<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?><div xmlns="http://www.tei-c.org/ns/1.0" xmlns:session="http://apache.org/cocoon/session/1.0" type="part" subtype="part" ana="#section_02" xml:id="bsb00056895_00089_sec0015" corresp="#bsb00056895_00089">
      <head><hi style="font-style:italic;">a. Die Verhandlungen mit Spanien</hi></head>
      <p style="font-style:italic;">Die im vorliegenden Band edierte Korrespondenz belegt nachdrücklich, daß die französische Regierung im Sommer und Herbst 1647 Spanien als Hauptkriegsgegner ansah und folglich den Verhandlungen der <w lemma="französischen"><orig>französi-</orig><orig>schen</orig></w> Gesandten mit den spanischen Bevollmächtigten in Münster große Bedeutung beimaß. Dieser herausragende Stellenwert des Faktors Spanien im außenpolitischen Kalkül der französischen Diplomatie während der zweiten Jahreshälfte 1647 resultierte auch und gerade aus der Beurteilung der Kräfteverhältnisse zwischen den beiden Linien der Casa de Austria: Während man französischerseits zu erkennen glaubte, daß Spanien das habsburgische Gesamthaus unangefochten dominiere, neigte man <w lemma="gleichzeitig"><orig>gleich-</orig><orig>zeitig</orig></w> dazu, die Rolle des Kaisers auf die eines Erfüllungsgehilfen <w lemma="spanischer"><orig>spa-</orig><orig>nischer</orig></w> Zielsetzungen zu reduzieren<note type="edd" subtype="commAnnot" place="foot" facs="APWIIB6_p0089n181" xml:id="bsb00056895_00089_n01"><lb facs="-" xml:id="bsb00056895_00089_001"/><p style="font-style:italic;">Die stereotype Schilderung der vermeintlichen Dominanz der Spanier im Hause <w lemma="Österreich"><orig>Öster-</orig><orig>reich</orig></w> und ihrer als maßgebend angesehenen Rolle im Rahmen der Gestaltung der ksl. Politik durchzieht die frz. Korrespondenz in den Sommer- und Herbstmonaten 1647 wie ein roter Faden: Der span. Staatsrat beherrsche die ksl. Politik (vgl. nr. 117), der ksl. <choice><abbr>Ges.</abbr><expan>Gesandter, Gesandte</expan></choice> Volmar sei gänzlich von dem span. Prinzipalges. Peñaranda abhängig (vgl. nr. 105), und Terranova, der span. <choice><abbr>Ges.</abbr><expan>Gesandter, Gesandte</expan></choice> am Ks.hof, regiere Ks. Ferdinand III. (vgl. nr. 219).</p></note>. Die Spanier seien lediglich darauf bedacht, ihre speziellen Anliegen zu verfolgen, und im Zweifelsfall stets bereit, die Interessen ihrer Verbündeten zu opfern<note type="edd" subtype="commAnnot" place="foot" facs="APWIIB6_p0089n182" xml:id="bsb00056895_00089_n02"><lb facs="-" xml:id="bsb00056895_00089_002"/><p style="font-style:italic;">Vgl. z.B. nr.n 35, 103 und 147.</p></note>.</p>
      <p style="font-style:italic;">Die prinzipielle Annahme spanischer Suprematie im Hause Österreich, die sich nach französischer Wahrnehmung auch auf die <w lemma="Friedensverhandlungen"><orig>Friedensverhandlun-</orig><orig>gen</orig></w> des Kaisers mit Frankreich erstrecke<note type="edd" subtype="commAnnot" place="foot" facs="APWIIB6_p0089n183" xml:id="bsb00056895_00089_n03"><lb facs="-" xml:id="bsb00056895_00089_003"/><p style="font-style:italic;">Vgl. nr. 236.</p></note>, bildete den argumentativen Hintergrund der Stellungnahmen der französischen Kongreßgesandten zu der während der Sommer- und Herbstmonate 1647 wiederholt <w lemma="erörterten"><orig>erörter-</orig><orig>ten</orig></w> zentralen Frage, ob ein gleichzeitiger Friedensschluß mit Spanien und dem Kaiser anzustreben sei bzw. welchem Separatfrieden gegebenenfalls der Vorrang eingeräumt werden müsse. Grundsätzlich herrschte <w lemma="französischerseits"><orig>französi-</orig><orig>scherseits</orig></w> Einigkeit darüber, daß ein allgemeiner Frieden etwaigen <w lemma="Separatabkommen"><orig>Sepa-</orig><orig>ratabkommen</orig></w> vorzuziehen sei. Sollte aber ein Friedensschluß pari passu nicht möglich sein, so hatte nach Ansicht der französischen Gesandten der Frieden mit Spanien Priorität<note type="edd" subtype="commAnnot" place="foot" facs="APWIIB6_p0089n184" xml:id="bsb00056895_00089_n04"><lb facs="-" xml:id="bsb00056895_00089_004"/><p style="font-style:italic;">Vgl. insbes. die entsprechenden Stellungnahmen der frz. <choice><abbr>Ges.</abbr><expan>Gesandter, Gesandte</expan></choice> in nr. 41 und nr. 170. <w lemma="Servien"><orig>Ser-</orig><orig>vien</orig></w> wies zudem ausdrücklich darauf hin, daß ein vorzeitiger Separatfriedensschluß Frk.s mit Ks. und Reich eher nachteilig sei (vgl. nr. 47).</p></note>. Der Primat einer möglichst auf der <pb n="XC" facs="APWIIB6_p0090" sameAs="#bsb00056895_00090"/>Grundlage einer <hi style="font-style:normal;">paix générale</hi> erfolgenden Verständigung mit Spanien stand jedoch keinesfalls alternativlos da. Vielmehr zeugen die in der <w lemma="Korrespondenz"><orig>Kor-</orig><orig>respondenz</orig></w> zwischen dem französischen Hof und der <w lemma="Kongreßgesandtschaft"><orig>Kongreßgesandt-</orig><orig>schaft</orig></w> greifbaren internen Erörterungen davon, daß im Sommer 1647 <w lemma="phasenweise"><orig>pha-</orig><orig>senweise</orig></w> auch das Modell eines auf die Niederlande beschränkten <w lemma="Separatfriedens"><orig>Separat-</orig><orig>friedens</orig></w> mit Spanien ernsthaft in Erwägung gezogen wurde<note type="edd" subtype="commAnnot" place="foot" facs="APWIIB6_p0090n185" xml:id="bsb00056895_00090_n01"><lb facs="-" xml:id="bsb00056895_00090_001"/><p style="font-style:italic;">Vgl. nr. 39 und nr. 52.</p></note>. Ein solches Separatabkommen sei allerdings, so resümierte Servien, nur als letztes Mittel anzusehen, um im Fall des Scheiterns eines allgemeinen <w lemma="Friedensschlusses"><orig>Friedens-</orig><orig>schlusses</orig></w> überhaupt noch zu einer Verständigung zu gelangen<note type="edd" subtype="commAnnot" place="foot" facs="APWIIB6_p0090n186" xml:id="bsb00056895_00090_n02"><lb facs="-" xml:id="bsb00056895_00090_002"/><p style="font-style:italic;">Vgl. hierzu Serviens Votum in nr. 69.</p></note>.</p>
      <p style="font-style:italic;">Daß die französische Regierung gleichwohl davon überzeugt war, nicht um jeden Preis einen Frieden mit Spanien schließen zu müssen<note type="edd" subtype="commAnnot" place="foot" facs="APWIIB6_p0090n187" xml:id="bsb00056895_00090_n03"><lb facs="-" xml:id="bsb00056895_00090_003"/><p style="font-style:italic;">Gerade auch die Aufstände in Neapel und Sizilien sowie der Abschluß des <w lemma="Garantievertrages"><orig>Garantiever-</orig><orig>trages</orig></w> mit den Gst. am 29. Juli 1647 (vgl. hierzu <ref type="page" subtype="intern" facs="#APWIIB6_p0068" target="#bsb00056895_00068">S. LXVIIIf</ref> bzw. <ref type="page" subtype="intern" facs="#APWIIB6_p0070" target="#bsb00056895_00070">LXX–LXXVI</ref>) waren wichtige Faktoren, die aus frz. Sicht im Sommer 1647 gegen einen schnellen, <w lemma="möglicherweise"><orig>möglicher-</orig><orig>weise</orig></w> übereilten Friedensschluß mit Spanien sprachen und von denen keine zwingende Friedensnotwendigkeit für Frk. ableitbar war.</p></note>, stand in engem Zusammenhang mit der Wahrnehmung der militärischen <w lemma="Kräfteverhältnisse"><orig>Kräf-</orig><orig>teverhältnisse</orig></w><note type="edd" subtype="commAnnot" place="foot" facs="APWIIB6_p0090n188" xml:id="bsb00056895_00090_n04"><lb facs="-" xml:id="bsb00056895_00090_004"/><p style="font-style:italic;">Vgl. etwa die Betonung der militärischen Überlegenheit Frk.s in nr. 187.</p></note>. Die noch nicht entschiedenen und wechselhaften, <w lemma="insgesamt"><orig>ins-</orig><orig>gesamt</orig></w> aber zuungunsten Spaniens verlaufenden militärischen <w lemma="Auseinandersetzungen"><orig>Ausein-</orig><orig>andersetzungen</orig></w> an den verschiedenen Kriegsschauplätzen bedingten <w lemma="jedenfalls"><orig>je-</orig><orig>denfalls</orig></w> eine grundsätzliche Verhandlungsdisposition des französischen Hofes, der die Annahme zugrunde lag, Spanien sei einerseits aufgrund seiner geschwächten militärischen und finanziellen Lage auf einen <w lemma="Friedensschluß"><orig>Frie-</orig><orig>densschluß</orig></w> angewiesen<note type="edd" subtype="commAnnot" place="foot" facs="APWIIB6_p0090n189" xml:id="bsb00056895_00090_n05"><lb facs="-" xml:id="bsb00056895_00090_005"/><p style="font-style:italic;">Vgl. hierzu die prägnanten Äußerungen Mazarins in nr. 75.</p></note>, andererseits jedoch offenkundig nicht willens, Frieden mit Frankreich zu schließen. Vielmehr ziele der spanische Hof, angetrieben von seinen <hi style="font-style:normal;">desseins ambitieux</hi><note type="edd" subtype="commAnnot" place="foot" facs="APWIIB6_p0090n190" xml:id="bsb00056895_00090_n06"><lb facs="-" xml:id="bsb00056895_00090_006"/><p style="font-style:italic;">Vgl. nr. 12, hier 45 Z. 29.</p></note> und der <hi style="font-style:normal;">haine implacable</hi><note type="edd" subtype="commAnnot" place="foot" facs="APWIIB6_p0090n191" xml:id="bsb00056895_00090_n07"><lb facs="-" xml:id="bsb00056895_00090_007"/><p style="font-style:italic;">Vgl. nr. 253, hier 747 Z. 29.</p></note> gegen Frankreich, auf eine Separatverständigung mit den Generalstaaten ab, die es ermöglichen solle, den Krieg gegen Frankreich mit Nachdruck fortzusetzen<note type="edd" subtype="commAnnot" place="foot" facs="APWIIB6_p0090n192" xml:id="bsb00056895_00090_n08"><lb facs="-" xml:id="bsb00056895_00090_008"/><p style="font-style:italic;">Die Klagen über die vermeintlich fehlende Bereitschaft Spaniens, Frieden mit Frk. zu schließen, und über die daraus resultierende Intransigenz der span. <choice><abbr>Ges.</abbr><expan>Gesandter, Gesandte</expan></choice> in den <w lemma="Verhandlungen"><orig>Verhand-</orig><orig>lungen</orig></w> mit ihren frz. Kollegen auf dem <choice><abbr>WFK</abbr><expan>Westfälischer Friedenskongress</expan></choice> waren fester Bestandteil der Korrespondenz zwischen dem frz. Hof und der Gesandtschaft in Westfalen; vgl. hierzu und zur <w lemma="grundsätzlichen"><orig>grund-</orig><orig>sätzlichen</orig></w> Wahrnehmung der span. Politik auf frz. Seite <hi style="font-style:smallCaps;">Rohrschneider</hi>, Tradition, hier 268ff.</p></note>. Entgegenkommen in den Verhandlungen mit Frankreich sei demgegenüber nur im Falle einer zwingenden Notwendigkeit <hi style="font-style:normal;">(<w lemma="nécessité"><orig>néces-</orig><orig>sité</orig></w>)</hi><note type="edd" subtype="commAnnot" place="foot" facs="APWIIB6_p0090n193" xml:id="bsb00056895_00090_n09"><lb facs="-" xml:id="bsb00056895_00090_009"/><p style="font-style:italic;">Vgl. nr.n 35, 117 und 153.</p></note> für Spanien zu erwarten.</p>
      <p style="font-style:italic;">In dieses Bild des fehlenden Willens Spaniens zur Verständigung mit Frankreich fügten sich im Verlauf des Sommers und Herbstes 1647 <w lemma="Ereignisse"><orig>Ereig-</orig><pb n="XCI" facs="APWIIB6_p0091" sameAs="#bsb00056895_00091"/><orig>nisse</orig></w> und Nachrichten ein, die den französischen Hof in der Tat in dem Eindruck bestärken konnten, weniger denn je ernsthaften spanischen <w lemma="Verhandlungswillen"><orig>Ver-</orig><orig>handlungswillen</orig></w> voraussetzen zu können. So reagierte man mit <w lemma="besonderer"><orig>besonde-</orig><orig>rer</orig></w> Empörung<note type="edd" subtype="commAnnot" place="foot" facs="APWIIB6_p0091n194" xml:id="bsb00056895_00091_n01"><lb facs="-" xml:id="bsb00056895_00091_001"/><p style="font-style:italic;">Lionne berichtete Servien vertraulich über Details der aufgedeckten Intrigen, die nach seinem Dafürhalten so verwerflich seien, daß er seinen Onkel aufforderte, sein Schreiben nach der Lektüre zu verbrennen, damit die Nachwelt keine Kenntnis von den <w lemma="beschriebenen"><orig>beschrie-</orig><orig>benen</orig></w> Vorgängen erlange (vgl. nr. 115).</p></note>, als zu Anfang August Nachrichten über geplante <w lemma="Umsturzversuche"><orig>Um-</orig><orig>sturzversuche</orig></w> in Frankreich am Hof eintrafen, die man spanischer <w lemma="Initiative"><orig>Initia-</orig><orig>tive</orig></w> zuschrieb<note type="edd" subtype="commAnnot" place="foot" facs="APWIIB6_p0091n195" xml:id="bsb00056895_00091_n02"><lb facs="-" xml:id="bsb00056895_00091_002"/><p style="font-style:italic;">Vgl. nr.n 97, 103, 114, 115, 117, 130 und 133.</p></note>. Für den Gang der französisch-spanischen <w lemma="Friedensverhandlungen"><orig>Friedensver-</orig><orig>handlungen</orig></w> in Münster waren diese Vorfälle nicht unwesentlich, da die französischen Gesandten aus diesen landesverräterischen Intrigen <w lemma="vermeintliche"><orig>ver-</orig><orig>meintliche</orig></w> Verhandlungsverzögerungen durch die spanische <w lemma="Kongreßgesandtschaft"><orig>Kongreß-</orig><orig>gesandtschaft</orig></w> ableiteten<note type="edd" subtype="commAnnot" place="foot" facs="APWIIB6_p0091n196" xml:id="bsb00056895_00091_n03"><lb facs="-" xml:id="bsb00056895_00091_003"/><p style="font-style:italic;">Vgl. nr. 130.</p></note>. Darüber hinaus stellte man französischerseits einen direkten Zusammenhang her zwischen der spanischen <w lemma="Unnachgiebigkeit"><orig>Unnachgie-</orig><orig>bigkeit</orig></w> in den Friedensverhandlungen mit Frankreich und der <w lemma="politischmilitärischen"><orig>politisch-</orig><orig>militärischen</orig></w> Entwicklung im Reich, die im zeitlichen Umfeld der <w lemma="kurbayerischen"><orig>kur-</orig><orig>bayerischen</orig></w> Aufkündigung des Ulmer Waffenstillstandes eine für <w lemma="Frankreich"><orig>Frank-</orig><orig>reich</orig></w> ungünstige Wendung zu nehmen drohte: Spanien arbeite gezielt auf eine schnelle Verständigung der katholischen und protestantischen <w lemma="Reichsstände"><orig>Reichs-</orig><orig>stände</orig></w> hin, deren Zielsetzung es sei, unter der Führung des Kaisers eine prononciert antifranzösische und -schwedische Politik zu betreiben<note type="edd" subtype="commAnnot" place="foot" facs="APWIIB6_p0091n197" xml:id="bsb00056895_00091_n04"><lb facs="-" xml:id="bsb00056895_00091_004"/><p style="font-style:italic;">Vgl. v.a. nr. 147 und nr. 166.</p></note>. Als dann Ende Oktober zudem Nachrichten darüber eintrafen, daß König Philipp IV. von Spanien den Staatsbankrott erklärt und sämtliche <w lemma="Schuldenzahlungen"><orig>Schul-</orig><orig>denzahlungen</orig></w> auf Kosten der Gläubiger eingestellt habe, deutete man dies auf französischer Seite dementsprechend nicht als Zeichen der Schwäche des Kontrahenten, sondern als nunmehr offenkundige Bereitschaft der spanischen Krone, die verbliebenen finanziellen Ressourcen zu <w lemma="mobilisieren"><orig>mobili-</orig><orig>sieren</orig></w> und den Krieg gegen Frankreich zu forcieren<note type="edd" subtype="commAnnot" place="foot" facs="APWIIB6_p0091n198" xml:id="bsb00056895_00091_n05"><lb facs="-" xml:id="bsb00056895_00091_005"/><p style="font-style:italic;">Vgl. nr. 219 und nr. 250.</p></note>. Daß die Spanier ferner sogar, wie Anfang November aus Paris nach Münster gemeldet wurde, die streng geheimen Korrespondenzen der französischen <w lemma="Kongreßgesandtschaft"><orig>Kongreß-</orig><orig>gesandtschaft</orig></w> mit dem Hof in ihre Hände gebracht hatten<note type="edd" subtype="commAnnot" place="foot" facs="APWIIB6_p0091n199" xml:id="bsb00056895_00091_n06"><lb facs="-" xml:id="bsb00056895_00091_006"/><p><hi style="font-style:italic;">Vgl. nr.n 231, 232, 233, 252 und 253 und <ref type="page" subtype="intern" facs="#APWIIB6_p0110" target="#bsb00056895_00110">S. CX</ref>; vgl. ferner</hi> CDI <hi style="font-style:italic;">83, 127;</hi> <hi style="font-style:smallCaps;">ebd.</hi> <hi style="font-style:italic;">84, 8f und 12;</hi> <hi style="font-style:smallCaps;">Bosbach</hi>, <hi style="font-style:italic;">Kosten, 215;</hi> <hi style="font-style:smallCaps;">Tischer</hi>, <hi style="font-style:italic;">Diplomatie, 33;</hi> <hi style="font-style:smallCaps;">Braun</hi>, <hi style="font-style:italic;">Einleitung, CXXXVIII.</hi></p></note>, fügte sich nahtlos in das negative Bild ein, das man von der <w lemma="Verständigungsbereitschaft"><orig>Verständigungsbereit-</orig><orig>schaft</orig></w> des Kriegsgegners gewonnen hatte, und ließ überdies unmittelbar nachteilige Konsequenzen für den weiteren Verlauf der <w lemma="Friedensverhandlungen"><orig>Friedensverhand-</orig><orig>lungen</orig></w> befürchten.</p>
      <p style="font-style:italic;">Diese Meldungen, die einen baldigen Friedensschluß in scheinbar weite Ferne rücken ließen und Anlaß zu neuem Mißtrauen waren, trugen <w lemma="insgesamt"><orig>ins-</orig><orig>gesamt</orig></w> gesehen dazu bei, den nachteiligen Eindruck zu bestätigen, den <pb n="XCII" facs="APWIIB6_p0092" sameAs="#bsb00056895_00092"/>man von seiten Frankreichs gerade auch von der konkreten <w lemma="Verhandlungsführung"><orig>Verhand-</orig><orig>lungsführung</orig></w> der spanischen Gesandten auf dem Friedenskongreß <w lemma="gewonnen"><orig>gewon-</orig><orig>nen</orig></w> hatte. Daran änderte selbst die Tatsache nichts, daß die <w lemma="französischspanischen"><orig>französisch-</orig><orig>spanischen</orig></w> Verhandlungen nach langem Stillstand<note type="edd" subtype="commAnnot" place="foot" facs="APWIIB6_p0092n200" xml:id="bsb00056895_00092_n01"><lb facs="-" xml:id="bsb00056895_00092_001"/><p style="font-style:italic;">Peñaranda hatte sich zeitweise nicht in der Stadt Münster, sondern in einem <w lemma="nahegelegenen"><orig>nahegelege-</orig><orig>nen</orig></w> Landhaus aufgehalten (vgl. insbes. nr.n 117, 141 und 154).</p></note> angesichts der <w lemma="bevorstehenden"><orig>bevor-</orig><orig>stehenden</orig></w> Rückkehr der niederländischen Gesandten nach Münster<note type="edd" subtype="commAnnot" place="foot" facs="APWIIB6_p0092n201" xml:id="bsb00056895_00092_n02"><lb facs="-" xml:id="bsb00056895_00092_002"/><p style="font-style:italic;">Die ndl. <choice><abbr>Ges.</abbr><expan>Gesandter, Gesandte</expan></choice> kehrten bis Anfang September wieder zum Friedenskongreß zurück (vgl. nr.n 88, 129 und 141), nachdem sie nach Abschluß der ndl.-span. Provisional-Art. zu <w lemma="Beratungen"><orig>Be-</orig><orig>ratungen</orig></w> in die Ndl. abgereist waren (vgl. <hi style="font-style:normal;">APW</hi> II B 5/1, hier insbes. <ref type="line" subtype="intern" facs="#APWIIB6_p0352n5" target="#bsb00056895_00352_038">nr. 86 Anm. 5</ref> und nr. 224). Laut Servien drängten v.a. die Mediatoren im August 1647 darauf, noch vor der Rückkehr der ndl. <choice><abbr>Ges.</abbr><expan>Gesandter, Gesandte</expan></choice> einen Abschluß der frz.-span. Verhandlungen herbeizuführen (vgl. nr. 101).</p></note> Ende August unter der Vermittlung der Mediatoren<note type="edd" subtype="commAnnot" place="foot" facs="APWIIB6_p0092n202" xml:id="bsb00056895_00092_n03"><lb facs="-" xml:id="bsb00056895_00092_003"/><p style="font-style:italic;">Vgl. in diesem Zusammenhang <hi style="font-style:smallCaps;">Braun</hi>, Einleitung, CLVff. Darüber hinaus spielten im Editionszeitraum Erwägungen eine Rolle, die strittigen Fragen der frz.-span. <w lemma="Verhandlungen"><orig>Verhand-</orig><orig>lungen</orig></w> einem Schiedsspruch der Gst. oder Pz. Wilhelms II. von Oranien anheimzustellen (vgl. z.B. nr.n 35, 141, 219, 228, 244 und 246).</p></note> wieder in Gang gekommen waren<note type="edd" subtype="commAnnot" place="foot" facs="APWIIB6_p0092n203" xml:id="bsb00056895_00092_n04"><lb facs="-" xml:id="bsb00056895_00092_004"/><p style="font-style:italic;">Vgl. v.a. nr. 117 und nr. 130. Unmittelbar zuvor hatten sich Kontakte zwischen d’Avaux und dem span. <choice><abbr>Ges.</abbr><expan>Gesandter, Gesandte</expan></choice> Brun ergeben, bei denen sogar eine persönliche Unterredung <w lemma="anvisiert"><orig>anvi-</orig><orig>siert</orig></w> worden war. Mazarin riet d’Avaux jedoch nachdrücklich davon ab, sich auf ein solches Treffen einzulassen (vgl. nr. 110 und nr. 127).</p></note>. Aktueller Handlungsbedarf ergab sich für die <w lemma="französische"><orig>fran-</orig><orig>zösische</orig></w> Regierung, gerade weil die niederländisch-spanischen <w lemma="Verhandlungen"><orig>Verhand-</orig><orig>lungen</orig></w> im Laufe des Monats September deutlich voranschritten und ein entsprechender Separatabschluß in greifbare Nähe zu rücken schien: Vom 12. September 1647 datiert die niederländische <w lemma="Verhandlungsproposition"><orig>Verhandlungspropositi-</orig><hi n="Verhandlungsproposition"><orig>on</orig></hi></w><note type="edd" subtype="commAnnot" place="foot" facs="APWIIB6_p0092n204" xml:id="bsb00056895_00092_n05"><lb facs="-" xml:id="bsb00056895_00092_005"/><p style="font-style:italic;">Vgl. <ref type="line" subtype="intern" facs="#APWIIB6_p0541n3" target="#bsb00056895_00541_031">nr. 153 Anm. 3</ref>.</p></note>, zehn Tage darauf erfolgte die spanische Responsion<note type="edd" subtype="commAnnot" place="foot" facs="APWIIB6_p0092n205" xml:id="bsb00056895_00092_n06"><lb facs="-" xml:id="bsb00056895_00092_006"/><p style="font-style:italic;">Vgl. <ref type="line" subtype="intern" facs="#APWIIB6_p0619n4" target="#bsb00056895_00619_035">nr. 182 Anm. 4</ref>.</p></note> und weitere sechs Tage darauf, am 28. September, die niederländische Replik<note type="edd" subtype="commAnnot" place="foot" facs="APWIIB6_p0092n206" xml:id="bsb00056895_00092_n07"><lb facs="-" xml:id="bsb00056895_00092_007"/><p style="font-style:italic;">Vgl. nr. 182 Beilage 1.</p></note>. Eine schnelle Verständigung blieb allerdings aus, so daß die niederländischen Gesandten Pauw, Knuyt und Clant am 16. Oktober aus Münster zur <w lemma="Berichterstattung"><orig>Be-</orig><orig>richterstattung</orig></w> nach Den Haag abreisten<note type="edd" subtype="commAnnot" place="foot" facs="APWIIB6_p0092n207" xml:id="bsb00056895_00092_n08"><lb facs="-" xml:id="bsb00056895_00092_008"/><p style="font-style:italic;">Vgl. nr. 214 mit Anm. 3.</p></note>. Als zentraler Streitpunkt hatte sich die geistliche Jurisdiktion in der Meierei von ’s-Hertogenbosch herauskristallisiert, über welche die Spanier nichts vereinbaren wollten<note type="edd" subtype="commAnnot" place="foot" facs="APWIIB6_p0092n208" xml:id="bsb00056895_00092_n09"><lb facs="-" xml:id="bsb00056895_00092_009"/><p style="font-style:italic;">Vgl. nr.n 153, 170, 182, 183, 192, 231, 244 und 250.</p></note>. Am französischen Hof machte man sich indes keine Illusionen <w lemma="darüber"><orig>darü-</orig><orig>ber</orig></w>, daß diese Frage kein unüberwindbares Hindernis auf dem Weg zu einem baldigen niederländisch-spanischen Separatfrieden darstellte. Zu fest war man von der spanischen Konzessionsbereitschaft – auch in <w lemma="Religionsfragen"><orig>Religi-</orig><orig>onsfragen</orig></w> – zur Realisierung des Separatabkommens mit den Vereinigten Provinzen überzeugt; zu eindeutig erschien der französischen Regierung das spanische Ziel, einen Keil in die französisch-niederländische Allianz zu treiben, als daß man noch ernsthaft in Betracht gezogen hätte, daß <pb n="XCIII" facs="APWIIB6_p0093" sameAs="#bsb00056895_00093"/>Philipp IV. die machtpolitischen Gesamtinteressen der spanischen Krone zugunsten der Sicherung der katholischen Religion in der Meierei von ’s-Hertogenbosch zurückstelle<note type="edd" subtype="commAnnot" place="foot" facs="APWIIB6_p0093n209" xml:id="bsb00056895_00093_n01"><lb facs="-" xml:id="bsb00056895_00093_001"/><p style="font-style:italic;">Dahinter stand der traditionelle frz. Vorwurf, Spanien sei – trotz seines <w lemma="Selbstverständnisses"><orig>Selbstverständ-</orig><orig>nisses</orig></w> als <hi style="font-style:normal;">monarquía católica –</hi> jederzeit bereit, Religionsfragen zugunsten <w lemma="machtpolitischer"><orig>machtpoliti-</orig><orig>scher</orig></w> Interessen zu opfern (vgl. hierzu allgemein <hi style="font-style:smallCaps;">Rohrschneider</hi>, Tradition, 277–280), der auch im hier behandelten Zeitraum, insbes. im Kontext der Erörterung der ndl.-span. Verhandlungen über die Meierei von ’s-Hertogenbosch, nachweisbar ist (vgl. nr.n 179, 182, 231, 244 und 250).</p></note>.</p>
      <p style="font-style:italic;">Dessenungeachtet ließ die sich anbahnende niederländisch-spanische <w lemma="Verständigung"><orig>Ver-</orig><orig>ständigung</orig></w> verstärkt die Frage in den Mittelpunkt der Erwägungen des französischen Hofes rücken, ob größere Nachgiebigkeit in den <w lemma="Verhandlungen"><orig>Verhand-</orig><orig>lungen</orig></w> mit Spanien den niederländischen Bündnispartner doch noch von der drohenden Separation abzubringen vermöge. Am entschiedensten lehnte Servien ein stärkeres Entgegenkommen gegenüber Spanien ab<note type="edd" subtype="commAnnot" place="foot" facs="APWIIB6_p0093n210" xml:id="bsb00056895_00093_n02"><lb facs="-" xml:id="bsb00056895_00093_002"/><p style="font-style:italic;">Zu Serviens Ablehnung größeren Entgegenkommens in den frz.-span. Verhandlungen vgl. z.B. nr.n. 1, 31, 158, 195 und 228.</p></note>. Nach seinem Dafürhalten war eine solche Verhandlungsführung lediglich dazu angetan, neue spanische Forderungen zu provozieren, so daß das Ziel eines französisch-spanischen Friedensschlusses in immer weitere Ferne <w lemma="rücke"><orig>rüc-</orig><orig>ke</orig></w><note type="edd" subtype="commAnnot" place="foot" facs="APWIIB6_p0093n211" xml:id="bsb00056895_00093_n03"><lb facs="-" xml:id="bsb00056895_00093_003"/><p style="font-style:italic;">Mazarin stimmte dieser Einschätzung ausdrücklich zu (vgl. nr. 176).</p></note>. Dennoch gab er zwischenzeitlich zu bedenken, ob nicht doch ein Nachgeben in Fragen von untergeordneter Bedeutung aus <w lemma="verhandlungstaktischen"><orig>verhandlungs-</orig><orig>taktischen</orig></w> Gründen, gerade auch im Hinblick auf die <w lemma="verständigungsbereite"><orig>verständigungs-</orig><orig>bereite</orig></w> Haltung der Generalstaaten gegenüber Spanien, förderlich sei<note type="edd" subtype="commAnnot" place="foot" facs="APWIIB6_p0093n212" xml:id="bsb00056895_00093_n04"><lb facs="-" xml:id="bsb00056895_00093_004"/><p style="font-style:italic;">Vgl. nr. 94. Hierzu zählte Servien savoyische Fragen, die Freilassung Eduards von <w lemma="Bragança"><orig>Bra-</orig><orig>gança</orig></w> und die Prätentionen des Hg.s von Atri und Melfi.</p></note>.</p>
      <p style="font-style:italic;">Dieser sich hier andeutenden Ausrichtung der Friedensverhandlungen mit Spanien – einerseits Konzessionsbereitschaft in den umstrittenen Fragen von zweit- oder drittrangiger Bedeutung, andererseits Intransigenz in den zentralen Verhandlungspunkten, deren Regelung im französischen Sinne als conditio sine qua non eines Friedensschlusses mit Spanien <w lemma="angesehen"><orig>an-</orig><orig>gesehen</orig></w> wurde – entsprach grundsätzlich auch die tatsächliche <w lemma="französische"><orig>französi-</orig><orig>sche</orig></w> Verhandlungsführung im Herbst 1647. Vordergründig deutete alles darauf hin, daß sich beide Parteien nach der Wiederaufnahme der <w lemma="Verhandlungen"><orig>Ver-</orig><orig>handlungen</orig></w> Ende August mit großen Schritten einem baldigen <w lemma="Friedensschluß"><orig>Friedens-</orig><orig>schluß</orig></w> näherten. Die französischen Gesandten präsentierten den <w lemma="Mediatoren"><orig>Media-</orig><orig>toren</orig></w> am 10. September 1647 einen Entwurf der Artikel 1–21 eines <w lemma="französisch-spanischen"><orig>fran-</orig><orig>zösisch-spanischen</orig></w> Friedensvertrages, der eine Überarbeitung und <w lemma="Erweiterung"><orig>Erwei-</orig><orig>terung</orig></w> des am 10. April 1647 von Chigi und Contarini übergebenen Textentwurfes der ersten 20 Artikel war<note type="edd" subtype="commAnnot" place="foot" facs="APWIIB6_p0093n213" xml:id="bsb00056895_00093_n05"><lb facs="-" xml:id="bsb00056895_00093_005"/><p style="font-style:italic;">Vgl. <ref type="line" subtype="intern" facs="#APWIIB6_p0543n11" target="#bsb00056895_00542_038">nr. 153 Anm. 11</ref>; zur Bewertung der April-Art., die eine span. Überarbeitung des frz. Gesamtentwurfes vom 25. Januar 1647 (vgl. <ref type="line" subtype="intern" facs="#APWIIB6_p0258n2" target="#bsb00056895_00258_034">nr. 47 Anm. 2</ref>) waren, vgl. ferner <hi style="font-style:smallCaps;">Tischer</hi>, Diplomatie, 394f; <hi style="font-style:smallCaps;">Braun</hi>, Einleitung, CXXXVIf.</p></note>. Nach Verzögerungen infolge der Anfertigung einer spanischen Übersetzung<note type="edd" subtype="commAnnot" place="foot" facs="APWIIB6_p0093n214" xml:id="bsb00056895_00093_n06"><lb facs="-" xml:id="bsb00056895_00093_006"/><p style="font-style:italic;">Vgl. nr. 166 und nr. 167.</p></note> und unter vorläufiger <pb n="XCIV" facs="APWIIB6_p0094" sameAs="#bsb00056895_00094"/>Ausklammerung des noch umstrittenen Artikels 18<note type="edd" subtype="commAnnot" place="foot" facs="APWIIB6_p0094n215" xml:id="bsb00056895_00094_n01"><lb facs="-" xml:id="bsb00056895_00094_001"/><p style="font-style:italic;">Vgl. nr. 166 und Anm. 219.</p></note> unterzeichneten die beiden Gesandtschaftssekretäre Boulanger und Fernández del Campo gut zwei Wochen später, am 27. September, die in französischer bzw. <w lemma="spanischer"><orig>spa-</orig><orig>nischer</orig></w> Sprache abgefaßten und bei Chigi deponierten Artikel 1–17 und 19–21<note type="edd" subtype="commAnnot" place="foot" facs="APWIIB6_p0094n216" xml:id="bsb00056895_00094_n02"><lb facs="-" xml:id="bsb00056895_00094_002"/><p style="font-style:italic;">Vgl. nr. 178 mit Anm. 1 sowie nr. 179 Beilagen 2 und 3. Diese Art. umfaßten allgemeine Erklärungen bzw. Vereinbarungen über die Friedens- und Freundschaftsabsichten der beiden Kriegsparteien, die Einstellung der Feindseligkeiten, die Vertragsratifikation, die Assistenzfrage und die Zusicherung immerwährenden Vergessens (Art. 1–4), ferner über die Aufhebung von Sanktionen und Repressalien ggb. den Untertanen und <w lemma="Handelsleuten"><orig>Handelsleu-</orig><orig>ten</orig></w> des vormaligen Kriegsgegners (Art. 5–17 und 19) sowie über die Besitz- und <w lemma="Nutzungsrechte"><orig>Nut-</orig><orig>zungsrechte</orig></w> an Pfründen (Art. 20–21).</p></note>. Das Procedere wiederholte sich, als über die folgenden Artikel verhandelt wurde. Die französischen Gesandten legten den Vermittlern am 10. Oktober Entwürfe des Artikels 22 und der Artikel 23–34, 36–40 und 42–48 sowie noch vor Monatsende einen überarbeiteten Entwurf der Artikel 23–24, 27–34, 37–40 und 42–48 vor<note type="edd" subtype="commAnnot" place="foot" facs="APWIIB6_p0094n217" xml:id="bsb00056895_00094_n03"><lb facs="-" xml:id="bsb00056895_00094_003"/><p style="font-style:italic;">Vgl. <ref type="line" subtype="intern" facs="#APWIIB6_p0686n8" target="#bsb00056895_00686_038">nr. 203 Anm. 8</ref> und <ref type="line" subtype="intern" facs="#APWIIB6_p0760n5" target="#bsb00056895_00760_035">nr. 223 Anm. 5</ref>.</p></note>. Die Spanier ihrerseits präsentierten den Mediatoren am 17. Oktober einen Entwurf der <w lemma="verhandelten"><orig>verhan-</orig><orig>delten</orig></w> Artikel in spanischer Sprache<note type="edd" subtype="commAnnot" place="foot" facs="APWIIB6_p0094n218" xml:id="bsb00056895_00094_n04"><lb facs="-" xml:id="bsb00056895_00094_004"/><p style="font-style:italic;">Vgl. <ref type="line" subtype="intern" facs="#APWIIB6_p0730n11" target="#bsb00056895_00730_034">nr. 214 Anm. 11</ref>.</p></note>, und auf der Grundlage dieser Entwürfe unterzeichneten wiederum die beiden Gesandtschaftssekretäre am 16. November insgesamt 23 Artikel, die ebenfalls bei Chigi hinterlegt wurden<note type="edd" subtype="commAnnot" place="foot" facs="APWIIB6_p0094n219" xml:id="bsb00056895_00094_n05"><lb facs="-" xml:id="bsb00056895_00094_005"/><p style="font-style:italic;">Art. 18, 23–25, 27–34, 37–40 und 42–48; vgl. nr. 261 Beilagen 5–7. Diese Art. regelten die Restitution von Flüchtlingen (Art. 18), den Verzicht des span. Kg.s auf Rechte und <w lemma="Ansprüche"><orig>An-</orig><orig>sprüche</orig></w> hinsichtlich der elsässischen Abtretungen, des Sundgaus und Breisachs (Art. 23), die Aushändigung der erforderlichen Dokumente hinsichtlich der an Frk. zu zedierenden Eroberungen (Art. 24), die Restitution des F.en von Monaco (Art. 25), kirchenrechtliche Fragen, insbes. im Hinblick auf Katalonien (Art. 27–29), den über Katalonien laufenden Handel (Art. 30–33), it. Angelegenheiten (Art. 34 und 38–40; vgl. hierzu die <w lemma="Ausführungen"><orig>Ausführun-</orig><orig>gen</orig></w> weiter unten mit Anm. 243), die Differenzen in bezug auf Graubünden und das Veltlin (Art. 37), die gegenseitigen Rechtsvorbehalte in Entsprechung zu den <w lemma="Bestimmungen"><orig>Bestimmun-</orig><orig>gen</orig></w> des Friedens von Vervins (1598) und den Verzicht auf eine gewaltsame Verfolgung von Rechtsansprüchen (Art. 42–43), die Freilassung von Kriegsgefangenen (Art. 44–45), die Bestätigung des Friedens von Vervins (Art. 46), die Exekution der Friedensschlüsse von Cateau-Cambrésis (1559) und Vervins (Art. 47) sowie die Abordnung von <w lemma="Kommissaren"><orig>Kommis-</orig><orig>saren</orig></w> zur genauen Grenzziehung (Art. 48).</p></note>.</p>
      <p style="font-style:italic;">Obwohl nunmehr bereits 43 Artikel vereinbart worden waren und auch die Verhandlungen über die nachfolgenden Artikel sogleich in Gang <w lemma="gesetzt"><orig>ge-</orig><orig>setzt</orig></w> wurden<note type="edd" subtype="commAnnot" place="foot" facs="APWIIB6_p0094n220" xml:id="bsb00056895_00094_n06"><lb facs="-" xml:id="bsb00056895_00094_006"/><p><hi style="font-style:italic;">Vgl. nr. 261; Saint-Romain an [Chavigny], Münster 1647 November 18 (eigh. Ausf.:</hi> <choice><abbr>AE</abbr><expan>Archives du Ministère des Affaires Etrangères</expan></choice>, <choice><abbr>CP</abbr><expan>Correspondance politique</expan></choice> <hi style="font-style:smallCaps;">All.</hi> <hi style="font-style:italic;">90 fol. 96–97’);</hi> <hi style="font-style:smallCaps;">Tischer</hi>, <hi style="font-style:italic;">Diplomatie, 399f.</hi></p></note>, ließen die französischen Gesandten in ihrer <w lemma="Berichterstattung"><orig>Berichterstat-</orig><orig>tung</orig></w> keine Zweifel darüber aufkommen, daß trotz des äußerlichen <w lemma="Fortschreitens"><orig>Fort-</orig><orig>schreitens</orig></w> der Verhandlungen bislang noch kein nennenswerter Fortschritt erzielt worden sei<note type="edd" subtype="commAnnot" place="foot" facs="APWIIB6_p0094n221" xml:id="bsb00056895_00094_n07"><lb facs="-" xml:id="bsb00056895_00094_007"/><p style="font-style:italic;">Vgl. z.B. nr.n 178, 179, 180, 195, 214, 224 und 261.</p></note>. In der Tat waren zentrale Streitfragen nach wie vor ungelöst. Dies betraf unter anderem wesentliche Aspekte der französisch-<pb n="XCV" facs="APWIIB6_p0095" sameAs="#bsb00056895_00095"/>spanischen Verhandlungen über portugiesische Angelegenheiten. So <w lemma="wurden"><orig>wur-</orig><orig>den</orig></w> im Sommer und Herbst 1647 weder eine Annäherung im Hinblick auf die von Frankreich, Schweden und Portugal geforderte Freilassung des in Mailand inhaftierten portugiesischen Prinzen Eduard von <w lemma="Bragança"><orig>Bragan-</orig><orig>ça</orig></w><note type="edd" subtype="commAnnot" place="foot" facs="APWIIB6_p0095n222" xml:id="bsb00056895_00095_n01"><lb facs="-" xml:id="bsb00056895_00095_001"/><p style="font-style:italic;">Vgl. nr.n 137, 153, 155, 195 und 224.</p></note>, des Bruders König Johanns IV., erzielt, noch fand sich eine für beide Kriegsparteien akzeptable Regelung in der Frage zukünftiger militärischer Assistenz Frankreichs für Portugal<note type="edd" subtype="commAnnot" place="foot" facs="APWIIB6_p0095n223" xml:id="bsb00056895_00095_n02"><lb facs="-" xml:id="bsb00056895_00095_002"/><p><hi style="font-style:italic;">Zur Assistenzfrage vgl. grundsätzlich</hi> <hi style="font-style:smallCaps;">Tischer</hi>, <hi style="font-style:italic;">Diplomatie, 396f;</hi> <hi style="font-style:smallCaps;">Braun</hi>, <hi style="font-style:italic;">Einleitung, CXXXVII, CLIV–CLIX.</hi></p></note>.</p>
      <p style="font-style:italic;">Hintergrund des letztgenannten Streitpunktes waren die Bemühungen der französischen Regierung, Portugal auch nach einem <w lemma="französisch-spanischen"><orig>französisch-spa-</orig><orig>nischen</orig></w> Friedensschluß in seinem seit 1640 währenden <w lemma="Unabhängigkeitskampf"><orig>Unabhängigkeits-</orig><orig>kampf</orig></w> gegen Spanien militärisch zu unterstützen<note type="edd" subtype="commAnnot" place="foot" facs="APWIIB6_p0095n224" xml:id="bsb00056895_00095_n03"><lb facs="-" xml:id="bsb00056895_00095_003"/><p style="font-style:italic;">Der frz. Hof war davon überzeugt, daß militärische Unterstützung für Portugal <w lemma="zwingend"><orig>zwin-</orig><orig>gend</orig></w> erforderlich für dessen Behauptung gegen Spanien sei. Im Falle eines frz. <w lemma="Assistenzverzichts"><orig>Assistenz-</orig><orig>verzichts</orig></w> sei der Ruin des port. Kg.s unausweichlich, heißt es in nr. 8.</p></note>, ohne daß dies als Friedensbruch angesehen werden könnte. Grundsätzliches Ziel der <w lemma="französischen"><orig>fran-</orig><orig>zösischen</orig></w> Politik war es in diesem Kontext, über ein geeignetes <w lemma="militärisches"><orig>militäri-</orig><orig>sches</orig></w> Druckmittel zur Friedensassekuration zu verfügen, das Spanien <w lemma="zukünftig"><orig>zu-</orig><orig>künftig</orig></w> von einer Revision etwaiger Friedensvereinbarungen abhalten sollte<note type="edd" subtype="commAnnot" place="foot" facs="APWIIB6_p0095n225" xml:id="bsb00056895_00095_n04"><lb facs="-" xml:id="bsb00056895_00095_004"/><p style="font-style:italic;">Zur grundsätzlichen frz. Haltung in der Assistenzfrage vgl. etwa <hi style="font-style:normal;">APW</hi> II B 5/2 nr. 267 und nr. 277; vgl. ferner <hi style="font-style:smallCaps;">Sonnino</hi>, Prelude, 229f; <hi style="font-style:smallCaps;">Braun</hi>, Einleitung, CLIV.</p></note>.</p>
      <p style="font-style:italic;">Die Verhandlungen über diesen Punkt gestalteten sich schwierig, aber nicht aussichtslos. Zwar waren substantielle Verhandlungsfortschritte <w lemma="zunächst"><orig>zu-</orig><orig>nächst</orig></w> ausgeblieben, nachdem Chigi und Contarini den Spaniern am 28. Mai 1647 Entwürfe für einen entsprechenden Friedensvertragsartikel (Artikel 3) sowie für ein von französischer Seite gefordertes Attestat der Mediatoren zur außervertraglichen Zusicherung des französischen <w lemma="Assistenzrechts"><orig>Assi-</orig><orig>stenzrechts</orig></w> für Portugal präsentiert hatten<note type="edd" subtype="commAnnot" place="foot" facs="APWIIB6_p0095n226" xml:id="bsb00056895_00095_n05"><lb facs="-" xml:id="bsb00056895_00095_005"/><p style="font-style:italic;">Vgl. <ref type="line" subtype="intern" facs="#APWIIB6_p0154n1" target="#bsb00056895_00154_029">nr. 11 Anm. 1</ref> und nr. 31 mit Beilage 1.</p></note>. Die Assistenzfrage rückte jedoch im Gefolge der Wiederaufnahme der französisch-spanischen <w lemma="Verhandlungen"><orig>Ver-</orig><orig>handlungen</orig></w> während des Sommers erneut in das Zentrum der <w lemma="Unterhandlungen"><orig>Unterhand-</orig><orig>lungen</orig></w> der französischen und spanischen Gesandten mit den Mediatoren. Am 22. August 1647 wurde immerhin eine Vereinbarung über den <w lemma="konkreten"><orig>kon-</orig><orig>kreten</orig></w> Wortlaut des Artikels 3 erzielt, der die Frage der Assistenz der <w lemma="beiden"><orig>bei-</orig><orig>den</orig></w> Vertragspartner für ihre jeweiligen Alliierten allgemein regelte, <w lemma="Portugal"><orig>Por-</orig><orig>tugal</orig></w> jedoch nicht namentlich aufführte<note type="edd" subtype="commAnnot" place="foot" facs="APWIIB6_p0095n227" xml:id="bsb00056895_00095_n06"><lb facs="-" xml:id="bsb00056895_00095_006"/><p style="font-style:italic;">Vgl. nr. 130 mit Beilage 2.</p></note>. Damit war das Problem nicht gelöst, sondern nur verlagert. Es zeigte sich, daß sich die spanische Seite hartnäckig weigerte, einem Attestat der Mediatoren zuzustimmen, das, dem französischen Wunsch folgend, im Hinblick auf den Assistenzartikel eine Erklärung über den Einschluß Portugals enthalten sollte<note type="edd" subtype="commAnnot" place="foot" facs="APWIIB6_p0095n228" xml:id="bsb00056895_00095_n07"><lb facs="-" xml:id="bsb00056895_00095_007"/><p style="font-style:italic;">Vgl. v.a. nr. 31 mit Beilage 1 und nr. 130 mit Anm. 13 und Beilage 3.</p></note>. Vielmehr <pb n="XCVI" facs="APWIIB6_p0096" sameAs="#bsb00056895_00096"/>brachte der spanische Prinzipalgesandte Peñaranda seinerseits ein <w lemma="zusätzliches"><orig>zusätz-</orig><orig>liches</orig></w> Zertifikat Chigis und Contarinis ins Gespräch, das die ausdrückliche spanische Absicht dokumentieren sollte, keinesfalls zuzulassen, daß es französischen Truppen in Portugal künftig erlaubt sei, Spanien – unter welchem Vorwand auch immer – anzugreifen<note type="edd" subtype="commAnnot" place="foot" facs="APWIIB6_p0096n229" xml:id="bsb00056895_00096_n01"><lb facs="-" xml:id="bsb00056895_00096_001"/><p style="font-style:italic;">Vgl. nr. 130.</p></note>: Der Hof in Madrid war augenscheinlich nach wie vor nicht bereit, vertragliche oder <w lemma="außervertragliche"><orig>außervertrag-</orig><orig>liche</orig></w> Regelungen zu konzedieren, die Frankreich die Möglichkeit <w lemma="beließen"><orig>belie-</orig><orig>ßen</orig></w>, nach einem Friedensschluß mittels Auxiliartruppen für Portugal auf der Iberischen Halbinsel zu intervenieren. Da man jedoch <w lemma="französischerseits"><orig>französischer-</orig><orig>seits</orig></w> von der Forderung nach einem Assistenzrecht für Portugal als Mittel der Friedensassekuration nicht abrücken wollte<note type="edd" subtype="commAnnot" place="foot" facs="APWIIB6_p0096n230" xml:id="bsb00056895_00096_n02"><lb facs="-" xml:id="bsb00056895_00096_002"/><p style="font-style:italic;">Gleichwohl gab Servien grundsätzlich zu bedenken, ob nicht angesichts der nahenden Separatverständigung der Gst. mit Spanien ein Verzicht auf die Attestat-Forderung in Erwägung zu ziehen sei (vgl. nr. 170).</p></note>, gerieten die <w lemma="Verhandlungen"><orig>Verhand-</orig><orig>lungen</orig></w> erneut in eine Sackgasse. Anfang September wurde daher <w lemma="vereinbart"><orig>verein-</orig><orig>bart</orig></w>, weitere Gespräche über den genauen Wortlaut des anvisierten <w lemma="Attestates"><orig>Atte-</orig><orig>states</orig></w> vorerst zurückzustellen und zunächst mit den übrigen noch offenen Streitpunkten fortzufahren<note type="edd" subtype="commAnnot" place="foot" facs="APWIIB6_p0096n231" xml:id="bsb00056895_00096_n03"><lb facs="-" xml:id="bsb00056895_00096_003"/><p style="font-style:italic;">Vgl. nr. 141.</p></note>.</p>
      <p style="font-style:italic;">Hierzu zählte in der zweiten Jahreshälfte 1647 neben den genannten <w lemma="portugiesischen"><orig>por-</orig><orig>tugiesischen</orig></w> Fragen auch die Auseinandersetzung über die von Spanien an Frankreich abzutretenden Eroberungen<note type="edd" subtype="commAnnot" place="foot" facs="APWIIB6_p0096n232" xml:id="bsb00056895_00096_n04"><lb facs="-" xml:id="bsb00056895_00096_004"/><p style="font-style:italic;">Vgl. hierzu den frz. Entwurf von Art. 22 des frz.-span. Friedensvertrages, den die <w lemma="Mediatoren"><orig>Media-</orig><orig>toren</orig></w> den span. <choice><abbr>Ges.</abbr><expan>Gesandter, Gesandte</expan></choice> am 10. Oktober 1647 aushändigten (vgl. <ref type="line" subtype="intern" facs="#APWIIB6_p0686n8" target="#bsb00056895_00686_038">nr. 203 Anm. 8</ref>). <w lemma="Rückblickend"><orig>Rückblic-</orig><orig>kend</orig></w> gesehen stellte dieser Streitpunkt ein Haupthindernis der gesamten frz.-span. <w lemma="Verhandlungen"><orig>Ver-</orig><orig>handlungen</orig></w> dar (vgl. hierzu <hi style="font-style:smallCaps;">Tischer</hi>, Diplomatie, 379, 399, 409f und 421).</p></note>. Nicht daß Spanien französische Eroberungen an den Kriegsgegner zedieren sollte, war zu diesem Zeitpunkt noch umstritten, sondern Gegenstand der Verhandlungen war die <w lemma="Festlegung"><orig>Fest-</orig><orig>legung</orig></w> des konkreten Umfanges der abzutretenden Eroberungen. Als Kernproblem kristallisierte sich hierbei heraus, daß das französische <w lemma="Maximalziel"><orig>Maxi-</orig><orig>malziel</orig></w> einer Einbehaltung der eroberten Orte und befestigten Plätze <w lemma="inklusive"><orig>in-</orig><orig>klusive</orig></w> der davon abhängigen Gebiete <hi style="font-style:normal;">(dépendances)</hi> mit dem spanischen Streben unvereinbar war, die Zessionen auf den jeweiligen Ort bzw. <w lemma="befestigten"><orig>befe-</orig><orig>stigten</orig></w> Platz zu beschränken<note type="edd" subtype="commAnnot" place="foot" facs="APWIIB6_p0096n233" xml:id="bsb00056895_00096_n05"><lb facs="-" xml:id="bsb00056895_00096_005"/><p style="font-style:italic;">D’Avaux wies Mazarin in diesem Zusammenhang ausdrücklich darauf hin, daß sich in den ndl.-span. Verhandlungen eine Lösung dieses Problems abzeichnete, die der frz. <w lemma="Interpretation"><orig>In-</orig><orig>terpretation</orig></w> entsprach, so daß Spanien in den Verhandlungen mit Frk. folglich kein <w lemma="anderes"><orig>an-</orig><orig>deres</orig></w> Vorgehen beanspruchen könne (vgl. nr. 182 und nr. 200).</p></note>. Die französische Verhandlungsposition in dieser Frage war im Sommer und Herbst 1647 allerdings noch nicht <w lemma="ausgelotet"><orig>aus-</orig><orig>gelotet</orig></w>. Vielmehr bestand gerade im Hinblick auf die Details der hierbei zu verfolgenden Verhandlungstaktik durchaus noch Klärungsbedarf, wie die internen französischen Diskussionen über mögliche Tauschprojekte<note type="edd" subtype="commAnnot" place="foot" facs="APWIIB6_p0096n234" xml:id="bsb00056895_00096_n06"><lb facs="-" xml:id="bsb00056895_00096_006"/><p style="font-style:italic;">Eingehend erörtert wurde in der Korrespondenz der frz. Kongreßgesandtschaft mit dem frz. Hof im Herbst 1647 z.B. ein Tausch Kortrijks gegen Plätze in der Gft. Artois (vgl. nr.n 192, 209, 210, 224, 244, 253 und 261).</p></note> <pb n="XCVII" facs="APWIIB6_p0097" sameAs="#bsb00056895_00097"/>oder über das Erfordernis einer abgestimmten Vorgehensweise in bezug auf die Eroberungen in den Spanischen Niederlanden und Katalonien<note type="edd" subtype="commAnnot" place="foot" facs="APWIIB6_p0097n235" xml:id="bsb00056895_00097_n01"><lb facs="-" xml:id="bsb00056895_00097_001"/><p style="font-style:italic;">Vgl. nr.n 224, 244 und 261.</p></note> <w lemma="verdeutlichen"><orig>ver-</orig><orig>deutlichen</orig></w>. So blieb nach wie vor unklar, wie man hinsichtlich derjenigen <hi style="font-style:normal;">dépendances</hi> der von Spanien abzutretenden Orte oder Plätze vorzugehen gedachte, die ihrerseits befestigt und mit spanischen Garnisonen versehen waren. Auch die Frage, ob und in welchem Maße in den Spanischen <w lemma="Niederlanden"><orig>Nie-</orig><orig>derlanden</orig></w> und in Katalonien in dieser Frage gleiche Maßstäbe anzulegen seien, war bis zum November 1647 noch nicht hinlänglich geklärt<note type="edd" subtype="commAnnot" place="foot" facs="APWIIB6_p0097n236" xml:id="bsb00056895_00097_n02"><lb facs="-" xml:id="bsb00056895_00097_002"/><p style="font-style:italic;">Vor die Wahl gestellt, in dieser Frage auf einem der beiden Kriegsschauplätze <w lemma="Zugeständnisse"><orig>Zugeständ-</orig><orig>nisse</orig></w> machen zu müssen, votierten die frz. <choice><abbr>Ges.</abbr><expan>Gesandter, Gesandte</expan></choice> dafür, im Zweifelsfall eher dafür Sorge zu tragen, daß sich Frk. in Katalonien fest etablieren könne (vgl. nr. 261).</p></note>.</p>
      <p style="font-style:italic;">Katalonien blieb noch in einer weiteren Hinsicht auch über den <w lemma="Editionszeitraum"><orig>Editions-</orig><orig>zeitraum</orig></w> hinaus Streitpunkt der französisch-spanischen Verhandlungen. Die spanischen Gesandten lehnten nach wie vor vehement die von <w lemma="Frankreich"><orig>Frank-</orig><orig>reich</orig></w> vorgebrachte Forderung ab, während der vorgesehenen <w lemma="dreißigjährigen"><orig>dreißigjäh-</orig><orig>rigen</orig></w> Waffenruhe Befestigungen in Katalonien vornehmen zu dürfen, ohne daß dies als Vertragsbruch anzusehen wäre<note type="edd" subtype="commAnnot" place="foot" facs="APWIIB6_p0097n237" xml:id="bsb00056895_00097_n03"><lb facs="-" xml:id="bsb00056895_00097_003"/><p style="font-style:italic;">Vgl. hierzu den frz. Entwurf von Art. 26 des frz.-span. Friedensvertrages, den die <w lemma="Mediatoren"><orig>Media-</orig><orig>toren</orig></w> den span. <choice><abbr>Ges.</abbr><expan>Gesandter, Gesandte</expan></choice> am 10. Oktober 1647 aushändigten und der für Katalonien u.a. eine dreißigjährige Waffenruhe (trêve) unter Wahrung des am Tage der öffentlichen <w lemma="Bekanntmachung"><orig>Bekannt-</orig><orig>machung</orig></w> gegebenen Besitzstandes vorsah (vgl. <ref type="line" subtype="intern" facs="#APWIIB6_p0686n8" target="#bsb00056895_00686_038">nr. 203 Anm. 8</ref>). Contarini bezeichnete die Frage der katalan. Befestigungen sogar als <hi style="font-style:normal;">poinct plus malaisé à surmonter que tous les autres</hi> (vgl. nr. 224, hier 652 Z. 18f).</p></note>. Nicht zuletzt <w lemma="angesichts"><orig>ange-</orig><orig>sichts</orig></w> der Tatsache, daß der französischen Haltung in dieser Frage auch von seiten der Mediatoren und der Niederländer Widerstände <w lemma="entgegengebracht"><orig>entgegen-</orig><orig>gebracht</orig></w> wurden<note type="edd" subtype="commAnnot" place="foot" facs="APWIIB6_p0097n238" xml:id="bsb00056895_00097_n04"><lb facs="-" xml:id="bsb00056895_00097_004"/><p style="font-style:italic;">Vgl. z.B. nr. 2 und nr. 30.</p></note>, sah sich der Hof im Verlauf des Herbstes veranlaßt, in dieser Frage Konzessionsbereitschaft zu signalisieren. Für den Fall, daß dieses Problem den Friedensschluß aufhalte, wurden Longueville, d’Avaux und Servien ausdrücklich zu einem stufenweisen Verzicht auf die Forderung bevollmächtigt, während der geplanten Waffenruhe neue Befestigungen vornehmen zu dürfen. Lediglich das Recht, die zuvor <w lemma="begonnenen"><orig>be-</orig><orig>gonnenen</orig></w> Fortifikationsarbeiten abzuschließen, sollte gewahrt bleiben<note type="edd" subtype="commAnnot" place="foot" facs="APWIIB6_p0097n239" xml:id="bsb00056895_00097_n05"><lb facs="-" xml:id="bsb00056895_00097_005"/><p style="font-style:italic;">Vgl. nr.n 209, 210 und 244. Servien hatte angesichts der zu erwartenden Schwierigkeiten, die frz. Position in diesem Verhandlungspunkt durchzusetzen, frühzeitig darauf <w lemma="gedrängt"><orig>ge-</orig><orig>drängt</orig></w>, schnellstmöglich neue Fortifikationen in Katalonien in die Wege zu leiten, die dann nach Einsetzen der Waffenruhe nur noch fertigzustellen waren (vgl. nr. 2).</p></note>. Aus verhandlungstaktischen Gründen verzichteten die Gesandten jedoch Ende Oktober vorerst darauf, von dieser Vollmacht Gebrauch zu machen, da sie keinen ernsthaften spanischen Verhandlungswillen zu erkennen vermochten und davon ausgingen, daß ihre Kontrahenten lediglich auf Zeit spielten<note type="edd" subtype="commAnnot" place="foot" facs="APWIIB6_p0097n240" xml:id="bsb00056895_00097_n06"><lb facs="-" xml:id="bsb00056895_00097_006"/><p style="font-style:italic;">Vgl. nr. 224 und nr. 228.</p></note>.</p>
      <p style="font-style:italic;">Während Longueville, d’Avaux und Servien Mitte des Monats November die Haltung Spaniens in diesem verbliebenen katalanischen <w lemma="Verhandlungspunkt"><orig>Verhand-</orig><pb n="XCVIII" facs="APWIIB6_p0098" sameAs="#bsb00056895_00098"/><orig>lungspunkt</orig></w> als unnachgiebig einschätzten, ließ ihre Berichterstattung eine baldige Klärung der noch offenen italienischen Streitfragen erhoffen<note type="edd" subtype="commAnnot" place="foot" facs="APWIIB6_p0098n241" xml:id="bsb00056895_00098_n01"><lb facs="-" xml:id="bsb00056895_00098_001"/><p style="font-style:italic;">Vgl. nr. 261.</p></note>. Immerhin waren bereits zu diesem Zeitpunkt wichtige Vertragsartikel über italienische Angelegenheiten vereinbart worden, die lange Zeit <w lemma="umstritten"><orig>um-</orig><orig>stritten</orig></w> gewesen waren. Hierzu zählen die Vereinbarungen über die <w lemma="Restitutionen"><orig>Re-</orig><orig>stitutionen</orig></w> an Savoyen und Mantua (Artikel 34 und 40), die Exekution des Friedens von Cherasco (Artikel 38) sowie die Errichtung einer <w lemma="italienischen"><orig>italie-</orig><orig>nischen</orig></w> Liga zur Friedensassekuration (Artikel 39 und 40)<note type="edd" subtype="commAnnot" place="foot" facs="APWIIB6_p0098n242" xml:id="bsb00056895_00098_n02"><lb facs="-" xml:id="bsb00056895_00098_002"/><p><hi style="font-style:italic;">Vgl.</hi> <hi style="font-style:smallCaps;">ebd.</hi> <hi style="font-style:italic;">Beilage</hi> 5.</p></note>. Und auch die Verhandlungen über die beiden noch verbliebenen Artikel zu <w lemma="italienischen"><orig>italie-</orig><orig>nischen</orig></w> Streitpunkten seien, so berichteten die französischen Gesandten, in der Zwischenzeit fortgeschritten: Im Hinblick auf Artikel 35, der <w lemma="Regelungen"><orig>Rege-</orig><orig>lungen</orig></w> in bezug auf einzelne befestigte Plätze vorsah und zunächst zurückgestellt worden war, wolle man, allerdings erst gegen Ende der Verhandlungen, entsprechend den Weisungen des französischen Hofes nachgeben; und hinsichtlich der Restitution Casales sei nur noch die von französischer Seite vorgeschlagene dreißigjährige Übergangsregelung <w lemma="umstritten"><orig>um-</orig><orig>stritten</orig></w><note type="edd" subtype="commAnnot" place="foot" facs="APWIIB6_p0098n243" xml:id="bsb00056895_00098_n03"><lb facs="-" xml:id="bsb00056895_00098_003"/><p style="font-style:italic;">Vgl. nr. 261.</p></note>.</p>
      <p style="font-style:italic;">Zeichnete sich also die Perspektive einer baldigen Lösung der italienischen Differenzen ab, so waren dergleichen Fortschritte in bezug auf <w lemma="Lothringen"><orig>Lothrin-</orig><orig>gen</orig></w>, die nach Auffassung Serviens wichtigste und um jeden Preis zu <w lemma="behauptende"><orig>be-</orig><orig>hauptende</orig></w> Eroberung Frankreichs<note type="edd" subtype="commAnnot" place="foot" facs="APWIIB6_p0098n244" xml:id="bsb00056895_00098_n04"><lb facs="-" xml:id="bsb00056895_00098_004"/><p style="font-style:italic;">Vgl. nr. 253.</p></note>, während der zweiten Jahreshälfte 1647 nicht zu verzeichnen. Diese zentrale Streitfrage, die nicht zuletzt deshalb als Hauptschwierigkeit wahrgenommen wurde, da sie <w lemma="gleichermaßen"><orig>gleicherma-</orig><orig>ßen</orig></w> die Verhandlungen Frankreichs mit Spanien und mit dem Kaiser <w lemma="betraf"><orig>be-</orig><orig>traf</orig></w><note type="edd" subtype="commAnnot" place="foot" facs="APWIIB6_p0098n245" xml:id="bsb00056895_00098_n05"><lb facs="-" xml:id="bsb00056895_00098_005"/><p style="font-style:italic;">Vgl. etwa die Einschätzung Serviens in nr. 195.</p></note>, sollte mit Artikel 41 des französisch-spanischen Friedensvertrages beigelegt werden<note type="edd" subtype="commAnnot" place="foot" facs="APWIIB6_p0098n246" xml:id="bsb00056895_00098_n06"><lb facs="-" xml:id="bsb00056895_00098_006"/><p style="font-style:italic;">Vgl. nr. 261.</p></note>. Entsprechende Artikelentwürfe wurden jedoch im Sommer und Herbst 1647 zwischen der französischen und der spanischen Kongreßgesandtschaft nicht ausgetauscht. Erst gegen Ende des Jahres ist die Lothringenfrage wieder Gegenstand ernsthafter Verhandlungen <w lemma="zwischen"><orig>zwi-</orig><orig>schen</orig></w> Frankreich und Spanien geworden<note type="edd" subtype="commAnnot" place="foot" facs="APWIIB6_p0098n247" xml:id="bsb00056895_00098_n07"><lb facs="-" xml:id="bsb00056895_00098_007"/><p style="font-style:italic;">Vgl. <hi style="font-style:smallCaps;">Tischer</hi>, Diplomatie, 400ff. Da die frz. Verhandlungen mit Spanien über <w lemma="Lothringen"><orig>Lothrin-</orig><orig>gen</orig></w> nicht isoliert von den einschlägigen Verhandlungen mit den Ksl. verstanden werden können, werden sie im folgenden Kapitel behandelt.</p></note>.</p>
      <p style="font-style:italic;">Insgesamt gesehen waren die konkreten Erwartungen positiver <w lemma="militärischer"><orig>militäri-</orig><orig>scher</orig></w> Entwicklungen und der fehlende Glauben an aufrichtige spanische Friedensbereitschaft die Hauptgründe dafür, daß die französische <w lemma="Regierung"><orig>Regie-</orig><orig>rung</orig></w> in der zweiten Jahreshälfte 1647 nicht willens war, Spanien in <pb n="XCIX" facs="APWIIB6_p0099" sameAs="#bsb00056895_00099"/>zentralen Streitfragen deutlich entgegenzukommen. Die selbst in Phasen vordergründiger Verhandlungsfortschritte immer wieder geäußerte <w lemma="Skepsis"><orig>Skep-</orig><orig>sis</orig></w>, angesichts des vermeintlich fehlenden Friedenswillens Spaniens einen wirklichen Durchbruch in den Verhandlungen erzielen zu können, war daher eine wichtige Konstante der französischen Kongreßpolitik. Die <w lemma="Entwicklung"><orig>Ent-</orig><orig>wicklung</orig></w> der Folgemonate bis hin zum gänzlichen Scheitern eines <w lemma="französisch-spanischen"><orig>franzö-</orig><orig>sisch-spanischen</orig></w> Friedensschlusses in Münster hat diese Einschätzung bestätigt. Wichtig ist in diesem Zusammenhang jedoch, daß die interne französische Diskussion über die gegenüber Spanien zu verfolgenden Kriegsziele, ungeachtet der beständigen Überzeugung mangelnder <w lemma="spanischer"><orig>spa-</orig><orig>nischer</orig></w> Friedensbereitschaft, während der zweiten Hälfte des Jahres 1647 deutlichen Schwankungen unterworfen war. Äußerungen Mazarins und Serviens, vorrangig die Sicherung des Status quo zu betreiben<note type="edd" subtype="commAnnot" place="foot" facs="APWIIB6_p0099n248" xml:id="bsb00056895_00099_n01"><lb facs="-" xml:id="bsb00056895_00099_001"/><p style="font-style:italic;">Vgl. nr. 127 und nr. 216.</p></note>, finden sich ebenso wie unverkennbare Anzeichen dafür, die sich anbahnenden Möglichkeiten zusätzlicher territorialer Expansion ausnutzen zu wollen<note type="edd" subtype="commAnnot" place="foot" facs="APWIIB6_p0099n249" xml:id="bsb00056895_00099_n02"><lb facs="-" xml:id="bsb00056895_00099_002"/><p style="font-style:italic;">Vgl. z.B. die frz. Haltung hinsichtlich der <hi style="font-style:normal;">dépendances,</hi> die erkennbar darauf abzielte, die Option zu wahren, in den Span. Ndl.n zukünftig weiter territorial vordringen zu können. Vgl. ferner auch die Bemühungen Mazarins Anfang Oktober 1647, <w lemma="Friedensvertragsregelungen"><orig>Friedensver-</orig><orig>tragsregelungen</orig></w> herbeizuführen, welche die erwarteten frz. Eroberungen im <w lemma="Mailändischen"><orig>Mailändi-</orig><orig>schen</orig></w> nicht beeinträchtigten (vgl. nr. 188).</p></note>. Welche dieser beiden grundsätzlichen Tendenzen für die weitere <w lemma="Gestaltung"><orig>Gestal-</orig><orig>tung</orig></w> der französischen Kongreßpolitik maßgeblich werden sollte, war <w lemma="gegen"><orig>ge-</orig><orig>gen</orig></w> Ende unseres Editionszeitraumes noch offen.</p>
    </div>