<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?><div xmlns="http://www.tei-c.org/ns/1.0" xmlns:session="http://apache.org/cocoon/session/1.0" type="part" subtype="part" ana="#section_02" xml:id="bsb00056895_00076_sec0012" corresp="#bsb00056895_00076">
      <head><hi style="font-style:italic;">c. Die Beziehungen Frankreichs zu seinem schwedischen Verbündeten und zu Kurbayern</hi></head>
      <p style="font-style:italic;">Ähnlich schwierig wie die Verhandlungen Serviens mit dem <w lemma="niederländischen"><orig>niederlän-</orig><orig>dischen</orig></w> Allianzpartner gestalteten sich im Sommer und Herbst 1647 auch die französischen Bemühungen, das Einvernehmen mit dem schwedischen Verbündeten zu wahren bzw. wiederherzustellen. Insbesondere die <w lemma="Politik"><orig>Poli-</orig><orig>tik</orig></w> Kurbayerns stellte in diesem Zeitraum eine große Herausforderung und zugleich eine schwere Belastungsprobe für die <w lemma="französisch-schwedischen"><orig>französisch-schwe-</orig><orig>dischen</orig></w> Beziehungen dar. Denn Kurfürst Maximilian nahm einerseits <w lemma="spätestens"><orig>spä-</orig><orig>testens</orig></w> mit der Aufkündigung des Ulmer Waffenstillstandes im September 1647 und seiner erneuten Parteinahme für den Kaiser den <w lemma="Konfrontationskurs"><orig>Konfrontations-</orig><orig>kurs</orig></w> gegen Schweden wieder auf. Er war andererseits jedoch schon im Vorfeld und ebenso in der Folgezeit darauf bedacht, es nicht zum Bruch mit Frankreich kommen zu lassen und somit indirekt auch von den <w lemma="offenkundigen"><orig>offen-</orig><orig>kundigen</orig></w> französisch-schwedischen Spannungen zu profitieren<note type="edd" subtype="commAnnot" place="foot" facs="APWIIB6_p0076n85" xml:id="bsb00056895_00076_n05"><lb facs="-" xml:id="bsb00056895_00076_005"/><p><hi style="font-style:italic;">Vgl. hierzu</hi> <hi style="font-style:smallCaps;">Riezler</hi>, <hi style="font-style:italic;">Frk.;</hi> <hi style="font-style:smallCaps;">Dickmann</hi>, <hi style="font-style:italic;">424–427;</hi> <hi style="font-style:smallCaps;">Albrecht</hi>, <hi style="font-style:italic;">Maximilian I., 1063–1079;</hi> <hi style="font-style:smallCaps;">Tischer</hi>, <hi style="font-style:italic;">Diplomatie, 305–310.</hi></p></note>. Die französische Regierung sah sich daher nicht erst seit der Wiederaufnahme der militärischen Auseinandersetzungen zwischen Schweden und <w lemma="Kurbayern"><orig>Kurbay-</orig><orig>ern</orig></w> vor das Erfordernis gestellt, die Interessen des schwedischen <w lemma="Allianzpartners"><orig>Allianz-</orig><orig>partners</orig></w> in Einklang zu bringen mit einer Politik, die sich die Option einer dauerhaften Instrumentalisierung Kurbayerns im Sinne einer Schwächung der politisch-militärischen Position des Hauses Österreich offen hielt. <w lemma="Lionne"><orig>Li-</orig><orig>onne</orig></w>, der Sekretär Mazarins und Königin Annas, hat diese höchst <w lemma="problematische"><orig>proble-</orig><orig>matische</orig></w> Grundkonstellation in einem Schreiben an Servien vom 13. <w lemma="September"><orig>Sep-</orig><orig>tember</orig></w> 1647 treffend zum Ausdruck gebracht, indem er, Mazarin <w lemma="zitierend"><orig>zitie-</orig><orig>rend</orig></w>, das besagte Dilemma der französischen Außenpolitik in das Bild <w lemma="eines"><orig>ei-</orig><orig>nes</orig></w> doppelten Abgrundes kleidete: Frankreich habe im Falle eines ausbleibenden Friedensschlusses im Reich entweder den Verlust des <pb n="LXXVII" facs="APWIIB6_p0077" sameAs="#bsb00056895_00077"/>schwedischen Bündnispartners oder ein erneutes militärisches Eintreten Kurbayerns auf kaiserlicher Seite zu befürchten<note type="edd" subtype="commAnnot" place="foot" facs="APWIIB6_p0077n86" xml:id="bsb00056895_00077_n01"><lb facs="-" xml:id="bsb00056895_00077_001"/><p style="font-style:italic;">Vgl. nr. 150.</p></note>.</p>
      <p style="font-style:italic;">Die Sorge vor einem Bruch in den Beziehungen mit Schweden war in der zweiten Hälfte des Jahres 1647 in der Tat eine Konstante der <w lemma="außenpolitischen"><orig>außen-</orig><orig>politischen</orig></w> Erwägungen der französischen Regierung. Wie ein Alpdruck lastete auf der französischen Politik die Perspektive, der schwedische <w lemma="Alliierte"><orig>Alli-</orig><orig>ierte</orig></w> könne – ähnlich wie zuvor bereits die Generalstaaten – zu einer Separatverständigung ohne Einschluß Frankreichs gelangen<note type="edd" subtype="commAnnot" place="foot" facs="APWIIB6_p0077n87" xml:id="bsb00056895_00077_n02"><lb facs="-" xml:id="bsb00056895_00077_002"/><p style="font-style:italic;">Vgl. z.B. nr.n 13, 35, 55, 63, 70, 79, 179, 198, 203, 219, 232 und 250.</p></note>. Grund zur Besorgnis bestand allemal, hatte man doch Schweden im Gefolge des Ulmer Waffenstillstandes in doppelter Hinsicht brüskiert, indem man die Subsidienzahlungen<note type="edd" subtype="commAnnot" place="foot" facs="APWIIB6_p0077n88" xml:id="bsb00056895_00077_n03"><lb facs="-" xml:id="bsb00056895_00077_003"/><p style="font-style:italic;">Zu den frz. Subsidienzahlungen an Schweden 1647 vgl. <hi style="font-style:smallCaps;">Lorenz</hi>, Hilfsgelder, 98, 103 und 105.</p></note> eingestellt und Turenne aus dem Reich in die <w lemma="Spanischen"><orig>Spa-</orig><orig>nischen</orig></w> Niederlande beordert hatte<note type="edd" subtype="commAnnot" place="foot" facs="APWIIB6_p0077n89" xml:id="bsb00056895_00077_n04"><lb facs="-" xml:id="bsb00056895_00077_004"/><p><hi style="font-style:italic;">Zur internen Begründung dieser Entscheidung vgl. insbes. das Memorandum Mazarins für d’Avaux, Paris 1647 März 15</hi> (APW <hi style="font-style:italic;">II B 5/2 nr. 179). Servien zählte diese beiden Punkte neben den frz.-kurbay. Allianzverhandlungen zu den</hi> choses qui leur <hi style="font-style:italic;">[i.e. den Schweden]</hi> sont les plus sensibles <hi style="font-style:italic;">(vgl. nr. 31, hier 102 Z. 35f).</hi></p></note>. Die Revision dieser von <w lemma="schwedischer"><orig>schwe-</orig><orig>discher</orig></w> Seite mit dem Vorwurf des Allianzbruchs beantworteten <w lemma="französischen"><orig>französi-</orig><orig>schen</orig></w> Entscheidung wurde in der Folgezeit zu einer Dauerforderung des Verbündeten, die nicht zuletzt auch durch Oxenstierna und Salvius, die beiden schwedischen Kongreßgesandten, gegenüber ihren französischen Kollegen vehement vorgebracht wurde<note type="edd" subtype="commAnnot" place="foot" facs="APWIIB6_p0077n90" xml:id="bsb00056895_00077_n05"><lb facs="-" xml:id="bsb00056895_00077_005"/><p style="font-style:italic;">So meldeten Longueville und d’Avaux dem frz. Hof am 1. Juli 1647, Oxenstierna habe verlauten lassen, er halte die frz.-schwed. Allianz angesichts der ausbleibenden frz. <w lemma="Subsidienzahlungen"><orig>Sub-</orig><orig>sidienzahlungen</orig></w> und des Abzuges Turennes aus dem Reich für beendet (vgl. nr. 13 sowie ferner nr. 78 und nr. 79).</p></note>.</p>
      <p style="font-style:italic;">Hinzu kam, daß sowohl die Ergebnisse der französisch-niederländischen Garantieverhandlungen als auch die militärischen Ereignisse in den <w lemma="Sommermonaten"><orig>Som-</orig><orig>mermonaten</orig></w> des Jahres 1647 neues Konfliktpotential bargen, das die <w lemma="angespannten"><orig>an-</orig><orig>gespannten</orig></w> Beziehungen zwischen den beiden Kronen zusätzlich <w lemma="belastete"><orig>belaste-</orig><orig>te</orig></w>. So gerieten die von Servien und La Thuillerie ausgehandelten <w lemma="Bestimmungen"><orig>Bestim-</orig><orig>mungen</orig></w> von Artikel 5 des Garantievertrages vom 29. Juli 1647 <w lemma="zwischenzeitlich"><orig>zwischen-</orig><orig>zeitlich</orig></w> in die Kritik des schwedischen Hofes<note type="edd" subtype="commAnnot" place="foot" facs="APWIIB6_p0077n91" xml:id="bsb00056895_00077_n06"><lb facs="-" xml:id="bsb00056895_00077_006"/><p style="font-style:italic;">Zur ablehnenden schwed. Reaktion vgl. nr. 134 mit Anm. 2 und nr. 135.</p></note>. Dieser Artikel berührte unmittelbar das französisch-schwedische Verhältnis, da er die <w lemma="wechselseitige"><orig>wechselsei-</orig><orig>tige</orig></w> Verpflichtung der vertragschließenden Parteien vorsah, den <w lemma="jeweiligen"><orig>jeweili-</orig><orig>gen</orig></w> Alliierten zukünftig keine Assistenz gegen den Vertragspartner zu <w lemma="gewähren"><orig>ge-</orig><orig>währen</orig></w>. Nicht zuletzt angesichts der Fragilität des <w lemma="französisch-schwedischen"><orig>französisch-schwe-</orig><orig>dischen</orig></w> Einvernehmens sah sich Servien zu einer Rechtfertigung seiner Verhandlungsergebnisse gegenüber Oxenstierna und Salvius veranlaßt und legte in einem ausführlichen Schreiben<note type="edd" subtype="commAnnot" place="foot" facs="APWIIB6_p0077n92" xml:id="bsb00056895_00077_n07"><lb facs="-" xml:id="bsb00056895_00077_007"/><p style="font-style:italic;">Vgl. nr.n 151, 157 und 158, jeweils Beilage 1. Chanut meldete daraufhin am 12. Oktober 1647, daß diese <hi style="font-style:normal;">querelle</hi> vollständig aus der Welt geräumt sei (vgl. <ref type="line" subtype="intern" facs="#APWIIB6_p0861n6" target="#bsb00056895_00861_040">nr. 253 Anm. 6</ref>).</p></note> an den französischen <w lemma="Gesandten"><orig>Ge-</orig><pb n="LXXVIII" facs="APWIIB6_p0078" sameAs="#bsb00056895_00078"/><orig>sandten</orig></w> in Stockholm, Chanut, die Genese und Bedeutung des Artikels 5 dar, um – letztlich mit Erfolg – die Bedenken des schwedischen Hofes zu zerstreuen.</p>
      <p style="font-style:italic;">Dagegen sorgte die Inkorporation der meuternden Weimarer in die <w lemma="Armee"><orig>Ar-</orig><orig>mee</orig></w> Königsmarcks für Unmut auf seiten der französischen Regierung<note type="edd" subtype="commAnnot" place="foot" facs="APWIIB6_p0078n93" xml:id="bsb00056895_00078_n01"><lb facs="-" xml:id="bsb00056895_00078_001"/><p style="font-style:italic;">Servien schloß sogar nicht aus, daß die Meuterei der Weimarer auf Anstiftung Schwedens erfolgt war (vgl. nr. 111).</p></note>. Da sehr bald offenkundig wurde, daß nicht alle Meuterer wieder zum Gehorsam gegenüber Turenne zu bringen waren, sondierten die <w lemma="französischen"><orig>französi-</orig><orig>schen</orig></w> Gesandten in Münster und Stockholm Möglichkeiten, von <w lemma="Schweden"><orig>Schwe-</orig><orig>den</orig></w> Rekompensation für den Verlust der übergetretenen Truppen zu <w lemma="erhalten"><orig>er-</orig><orig>halten</orig></w>. Allerdings verzichtete man bewußt darauf, diesen Streitpunkt mit allem Nachdruck am schwedischen Hof vorzubringen<note type="edd" subtype="commAnnot" place="foot" facs="APWIIB6_p0078n94" xml:id="bsb00056895_00078_n02"><lb facs="-" xml:id="bsb00056895_00078_002"/><p style="font-style:italic;">Longueville, d’Avaux und Servien rieten noch am 11. November 1647 ausdrücklich davon ab, eine Klärung dieses Streitpunktes mit Schweden zu forcieren (vgl. nr. 250).</p></note>, da die politische und militärische Gesamtlage im Herbst 1647 durch das Verhalten <w lemma="Kurbayerns"><orig>Kur-</orig><orig>bayerns</orig></w> eine für die Kronen gefährliche Wendung nahm, die es nicht <w lemma="angeraten"><orig>an-</orig><orig>geraten</orig></w> erscheinen ließ, die Beziehungen zu Schweden unnötig zu <w lemma="belasten"><orig>bela-</orig><orig>sten</orig></w>. Immerhin konnte man sich damit trösten, daß die vormaligen <w lemma="Truppen"><orig>Trup-</orig><orig>pen</orig></w> Turennes nun zu einer militärischen Stärkung des in Bedrängnis <w lemma="geratenen"><orig>gera-</orig><orig>tenen</orig></w> schwedischen Alliierten beitrugen<note type="edd" subtype="commAnnot" place="foot" facs="APWIIB6_p0078n95" xml:id="bsb00056895_00078_n03"><lb facs="-" xml:id="bsb00056895_00078_003"/><p style="font-style:italic;">Vgl. nr.n 114, 147 und 161.</p></note>.</p>
      <p style="font-style:italic;">Die Frage größerer Konzessionsbereitschaft gegenüber den beiden <w lemma="stereotypen"><orig>stereo-</orig><orig>typen</orig></w> Forderungen Schwedens nach einer Fortzahlung der französischen Subsidien und einem Rückmarsch Turennes ins Reich wurde für die <w lemma="französische"><orig>fran-</orig><orig>zösische</orig></w> Regierung in dem Moment akut, als im Gefolge der Meuterei der Weimarer Truppen und des Abfalls Jan von Werths verstärkt zu <w lemma="befürchten"><orig>befürch-</orig><orig>ten</orig></w> war, Schweden werde schnellstmöglich einen Friedensschluß mit dem Kaiser suchen<note type="edd" subtype="commAnnot" place="foot" facs="APWIIB6_p0078n96" xml:id="bsb00056895_00078_n04"><lb facs="-" xml:id="bsb00056895_00078_004"/><p style="font-style:italic;">Zu den großen Sorgen, die auf frz. Seite hinsichtlich der schwed. Reaktion auf den Abfall Jan von Werths auftraten, vgl. nr.n 33, 40, 41, 43, 60 und 97.</p></note>. Gewissermaßen reflexartig reagierte der französische Hof mit der Weisung an die französischen Gesandten in Münster, im Sinne einer möglichst engen Anbindung des nordischen Alliierten an Frankreich zu wirken<note type="edd" subtype="commAnnot" place="foot" facs="APWIIB6_p0078n97" xml:id="bsb00056895_00078_n05"><lb facs="-" xml:id="bsb00056895_00078_005"/><p style="font-style:italic;">Vgl. v.a. nr.n 35, 52, 53, 60 und 72.</p></note> und dazu die bewährten Mittel – die Zusicherung weiterer Subsidien sowie die Ankündigung erneuter militärischer Operationen <w lemma="Turennes"><orig>Tu-</orig><orig>rennes</orig></w> im Reich<note type="edd" subtype="commAnnot" place="foot" facs="APWIIB6_p0078n98" xml:id="bsb00056895_00078_n06"><lb facs="-" xml:id="bsb00056895_00078_006"/><p style="font-style:italic;">Zur Haltung des frz. Hofes in dieser Frage im zeitlichen Umfeld des Abfalls Werths vgl. nr. 52 und nr. 53.</p></note> – einzusetzen. Einigkeit herrschte zwischen dem Hof und den Gesandten in Münster zu Anfang des Monats Juli darüber, daß neuerliche Subsidien für Schweden zwar im Falle eines schnellen <w lemma="Friedensschlusses"><orig>Friedens-</orig><orig>schlusses</orig></w> überflüssig, jedoch bei einer gemeinsamen Fortführung des <w lemma="Krieges"><orig>Krie-</orig><orig>ges</orig></w> unerläßlich seien<note type="edd" subtype="commAnnot" place="foot" facs="APWIIB6_p0078n99" xml:id="bsb00056895_00078_n07"><lb facs="-" xml:id="bsb00056895_00078_007"/><p style="font-style:italic;">Vgl. nr. 13 und nr. 35.</p></note>. Am 13. Juli, also noch vor dem Bekanntwerden des Scheiterns Jan von Werths, erging die Weisung des Hofes an Longueville <pb n="LXXIX" facs="APWIIB6_p0079" sameAs="#bsb00056895_00079"/>und d’Avaux, den schwedischen Gesandten gegebenenfalls die bis dahin zurückgehaltene Zahlung der Ende des Vormonats Juni fälligen Subsidien zuzusichern<note type="edd" subtype="commAnnot" place="foot" facs="APWIIB6_p0079n100" xml:id="bsb00056895_00079_n01"><lb facs="-" xml:id="bsb00056895_00079_001"/><p style="font-style:italic;">Vgl. nr. 35. Bereits am 29. Juni 1647 hatte Brienne Longueville und d’Avaux von der Weisung an Chanut berichtet, mit der schwed. Kg.in über die Fortsetzung der frz. <w lemma="Subsidienzahlungen"><orig>Sub-</orig><orig>sidienzahlungen</orig></w> zu verhandeln. Diese erfolgten in der Regel halbjährlich (vgl. <hi style="font-style:smallCaps;">Lorenz</hi>, Hilfsgelder, 98; allerdings mit Nennung des 15. Mai und des 15. November als jeweils vereinbarte Zahlungstermine) und waren 1647 für den 30. Juni und 31. Dezember <w lemma="vorgesehen"><orig>vor-</orig><orig>gesehen</orig></w> (vgl. nr. 35 und nr. 214).</p></note>. In der Folgezeit blieb es bei der Entscheidung, die <w lemma="zunächst"><orig>zu-</orig><orig>nächst</orig></w> ausgesetzten Hilfsgelder für Schweden vollständig nachzuzahlen. Selbst die von Chanut gemeldete Bereitschaft der schwedischen Königin Christina, auf die Hälfte des fälligen Subsidienbetrages zu verzichten, <w lemma="änderte"><orig>än-</orig><orig>derte</orig></w> nichts mehr an der Überzeugung der französischen Regierung, zur Sicherung einvernehmlicher französisch-schwedischer Beziehungen die vereinbarten Subsidien in vollem Umfang zahlen zu müssen<note type="edd" subtype="commAnnot" place="foot" facs="APWIIB6_p0079n101" xml:id="bsb00056895_00079_n02"><lb facs="-" xml:id="bsb00056895_00079_002"/><p style="font-style:italic;">Nur die Hälfte des fälligen Betrages zu zahlen, hielten Longueville und d’Avaux für <w lemma="gefährlich"><orig>ge-</orig><orig>fährlich</orig></w>, da dies erneut Verstimmungen seitens des schwed. RR und der schwed. Armee nach sich ziehen könne (vgl. nr. 99).</p></note>. Am 23. August meldete der französische Hof die Übersendung der <w lemma="entsprechenden"><orig>ent-</orig><orig>sprechenden</orig></w> Wechselbriefe<note type="edd" subtype="commAnnot" place="foot" facs="APWIIB6_p0079n102" xml:id="bsb00056895_00079_n03"><lb facs="-" xml:id="bsb00056895_00079_003"/><p style="font-style:italic;">Vgl. nr. 114.</p></note>, der französische Resident in Osnabrück, La Court, erhielt die Weisung, den schwedischen Gesandten die Zahlung der Subsidien in Aussicht zu stellen<note type="edd" subtype="commAnnot" place="foot" facs="APWIIB6_p0079n103" xml:id="bsb00056895_00079_n04"><lb facs="-" xml:id="bsb00056895_00079_004"/><p style="font-style:italic;">Vgl. nr. 117.</p></note>, und am 5. September konnte Servien Chanut melden, er habe Oxenstierna und Salvius die Wechselbriefe <w lemma="vorgezeigt"><orig>vor-</orig><orig>gezeigt</orig></w><note type="edd" subtype="commAnnot" place="foot" facs="APWIIB6_p0079n104" xml:id="bsb00056895_00079_n05"><lb facs="-" xml:id="bsb00056895_00079_005"/><p style="font-style:italic;">Vgl. nr. 135.</p></note>. Forderungen Salvius’ nach einer Erhöhung der Subsidien <w lemma="wurden"><orig>wur-</orig><orig>den</orig></w> von französischer Seite in der Folgezeit allerdings mit der <w lemma="Begründung"><orig>Begrün-</orig><orig>dung</orig></w> zurückgewiesen, daß eine derartige Mehrbelastung angesichts der gegenwärtigen finanziellen Lage nicht getragen werden könne<note type="edd" subtype="commAnnot" place="foot" facs="APWIIB6_p0079n105" xml:id="bsb00056895_00079_n06"><lb facs="-" xml:id="bsb00056895_00079_006"/><p style="font-style:italic;">Vgl. nr.n 203, 214, 215, 219, 231 und 250.</p></note>.</p>
      <p style="font-style:italic;">Daß die französische Regierung in der Subsidienfrage insgesamt gesehen merkliches Entgegenkommen demonstrierte und somit im Sinne einer <w lemma="Stabilisierung"><orig>Sta-</orig><orig>bilisierung</orig></w> des Bündnisses mit Schweden wirkte, war angesichts der <w lemma="zunehmenden"><orig>zu-</orig><orig>nehmenden</orig></w> Verschlechterung der französisch-kurbayerischen <w lemma="Beziehungen"><orig>Beziehun-</orig><orig>gen</orig></w> im Herbst 1647 nur zu verständlich. Noch im Frühsommer des Jahres schien einiges darauf hinzudeuten, daß sogar der Abschluß einer <w lemma="französisch-kurbayerischen"><orig>franzö-</orig><orig>sisch-kurbayerischen</orig></w> Allianz kurz bevorstehe<note type="edd" subtype="commAnnot" place="foot" facs="APWIIB6_p0079n106" xml:id="bsb00056895_00079_n07"><lb facs="-" xml:id="bsb00056895_00079_007"/><p style="font-style:italic;">Angesichts der seiner Auffassung nach erkennbaren Disposition des frz. Hofes zu einem frz.-kurbay. Bündnisabschluß bezeichnete Brienne Kurbay. am 29. Juni 1647 als <hi style="font-style:normal;">desjà allié</hi> (vgl. nr. 7, hier 30 Z. 2).</p></note>. Seit dem 15. Juni <w lemma="verhandelten"><orig>verhan-</orig><orig>delten</orig></w> die kurbayerischen Gesandten Krebs und Gronsfeld am <w lemma="französischen"><orig>französi-</orig><orig>schen</orig></w> Hof mit dem vorrangigen Ziel, eine Defensivallianz zur <w lemma="gegenseitigen"><orig>gegenseiti-</orig><orig>gen</orig></w> Garantie des auf dem Westfälischen Friedenskongreß gewonnenen <pb n="LXXX" facs="APWIIB6_p0080" sameAs="#bsb00056895_00080"/>oder angestrebten Besitzstandes abzuschließen<note type="edd" subtype="commAnnot" place="foot" facs="APWIIB6_p0080n107" xml:id="bsb00056895_00080_n01"><lb facs="-" xml:id="bsb00056895_00080_001"/><p><hi style="font-style:italic;">Zum Inhalt der Instruktion für Krebs und Gronsfeld vgl.</hi> <hi style="font-style:smallCaps;">Riezler</hi>, <hi style="font-style:italic;">Frk., 502ff;</hi> <hi style="font-style:smallCaps;">Immler</hi>, <hi style="font-style:italic;">Kurfürst, 481f;</hi> <hi style="font-style:smallCaps;">Albrecht</hi>, <hi style="font-style:italic;">Maximilian I., 1066f;</hi> <hi style="font-style:smallCaps;">Pillorget</hi>, <hi style="font-style:italic;">522.</hi></p></note>. Bereits am 25. Juni lag ein kurbayerischer Allianzentwurf vor, der vier Tage darauf mit der Bitte um Geheimhaltung zur Begutachtung an Longueville, d’Avaux und <w lemma="Servien"><orig>Ser-</orig><orig>vien</orig></w> nach Münster bzw. Den Haag übersandt wurde<note type="edd" subtype="commAnnot" place="foot" facs="APWIIB6_p0080n108" xml:id="bsb00056895_00080_n02"><lb facs="-" xml:id="bsb00056895_00080_002"/><p style="font-style:italic;">Vgl. nr. 8 mit Beilage 3 und nr. 9 mit Beilage 2.</p></note>. Der französische Hof verzögerte zunächst die Verhandlungen, da die schwedische <w lemma="Ratifikation"><orig>Ratifika-</orig><orig>tion</orig></w> des Ulmer Waffenstillstandes noch nicht erfolgt war<note type="edd" subtype="commAnnot" place="foot" facs="APWIIB6_p0080n109" xml:id="bsb00056895_00080_n03"><lb facs="-" xml:id="bsb00056895_00080_003"/><p style="font-style:italic;">Vgl. nr. 8. Die vom 30. Mai[/9. Juni] 1647 datierende schwed. Ratifikation des Ulmer Waffenstillstandes wurde von Wrangel erst am 2. August 1647 an Kf. Maximilian <w lemma="übersandt"><orig>über-</orig><orig>sandt</orig></w> (vgl. <ref type="line" subtype="intern" facs="#APWIIB6_p0141n17" target="#bsb00056895_00141_045">nr. 7 Anm. 17</ref>).</p></note> und eine <w lemma="weitere"><orig>wei-</orig><orig>tere</orig></w> Brüskierung Schwedens nicht geraten schien.</p>
      <p style="font-style:italic;">Longueville, d’Avaux und Servien reagierten einhellig mit Ablehnung auf die kurbayerische Offerte. Weder biete der Vertrag, so antwortete Servien am 9. Juli, Frankreich nennenswerte Vorteile, noch bestehe <w lemma="französischerseits"><orig>französischer-</orig><orig>seits</orig></w> zum gegenwärtigen Zeitpunkt die Notwendigkeit, vor dem <w lemma="Friedensschluß"><orig>Friedens-</orig><orig>schluß</orig></w> ein derartiges Abkommen einzugehen, das unvermeidlich den <w lemma="Verlust"><orig>Ver-</orig><orig>lust</orig></w> der bisherigen Verbündeten nach sich ziehen werde<note type="edd" subtype="commAnnot" place="foot" facs="APWIIB6_p0080n110" xml:id="bsb00056895_00080_n04"><lb facs="-" xml:id="bsb00056895_00080_004"/><p><hi style="font-style:italic;">Vgl. nr. 31; vgl. darüber hinaus auch nr. 69 sowie die am 15. Juli 1647 von Longueville und d’Avaux übersandten</hi> Observations sur le projet de Bavières <hi style="font-style:italic;">(nr. 40 Beilage 1).</hi></p></note>. Die <w lemma="französischen"><orig>französi-</orig><orig>schen</orig></w> Gesandten hatten erkannt, daß der Vertragsentwurf eine deutliche Stoßrichtung gegen Schweden enthielt, an der die französische Regierung aus bündnispolitischen Erwägungen kein Interesse haben konnte<note type="edd" subtype="commAnnot" place="foot" facs="APWIIB6_p0080n111" xml:id="bsb00056895_00080_n05"><lb facs="-" xml:id="bsb00056895_00080_005"/><p><hi style="font-style:italic;">So die zutreffende Bewertung bei</hi> <hi style="font-style:smallCaps;">Tischer</hi>, <hi style="font-style:italic;">Diplomatie, 307.</hi></p></note>. <w lemma="Mazarin"><orig>Ma-</orig><orig>zarin</orig></w> stimmte daraufhin Serviens erheblichen Bedenken, vor dem <w lemma="Friedensschluß"><orig>Frie-</orig><orig>densschluß</orig></w> eine Allianz mit Kurbayern abzuschließen, ausdrücklich zu<note type="edd" subtype="commAnnot" place="foot" facs="APWIIB6_p0080n112" xml:id="bsb00056895_00080_n06"><lb facs="-" xml:id="bsb00056895_00080_006"/><p style="font-style:italic;">Vgl. nr. 54 und nr. 62.</p></note>. Er legte den Allianzentwurf jedoch in der Folgezeit keineswegs zu den <w lemma="Akten"><orig>Ak-</orig><orig>ten</orig></w>, sondern richtete sein Augenmerk nunmehr verstärkt darauf, um die Zustimmung Schwedens zu einem engeren Einvernehmen mit Kurbayern zu werben, und wies die Gesandten in Münster dementsprechend an<note type="edd" subtype="commAnnot" place="foot" facs="APWIIB6_p0080n113" xml:id="bsb00056895_00080_n07"><lb facs="-" xml:id="bsb00056895_00080_007"/><p style="font-style:italic;">Vgl. in diesem Kontext v.a. nr.n 97, 103, 106, 119 und 125.</p></note>. Als sich die Anzeichen<note type="edd" subtype="commAnnot" place="foot" facs="APWIIB6_p0080n114" xml:id="bsb00056895_00080_n08"><lb facs="-" xml:id="bsb00056895_00080_008"/><p style="font-style:italic;">Kf. Maximilian hatte die Ratifizierung des Ulmer Waffenstillstandes ggb. Schweden <w lemma="verweigert"><orig>ver-</orig><orig>weigert</orig></w> sowie Haslang aus Münster und Krebs aus Paris abberufen (vgl. nr. 147).</p></note> nach der kurkölnischen Aufkündigung des Ulmer Waffenstillstandes und der Regelung der Pfalzfrage<note type="edd" subtype="commAnnot" place="foot" facs="APWIIB6_p0080n115" xml:id="bsb00056895_00080_n09"><lb facs="-" xml:id="bsb00056895_00080_009"/><p style="font-style:italic;">Zur Pfalzfrage s. <ref type="page" subtype="intern" facs="#APWIIB6_p0102" target="#bsb00056895_00102">S. CIIf.</ref></p></note> im kurbayerischen Sinne häuften, daß auch Kurfürst Maximilian kurz davor stehe, erneut für den Kaiser Partei zu ergreifen, erlangte Servien bei seinen Verhandlungen in Osnabrück zu Anfang des Monats September in der Tat das <w lemma="grundsätzliche"><orig>grundsätz-</orig><orig>liche</orig></w> Einverständnis Oxenstiernas und Salvius’ zu <w lemma="französisch-kurbayerischen"><orig>französisch-kurbayeri-</orig><orig>schen</orig></w> Verhandlungen, um den drohenden kurbayerischen <w lemma="Neutralitätsbruch"><orig>Neutralitäts-</orig><orig>bruch</orig></w> doch noch zu verhindern<note type="edd" subtype="commAnnot" place="foot" facs="APWIIB6_p0080n116" xml:id="bsb00056895_00080_n10"><lb facs="-" xml:id="bsb00056895_00080_010"/><p style="font-style:italic;">Vgl. nr. 133 und nr. 141.</p></note>.</p>
      <p style="font-style:italic;"><pb n="LXXXI" facs="APWIIB6_p0081" sameAs="#bsb00056895_00081"/>Indes drängte Krebs<note type="edd" subtype="commAnnot" place="foot" facs="APWIIB6_p0081n117" xml:id="bsb00056895_00081_n01"><lb facs="-" xml:id="bsb00056895_00081_001"/><p style="font-style:italic;">Gronsfeld war bereits am 2. August 1647 vom frz. Hof abgereist und hatte sich zur <w lemma="Armee"><orig>Ar-</orig><orig>mee</orig></w> begeben (<hi style="font-style:smallCaps;">Riezler</hi>, Frk., 513).</p></note> Mitte September am französischen Hof trotz der sich verdichtenden Gerüchte über einen Kurswechsel seines Dienstherren ungebrochen auf den Abschluß der projektierten <w lemma="französisch-kurbayerischen"><orig>französisch-kurbayeri-</orig><orig>schen</orig></w> Allianz und warf in den Verhandlungen das konfessionelle <w lemma="Argument"><orig>Argu-</orig><orig>ment</orig></w> in die Waagschale, indem er eine französische Erklärung forderte, was man im Falle einer zukünftigen Unterdrückung der katholischen <w lemma="Religion"><orig>Re-</orig><orig>ligion</orig></w> durch Schweden und die protestantischen Reichsstände zu tun <w lemma="gedenke"><orig>ge-</orig><orig>denke</orig></w><note type="edd" subtype="commAnnot" place="foot" facs="APWIIB6_p0081n118" xml:id="bsb00056895_00081_n02"><lb facs="-" xml:id="bsb00056895_00081_002"/><p style="font-style:italic;">Vgl. nr. 147 und nr. 171.</p></note>.</p>
      <p style="font-style:italic;">Trotz des nach wie vor erkennbaren Interesses Mazarins, die Option einer Verständigung mit Kurbayern nicht zu verlieren, wurde bereits vor dem Bekanntwerden der kurbayerischen Aufkündigung des Waffenstillstandes in den Allianzverhandlungen mit Krebs und dem Residenten Mayer<note type="edd" subtype="commAnnot" place="foot" facs="APWIIB6_p0081n119" xml:id="bsb00056895_00081_n03"><lb facs="-" xml:id="bsb00056895_00081_003"/><p style="font-style:italic;">Mayer war von Kf. Maximilian beauftragt worden, die Bündnisverhandlungen am frz. Hof nach der Abreise Krebs’ allein fortzusetzen (<hi style="font-style:smallCaps;">Riezler</hi>, Frk., 526).</p></note> deutlich, daß eine verstärkte Hinwendung Frankreichs zu Kurfürst <w lemma="Maximilian"><orig>Maxi-</orig><orig>milian</orig></w> nur bei einer kurbayerisch-schwedischen Verständigung zu haben war. Dies offenbarten in aller Deutlichkeit die Bestimmungen des von französischer Seite vorgelegten französisch-kurbayerischen <w lemma="Bündnisentwurfes"><orig>Bündnis-</orig><orig>entwurfes</orig></w> vom 18. September 1647<note type="edd" subtype="commAnnot" place="foot" facs="APWIIB6_p0081n120" xml:id="bsb00056895_00081_n04"><lb facs="-" xml:id="bsb00056895_00081_004"/><p style="font-style:italic;">Vgl. <ref type="line" subtype="intern" facs="#APWIIB6_p0600n2" target="#bsb00056895_00600_043">nr. 171 Anm. 2</ref>.</p></note>. Der Entwurf sah unter anderem die Ratifikation des Ulmer Waffenstillstandes mit Schweden und Hessen-Kassel durch Kurfürst Maximilian vor<note type="edd" subtype="commAnnot" place="foot" facs="APWIIB6_p0081n121" xml:id="bsb00056895_00081_n05"><lb facs="-" xml:id="bsb00056895_00081_005"/><p style="font-style:italic;">Vgl. nr. 198 mit Anm. 2.</p></note> und gab somit unmißverständlich zu verstehen, daß Frankreich nicht gewillt war, einen Keil zwischen sich und seine Verbündeten treiben zu lassen. In diesem Sinne äußerte sich auch d’Herbigny, der Ende August im Auftrag der französischen <w lemma="Gesandten"><orig>Gesand-</orig><orig>ten</orig></w> an den kurbayerischen Hof reiste<note type="edd" subtype="commAnnot" place="foot" facs="APWIIB6_p0081n122" xml:id="bsb00056895_00081_n06"><lb facs="-" xml:id="bsb00056895_00081_006"/><p style="font-style:italic;">D’Herbigny reiste sehr wahrscheinlich am 27. August 1647 <hi style="font-style:normal;">(APW</hi> III C 1/1, 362, 1647 VIII 27; laut nr. 116 sollte er bereits am 26. August 1647 abreisen) an den kurbay. Hof ab und traf am 23. Oktober 1647 wieder in Münster ein (<hi style="font-style:smallCaps;">Babel</hi>, Friedenskongreß, 25).</p></note>. Er ließ dort verlauten, der <w lemma="bayerische"><orig>baye-</orig><orig>rische</orig></w> Kurfürst könne nicht gleichzeitig Schweden zum Feind und <w lemma="Frankreich"><orig>Frank-</orig><orig>reich</orig></w> zum Freund haben<note type="edd" subtype="commAnnot" place="foot" facs="APWIIB6_p0081n123" xml:id="bsb00056895_00081_n07"><lb facs="-" xml:id="bsb00056895_00081_007"/><p style="font-style:italic;">Vgl. nr. 179. Diese Äußerung d’Herbignys stieß allerdings auf Kritik des frz. Hofes, da sie entgegen der zum damaligen Zeitpunkt auf Dissimulierung abzielenden Politik Frk.s ggb. Kurbay. zu deutlich zu verstehen gegeben habe, daß an eine frz.-kurbay. <w lemma="Verständigung"><orig>Verständi-</orig><orig>gung</orig></w> ohne Einbeziehung schwed. Interessen nicht zu denken war (vgl. nr. 209 und nr. 210).</p></note>. Als die gesicherte Nachricht am französischen Hof eintraf, daß Kurfürst Maximilian seine Neutralität gegenüber <w lemma="Schweden"><orig>Schwe-</orig><orig>den</orig></w> aufgekündigt habe<note type="edd" subtype="commAnnot" place="foot" facs="APWIIB6_p0081n124" xml:id="bsb00056895_00081_n08"><lb facs="-" xml:id="bsb00056895_00081_008"/><p style="font-style:italic;">Für den Fall eines kurbay. Neutralitätsbruchs hatte man französischerseits sogar in <w lemma="Erwägung"><orig>Er-</orig><orig>wägung</orig></w> gezogen, Krebs und Mayer am frz. Hof festzuhalten (vgl. nr. 176).</p></note>, erübrigten sich erst recht alle weiteren <w lemma="kurbayerischen"><orig>kur-</orig><orig>bayerischen</orig></w> Bemühungen, Frankreich auf einen antischwedischen Kurs zu manövrieren: Die französisch-kurbayerischen Bündnisverhandlungen <pb n="LXXXII" facs="APWIIB6_p0082" sameAs="#bsb00056895_00082"/>wurden in der Folgezeit nicht mehr ernsthaft fortgeführt und blieben letztlich Episode.</p>
      <p style="font-style:italic;">Dennoch verfolgte Mazarin auch nach der Klärung der Lage eine <w lemma="lavierende"><orig>lavie-</orig><orig>rende</orig></w> Politik. Einerseits zielte er nach wie vor darauf ab, daß der <w lemma="bayerische"><orig>bayeri-</orig><orig>sche</orig></w> Kurfürst Frankreich möglichst gewogen bleibe, und versuchte <w lemma="dementsprechend"><orig>dement-</orig><orig>sprechend</orig></w>, die schwedische Zustimmung zum Aufschub eines schnellen, <w lemma="definitiven"><orig>de-</orig><orig>finitiven</orig></w> Bruchs Frankreichs mit Kurbayern zu erlangen<note type="edd" subtype="commAnnot" place="foot" facs="APWIIB6_p0082n125" xml:id="bsb00056895_00082_n01"><lb facs="-" xml:id="bsb00056895_00082_001"/><p style="font-style:italic;">Vgl. z.B. nr. 219 und nr. 232.</p></note>. Dies verweist nachdrücklich auf die Bedeutung, die der Kardinalpremier der politischen und militärischen Rolle Kurfürst Maximilians beimaß: Weder konnte Frankreich es sich nach Mazarins Ansicht leisten, unvorbereitet militärisch gegen die kurbayerischen Truppen zu agieren, noch wollte er leichtfertig diejenigen Möglichkeiten aus der Hand geben, die sich aus einem <w lemma="probayerischen"><orig>probaye-</orig><orig>rischen</orig></w> außenpolitischen Kurs zu ergeben schienen<note type="edd" subtype="commAnnot" place="foot" facs="APWIIB6_p0082n126" xml:id="bsb00056895_00082_n02"><lb facs="-" xml:id="bsb00056895_00082_002"/><p style="font-style:italic;">Vgl. hierzu die Ausführungen Mazarins über die Bedeutung des Kf.en in nr. 232.</p></note>. Andererseits wurden Longueville, d’Avaux und Servien seit Anfang Oktober angesichts der erneut akuten Gefahr überstürzter schwedischer Reaktionen angewiesen, bereits aufkommenden Gerüchten<note type="edd" subtype="commAnnot" place="foot" facs="APWIIB6_p0082n127" xml:id="bsb00056895_00082_n03"><lb facs="-" xml:id="bsb00056895_00082_003"/><p style="font-style:italic;">Vgl. etwa nr. 170.</p></note> energisch entgegenzusteuern, die <w lemma="kurbayerische"><orig>kur-</orig><orig>bayerische</orig></w> Aufkündigung der Neutralität sei im Einverständnis mit <w lemma="Frankreich"><orig>Frank-</orig><orig>reich</orig></w> erfolgt<note type="edd" subtype="commAnnot" place="foot" facs="APWIIB6_p0082n128" xml:id="bsb00056895_00082_n04"><lb facs="-" xml:id="bsb00056895_00082_004"/><p style="font-style:italic;">Vgl. hierzu v.a. nr.n 187, 210, 231 und 239. Mitte November 1647 wurde zudem La Court angewiesen, ggb. Oxenstierna und Salvius ausdrücklich die frz. Bündnistreue <w lemma="hervorzuheben"><orig>her-</orig><orig>vorzuheben</orig></w> (vgl. nr.n 250, 253, 254, 255 und 261).</p></note>. Zudem hatte sich zu diesem Zeitpunkt am französischen Hof die Überzeugung durchgesetzt, daß es infolge der Kehrtwendung der kurbayerischen Außenpolitik zwingend erforderlich sei, sich verstärkt an den schwedischen Bedürfnissen zu orientieren<note type="edd" subtype="commAnnot" place="foot" facs="APWIIB6_p0082n129" xml:id="bsb00056895_00082_n05"><lb facs="-" xml:id="bsb00056895_00082_005"/><p style="font-style:italic;">So wurde u.a. der Vorschlag Salvius’ positiv aufgenommen, einen frz.-schwed. <w lemma="Garantievertrag"><orig>Garantie-</orig><orig>vertrag</orig></w> nach dem Vorbild des zwischen Frk. und den Gst. abgeschlossenen <w lemma="Garantieabkommens"><orig>Garantieab-</orig><orig>kommens</orig></w> in die Wege zu leiten (vgl. nr. 216).</p></note>, wollte man die Allianz nicht gefährden. Dies schloß ausdrücklich die Bereitschaft zum Bruch mit Kurbayern ein, sollte Schweden dies verlangen<note type="edd" subtype="commAnnot" place="foot" facs="APWIIB6_p0082n130" xml:id="bsb00056895_00082_n06"><lb facs="-" xml:id="bsb00056895_00082_006"/><p style="font-style:italic;">Vgl. insbes. nr.n 187, 244 und 257.</p></note>.</p>
      <p><hi style="font-style:italic;">Die Ereignisse der Sommer- und Herbstmonate des Jahres 1647 <w lemma="verdeutlichen"><orig>verdeut-</orig><orig>lichen</orig></w> somit nachdrücklich die Prioritäten, die Mazarins Gestaltung der französischen Außen- und Bündnispolitik im Spannungsfeld von <w lemma="Allianztreue"><orig>Alli-</orig><orig>anztreue</orig></w> gegenüber Schweden einerseits und Wahrung der <w lemma="Handlungsspielräume"><orig>Handlungs-</orig><orig>spielräume</orig></w> im Hinblick auf Kurbayern andererseits in diesem Zeitraum zugrunde lagen:</hi> Alles in allem dachte man in der französischen Regierung 1647 an nichts weniger als an eine Distanzierung von Schweden<note type="edd" subtype="commAnnot" place="foot" facs="APWIIB6_p0082n131" xml:id="bsb00056895_00082_n07"><lb facs="-" xml:id="bsb00056895_00082_007"/><p style="font-style:italic;"><hi style="font-style:smallCaps;">Tischer</hi>, Diplomatie, 309. <hi style="font-style:smallCaps;">Tischer</hi> verweist jedoch in diesem Zusammenhang zu Recht auf die abweichende Haltung d’Avaux’, der Schweden phasenweise vorwarf, keinen <w lemma="Friedenswillen"><orig>Frie-</orig><orig>denswillen</orig></w> erkennen zu lassen, und vor diesem Hintergrund die Allianz der Kronen in Frage stellte (<hi style="font-style:smallCaps;">ebd.</hi>, 151 und 307f; vgl. hierzu insbes. auch nr. 132).</p></note>. <hi style="font-style:italic;">Daß diese außenpolitische Grundausrichtung jedoch keinesfalls <w lemma="gleichbedeutend"><orig>gleichbe-</orig><orig>deutend</orig></w> war mit einer vorbehaltlosen Unterstützung der schwedischen</hi> <pb n="LXXXIII" facs="APWIIB6_p0083" sameAs="#bsb00056895_00083"/><hi style="font-style:italic;">Interessen</hi><note type="edd" subtype="commAnnot" place="foot" facs="APWIIB6_p0083n132" xml:id="bsb00056895_00083_n01"><lb facs="-" xml:id="bsb00056895_00083_001"/><p style="font-style:italic;">So stand man französischerseits beispielsweise einem weiteren schwed. Machtzuwachs im Reich ablehnend ggb. (vgl. nr. 35). Dies zeigt deutlich die interne frz. Reaktion auf den Anfang August 1647 geäußerten Vorschlag Oxenstiernas einer Fortführung des Krieges auf der Grundlage einer erneuerten frz.-schwed. Allianz mit dem Ziel, die territorialen Satisfaktionsbestimmungen für Frk. und Schweden auszuweiten (vgl. nr.n 90, 103 und 104).</p></note><hi style="font-style:italic;">, zeigte sich in der zweiten Jahreshälfte 1647 nicht nur in bündnispolitischer Hinsicht, sondern auch im Rahmen der Verhandlungen auf dem Westfälischen Friedenskongreß, die es nachfolgend noch zu <w lemma="schildern"><orig>schil-</orig><orig>dern</orig></w> gilt.</hi></p>
    </div>