<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?><div xmlns="http://www.tei-c.org/ns/1.0" xmlns:session="http://apache.org/cocoon/session/1.0" type="text" corresp="#bsb00056723_00414">
		<p><lb facs="APWIIC3_p0414l18" xml:id="bsb00056723_00414_018" n="18"/>Sontags, den 21. Martii [<hi style="font-style:italic;">21./31. März</hi>], nachmittag besuchte mich der Keyserliche <lb facs="APWIIC3_p0414l19" xml:id="bsb00056723_00414_019" n="19"/>reichshoffraht Gebhardt<note type="edd" subtype="commAnnot" place="foot" facs="APWIIC3_p0414n4" xml:id="bsb00056723_00414_dok0179-1_n02"><p> <lb facs="APWIIC3_p0414l46" xml:id="bsb00056723_00414_046" n="46"/><hi style="font-style:italic;">Vgl.</hi> <ref type="http" target="http://reader.digitale-sammlungen.de/de/fs1/object/display/bsb10492277_00066.html"><hi style="font-style:smallCaps;">Meiern</hi> <hi style="font-style:italic;">V S. 16f.</hi></ref><hi style="font-style:italic;">; zu Gebhardts Aufgabe vgl.</hi> <hi style="font-style:smallCaps;">Riezler</hi> <hi style="font-style:italic;">S. 611, 613.</hi></p></note> und weiste ein schreiben vom 24. dieses st. n. [<hi style="font-style:italic;">24. März</hi>], <lb facs="APWIIC3_p0414l20" xml:id="bsb00056723_00414_020" n="20"/>so er diesen tag vom Kayser bekommen, des inhalts, wann er alhier zu keinen <w lemma="tractaten"><orig>tracta-</orig> <lb facs="APWIIC3_p0414l21" xml:id="bsb00056723_00414_021" n="21"/><orig>ten</orig></w> gelangen könte, das er sich wieder anheimb begeben solte. Urgirte derowegen <lb facs="APWIIC3_p0414l22" xml:id="bsb00056723_00414_022" n="22"/>eine andword auff ihre iüngst übergebene proposition, daß man ihnen die ehre thun <lb facs="APWIIC3_p0414l23" xml:id="bsb00056723_00414_023" n="23"/>und eine resolution geben wolte, ob man alle handlung gäntzlich zu abrumpiren <lb facs="APWIIC3_p0414l24" xml:id="bsb00056723_00414_024" n="24"/>gemeint sey oder ob man wieder zusammen kommen wolle und wie bald man <w lemma="verhoffte"><orig>ver-</orig> <lb facs="APWIIC3_p0414l25" xml:id="bsb00056723_00414_025" n="25"/><orig>hoffte</orig></w>, auch welcher ohrten es geschehen könte? Contestirte nochmahls, wie <w lemma="ernstlich"><orig>ernst-</orig> <lb facs="APWIIC3_p0414l26" xml:id="bsb00056723_00414_026" n="26"/><orig>lich</orig></w> des Kaysers meinung sey, mit der cron in freundschafft zu kommen, es sey per <lb facs="APWIIC3_p0414l27" xml:id="bsb00056723_00414_027" n="27"/>modum induciarum oder per modum pacis, mit anziehung der ursachen, so den <lb facs="APWIIC3_p0414l28" xml:id="bsb00056723_00414_028" n="28"/>Kayser darzu treiben, das er nemblich selbsten noch ein junger herr von 40 jahren <lb facs="APWIIC3_p0414l29" xml:id="bsb00056723_00414_029" n="29"/>und seine gantze regierung in lauter wiederwertigkeit, unglück und travaillen hette <lb facs="APWIIC3_p0414l30" xml:id="bsb00056723_00414_030" n="30"/>bis dato führen müßen, verlangte billich nach einem ruhigen regiment. Er habe auch <lb facs="APWIIC3_p0414l31" xml:id="bsb00056723_00414_031" n="31"/>einen jungen herrn, welchen er bey solcher zerrüttung und unwesen nicht exaltiren <lb facs="APWIIC3_p0414l32" xml:id="bsb00056723_00414_032" n="32"/>könte, wann er alles auff die spitze und extrema ankommen laßen wolt[e]. Das <lb facs="APWIIC3_p0414l33" xml:id="bsb00056723_00414_033" n="33"/>Ungerische wesen<note type="edd" subtype="commAnnot" place="foot" facs="APWIIC3_p0414n5" xml:id="bsb00056723_00414_dok0179-1_n03"><p> <lb facs="APWIIC3_p0414l47" xml:id="bsb00056723_00414_047" n="47"/><hi style="font-style:italic;">Vgl.</hi> <hi style="font-style:smallCaps;">Dickmann</hi> <hi style="font-style:italic;">S. 123.</hi></p></note> lege [liege] ihme auf dem halß, und seye auch vor dem Türcken <lb facs="APWIIC3_p0414l34" xml:id="bsb00056723_00414_034" n="34"/>nicht sicher. Wann nun die cron Schweden einen frieden, wie sie biß dato jactirt, <lb facs="APWIIC3_p0414l35" xml:id="bsb00056723_00414_035" n="35"/>ernstlich suche, so könte sie anitzo mit der höchsten ehr und reputation darzu <w lemma="gelangen"><orig>gelan-</orig> <lb facs="APWIIC3_p0414l36" xml:id="bsb00056723_00414_036" n="36"/><orig>gen</orig></w>, indeme sie nicht allein ihre satisfaction zu erweiterung ihres estats hette, sondern <lb facs="APWIIC3_p0414l37" xml:id="bsb00056723_00414_037" n="37"/>auch bey ihren glaubensgenoßen wegen ihres geleisteten beystands auch sonsten <lb facs="APWIIC3_p0414l38" xml:id="bsb00056723_00414_038" n="38"/>hohe obligation verlangte, das sie das Römische reich beruhigen helffen. Es würde <lb facs="APWIIC3_p0414l39" xml:id="bsb00056723_00414_039" n="39"/>und könte auch der Kayser anietzo ein ubriges thun, und were deswegen von <w lemma="niemanden"><orig>nie-</orig> <lb facs="APWIIC3_p0414l40" xml:id="bsb00056723_00414_040" n="40"/><orig>manden</orig></w> zu verdencken, nachdeme Bayern ihn dergestald verlaße und also diese<pb n="359" facs="APWIIC3_p0415" sameAs="#bsb00056723_00415"/><lb facs="APWIIC3_p0415l1" xml:id="bsb00056723_00415_001" n="1"/>wunde noch frisch sey. Er ließe sich auch soviel gar deutlich vermercken, das die <lb facs="APWIIC3_p0415l2" xml:id="bsb00056723_00415_002" n="2"/>gravamina der stände so gar schwer nicht zu heben sein möchten, und würde der <lb facs="APWIIC3_p0415l3" xml:id="bsb00056723_00415_003" n="3"/>Kayser sich bald resolviren, wann er nur dadurch des friedens versichert wehre. Der <lb facs="APWIIC3_p0415l4" xml:id="bsb00056723_00415_004" n="4"/>Kayser hatte viel jahre hero theils stände wegen anderer leute offendiren müßen, als <lb facs="APWIIC3_p0415l5" xml:id="bsb00056723_00415_005" n="5"/>unter andern auch die hertzogen von Braunschweig wegen vorenthaltung <w lemma="Wolffenbüttel"><orig>Wolffen-</orig> <lb facs="APWIIC3_p0415l6" xml:id="bsb00056723_00415_006" n="6"/><orig>büttel</orig></w><note type="edd" subtype="commAnnot" place="foot" facs="APWIIC3_p0415n1" xml:id="bsb00056723_00415_dok0179-1_n04"><p> <lb facs="APWIIC3_p0415l49" xml:id="bsb00056723_00415_049" n="49"/><hi style="font-style:italic;">Vgl.</hi> <hi style="font-style:smallCaps;">Dickmann</hi> <hi style="font-style:italic;">S. 30.</hi></p></note>. Endlich wehre der Kayser doch von Bayern getrungen worden, das er <lb facs="APWIIC3_p0415l7" xml:id="bsb00056723_00415_007" n="7"/>selbigen ohrt, das [da] sie ihn am meisten vonnöten gehabt, hette aus handen geben <lb facs="APWIIC3_p0415l8" xml:id="bsb00056723_00415_008" n="8"/>müßen. Item die restitution des hertzogen von Würtenberg<note type="edd" subtype="commAnnot" place="foot" facs="APWIIC3_p0415n2" xml:id="bsb00056723_00415_dok0179-1_n05"><p> <lb facs="APWIIC3_p0415l50" xml:id="bsb00056723_00415_050" n="50"/><hi style="font-style:italic;">Vgl. zum Problem der Restitution Württembergs die Dissertation von</hi> <hi style="font-style:smallCaps;">Roswitha</hi> <hi style="font-style:smallCaps;">Philippe</hi>- <lb facs="APWIIC3_p0415l51" xml:id="bsb00056723_00415_051" n="51"/><hi style="font-style:smallCaps;">v.</hi> <hi style="font-style:smallCaps;">Kietzell</hi>.</p></note> hette der Kayser auch <lb facs="APWIIC3_p0415l9" xml:id="bsb00056723_00415_009" n="9"/>längst resolvirt. In summa des Kaysers consilia wehren gut und moderata gewesen, <lb facs="APWIIC3_p0415l10" xml:id="bsb00056723_00415_010" n="10"/>aber iederzeit von andern traversirt worden, welche den Kayser dardurch in solchen <lb facs="APWIIC3_p0415l11" xml:id="bsb00056723_00415_011" n="11"/>blutigen krieg gesetzet undt ihn anietzo im stich laßen. Daraus könte ia ein jeder <lb facs="APWIIC3_p0415l12" xml:id="bsb00056723_00415_012" n="12"/>judiciren, wann auch der herr Christus selbsten, ausgenommen seine Gottheit, an <lb facs="APWIIC3_p0415l13" xml:id="bsb00056723_00415_013" n="13"/>des Kaysers stelle auff erden wehre und keine getrewere churfürsten und stände hette <lb facs="APWIIC3_p0415l14" xml:id="bsb00056723_00415_014" n="14"/>als dieser Kayser habe, so würde er doch nicht zurecht kommen.</p>
		<p><lb facs="APWIIC3_p0415l15" xml:id="bsb00056723_00415_015" n="15"/>Er fiel auch ferners in discours von des Kaysers gutwilligkeit, auff die materi von <lb facs="APWIIC3_p0415l16" xml:id="bsb00056723_00415_016" n="16"/>dem achten churfürsten, darvon anietzo auch zu Münster gehandelt würde, das <lb facs="APWIIC3_p0415l17" xml:id="bsb00056723_00415_017" n="17"/>zwar der Kayser und sein herr vatter ihr lebetag nichts zu thun begehrt, so wieder <lb facs="APWIIC3_p0415l18" xml:id="bsb00056723_00415_018" n="18"/>die fundamentalgesetze des Römischen reichs lieffe, und wan es auch darzu kommen <lb facs="APWIIC3_p0415l19" xml:id="bsb00056723_00415_019" n="19"/>solte, das das der achte churfürst gesetzet würde, so könte man zwar aus gleichem <lb facs="APWIIC3_p0415l20" xml:id="bsb00056723_00415_020" n="20"/>fundament statuiren, das die Türcken auch im religionfrieden mitbegriffen sein <lb facs="APWIIC3_p0415l21" xml:id="bsb00056723_00415_021" n="21"/>sollen, nichtsdestoweniger aber vernehme er, das der Kayser auf gutfinden des <lb facs="APWIIC3_p0415l22" xml:id="bsb00056723_00415_022" n="22"/>reichs sich darzu persuediren laßen.</p>
		<p><lb facs="APWIIC3_p0415l23" xml:id="bsb00056723_00415_023" n="23"/>Nun habe ich ihme dargegen mit wenigem regerirt, das man von dergleichen materi <lb facs="APWIIC3_p0415l24" xml:id="bsb00056723_00415_024" n="24"/>und handlung eines friedens an diesem ohrt nichts fruchtbarliches reden oder <w lemma="handeln"><orig>han-</orig> <lb facs="APWIIC3_p0415l25" xml:id="bsb00056723_00415_025" n="25"/><orig>deln</orig></w> könte, aldieweiln der herr feldmarschall keine commission darzu hette, auch <lb facs="APWIIC3_p0415l26" xml:id="bsb00056723_00415_026" n="26"/>zu zweiffeln, ob er eine bekommen würde; und das ich darfür hielte, wann die <w lemma="Keyserlichen"><orig>Keyser-</orig> <lb facs="APWIIC3_p0415l27" xml:id="bsb00056723_00415_027" n="27"/><orig>lichen</orig></w> zu Oßnabrück mit denen unserigen auff solche weiß, als wie er alhier thete, <lb facs="APWIIC3_p0415l28" xml:id="bsb00056723_00415_028" n="28"/>sprechen würden, das es von seiten der cron daselbsten nicht ermangeln würde.</p>
		<p><lb facs="APWIIC3_p0415l29" xml:id="bsb00056723_00415_029" n="29"/>Hat er darauff gesagt: Fiat, es wehre gleich gut, wo es geschehe; zu Oßnabrück aber <lb facs="APWIIC3_p0415l30" xml:id="bsb00056723_00415_030" n="30"/>wehre es soviel schwerer, weilen allezeit, wann der Kayser in favor der cron <w lemma="Schweden"><orig>Schwe-</orig> <lb facs="APWIIC3_p0415l31" xml:id="bsb00056723_00415_031" n="31"/><orig>den</orig></w> und der protestirenden etwas statuiren wolle, so schreyen die Frantzosen und <lb facs="APWIIC3_p0415l32" xml:id="bsb00056723_00415_032" n="32"/>catholischen dargegen. Er hielte darvor, man solte denen tractaten daselbsten ihren <lb facs="APWIIC3_p0415l33" xml:id="bsb00056723_00415_033" n="33"/>lauff laßen, wünschte aber darbey, das man in geheimb und unter der hand sich mit <lb facs="APWIIC3_p0415l34" xml:id="bsb00056723_00415_034" n="34"/>dem Kayser in handlung einlaßen wolte oder das iemand (auf meine persohn zielend) <lb facs="APWIIC3_p0415l35" xml:id="bsb00056723_00415_035" n="35"/>mit ihme zu dem Kayser selbsten einen ritt thun und selbigem eröffnen möchte, <lb facs="APWIIC3_p0415l36" xml:id="bsb00056723_00415_036" n="36"/>worauff die cron endlich mit dem Kayser schließen und selbiges ungeachtet ein oder <lb facs="APWIIC3_p0415l37" xml:id="bsb00056723_00415_037" n="37"/>des andern contradiction exequiren helffen wolte, so würde es alles bald gethan sein.</p>
		<p><lb facs="APWIIC3_p0415l38" xml:id="bsb00056723_00415_038" n="38"/>Des Kaysers nahm und authoritet im reich wehre noch wohl so gut als einem m/50 <lb facs="APWIIC3_p0415l39" xml:id="bsb00056723_00415_039" n="39"/>man imfeld. Daß hi〈n〉gegen aber der Kayser sich zu Oßnabrück eines nach dem andern <lb facs="APWIIC3_p0415l40" xml:id="bsb00056723_00415_040" n="40"/>auslaßen und doch nicht versichert sein solte, ob er den frieden dardurch erhalte, <lb facs="APWIIC3_p0415l41" xml:id="bsb00056723_00415_041" n="41"/>das könte nicht wohl angehen. Er hoffte auch, es würden in der cron Schweden viri <lb facs="APWIIC3_p0415l42" xml:id="bsb00056723_00415_042" n="42"/>sapientes sein, welche die unbeständigkeit des glücks im krieg consideriren und <w lemma="deswegen"><orig>des-</orig> <lb facs="APWIIC3_p0415l43" xml:id="bsb00056723_00415_043" n="43"/><orig>wegen</orig></w> rahten würden, das man diese gewünschte occasiones zu ihrer hohen reputation, <lb facs="APWIIC3_p0415l44" xml:id="bsb00056723_00415_044" n="44"/>ehr und nutzen reichend nicht ausschlagen solten. Der Kayser an seinem ohrt hette vor <lb facs="APWIIC3_p0415l45" xml:id="bsb00056723_00415_045" n="45"/>diesem auch mit beßeren conditionen fried machen können. Er, Gebhard, und andere <lb facs="APWIIC3_p0415l46" xml:id="bsb00056723_00415_046" n="46"/>mehr hetten auch trewlichst darzu gerahten und allezeit gesagt, man würde das <lb facs="APWIIC3_p0415l47" xml:id="bsb00056723_00415_047" n="47"/>werck so lange auffziehen, bis Franckreich und Bayern sein parthey recht machen <lb facs="APWIIC3_p0415l48" xml:id="bsb00056723_00415_048" n="48"/>könne, welches nun geschehen sey. Man wüste nicht, was noch für revolutiones sich<pb n="360" facs="APWIIC3_p0416" sameAs="#bsb00056723_00416"/><lb facs="APWIIC3_p0416l1" xml:id="bsb00056723_00416_001" n="1"/>ereygen möchten. Einmahl solte man daran nicht zweiffeln, das Italia, Franckreich <lb facs="APWIIC3_p0416l2" xml:id="bsb00056723_00416_002" n="2"/>und Bayern mit denen catholischen ein werck gegen die Schweden und die <w lemma="protestirende"><orig>pro-</orig> <lb facs="APWIIC3_p0416l3" xml:id="bsb00056723_00416_003" n="3"/><orig>testirende</orig></w> vor hette, und wann man warten wolle, bis es gantz ausbreche, dörffte es <lb facs="APWIIC3_p0416l4" xml:id="bsb00056723_00416_004" n="4"/>zu spat werden.</p>
		<p><lb facs="APWIIC3_p0416l5" xml:id="bsb00056723_00416_005" n="5"/>Er gedachte ferners, das vielleicht unserseits das größeste bedencken darin bestehen <lb facs="APWIIC3_p0416l6" xml:id="bsb00056723_00416_006" n="6"/>möchte, das man Franckreich keine jalousie hierunder geben wolte und ohne selbige <lb facs="APWIIC3_p0416l7" xml:id="bsb00056723_00416_007" n="7"/>cron sich in nichts einlaßen dorffte, welches aber seines ermeßens gantz nicht zu <lb facs="APWIIC3_p0416l8" xml:id="bsb00056723_00416_008" n="8"/>achten wehre, nachdem Franckreich selbsten bekenne, das sie mit dem Kayser <w lemma="verglichen"><orig>ver-</orig> <lb facs="APWIIC3_p0416l9" xml:id="bsb00056723_00416_009" n="9"/><orig>glichen</orig></w> und nunmehr nur ein pars assistens sey. Weil nun die cron Schweden auch <lb facs="APWIIC3_p0416l10" xml:id="bsb00056723_00416_010" n="10"/>für sich contentirt und im übrigen in den gravaminibus für ihre glaubensgenoßen <lb facs="APWIIC3_p0416l11" xml:id="bsb00056723_00416_011" n="11"/>mit dem Kayser sich bald vergleichen kan, so würde ja Franckreich solches nicht <lb facs="APWIIC3_p0416l12" xml:id="bsb00056723_00416_012" n="12"/>übel aufnehmen können. Die cron Schweden würde hoffentlich auch so hoch an <lb facs="APWIIC3_p0416l13" xml:id="bsb00056723_00416_013" n="13"/>Franckreich nicht gebunden sein, wann die causa belli dergestald auffgehoben wehre, <lb facs="APWIIC3_p0416l14" xml:id="bsb00056723_00416_014" n="14"/>alleine wegen Franckreich in stetigem krieg zu bleiben.</p>
		<p><lb facs="APWIIC3_p0416l15" xml:id="bsb00056723_00416_015" n="15"/>Von diesem Churbayerischen armistitio giengen seine discourse dahin, wann Bayern <lb facs="APWIIC3_p0416l16" xml:id="bsb00056723_00416_016" n="16"/>vermeine dardurch in ruhe zu sitzen, so werde er sich gewaltig betrogen befinden, <lb facs="APWIIC3_p0416l17" xml:id="bsb00056723_00416_017" n="17"/>und wann Bayern nicht resolvire, mit dem Kayser gantz zu brechen, so könne er bey <lb facs="APWIIC3_p0416l18" xml:id="bsb00056723_00416_018" n="18"/>diesem armistitio nicht lange stehen. Er hette dignitet und lande durch schwerd, <lb facs="APWIIC3_p0416l19" xml:id="bsb00056723_00416_019" n="19"/>bogen und pfeile gewonnen und vermeinte es nun durch papier zu mainteniren, das <lb facs="APWIIC3_p0416l20" xml:id="bsb00056723_00416_020" n="20"/>wehre eine unsichere sache. Es würde vielleicht eine weile so hingehen, aber in die <lb facs="APWIIC3_p0416l21" xml:id="bsb00056723_00416_021" n="21"/>länge würde er es woll empfinden und innen [inne] werden, über wehn es ausgehen <lb facs="APWIIC3_p0416l22" xml:id="bsb00056723_00416_022" n="22"/>werde. Erinnert sich dabei des churfürsten von Sachsen. bey dem er, Gebhard, <w lemma="einmahl"><orig>ein-</orig> <lb facs="APWIIC3_p0416l23" xml:id="bsb00056723_00416_023" n="23"/><orig>mahl</orig></w> bey den wehrenden Pragerischen tractaten<note type="edd" subtype="commAnnot" place="foot" facs="APWIIC3_p0416n1" xml:id="bsb00056723_00416_dok0179-1_n06"><p style="font-style:italic;"> <lb facs="APWIIC3_p0416l51" xml:id="bsb00056723_00416_051" n="51"/>1634/35.</p></note> zur mahlzeit gewesen, so hette <lb facs="APWIIC3_p0416l24" xml:id="bsb00056723_00416_024" n="24"/>selbiger churfürst, indeme sie von ihrer handlung discurrirt, eine weite höltzerne <lb facs="APWIIC3_p0416l25" xml:id="bsb00056723_00416_025" n="25"/>bierkanne mit silbern reyffen beschlagen, daraus er ordinari das Zschopische bier<note type="edd" subtype="commAnnot" place="foot" facs="APWIIC3_p0416n2" xml:id="bsb00056723_00416_dok0179-1_n07"><p style="font-style:italic;"> <lb facs="APWIIC3_p0416l52" xml:id="bsb00056723_00416_052" n="52"/>Bier, in der Stadt Zschopau gebraut.</p></note> <lb facs="APWIIC3_p0416l26" xml:id="bsb00056723_00416_026" n="26"/>drinckt, vor sich gehabt, und, als er den deckel auffgethan, gesprochen: Wann ich nun <lb facs="APWIIC3_p0416l27" xml:id="bsb00056723_00416_027" n="27"/>gleich ein par augen hette so groß als diese bierkanne, so sehe ich doch nicht, wie ich <lb facs="APWIIC3_p0416l28" xml:id="bsb00056723_00416_028" n="28"/>ungeschoren aus diesem handel komme, und alludirte also auff den churfürsten in <lb facs="APWIIC3_p0416l29" xml:id="bsb00056723_00416_029" n="29"/>Bayern, rühmete zwar seine großen verstand, er wehre aber sehr timidus, hette sich <lb facs="APWIIC3_p0416l30" xml:id="bsb00056723_00416_030" n="30"/>für dem brand in seinem land gefürchtet und hette darüber solche feste plätze aus <lb facs="APWIIC3_p0416l31" xml:id="bsb00056723_00416_031" n="31"/>händen gegeben, die da bataillen kosteten, ehe man es gewinnen könne.</p>
		<p><lb facs="APWIIC3_p0416l32" xml:id="bsb00056723_00416_032" n="32"/>Er fragte auch, ob man nicht etwas von unsern articuln könte zu sehen kriegen, <lb facs="APWIIC3_p0416l33" xml:id="bsb00056723_00416_033" n="33"/>worauff ich geandworttet, das man zwar kein bedencken hette, solches zu <w lemma="communiceren"><orig>communi-</orig> <lb facs="APWIIC3_p0416l34" xml:id="bsb00056723_00416_034" n="34"/><orig>ceren</orig></w>, es hetten aber die Beyerischen begehrt, solange daßselbige daßelbige nicht zu <lb facs="APWIIC3_p0416l35" xml:id="bsb00056723_00416_035" n="35"/>publiciren, bis ihr churfürst selbige, welches ehistes geschehen werde, nebenst seinem <lb facs="APWIIC3_p0416l36" xml:id="bsb00056723_00416_036" n="36"/>manifest in druck ausgehen laßen, worauff er hinwiederumb gesagt, das er dem <w lemma="Kayser"><orig>Kay-</orig> <lb facs="APWIIC3_p0416l37" xml:id="bsb00056723_00416_037" n="37"/><orig>ser</orig></w> mit denen wortten geschrieben, Ihre Kayserliche Majestät würden diesen tractat <lb facs="APWIIC3_p0416l38" xml:id="bsb00056723_00416_038" n="38"/>ehe aus dem buchladen als aus der Bayerischen cantzley bekommen. Fragte ferners <lb facs="APWIIC3_p0416l39" xml:id="bsb00056723_00416_039" n="39"/>sonderlich, ob es wegen des landes ob der Ens etwas darinnen gedacht sey, das man <lb facs="APWIIC3_p0416l40" xml:id="bsb00056723_00416_040" n="40"/>dem churfürsten auff den fall, das er die Pfaltz abtreten müste, darzu verhelffen <lb facs="APWIIC3_p0416l41" xml:id="bsb00056723_00416_041" n="41"/>wolle? Alß ich nun gesagt, das hiervon kein wortt gedacht wehre, hat er es fast nicht <lb facs="APWIIC3_p0416l42" xml:id="bsb00056723_00416_042" n="42"/>glauben wollen und darbey, als ich es gewiß bestettigt, gemelt, das der Kayser bald <lb facs="APWIIC3_p0416l43" xml:id="bsb00056723_00416_043" n="43"/>lieber der cron Schweden von selbigem lande etwas als Bayern gönnen solte.</p>
		<p><lb facs="APWIIC3_p0416l44" xml:id="bsb00056723_00416_044" n="44"/>Als man wieder auff den discours von einem armistitio kommen und ich mich <w lemma="ausdrücklich"><orig>aus-</orig> <lb facs="APWIIC3_p0416l45" xml:id="bsb00056723_00416_045" n="45"/><orig>drücklich</orig></w> vernehmen laßen, das es meines wenigen erachtens schwerlich darzu <lb facs="APWIIC3_p0416l46" xml:id="bsb00056723_00416_046" n="46"/>werde kommen und der herr feldmarschall vor fernerer erlangender ordre von <lb facs="APWIIC3_p0416l47" xml:id="bsb00056723_00416_047" n="47"/>Ihrer Königlichen Majestät aus Schweden etc. sich nichts würden disfals resolviren <lb facs="APWIIC3_p0416l48" xml:id="bsb00056723_00416_048" n="48"/>können, hat er gleichwol allezeit dargegen eingewendet, weil der herr feldmarschall <lb facs="APWIIC3_p0416l49" xml:id="bsb00056723_00416_049" n="49"/>mit Bayern ein armistitium gemacht, sonder zweiffel darumb, weilen er einen vortheil <lb facs="APWIIC3_p0416l50" xml:id="bsb00056723_00416_050" n="50"/>darbey gewonnen, so könte er ja eben so guten vortheil vom Kayser als von Bayern<pb n="361" facs="APWIIC3_p0417" sameAs="#bsb00056723_00417"/><lb facs="APWIIC3_p0417l1" xml:id="bsb00056723_00417_001" n="1"/>haben und hette deswegen, wann er etwas gewinnen könne, keiner fernern ordre <lb facs="APWIIC3_p0417l2" xml:id="bsb00056723_00417_002" n="2"/>zu erwartten. Er hette sich ja schon erbotten, das ein jeder theil so lange behalten <lb facs="APWIIC3_p0417l3" xml:id="bsb00056723_00417_003" n="3"/>soll, was er habe, da dann die cron Schweden von dem Bodensee an bis an das mare <lb facs="APWIIC3_p0417l4" xml:id="bsb00056723_00417_004" n="4"/>Balticum die quartier hette. Und were es noch etwa umb ein par öhrter zu thun, müste <lb facs="APWIIC3_p0417l5" xml:id="bsb00056723_00417_005" n="5"/>man auch darumb handeln.</p>
		<p><lb facs="APWIIC3_p0417l6" xml:id="bsb00056723_00417_006" n="6"/>Alß ich nun erwehnt, das ich wohl glaubte, der Kayser solte einige stätte, so er hier <lb facs="APWIIC3_p0417l7" xml:id="bsb00056723_00417_007" n="7"/>oben im reich hat, als Lindow, Regenspurg und etwa auch Egger in Böheimb, <lb facs="APWIIC3_p0417l8" xml:id="bsb00056723_00417_008" n="8"/>abtretten, wann er dadurch auff einen monaht oder 3 zeit gewinnen könte, hat er es <lb facs="APWIIC3_p0417l9" xml:id="bsb00056723_00417_009" n="9"/>so gar groß nicht difficultirt, sondern nur gesagt, das weren gar zu harte conditiones; <lb facs="APWIIC3_p0417l10" xml:id="bsb00056723_00417_010" n="10"/>die reichsstätte anlangend, so wolte er rathen, das der Kayser sein volck daraus ziehe <lb facs="APWIIC3_p0417l11" xml:id="bsb00056723_00417_011" n="11"/>und selbige neutral blieben. Dem Kayser wehre es auch nicht umb die zeit zu <w lemma="gewinnen"><orig>gewin-</orig> <lb facs="APWIIC3_p0417l12" xml:id="bsb00056723_00417_012" n="12"/><orig>nen</orig></w> zu thun, de tempore war seine meinung, ob es zwar wieder die natur eines <lb facs="APWIIC3_p0417l13" xml:id="bsb00056723_00417_013" n="13"/>armistitii sey, den termin bis uff erfolgenden frieden zu setzen, gestalten [gestalt <lb facs="APWIIC3_p0417l14" xml:id="bsb00056723_00417_014" n="14"/>denn]<note type="edd" subtype="commAnnot" place="foot" facs="APWIIC3_p0417n1" xml:id="bsb00056723_00417_dok0179-1_n08"><p> <lb facs="APWIIC3_p0417l40" xml:id="bsb00056723_00417_040" n="40"/>[gestalt denn].</p></note> solches kein stillstand, sondern der friede selbsten wehre, gleicherweise als <lb facs="APWIIC3_p0417l15" xml:id="bsb00056723_00417_015" n="15"/>der religionsfrieden auch bis auff einen christlichen vergleich (welcher <w lemma="nimmermehr"><orig>nimmer-</orig> <lb facs="APWIIC3_p0417l16" xml:id="bsb00056723_00417_016" n="16"/><orig>mehr</orig></w> geschicht) gemacht worden, nichtsdestoweniger so würde es sich der Kayser <lb facs="APWIIC3_p0417l17" xml:id="bsb00056723_00417_017" n="17"/>doch auch gefallen laßen. Wolte man aber eine determinirte zeit, lang oder kurtz, <lb facs="APWIIC3_p0417l18" xml:id="bsb00056723_00417_018" n="18"/>benennen, wehre es ihme auch gleich viel, weilen des Kaysers intention darbey nicht <lb facs="APWIIC3_p0417l19" xml:id="bsb00056723_00417_019" n="19"/>anderst sey, als das es geschehe in ordine ad pacem und nicht ad bellum.</p>
		<p><lb facs="APWIIC3_p0417l20" xml:id="bsb00056723_00417_020" n="20"/>Er wu[ßt]e auch eines brieffs zu reden, den der von Rosenberg solte geschrieben <lb facs="APWIIC3_p0417l21" xml:id="bsb00056723_00417_021" n="21"/>haben, der ausgekommen sein soll. Er hette ihm deswegen zugesprochen, das dem <lb facs="APWIIC3_p0417l22" xml:id="bsb00056723_00417_022" n="22"/>Kayser solches nicht gefallen würde, betewerte es hoch, das Gott ein zeichen an <lb facs="APWIIC3_p0417l23" xml:id="bsb00056723_00417_023" n="23"/>ihm thun solte, wan des Kaysers intention dahin gienge.</p>
		<p><lb facs="APWIIC3_p0417l24" xml:id="bsb00056723_00417_024" n="24"/>Weiters gedachte er auch, das der Kayser dem churfürsten in Bayern wegen <w lemma="übergebung"><orig>über-</orig> <lb facs="APWIIC3_p0417l25" xml:id="bsb00056723_00417_025" n="25"/><orig>gebung</orig></w> der reichsstätte zugeschrieben mit denen formalien: Er wüste wohl, weme <lb facs="APWIIC3_p0417l26" xml:id="bsb00056723_00417_026" n="26"/>er selbige stätte anbetrawet hette.</p>
	      </div>