textlich voneinander abweichenden Provenienzen <pb n="CVII" facs="APWIIIA1-1_p0107" sameAs="#bsb00057634_00107"/>auftaucht, ist sie mit großer Wahrscheinlichkeit verwendet worden<note type="edd" subtype="commAnnot" place="foot" facs="APWIIIA1-1_p0107n1" xml:id="bsb00057634_00107_n01"><lb facs="-" xml:id="bsb00057634_00107_001"/><p><hi style="font-style:italic;">Kurbayerns Vorwurf in Nr. <ref type="line" subtype="intern" facs="#APWIIIA1-1_p0583l18" target="#bsb00057634_00583_018">66 (1646 II 10) S. 459. 18f.</ref>, daß</hi> auß dem Römischen Reich ein mördergruben gemacht <hi style="font-style:italic;">werde, findet sich ebenso in allen Überlieferungen, die Wendung</hi> intention in mente retenta <hi style="font-style:italic;">(kurkölnisches Votum) in den sonst formulierungsmäßig voneinander abweichenden</hi> <hi style="font-style:smallCaps;">Kurmainz</hi> <hi style="font-style:italic;">und</hi> <hi style="font-style:smallCaps;">Kurköln</hi> <hi style="font-style:italic;">(Nr. <ref type="line" subtype="intern" facs="#APWIIIA1-1_p0513l28" target="#bsb00057634_00513_028">56, 1645 XI 4 S. 389. 28</ref>).</hi></p></note>. Bei wichtigen Sonderproblemen werden die Gesandtschaftsberichte vergleichend herangezogen werden können. Auslassungen oder perspektivische Verzeichnungen und Übertreibungen, etwa in Fragen der Religion oder der französischen und schwedischen Satisfaktion, sind teilweise als Produkte der politischen Tendenz eines Protokolls zu erkennen. <w lemma="Verbesserungen"><orig>Ver-</orig><orig>besserungen</orig></w> des eigenen Votums von der „feilenden“ Hand des votierenden Gesandten können, sofern in den anderen Protokollen sachlich nicht enthalten, als nachträgliche absichtliche Zusätze oder Streichungen angesehen werden. Schließlich ist eine <w lemma="sozusagen"><orig>sozu-</orig><orig>sagen</orig></w> „vertikale“ Kontrolle des Gesagten im Fortlauf des Textes möglich, weil das Conclusum auf die Voten, die Voten auf die vorherigen Voten und auf die <w lemma="Proposition"><orig>Propo-</orig><orig>sition</orig></w> stets Bezug nehmen; deshalb ist gerade bei Konferenzen, die zäh verlaufen und der Sache nach auf der Stelle zu treten scheinen, Vorsicht gegenüber starker Kürzung des Textes geboten. Der Varianten-Apparat ist daher umfangreich.</p>
	    <p style="font-style:italic;">2. Die Varianten sind auch deshalb ausführlich berücksichtigt, weil sie der edierten Quellengattung eigentümlich sind. Sie rühren meist aus technischen Gründen statt aus bewußter Verfälschung her: Hör- und Abschreibfehler, nicht wortgetreue und <w lemma="unvollständige"><orig>unvoll-</orig><orig>ständige</orig></w> Wiedergabe der Vorträge sind ebenso typisch wie das an sich löbliche Streben der Protokollanten nach Abwechslung im Ausdruck und stilistischer Perfektion, das dazu bewog, den Boden einer streng neutralen Nachschrift beim Übergang vom Rapular zum Konzept zu verlassen: Nur Kurtrier und Kursachsen behalten für ihre ersten protokollierten Sitzungen den konzisen Stil einer stenogrammartigen <w lemma="Mitschrift"><orig>Mit-</orig><orig>schrift</orig></w> bei. Bewußte Abänderungen waren wohl am unauffälligsten durch Auslassungen zu erreichen<note type="edd" subtype="commAnnot" place="foot" facs="APWIIIA1-1_p0107n2" xml:id="bsb00057634_00107_n02"><lb facs="-" xml:id="bsb00057634_00107_002"/><p><hi style="font-style:italic;">Vgl.</hi> <hi style="font-style:smallCaps;">DLöben</hi> <hi style="font-style:italic;">II fol. 114 über die kurmainzische Wiedergabe des bayerischen Votums über die pfälzische Frage (wohl 1646 II 14 Nr. <ref type="page" subtype="intern" facs="#APWIIIA1-1_p0601" target="#bsb00057634_00601">68 S. 477–479</ref>): Obwohl es im kurbrandenburgischen Protokoll genau aufgezeichnet ist,</hi> will sich doch der rechte tenor in des reichsdirectorii, dem Churmeintzischen protocollo, nicht befinden, worauß abzunehmmen, daß die Bayerische mitt Meintz dergestalt correspondiren müssen, daß sie daßjenige, waß ihnen beliebedt, ins protocollum bringen, waß ihnen aber mißfälledt, herausserlassen, welches dem reichsdirectorio ubel anstehedt.</p></note>; diese werden deshalb im einzelnen angemerkt, es sei denn ein Protokoll ist überhaupt wesentlich summarischer abgefaßt. Manche Protokollisten waren auch in bestimmten Angelegenheiten, besonders solchen des eigenen Standes, hellhöriger als andere und trafen unbeabsichtigt aus solcher Disposition ihre Auswahl. In den genannten Unvollkommenheiten liegt ein wesentliches Problem der Quellenkunde: Mündliche, allerdings bei vorheriger Fixierung der Voten schriftlich abgestützte Verlautbarungen sind durch die „Auffassung“ anderer Personen als die des <w lemma="Vortragenden"><orig>Vor-</orig><orig>tragenden</orig></w> „hindurchgegangen“, ehe sie zum Protokoll und damit zum „Überrest“ werden.<note type="edd" subtype="commAnnot" place="foot" facs="APWIIIA1-1_p0107n3" xml:id="bsb00057634_00107_n03"><lb facs="-" xml:id="bsb00057634_00107_003"/><p style="font-style:italic;"><hi style="font-style:normal;">Vgl.</hi> <hi style="font-style:normal;">A. v.</hi> <hi style="font-style:smallCaps;">Brandt</hi><hi style="font-style:normal;">, Werkzeug des Historikers S. 61, 52f. „Tradition“ werden die Protokolle aber nicht, weil die fremde „Auffassung“ auf einen Gegenwartszweck bezogen und geschäftlicher Natur ist.</hi></p></note> Die Unschärfe der Protokolle ist zwangsläufig Begleiterscheinung ihrer <w lemma="Entstehung"><orig>Ent-</orig><orig>stehung</orig></w>, die von mindestens zwei Personen abhängt, welche mit gewisser <w lemma="Eigenständigkeit"><orig>Eigenständig-</orig><orig>keit</orig></w> arbeiten. Anders als bei der diktierten Niederschrift eines Briefs oder <w lemma="Beratungsergebnisses"><orig>Beratungs-</orig><orig>ergebnisses</orig></w> (Diktatur der Conclusen) oder als bei der schriftlichen Weitergabe eigener Reden kommt beim Protokoll die „fremde“ Auffassung der – einander <w lemma="kontrollierenden"><orig>kontrol-</orig><orig>lierenden</orig></w> – Protokollanten hinzu: diese führt (selbst noch bei Verwendung des <w lemma="Stenogramms"><orig>Steno-</orig><orig>gramms</orig></w>) zu Varianten. Im strengen Sinne sind bloße Nachträge des eigenen Votums, durch die zuständigen Gesandten vorgenommen, so wenig Protokolle wie Ciceros Reden. Ihre größere Ausführlichkeit im Vergleich zu den Fremdvoten ihrer <w lemma="Provenienz"><orig>Pro-</orig><orig>venienz</orig></w> kann wirklichkeitsfremd sein; da es umgekehrt vorkommt, daß in einer fremden Provenienz das eigene Votum besser wiedergegeben wird als im eigenen <w lemma="Protokoll"><orig>Pro-</orig><orig>tokoll</orig></w><note type="edd" subtype="commAnnot" place="foot" facs="APWIIIA1-1_p0108n1" xml:id="bsb00057634_00108_n01"><lb facs="-" xml:id="bsb00057634_00108_001"/><p style="font-style:italic;"><hi style="font-style:normal;">So das kurkölnische Votum von 1645 IX 18 besser in</hi> <hi style="font-style:smallCaps;">Kurmainz</hi> <hi style="font-style:normal;">Rk als in</hi> <hi style="font-style:smallCaps;">Kurköln</hi> <hi style="font-style:normal;">zA, spA (Nr. <ref type="page" subtype="intern" facs="#APWIIIA1-1_p0401" target="#bsb00057634_00401">43 S. 277–281</ref>), ebenso 1645 IX 28 Nr. <ref type="page" subtype="intern" facs="#APWIIIA1-1_p0462" target="#bsb00057634_00462">49 S. 338</ref>.</hi></p></note>, wäre das „Idealprotokoll“, bestehend aus der Selbstprotokollierung der eigenen Verlautbarungen, gerade kein ideales Protokoll.</p>
	    <p style="font-style:italic;">3. Ein vollständiger Querschnitt durch alle Protokoll-Provenienzen ist auch deshalb für jede Sitzung notwendig, weil statt der Korrespondenzen aller am Friedenskongreß beteiligten Reichsstände nur ihre Protokolle zur Edition in den <hi style="font-style:normal;">APW</hi> vorgesehen sind<note type="edd" subtype="commAnnot" place="foot" facs="APWIIIA1-1_p0108n2" xml:id="bsb00057634_00108_n02"><lb facs="-" xml:id="bsb00057634_00108_002"/><p><hi style="font-style:italic;">Abgesehen von einigen wichtigen Diarien. Vgl.</hi> <hi style="font-style:smallCaps;">Jahrbuch</hi> <hi style="font-style:smallCaps;">der</hi> <hi style="font-style:smallCaps;">Historischen</hi> <hi style="font-style:smallCaps;">Forschung</hi> <hi style="font-style:italic;">1974 S. 59.</hi></p></note>. Diese Zeugnisse müssen möglichst exakt wiedergegeben werden, weil sie das Handeln der Reichsstände nur auf der offiziellen Ebene ihrer zuständigen <w lemma="Korporationen"><orig>Korpo-</orig><orig>rationen</orig></w> komprimiert fassen. Die verschiedenen Auffassungen des Geschehens, die der Vergleich der Protokolle verschiedener Herkunft zutage bringt, gehören zu diesem Geschehen selbst. Da die einzelnen Mitglieder des Kurkollegs gleichberechtigt <w lemma="Protokolle"><orig>Proto-</orig><orig>kolle</orig></w> führten, verdient auch jede ihrer Auffassungsweisen gleiche Beachtung.</p>
	    <p style="font-style:italic;">4. Die Varianten sind für die Verfassungsgeschichte der Reichsversammlungen <w lemma="bedeutsam"><orig>be-</orig><orig>deutsam</orig></w>. Aufzeichnung oder Nicht-Aufzeichnung von Kurialien oder <w lemma="Kollegialrechten"><orig>Kollegial-</orig><orig>rechten</orig></w>, etwa des kursächsischen Umfragerechts, aber auch der gesamten rechtlichen Prozedur der Sitzungen, wirkte sich langfristig auf die Rechte und auf die Stellung einzelner Reichsstände aus, ebenso wie die mehr oder weniger ausführliche Behandlung ihrer territorialen Angelegenheiten in den Reichsräten. Die Aufnahme eines <w lemma="Anspruchs"><orig>An-</orig><orig>spruchs</orig></w> oder Protests in eines der Protokolle lag in ihrer rechtlichen Bedeutung zwar unter vertraglich-urkundlicher Verbriefung, aber über unverbindlicher Erinnerung, die nur mündlich geltend zu machen war.</p>
	  </div>
	  <div type="part" subtype="part" ana="#section_02" xml:id="bsb00057634_00108_sec0022" corresp="#bsb00057634_00108">
	    <p style="font-style:italic;">5. Auch wenn das wirklich Gesprochene nicht durchweg rekonstruierbar ist, so wird doch durch die verschiedenen überlieferten Protokoll-Provenienzen ein Feld von <w lemma="Aussagen"><orig>Aus-</orig><orig>sagen</orig></w> abgesteckt, die möglich gewesen sind. Nuancierte Bezeichnungen politischer <w lemma="Sachverhalte"><orig>Sach-</orig><orig>verhalte</orig></w>, Synonymität und Vieldeutigkeit der Begriffe kommen zum Ausdruck: Erst über die Varianten erschließt sich der Formenschatz barocker Aktensprache; erst die gleichmäßige Heranziehung aller Protokolle läßt das Schwanken zwischen einer „diplomatischen Sprache“ mit hintergründiger Aussage und der „lingua <w lemma="deliberativa"><orig>deli-</orig><orig>berativa</orig></w>“<note type="edd" subtype="commAnnot" place="foot" facs="APWIIIA1-1_p0108n3" xml:id="bsb00057634_00108_n03"><lb facs="-" xml:id="bsb00057634_00108_003"/><p style="font-style:italic;"><hi style="font-style:normal;">Die Kategorien nach D. Sternberger und</hi> <hi style="font-style:normal;">W. G.</hi> <hi style="font-style:smallCaps;">Grewe</hi><hi style="font-style:normal;">, Die Sprache der Diplomatie S. 8, 21, 29, 36.</hi></p></note>, die wegen gemeinsamer Interessen der Beratenden offener sein kann, im <pb n="CIX" facs="APWIIIA1-1_p0109" sameAs="#bsb00057634_00109"/>Kurfürstenrat erkennen. Die Sprache dient in diesen Protokollen nicht nur der <w lemma="Information"><orig>Infor-</orig><orig>mation</orig></w>, sondern sie zeigt gerade auch da, wo sie diplomatisch-verhüllend sein will, „Redundanz“ und Wortreichtum.</p>
	    <p style="font-style:italic;">Welche Protokoll-Provenienz jeweils für die einzelnen Sitzungen zum Abdruck kommt, wird nach zwei Gesichtspunkten entschieden. <hi style="font-width:spaced;">Grundsätzlich ist das kurmainzische Reichsprotokoll</hi> vorrangig zu berücksichtigen, und zwar 1. wegen seiner reichsrechtlichen Valenz, die von den anderen Reichsständen anerkannt<note type="edd" subtype="commAnnot" place="foot" facs="APWIIIA1-1_p0109n1" xml:id="bsb00057634_00109_n01"><lb facs="-" xml:id="bsb00057634_00109_001"/><p style="font-style:italic;"><hi style="font-style:normal;">Siehe unten Nr. <ref type="line" subtype="intern" facs="#APWIIIA1-1_p0629l26" target="#bsb00057634_00629_026">72 (1646 II 27) S. 505.26f.</ref> (Kurbayerisches Votum), oben S. <ref type="line" subtype="intern" facs="#APWIIIA1-1_p0099n2" target="#bsb00057634_00099_002">IC Anm. 2</ref>.</hi></p></note> und auch in der Staatsrechtsliteratur des 17. und in den Aktenpublikationen des 18. Jahrhunderts<note type="edd" subtype="commAnnot" place="foot" facs="APWIIIA1-1_p0109n2" xml:id="bsb00057634_00109_n02"><lb facs="-" xml:id="bsb00057634_00109_002"/><p style="font-style:italic;"><hi style="font-style:normal;">Ernst August Koch wertet 1747 in der Widmungsrede der Neuen Sammlung der Reichsabschiede, die er verlegt hat, als besonderen Vorzug des Werks, daß Kf. Johann Friedrich Karl von Mainz die Kollation der edierten Texte mit den Originalen des Mainzer Erzkanzlerarchivs befohlen habe.</hi></p></note> zugestanden worden ist. 2. In Kurmainz sind nur wenige Sitzungen nicht enthalten; es gibt kein durch das Fehlen des Votanten bedingtes Fehlen der Protokolle, weil Kurfürstenratssitzungen nicht ohne den kurmainzischen Direktor stattfinden konnten. 3. Vom kurmainzischen Protokoll sind die durchweg originalen Überlieferungsformen der Konzepte bzw. Reinkonzepte erhalten. 4. <hi style="font-style:smallCaps;">Kurmainz</hi> Rk ist auch da, wo es mit anderen Protokollen kontaminiert wurde, eigenständig. Für die Sitzungen der Lengericher Konferenz mit ihrer guten Überlieferungslage wird <w lemma="besonders"><orig>beson-</orig><orig>ders</orig></w> deutlich, daß das Direktorium um eine möglichst neutrale, protokollgerechte Wiedergabe der Voten sich offenbar absichtlich bemüht hat.</p>
	    <p style="font-style:italic;">Schon um eine Aufschwemmung des Variantenapparats zu vermeiden, <hi style="font-width:spaced;">ist in zweiter Linie die Güte</hi> des jeweiligen Sitzungsprotokolls für den Abdruck maßgebend, d. h. seine Vollständigkeit und sein inhaltlicher Gehalt und Umfang. Diese <w lemma="Entscheidung"><orig>Ent-</orig><orig>scheidung</orig></w> mußte für jede Sitzung neu getroffen werden, weil die Qualität der <w lemma="Provenienzen"><orig>Pro-</orig><orig>venienzen</orig></w> zwischen 1645 und 1647 schwankend ist: So besteht <hi style="font-style:smallCaps;">Kurmainz</hi> Rk 1647 bei unwesentlich erachteten Themen nur aus einem Protokollregest ohne Voten; <hi style="font-style:smallCaps;"><w lemma="Kurmainz"><orig>Kur-</orig><orig>mainz</orig></w></hi> ist teilweise knapper als <hi style="font-style:smallCaps;">Kurköln</hi> und <hi style="font-style:smallCaps;">Kurtrier</hi>, wenn es auch nicht so wesentliche Auslassungen enthält wie <hi style="font-style:smallCaps;">Kurbayern</hi> und <hi style="font-style:smallCaps;">Kursachsen</hi><hi style="font-style:normal;">.</hi> <hi style="font-style:smallCaps;">Kurmainz</hi> scheidet da für den Druck aus, wo es fehlt, fragmentarisch ist oder zu große und zu viele Lücken aufweist. Hier wird in der Regel der inhaltlich beste Text abgedruckt: Das Springen zwischen den Überlieferungen erscheint gerechtfertigt, weil die einzelnen Provenienzen, wie geschildert, bereits im Zeitpunkt ihrer Entstehung eng <w lemma="miteinander"><orig>mitein-</orig><orig>ander</orig></w> zusammenhängen.</p>
	    <p style="font-style:italic;">Das Verhältnis des jeweils gedruckten Protokolls – meist <hi style="font-style:smallCaps;">Kurmainz</hi> Rk zu den nicht gedruckten Texten – wird nach folgendem Schema erfaßt:</p>
	    <table cols="2">
	      <row>
		<cell> <hi style="font-style:italic;">1. identische Texte</hi> </cell>
		<cell> <hi style="font-style:italic;">2. gleichlautende Texte</hi> </cell>
		<cell> <hi style="font-style:italic;">3. anderslautende Texte</hi> </cell>
	      </row>
	      <row>
		<cell> <hi style="font-style:italic;">a) Abweichungen formaler Art</hi> </cell>
		<cell> <hi style="font-style:italic;">a) Abweichungen formaler und inhaltlicher Art</hi> </cell>
		<cell> <hi style="font-style:italic;">a) Abweichungen inhaltlicher Art</hi> </cell>
	      </row>
	      <row>
		<cell> <hi style="font-style:italic;">b) Auslassungen</hi> </cell>
		<cell> <hi style="font-style:italic;">b) Auslassungen inhaltlicher Art</hi> </cell>
		<cell> <hi style="font-style:italic;">b) Auslassungen inhaltlicher Art</hi> </cell>
	      </row>
	      <row>
		<cell> <hi style="font-style:italic;">c) Zusätze</hi> </cell>
		<cell> <hi style="font-style:italic;">c) Zusätze <w lemma="inhaltlicher"><orig>inhalt-</orig><orig>licher</orig></w> Art</hi> </cell>
		<cell> <hi style="font-style:italic;">c) Zusätze inhaltlicher Art</hi> </cell>
	      </row>
	    </table>
	    <p/>
	    <p style="font-style:italic;"><pb n="CX" facs="APWIIIA1-1_p0110" sameAs="#bsb00057634_00110"/><hi style="font-width:spaced;"><hi style="font-style:italic;">Identisch</hi></hi> sind Texte immer dann, wenn (kollationierte) Abschriften vorliegen (<hi style="font-style:smallCaps;">Kurköln</hi> spA) oder wenn zwei eng verwandte Entstehungsstufen überliefert sind: Konzept und Reinkonzept bzw. Reinschrift (<hi style="font-style:smallCaps;">Kurmainz</hi> K, Rk); beim Übergang vom Rapular zum Konzept wird die Identität in der Regel nicht gewahrt, weil es sich um die Ausarbeitung einer Mitschrift handelt. Dabei muß keineswegs die <w lemma="abschriftlich"><orig>ab-</orig><orig>schriftlich</orig></w> vorliegende Überlieferungsform einer Provenienz auf eine gleichfalls <w lemma="erhaltene"><orig>erhal-</orig><orig>tene</orig></w> Abschrift oder auf ein vorliegendes Konzept der gleichen Provenienz direkt zurückgehen. Die Zwischenglieder können, wie im Fall von <hi style="font-style:smallCaps;">Kurtrier</hi> zA, spA, <hi style="font-style:smallCaps;">Kurköln</hi> zA, spA, Rs, <hi style="font-style:smallCaps;">Kurbayern</hi> K, spA verlorengegangen sein.</p>
	    <p style="font-style:italic;"><hi style="font-width:spaced;"><hi style="font-style:italic;">Gleichlautend</hi></hi> sind Protokolle dann, wenn sie nahezu miteinander übereinstimmen oder doch in Wortwahl und Satzbau gemeinsame oder sehr ähnliche Formulierungen aufweisen. Da Identität meist für ganze Serien von Sitzungen und für verwandte Protokollreihen zutrifft, ist sie im Kopfregest angegeben. Gleichlautende <w lemma="Formulierungen"><orig>Formu-</orig><orig>lierungen</orig></w> dagegen sind in der Regel in den Varianten angemerkt, weil sie zeitweise – von Sitzung zu Sitzung und innerhalb der Sitzungen wechselnd – immer dann <w lemma="auftreten"><orig>auf-</orig><orig>treten</orig></w>, wenn ein mehr oder weniger intensiver Votenaustausch stattgefunden hat. Gleichheit der Formulierungen war bei unabhängigen und eigenständigen Protokollen nicht von vornherein gegeben, sonst gäbe es keine nur sachlich und nicht auch <w lemma="formulierungsmäßig"><orig>formu-</orig><orig>lierungsmäßig</orig></w> übereinstimmenden Protokoll-Provenienzen<note type="edd" subtype="commAnnot" place="foot" facs="APWIIIA1-1_p0110n1" xml:id="bsb00057634_00110_n01"><lb facs="-" xml:id="bsb00057634_00110_001"/><p style="font-style:italic;"><hi style="font-style:normal;">Nrr. <ref type="document" subtype="intern" facs="#APWIIIA1-1_0065" target="#bsb00057634_00565_dok0065">65 (1646 II 7) S. 441ff.</ref>, <ref type="document" subtype="intern" facs="#APWIIIA1-1_0061" target="#bsb00057634_00535_dok0061">61 (1646 I 11) S. 411ff.</ref></hi></p></note>. Der Rückgang <w lemma="formulierungsmäßiger"><orig>formu-</orig><orig>lierungsmäßiger</orig></w> Abweichungen bis hin zum gleichlautenden Text, die steigende Anzahl gleicher und ähnlicher Formulierungen, sind auch Anzeichen dafür, daß das Thema einer Sitzung für besonders wichtig erachtet wurde und daß zur Vermeidung späteren Auslegungsstreits sachliche Differenzen, die sonst zu Varianten führten, durch <w lemma="gegenseitige"><orig>gegen-</orig><orig>seitige</orig></w> Abstimmung der Protokolle ausgeräumt wurden<note type="edd" subtype="commAnnot" place="foot" facs="APWIIIA1-1_p0110n2" xml:id="bsb00057634_00110_n02"><lb facs="-" xml:id="bsb00057634_00110_002"/><p style="font-style:italic;"><hi style="font-style:normal;">Deutlich bei der Beratung über die Amnestie 1646 II 10 (Nr. <ref type="document" subtype="intern" facs="#APWIIIA1-1_0066" target="#bsb00057634_00576_dok0066">66 S. 452ff.</ref>) im Vergleich zu den vorherigen Beratungen über den</hi> <hi style="font-style:normal;">modus consultandi.</hi> <hi style="font-style:normal;">Siehe auch Nr. <ref type="document" subtype="intern" facs="#APWIIIA1-1_0117" target="#bsb00057634_00896_dok0117">117 S. 773ff.</ref></hi></p></note>.</p>
	    <p style="font-style:italic;">Bei identischen Texten werden kleinere Abweichungen, meist Abschreibfehler und Irrtümer in der Wiedergabe von einzelnen Wörtern, und abschreibbedingte <w lemma="Auslassungen"><orig>Aus-</orig><orig>lassungen</orig></w> (bei <hi style="font-style:smallCaps;">Kurköln</hi> zA manchmal mehrere Sätze) nur zur Demonstration vorhandener bzw. nicht vorhandener Filiationen aufgeführt<note type="edd" subtype="commAnnot" place="foot" facs="APWIIIA1-1_p0110n3" xml:id="bsb00057634_00110_n03"><lb facs="-" xml:id="bsb00057634_00110_003"/><p><hi style="font-style:italic;">Nr. <ref type="page" subtype="intern" facs="#APWIIIA1-1_p0600" target="#bsb00057634_00600">68 S. 476</ref>. 27: Keine direkten Beziehungen zwischen</hi> <hi style="font-style:smallCaps;">Kurtrier</hi> <hi style="font-style:italic;">zA und spA, ebenso nicht zwischen</hi> <hi style="font-style:smallCaps;">Kurköln</hi> <hi style="font-style:italic;">zA und spA.</hi></p></note>. Auslassungsvermerke bei Reinkonzepten, die für später herzustellende und zu übersendende reinschriftliche Extrakte bestimmt sind, werden ebenfalls aufgenommen. Da bei identischen Texten im Vergleich zu ihrer Vorlage nur beabsichtigt oder unbeabsichtigt Fehlendes <w lemma="bemerkt"><orig>be-</orig><orig>merkt</orig></w> werden kann, wird auf Zusätze nur hingewiesen, wenn sie im Konzept als solche kenntlich und für Votenaustausch bedeutsam sind.</p>
	    <p style="font-style:italic;">Bei gleich- und anderslautenden Texten müssen vor allem sachlich-inhaltliche <w lemma="Abweichungen"><orig>Ab-</orig><orig>weichungen</orig></w>, Auslassungen und Zusätze notiert werden, bei gleichlautenden Texten aus textkritischen Gründen der Rekonstruktion auch Abweichungen der Formulierung, zumal wenn sie Abweichungen in der Sache einschließen. Die Beziehungen zwischen formulierungsmäßig übereinstimmenden Texten, etwa zwischen dem kurmainzischen Konzept und der davon abhängigen Fremdprovenienz <hi style="font-style:smallCaps;">Kurbayern</hi> K, Rp, werden erst <pb n="CXI" facs="APWIIIA1-1_p0111" sameAs="#bsb00057634_00111"/>durch die genaue Verzeichnung von Formulierungsgemeinsamkeiten und -abweichungen transparent. Im Hinblick auf die tatsächlich vorgebrachten Passagen sind hier vor allem Auslassungen und Zusätze wichtig. Aus Gründen der Kürze und um <w lemma="inhaltlich"><orig>inhalt-</orig><orig>lich</orig></w> gleiche Zusätze mehrerer Provenienzen zusammenfassen zu können, werden diese Varianten teilweise in Regestenform wiedergegeben. Starke Auslassungen in einer Minderheit nicht gedruckter Protokolle werden nur summarisch verzeichnet, weil sie durch die Qualität der betreffenden Protokolle bedingt erscheinen: Wenn in den anderen Provenienzen oder Überlieferungsformen, zumal im Verhältnis Rapular-Konzept, ein inhaltlich umfangreicherer Befund gegeben ist, kommt diesem faktisch die größere Wahrscheinlichkeit zu, und es kann angenommen werden, daß die summarischen Protokolle den Inhalt der Sitzungen unvollkommener reproduzieren<note type="edd" subtype="commAnnot" place="foot" facs="APWIIIA1-1_p0111n1" xml:id="bsb00057634_00111_n01"><lb facs="-" xml:id="bsb00057634_00111_001"/><p><hi style="font-style:italic;">Das Votenprotokoll rückt dann in die Nähe des</hi> summarischen begriffs <hi style="font-style:italic;">(Proposition und Conclusum der <choice><abbr>CC</abbr><expan>Corpus Catholicorum</expan></choice>-Sitzung von 1645 XI 19 in</hi> <choice><abbr>MEA</abbr><expan>Mainzer Erzkanzlerarchiv</expan></choice> <hi style="font-style:italic;"><choice><abbr>CorrA</abbr><expan>Correspondenzakten</expan></choice> <choice><abbr>Fasz.</abbr><expan>Faszikel</expan></choice> 10 [C]) bzw. des</hi> <w lemma="summarischen"><orig>sum-</orig><orig>marischen</orig></w> protocolls <hi style="font-style:italic;">mit Einträgen verschiedener Conclusen</hi> (<hi style="font-style:smallCaps;">ebd.</hi> <hi style="font-style:italic;">nr. 53), vgl. auch unten Nr. <ref type="line" subtype="intern" facs="#APWIIIA1-1_p0309l1" target="#bsb00057634_00309_001">27 S. 185. 1</ref>.</hi></p></note>.</p>
	    <p style="font-style:italic;">Enthalten Protokolle, wie im Regelfall, einen anderen Text als das Protokoll der Druckvorlage, so bedeutet das Auswerfen eines Zusatzes, einer Auslassung oder Abweichung gegenüber einem Satz oder Satzteil des gedruckten Textes nur, daß an dieser Stelle inhaltlich etwas fehlt oder hinzuzusetzen ist, nicht aber, daß die Texte über die im Kopfregest oder in den Anmerkungen hinaus gemachten Angaben identisch oder gleichlautend wären. Rapulare, beispielsweise <hi style="font-style:smallCaps;">Kurbayern</hi> Rp für Nr. 125–128, werden zum Textvergleich nur dann herangezogen, wenn die betreffende <w lemma="Provenienz"><orig>Prove-</orig><orig>nienz</orig></w> außerdem keine Überlieferung mehr bietet und die Überlieferungslage für die betreffende Sitzung ohnehin schlecht ist oder wenn Rapulare, wie bei der Lengericher Konferenz, über das Verhältnis einzelner Provenienzen zueinander etwas aussagen.</p>
	    <p style="font-style:italic;">Im Apparat werden an Kennzeichnungen gebraucht</p>
	    <table cols="2">
	      <row>
		<cell> <hi style="font-style:italic;">a) für Abweichungen:</hi> </cell>
		<cell/>
	      </row>
	      <row>
		<cell> <hi style="font-style:italic;">Statt dessen ...:</hi> </cell>
		<cell> <hi style="font-style:italic;">Dieser bewußt neutrale Ausdruck, durch den eine <w lemma="Festlegung"><orig>Festle-</orig><orig>gung</orig></w> auf die Art der Änderung vermieden werden soll, berücksichtigt Unwägbarkeiten der Formulierung und <w lemma="Synonymität"><orig>Syn-</orig><orig>onymität</orig></w>. Er wird meist bei kleineren Abweichungen <w lemma="verwendet"><orig>ver-</orig><orig>wendet</orig></w> oder bei solchen, wo es Interpretationssache wäre zu sagen, ob eine Verknappung oder eine Änderung vorliegt.</hi> </cell>
	      </row>
	      <row>
		<cell> <hi style="font-style:italic;">Abweichend ...:</hi> </cell>
		<cell> <hi style="font-style:italic;">Wird verwandt, wenn die Änderung klar als Alternative zum Text zu qualifizieren ist.</hi> </cell>
	      </row>
	      <row>
		<cell> <hi style="font-style:italic;">Deutlicher ...:</hi> </cell>
		<cell> <hi style="font-style:italic;">Dies bedeutet eine Präzisierung (oder schon nähere <w lemma="Ausführung"><orig>Aus-</orig><orig>führung</orig></w>) des im gedruckten Text Enthaltenen.</hi> </cell>
	      </row>
	      <row>
		<cell> <hi style="font-style:italic;">b) für Auslassungen:</hi> </cell>
		<cell/>
	      </row>
	      <row>
		<cell> <hi style="font-style:italic;">Knapper (kürzer) ...:</hi> </cell>
		<cell> <hi style="font-style:italic;">teilweise mit Hinweis darauf, was in den anderen <w lemma="Protokollen"><orig>Proto-</orig><orig>kollen</orig></w> stehengeblieben ist. Natürlich läuft jedes Mehr oder Minder auf eine Änderung hinaus, solange aber die <w lemma="Abweichung"><orig>Ab-</orig><orig>weichung</orig></w> nicht erkennbar gewollt ist, wird unter dem <w lemma="neutralen"><orig>neu-</orig><orig>tralen</orig></w> Gesichtspunkt der Vollständigkeit nur ein Mehr oder Weniger konstatiert.</hi> </cell>
	      </row>
	    </table>
	    <p/>
	    <table cols="2">
	      <row>
		<cell> <pb n="CXII" facs="APWIIIA1-1_p0112" sameAs="#bsb00057634_00112"/> <hi style="font-style:italic;">Wesentlich knapper</hi> </cell>
		<cell/>
	      </row>
	      <row>
		<cell> <hi style="font-style:italic;">(kürzer) ...:</hi> </cell>
		<cell> <hi style="font-style:italic;">ohne weitere Angaben, siehe oben.</hi> </cell>
	      </row>
	      <row>
		<cell> <hi style="font-style:italic;">Fehlt ...</hi> </cell>
		<cell/>
	      </row>
	      <row>
		<cell> <hi style="font-style:italic;">c) Zusätze:</hi> </cell>
		<cell/>
	      </row>
	      <row>
		<cell> <hi style="font-style:italic;">Zusätzlich ...:</hi> </cell>
		<cell> <hi style="font-style:italic;">mit Präzisierung, was auf ein ausgeworfenes Wort oder einen Satz(-Teil) der Druckvorlage in anderen Überlieferungen noch folgt.</hi> </cell>
	      </row>
	      <row>
		<cell> <hi style="font-style:italic;">Ausführlicher ...:</hi> </cell>
		<cell> <hi style="font-style:italic;">wenn umfangreiche Zusätze vor allem auch in mehreren <w lemma="Überlieferungen"><orig>Über-</orig><orig>lieferungen</orig></w> anfallen. Danach werden außer den betreffenden Überlieferungen/Provenienzen keine weiteren Angaben mehr gemacht, wenn die größere Ausführlichkeit, ebenso wie die wesentliche Kürzung in b), auf die Qualität des Protokolls zurückzuführen ist.</hi> </cell>
	      </row>
	      <row>
		<cell> <hi style="font-style:italic;">Ergänzt ...:</hi> </cell>
		<cell> <hi style="font-style:italic;">Hier werden ein Wort oder eine Zeile (Zeilensprung bei Abschrift) aus identischem oder gleichlautendem Text in die Vorlage, falls sie dort fehlen, eingesetzt.</hi> </cell>
	      </row>
	      <row>
		<cell> <hi style="font-style:italic;">Eingesetzt ...:</hi> </cell>
		<cell> <hi style="font-style:italic;">desgleichen, nur daß ein irrtümlicher bzw. fehlerhafter <w lemma="Ausdruck"><orig>Aus-</orig><orig>druck</orig></w> der Vorlage aus einer identischen Überlieferungsart (spA für zA, Rk für K, Rs für Rk einer Provenienz) ersetzt wird.</hi> </cell>
	      </row>
	    </table>
	    <p/>
	    <p style="font-style:italic;">Gerade weil der gedruckte Text durch den Variantenapparat erheblich verlängert wird, erscheinen Kürzungen in Regestform angebracht. Regestierung im Text wird im wesentlichen nach den Grundsätzen vorgenommen, die <hi style="font-style:normal;">F.</hi> <hi style="font-style:smallCaps;">Wolff</hi> für die Edition der <choice><abbr>CC</abbr><expan>Corpus Catholicorum</expan></choice>-Protokolle aufgestellt hat; auf sie sei der Kürze halber verwiesen<note type="edd" subtype="commAnnot" place="foot" facs="APWIIIA1-1_p0112n1" xml:id="bsb00057634_00112_n01"><lb facs="-" xml:id="bsb00057634_00112_001"/><p>APW <hi style="font-style:italic;">III A 4, 1 S. LXV f.</hi></p></note>. Da die <w lemma="Kurzregesten"><orig>Kurz-</orig><orig>regesten</orig></w> im laufenden Text Überflüssiges aussparen – wie Titel und <w lemma="Höflichkeitsfloskeln"><orig>Höflichkeits-</orig><orig>floskeln</orig></w> –, werden dazu in der Regel keine Varianten angegeben. Wiederholungen werden da, wo sie thematisch, etwa für das Reichstagszeremoniell, bedeutsam sind und bestimmte Punkte scheinbar stagnierend, aber bekräftigend oder interpretierend umkreisen, nicht regestiert: so bei den Verhandlungen über die Amnestie, während der die Katholiken die Tür zu interkonfessionellen Verhandlungen nur einen winzigen Spalt breit öffnen wollten<note type="edd" subtype="commAnnot" place="foot" facs="APWIIIA1-1_p0112n2" xml:id="bsb00057634_00112_n02"><lb facs="-" xml:id="bsb00057634_00112_002"/><p style="font-style:italic;"><hi style="font-style:normal;">Siehe unten Nrr. <ref type="page" subtype="intern" facs="#APWIIIA1-1_p0580" target="#bsb00057634_00580">66 S. 456f.</ref>, <ref type="page" subtype="intern" facs="#APWIIIA1-1_p0583" target="#bsb00057634_00583">459</ref>; <ref type="page" subtype="intern" facs="#APWIIIA1-1_p0590" target="#bsb00057634_00590">67 S. 466ff.</ref></hi></p></note>. Manchmal wirkt die kurmainzische Überlieferung, die größtenteils Druckvorlage ist, selbst wie ein Regest der wortreicheren anderen <w lemma="Protokolle"><orig>Proto-</orig><orig>kolle</orig></w>, besonders im Conclusum, so daß sich die Regestierung seitens des Bearbeiters erübrigt. Die <hi style="font-style:normal;">recapitulation</hi> der Voten, in <hi style="font-style:smallCaps;">Kurmainz</hi> K, Rk, Rs meist nur ohne nähere inhaltliche Angaben kurz vermerkt, wird aus den anderen Provenienzen dann in die Varianten übernommen, wenn sie nötig ist, um die kurmainzischen Anteile am Conclusum zu verdeutlichen oder die Formierung eines Conclusums <hi style="font-style:normal;">per maiora,</hi> das aus den vorherigen Voten nicht zwingend hervorgeht, verständlich zu machen.</p>
	    <p style="font-style:italic;"><pb facs="APWIIIA1-1_p0113" sameAs="#bsb00057634_00113" n="CXIII"/>Ergänzungen, erschlossene Ortsangaben, aufgelöste Abkürzungen, vor allem aus dem Rapular, sind in eckige Klammern [ ] gesetzt, desgleichen Auslassungen [...]. Runde Klammern im Text sind original; erscheinen sie nach Votenangabe – z. B. <hi style="font-width:spaced;">Kurmainz</hi> (Raigersperger) – und im Kopfregest, so bedeutet dies, daß die beigesetzten Namen in einem der Protokolle der betreffenden Sitzung auftauchen und <w lemma="übersichtshalber"><orig>übersichts-</orig><orig>halber</orig></w> an dieser Stelle mitgeteilt werden. Ist eine Variante, die wörtlich mitgeteilt wird, sinngemäß in mehreren Überlieferungen enthalten, so richtet sich der Text nach der ersten der für die Variante angegebenen Überlieferungen. Im Kopfregest und in den Varianten werden die Protokolle in folgender Reihenfolge bezeichnet: Provenienz (z. B. <hi style="font-style:smallCaps;"><w lemma="Kurmainz"><orig>Kur-</orig><orig>mainz</orig></w></hi>), Überlieferungsform/Entstehungsstufe (z. B. Rk), Band oder Faszikel der betreffenden Überlieferungsform (bei geschlossenen Protokollbänden eigene Zählung: z. B. <hi style="font-style:smallCaps;">Kurköln</hi> spA I, sonst Archivsignatur: <choice><abbr>FrA</abbr><expan>Friedensakten</expan></choice> = <w lemma="Friedensakten"><orig>Friedens-</orig><orig>akten</orig></w> <choice><abbr>Fasz.</abbr><expan>Faszikel</expan></choice> 9<note type="edd" subtype="commAnnot" place="foot" facs="APWIIIA1-1_p0113n1" xml:id="bsb00057634_00113_n01"><lb facs="-" xml:id="bsb00057634_00113_001"/><p><hi style="font-style:italic;">Vgl. unten Nr. 54 S. 368:</hi> <hi style="font-style:smallCaps;">Kurtrier</hi> <hi style="font-style:italic;">Rs 9231</hi> (= <hi style="font-style:smallCaps;">StA</hi> <hi style="font-style:smallCaps;">Koblenz</hi> <hi style="font-style:italic;">Abtlg. 1 C nr. 9231).</hi></p></note>). Ist bei den Diarien die Überlieferungsform nicht angemerkt (z. B. <hi style="font-style:smallCaps;">Diarium</hi> <hi style="font-style:smallCaps;">Wartenberg</hi>), so wurde stets das Original (Konzeptstufe) benutzt.</p>
	    <p style="font-style:italic;">5. Rechtsgeltung und Aussagekreis der Kurfürstenratsprotokolle</p>
	    <p style="font-style:italic;">Die Rechtsgeltung von Sitzungsprotokollen ist geringer zu veranschlagen als das Recht der Verträge. Diese allgemeine Feststellung trifft auch für die <w lemma="Kurfürstenratsprotokolle"><orig>Kurfürstenrats-</orig><orig>protokolle</orig></w> zu. Allerdings erlangt jede protokollierte Äußerung eine gewisse <w lemma="Verbindlichkeit"><orig>Verbind-</orig><orig>lichkeit</orig></w>. Sie legt ihren Urheber in gewisser Weise für den Augenblick und vor der Nachwelt fest<note type="edd" subtype="commAnnot" place="foot" facs="APWIIIA1-1_p0113n2" xml:id="bsb00057634_00113_n02"><lb facs="-" xml:id="bsb00057634_00113_002"/><p><hi style="font-style:italic;">Kf. Anselm <w lemma="Casimir"><orig>Casi-</orig><orig>mir</orig></w> (1645 XI 29) lobte seine Gesandten in Münster dafür, daß sie <w lemma="befehlsgemäß"><orig>befehls-</orig><orig>gemäß</orig></w></hi> in den protocollo dergestalt versehen, daß bey der wehrten posteritet wir einigen verweiß nit haben noch hinder unß laßen mögen (<choice><abbr>MEA</abbr><expan>Mainzer Erzkanzlerarchiv</expan></choice> <hi style="font-style:italic;"><choice><abbr>CorrA</abbr><expan>Correspondenzakten</expan></choice> <choice><abbr>Fasz.</abbr><expan>Faszikel</expan></choice> 10 [C]). <w lemma="Raigersperger"><orig>Raigers-</orig><orig>perger</orig></w> (an Kf. Anselm Casimir, 1645 XII 26) bedauerte, daß eine Verwahrung gegen die <w lemma="anmaßende"><orig>an-</orig><orig>maßende</orig></w> Ansage der Fürstlichen zum Reichsrat in Osnabrück nicht protokollkundig geworden sei, weil die Ansage</hi> den prothocollis und relationibus einverleibt pleibet und nichst dagegen einzuwenden ist (<choice><abbr>MEA</abbr><expan>Mainzer Erzkanzlerarchiv</expan></choice> <hi style="font-style:italic;"><choice><abbr>CorrA</abbr><expan>Correspondenzakten</expan></choice> <choice><abbr>Fasz.</abbr><expan>Faszikel</expan></choice> 11 [1] nr. 6</hi>).</p></note>. Der Gesandte, der im Reichsrat etwas zu Protokoll gab, tat weder eine bloß private diplomatische Äußerung<note type="edd" subtype="commAnnot" place="foot" facs="APWIIIA1-1_p0113n3" xml:id="bsb00057634_00113_n03"><lb facs="-" xml:id="bsb00057634_00113_003"/><p><hi style="font-style:italic;">Es begründete indes bereits einen Mangel an herkommensrechtlicher Legitimität, wenn</hi> <w lemma="nachrichtungh"><orig>nach-</orig><orig>richtungh</orig></w> in privatum, <hi style="font-style:italic;">nicht erst</hi> in protocollis, <hi style="font-style:italic;">fehlte (Kathol. Gravamina 1646 I 24/25,</hi> <choice><abbr>MEA</abbr><expan>Mainzer Erzkanzlerarchiv</expan></choice> <hi style="font-style:italic;"><choice><abbr>CorrA</abbr><expan>Correspondenzakten</expan></choice> <choice><abbr>Fasz.</abbr><expan>Faszikel</expan></choice> 12 [</hi>2<hi style="font-style:italic;">]).</hi></p></note>, noch führte er eine Art mündlicher Korrespondenz. Während seine brieflichen Mitteilungen, von ihm selbst klar <w lemma="eingrenzbar"><orig>eingrenz-</orig><orig>bar</orig></w>, ihn nur gegenüber einem Empfänger, gleich ob einer natürlichen oder einer <w lemma="juristischen"><orig>juri-</orig><orig>stischen</orig></w> Person, verpflichteten, wurde nun ein ganzes Gremium Zeuge seines viel elastischeren gesprochenen Worts. Es verlieh einen Spielraum, der seine Position stärken oder sie verwundbar machen konnte. Zwar war sein Votum an Vollmacht und Instruktion gebunden<note type="edd" subtype="commAnnot" place="foot" facs="APWIIIA1-1_p0113n4" xml:id="bsb00057634_00113_n04"><lb facs="-" xml:id="bsb00057634_00113_004"/><p><hi style="font-style:italic;">Die Regel war, daß die kurfürstlichen Instruktionen dem Gesandten die</hi> rationes, <hi style="font-style:italic;">aber</hi> nicht alle wortte <hi style="font-style:italic;">vorschrieben</hi> (<hi style="font-style:smallCaps;">DLöben</hi> <hi style="font-style:italic;">II fol. 48). Kurfürstliche Befehlschreiben wurden nur <w lemma="ausnahmsweise"><orig>aus-</orig><orig>nahmsweise</orig></w> im Rat verlesen.</hi></p></note>, was sowohl Absicherung als auch unerwünschte <w lemma="Festlegbarkeit"><orig>Festleg-</orig><orig>barkeit</orig></w> bedeuten konnte. Das Medium des gesprochenen Worts entwickelte jedoch eine Eigengeltung, die nur noch begrenzt vom fernen Auftraggeber kontrolliert werden konnte. Um mißliche Interpretationen der eigenen und der gehörten Äußerungen zu <pb n="CXIV" facs="APWIIIA1-1_p0114" sameAs="#bsb00057634_00114"/>verhindern, mußte das Protokoll zunächst gegenüber den einzelnen Gliedern des Rats mit einer gewissen Autorität, was seinen Wahrheitsgehalt betraf, ausgestattet sein. Bereits bei wichtigen Visiten und Konferenzen, sie mochten zwischen kaiserlichen und kurbayerischen, schwedischen und kurbrandenburgischen Räten stattfinden, wurde Wert auf ordentliches Protokollieren seitens der Gesandten oder ihrer Sekretäre gelegt<note type="edd" subtype="commAnnot" place="foot" facs="APWIIIA1-1_p0114n1" xml:id="bsb00057634_00114_n01"><lb facs="-" xml:id="bsb00057634_00114_001"/><p><hi style="font-style:italic;">Vgl. den Bericht des bayerischen Kammerpräsidenten Johann Mändl aus Prag (1648 II 17):</hi> Weilen der Kayserlichen deputirten vier gewesen und ein yeder geredt und gemerkht, waß er gewölt, ich aber allein ware, alß hab ich ihnen allen nit red und antwordt geben und zugleich alles minutim prothocolliren khünden. Aber weilen ihre sachen und reden so fleissig prothocolirt, speciosi herfürgestrichen und zu ihrem glimpf andern communicirt, waß ihnen in ihr kram gedaugt, alß währe ihnen wol angestanden, daß sy auch dasyenige, <hi style="font-style:italic;">was für Kurbayern eingewendet worden ist,</hi> prothocolliert und andern gesagt hetten (<choice><abbr>MEA</abbr><expan>Mainzer Erzkanzlerarchiv</expan></choice> <hi style="font-style:italic;"><choice><abbr>CorrA</abbr><expan>Correspondenzakten</expan></choice> <choice><abbr>Fasz.</abbr><expan>Faszikel</expan></choice> 21 tom. 4</hi>). <hi style="font-style:italic;">Bei Visiten brachte Kurbrandenburg bis zu drei Sekretäre mit</hi> (<hi style="font-style:smallCaps;">DLöben</hi> <hi style="font-style:italic;">I fol. 46</hi>), <hi style="font-style:italic;">in wichtigen Konferenzen</hi> gebrauchte sich auch <hi style="font-style:italic;">Salvius</hi> seiner schreibtaffel, <hi style="font-style:italic;">obwohl der schwedische Sekretär protokollierte</hi> (<hi style="font-style:smallCaps;">ebd.</hi> <hi style="font-style:italic;">II fol. 62). – Ein Sonderfall war die Herausgabe der schwedischen Replik (1646 I 7) in Form eines Protokolls, das</hi> nit allein in substantialibus, sondern sogar auch in formalibus <hi style="font-style:italic;">kollationiert werden mußte</hi> (<choice><abbr>RK</abbr><expan>Reichskanzlei</expan></choice> <hi style="font-style:italic;"><choice><abbr>FrA</abbr><expan>Friedensakten</expan></choice> <choice><abbr>Fasz.</abbr><expan>Faszikel</expan></choice> 50 b fol. 18–19,</hi> <hi style="font-style:smallCaps;">DLöben</hi> <hi style="font-style:italic;">II fol. 52).</hi></p></note>. Visitenprotokolle der einzelnen Kurstände galten aber immer noch weniger als <w lemma="ordentliche"><orig>ordent-</orig><orig>liche</orig></w> Reichsratsprotokolle<note type="edd" subtype="commAnnot" place="foot" facs="APWIIIA1-1_p0114n2" xml:id="bsb00057634_00114_n02"><lb facs="-" xml:id="bsb00057634_00114_002"/><p><hi style="font-style:italic;">Vgl.</hi> <hi style="font-style:smallCaps;">DLöben</hi> <hi style="font-style:italic;">I fol. 60.</hi></p></note>, sie wurden nicht miteinander abgestimmt, dienten <w lemma="hauptsächlich"><orig>haupt-</orig><orig>sächlich</orig></w> zur eigenen Information und gingen nicht auf einen bestallten Protokollführer zurück. Wurde Kritik an unliebsamen Beschlüssen oder Kollegialschreiben laut, so sah sich das Direktorium gezwungen, die Richtigkeit seines Protokolls zu betonen, den anderen Ständen nicht den Rückzug in die Unverbindlichkeit zu gestatten, ihre Mitwirkung herauszustellen<note type="edd" subtype="commAnnot" place="foot" facs="APWIIIA1-1_p0114n3" xml:id="bsb00057634_00114_n03"><lb facs="-" xml:id="bsb00057634_00114_003"/><p><hi style="font-style:italic;">Die</hi> haltung richtigen prothocolls <hi style="font-style:italic;">mit deutlicher Aufzeichnung der Voten diente</hi> vor allen dingen zu versicherung <hi style="font-style:italic;">des kurmainzischen</hi> directorii (<choice><abbr>MEA</abbr><expan>Mainzer Erzkanzlerarchiv</expan></choice> <hi style="font-style:italic;"><choice><abbr>CorrA</abbr><expan>Correspondenzakten</expan></choice> <choice><abbr>Fasz.</abbr><expan>Faszikel</expan></choice> 24 [1], <w lemma="Kurmainz"><orig>Kur-</orig><orig>mainz</orig></w>/Münster an Kurmainz/Osnabrück 1647 IV 19). Die Kurbrandenburger verlangten den Umlauf der von Kurmainz konzipierten Kollegialschreiben unter allen Gesandtschaften, die Abfassung allein durch das Direktorium aufgrund von dessen Protokoll genügte ihnen nicht</hi> (<hi style="font-style:smallCaps;">DLöben</hi> <hi style="font-style:italic;">I fol. 145).</hi></p></note>. Die Rechtskraft des Protokolls ergab sich gerade daraus, daß es gemeinsam zu verantwortendes Handeln bezeugte und so geeignet war, das Direktorium gegen den Vorwurf der Eigenmächtigkeit zu schützen. Aber der Streit um rechtswirksame Beschlüsse führte auch die einzelnen Kollegglieder dazu, die Gültigkeit des Protokolls zumindest vorauszusetzen: Ein beliebtes Mittel, <w lemma="Mehrheitsbeschlüssen"><orig>Mehr-</orig><orig>heitsbeschlüssen</orig></w> vorzubeugen, die eigene Interessen und Rechte zu beeinträchtigen drohten, war der Protest eines Standes in offener Sitzung<note type="edd" subtype="commAnnot" place="foot" facs="APWIIIA1-1_p0114n4" xml:id="bsb00057634_00114_n04"><lb facs="-" xml:id="bsb00057634_00114_004"/><p><hi style="font-style:italic;">Die</hi> iedeßmalß in voto incontinenti <hi style="font-style:italic;">vorgebrachten Proteste (Protestation Bischopings von 1648 IV 1,</hi> <choice><abbr>MEA</abbr><expan>Mainzer Erzkanzlerarchiv</expan></choice> <hi style="font-style:italic;"><choice><abbr>CorrA</abbr><expan>Correspondenzakten</expan></choice> <choice><abbr>Fasz.</abbr><expan>Faszikel</expan></choice> 19 [2]), durch</hi> die abgelegte vota et prothocolla <w lemma="gnugsamb"><orig>gnug-</orig><orig>samb</orig></w> an tag geben <hi style="font-style:italic;">(Kurmainz/Münster an Kf. Johann Philipp, 1648 VII 20,</hi> <choice><abbr>MEA</abbr><expan>Mainzer Erzkanzlerarchiv</expan></choice> <hi style="font-style:italic;"><choice><abbr>CorrA</abbr><expan>Correspondenzakten</expan></choice> <choice><abbr>Fasz.</abbr><expan>Faszikel</expan></choice> 16 [5]), konnten durch gedruckte oder schriftlich eingereichte Proteste, die</hi> dem <w lemma="reichsprotocollo"><orig>reichs-</orig><orig>protocollo</orig></w> <hi style="font-style:italic;">beigelegt wurden (Kf. Maximilian an Kf. Johann Philipp, Salzburg 1648 X 3,</hi> <choice><abbr>MEA</abbr><expan>Mainzer Erzkanzlerarchiv</expan></choice> <hi style="font-style:italic;"><choice><abbr>CorrA</abbr><expan>Correspondenzakten</expan></choice> <choice><abbr>Fasz.</abbr><expan>Faszikel</expan></choice> 22,5), bekräftigt werden. Jeder Protest gewann durch</hi> repetiren <hi style="font-style:italic;">und <w lemma="ausbleibenden"><orig>aus-</orig><orig>bleibenden</orig></w> Reprotest. Vgl. auch</hi> <hi style="font-style:smallCaps;">DLöben</hi> <hi style="font-style:italic;">II fol. 161, I fol. 124.</hi></p></note>. Diese förmliche <w lemma="Geltendmachung"><orig>Geltend-</orig><orig>machung</orig></w> eines Rechtsvorbehalts mußte normalerweise aufgezeichnet werden, so daß auch die Neigung zu Protest und Reprotest die Protokolle aufwertete. Die Kurfürsten <pb n="CXV" facs="APWIIIA1-1_p0115" sameAs="#bsb00057634_00115"/>Philipp Christoph von Trier<note type="edd" subtype="commAnnot" place="foot" facs="APWIIIA1-1_p0115n1" xml:id="bsb00057634_00115_n01"><lb facs="-" xml:id="bsb00057634_00115_001"/><p><hi style="font-style:italic;">Kurtrier/Münster an Kf. Philipp Christoph, 1646 VII 24</hi> (<choice><abbr>MEA</abbr><expan>Mainzer Erzkanzlerarchiv</expan></choice> <hi style="font-style:italic;"><choice><abbr>CorrA</abbr><expan>Correspondenzakten</expan></choice> <choice><abbr>Fasz.</abbr><expan>Faszikel</expan></choice> 12 [2] fol. 75’): Der Kurfürst und seine Stifter werden</hi> ungeachtet ihres ad prothocollum gebrachten dissensus quoad vinculum et observantiam pacis publicae unßers unvergreifflichen ermeßens allezeit gleich anderen ständen obligirt sein unndt verbleiben müßen.</p></note> und Johann Philipp von Mainz suchten ihren <w lemma="protokollierten"><orig>proto-</orig><orig>kollierten</orig></w> Protest sogar gegen die Entwürfe der Friedensinstrumente auszuspielen, obwohl ihre eigenen Gesandten dies unwirksam fanden und die angegriffenen <w lemma="Friedensbestimmungen"><orig>Friedens-</orig><orig>bestimmungen</orig></w> voll rechtskräftig fanden<note type="edd" subtype="commAnnot" place="foot" facs="APWIIIA1-1_p0115n2" xml:id="bsb00057634_00115_n02"><lb facs="-" xml:id="bsb00057634_00115_002"/><p><hi style="font-style:italic;">Den Auftrag des Kf. Johann Philipp (an Kurmainz/Osnabrück, 1648 III 21,</hi> <choice><abbr>MEA</abbr><expan>Mainzer Erzkanzlerarchiv</expan></choice> <hi style="font-style:italic;"><choice><abbr>CorrA</abbr><expan>Correspondenzakten</expan></choice> 18</hi> [4]), <hi style="font-style:italic;">das – nicht zugestandene – ius reformandi über Erfurt mittels</hi> anderwerttigen <w lemma="salvationen"><orig>sal-</orig><orig>vationen</orig></w> unnd heylßamen reservaten bey der dictatura und den reichßprothocollis <hi style="font-style:italic;">sich auszubehalten, konterkarierte Raigersperger mit dem lapidaren Nota Bene:</hi> frustranea sunt.</p></note>. Das Kurfürstenratsprotokoll vermochte lediglich in umstrittenen Rechtsfragen, die nicht zwischen den eigentlichen <w lemma="Friedenskontrahenten"><orig>Friedens-</orig><orig>kontrahenten</orig></w> vertraglich entschieden wurden, einzelnen Ständen ihre Rechtsansprüche zu gewährleisten. Darüber hinaus konnte es Streitfälle in herkommensrechtlichen Fragen entscheiden und, wie andere Protokolle auch, bei späteren Interpretationen der Friedensinstrumente als Auslegungsinstanz herangezogen werden<note type="edd" subtype="commAnnot" place="foot" facs="APWIIIA1-1_p0115n3" xml:id="bsb00057634_00115_n03"><lb facs="-" xml:id="bsb00057634_00115_003"/><p style="font-style:italic;"><hi style="font-style:normal;">Im Streit um die Auslegung des Präliminarschlusses von 1641 lehnten es die Kaiserlichen ab, fremde Protokolle gegen den Vertragstext gelten zu lassen, weil sie nur</hi> <hi style="font-style:normal;">annotationes privatae</hi> <hi style="font-style:normal;">seien, bezogen sich aber auf ihre eigenen Protokolle, die mit der kaiserlichen Auslegung des <w lemma="Vertrages"><orig>Ver-</orig><orig>trages</orig></w> übereinstimmten</hi> (<hi style="font-style:smallCaps;">Gärtner</hi> <hi style="font-style:normal;">III nr. 116 S. 788).</hi></p></note>.</p>
	    <p style="font-style:italic;">Maßgeblich war das kurmainzische Reichsprotokoll<note type="edd" subtype="commAnnot" place="foot" facs="APWIIIA1-1_p0115n4" xml:id="bsb00057634_00115_n04"><lb facs="-" xml:id="bsb00057634_00115_004"/><p>Von dem authentico Moguntino prothocollo imperii <hi style="font-style:italic;">konnte</hi> vidimata copia <hi style="font-style:italic;">genommen werden, um Zweifel des Kommittenten am eigenen (hier kurtrierischen) Protokoll auszuräumen</hi> (<choice><abbr>MEA</abbr><expan>Mainzer Erzkanzlerarchiv</expan></choice> <hi style="font-style:italic;"><choice><abbr>CorrA</abbr><expan>Correspondenzakten</expan></choice> <choice><abbr>Fasz.</abbr><expan>Faszikel</expan></choice> 12 [2] fol. 17’), vgl. auch</hi> <choice><abbr>MEA</abbr><expan>Mainzer Erzkanzlerarchiv</expan></choice> <hi style="font-style:italic;"><choice><abbr>CorrA</abbr><expan>Correspondenzakten</expan></choice> <choice><abbr>Fasz.</abbr><expan>Faszikel</expan></choice> 18 [3], 1648 VI 29, Beilage L.</hi> Churbeyerische <hi style="font-style:italic;">baten</hi> umb abschrifft <hi style="font-style:italic;">vom kurmainzischen Protokoll (der Sitzung 1647 III 18, aus der sie selbst ausgeschlossen waren, Kurmainz/Osnabrück an Kurmainz/Münster, 1647 III 21,</hi> <choice><abbr>MEA</abbr><expan>Mainzer Erzkanzlerarchiv</expan></choice> <hi style="font-style:italic;"><choice><abbr>CorrA</abbr><expan>Correspondenzakten</expan></choice> <choice><abbr>Fasz.</abbr><expan>Faszikel</expan></choice> 24</hi> [1]). <hi style="font-style:italic;">Bei der Beratung der Assistenzklausel 1648 waren</hi> die geschriebene, zweifelsohne annoch auch bei der Curmeinzischen reichscanzelei befindtliche prothocolla <hi style="font-style:italic;">der Assistenzberatungen, die 1548, 1550, 1552</hi> wo nit per directum saltem per indirectum <hi style="font-style:italic;">stattgefunden hatten, noch von Bedeutung (Philipp von Vorburg an Kf. Johann Philipp, 1648 undatiert,</hi> <choice><abbr>MEA</abbr><expan>Mainzer Erzkanzlerarchiv</expan></choice> <hi style="font-style:italic;"><choice><abbr>CorrA</abbr><expan>Correspondenzakten</expan></choice> <choice><abbr>Fasz.</abbr><expan>Faszikel</expan></choice> 19 [2]).</hi></p></note>. Hier mußten andere Kurstände, selbst wo es um ihre eigenen Voten ging, Streichungen und Zusätze erbitten und vom Direktorium genehmigen lassen<note type="edd" subtype="commAnnot" place="foot" facs="APWIIIA1-1_p0115n5" xml:id="bsb00057634_00115_n05"><lb facs="-" xml:id="bsb00057634_00115_005"/><p><hi style="font-style:italic;">Raigersperger beurkundete auf Antrag Kurtriers, im kurtrierischen Votum (von 1646 II 26) statt der Worte</hi> foederibus <hi style="font-style:italic;">gesetzt zu haben:</hi> mit gewißen capitulationibus assistentiae et neutralitatis <hi style="font-style:italic;">(1646 IV 19,</hi> <choice><abbr>MEA</abbr><expan>Mainzer Erzkanzlerarchiv</expan></choice> <hi style="font-style:italic;"><choice><abbr>FrA</abbr><expan>Friedensakten</expan></choice> <choice><abbr>Fasz.</abbr><expan>Faszikel</expan></choice> 13, 2, vgl.</hi> <choice><abbr>MEA</abbr><expan>Mainzer Erzkanzlerarchiv</expan></choice> <hi style="font-style:italic;"><choice><abbr>CorrA</abbr><expan>Correspondenzakten</expan></choice> <choice><abbr>Fasz.</abbr><expan>Faszikel</expan></choice> 16 fol. 103’, 12 [2] fol. 261). Der vom Kollegium befürworteten Änderung des Wahlprotokolls von 1636 (Zustimmung Kurtriers) widersetzte er sich allerdings unter Hinweis auf die Wahlbestätigung, die der Kurfürst von Trier bei seiner Entlassung abgegeben und der Kaiser dem Erzkanzlerarchiv</hi> in perpetuam rei memoriam <hi style="font-style:italic;">überlassen habe (Raigersperger/Münster an Kf. Anselm Casimir, 1647 I 11,</hi> <choice><abbr>MEA</abbr><expan>Mainzer Erzkanzlerarchiv</expan></choice> <hi style="font-style:italic;"><choice><abbr>CorrA</abbr><expan>Correspondenzakten</expan></choice> <choice><abbr>Fasz.</abbr><expan>Faszikel</expan></choice> 25 [2]).</hi></p></note>. Die Aufnahme einer Verbesserung ins <w lemma="Reichsprotokoll"><orig>Reichspro-</orig><orig>tokoll</orig></w> stand über der Absicherung eigener Rechte im eigenen Protokoll. Die <w lemma="juristisch"><orig>juri-</orig><orig>stisch</orig></w> gebildeten kurmainzischen Räte wußten, warum sie fremde Voten in Auszügen oder zur Gänze wörtlich einbauten. Sie machten ihr eigenes Protokoll unangreifbarer: Die Existenz eines quasi amtlichen Protokolls brachte bereits dessen relative <w lemma="Rechtsgeltung"><orig>Rechts-</orig><orig>geltung</orig></w> mit sich. Dem kurmainzischen Protokoll, das im Kurfürstenrat <w lemma="vergleichsweise"><orig>vergleichs-</orig><orig>weise</orig></w> weniger galt als das österreichische oder salzburgische Direktorialprotokoll im <pb n="CXVI" facs="APWIIIA1-1_p0116" sameAs="#bsb00057634_00116"/>Fürstenrat, ging aber ein letzter Grad von Authentizität ab<note type="edd" subtype="commAnnot" place="foot" facs="APWIIIA1-1_p0116n1" xml:id="bsb00057634_00116_n01"><lb facs="-" xml:id="bsb00057634_00116_001"/><p><hi style="font-style:italic;">So genügte es nicht, die nachträgliche Wahlbestätigung Kurtriers</hi> allein in daß Churmayntzisch prothocoll clanculum <hi style="font-style:italic;">einzuschieben, sie war</hi> auch in pleno, darmit eß in aller churfürsten prothocolla eingerücket, vorhero offentlich <hi style="font-style:italic;">zu</hi> verleßen <hi style="font-style:italic;">(Kf. Philipp Christoph an <w lemma="Kurtrier"><orig>Kur-</orig><orig>trier</orig></w>/Münster, 1646 IV 23,</hi> <choice><abbr>MEA</abbr><expan>Mainzer Erzkanzlerarchiv</expan></choice> <hi style="font-style:italic;"><choice><abbr>CorrA</abbr><expan>Correspondenzakten</expan></choice> <choice><abbr>Fasz.</abbr><expan>Faszikel</expan></choice> 16 fol. 111’).</hi></p></note>, der durch das <w lemma="Vorhandensein"><orig>Vor-</orig><orig>handensein</orig></w> der übrigen Kurfürstenratsprotokolle selbständiger Herkunft ausgeglichen wurde. Diese rangierten zwar, wenn sie nicht untereinander oder mit Kurmainz <w lemma="abgestimmt"><orig>abge-</orig><orig>stimmt</orig></w> wurden, unter dem Reichsprotokoll, hatten aber doch auch Teil an jener Rechtsgültigkeit, die im Falle der Einigung auf ein gemeinsam zu verfassendes und mit Autorität zu versehendes Wortprotokoll auf dieses allein gefallen wäre. Auch in sich selbst waren die Protokolle von unterschiedlicher Rechtsgeltung. Äußerungen <hi style="font-style:normal;">im ordentlichen votiren</hi> galten mehr als das <hi style="font-style:normal;">nur inter discursum</hi><note type="edd" subtype="commAnnot" place="foot" facs="APWIIIA1-1_p0116n2" xml:id="bsb00057634_00116_n02"><lb facs="-" xml:id="bsb00057634_00116_002"/><p><hi style="font-style:smallCaps;">DLöben</hi> <hi style="font-style:italic;">I fol. 68 (zu 1645 VII 11).</hi></p></note> Gesagte. <w lemma="Bemerkenswerterweise"><orig>Be-</orig><orig>merkenswerterweise</orig></w> enthält Kurmainz durchweg keine inoffiziellen Mitteilungen, die außerhalb der Voten gefallen sind. Die geringste Verbindlichkeit hatte das <hi style="font-style:normal;">a part</hi> gesprochene Wort, das den Ohren der Unbefugten und der Sekretäre verborgen blieb oder bleiben sollte.</p>
	    <p style="font-style:italic;">Die Rechtsverbindlichkeit der Protokolle, schwer greifbar und nur fallweise zu <w lemma="entscheiden"><orig>ent-</orig><orig>scheiden</orig></w>, ist nun nicht getrennt von der dort behandelten Thematik zu sehen: Materien des Reichsrechts, des Territorialrechts, der Verträge, des Religionsstandes, des <w lemma="Völkerrechts"><orig>Völ-</orig><orig>kerrechts</orig></w>. Meist standen die Interpretation und die Gültigkeit vergangener <w lemma="Abmachungen"><orig>Ab-</orig><orig>machungen</orig></w> zur Debatte. Nur wenige Beratungsgegenstände waren in einem <w lemma="positivrechtlichen"><orig>positiv-</orig><orig>rechtlichen</orig></w> Sinne festgelegt; auch die Frage, wie verflossene Reichsabschiede und -gesetze gelten sollten, war kontrovers. Jedes reichs- oder völkerrechtliche <w lemma="Argument"><orig>Argu-</orig><orig>ment</orig></w>, das vorgebracht wurde, war ebenso aus dem Kontext und der Situation heraus zu verstehen wie die Regelungen, auf die es sich bezog. Es waren nicht <w lemma="verfassung"><orig>ver-</orig><orig>fassung</orig></w> und Konstitution, aus der Vernunft und dem Volkswillen hergeleitet, die den historischen Rechten Geltung verschafften, sondern ihr historisches Schicksal mit allen wechselnden Konjunkturen und der zähe Behauptungswille derjenigen, die <w lemma="wohlerworbene"><orig>wohler-</orig><orig>worbene</orig></w> Rechte bedroht sahen. Deshalb müßte jede Dokumentation über die <w lemma="Gesamtlage"><orig>Gesamt-</orig><orig>lage</orig></w> des Reichs, die in notwendiger Beschränkung einen zeitlichen Querschnitt legt, ergänzt werden durch die Edition aller diplomatischen <hi style="font-style:normal;">handlungen,</hi> Protokolle und Abschiede, die als historische Bezugspunkte im Argumentationsfluß der Einzelvoten auftauchen. Sachliche Anmerkungen bieten nur einen unvollkommenen Ersatz und können dem Leser die Aktenkenntnis der Gesandten, die aus Gedächtnisleistung, Findigkeit und Geschäftserfahrung herrührte, nicht ersetzen. Die Fülle der <w lemma="Verhandlungsgegenstände"><orig>Ver-</orig><orig>handlungsgegenstände</orig></w>, immer nur in einer Zeitsituation vorfindbar und in der <w lemma="vertikalen"><orig>verti-</orig><orig>kalen</orig></w> Dimension des historischen Zeitablaufs veränderlich, läßt sich so wenig wie die allgemeingeschichtlichen Bezüge in einem institutionsgeschichtlichen Rahmen verorten; ja über diesen führt auch die reine Betrachtung der Institution (Kurfürstenrat) hinaus, weil jede Institution, selbst in ihren perennierenden Elementen, wirkender Faktor im historischen Geschehen ist: reagierend oder als treibende Kraft<note type="edd" subtype="commAnnot" place="foot" facs="APWIIIA1-1_p0116n3" xml:id="bsb00057634_00116_n03"><lb facs="-" xml:id="bsb00057634_00116_003"/><p><hi style="font-style:italic;">Vgl.</hi> M. <hi style="font-style:smallCaps;">Komjáthy</hi> <hi style="font-style:italic;">S. 54.</hi></p></note>. Die ahistorisch deutbare Struktur jeder technischen „Amtsführung“ transzendiert sich, als Teilstück <pb facs="APWIIIA1-1_p0117" sameAs="#bsb00057634_00117" n="CXVII"/>eines umfassenderen Ganzen gesehen, selbst. Die Gesandten im Kurfürstenrat <w lemma="handelten"><orig>han-</orig><orig>delten</orig></w> als einzelne und als Beauftragte, korporativ miteinander und mit den Gesandten der anderen Reichsräte zusammen und waren dabei eingebunden in das Gesamtgeflecht der handelnden Mächte, deren Einflüsse auf die Prozedur im Rat zurückwirkten. Kaum anders steht es mit den juridischen Aussagekomplexen, die auch nicht nur für sich genommen werden dürfen: Aber weder durch Rückbeziehung auf ihnen <w lemma="zugrundeliegende"><orig>zugrunde-</orig><orig>liegende</orig></w> historische Sachverhalte noch durch Deduktion aus der zeitgenössischen <w lemma="Rechtswissenschaft"><orig>Rechts-</orig><orig>wissenschaft</orig></w> noch durch Einbindung in politische Zeitkonstellationen werden sie vollends begreiflich, geschweige „positiv-rechtlich“ definierbar. Sie sind hineingestellt in eine epochale Totalität: Hinter der ausgiebigen Behandlung der Rang- und <w lemma="Titelfragen"><orig>Titel-</orig><orig>fragen</orig></w>, der Freude an der Selbstdarstellung verbirgt sich barockes Rollenspiel. <w lemma="Diplomatische"><orig>Diplo-</orig><orig>matische</orig></w> Distanzierung und literarische Spielhaltung scheinen sich in jenen <w lemma="kunstvollen"><orig>kunst-</orig><orig>vollen</orig></w> Beweisketten zu begegnen, die bewußt an der Oberfläche bleiben und arcana aussparen. Oder: Ohne die epochale Wirkung der Reformation ist die zustimmende Haltung der katholischen Reichsstände zur Veräußerung von Reichsgut nicht zu verstehen. Die Edition stellt eine zerfließende Vielfalt historischer Konkretionen bereit, die, obwohl sie unsere Kenntnis des Westfälischen Friedens ergänzen, selbst wieder in hohem Grade ergänzungsbedürftig sind. Der Historismus hat das <w lemma="Schematische"><orig>Sche-</orig><orig>matische</orig></w>, Mechanisch-Demonstrationshafte quasi naturgesetzlicher <w lemma="Geschichtserklärung"><orig>Geschichtserklä-</orig><orig>rung</orig></w> dem „approach“ an die Komplexität des historischen Geschehens mit seinen prinzipiell gleichwertigen Teilkomponenten geopfert. Wir können uns dieser <w lemma="wissenschaftlichen"><orig>wissen-</orig><orig>schaftlichen</orig></w> Tradition nicht entziehen. Aber müssen wir uns deshalb an die <w lemma="nimmersatten"><orig>nimmer-</orig><orig>satten</orig></w> Einzelheiten der Protokolle ausliefern? Zwei Versuche der Lösung dieses Dilemmas mögen angeboten werden.</p>
	    <p style="font-style:italic;">a) Der Aussagekreis der Protokolle läßt sich abstecken unter dem traditionellen Aspekt einer an Epochen orientierten Geschichtsbetrachtung. Sie stellt die <w lemma="existentielle"><orig>existen-</orig><orig>tielle</orig></w> Verbindung zwischen gleichzeitig bestehenden Lebenserscheinungen über deren kategoriale Trennung: Die Fakten der politischen Geschichte, der Rechts-, Sozial-, Geistes- und Kulturgeschichte gehören primär dem Entwicklungsstand eines <w lemma="Kulturkreises"><orig>Kultur-</orig><orig>kreises</orig></w> an und sind dadurch zumindest ebenso geprägt wie durch ihre überhistorisch kategoriale Herkunft. Als gemeinsame Produkte des politischen Bewußtseins <w lemma="verschiedener"><orig>ver-</orig><orig>schiedener</orig></w> – nicht nur personhafter – Individualität erschließen sich die Protokolle der geisteswissenschaftlichen Analyse: Vernunft und Herkommen, Ratio und <w lemma="Traditio"><orig>Tra-</orig><orig>ditio</orig></w> werden im Kurfürstenrat als legalisierende Instanzen beschworen; ihr <w lemma="Nebeneinander"><orig>Neben-</orig><orig>einander</orig></w> als übergeordnete Bezugssysteme berührt die Problematik, die darin liegt, natürliche Vernunft und Tradition zu historischen Prinzipien der Periodisierung, etwa der Abgrenzung von Mittelalter und Neuzeit, zu erheben. Das Ideenpotential der Menschheit wird vielleicht doch weniger sukzessive ausgeschöpft, als es manche fortschrittliche Geschichtsbegeisterung des 19. Jahrhunderts annahm: Warum sollte jede Epoche es nicht prinzipiell in voller Breite reproduzieren können? <w lemma="Mitwirkungsansprüche"><orig>Mitwirkungs-</orig><orig>ansprüche</orig></w>, gegenseitige Zubilligung originärer Rechte, rational gedachte <w lemma="Harmonievorstellungen"><orig>Harmonie-</orig><orig>vorstellungen</orig></w> werden am Ende dreier grausamer Kriegsdekaden zu einer <w lemma="reichspatriotischen"><orig>reichspatrio-</orig><orig>tischen</orig></w> Programmatik entfaltet, mit der das Urteil <hi style="font-style:smallCaps;">Kohns</hi>, in Deutschland habe <pb facs="APWIIIA1-1_p0118" sameAs="#bsb00057634_00118" n="CXVIII"/>anders als in Westeuropa „ein rationaler Begriff von der Gesellschaftsordnung“<note type="edd" subtype="commAnnot" place="foot" facs="APWIIIA1-1_p0118n1" xml:id="bsb00057634_00118_n01"><lb facs="-" xml:id="bsb00057634_00118_001"/><p><hi style="font-style:smallCaps;">Kohn</hi> <hi style="font-style:italic;">S. 449–464.</hi></p></note> nicht aufkommen können, unvereinbar ist.</p>
	    <p style="font-style:italic;">b) Die Krise der historischen Bewußtseinsbildung erstreckt sich heute auch auf die regulativen Ideen, mittels derer beispielgebend <hi style="font-style:smallCaps;">Ranke</hi> im Fluß des uferlos sich <w lemma="darstellenden"><orig>dar-</orig><orig>stellenden</orig></w> historischen Geschehens, dem der Historismus zur Gänze sich zuwendete, Ordnungsmarken setzte. Wenn ein kultureller Konsens über die großen Ideen und Zusammenhänge, über die „herrschenden Tendenzen in jedem Jahrhundert“<note type="edd" subtype="commAnnot" place="foot" facs="APWIIIA1-1_p0118n2" xml:id="bsb00057634_00118_n02"><lb facs="-" xml:id="bsb00057634_00118_002"/><p><hi style="font-style:smallCaps;">Srbik</hi> <hi style="font-style:italic;">I S. 250ff.</hi></p></note>, die <w lemma="Quellpunkte"><orig>Quell-</orig><orig>punkte</orig></w> des vielfältigen Lebens, nicht mehr erzielt werden könnte, ergäbe sich der ordnende Zugang zu den Quellen wiederum aus der Sachlogik sozialwissenschaftlicher <w lemma="Spezialdisziplinen"><orig>Spezialdis-</orig><orig>ziplinen</orig></w>. Die Kurfürstenratsprotokolle bieten empirisches Material für strukturelle <w lemma="sozialgeschichtliche"><orig>so-</orig><orig>zialgeschichtliche</orig></w> Fragestellungen der Friedensforschung und der Diplomatiegeschichte. Werden Herstellung und Bewahrung des Friedens, Beilegung gewalttätiger Konflikte nach einem „System von Regeln“<note type="edd" subtype="commAnnot" place="foot" facs="APWIIIA1-1_p0118n3" xml:id="bsb00057634_00118_n03"><lb facs="-" xml:id="bsb00057634_00118_003"/><p>D. <hi style="font-style:smallCaps;">Sternberger</hi> <hi style="font-style:italic;">S. 402–407.</hi></p></note>, zu zentralen Gegenständen der politischen <w lemma="Wissenschaft"><orig>Wissen-</orig><orig>schaft</orig></w> erklärt, dann sind die hier edierten Friedensakten unabhängig von ihrem Alter eminent politisch. Sie enthalten bereits das ungelöste dialektische Problem, ob nicht zur Zurückdämmung der Gewalt selbst wieder Gewalt in irgendeiner Form eingesetzt werden müsse<note type="edd" subtype="commAnnot" place="foot" facs="APWIIIA1-1_p0118n4" xml:id="bsb00057634_00118_n04"><lb facs="-" xml:id="bsb00057634_00118_004"/><p style="font-style:italic;"><hi style="font-style:normal;">Vgl.</hi> <hi style="font-style:smallCaps;">Flassan</hi> <hi style="font-style:normal;">I S. 18: Das Schicksal der Nationen hängt von der Diplomatie ab, „puisqu’elle forme la moitié de la puissance“;</hi> <hi style="font-style:smallCaps;">Deutsch</hi> <hi style="font-style:normal;">S. 178ff.</hi></p></note>: im Arrangement der Gesprächspartner, durch Hinweise auf den Fortgang der <hi style="font-style:normal;">campagna.</hi> Die Protokolle zeigen, daß ein Friede ohne Gerechtigkeit für unvollkommen gehalten wurde, daß ein Friedenszustand in totaler Wertfreiheit nicht erstrebenswert schien, daß ein friedlicher Ausgleich den „einigermaßen <w lemma="natürlichen"><orig>natür-</orig><orig>lichen</orig></w> Einklang“ zwischen den „Rechtsbeziehungen, Kräfteverhältnisse(n) und <w lemma="Machtbedürfnisse"><orig>Macht-</orig><orig>bedürfnisse</orig></w>(n) der europäischen Staatengesellschaft“<note type="edd" subtype="commAnnot" place="foot" facs="APWIIIA1-1_p0118n5" xml:id="bsb00057634_00118_n05"><lb facs="-" xml:id="bsb00057634_00118_005"/><p style="font-style:italic;"><hi style="font-style:normal;">G.</hi> <hi style="font-style:smallCaps;">Wolf</hi><hi style="font-style:normal;">, Friedensschlüsse S. 101f. mit Bezug auf Rankes „Große Mächte“.</hi></p></note> voraussetzte. Die Affinität der Föderativstruktur zum europäischen Frieden wird deutlich: Macht und Recht mußten zum Ausgleich kommen, ohne wechselseitige Respektierung des Eigenstands der Staaten und ohne Eindämmung frühabsolutistischer Macht war ein multilateraler Friedensvertrag nicht möglich. Andererseits förderte die innerstaatliche absolutistische Konsolidierung des Rechtswesens die Ausbildung eines europäischen Völkerrechts, das willkürliche Fehden und Austräge zurücktreten ließ<note type="edd" subtype="commAnnot" place="foot" facs="APWIIIA1-1_p0118n6" xml:id="bsb00057634_00118_n06"><lb facs="-" xml:id="bsb00057634_00118_006"/><p><hi style="font-style:italic;">Vgl.</hi> W. <hi style="font-style:smallCaps;">Schücking</hi> <hi style="font-style:italic;">S. 51f.,</hi> H. <hi style="font-style:smallCaps;">Conrad</hi> <hi style="font-style:italic;">S. 14–18 und am konkreten Problem der „nullité“</hi> <hi style="font-style:smallCaps;">Ph.</hi> <hi style="font-style:smallCaps;">Cahier</hi> <hi style="font-style:italic;">S. 646ff., 684–691.</hi></p></note>.</p>
	    <p style="font-style:italic;">Obwohl die Protokolle im Vorfeld eines Epochenereignisses stehen, bieten sie selbst keinerlei epochal deutbaren Resultate. Die korporative Willensbildung der Reichsräte im Interaktionsprozeß der Friedensfindung vollzog sich weniger ostentativ als die bilateralen Gespräche der Reisediplomatie im Jet-Zeitalter; das scheinbar <w lemma="ergebnislose"><orig>ergebnis-</orig><orig>lose</orig></w> Ringen um diplomatische Ausgangspositionen an einmal festgelegten Kongreßorten hatte seine Bedeutung, als die Wege noch weiter waren. Auch das heute so sehr <w lemma="diskutierte"><orig>disku-</orig><orig>tierte</orig></w> Spannungsverhältnis zwischen innerer Verfassung und äußeren Beziehungen der Staaten klingt in den Protokollen an. Es war damals so wenig wie heute durch eine <pb n="CXIX" facs="APWIIIA1-1_p0119" sameAs="#bsb00057634_00119"/>„science conjecturale“<note type="edd" subtype="commAnnot" place="foot" facs="APWIIIA1-1_p0119n1" xml:id="bsb00057634_00119_n01"><lb facs="-" xml:id="bsb00057634_00119_001"/><p style="font-style:italic;"><hi style="font-style:smallCaps;">Flassan</hi> <hi style="font-style:normal;">I S. 25, 29: „L’expérience d’autrui“ wird erworben „en méditant les âges précédents“.</hi></p></note> aufzulösen. Die Diplomaten des 17. Jahrhunderts haben keine grundlegenden Veränderungsstrategien, wohl aber erfolgreiche Methoden und Techniken des Friedensschlusses entwickelt und auf pragmatische Weise planend in das Chaos der politischen Machtrivalitäten eingegriffen. Sie lehren uns bereits die Taktik der begrenzt öffentlichkeitsbezogenen Deklamation, des Rekurses auf allgemein <w lemma="Anerkanntes"><orig>Aner-</orig><orig>kanntes</orig></w>, sie haben mit der harten Selbstbehauptung staatlicher Souveränität so gut ihre Erfahrung gemacht wie mit der dynamischen Dialektik des Kompromisses. Sie zeigen uns, wie geschichtliche Erfolge aus erlernbaren Geschäften wachsen. Gerade <hi style="font-style:smallCaps;">Droysen</hi> gibt eine historische Methode an, die Geschäfte der Geschichte in einem gewissen Sinne nutzbar zu machen: „Die <hi style="font-width:spaced;">diskussive</hi> Darstellung wendet die Fülle des Erforschten, diese Lichter wie in einem Hohlspiegel sammelnd, auf einen bestimmten Punkt der Gegenwart [...], auf eine Frage, die zu entscheiden, eine Alternative, in der ein Entschluß zu fassen, eine neue Erscheinung, deren Verständnis zu erschließen ist.“<note type="edd" subtype="commAnnot" place="foot" facs="APWIIIA1-1_p0119n2" xml:id="bsb00057634_00119_n02"><lb facs="-" xml:id="bsb00057634_00119_002"/><p>J. G. <hi style="font-style:smallCaps;">Droysen</hi>, <hi style="font-style:italic;">Grundriß des Historik § 93, in:</hi> <hi style="font-style:smallCaps;">ders.</hi>, <hi style="font-style:italic;">Historik (1943) S. 363.</hi></p></note> Wir sindnichtzukunftsfeindlich, wennwir weit zurückliegende Erfahrungen übernehmen.</p>
	    <p>✦ ✦ ✦</p>
	    <p style="font-style:italic;">Den Personen und Institutionen, die mich bei der Bearbeitung dieses Bandes <w lemma="unterstützt"><orig>unter-</orig><orig>stützt</orig></w> haben, spreche ich meinen herzlichen Dank aus. Die Archivdirektoren Frau Dr. Grete Weiser (Deutsches Zentralarchiv Merseburg, Historische <w lemma="Abteilung"><orig>Abtei-</orig><orig>lung</orig></w> II), Herr Professor Dr. Richard Blaas (Haus-, Hof- und Staatsarchiv Wien), Herr Dr. Hermann-Joseph Busley (Bayerisches Hauptstaatsarchiv München, <w lemma="Geheimes"><orig>Ge-</orig><orig>heimes</orig></w> Staatsarchiv), Hochw. Herr Engfer (Dombibliothek Hildesheim), Herr Dr. Franz-Josef Heyen (Staatsarchiv Koblenz) haben sich persönlich um die <w lemma="Bereitstellung"><orig>Bereit-</orig><orig>stellung</orig></w> der Quellen gekümmert. Persönlich geholfen haben mir auch Herr Dr. Wilhelm Engels vom Hauptstaatsarchiv Düsseldorf und Herr Ernst Punke von der Fürstlichen Archiv- und Bibliotheksverwaltung Büdingen (Hessen). Für ihre Unterstützung danke ich auch dem Staatsarchiv Dresden, dem Bistums- und dem Stadtarchiv Trier.</p>
	    <p style="font-style:italic;">Kollegiale Ratschläge haben mir Frau Ursula Irsigler, Frau Dr. Roswitha von Kietzell-Philippe, Herr Dr. Joachim Förster, Herr Dr. Gottfried Lorenz (<w lemma="seinerzeit"><orig>seiner-</orig><orig>zeit</orig></w> alle Bonn) erteilt; für eine wichtige Auskunft danke ich Herrn Dr. Helmut Urban (Staatsbibliothek München). Beim Abschreiben der Protokolle half mir Frau Hella Haupts. Eine besondere Dankespflicht habe ich gegenüber Herrn Dr. Fritz Wolff (Marburg), dem Bearbeiter der Protokolle des Corpus Catholicorum. Als der Erfahrenere hat er seine Kenntnisse in sehr kollegialer Weise weitergegeben. Vor allem aber danke ich meinem Lehrer, Herrn Professor Dr. Konrad Repgen. Er hat die ersten Archivrecherchen für diesen Quellenband selbst ausgeführt und die <w lemma="Edition"><orig>Edi-</orig><orig>tion</orig></w> in wissenschaftlicher und organisatorischer Hinsicht hervorragend betreut. Seiner Geduld und seinem ermutigenden Zuspruch, seinem Gewährenlassen und seinem <w lemma="kompetenten"><orig>kompe-</orig><orig>tenten</orig></w> Eingreifen, seinem Anspruch und seinen zahlreichen Anregungen, Hilfen, Hinweisen verdanke ich mehr, als äußerlich sichtbar werden kann. Mir ist jene <w lemma="Führungskunst"><orig>Füh-</orig><orig>rungskunst</orig></w> des akademischen Lehrers zugute gekommen, die wissenschaftliches <w lemma="Arbeiten"><orig>Ar-</orig><orig>beiten</orig></w> mehr fördert, als der Zeitgeist wahrhaben will.</p>
	    <p> <pb n="CXX" facs="APWIIIA1-1_p0120" sameAs="#bsb00057634_00120"/> <figure facs="APWIIIA1-1_p00120fig1.jpg" xml:id="bsb00057634_00120_g01"><graphic url="bsb00057634_00120_g01.jpg"/></figure> </p>
	    <p> <pb n="CXXI" facs="APWIIIA1-1_p0121" sameAs="#bsb00057634_00121"/> <figure facs="APWIIIA1-1_p00121fig1.jpg" xml:id="bsb00057634_00121_g01"><graphic url="bsb00057634_00121_g01.jpg"/></figure> </p>
	    <p> <pb facs="APWIIIA1-1_p0122" sameAs="#bsb00057634_00122" n="CXXII"/> <figure facs="APWIIIA1-1_p00122fig1.jpg" xml:id="bsb00057634_00122_g01"><graphic url="bsb00057634_00122_g01.jpg"/></figure> </p>
	    <p> <pb facs="APWIIIA1-1_p0123" sameAs="#bsb00057634_00123" n="CXXIII"/> <figure facs="APWIIIA1-1_p00123fig1.jpg" xml:id="bsb00057634_00123_g01"><graphic url="bsb00057634_00123_g01.jpg"/></figure> </p>
	    <pb facs="APWIIIA1-1_p0124" sameAs="#bsb00057634_00124" n="CXXIV"/>
	    <p>BERICHTIGUNGEN</p>
	    <table cols="2">
	      <row>
		<cell>S. 4.38</cell>
		<cell><hi style="font-style:italic;">13. Oktober 1630</hi> statt <hi style="font-style:italic;">13. Oktober 1635</hi> und <hi style="font-style:italic;">6. April 1631</hi> statt <hi style="font-style:italic;">6. April 1635</hi></cell>
	      </row>
	      <row>
		<cell>S. 22.40/41</cell>
		<cell><hi style="font-style:italic;">nordöstlich Bersenbrück</hi> statt <hi style="font-style:italic;">(heute .... 1077)</hi></cell>
	      </row>
	      <row>
		<cell>S. 26.39</cell>
		<cell><hi style="font-style:italic;">eingenommen</hi> statt <hi style="font-style:italic;">eingenommne</hi></cell>
	      </row>
	      <row>
		<cell>S. 43.21</cell>
		<cell>praedicato statt pradicato</cell>
	      </row>
	      <row>
		<cell>S. 59/60.45/36</cell>
		<cell><hi style="font-style:italic;">Würzburg</hi> statt <hi style="font-style:italic;">Osnabrück</hi></cell>
	      </row>
	      <row>
		<cell>S. 93.30</cell>
		<cell>consultationibus statt consultatonibus</cell>
	      </row>
	      <row>
		<cell>S. 186.18</cell>
		<cell><hi style="font-style:italic;">Stände</hi> statt <hi style="font-style:italic;">stände</hi></cell>
	      </row>
	      <row>
		<cell>S. 201.22</cell>
		<cell>tractiren statt tracticen</cell>
	      </row>
	      <row>
		<cell>S. 223.30</cell>
		<cell>clausulam statt clasulam</cell>
	      </row>
	      <row>
		<cell>S. 258.1</cell>
		<cell>gestellt statt gestellt</cell>
	      </row>
	      <row>
		<cell>S. 289.29</cell>
		<cell>der statt dnr</cell>
	      </row>
	      <row>
		<cell>S. 343.30</cell>
		<cell>silentium statt siltentium</cell>
	      </row>
	      <row>
		<cell>S. 367.16</cell>
		<cell><hi style="font-style:italic;">Osnabrück</hi> statt <hi style="font-style:italic;">Oßnabrück</hi></cell>
	      </row>
	      <row>
		<cell>S. 369.8/9</cell>
		<cell>unpraeiudicirlich statt unpraeiiudicirlich</cell>
	      </row>
	      <row>
		<cell>S. 372.41</cell>
		<cell><hi style="font-style:italic;">Administrator</hi> statt <hi style="font-style:italic;">Aministrator</hi></cell>
	      </row>
	      <row>
		<cell>S. 381.24</cell>
		<cell>ius statt ins</cell>
	      </row>
	      <row>
		<cell>S. 483.41</cell>
		<cell><hi style="font-style:italic;">Friedrich III.</hi> statt <hi style="font-style:italic;">Friedrich II.</hi></cell>
	      </row>
	      <row>
		<cell>S. 522.31, 728.24</cell>
		<cell><hi style="font-style:italic;">Frankreich</hi> statt <hi style="font-style:italic;">Franckreich</hi></cell>
	      </row>
	      <row>
		<cell>S. 524.41</cell>
		<cell><hi style="font-style:italic;">Regensburger</hi> statt <hi style="font-style:italic;">Nürnberger Kurfürstentag</hi></cell>
	      </row>
	      <row>
		<cell>S. 532.6</cell>
		<cell>restituiren statt restituiten</cell>
	      </row>
	      <row>
		<cell>S. 538.33</cell>
		<cell>„nec statt nec</cell>
	      </row>
	      <row>
		<cell>S. 626.17</cell>
		<cell>am Anfang der Zeile zu setzen: <hi style="font-width:spaced;"><hi style="font-style:italic;">Kurmainz</hi></hi></cell>
	      </row>
	      <row>
		<cell>S. 631.24</cell>
		<cell><hi style="font-style:italic;">Seehäfen,</hi> statt <hi style="font-style:italic;">Seehäfen</hi></cell>
	      </row>
	      <row>
		<cell>S. 648.43</cell>
		<cell><hi style="font-style:italic;">portugiesischer</hi> statt <hi style="font-style:italic;">protugiesischer</hi></cell>
	      </row>
	      <row>
		<cell>S. 720.42</cell>
		<cell><hi style="font-style:italic;">Augsburger</hi> statt <hi style="font-style:italic;">Speyerer Reichstag</hi></cell>
	      </row>
	      <row>
		<cell>S. 792.23</cell>
		<cell><hi style="font-style:smallCaps;">Kurbrandenburg</hi> statt <hi style="font-style:smallCaps;">Kurbrandenburn</hi></cell>
	      </row>
	      <row>
		<cell>S. 792.27</cell>
		<cell><hi style="font-style:italic;">Kurköln</hi> statt <hi style="font-style:italic;">Kurtrier</hi></cell>
	      </row>
	    </table>
	  </div>
	</div>
      </div>