<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?><div xmlns="http://www.tei-c.org/ns/1.0" xmlns:session="http://apache.org/cocoon/session/1.0" type="part" subtype="part" ana="#section_02" xml:id="bsb00056731_00067_sec0017" corresp="#bsb00056731_00067">
	  <head><hi style="font-style:italic;">III. Die Abreise Trauttmansdorffs und anderer Gesandter im Jahr 1647</hi></head>
	  <p style="font-style:italic;">Eine wichtige Zäsur in den fast siebzehn Monaten des Editionszeitraums ist die Abreise Trauttmansdorffs am 16. Juli 1647. Eine zwingende <w lemma="Notwendigkeit"><orig>Notwen-</orig><orig>digkeit</orig></w>, gerade zu diesem Zeitpunkt den Friedenskongreß zu verlassen, gab es nicht. Vielmehr wollte Trauttmansdorff einerseits ein Zeichen setzen, daß der Kaiser zu weiteren Konzessionen nicht bereit sei, und andererseits aus privaten Gründen heimkehren, weil er sich krank fühlte und seine <w lemma="Angelegenheiten"><orig>Ange-</orig><orig>legenheiten</orig></w> regeln wollte<note type="edd" subtype="commAnnot" place="foot" facs="APWIIIA3-4_p0067n33" xml:id="bsb00056731_00067_n03"><lb facs="-" xml:id="bsb00056731_00067_003"/> <p><hi style="font-style:smallCaps;">Ruppert</hi>, <hi style="font-style:italic;">274 Anm. 626.</hi></p> </note>. Als er abreiste, lag eine Zeit intensiver <w lemma="Verhandlungstätigkeit"><orig>Ver-</orig><orig>handlungstätigkeit</orig></w> hinter ihm und auch hinter Volmar, der von Anfang Januar bis zum 31. Mai 1647 in Osnabrück weilte und im Frühjahr dort die Verhandlungen leitete, während sich Trauttmansdorff in Münster <w lemma="aufhielt"><orig>auf-</orig><orig>hielt</orig></w><note type="edd" subtype="commAnnot" place="foot" facs="APWIIIA3-4_p0067n34" xml:id="bsb00056731_00067_n04"><lb facs="-" xml:id="bsb00056731_00067_004"/> <p style="font-style:italic;">S. <hi style="font-style:normal;">APW</hi> C 2/2 778 Z. 2f, 844 Z. 12; zur Rolle Volmars s. künftig <hi style="font-style:normal;">APW</hi> II A 6, Einleitung Teil B Kapitel I (Die ksl. Gesandtschaft).</p> </note>. Am 29. März 1647 begannen die kaiserlich-schwedischen <w lemma="Verhandlungen"><orig>Verhand-</orig><orig>lungen</orig></w>, die Ende Mai mit der Herausgabe des sogenannten <hi style="font-style:normal;"><w lemma="Instrumentum"><orig>Instrumen-</orig><orig>tum</orig></w> Trauttmansdorffianum</hi> (<choice><abbr>KEIPO4</abbr><expan>Vierter kaiserlicher Entwurf für ein Instrumentum Pacis Osnabrugensis, [1647 V 29]</expan></choice> [1647 V 29]) endeten<note type="edd" subtype="commAnnot" place="foot" facs="APWIIIA3-4_p0067n35" xml:id="bsb00056731_00067_n05"><lb facs="-" xml:id="bsb00056731_00067_005"/> <p><hi style="font-style:italic;">S.</hi> <hi style="font-style:smallCaps;">ebenda</hi>.</p> </note>. Volmar und die <w lemma="Schweden"><orig>Schwe-</orig><orig>den</orig></w> begaben sich daraufhin Anfang Juni nach Münster, um dort noch vor der seit längerem angekündigten Abreise Trauttmansdorffs <w lemma="zusammen"><orig>zusam-</orig><orig>men</orig></w> mit den Franzosen den Friedensschluß zustande zu bringen<note type="edd" subtype="commAnnot" place="foot" facs="APWIIIA3-4_p0067n36" xml:id="bsb00056731_00067_n06"><lb facs="-" xml:id="bsb00056731_00067_006"/> <p><hi style="font-style:smallCaps;">Ruppert</hi>, <hi style="font-style:italic;">294.</hi></p> </note>. Auch <pb n="LXVIII" facs="APWIIIA3-4_p0068" sameAs="#bsb00056731_00068"/>die sonst in Osnabrück weilenden evangelischen Gesandten begaben sich nach Münster und nahmen im Juni und Juli 1647 viermal an den dortigen Fürstenratssitzungen teil<note type="edd" subtype="commAnnot" place="foot" facs="APWIIIA3-4_p0068n37" xml:id="bsb00056731_00068_n01"><lb facs="-" xml:id="bsb00056731_00068_001"/> <p style="font-style:italic;">S. die Notiz über die Sitzungen am 17. und 27. Juni sowie am 3. und 10. Juli 1647 in Nr. 137.</p> </note>. Trotz aller Anstrengungen gelang der <w lemma="Durchbruch"><orig>Durch-</orig><orig>bruch</orig></w> nicht, da die Trauttmansdorffschen Friedensentwürfe (<choice><abbr>KEIPO4</abbr><expan>Vierter kaiserlicher Entwurf für ein Instrumentum Pacis Osnabrugensis, [1647 V 29]</expan></choice> [1647 V 29] und das am 12. Juni 1647 ausgehändigte Gegenstück, die substantiell <w lemma="identischen"><orig>identi-</orig><orig>schen</orig></w> <choice><abbr>KEIPM3</abbr><expan>Dritter kaiserlicher Entwurf für ein Instrumentum Pacis Monasteriensis, 1647 VI 12, ohne Nennung des Papstes und mit Klauseln, an denen der Hl. Stuhl aus kirchenrechtlichen Gründen Anstoß nehmen konnte</expan></choice> 1647 VI 12, ohne Nennung des Papstes und mit Klauseln, an denen der Hl. Stuhl aus kirchenrechtlichen Gründen Anstoß nehmen konnte bzw. <choice><abbr>KEIPM4</abbr><expan>Vierter kaiserlicher Entwurf für ein Instrumentum Pacis Monasteriensis, 1647 VI 12, mit Nennung des Papstes und ohne die Klauseln, an denen der Hl. Stuhl aus kirchenrechtlichen Gründen Anstoß nehmen konnte</expan></choice> 1647 VI 12, mit Nennung des Papstes und ohne die Klauseln, an denen der Hl. Stuhl aus kirchenrechtlichen Gründen Anstoß nehmen konnte<note type="edd" subtype="commAnnot" place="foot" facs="APWIIIA3-4_p0068n38" xml:id="bsb00056731_00068_n02"><lb facs="-" xml:id="bsb00056731_00068_002"/> <p style="font-style:italic;">Zu den Unterschieden s. <ref type="line" subtype="intern" facs="#APWIIIA3-4_p0381n11" target="#bsb00056731_00381_012">Nr. 138 Anm. 11</ref>.</p> </note>) weder von Schweden noch Franzosen noch von Katholiken und Protestanten als Ganzes akzeptiert wurden und niemand sich vor Beendigung des Sommerfeldzugs festlegen wollte. <w lemma="Besonders"><orig>Beson-</orig><orig>ders</orig></w> für Schweden, das im Begriff war, in Böhmen einzufallen, bestand kein Anlaß zu überstürzten Konzessionen<note type="edd" subtype="commAnnot" place="foot" facs="APWIIIA3-4_p0068n39" xml:id="bsb00056731_00068_n03"><lb facs="-" xml:id="bsb00056731_00068_003"/> <p><hi style="font-style:smallCaps;">Ruppert</hi>, <hi style="font-style:italic;">316; zu den ksl.-frz. Verhandlungen kurz vor und nach Trauttmansdorffs Abreise s.</hi> <hi style="font-style:smallCaps;">Tischer</hi>, <hi style="font-style:italic;">288f.</hi></p> </note>.</p>
	  <p style="font-style:italic;">Neben Trauttmansdorff, der nach mehrfachem Aufschub und letzten, <w lemma="vergeblichen"><orig>ver-</orig><orig>geblichen</orig></w> Verhandlungen schließlich am Abend des 16. Juli aus Münster abreiste<note type="edd" subtype="commAnnot" place="foot" facs="APWIIIA3-4_p0068n40" xml:id="bsb00056731_00068_n04"><lb facs="-" xml:id="bsb00056731_00068_004"/> <p><hi style="font-style:italic;">S.</hi> APW <hi style="font-style:italic;">III C 2/2 869 Z. 1–7;</hi> APW <hi style="font-style:italic;">II A 6 Nr. 181.</hi></p> </note>, verließen auch auf reichsständischer Seite eine Reihe von <w lemma="Gesandten"><orig>Ge-</orig><orig>sandten</orig></w> den Kongreß im Laufe des Jahres 1647. Richtersberger war im Hinblick auf den Fürstenrat Osnabrück der wichtigste, weil er dort das Fürstenratsdirektorium geführt hatte; er reiste wahrscheinlich mit <w lemma="Trauttmansdorff"><orig>Trautt-</orig><orig>mansdorff</orig></w> oder wenigstens zur selben Zeit ab<note type="edd" subtype="commAnnot" place="foot" facs="APWIIIA3-4_p0068n41" xml:id="bsb00056731_00068_n05"><lb facs="-" xml:id="bsb00056731_00068_005"/> <p style="font-style:italic;">Richtersberger ist zuletzt für den 14. Juli 1647 in Münster bezeugt, als er und der <w lemma="Bamberger"><orig>Bam-</orig><orig>berger</orig></w> <choice><abbr>Ges.</abbr><expan>Gesandter, Gesandte</expan></choice> Göbel sich voneinander verabschiedeten (Heinrich <hi style="font-style:smallCaps;">Dietz</hi>, 438). Bereits am 5. April 1647 hatte Milagius (Anhalt) den Kongreß verlassen, dessen Votum künftig Heher führte, der <choice><abbr>Ges.</abbr><expan>Gesandter, Gesandte</expan></choice> Sachsen-Weimars und -Gothas (s. <ref type="line" subtype="intern" facs="#APWIIIA3-4_p0315n28" target="#bsb00056731_00315_030">Nr. 132 Anm. 28</ref>). Im Sommer 1647 verabschiedete sich der Salzburger Primarges. Zauchenberger (<ref type="line" subtype="intern" facs="#APWIIIA3-4_p0397n10" target="#bsb00056731_00397_033">Nr. 139 Anm. 10</ref>); einer der beiden verbleibenden Salzburger <choice><abbr>Ges.</abbr><expan>Gesandter, Gesandte</expan></choice>, Motzel, verließ den <choice><abbr>WFK</abbr><expan>Westfälischer Friedenskongress</expan></choice> Anfang September 1647 (<ref type="line" subtype="intern" facs="#APWIIIA3-4_p0413n8" target="#bsb00056731_00413_023">Nr. 140 Anm. 8</ref>). Die Wetterauer Gf.en wurden nach der Abreise ihrer <choice><abbr>Ges.</abbr><expan>Gesandter, Gesandte</expan></choice> Geißel und Heidfeld am 13. September 1647 durch Wesenbeck vertreten (<ref type="line" subtype="intern" facs="#APWIIIA3-4_p0427n22" target="#bsb00056731_00427_031">Nr. 141 Anm. 22</ref>). Der Magdeburger Krull verließ Osnabrück mit seinem Gesandtschaftssekretär Werner Ende September 1647; hier blieb nur ein Kanzlist zur weiteren Berichterstattung zurück (<ref type="line" subtype="intern" facs="#APWIIIA3-4_p0457n2" target="#bsb00056731_00457_030">Nr. 143 Anm. 2</ref>). Diese Abberufung war sicherlich (auch) dadurch motiviert, daß das Est. gemäß der Entschädigungs-Vereinbarung von 1647 II 19 (s. Anm. 27) nach dem Tod des <w lemma="damaligen"><orig>dama-</orig><orig>ligen</orig></w> <choice><abbr>Adm.</abbr><expan>Administrator</expan></choice>s an Kurbrandenburg fallen sollte, so daß die Motivation, eine teure <w lemma="Gesandtschaft"><orig>Gesandt-</orig><orig>schaft</orig></w> auf dem <choice><abbr>WFK</abbr><expan>Westfälischer Friedenskongress</expan></choice> zu unterhalten, gesunken war. – Aus den Reihen der Kfl. verließ der kursächsische Primarges. Pistoris im Juni 1647 den WFK. Das hatte für den <choice><abbr>FRO</abbr><expan>Fürstenrat in Osnabrück</expan></choice> eine gewisse Bedeutung, da Kursachsen am hennebergischen Votum beteiligt war (s. <ref type="line" subtype="intern" facs="#APWIIIA3-4_p0392n48" target="#bsb00056731_00392_031">Nr. 138 Anm. 48</ref>; vgl. auch Nr. 140 bei Anm. 15, Nr. 142 bei Anm. 61).</p> </note>. Nicht Unzufriedenheit mit der diplomatischen Tätigkeit war der Grund für die vielen Abberufungen; vielmehr wurden die Gesandten nach langer Abwesenheit wieder in <w lemma="anderer"><orig>ande-</orig><orig>rer</orig></w> Funktion gebraucht. Meist hatten sie (wie Trauttmansdorff) selbst auf <pb n="LXIX" facs="APWIIIA3-4_p0069" sameAs="#bsb00056731_00069"/>ihre Abberufung gedrängt. Ihre Abreise ist also nicht als Zeichen zu <w lemma="werten"><orig>wer-</orig><orig>ten</orig></w>, daß die betreffenden Reichsstände nicht mehr an einen Friedensschluß glaubten. Die Friedensverhandlungen gingen zweifellos langsamer voran, seitdem der kaiserliche Prinzipalgesandte den Kongreß verlassen hatte. Sie stagnierten aber nicht völlig, sondern konnten noch im Spätherbst 1647 mit dem kaiserlich-französischen Vorvertrag vom 11./14. November 1647 einen wichtigen Erfolg verzeichnen<note type="edd" subtype="commAnnot" place="foot" facs="APWIIIA3-4_p0069n42" xml:id="bsb00056731_00069_n01"><lb facs="-" xml:id="bsb00056731_00069_001"/> <p><hi style="font-style:smallCaps;">Tischer</hi>, <hi style="font-style:italic;">288ff.</hi></p> </note>.</p>
	</div>