<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?><div xmlns="http://www.tei-c.org/ns/1.0" xmlns:session="http://apache.org/cocoon/session/1.0" type="text" corresp="#bsb00056764_00473">
	      <p><lb facs="APWIIA3_p0473l46" xml:id="bsb00056764_00473_046" n="46"/><hi style="font-style:italic;">Der Reichskanzler betonte, daß Ihre Kaiserliche Majestät über die Gravamina nur in</hi> <lb facs="APWIIA3_p0473l47" xml:id="bsb00056764_00473_047" n="47"/><hi style="font-style:italic;">Abstimmung mit den Katholiken verhandeln werde. Was an Trauttmansdorff geschickt</hi> <lb facs="APWIIA3_p0473l48" xml:id="bsb00056764_00473_048" n="48"/><hi style="font-style:italic;">worden sei, sei das Äußerste. Doch muß sich Bayern darüber klar sein, daß ein</hi> <lb facs="APWIIA3_p0473l49" xml:id="bsb00056764_00473_049" n="49"/><hi style="font-style:italic;">baldiger Friedensschluß auch an Zugeständnissen an die Protestanten hänge. Bei der</hi> <lb facs="APWIIA3_p0473l50" xml:id="bsb00056764_00473_050" n="50"/><hi style="font-style:italic;">Ausdehnung des Geistlichen Vorbehalts auf die Mediatstifter muß man sehr vorsichtig</hi> <lb facs="APWIIA3_p0473l51" xml:id="bsb00056764_00473_051" n="51"/><hi style="font-style:italic;">agieren, damit die Protestanten nicht auf seiner völligen Aufhebung bestehen, aus</hi> <lb facs="APWIIA3_p0473l52" xml:id="bsb00056764_00473_052" n="52"/><hi style="font-style:italic;">Furcht vor zu weiter Ausdehnung auf seiten der Katholiken. Ein Terminus a quo</hi> <lb facs="APWIIA3_p0473l53" xml:id="bsb00056764_00473_053" n="53"/><hi style="font-style:italic;">schützt auch die Katholiken. Die zeitlich befristete Überlassung der Stifter werden</hi> <pb n="426" facs="APWIIA3_p0474" sameAs="#bsb00056764_00474"/><lb facs="APWIIA3_p0474l1" xml:id="bsb00056764_00474_001" n="1"/><hi style="font-style:italic;">die Protestanten nicht hinnehmen. Was gegen eine unbefristete Überlassung <w lemma="vorgebracht"><orig>vorge-</orig> <lb facs="APWIIA3_p0474l2" xml:id="bsb00056764_00474_002" n="2"/><orig>bracht</orig></w></hi><hi style="font-style:italic;">  wird,</hi> samb dies einer infinitae und perpetuae renunciationi gleich und salva <lb facs="APWIIA3_p0474l3" xml:id="bsb00056764_00474_003" n="3"/>conscientia sine Summi Pontificis consensu nicht könt eingegangen werden, sey zum <lb facs="APWIIA3_p0474l4" xml:id="bsb00056764_00474_004" n="4"/>theil bereit erleutert, zum theil habe es seinen absatz in casu extremae necessitatis und <lb facs="APWIIA3_p0474l5" xml:id="bsb00056764_00474_005" n="5"/>laße sich uff des Reichs boden und bey der deutschen nation zwischen einem <w lemma="Römischen"><orig>Römi-</orig> <lb facs="APWIIA3_p0474l6" xml:id="bsb00056764_00474_006" n="6"/><orig>schen</orig></w> Keyßer undt den stenden des Reichs, zumahl wieder die protestirende, nicht <w lemma="practiciren"><orig>prac-</orig> <lb facs="APWIIA3_p0474l7" xml:id="bsb00056764_00474_007" n="7"/><orig>ticiren</orig></w>, dan sonsten hetten die unterschiedliche friedstende, so noch vor dem <w lemma="Paßauischen"><orig>Paßau-</orig> <lb facs="APWIIA3_p0474l8" xml:id="bsb00056764_00474_008" n="8"/><orig>ischen</orig></w> vertrag gemacht, und entlich der religionfried selbsten keinen bestandt.</p>
	      <p><lb facs="APWIIA3_p0474l9" xml:id="bsb00056764_00474_009" n="9"/>Darauff der abgeordnete gesagt, er müste bekennen, daß wan man frieden haben wolte <lb facs="APWIIA3_p0474l10" xml:id="bsb00056764_00474_010" n="10"/>und baldt, so würde man sich durch viel gradus nicht auffhalten dürffen, sondern <lb facs="APWIIA3_p0474l11" xml:id="bsb00056764_00474_011" n="11"/>baldt zuer sachen schreiten und dasienige, sowohl in puncto gravaminum thuen <lb facs="APWIIA3_p0474l12" xml:id="bsb00056764_00474_012" n="12"/>müßen, was die protestirende entlich haben wolten, alß man es in puncto satisfactionis <lb facs="APWIIA3_p0474l13" xml:id="bsb00056764_00474_013" n="13"/>zue Münster und anderstwo nothwendig für die kronen zue thuen befende. Dan er <lb facs="APWIIA3_p0474l14" xml:id="bsb00056764_00474_014" n="14"/>sehe paritatem rationis, undt er wolte es bey seinem gnedigsten herrn vleißig erinnern, <lb facs="APWIIA3_p0474l15" xml:id="bsb00056764_00474_015" n="15"/>hielte auch nicht darfür, daß seine churfürstliche durchlaucht, wan sie sehen würden, <lb facs="APWIIA3_p0474l16" xml:id="bsb00056764_00474_016" n="16"/>daß es hieran haften solte, ihrer Keyßerlichen mayestät auß handen gehen würden, <lb facs="APWIIA3_p0474l17" xml:id="bsb00056764_00474_017" n="17"/>sonderlich weil sie nunmehr dero intention und meinung in puncto satisfactionis <lb facs="APWIIA3_p0474l18" xml:id="bsb00056764_00474_018" n="18"/>wüsten.</p>
	      <p style="font-style:italic;"><lb facs="APWIIA3_p0474l19" xml:id="bsb00056764_00474_019" n="19"/>Mändl meinte, daß Kf. Maximilian an der Frage des Titels, der Investitur und von <lb facs="APWIIA3_p0474l20" xml:id="bsb00056764_00474_020" n="20"/>sessio und votum den Frieden nicht scheitern lassen werde. Die kaiserlichen Gesandten <lb facs="APWIIA3_p0474l21" xml:id="bsb00056764_00474_021" n="21"/>machten Mändl noch besonders darauf aufmerksam, daß die vornehmsten katholischen <lb facs="APWIIA3_p0474l22" xml:id="bsb00056764_00474_022" n="22"/>Reichsstände für alle Gravamina-Konzessionen die Verantwortung mit übernehmen <lb facs="APWIIA3_p0474l23" xml:id="bsb00056764_00474_023" n="23"/>müßten. Bei den Gravamina sind des Friedens wegen ebenso große Zugeständnisse wie <lb facs="APWIIA3_p0474l24" xml:id="bsb00056764_00474_024" n="24"/>bei der Satisfaktion nötig. Wenn sie bei den Gravamina nicht geschehen, ist es <lb facs="APWIIA3_p0474l25" xml:id="bsb00056764_00474_025" n="25"/>unsinnig, sie bei der Satisfaktion der Kronen zu machen.</p>
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