<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?><div xmlns="http://www.tei-c.org/ns/1.0" xmlns:session="http://apache.org/cocoon/session/1.0" type="part" subtype="part" ana="#section_03" xml:id="bsb00056732_00067_sec0015" corresp="#bsb00056732_00067">
	    <head><hi style="font-style:italic;">1. Die Zusammenarbeit der Direktoren bei der Zusammenstellung der Propositionen, Conclusen und Correlationen</hi></head>
	    <p style="font-style:italic;">Richtersberger hat die Vorstellung eines in sich geeinten und nur örtlich getrennten Fürstenrats einmal in die Worte gefaßt: Es gebe nur einen <w lemma="Fürstenrat"><orig>Für-</orig><orig>stenrat</orig></w>, nur ein Kollegium und daher auch nur ein Direktorium<note type="edd" subtype="commAnnot" place="foot" facs="APWIIIA3-3_p0067n155" xml:id="bsb00056732_00067_n04"><lb facs="-" xml:id="bsb00056732_00067_004"/> <p style="font-style:italic;">Siehe S. 112 Z. 26f.</p></note>. Um diesem Anspruch gerecht zu werden, bedurfte es vielfältiger Absprachen über einheitliche Propositionen an beiden Orten, über die Formulierung der Gesamtberatungsergebnisse <hi style="font-style:normal;">(conclusae)</hi> und die daraus <w lemma="zusammengesetzten"><orig>zusammenge-</orig><orig>setzten</orig></w> Fürstenratscorrelationen sowie über eine zeitliche Koordination der Beratungen:</p>
	    <p style="font-style:italic;">Übereinstimmende Propositionen waren die Voraussetzung dafür, daß die Beratungsergebnisse zu einem Gesamtresultat zusammengefaßt werden konnten. Wie die Beratung des Fürstenrats Osnabrück am 13. März zeigt, teilten sich die Direktoren den Wortlaut ihrer Propositionen mit. Da die französischen Satisfaktionsforderungen zunächst (am 1. März) in Münster Beratungsgegenstand gewesen waren, zitierte Richtersberger wörtlich die dortige Proposition und stellte sie in Osnabrück zur Umfrage<note type="edd" subtype="commAnnot" place="foot" facs="APWIIIA3-3_p0067n156" xml:id="bsb00056732_00067_n05"><lb facs="-" xml:id="bsb00056732_00067_005"/> <p style="font-style:italic;">Siehe S. 282 Z. 5–16.</p></note>. Ebenso <pb n="LXVIII" facs="APWIIIA3-3_p0068" sameAs="#bsb00056732_00068"/>informierten sich die Direktoren untereinander über die <w lemma="Beratungsergebnisse"><orig>Beratungsergeb-</orig><orig>nisse</orig></w>. Da die Beratung über einen bestimmten Gegenstand nie am selben Tag an beiden Orten vorgenommen wurde, sondern immer ein Fürstenrat zeitlich voranschritt, wurde dessen Beratungsergebnis dem jeweils <w lemma="anderen"><orig>ande-</orig><orig>ren</orig></w> mitgeteilt. War kein einheitliches Beratungsergebnis zustande <w lemma="gekommen"><orig>gekom-</orig><orig>men</orig></w>, wurde die Mehrheits- und die Minderheits-„Meinung“ überschickt. Erst wenn auch der andere Teilfürstenrat die Beratung abgeschlossen <w lemma="hatte"><orig>hat-</orig><orig>te</orig></w>, ergab sich bei Addition aller Voten aus den „Meinungen“ der beiden Teilfürstenräte das Endresultat: das <hi style="font-style:normal;">conclusum</hi> des Gesamtfürstenrats<note type="edd" subtype="commAnnot" place="foot" facs="APWIIIA3-3_p0068n157" xml:id="bsb00056732_00068_n01"><lb facs="-" xml:id="bsb00056732_00068_001"/> <p style="font-style:italic;">Diese Terminologie ist in den Protokollen nicht immer gleichmäßig verwendet worden. So meint z. B. das im <choice><abbr>FRO</abbr><expan>Fürstenrat in Osnabrück</expan></choice> am 13. Februar bekanntgegebene <hi style="font-style:normal;">conclusum per maiora</hi> die Mehrheitsmeinung des <choice><abbr>FRM</abbr><expan>Fürstenrat in Münster</expan></choice> vom 10. Februar 1646 (s. dazu <ref type="line" subtype="intern" facs="#APWIIIA3-3_p0237n5" target="#bsb00056732_00237_043">Nr. 101 Anm. 5</ref>). Zu den terminologischen Schwierigkeiten angesichts ao. Verfahren in einer neuen Situation s. oben Anm. 143.</p></note>. Dieses Verfahren wurde bald durch die Evangelischen im Fürstenrat <w lemma="Osnabrück"><orig>Os-</orig><orig>nabrück</orig></w> in Frage gestellt. Sie forderten, daß ihr einstimmiges Votum, das angesichts der eindeutigen Mehrheitsverhältnisse im Gesamtfürstenrat als Minderheitsmeinung entfallen wäre, im Gesamt-<hi style="font-style:normal;">Conclusum</hi>, in der <w lemma="Correlation"><orig>Cor-</orig><orig>relation</orig></w> des Fürstenrats und im Reichsbedenken, neben der <w lemma="Mehrheitsmeinung"><orig>Mehrheits-</orig><orig>meinung</orig></w> gesondert aufgeführt werde. Die grundsätzliche Geltung des Mehrheitsprinzips wollten sie nicht in Zweifel ziehen. Nur in dieser <w lemma="besonderen"><orig>be-</orig><orig>sonderen</orig></w> Situation könne es nicht gelten, denn <hi style="font-style:normal;">per maiora</hi> sei kein <hi style="font-style:normal;">friede zu machen, die cronen</hi> würden sich <hi style="font-style:normal;">an die maiora durchaus nicht [...] binden laßen,</hi> und man dürfe <hi style="font-style:normal;">die rechnung [nicht] ohne den wirth</hi> <w lemma="machen"><orig>ma-</orig><orig>chen</orig></w><note type="edd" subtype="commAnnot" place="foot" facs="APWIIIA3-3_p0068n158" xml:id="bsb00056732_00068_n02"><lb facs="-" xml:id="bsb00056732_00068_002"/> <p style="font-style:italic;">Siehe S. 111 Z. 33f, S. 109 Z. 18–21.</p></note>. Sie traten mit dieser Argumentation und generell mit ihrer <w lemma="Forderung"><orig>For-</orig><orig>derung</orig></w> nach Einbeziehung ihrer Minderheitsmeinung am 13. Februar 1646 hervor, als im Fürstenrat Osnabrück das Beratungsergebnis des <w lemma="Fürstenrats"><orig>Für-</orig><orig>stenrats</orig></w> Münster zur Amnestie und pfälzischen Restitution <w lemma="bekanntgegeben"><orig>bekanntgege-</orig><orig>ben</orig></w> wurde:</p>
	    <p style="font-style:italic;">Die katholischen Fürstenratsmitglieder waren im Prinzip mit der bislang vom Kaiser gewährten Amnestie einverstanden, indem sie die in den <w lemma="Regensburger"><orig>Re-</orig><orig>gensburger</orig></w> Reichsabschied von 1641 aufgenommene Regelung <w lemma="akzeptierten"><orig>akzeptier-</orig><orig>ten</orig></w>, die eine Generalamnestie mit den Stichjahren 1630 für Personen und weltliche Sachen und 1627 für geistliche Sachen vorsah, davon aber <w lemma="ausdrücklich"><orig>aus-</orig><orig>drücklich</orig></w> die kaiserlichen Erblande und die Pfalzfrage ausnahm, über die gesondert verhandelt werden solle. Diese Regensburger Amnestie war <w lemma="zunächst"><orig>zu-</orig><orig>nächst</orig></w> bis zur Aussöhnung aller Reichsstände mit dem Kaiser ausgesetzt (suspendiert) worden, doch hatte der Kaiser sie durch die Aufhebung <w lemma="dieser"><orig>die-</orig><orig>ser</orig></w> Suspension (die <hi style="font-style:normal;">cassation</hi> des <hi style="font-style:normal;">effectus suspensivus)</hi> am 10. Oktober 1645 in Kraft gesetzt. Die katholischen Reichsstände des Fürstenrats <w lemma="Münster"><orig>Mün-</orig><orig>ster</orig></w> hatten ihre Zustimmung vom 10. Februar allerdings an die Bedingung geknüpft, daß die Forderungen aller, die durch diese Regelung nicht <w lemma="zufriedengestellt"><orig>zu-</orig><orig>friedengestellt</orig></w> waren, angehört werden müßten und gesondert zu beraten <pb n="LXIX" facs="APWIIIA3-3_p0069" sameAs="#bsb00056732_00069"/>seien<note type="edd" subtype="commAnnot" place="foot" facs="APWIIIA3-3_p0069n159" xml:id="bsb00056732_00069_n01"><lb facs="-" xml:id="bsb00056732_00069_001"/> <p style="font-style:italic;">Zur Regensburger Amnestie von 1641 s. <hi style="font-style:normal;">APW</hi> III A 3/1 <ref type="line" subtype="extern" facs="#APWIIIA3-1_p0429n83" target="#bsb00056726_00429_0111a">Nr. 19 Anm. 83</ref>; 3/2 <ref type="line" subtype="extern" facs="#APWIIIA3-2_p0077n6" target="#bsb00056727_00077_010">Nr. 32 Anm. 6</ref>, 7. Die „Meinung“ der kath. Reichsstände im <choice><abbr>FRM</abbr><expan>Fürstenrat in Münster</expan></choice> wurde im <choice><abbr>FRO</abbr><expan>Fürstenrat in Osnabrück</expan></choice> am 13. <w lemma="Februar"><orig>Fe-</orig><orig>bruar</orig></w> als <hi style="font-style:normal;">conclusum per maiora</hi> vom 10. Februar bekanntgegeben (s. Nr. 101 bei Anm. 6). Die kath. <choice><abbr>Ges.</abbr><expan>Gesandter, Gesandte</expan></choice> des <choice><abbr>FRO</abbr><expan>Fürstenrat in Osnabrück</expan></choice> hatten am 8. Februar 1646 entsprechend, doch ohne die in Münster angehängte Bedingung, votiert (s. S. <hi style="font-style:normal;">77</hi> Z. 8ff).</p></note>. Die Evangelischen im Fürstenrat Osnabrück forderten (bis auf Hessen-Darmstadt) einstimmig eine den Status quo ante bellum <w lemma="wiederherstellende"><orig>wieder-</orig><orig>herstellende</orig></w> Amnestie mit dem Stichjahr 1618 in geistlichen und weltlichen Sachen<note type="edd" subtype="commAnnot" place="foot" facs="APWIIIA3-3_p0069n160" xml:id="bsb00056732_00069_n02"><lb facs="-" xml:id="bsb00056732_00069_002"/> <p style="font-style:italic;">Siehe S. 77 Z. 11–15. Die ev. Minderheit im <choice><abbr>FRM</abbr><expan>Fürstenrat in Münster</expan></choice> hatte am 10. Februar ebenso gestimmt; ihr Votum ist angeführt in dem <ref type="line" subtype="intern" facs="#APWIIIA3-3_p0237n2" target="#bsb00056732_00237_036">Nr. 101 Anm. 2</ref> nachgewiesenen Text. Zu Hessen-<w lemma="Darmstadt"><orig>Darm-</orig><orig>stadt</orig></w> s. oben bei Anm. 77.</p></note>. Sie hatten schon vor Beginn der Hauptberatungen <w lemma="vorausgesehen"><orig>vorausgese-</orig><orig>hen</orig></w>, daß es in dieser Frage zu gegensätzlichen Auffassungen der <w lemma="konfessionellen"><orig>konfessio-</orig><orig>nellen</orig></w> Parteien kommen werde, <hi style="font-style:normal;">so daß man sich alsbalt zustoßen werde</hi><note type="edd" subtype="commAnnot" place="foot" facs="APWIIIA3-3_p0069n161" xml:id="bsb00056732_00069_n03"><lb facs="-" xml:id="bsb00056732_00069_003"/> <p>APW <hi style="font-style:italic;">III A 3/2, 483 Z. 11f.</hi></p></note>. Tatsächlich wurde der 13. Februar, an dem die Beratungsergebnisse des Fürstenrats Münster im Fürstenrat Osnabrück bekanntgegeben wurden, zum Kulminationspunkt, denn die Evangelischen machten seither die <w lemma="Berücksichtigung"><orig>Be-</orig><orig>rücksichtigung</orig></w> ihrer Minderheitsvoten zu ihrer zentralen Forderung. Ob Richtersberger dem Fürstenrat Münster darüber sofort berichtet hat, ist <w lemma="ungewiß"><orig>un-</orig><orig>gewiß</orig></w>, denn in dieser Phase scheint die Kommunikation zwischen den <w lemma="Räten"><orig>Rä-</orig><orig>ten</orig></w> nicht sehr intensiv gewesen zu sein<note type="edd" subtype="commAnnot" place="foot" facs="APWIIIA3-3_p0069n162" xml:id="bsb00056732_00069_n04"><lb facs="-" xml:id="bsb00056732_00069_004"/> <p style="font-style:italic;">Am 16. Februar hatte Richtersberger keine Nachricht aus Münster (S. 153 Z. 23f); am 19. Februar konnte er drei Beratungsergebnisse aus Münster mitteilen, hatte aber noch keine Antwort auf die „Meinungen“ des <choice><abbr>FRO</abbr><expan>Fürstenrat in Osnabrück</expan></choice> vom 6. Februar (S. 154f Z. 30–33, Z. 1–14; S. 164 Z. 11–14).</p></note>. Am 21. Februar verlas <w lemma="Richtersberger"><orig>Richters-</orig><orig>berger</orig></w> den ersten Entwurf der Correlation zu Klasse I der Repliken, den er aus den Mehrheitsbeschlüssen, wie sie sich bei Zusammenzählung der <w lemma="Voten"><orig>Vo-</orig><orig>ten</orig></w> aus den beiden Teilfürstenräten ergaben, zusammengesetzt hatte. Sein Entwurf hatte Gültigkeit für beide Fürstenräte; ob Richtersberger ihn aber vor der Bekanntgabe in Osnabrück vom Fürstenratsdirektorium Münster hat billigen lassen, muß offenbleiben. Beratungspunkte, die zwar in <w lemma="Osnabrück"><orig>Osna-</orig><orig>brück</orig></w>, aber noch nicht im Fürstenrat Münster behandelt worden waren, hat er nicht aufgenommen<note type="edd" subtype="commAnnot" place="foot" facs="APWIIIA3-3_p0069n163" xml:id="bsb00056732_00069_n05"><lb facs="-" xml:id="bsb00056732_00069_005"/> <p style="font-style:italic;">Siehe Nr. 106 bei Anm. 5.</p></note>. Die evangelische Mehrheit im Fürstenrat Osnabrück lehnte diesen Entwurf einstimmig ab, da ihre abweichenden „Meinungen“ zwar erwähnt <hi style="font-style:normal;">(remissive einverleibet)</hi>, ihre Argumente <hi style="font-style:normal;">(<w lemma="rationes"><orig>ra-</orig><orig>tiones</orig></w>)</hi> aber ausgelassen und somit ihre Forderungen vom 13. Februar nicht erfüllt seien. Sie verlangten erneut die Einfügung ihrer „Meinungen“ <w lemma="einschließlich"><orig>ein-</orig><orig>schließlich</orig></w> ihrer Argumentation. Richtersberger wollte eine so <w lemma="schwerwiegende"><orig>schwerwie-</orig><orig>gende</orig></w> Entscheidung, die vom Reichsherkommen abwich<note type="edd" subtype="commAnnot" place="foot" facs="APWIIIA3-3_p0069n164" xml:id="bsb00056732_00069_n06"><lb facs="-" xml:id="bsb00056732_00069_006"/> <p style="font-style:italic;">Siehe S. 172 Z. 1ff, 12ff.</p></note>, nicht allein treffen und schrieb ratsuchend nach Münster<note type="edd" subtype="commAnnot" place="foot" facs="APWIIIA3-3_p0069n165" xml:id="bsb00056732_00069_n07"><lb facs="-" xml:id="bsb00056732_00069_007"/> <p style="font-style:italic;">Ob er sich an das dortige FR-Direktorium oder mehrere Institutionen wandte, geht aus dem Protokoll nicht hervor (s. S. 186 Z. 10).</p></note>. Eine kontroverse Beratung am 23. Februar über das Re- und Correlationsverfahren (in dem <w lemma="herkömmlicherweise"><orig>herkömm-</orig><orig>licherweise</orig></w> die Beratungsergebnisse der Kurien so lange miteinander <w lemma="verglichen"><orig>ver-</orig><pb n="LXX" facs="APWIIIA3-3_p0070" sameAs="#bsb00056732_00070"/><orig>glichen</orig></w> wurden, bis ein einstimmiges Ergebnis vorlag<note type="edd" subtype="commAnnot" place="foot" facs="APWIIIA3-3_p0070n166" xml:id="bsb00056732_00070_n01"><lb facs="-" xml:id="bsb00056732_00070_001"/> <p><hi style="font-style:italic;">Zur Re- und Correlation nach Reichstagsherkommen s.</hi> <hi style="font-style:smallCaps;">Aulinger</hi>, <hi style="font-style:italic;">214ff.</hi></p></note>) veranlaßte <w lemma="Richtersberger"><orig>Rich-</orig><orig>tersberger</orig></w> zu erneuten Briefen an den Fürstenrat Münster, den <w lemma="Kurfürstenrat"><orig>Kurfürsten-</orig><orig>rat</orig></w>, das Reichsdirektorium und an Trauttmansdorff<note type="edd" subtype="commAnnot" place="foot" facs="APWIIIA3-3_p0070n167" xml:id="bsb00056732_00070_n02"><lb facs="-" xml:id="bsb00056732_00070_002"/> <p style="font-style:italic;">Siehe S. 186 Z. 17–20; Nr. 109 bei Anm. 30.</p></note>. Am 28. Februar konnte er zwar drei in Münster formulierte <hi style="font-style:normal;">conclusa</hi> bekanntgeben, hatte aber auf seine Anfragen noch keine Antwort erhalten<note type="edd" subtype="commAnnot" place="foot" facs="APWIIIA3-3_p0070n168" xml:id="bsb00056732_00070_n03"><lb facs="-" xml:id="bsb00056732_00070_003"/> <p style="font-style:italic;">Siehe S. 202 Z. 10.</p></note>. Am 5. März konnte er wiederum ein Beratungsergebnis des Fürstenrats Münster <w lemma="mitteilen"><orig>mittei-</orig><orig>len</orig></w>, doch fehlte immer noch die Antwort auf seine Briefe vom 21. und 23. Februar. Die evangelischen Gesandten erneuerten ihre Forderungen und übergaben ihr <hi style="font-style:normal;">Votum commune</hi> über Amnestie und Restitution zur <w lemma="Einfügung"><orig>Ein-</orig><orig>fügung</orig></w> in Correlation und Reichsbedenken. Richtersberger konnte nur darauf verweisen, daß ihm nach wie vor eine <hi style="font-style:normal;">instruction</hi> aus Münster fehle. Dabei muß er an Trauttmansdorff gedacht haben, denn der Fürstenrat Münster konnte ihm sicherlich keine <hi style="font-style:normal;">instruction</hi> erteilen. Am 8. März konnte er schließlich das Beratungsergebnis des Fürstenrats Münster über die Re- und Correlation und die Einfügung von Minderheitsvoten <w lemma="bekanntgeben"><orig>be-</orig><orig>kanntgeben</orig></w> und in Osnabrück zur Umfrage stellen<note type="edd" subtype="commAnnot" place="foot" facs="APWIIIA3-3_p0070n169" xml:id="bsb00056732_00070_n04"><lb facs="-" xml:id="bsb00056732_00070_004"/> <p style="font-style:italic;">Siehe Nr. 110.</p></note>. Auch scheint er nun die nötigen <hi style="font-style:normal;">instructionen</hi> erhalten zu haben. Die Zustimmung des <w lemma="Fürstenrats"><orig>Für-</orig><orig>stenrats</orig></w> Osnabrück zu den „Meinungen“ des Fürstenrats Münster konnte er durch geschickt geleitete Umfragen erreichen, so daß sein zweiter <w lemma="Correlationsentwurf"><orig>Corre-</orig><orig>lationsentwurf</orig></w> zu Klasse I der Repliken am 10. März im Fürstenrat <w lemma="Osnabrück"><orig>Osna-</orig><orig>brück</orig></w> zur Umfrage gestellt werden konnte. Er hatte bereits den Direktoren des Fürstenrats Münster vorgelegen und war von ihnen gebilligt worden<note type="edd" subtype="commAnnot" place="foot" facs="APWIIIA3-3_p0070n170" xml:id="bsb00056732_00070_n05"><lb facs="-" xml:id="bsb00056732_00070_005"/> <p style="font-style:italic;">Siehe <ref type="line" subtype="intern" facs="#APWIIIA3-3_p0362n2" target="#bsb00056732_00362_035">Nr. 111 Anm. 2</ref>.</p></note>. Die örtliche Trennung der beiden Fürstenräte und die notwendige <w lemma="Einigung"><orig>Eini-</orig><orig>gung</orig></w> über Verfahrensfragen hatte zu einer Verzögerung von sechzehn <w lemma="Tagen"><orig>Ta-</orig><orig>gen</orig></w> geführt, die zwischen der Verlesung des ersten Correlationsentwurfs am 21. Februar und der Beratung über den zweiten Entwurf am 10. März verstrichen waren. Richtersberger schickte seinen zweiten Entwurf nach Billigung durch den Fürstenrat Osnabrück wahrscheinlich am 11. März an den Fürstenrat Münster<note type="edd" subtype="commAnnot" place="foot" facs="APWIIIA3-3_p0070n171" xml:id="bsb00056732_00070_n06"><lb facs="-" xml:id="bsb00056732_00070_006"/> <p style="font-style:italic;">Siehe <ref type="line" subtype="intern" facs="#APWIIIA3-3_p0361n37" target="#bsb00056732_00361_027">Nr. 110 Anm. 37</ref>.</p></note>. Auch danach fuhr er fort, die Osnabrücker Beratungsergebnisse dorthin zu senden<note type="edd" subtype="commAnnot" place="foot" facs="APWIIIA3-3_p0070n172" xml:id="bsb00056732_00070_n07"><lb facs="-" xml:id="bsb00056732_00070_007"/> <p><hi style="font-style:italic;">Er überschickte die „Meinungen“ des <choice><abbr>FRO</abbr><expan>Fürstenrat in Osnabrück</expan></choice> vom 12. bis 17. März, ebenso die ev.</hi> <w lemma="Gravamina"><orig>Grava-</orig><orig>mina</orig></w> politica <hi style="font-style:italic;">(S. 381 Z. 15; oben bei Anm. 154).</hi></p></note>. Am 17. März wurden die <w lemma="Beratungen"><orig>Bera-</orig><orig>tungen</orig></w> im Fürstenrat Osnabrück vorläufig abgeschlossen. Die nächste <w lemma="Sitzung"><orig>Sit-</orig><orig>zung</orig></w> fand am 17. April statt, nachdem die Salzburger Gesandten nach <w lemma="Osnabrück"><orig>Os-</orig><orig>nabrück</orig></w> gekommen waren, um ihren Correlationsentwurf zu Klasse II bis IV der Repliken im Fürstenrat zu proponieren. Nachdem Richtersberger die Correlation zu Klasse I federführend entworfen hatte, war nach dem Alternationsprinzip nun die Reihe am Salzburger Fürstenratsdirektorium, das die Correlation gemäß den Beratungsergebnissen beider Fürstenräte <pb n="LXXI" facs="APWIIIA3-3_p0071" sameAs="#bsb00056732_00071"/>und von vornherein unter Einbeziehung der Minderheitsvoten <w lemma="ausgearbeitet"><orig>ausgearbei-</orig><orig>tet</orig></w> und bereits am 9. April im Fürstenrat Münster zur Umfrage gestellt hatte<note type="edd" subtype="commAnnot" place="foot" facs="APWIIIA3-3_p0071n173" xml:id="bsb00056732_00071_n01"><lb facs="-" xml:id="bsb00056732_00071_001"/> <p style="font-style:italic;">Zur Ausarbeitung der Correlation s. S. 381 Z. 14f; zur Billigung des Entwurfs durch den <choice><abbr>FRM</abbr><expan>Fürstenrat in Münster</expan></choice> <hi style="font-style:normal;">s.</hi> S. 380 Z. 18f; zum Datum s. das <choice><abbr>FRM</abbr><expan>Fürstenrat in Münster</expan></choice>-Protokoll vom 9. April 1646 (<hi style="font-style:smallCaps;">StA</hi> <hi style="font-style:smallCaps;"><w lemma="Bamberg"><orig>Bam-</orig><orig>berg</orig></w></hi> Rep. B 33 Serie II Bd. 4 fol. 396’-403’).</p></note>. Im Fürstenrat Osnabrück wurde er am 17. April verlesen, am 19. April zur Beratung gestellt<note type="edd" subtype="commAnnot" place="foot" facs="APWIIIA3-3_p0071n174" xml:id="bsb00056732_00071_n02"><lb facs="-" xml:id="bsb00056732_00071_002"/> <p style="font-style:italic;">Siehe Nr. 117, 118.</p></note> und noch während der Sitzung korrigiert. Dazu setzten sich der Salzburger und der Österreichische Direktor an einen Tisch und trugen die Änderungswünsche in das Manuskript ein. Diese <hi style="font-style:normal;"><w lemma="rectification"><orig>rec-</orig><orig>tification</orig></w></hi><note type="edd" subtype="commAnnot" place="foot" facs="APWIIIA3-3_p0071n175" xml:id="bsb00056732_00071_n03"><lb facs="-" xml:id="bsb00056732_00071_003"/> <p style="font-style:italic;">Siehe Nr. 118 bei Anm. 69.</p></note> war wohl ihre unmittelbarste und intensivste <w lemma="Zusammenarbeit"><orig>Zusammen-</orig><orig>arbeit</orig></w>. Die korrigierte Fassung wurde dem Kurmainzer Reichsdirektorium übergeben<note type="edd" subtype="commAnnot" place="foot" facs="APWIIIA3-3_p0071n176" xml:id="bsb00056732_00071_n04"><lb facs="-" xml:id="bsb00056732_00071_004"/> <p style="font-style:italic;">Siehe Nr. 118 bei Anm. 88.</p></note>, das nun die Vorbereitungen zur Re- und Correlation treffen mußte, die am 26. und 27. April in beiden Kongreßstädten gleichzeitig in Plenarsitzungen der Reichskurien vorgenommen wurde.</p>
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